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Full text of "Die Infusionsthierchen als vollkommene Organismen. Ein Blick in das tiefere organische Leben der Natur"

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OF 



COMPARATIYE ZOOLOGY, 



AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. 



jfoun'Bc& öi) prfbate suliscrfytfon, fn 1S61. 



Deposited by Alex. Agassiz 
from the Library of LOUIS AGASSIZ. 



No. I V,?7ö 





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245 



Die geographische Verbreitung ist durch Europa, in Dongala Nubiens, im sinaitischen Arabien und 
im Ural des nördlichen Asiens beobachtet. 

Uebersicht der Gattungen der Scheibenthierchen: 

l flache Form und einfacher Wimperkranz Cyclidium 

Körper mit Wimpern . . . j rnndlic]ie Fwnn> überall ZC rstrente Wimpern .... Pantotrichum 

mit Borsten besetzt Chaetomonas 



ACHTZIGSTE GATTUNG: SCHEIBENTHIERCHEN. 

Cyclidium. Cyclide. 

CHARACTER: Animal e familia Cyclidinorum , corpore compresso, ciliorum singula serie circulari in- 
strueto. 

CARACTERE: Animäl de la famille des Cyclidines, h corps comprime, pourvu de eils en sim- 
ple rang circulaire. 

Die Gattung der Scheibenthierchen unterscheidet sich in der gleichnamigen Familie durch flachen 
Körper und einen einfachen Wimperkranz um denselben. 

Der Gattung Cyclidium werden hier 4 Arten, aber nur eine ganz sicher, zugewiesen; man hatte 
in ihr bisher nicht weniger als 98 verzeichnet. Joblot und Hill beobachteten wohl die erste Art 1716 
und 1752, und letzterer gründete die Gattung Cyclidium mit 4 Arten, von denen jedoch nur die 2te hier- 
her gehört, die übrigen andern Gattungen anheimfallen. Müller gab 1773 der Gattung 7 Arten und 1786 
auch 7, von denen jedoch 2 neu waren und an die Stelle von eben so viel ausgeschiedenen der frülieren 
kamen. Später wurden nur Müller s Arten hier und da wiederholt verzeichnet. Nitzsch zog 1817 Cer- 
caria Cyclidium und Cerc. Discus in diese Gattung, und Bory de St. Vincent vermehrte die Zahl der 
Arten 1824 mit 4 neuen Namen. In den Symbolis physicis von Hemprich und Ehrenberg wurden 1828 
3 neue Arten aus Dongala und der libyschen Amnions -Oase abgebildet, und 1829 wurden von Losana all- 
ein 78, leider ganz unhaltbare, Arten aus Piemont benannt und abgebildet. In den Abhandlungen der Ber- 
liner Akad. d. Wissenschaften wurde dann 1830 der Character der Gattung physiologisch festgestellt und 
ebenda 1831 eine neue Art hinzugefügt, die Zahl der Arten aber im Ganzen auf nur 4 beschränkt, indem 
auch eine der libyschen Formen im Texte zu den Symbolis physicis 1831 zu Monas gezogen worden 
war _ An Organisation ist das polygastrische Ernährungssystem deutlich, am vollständigsten bei C Glau- 
coma erkannt. Der Mund ist eine rundliche Oeffnung auf der Bauchseite dicht am vordem Ende, oder ge- 
gen die Mitte. — Die Bewegungsorgane sind weder blosse Rüssel, noch blosse Mundwimpern, sondern, wie 
bei Kerona und Stylonychia, eine Vielzahl von wimperartigen Füssen am Bauchrande. Diess ist jedoch 
nur bei Einer Art scharf beobachtet. Es schienen neuerlich auch noch Längslinien (Längsreihen von sehr zarten 
Wimpern?) überdiess vorhanden zu seyn, so dass, wenn sich eine besondere Analöffnung noch vorfände, 
Cycl. Glaucoma sich wohl den Oxytric Innen anreihen Hesse. — Die weiblichen Sexualorgane sind noch 
nicht direct erkannt oder übersehen, die männlichen sind als eine, bei der Queertheilung doppelte, grosse 
rundliche Drüse bei C. Glaucoma und lentiforme deutlich. Auch eine contractile Blase ist bei beiden er- 
kannt. Spontane Queertheilung ist häufig, Längstheilung noch nicht beobachtet, 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist die bei der Familie angegebene, grosse. 

348. Cyclidium Glaucoma, bläuliches Scheibenthierchen. Tafel XXII. Fig. I. 

C. corpore oblongo-elliptico integro, ciliorum ventris Corona ampla, dorsi liueis obsoletis, subtilissimis, motu Gyrinorum. 

Cyclide Glaucome, ä corps oblong - eUiptic/ue , ayant le cercle de eils autour du venire Inen large, 
les raies du dos tres-delicates et le mouvement des Gyrins. 

Fonrmüiere de tres petits animaux, Joblot? Observat. avec le Microscope, PI. 5. Fig. 3. 1716. ed. II. 1754. p. 34. 
Cyclidium (secundum) , Hill, History of animals, III. p. 3. Fig. 2. 1752. 

Cyclidmm Glaucoma, Müller, Verminm hist. 1773. p. 38. Animalc. infus. 1786. p. 80. Tab. XI. Fig. 6-8. 
Ovallhierchcn? , Gleichen, Abhandl. üb. Infusionsth. zum Theil, Taf. XIV. Fig. 3. E. XIX. D. III. XX\III. Fig. 7. 1/78. 
Volvox Glaucoma, Bort de St. Vincent, Encyclopedie method. 1824. Art. Microscopiques, Volvox 

Bursaria Ovulum, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab II. Fig. III. I. 1\ . 4. 1828 
Cyclidium Glaucoma, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 15. 1830. p. 56 , 62 , 74. Taf. I. Flg. 4. 1831. p. 74. 

Symb. physic. Text. 1831. 

Aufenthalt: In Frankreich?, England, Dänemark, auf dem Greifenstein ob Bonnland, bei Berlin, bei Tor am Sinai Arabiens und 
in Petersburg. 

03 



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Diese Form gehört, ihrer eigcnthümlichcn Bewegungen halber, zu den sich auszeichnenden des Mikroskops. Man vergleicht 
die Bewegung sehr richtig nach Müller mit der raschen umherschweifenden und plötzlich ruhenden des Gyrinus natator, eines be- 
kannten kleinen, 2 Linien grossen, schwarzen Wasserkäfers, welcher truppweise, silberglänzend an der Oberfläche des Wassers auf 
schattigen Gräben schwimmt. Zuweilen ist die Bewegung überaus rasch durcheinanderfahrend, oft stehen sie plötzlich still und springen 
gleichsam dann im Bogen an einen andern Ort. Bei starker Vergrösserung sieht man, dass, wenn sie still stehen, sie wirbeln und 
Nahrung aufnehmen, dabei stützen sie sich auf die schwer sichtbaren Randborsten, welche ihnen, wie den Wassermücken die Füsse, 
zum Ruhen auf dem Wasser und auch zum Klettern dienen. Sie hängen aber im Wasser mit dem Rücken nach unten. Sie nehmen 
sehr leicht farbige Nahrung auf, finden sich in allen Aufgüssen und gehören zu den verbreitetsten und zahlreichsten Formen. Man ver- 
wechselte sie früher wohl oft mit Glaucoma scintillans, welches viel grösser ist, und die Abbildungen erlauben keine sichere Ent- 
scheidung darüber. Schon 1830 gab ich viele schärfere Abbildungen dieses Thierchens. Neuerlich habe ich den Mund und die Samen- 
drüsen sammt der contractilen männlichen Blase noch erkannt. Diese Blase bezeichnet schon Müller als hellen Punkt; was er aber 
Darm nennt, mag irgend eine verschluckte Substanz gewesen seyn. Die Queertheilung hat Müller auch schon gesehen. — Län^e 

1/1/ T - ' ~ ö ° 

/24o — /96 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. I. 

Es sind 3 Gruppen bei 3 verschiedenen Vergrösserungen abgebildet. A. ist 310mal vergrössert, mit Indigo genährt. B. ist 800mal vergrössert. Bei 
4. sind 3 verschiedene Ansichten Eines Thierchens. Fig. 5. ist in der Queertheilung begriffen. C. sind etwas grössere Exemplare von % Linie 
Lange, 800mal vergrössert. Fig. 1. einfach mit seinen Schwimmborsten, seiner Kugeldrüse, contractilen Blase, Magen und Streifen. Fig. 2. in 
der Queertheilung mit 2 Kngeldriisen. Fig. 3. Seitenansicht. 

349. Cydidium margaritaceum, perlfarbiges Scheibenthierclien. Tafel xxn. Fig. II. 

C. corpore orbiculari - elliptico, postica parte leviter exciso, dorso distinetius lineato, eiliis obsoletis, colore margaritaeeo. 

Cyclide Perle, a corps orbiculaire - elliptique , leger ement echancre au bout posterieur, plus distinete- 
ment raye au dos, ayant les eils peu visibles et la couleur gris de perle. 

Cydidium margaritaceum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 62. 1831. p. 74. 

Aufenthalt: Bei Catharinenburg im Ural und bei Berlin. 

Die Form wurde im Juli 1829 auf der Reise mit Herrn Alexander von Humboldt nach Sibirien entdeckt, seitdem aber 
auch häufig bei Berlin in verschiedenen Aufgüssen beobachtet. Sie ist breiter und kürzer als vorige, hinten leicht ausgeschweift und 
hat da eine contractile helle Blase. Die Form ist zuweilen schwer von Oxytricha Cicada zu unterscheiden und könnte wohl, aber 
doch kaum, ein Jugendzustand derselben oder der Euploea Charon seyn. Der Mund ist eine grosse ovale Oeffnung fast in der Mitte. 
Die Wimpern habe ich oft an ihrer Wirkung, nie an sich, sehen können. Sie füllt sich leicht mit Farben, lebt mehr einzeln und hat 
nicht die rasche Bewegung der vorigen. — Länge Vizs — Vs* Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. II. 

A. ist eine in Catharinenburg gezeichnete Gruppe, 250mal vergrössert; B. ist von Berlin. Die beiden kleineren Figuren sind 300-, die 4 grösse- 
ren 500mal vergrössert. Fig. 1. ist vom Rücken, Fig. 2. von der Seite gesehen, wirbelnd; Fig. 4. ist in der Queertheilung; alle zeigen die 
M.mdortnung deutlich. Fig. 3. hat Indigo aufgenommen, In dieser und der oberen kleineren Figur ist die contractile Blase angezeigt. 

35©. Cyclidiumf planum, flaches Seheincnthierchen. Tafel xxn. Fi«. III. 

C. minus, corpore oblongo- elliptico, laevi, eiliis obsoletis. 

Cyclide? plat, plus petit r/ue le premier, ä corps ovale - elliptique , lisse, ayant les eils peu marques. 

Cydidium? planum, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa, Tab. I. Fig. III. 1828. Text 1831 
Cydidium? planum, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 15 , 20. 1831. p. 74. 

Aufenthalt: In Dongala Nubiens im Nil. 

Ich beobachtete es mit Dr. Hemprich im März 1822 in Kasr Dongala. Ich würde die Form, welche an Bewegung und 
Gestalt ganz dem C Glaucoma gleich war, für jene Art halten, wenn nicht die Grösse zu verschieden gewesen wäre. Den Mangel 
der Wimpern halte ich für Mangel an Beobachtung. — Grösse V220 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. III. 

A. ist die von mir in Dongala gefertigte Zeichnung, zwei vom Rücken, eins von der Seite; Vergrösserung 200mal. B. sind Skizzen derselben Fi- 
guren auf den Maassstab von 600maliger Vergrösserung erhöht, zur Vergleichung mit den andern Arten; + Seitenansicht. 

351. Cyclidiumf lentiforme, linsenförmiges Scheinenthierchen. Tafel xxn. Fig. IV. 

C. minus, corpore orbiculari - elliptico , laevi, eiliis obsoletis. 

Cyclide L ent ille, plus petit f/ue le second, d corps orbiculaire -elliptique, saus echancrure, sans raies 
et sans eils distinets. 

Cydidium lentiforme, Hemfr IC h u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata E Phytozoa, Tab. I. Fig. II. 1828. Text 1831. 
Cydidium lentiforme, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 15, 20. 1831. P . 75. 

Aufenthalt: In Dongala Nubiens am Nil. 

1 U v E i S , fand 1 . 8icl1 Zwi8Clien Nil - Co "ferven auf der Insel Argo in Dongala, wo ich mit Dr. Hemprich im März 1822 einige Zeit 
lebte, üs Hatte die rasche, zitternde, dann schnell ruhende Bewegung des Cydidium Glaucoma, und in der Mitte zuweilen einen 
deutüCfi umschriebenen runden Körper (Samendrüse?), den ich damals für verschluckte Confervensaamen hielt. C. lendiforme ist un- 
richtig. Es ist v ie l kleiner als C. margaritaceum. — Grösse V« s Linie 



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Erklärung der Abbildungen Tai. XXII. Fig. IV. 

A. ist die von mir in Dongala gefertigte Zeichnung. Die schmäleren sind von der Seite gesehen; Vergrößerung 200mal. B. sind Skizzen derselben 
Figuren nach dein Maassstabe 600- und 800maliger Vergrösserung , zur Vergleichung der übrigen. 



Nachtrag zur Gattung Cyclidium. 

Die 96 Artnamen der Gattung Cyclidium, welche nur etwa 4 — 5 Arten wirklich enthalten, sind besonders durch Losana's 
75 Namen hervorgebracht, welche derselbe in dem Memorie di Torino Vol. XXXIII. 1829. bekannt machte und abbildete, wobei zum 
Glück 3 Namen in der Eile übergangen wurden, indem es 78 seyn sollten. Sie sind in der Isis 1832. p. 769. copirt und können, 
da die Abbildungen den jetzigen Ansprüchen auf Darstellung gar nicht entsprechend und unkenntlich sind, auch, wie es scheint, keine 
einzige Form zur Gattung Cyclidium gehört, hier füglich übergangen werden. Derselbe Verfasser hat in den Gattungen Volvocc, 
Proteus, Kolpoda, Paramecium und Oplarium fast 300 unbrauchbare Namen, und auch für die scheinbar entsprechenden Zeichnun- 
gen einiger Formen keine Bürgschaft treuer wissenschaftlicher Auffassung gegeben. Die 4 ersten Cyclidia, welche Hill 1751 ver- 
zeichnete, nahm Müller in sein System unter den Namen 1) Monas Lens, 2) Cyclidium Bulla, 3) C. Nucleus und 4) C. ra- 
dialis (auch Leucophra vesiculifera) auf. Bory de St. Vincent hat 1824 von Müller's 10 Cyclidien von 1786 nur 3 dafür 
erkannt: C. hyalinum, Nucleus und nigricans, die übrigen nennt er Monas Bulla, Bursaria rostrata, Burs. Pediculus (auch 
Peritricha polyporum), Bursaria dubia und Volvotc Olaucoma. Das C. fluitans und Milium sind übergangen. Die beiden 
Cyclidia, welche Nitzsch 1827 in Ersch und Gruber's Encyclopädie (Cercaria) hinzufügte, hat Thon ebenda (Cyclidium) 1829 
übergangen. Folgendes ist die Synonymie der 17, ausser obigen 75, hier zurückgewiesenen Namen : 1) Cyclidium Bulla Müller (1773) 
= Cyclidium? , Monas Guttata?; 2) C. cercarioides Bort (1824) == Trichoda? ', Enchelys? ; 3) C. Cyclidium Nitzsch 
(1817) [1827] = Cyclid. margaritaceum?; 4) C. Discus Nitzsch (1817) [1827] = Bodo?, Euglena? ; 5) C. dubium Mül- 
ler (1786) = Paramecium? ; 6) C enchelioides Bory (1824) = Monas tremula? ; 7) C. fluitans Müller (1786) == C. 
margaritaceum? , Euplotes? ; 8) C. hyalinum Müller (1786) = Bodo? ; 9) C. inane (Symbolae physicae 1828.) — Monas 
inanis; 10) C. Milium Müller (1773) = Paramecium Milium; 11) C. mutabile Bory (1824) = Cycl. Glaucoma? , Mo- 
nas?; 12) C. nigricans Müller (1786) = Monas; 13) C. Nucleus Müller (1773) = Enchelys? , Monas? ; 14) C. obtu- 
sans Bory (1824) = Enchelys? , Trichoda? ; 15) C. Pediculus Müller (1773) = Trichodina Pediculus; 16) C. radialis 
Müller (1773) = Leucophrys Ovum? ; 17) C. rostratum Müller (1773) = Enchelys?. (Vergl. Isis 1833. p. 243. 1834.) 
Von Losana's Figuren gehören vielleicht Cycl. bilobum, crenatum, praemorsum, Pullastrum, reniforme, striatum und ver- 
rucosum, also 7 Arten, zu Kolpoda Cucullus ; Cycl. gibbosum, glaucum und nasutum zu Amphileptus Fasciola, und Cycl. 
saliens zu Glaucoma scintillans \ C. cucullatum, aduncum, albicans, bullatum zu Chilodon Cucullulus; C. omatum zu 
Chilodon uncinatus, so wie man etwa die willkührlichsten einfachen Umrisse auf irgend eine Infusorienform wird deuten können. 



EINUNDACHTZIGSTE GATTUNG: MUFFTHIERCHEN. 

Fantotrichum. Pantot rique. 

CHARACTER: Animal e familia Cyclidinorum , corpore ciliis mobilibus undique hirto, turgido. 

CARACTERE: Animal de la famille des Cyclidines, ä corps gonfle et partout garni de cils mo- 
biles. 

Die Gattung der Muffthierchen gehört zur Familie der Scheibenthierchen, zeichnet sich aber durch 
überall mit beweglichen Wimpern behaarten gerundeten Körper aus. 

Die Gattung Pantotrichum wurde 1830 in den Abhandlungen der Berl. Akad. der Wissenschaften 
errichtet und mit 1 Art, 1831 mit 5 Arten versehen. Bei 2 derselben fand sich bald darauf, dass sie 
durch eine harte Schaale gepanzert waren, sie wurden daher 1833 (1832) ebenda in die besondere Gat- 
tung Chaetotyphla der Familie der Kranzthierchen gestellt. Es scheint, dass keine der Arten früher 
bekannt gewesen, wenn nicht Leucophra viridis Müllers von 1786 vielleicht einerlei ist mit Pant. Vol- 
vox. Dass Leuc. scintillans und aurea sammt Trichoda horrida Müllers zu Pantotrichum gehören, 
ist mir jetzt fast unwahrscheinlich (s. Isis 1833. p. 253.). — Die Organisation ist noch nicht hinreichend 
ermittelt. Nur bei P. Enchelys sind Magenzellen undeutlich beobachtet. Die Eiermasse des Geschlechts- 
organismus ist nicht direct erkannt. Nur ist es wahrscheinlich, dass die grüne Farbe des P. Volvox und 
die gelbliche der 2 andern Arten den Eiern angehören. Der helle grosse Fleck im Hintertheile des P. En- 
chelys könnte Samendrüse seyn, dieselbe hat auch Längstheilung gezeigt. Der Mangel einer doppelten Oeff- 
nung ist noch nicht erwiesen, aber auch nicht ihre Existenz. 

Die geographische Verbreitung ist über Berlin s Umgegend hinaus unsicher. 



24S 



352. Pantotrichum Enchelys, längliches Muffthierchen. Tafel xxii. Fig. vn. 

P. corpore cylindrico-oblongo, utrinqae rotundato, pallide flavicante, media parte turbido utrinque hyalino. 

Pantotrique Enchelide, a corps cylindrique oblong, arrondi aucc deuos bouts, jaunätre pale, trou- 
ble au milieu et hyalin auas deucc bouts. 

Pantotrichum Enchehjs, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 75. 

Aufenthalt: In Berlin. 

Diese Art lebt in faulem Fleisch wasser , rohen Fleisch - Infusionen , in zahllosen Mengen. Sie nahm nie Farbe -Nahrung auf. 
Die undeutlichen Magenzellen liegen dicht umhüllt von einem gelblichen Eierstock (?) in der Mitte. Yorn und hinten ist der Körper 
hell, vorn durch den Mundraum, hinten durch eine männliche Samendrüse?. Ich sah Längstheilung, vielleicht auch Queertheilung und 
oft traubenartiges Zusammenhängen, ob in Folge unvollkommener Selbsttheilung ? . Bewegung um die Längsaxe drehend und gleitend. 
— ■ Länge bis 1 /g 6 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. VII. 

Es sind 29 Thierchen in verschiedenen Lagen und Zuständen, 300mal vergrössert. Fig. 1. einfache Form; Fig. 2. in der Queertheilung (?); Fig. 3. 
in der Längstheilung; Fig. 4. traubenartig, sämmtlich mit anliegenden Wimpern, scheinbar glatt; Fig. 5. traubenartig mit gespreizten Wimpern, alle 
schwimmend. Bei + ist ein Thierchen von vorn gesehen. Trübt man das Wasser mit Indigo, so sieht man bei allen die Wimpern. 

353. Pantotrichum Molvoar, wälzendes Muffthierchen. Tafel XXII. Fig. Vin. 

P. corpore ovato - globoso , viridi. 

Pantotrique Volvoce, a corps ovale -spherique, vert. 

Leimophra viridis, Müller? Animalc. infus, p. 143. Tab. XXI. Fig. 9 — 11. 1786. Bory, Encycl. meth. 1824. 
Pantotrichum Volvox, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 39. 1831. p. 75. 

Aufenthalt: Bei Berlin, vielleicht auch im brakischen Wasser bei Copenhagen. 

Diese Form ist noch nicht vielfach beobachtet und kann daher eine Bursaria oder Leucophra seyn, wenn sie 2 Oeflhnn- 
gen zeigte, was man hei dem, bisher nicht gelungenen, Füttern mit Farbestoften durch die Aufnahme- und Abgangsstelle erkennen wird. 
— Grösse bis V72 Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXII. Fig. VIII. 
Ein Exemplar bei 300maliger Vergrösserung. 

354. Pantotrichum JDagenuta, flaschenförmiges Maffthierchen. Tafel xxii. Fig. ix. 

P. corpore ovato, utrinque aequaliter rotundato, flavicante, cute eiliata in Collum seu rostrum truncatum producta. 

Pantotrique Lagenelle, a corps ovale, egalement arrondi aucc bouts, jaunätre, ayant la peau ci- 
liee avancee en forme de goulot de bouteille ou de bec. 

Pantotrichum Lagenula , Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 76. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese Art lebt mit der vorigen zwischen Conferven im Juli, beide sehr einzeln. Bewegung beider langsam, um die Längs- 
axe wälzend. Eine panzerlose bewimperte Lagenella. — Grösse Voo — l Uz Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. IX. 

Es sind 3 Exemplare verschiedener Grösse bei 300maliger Vergrösserung. 



Nachtrag zur Gattung Pantotrichum. 

Ausser den verzeichneten 3 Arten haben die zwei andern, früher hierher bezogenen, jezt folgende Synonyroie: 1) Pantotri- 
chum asperum (1831) = Chaetotyphla aspera; 2) P. armatum (1831) ■= Chaet. armata. Die obigen zwei Leucophra- 
Artcn und Trichoda horrida von Müixer sind für diese Gattung weiter zu vergleichen. 



ZWEIUNDACHTZIGSTE GATTUNG: BORSTEN MONADE. 

Chaetomonas. Chetomonade. 

CHARACTER: Animal e familia Cyclidinorum, ore vibrante, corporis setis non vibrantibus, lente pro- 
grediens et saliens. 

CARACTERE: Animal de la famille des Cyclidines, vibrant a la bouche, aranrant lentement et 
mutant par le moyen de soies non vibrantes du corps. 



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Die Gattung der Borste nmonaden unterscheidet sich in der Familie der Scheibenthierchen durch 
Wirbeln am Munde, langsame Bewegung und Hüpfen mit Hülfe nicht wirbelnder Körperborsten. 

Die Formen dieser Gattung sind erst seit 1831 bekannt, wo sie in den Abhandl. der Berl. Akad. 
d. Wiss. als dieselben 2 Arten verzeichnet wurden, welche hier aufgeführt werden. — An Organisation ist 
noch wenig mit Sicherheit ermittelt. Es sind Monaden - ähnliche sehr kleine Thierchen, die nur in faulem 
Fleischwasser und im Leibe todter Infusorien leben, daher die Aufnahme farbiger Nahrung verschmähen und 
schwer zugänglich sind. Die graue körnige Farbe der Ch. Globulus Hess auf farblose oder weissliche Eier 
und sehr kleine Magenzellen schliessen, die aber nicht scharf unterschieden wurden. Ein sehr feiner Wir- 
bel leitet auf die Mundstelle am vordem Ende. Ob ein Rüssel, ob Wimpern ihn erregen, blieb unerkannt. 
Bei Ch. constrictum ist vielleicht Queertheilung sichtbar gewesen. 

Die geographische Verbreitung ist ausser Berlin noch nicht beobachtet. 

355. Chaetomonas Globulus, fciiglige Borstenmonade. Tafel xxn. Fig. V, 

Ch. major, subglobosa, cinerascens , setulosa. 

Chetomonade Globale, plus gründe, presf/ue sp/ierir/ue, ccndrce, garnh de soies. 

Chaetomonas Globulus, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 77. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Sie lebt in übelriechenden Fleisch - Infusionen mit Pantotrichum Enchelys, ich fand sie aber auch im Innern eines noch 
mit bewegten Papillen versehenen Closterium acerosum allein und auch in todten Räderthieren. Sie hat oft die Gestalt der Mo- 
nas Guttata, ist aber kleiner. Durch das Hüpfen bemerkt man erst die wahre Natur und sieht dann auch die Borsten. Zuweilen 
hängen auch 2 zusammen. Bodo socialis hat nur 1 Borste. Selbsttheilung ist nicht beobachtet. — Grösse Vno Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. V. 

Es sind 30 Thierchen bei 300maliger Vergrösserung im Durchmesser. 
Fig. 1. ist aus einem todten Räderthierchen; Fig. 2. wurde im Januar J830 mit Monas Termo in stinkendem Fleischaufguss« beobachtet; Fig. 3. 
ist ein, am 4. Mai 1832 beobachtetes, Closterium acerosum, dessen Entozoen sie bildet. Bei + war es geborsten, lebte aber noch. (Vergl. Bodo 
viridis.) 

356. Chaetomonas constricta, eingeschnürte Borstenmonade. Tafel xxh. Fig. vi. 

Ch. minor, oblonga, medio le viter constricta, hyalina, setis duabus. 

Chetomonade etranglee, plus petite, oblongue, legerement etranglee au milieu, hyaline, aijant 
deuaz soies. 

Chaetomonas constricta, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 77. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich habe diese Art öfter zahlreich mit Monas Crepusculum im Körper der todten Hydatina senta beobachtet, habe aber , 
nicht ganz entscheiden können, ob die eingeschnürte Gestalt durch Queertheilung entsteht, oder Grundgestalt ist. Sehr grosse Durch- 
sichtigkeit verhinderte bisher bei der Kleinheit eine Erkenntniss der specielleren Organisation. — Grösse Vmo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. VI. 
Es sind 6 Thierchen bei 300maliger Vergrösserung im Durchmesser. 



ZWÖLFTE FAMILIE: KRANZTHIERCHEN. 

Peridinaea. Peridines. 

CHARACTER: Animalia aperte aut verisimiliter polygastrica, anentera (tubo intestinali destituta), lori- 
cata, vibrantia, eiliis setisve in corpore aut lorica sparsis appendiculata, saepe ciliorum 
cingulo vel Corona ornata, loricae apertura unica. 
CARACTERE: Animaux distinetement ou vraisemblablemenl polygastriques, sans canal intesti- 
nal, ayant une carapace et des soies ou des eils epars sur le corps ou sur la cara- 
pace, souvent en forme de ceinture ou de couronne, pourvus dune seule Ouvertüre 
de la carapace et vibrants. 
Die Familie der Kranzthierchen umfasst alle deutlich oder wahrscheinlich polygastrischen Thier- 
chen ohne Darmkanal, welche gepanzert sind und auf dem Körper oder Panzer zerstreute wimper- oder 



— — — 250 — 

borstenartige Fortsätze, oft in Form eines Gürtels oder Wimpernkranzes, besitzen, eine einzige Panzeröff- 
nung führen und wirbeln. 

Die Familie der Kranztliicrchen gehört zu den interessantesten. Sie wird jetzt von 17 Thier- 
arten gebildet, welche in 4 Gattungen vertheilt sind. Gegründet wurde sie 1830 in den Abhandl. d. Herl. 
Akad. d. Wiss. mit den 5 Gattungen Peridmium, Cyclidium, Pantotrichum, Gonium und Volvox, die 
seitdem in 3 Familien vertheilt worden sind. Die Scheiben thierchen wurden 1831 (ebenda) abgeson- 
dert, und 1833 (1832) die Kugelthiere. Die ersten Formen beobachtete O. F. Müller 1773 als Bur- 
saria hirundinella und Vortieella cincta, und 1776 als Cet raria Tripos, welche sämmtlich Arten der 
Gattung Peridmium waren. Schränk beschrieb 1793 2 Arten der Gattung Peridmium als Ceratium und 
1803 eine dritte. Nitzsch nannte 1827 Müllers Cetraria: Ceratium Tripos. Bory de St. Vincent, 
welcher Müller s Abbildungen neu classificirte, nannte 1824 die Bursaria: Hirundinella quadricuspis, 
die Cercaria: Tripos Mülleri, die Vortieella war ihm unklar. Im Jahre 1831 waren 2 Arten der Fa- 
milie als Pantotricha beschrieben. Im Jahre 1833 wurde aus ihnen die Gattung Chaetotyphla gebildet 
und gleichzeitig die Gattung Chaetoglena errichtet. Im Jahre 1835 wurde die Gattung Glenodinium hin- 
zugefügt. Seit 1836 sind fossile Arten beobachtet, — Die thierische Organisation ist in ziemlicher Vollen- 
dung ermittelt. — Als Bewegungsorgan ist ein fadenförmiger Rüssel bei 4 von den 5 Gattungen ermittelt. 
Ausserdem ist ein Wimpernkranz um die Körpermitte, oder es sind zerstreute Wimpern oder doch Borsten, 
kleine Spitzen u. dergl. Anhänge vorhanden. — Stoffaufnahme in innere Behälter gelingt schwer zu beob- 
achten, nur bei Peridinium Pulvisculus und P cinetum ist sie erkannt. Die polygastrischen Behälter sind 
ausserdem meist durch die farbige Eiermasse sehr verdeckt. — Das Sexualsystem ist theilweise bei allen 
Arten aller Gattungen erkannt, bei Peridin. Tripos ist auch die männliche. Sexualdrüse beobachtet. Alle 
Arten aller Gattungen sind farbig, grün, gelblich oder braun, und bei mehreren Arten besteht diese Färbung 
deutlich aus inneren eiartigen Körnchen. Contractile männliche Blasen sind noch nicht erkannt. — Ein Em- 
pfindung ssystem ist bei 4 Arten durch rothe Augenpunkte bezeichnet und diese sind zu Characteren zweier 
Gattungen benutzt. 

Die geographische Verbreitung der lebenden Formen ist nur in Europa, jedoch im Süsswasser und 
auch im Seewasser der Ostsee, beobachtet. Zwei ganz deutliche fossile Formen der Gattung Peridinium 
finden sich in den Feuersteinen der Kreide mit Xanthidien und Algen. Ganz besonders interessant ist 
auch die durch Dr. Michaelis 1830 entdeckte Fähigkeit der Lichtentwickelung bei mehreren Arten dieser 
Familie, welche in den Abhandlungen der Berl. Akad. d. Wiss. 1834 bestätigt, und auf 5 Arten der Gat- 
tung Peridinium ausgedehnt wurde. (S. den Nachtrag.) 

Uebersicht der 4 Gattungen der Kranzthierchen: 

Panzer mit steifen Borsten oder Spitzen besetzt, oline Quecrfurche \ ^ A,, S CI1 l )Unkt Chaetotyphla 

I mit Augenpunkt Chaetoglena 

Panzer glatt oder rauh, mit einer bewimperten Quecrfurche . . j ° ,me Au § cn l )unkt Peridinium 

mit Augenpunkt Glenodinium 



DREIUNDACHTZIGSTE GATTUNG: KLETTENTHIERCHEN. 

Chaetotyphla. Chctotyphle. 

I CHARACTER: Animal e familia Peridinaeorum , lorica (silicea) hispida aut rigide pilosa, integra (sulco 

transversa nullo), nec ocellatum. 

CÄRACTERE: Animal de la familte des Peridmes, ä carapace (siliceuse) herissee de pointes ou 
gar nie de poils raides, sans sillon transversal, sans oeil. 
Die Gattung der Klettenthierchcn unterscheidet sich in der Familie der Kranzthierchen durch 
gldchfönmgen steif behaarten oder rauhen (Kiesel-) Panzer (ohne Queerfurche) , und durch Mangel eines 
Augenpunktes. 5 

Diese Gattung wurde 1833 in den Abhandlungen der Berliner Akad. d. Wiss. mit 2 Arten zuerst 
publierrt. Ihre beulen Formen waren 1831 ebenda ohne Erkennen des Panzers unter den Arten der Gat- 
tun, Pantotrwhum verzeichnet worden. Die Organisation ist noch nicht hinreichend ermittelt. Es sind 
Monaden ähnliche frei bewegte Körperchen, deren Panzer die Durchsichtigkeit beschränkt, Beim Druck 
zwischen geschliffenen Glasplatten platzt dieser und lässt das innere Thierchen frei. Seine Oberfläche ist 



überall mit kleinen Spitzen und Borsten besetzt, die sieh bei beiden lebenden Arten um hintern Ende et- 
was verstärken. — Die um die Längsaxe drehende Bewegung mag wohl doch ein fadenförmiger einfacher 
Rüssel am vorderen Ende vermitteln, doch könnten es auch mehrere Wimpern seyn. Das Wirbeln daselbst 
ist beobachtet, die Organe sind unklar geblieben. — Vom Ernährungssystem ist nichts speciell unterschie- 
den. Gefärbte Nahrung ward nicht aufgenommen. — Vom Sexnalsysteme ist nur die braune innere Färbung, 
welche dem Thierleibe angehört, als vermuthliche Eiermasse wahrnehmbar geworden. — Man kann sie als 
borstige Paiizerinonaden betrachten, und sie würden auch in dieser Familie eine passende Stelle finden. 

Die geographische Verbreitung beschränkt sich bis jetzt auf die Umgegend von Berlin. Vor Kurzem 
hat sich in Feuersteinen von Delitzsch eine längliche, den Doppelkletten (Xanthidium) untermischte, 
Form gefunden, welche auch wohl eine Art dieser Gattung seyn könnte ( Ch. ? Pt/ritae). Die lebenden 
unterscheiden sich von Xanthidium durch Wirbeln und Schwimmen. Sind vielleicht alle fossilen X an t In- 
dien Chaetotyphlae? Dann würde der Kieselpanzer dieser Formen sich zum Feuerstein genau wie der 
von Gallionella zum Halb -Opal verhalten. 

35 Chaetotyphla armata, stachliges Klettcnthierchen. Tafel XXIL Fig. x. 

Cli. corpore ovato subgloboso, utrinrjne rotnndato, fusco, nbiqiie setis hrevibus hispido, Corona apiculorum postica nigra. 

Chetotyphle armee, a corps ovale presr/ue spheriyue, arrondi aux deux bouts, brun, garni de soies 
raides courtes et ayant une couronne de poinfes noires, courtes et grosses au bout posterieur, 

Pantotrichum armalum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 70. 
Chaetotyphla armata, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1883. (1832.) p. 287. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Man findet diese von mir im Juli 1830, zuletzt am 16. Febr. 1837 beobachteten, Formen mit den Panzermonaden, Peridi- 
nien und Naviculis in klaren Wässern zwischen Conferven. Die kurzen Stacheln am hintern Körper sind an Zahl nicht immer gleich, 
zuweilen 8 als regelmässiger Stern, oft mehr. Die Haare oder feinen Borsten der übrigen Oberfläche sind zuweilen undeutlich. — 
Länge bis l j i2 Linie, Dicke wenig geringer. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIL Fig. X. 

Fig. 1. sind 2 haarige, eine davon eine wirbelnde Form. Fig. 2. ist glatt und Wirbelnd, sämmtlich Seitenansichten. Fig. 3. ist vom hintern Ende 
gesehen, alle sind 300mal vergrössert. 

358. Chaetotyphla aspera, rauhes Klettenthierchen.. Tafel xxil. Fig. xi. 

Cb. corpore oblongo, fusco, utrinque rotnndato, ubique setis hrevibus hispido, apiculis posticis minoribns sine ordine 
sparsis. 

Chetotyphle apre, a corps oblong, brun, arrondi aua: deute bouts, apre de soies courtes, ayant de 
petites epines eparses sans ordre au bout posterieur. 

Pantotrichum asperum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 76. 
Chaetotyphla aspera, A-bhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese mehr walzenförmige Art lebt mit der vorigen gleichzeitig. Im Juli 1830 und am 13. März 1835 war sie besonders 
häufig. — Länge ^48 Linie; Dicke doppelt in der Länge. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIL Fig. XL 
Es sind 2 Exemplare bei 300maliger Vergrößerung des Durchmessers. 

359. Chaetotyphla? Pyritae, Feuerstein - Klettenthiercheii. 

Ch. corpore oblongo cylindrico, apicibus rotundatis, setis subtilibus elongatis, apiculis nullis. 

Chetotyphle? du Pyromaque, ä corps oblong - cylindrie/ue, arrondi aux bouts, pourvu de soies fines 
allongees, depourvu d' epines. 

Aufenthalt: Nur fossil in Feuersteinen bei Delitzsch. 

Diese Art findet sich ziemlich selten zwischen den Xanthidien und Peridinien. Sie könnte zur ersteren Gattung gehö- 
ren, kann aber auch veranlassen, dass alle Xanthidien für Chaetotyphlae oder Chaetoglenae zu halten sind. — Grösse 1 / 96 Li- 
nie; zweimal so lang als dick. 

Eine Abbildung konnte nicht mehr aufgenommen werden. 



£52 



VIERUNDACHTZIGSTE GATTUNG: BORSTEN AUGE. 

Chaetoglena. Chetoglene. 

CHARACTER: Animal e familia Peridinaeorum, lorica (silicea) hispida aut rigide pilosa, integra (sulco 
transverso nullo) et ocello instractum. 

CARACTERE: Animal de la famille des Peridines, ä carapace (siliceuse) herissee de pointes 
ou garnie de poils raides, sans sillon transversal, pourvu d'un oeil. 

Die Gattung der Borstenaugen zeichnet sich in der Familie der Kranzthierchen durch rauhen oder 
steif behaarten (Kiesel-) Panzer, Mangel einer Queerfurche und Besitz eines Augenpunktes aus. 

Die Gattung wurde 1833 zugleich mit der vorigen gegründet, und zu der einzigen Art hat sie seit- 
dem keine zweite erhalten. — An Organisation hat sich mehr als bei voriger Gattung erkennen lassen. Ein 
peitschenartiger einfacher Rüssel bildet das Bewegungsorgan. — Das Ernährungssystem Hess sicli in zer- 
streuten Bläschen als polygastrischen Magen erkennen. — Eine bräunlichgrüne innere körnige Färbung ver- 
rieth das weibliche Sexualsystem als Eierstock. Eine helle grössere Stelle im Körper lässt sich als männ- 
liche Drüse anseilen, und der rothe Punkt im vordem Körper, bei Rücksicht auf die vielen ähnlichen Ver- 
hältnisse, als Auge betrachten. Selbsttheilung ist nicht beobachtet. — Borstige oder behaarte Rüsselmo- 
naden {Trachelomonas) sind Chaetoglenen, glatte Chaetoglenen sind Rüsselmonaden. 

Die geographische Verbreitung der einzigen bekannten Art ist ausser bei Berlin auch bei Salzburg 
beobachtet. Die fossile Chaelotyphla könnte auch eine Chaetoglena oder ein Xanthidium gewesen seyn. 

360. Chaetoglena volvocina, wälzendes Borstenauge. Tafel XXII. Fig. XII. 

CIi. corpore ovato, ovulis fusco-viridibns, ocello laetc rubra: 

Chetoglene Volvoce, a corps ovale, ayant l'ovaire brun-verdätre et im oeil rouge. 

CJiaeloglena volvocina, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 286. 

Aufenthalt: Bei Berlin und Salzburg. 

Ich entdeckte diese Form am 20. April 1832 zwischen Conferven des Thiergartens bei Berlin, sah sie dann wieder am 14. 
Mai sehr zahlreich, ferner am 13. März und 29. Juni 1835, und zuletzt am 16. Febr. 1837. Im Jahre 1835 sendete mir Herr Dr. 
Werneck sehr saubere Zeichnungen derselben Form aus Salzburg. Der Rüssel ist ziemlich von der Körperlänge, einziehbar. Zwi- 
schen der Schaale und dem weieben Körper ist beim lebenden Thicre ein schön rother Ring sichtbar, gerade wie bei Trachelomonas 
volvocina, welche zu vergleichen ist. Farbeaufnahme sah ich nicht, aber die kleinen Magenzcllen deutlich. Auch das Körnige des 
Eierstocks Hess sich erkennen. Man vergleiche die Gattungs - Charactere. Der Mund bildet vorn eine ausstülpbare kurze abgestutzte 
Röhre, wie bei Lagenella,™ sie aber fest ist. — Länge bis Voe Linie. Kaum doppelt so lang als dick. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XII. 
Es sind 6 Exemplare bei 300maliger Diameter -Vergrösserung abgebildet. 



FÜNFUNDACHTZIGSTE GATTUNG. KRANZTHIERCHEN. 

Peridinium. Peridine. 

CHARACTER: Animal e familia Peridinaeorum, loricae (membranaceae) sulco transverso eiliato insigne, 
nec ocellatum. 

CARACTERE: Animal de la famille des Peridines, ayant autour de la carapace {membraneuse) 
un sillon transversal cilie et point d oeil. 

Die Gattung der Kranzthierchen in der gleichnamigen Familie unterscheidet sich durch eine be- 
wimperte aueerfurche um den (häutigen) Panzer und durch Mangel eines Augenpunktes. 

Diese Gattung ist 1830 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit 2 Arten gegründet worden. 
Im folgenden Jahre wurden ebenda 4 Arten verzeichnet, und im Jahre 1833 wurden daselbst noch 5 neue 
hinzugefügt, von welchen 9 Arten 1834 5 sammt einer lOten neuen Art als Leuchtthiere des Meeres ab- 
gebildet wurden. Im Jahre 1835 wurde die Gattung Glenodinium davon getrennt. Jetzt sind in der Gat- 
tung der Kranzthierchen allein 9 lebende und 2 fossile Arten zu verzeichnen. Die ersten Formen be- 
schrieb Miller 1773 als Vorticella cineta und Bursaria Hirundinella, und 1776 im Prodromus Zoo- 
logiae danicae als Cercaria Tripos. Schrank nannte wohl P cornutum 1793 Ceratium tetraceros, 



353 



und 1803 Ceratium macroceros. Lamarck stellte 1816 die Vorticeüa cincta zu Urceolaria, die er 
nicht für Infusorien, sondern für Polypen hielt. Nitzsch stellte 1817 und 1827 Cerc. Tripos zur Gattung 
Ceratium. Bory de St. Vincent nannte 1824 die Bursaria hirundinella (P. cornutum): Hirundinella 
quadricuspis, und die Cercaria Tripos: Tripos Midie ri als besondere Gattungen, ohne sie aber gesehen 
zu haben. Die Vortieella cincta blieb ihm unklar und ausgeschlossen von seiner Beurtheilung. Losana 
hat dergleichen Formen wohl 1829 Volvox trisectus genannt. Ausgezeichnet interessant waren 1830 die 
Beobachtungen des, auch als Arzt rühmlichst bekannten, Dr. Michaelis in Kiel über das Lichtentwickelungs- 
vermögen der Cercaria Tripos und noch 2 Kranzthierchen, die er nicht benannte. Die Zahl und das Yer- 
hältniss der Leuchtthierchen konnte ich durch seine Vermittelung 1833 und 1834 vermehren und noch fe- 
ster stellen. Zuletzt sind 2 auf das Vortrefflichste erhaltene fossile Formen dieser Gattung massenweise in 
den Feuersteinen der Kreide bei Delitzsch von mir beobachtet, und seit 1836 in den Monats -Berichten der 
Berliner Akad. d. Wissensch, publicirt worden. An Organisationsverhältnissen ist ansehnlich viel ermittelt. 

Das Bewegungssystem ist äusserlich in einem Wimperkranze und einem fadenartigen Rüssel bezeichnet. 

— Das polygastrische Ernährungssystem ist bei P Pulvisculus und P. cinctum nach Aufnahme von Indigo 
und Carmin in seiner Function, ohne Stoff- Aufnahme bei P. acuminatum, fulvum und cornutum beob- 
achtet, Ein peitschenartiger einfacher Rüssel dient als wirbelndes Fangorgan und Schwimmorgan. Er ist 
bei 5 Arten bereits erkannt. Der Mund liegt in einer Vertiefung wie bei Bursaria, ziemlich in der Kör- 
permitte, und dient auch zum Auswerfen des Unverdaulichen. — Das Sexualsystem ist in seinem Dualismus 
erkannt. Der weibliche Theil als Eierstock ist bei allen lebenden Arten durch seine Färbung leicht kennt- 
lich, meist braun oder gelbbraun, bei P. cinctum und cornutum grün, zuweilen sehr blass. Der männ- 
liche Theil ist als ovale Samendrüse bei P. Tripos von mir selbst erkannt und bei P. Fusus vielleicht von 
Herrn Michaelis beobachtet. Contractile Blasen sind noch unerkannt. Ferner ist Selbsttheilung sicher als 
Längstheilung von mir bei P Pulvisculus und fuscum, vielleicht auch als Queertheilung bei P Fusus und 
Tripos von Herrn Michaelis beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der lebenden Gattung ist nur im Süsswasser in Dänemark, Baiern, 
in Piemont? und bei Berlin, und im Seewasser Europas nur in der Ostsee beobachtet. Die fossilen Arten 
sind sehr zahlreich in Feuersteinen bei Delitzsch, aber nur einzeln und sehr selten in Feuersteinen bei Ber- 
lin beobachtet. 

a. Ungchörnte Kranzthierchen, Peridinium: 

361. Peridinium cinctum, grünes Kranzthierchen. Tafel XXII. Fi». XIII. 

I*. viride, noctn uon liioens, lorica subglobosa, laevi, subtriloba, ecorni. 

Peridine ceint, vert, point lumineux dam la nuit, u carapace presr/ue globuleme, lisse, legerement 
trilobee, sans corne. 

Vortkella cincta, Müiler, Vermium fliiv. histor. 1773. p. 105. Animalc. lnfusor. 1786. p. 256. Tab. XXXV. Fig. 5 — 6. 
Urceolaria cincta, Lamarck, Animaux sans vert. II. 1816. p. 41. 

Crustode?, Bory, Encyclopedie metli. 1824. Dict. classique. Micr oscopiq ues, p. 541. 
Volvox trisectus, Losana? Mein, di Torino, XXXIII. 1829. Isis, 18.«. p. 760. Tab. XIV. Fig. 10. 
Peridinium cinctum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 38. 1831. p. 74. 

Aufenthalt: In Dänemark und bei Berlin sicher, vielleicht auch bei Turin beobachtet. 

Diese Art ist weniger häutig bei Berlin als die folgende. Der grüne körnige Inhalt lässt sich ungezwungen für Eier halten. 
Dazwischen sind grössere Bläschen, die ich einmal mit Indigo gefüllt beobachtete, aber nicht zeichnete. Das Wirbeln an der mittleren 
Qucerfurche sah ich oft. Die Bewegung ist langsam wankend und wälzend. Der Rüssel ist noch nicht direct beobachtet, auch keine 
Thcilung. Häuliger als diese Art ist bei Berlin Glenodinium cinctum, welches ich früher nicht unterschied. Sie leben zwischen 
Conferven des Thiergartens. — Grösse V48 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XIII. 

Es sind 4 Exemplare bei 300maliger Vergrösserung. Fig. i. wirbelt; Fig. 2. Seiteuansicht. 

362. Peridinium Pulvisculus, staunartiges Kranzthierchen. Tafel XXII. Fig. XIV. 

P. fuscum, minimum, non lucens, lorica subglobosa, laevi, subtriloba, ecorni. 

Peridine Poussier, brun, tres^petit, point lumineucc, a carapace presr/ue spherif/ue, lisse, legerement 
trilobee, sans corne. 

Peridinium Pulvisculus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 38. 1831. p. 74. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese häufig in Gesellschaft der Staubmonade (Chlamidomonas Pulvisculus) in zahlloser Menge im Frühjahre vorkom- 
mende Form war in den Jahren 1833-1835 sehr selten, am 19. März und 12. Aug. 1837 sah ich sie wieder legionenweis. Nicht 
gar selten war sie in der Längstheilung begriffen. Bei den einfachen Thieren waren meist die Hälften durch die Queerfurche ungleich 
getheilt. Ich sah nach Indigo- oder Carminfütterung (1830) über 20 sehr kleine Magen erfüllt. Seit 1835 habe ich auch einen Rüs- 
sel beobachtet. — Länge V m — Vae Linie; Dicke fast der Länge gleich. 

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Erklärung tler Abbildungen Taf. XXII. Fig. XIV. 
Es sind 8 einfache und ein Doppelthier bei 300maliger Vergrösserung in verschiedenen Grössen. Fig. 2. ist von vorn gesehen. 

363. Peridinium .fuscum, braungelfres Kranzthierchen. Tafel xxn. Fig. XV. 

P. fnscnm, nec micans, lorica ovata, levitcr compressa, laevi, anteriore parte acuta, postica rotundata, ecorni. 

Peridine brun, point lumineux, brun, ä carapace ovale legerement comprimee, lisse, aigue au bout 
anterieur, arrondie au bout posterieur, »ans corne. 

Peridinium fuscum, Abliandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1833. (1832.) p. 270. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 1 

Sie ist von der Grösse des P. cinctum und zuweilen doppelt grösser. Die lebhaft gelbbraune Farbe gehört dem körnigen 
Eierstock. Dazwischen waren viele wenig auffallende Magenzellen. Ein Rüssel war nicht zu erkennen. An der Längs- und Queer- 
furche war ein Wirbeln mit Wimpern sichtbar. Ein Exemplar war in der Längstheilung vorn klaffend, hinten noch ungctheilt. — 
Länge Vse — l kt Linie beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XV. 

„ , n . E t Sind 4 einfachc und 1 Doppelthierchen bei 300maliger Vergrößerung. Fig. 2. ist von der Seite gesehen, die übrigen von der Baach- 
Hache. Die Spitze ist vorn. 



b. Gehörnte Kranzthierchen, Ceratium: 

364. Peridinium? pyrophorum, Feuerstein -Kranzthierchen. 

P. lorica ovata subglobosa, postico fine acuta, antico mucrone duplici parvo, areolata et subtilissime granulata. 

Peridine pyromaque, a carapace ovale-spherique, aigue au bout posterieur, ayant deux petites poin- 
tes au bout anterieur, tres-fmement grenue et parquetee. 

Peridinium pyrophorum, Amtlicher Bericht über die Versamml. d. Naturforscher zu Jena, 1836. p. 76. Monatsbericht der 
„ • , „ Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1836. p. 114. Mittheil. d. Berlin, naturf. Gesellsch. 1836. p. 47. 

Oeufde Cmateßa Mucedo, Trhü (!), Comptes rendus de l'Acad. des scienc. de Paris, 1837. 9. Fgvr. p. 313. Fig. E. 

Aufenthalt: Nur in den Feuersteinen der Kreide bei Delitzsch und Berlin. 

Diese Art hat viele Aehnlichkeit mit Glenodinium tabulatum, ist aber hinten einförmig gespitzt ohne Stacheln. Ucbrigens 
lassen fossile Glenodinien sich von Peridinien nicht scharf unterscheiden. Die fossile Art ist offenbar ein Seethierchen gewesen, da 
sie mit Fuczs zusammen vorkommt. Sie bildet, in zahllosen Mengen dicht an einander gelagert, die Hauptmasse grosser Feuersteine. 
Hatte sie daher einen Kieselpanzer? Bei den lebenden Arten ist bisher nur ein derber häutiger Panzer beobachtet, welcher beim Glü- 
hen verbrennt Sie findet sich gleichzeitig mit Perid. delitiense und den Xanthidien. Bei durchgehendem Lichte erscheint sie 
gelblich. — Grosse 748 — Vm Linie. (Vergl. Xanthidium ramosum p. 148.) 

Eine Abbildung konnte nicht mehr aufgenommen werden. 

365. Peridinium? delitiense, Kranzthierchen von Delitzsch. 

P. lorica ovata subglobosa, postico fine acuminata et mucrone laterali parvo armata, cellulosa. 

Peridine de Delitzsch, a carapace ovale-spherique, celluleuse, aigue au bout posterieur, ayant une 
pelite pointe raide laterale au milieu. 

Peridinium (priscum) , Amtlicher Bericht d. Naturforscher zu Jena, 1836. p. 76 

Peridinium delitiense, Bericht d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1836. p. 114. Mittheil. derBerl. naturf. Gesellsch. 1836. p. 47. 

Aufenthalt: In den Feuersteinen bei Delitzsch. 

, w „ ^ S K ^ mit Vori S er Art 80 dicl,t gedrängt in den Feuersteinen bei Delitzsch, dass es ein constituirender, nicht zufälliger Be- 
standthcil derselben zu seyn seheint, wobei aber wieder die Schwierigkeit hervortritt, dass der Panzer ein Kieselpanzer gewesen seyn 
musste wenn es sich zu den Feuersteinen verhalten soll, wie Gallionella distans und varians zu den Halbopalen von Bilin. Mit 
relectirtem Lichte erschemt es weiss, mit durchgehendem Lichte schwarz und zellig, netzartig. Es ist selten so schön erhalten, als 
voriges. — Grosse % — 7 24 Linie. 

Eine Abbildung konnte nicht mehr aufgenommen werden. 

366. Peridinium aeuminatum, spitziges Kranzthierchen. Tafel xxn. Fig. XVI. 

P. (lavo-fuscum, micans?, lorica ovato- subglobosa, leviter triloba, laevi, postico fine parvo mucrone armata. 

Peridine piquant, brun-jaunätre, luisant? , ä carapace ovale- spherique, legerement trilobee, lisse, 
ayant une petite pointe au bout posterieur. 

Peridinium aeuminatum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1834. p. 541, 575. Taf. II. Fig. V. 

Aufenthalt: Im Ostseewasser bei Kiel. 

M a .l "f 61 !- f^! Art , ^ leUclltendem Seewasser aus Kiel durch Herrn Dr. Michaelis im August 1834 in Wismar. Es 

Z MtU rT . ; t!' Lichtfunken > welclie ich sat > ™n ihr ausgingen. Sie ist das kleinste der bekannten Leuchtthierchen 

des Meeres und gleicht sehr dem Peridinium Pulvisculus. Ein fadenartiger, wirbelnder, einziehbarer Rüssel von fast der Körper- 
Jange war vorn bemerkheh, wo eine Längsspalte senkrecht auf die Queerfurche der Mitte gerichtet war und diese wohl berührte. Gelbe 



rundliche Partikeln im Innern schienen dem Eierstock anzugehören, zwischen dem helle Bläschen, die Magenzellen, sichtbar waren. 
Bewegung schwankend mit Rotation um die Langsame. — Länge Vso — V*s Linie. 

Erklärung der Abbildungen Tafel XXII. Fig. XVI. 
Fig. 1. von der Bauchseite; Fig. 2. von vorn; Fig. 3. vom Rücken, alle 390mal vergrössert, in Wismar gezeichnet. 

36*. JPeridinium cornutum, gehörntes Kranz thierchen. Tafel xxn. Fig. XVII. 

P. viride, nec micans, lorica rhombo'fde coneava scabra, cornuta, cornibus auterioribus singulo vel duobus (tribnsve?) 
rectis, ])osteriore unico saepe curvo. 

Peridine cornu, verdätre, point hiisant, a carapace rhomboidale coneave, apre, comue, ayant 1 ou 
2 ( — a 3?) cornes droites au front, une seule corne souvent courbee au bout posterieur. 

Hursaria hirundinella , Müller, Vermium terr. et flnv. hist. 1773. p. 63. Animalc. infus. 1786. p. 117. Tab. XVIT. Fig. 0 — 12. 
Ceratium tetraceros, Schrank, Naturforscher, XXVII. 1793. Fauna boica, III. 2. p. 76. 

— macroceros, Schräm? Naturhist. Briefe an Nad, 1802. p. 374. Taf. 2. Fig. 4. Fauna boica, III. 2. p. 77. 
Hirimdinella quadricuspis , Bory de St. Vincent, Encyclopedie methodique, 1824. 
Peridinium cornutum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 75. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Berlin und Ingolstadt. 

Wo Chara- Arten wachsen, hält sich diese, mir erst seit dem 15. April 1831 bekannte, Form zuweilen häufig zwischen 
Conferven auf. Ich beobachtete sie zahlreich wieder am 4. Juni 1832, am 1. und 25. Juni 1835 und im Frühjahre 1836. Sie 
schwimmt langsam wankend mit Hülfe des Wimperkranzes und eines peitschenartigen Rüssels. Müllems Bursaria war wohl docli 
diese Form von sehr blasser Farbe. Noch sicherer ist Schrank' s Ceratium tetraceros hierzu gehörig, und da die Länge der Hörn- 
chen sehr wechselnd ist, ich oft nur 2, einmal nur 1 und auch zuweilen Spuren des 4ten sah, so halte ich auch C. macroceros, 
beide aus Ingolstadt, für eine langhörnige Abart derselben Form. Letztere fand sich mit Ophrydium versatile. Der Mund ist eine 
schiefe breite Längsspalte, welche in der coneaven Fläche parallel mit dem äusseren ablaufenden Basalrande des grossen Stirnhörnclicns 
läuft. Ich sah daraus zweimal eine sehr grosse häutige Blase treten und unterschied beim Wirbeln ganz deutlich einen peitschenartigen 
Rüssel von weniger als der Körperhälfte Länge. Farbeaufnahme sah ich nicht, aber öfter eine Vielzahl heller Magenblasen. Die grüne 
Farbe ist körnig, gehört daher wohl der Eiermasse. Sie erstreckt sich bis tief in die Basis der Horner, deren Spitze aber oft davon 
leer, daher farblos ist. Auf die Entwickelung von Licht habe ich sie seit 1835 oft umsonst geprüft, Die Schaale ist verbrennlich. — 
Länge mit den Hörnchen V24 — l ln Linie beobachtet. Am gewöhnlichsten verkümmern die seitlichen Stirnhörner. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XVII. 

Es sind 7 Exemplare bei 300maliger Vergrösserung dargestellt. Fig. 1., 3. und 6. vom Rücken; Fig. 2. und 7. vom Bauche, mit sichtbaren Magen- 
zellen; Fig. 4. und 5. Seitenansichten; Fig. 6. zweihörnige Abart; Fig. 7. einhörnige ohne Stirnhörnchen; Fig. 2. und 5. zeigen die Blasen 
des Mundes, bei +, 1., 3., 4. und 7. den Rüssel. 

368. JPeridinium Tripos, dreihörniges Mranzthierchen. Tafel xxn. Fig. xvni. 

P. flavum, noctu splendide lucens, lorica urceolari late excavata, laevi, tricorni, cornibus longissimis duobus frontali- 

bus recurvis, tertio postico recto. 
Peridine Trcpied, jaune, brillant dans la nuif, a carapace urceolaire, largement coneave, lisse, 

tricorne, ayant deute cornes frontales tres-longues recourbces, la troisieme droite en arriere. 

Cercaria Tripos, Müller, Prodromus Zoologiae danicae, 1776. 2489. Animalc. infus. 1786. p. 136. Tab. XIX. Fig. 22. (nicht Tri- 

choda Tripos.) 

Ceratium Tripos, Nitzsch, Beiträge zur Infusorienkunde, 1817. p. 4. Kncyclopädie v. Ersch u. Gruber, 1827. Cercaria. 
Tripos Mülleri, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. d' hist. nat. 1824. 

Cercaria Tripos, Michaelis, Ueber das Leuchten der Ostsee, 1830. p. 38. Taf. I. Fig. unten rechts. 

Peridinium Tripos, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 272. 1834. p. 504 , 537 , 573. Taf. II. Fig. I. 

Aufenthalt: In der Ostsee bei Copenhagen und Kiel beobachtet. 4 

Der Entdecker dieser Art, Müixer, sah sie nur selten im Seewasser. Zahlreich und als höchst wahrscheinliches Leuchtthier- 
chen des Meeres fand sie Dr. Michaelis in Kiel. Seiner Güte verdanke ich im Jahre 1832 im August und September bis zum October 
die Ansicht der lebenden Thierchen, welche sich einen Monat lang in Berlin am Leben und ihre Leuchtfähigkeit erhielten. Ihre Fä- 
higkeit der Lichtentwickelung ist ausser allen Zweifel gestellt, da ich 9mal hinter einander ein Lichtpünktchen auf einem Federpinsel 
aus dem Wasser gehoben leuchten sah, und in solchen Tröpfchen Wassers 9mal nichts anderes als ein einzelnes dieser Thier- 
chen fand. Der Körper gleicht einer in der Länge halb durchgeschnittenen Vase. Die ganze Form ist steif, schwimmt wankend und 
sich um die Längsaxe drehend. Die Länge der Hörnchen ist nicht ganz fest, zuweilen kaum von der Körperlänge, zuweilen viel län- 
ger. Ich sah kein Thierchen ohne sämmtliche Hörnchen, und ich habe wohl 100 beobachtet. Die characteristische Queerfurche, aber ohne 
die Wimpern, und den peitschenartigen Rüssel sah schon Herr Michaelis ; er bildete letzteren als einen Büschel Fasern in den mittle- 
ren Figuren des Tropfens ab. Es war die optische Erscheinung, nach welcher man einen einfachen rasch geschwungenen Stab mehr- 
fach sieht. Ebenda sind von demselben öfter 2 zusammenhängende Thierchen dargestellt. War diess Queertheilung ? Die ovale grosse 
männliche Drüse im Körper hat derselbe Beobachter auch schon in der Zeichnung angemerkt. Die gelblichen Parthieen gehören der 
sehr zertheilten Eiermasse an und scheinen auch dem Lichtentwickelungsprocesse zu dienen, da ihre Farbe und Anordnung allen Leucht- 
thieren gleichartig und vorzugsweise gemein sind. Eine sich auszeichnende männliche contractile Blase habe ich umsonst gesucht. Einen 
Darmkanal giebt es nicht, aber eine Vielzahl von Magenzcllen liess sich deutlich erkennen. — Grösse der ganzen Körper bis V12 Li- 
nie, ohne die Hörnchen 1 / 3 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XVIII. 

Es siud 5 Exemplare, die am 23. Oct. 1832 in Berlin in Ostseewasser lebend beobachtet und gezeichnet wurden, bei 300maliger Vergrösse- 
rung. Fig. 1. und 2. Bauchseite. Fig. 1. t. ist die männliche Sexualdrüse. Die Insertionsstelle des Rüssels bei Fig. 2. ist der Mund. Fig. 3. Rük- 
kenansicht. Fig. 4. rechte Seitenansicht. Fig. 5. Stirnansicht. Die verschiedenen Längenverhältnisse der Hörnchen sind absichtlich ausgewählt. 



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369. Peridinium Michaelis, Michaelis - Kranztliierehen. Tafel XXII. Fig. XIX. 

P. flamm, noctu splendide luccns, lorica subglobosa laevi, tricorni, cornibus brevissimis rectis, uno frontali (?), duo- 
bus posticis. 

Peridine de Michaelis , jaune, hrillant daus la nuit, a carapace ovale -spherir/ue lisse, tricorne, 
ayant les cornes droites tres - courtes , une au front (?), deute en arriere. 

Volvox—?, Michaelis, Leuchten der Ostsee, 1830. p. 88. Taf. I. Fig. oben links. 

Peridinium Michaelis, Abhandl. d. Aka.l. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 271. 1834. p. 504 , 537 , 575. Taf. II. Fig. IV. 

Aufenthalt: Nur im Ostseewasscr bei Kiel beobachtet. 

Ich erhielt diese, von Herrn Michaelis entdeckten, Thierchen in leuchtendem Ostseewasser aus Kiel lebend nach Berlin. 
Gerade an dieser Art hatte Herr Dr. Michaelis das Selbstleuchten von Infusorien entschieden. Ich habe dcsshalb der Species zum An- 
denken an diese wichtige Beobachtung seinen Namen gegeben. Ich habe an dieser Form das Leuchten nicht selbst wiedererkannt, weil 
ich zu wenig Exemplare zur Prüfung hatte, habe es aber an mehreren andern Arten auch scharf beobachtet. Die characteristische Furche 
und den Wimpernkranz darin, den Eierstock und helle Magenblasen habe ich mehrmals gesehen, aber den höchst wahrscheinlich vorhan- 
denen Rüssel auch nicht erkannt. Das Erkennen des Rüssels wird über das Vorn und Hinten erst sicher cutscheiden. Die Hörnchen 
sind kürzer als % des Körpers. In der optischen Verkürzung ist es zuweilen breiter als lang. — Länge 1 l i8 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XIX. 
Es sind 2 Exemplare iu verschiedener Stellung bei 300maliger Vergrösserung abgebildet. 

3IO. Peridinium Pusus, spindelförmiges Kranztbiercnen. Tafel XXII. Fig. xx. 

P. flavum, noctu eximie splendens, lorica ovato - oblonga laevi, bicorni, cornibus fere rectis oppositis fusiformi. 

Peridine Fuseau, jaune, tres - brillant dam la nuit, a carapace ovale -oblongue lisse, bicorne, ayant 
les cornes presque droites opposees en forme de fuseau. 

Cercaria — ?, Michaelis, Leuchten der Ostsee, 1830. p. 88. Taf. I. Fig. unten in der Mitte. 

Peridinium Fusus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 271. 1834. p. 504, 537, 574. Taf. II. Fig. III. 

Aufenthalt: Im Hafen bei Kiel. 

Audi diese Art entdeckte Dr. Michaelis in leuchtendem Seewasser. Das mir auf meine Bitte gesandte Leuchtwasser von 
Kiel enthielt deren viele, und es gelang mir 4mal, es in Berlin scharf isolirt leuchten zu sehen. Es lebte 1832 fast zwei Monate 
lang in Berlin vom September bis nach dem 24. November. Den wirbelnden Rüssel und die Queerfurche, vielleicht auch die Samen- 
drüsc, sah schon der Entdecker, ersteren aber als Büschel, was optische Vervielfältigung war. Ich erkannte die Wimpern der Furche, 
das Einfache des Rüssels, den vieltheiligen gelben Eierstock und die hellen zahlreichen Magenblasen. Ein Einschnitt des Panzers an 
der Inscrtionsstclle des Rüssels bezeichnet den Mund. Die Länge der Hörnchen ist sehr verschieden, zuweilen sind sie leicht gekrümmt. 
— Grösse mit den Hörnchen Vio — Ys Linie; Körper i / 3 — Vio der ganzen Länge. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XX. 
Fig. 1. hat den Mund nach rechts und oben gerichtet; Fig. 2., 3., 4. und 5. haben ihn nach rechts und unten; Fig. 4. wirbelt. 

3*1. Peridinium Pur ca, gabelförmiges Kranzthierclieii. Tafel xxn. Fig. xxi. 

P. flavum, noctu eximie lucens, lorica urceolari, laevi, tricorni, cornibns rectis, postico longiore et duobns parvis 
frontalibus furcato. 

Peridine Fourche, jaune, tres-luisant dans la nuit, a carapace urceolaire, lisse, tricorne, ayant les 
cornes droites, une plus longue en arriere , deucc courtes au front en forme de fourche. 

Peridinium Furca, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 270. 1834. p. 537 , 574. Tafel IL Fig. II. 

Aufenthalt: Bei Kiel in der Ostsee. 

Ich fand am 24. November 1832 ein Thierchen dieser Art im leuchtenden Seewasser von Kiel in Berlin. Ich hob nämlich 
einen Lichtfunken auf einem feinen Federpinsel aus dem Wasser frei in die Höhe und fand im Tröpfchen nur diess Thierchen, welches 
bis dahin nie beobachtet war. Ich sah nur ein Exemplar. Es gleicht einer zweizackigen Gabel, deren Zacken auf einem Knoten 
sitzen, und erinnert vielfach an P. Tripos, dessen Abart es aber schwerlich seyn kann. Der Eierstock und die hellen Magenblaseu 
waren wie bei P. Tripos. — Länge des Ganzen */*o Linie. Körper */* der ganzen Länge. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXII. Fig. XXL 

Das einzige beobachtete Exemplar von der Bauchseite, 300mal vergrössert. 



Nachtrag zur Gattung Peridinium. 

Man hat einzelne gehörnte Formen dieser Gattung früher, 1793, Ceratium, und dieselben 1824 Hirundinella genannt. Der 
Name Peridinium wurde 1830 ungehörnten Formen zuerst gegeben. Mit näherer Bekanntschaft der gehörnten Formen fand ich 1831, 
dass sie keinen wesentlichen Gattungsunterschied haben, sondern dass ihr Hauptcharacter von den früheren Beobachtern nur unbeachtet 
geblieben. Daher ist Ceratium, welcher Name auch 1803 von Albertini und Schweinitz fälschlich für eine Pilzgattung verwen- 



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det worden war, nur als Subgenus angewendet. Der Name Hinindinella ist überflüssig. Ueber das Leuchten und die fossilen 
Verhältnisse der Kranztliierchen s. d. Nachtrag zur Familie. P. tabulatum s. Glenodin. Ceratium pleuroceros = Arcella?. 



SECHSUNDACHTZIGSTE GATTUNG: AUGENKRANZTHIERCHEN. 

Cm 1 «Mio tli ii in in. Glenodine. 

CHARACTER: Animal e familia Peridinaeorum, eiliis mobilibus in sulco transverso positis et ocello insigne. 

CARACTERE: Animal de la famille des Peridines, ayant des eils mobiles dans un sillon trans- 
versal et un oeil. 

Die Gattung der Augenkranzthierchen zeichnet sich in der Familie der Kranzthierchen durch 
eine gewimperte wirbelnde Queerfurche und Besitz eines Augenpunktes aus. 

Diese Gattung ist seit 1835 in den Abhandl. der Berl. Akad. d. Wiss. und in den gleichzeitig ge- 
stochenen Tafeln dieses Werkes gegründet. Eine ihrer Arten, vielleicht alle 3 bis jetzt bekannte Arten, 
verwechselte man wohl bisher mit Vorticella cineta Müller, und ich selbst hielt sie früher für Peridi- 
nium cinetum und Pulvisculus. Schon 1831 aber trennte ich eine ihrer Arten als Peridinium tabula- 
tum ab. Erst seit 1834 erkannte ich das Auge. — Die Organisation ist wie bei voriger Gattung. Ein fa- 
denförmiger, aus der Mitte kommender, Rüssel ist ausser dem Wirbeln des Wimperkranzes nur bei G. cin- 
etum beobachtet, aber wahrscheinlich bei allen Arten vorhanden. Der Panzer ist verbrennlich. — Viele 
Magenblasen waren besonders bei G. apiculatum, aber auch bei den übrigen, deutlich. — Die feinkörnige 
Eiermasse ist bei allen Arten erkannt, gelb bei G. cinetum, grün bei den andern. Vom männlichen Theile 
dieses Systems ist noch keine Anschauung erlangt. Spontane Selbsttheilung ist nur als vollkommene Längs- 
theilung bei G. cinetum beobachtet. — Ein rothes Auge als länglicher Punkt oder hufeisenförmiger Fleck 
ist die Anzeige eines isolirten Nervensystems und Character der Gattung. 

Die geographische Verbreitung ist nur erst bei Berlin im Süsswasser beobachtet. 

3*92. Glenodinium cinetum, gelbes Augenkranzthierchen. Tafel xxn. Fig. xxn. 

G. ovatum aut subglobosum, flavnin, lorica laevi, obtusa, ocello magno semi-lunari transverso. 

Glenodine ceint, ovale ou presr/ue spherique, jaune, ayant la carapace lisse et obtuse et un grand 
oeil semi-lunaire transversal. 

Glenodinium cinetum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1835. p. 174. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Im Februar und am 27. März 1835 entdeckte ich diese Art zuerst, und ich sah sie am 16. Febr. 1837 wieder zwischen 
Naviculis und Oscillatorien der süssen Frühlings - Gewässer. Sie ist dem P. Pulvisculus sehr ähnlich, aber noch einmal so gross. 
Stoffaufnahme von Indigo und Carmin gelang noch nicht zu beobachten. Ein fadenförmiger Rüssel von der Körperlänge ragt aus der 
Vereinigungsstelle der halben Längsfurche mit der Queerfurche hervor; da also, in der Körpermitte, ist der Mund. Viele Magenzellen 
waren, vom Eierstocke umhüllt, undeutlich sichtbar. Das halbmondförmige oder hufeisenartige braunrothe Auge umgiebt die Mundstelle 
mit seiner coneaven Seite, so dass die convexe der Stirn zugewendet ist. Ein Theil des weissen Fleckes beim Auge mag wohl der 
Hirnknoten unmittelbar selbst seyn, wie man ihn noch deutlicher bei Amblyophis viridis sieht. — Grösse V48 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XXII. 

Es sind 6 einfache und 1 doppeltes Exemplar, 300mal vergrössert. Fig. 1., 6. und 7. sind von der rechten Seite gesehen, 0 das Auge, o' der Mund 
mit dem Rüssel; Fig. 2. und 3. Bauchseite; Fig. 4. Selbsttheilung; Fig. 5. Riickenseite; Fig. 6. wirbelnd in Indigowasser. 

3?3. Glenodinium tabulatum, getäfeltes Augenkranzthierchen. Tafel xxn. Fig. xxm. 

G. ovatum flavo - viride , lorica granulosa et lineis elatis retiformibas tabalata, nec hispida, fronte bidentata, postice 
truncata aut subacuta, denticulata, ocello oblongo. 

Glenodine parquete, ovale, vert jaunätre, a carapace grenue, reticidee et parquetee de lignes ele- 
vees, point herissce, tronquee ou presr/ue aigue et dentelee a l' eactremite posterieure, ayant deute 
dents au front et un oeil oblong. 

Peridinium tabulatum?, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 74. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese Art wurde 1831 zuerst beschrieben, aber erst 1834 sah ich den rotlien Augenpunkt. Vielleicht sind hier noch 2 Ar- 
ten verwechselt. Es giebt nämlich vorn und hinten abgestutzte Formen mit ganz ähnlichen Felderabtheilungen , und andere, welche 
hinten gespitzt und gezähnelt sind. Die abgestutzten, welche bei der Rücken- oder Bauchlage ein Sechseck bilden, sah ich 1831 
häufig, und ich sah in ihnen kein Auge; die eiförmigen sah ich 1834 mit einem Auge. Giebt es also doch ein Perid. tabtda- 

65 



2m 



tum überdiess, wie ein P. cinetum? Das Getäfelte ist im leeren Panzer besser zu sehen, als im vollen. Auch in diesem Netze sind 
auffallende Differenzen der Bildung vorgekommen. Die schön gelbgrünc Eiermasse, viele Magenzcllen und das Wirbeln am Wimper- 
kranze sammt dem schönrothen Auge sind beobachtet. Ein Rüssel ist nicht erkannt. Oft findet man farblose leere Schaalen. Das fos- 
sile Peridinium pyrophorum der Feuersteine hat die überraschendste Aehnlichkeit mit dieser Art, war aber ein Seethierchen und lässt 
sich unterscheiden. — Grösse 1 / iä — V36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XXIH. 

Fig. 1. und 2. sind 1834 beobachtete Formen, 1. Bauchseite, 2. Rückenseite. Fig. 3. ist wirbelnd. Das Vorn ist nach unten. Fig. 4. Seitenansicht. 
Fig. 5. Rückenansicht. Letztere 3 Formen sind die var. hexagona von 1831. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

3*4. Glenodinium apicutatum, stachliges Augenkranztliierclicn. Tafel XXII. Fig. XXIV. 

G. ovatum, flavo-viride, lorica laevi, sulcis margine hispidis tabulata, utrinque obtusa, ocello oblongo. 

Gle nodinc herisse, ovale, vert-jaunatre, a carapace lisse, purquetee pur des sillons herisses ctucc 
bords, obtuse auac deua> bouts et ayant un oeil oblong. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese Art ist im Frühling bei Berlin seit 1834 häufig. Ich beobachtete sie wieder im April 1835 und auch 1836. Sie fin- 
det sich zwischen Conferven, wo Chara wächst. Sie schwimmt, wie alle übrigen Arten, wälzend um die Längsaxe. Der grüne Eier- 
stock, das rothe Auge, viele helle Magenblasen und Wirbeln um die mittlere Queerfurche sind erkannt. Der Rüssel ist noch nicht 
beobachtet. — Grösse V*8 — V30 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXII. Fig. XXIV. 

Fig. 1., 2,, 3. Bauchansicht; Fig. 4. Rückenansicht; Fig. 2. leere Schaale. Vergrößerung 300mal. 



Nachtrag zur Familie der Kranzthierchen. 

1. Ueber die Lichtentwickelung der Infusorien als Meeresleuchten. 

Zu den ergreifendsten, lieblichsten und merkwürdigsten Naturerscheinungen gehört das Leuchten und Funkeln des Meeres, das 
viele Bewohner des Festlandes bei Küstenreisen und kleinen Seefahrten nie kennen lernen, und welches selbst Weltumsegler nicht im- 
mer in seiner ganzen Pracht sehen. Dieses überaus ergreifende Meeresleuchten ist immer durch lebende Organismen, meist durch Aka- 
lephen oder Medusen, zuweilen durch Mollusken, hie und da durch zahllose Mengen von Infusorien bedingt. So sah es zuerst 
Dr. Baster 1757 in Ciricsee auf Neu-Seeland in Holland, durch Räderthiere und Vorticellen, nicht durch Peridinien bedingt 
(Philosophical Transactions , 1757. p. 258 — 280. und Basteri Opuscula subseeiva, 1760. I. p. 31. Tab. IV.). Viviani 
behauptete 1805 ein Leuchten durch Infusionsthiere bei Genua (Phosphorescentia Maris, Genua 1805.), ohne jedoch deren Formen 
zu characterisiren. Perost war 1807, nach seiner Weltumsegelung mit Bauduv, geneigt, das zusammenhängende Leuchten des Oceans 
durch mikroskopische Thiere (Infusorien) zu erklären. Bort de St. Vincent hat sich 1824 {Encyclopedie method. Zoophßes. 
p. 541., copirt im Biet classique d bist, nat. Mer.) heftig gegen Peron's Ansicht erklärt, dessen Reisegefährte er war, und be- 
hauptet, dass nie ein Infusorium leuchtend im Meere gesehen worden sey; er kannte aber Baster's Beobachtungen nicht, dessen Ab- 
bildungen sehr überzeugend sind, und sein Grund, dass die See - Infusorien nicht leuchten könnten, weil kein Süsswasser- Infusorium 
leuchtet, ist natürlich sehr unzureichend. Tilesius beschrieb zwar 1814 in den Annalen der Wetterauer Gesellsch. 6 Arten von 
Gieba, 1 Mammaria, 1 Leucophra und 3 Arten Trieboda, als 11 Arten von Leucht- Infusorien des Oceans von seiner Welt- 
umsegelung mit Krusenstern, allein keine einzige dieser Formen scheint ein wahres Infusionsthier gewesen zu seyn. Diese Angele- 
genheit wurde erst 1830 durch Dr. Michaelis in Kiel (Ueber das Leuchten der Ostsee, Kiel 1830.) völlig entschieden, indem die- 
ser umsichtige Naturforscher wirkliche Infusorien erkannte und zeichnete, deren Lichtentwickelung er zum Theil scharf isolirt beobach- 
tet hatte. Es waren besonders 5 Arten, nämlich 3 Arten der Gattung Peridinium, das Prorocentrum micuns und ein Räder- 
thierchen, Sync/iueta baltica. Eine dieser Formen, welche ich Peridinium Michaelis genannt habe, hat er entschieden isolirt 
lichtgebend gesehen, die andern in ganz ähnlichem Verhältniss zum Meeresleuchten beobachtet. In demselben Jahre erbat ich mir von 
ihm Kieler Seewasser mit Lichtfunken nach Berlin und fand darin sein leuchtendes Rädert hier, Sync/iaeta baltica, aber nicht 
leuchtend; 1832 erst gab mir eine neue Sendung von Leuchtwasser Gelegenheit, das Prorocentrum und die Peridinien kennen zu 
lernen. Ich habe von den, von Michaelis bezeichneten, 3 Kranzthierchen 2 entschieden lichtgebend auch gesehen, und überdiess 
eine neue Art sicher, und eine andere mit grosser Wahrscheinlichkeit in gleicher Thätigkeit beobachtet. Neuerlich, 1835, hat Dr. 
Focke in Bremen Synchaeta baltica oder eine verwandte Art bei Venedig leuchten gesehen. So sind denn bis jetzt 7—8 namhafte 
Arten von Infusorien aus 3 — 4 Gattungen mit Sicherheit oder grosser Wahrscheinlichkeit leuchtend gesehen worden: 1) Prorocen- 
trum micans ist von Dr. Michaelis wahrscheinlich, von mir sicher, 2) Peridinium Michaelis von Dr. Michaelis sicher, 3) P. 
Tripos und 4) P. Fusus von Dr. Michaelis wahrscheinlich, von mir sicher, 5) P. Furca von mir sicher, 6) P. acuminatum 
von mir wahrscheinlich, 7) Synchaeta baltica von Baster, Michaelis und Dr. Focke wabrscheinlich, und 8) vielleicht eine Art 
der Gattung Stentor von Baster wahrscheinlich als lichtgebend beobachtet worden. Was man von leuchtenden Monaden, Volvox 
und Vibrionen gesprochen hat, ist ohne hinreichende Bürgschaft für scharfe Unterscheidung der Formen. Ausser diesen Infusorien 
scheint nur die einem Volvox, und, bei geringer Kenntniss dieser Formen, selbst einer Monade vergleichbare, Mammaria scintil- 
lans, cuie kleine kugelartige, wasserhelle Akalephe, welche erwachsen die Grösse eines Stecknadelknopfes erreicht, in so zahlloser 
Menge dicht gedrängt die Oberfläche des Meeres zuweilen zu bevölkern, dass ein gleichzeitiges Lichtentwickeln ihrer Massen ein Auf- 
blitzen grosser Meeresstrecken verursacht. Die Lichtentwickelung selbst ist offenbar ein organischer Lebens -Process, welcher bei In- 
fusorien als ein momentaner einzelner Lichtfunke erscheint, der nach kurzer Zeit der Ruhe sich wiederholen kann. Sie gleicht ganz 
und gar einer kleinen clectrischen Entladung, wie man sie, ohne Lichtentwickelung, beim Zitterrochen und Zittcrwels, ebenfalls Was- 



359 



serthieren, wohl kannte. Neuerlich hat man auch bei diesen grösseren Thieren durch metallene Leiter Funken dabei sichtbar gemacht. 
So ist denn derselbe Process, welcher im Blitzen der Wolke waltet, unverkennbar im Funkeln des Infusoriums vorhanden, und das ge- 
meinsame Aufblitzen vieler Tausend Millionen und Billionen, dem blossen Auge des Menschen nicht mehr erreichbarer, thierisch selbst- 
ständiger, durch eine leise über die Oberfläche des Wassers hingleitende Luftwelle nacli schwüler Windstille erregter, Organismen be- 
wirkt die Erscheinung des Aufblitzens der Meeresfläche auf eine jeden Beobachter ergreifende Weise. 

Die kleinsten Leuchtinfusorien, welche bis jetzt beobachtet worden, haben Vso — V^sj die grössten Vs Linie Länge. Zwar 
lassen sich verschiedene Methoden des scharfen Isolirens so kleiner leuchtender Körperchen ersinnen, allein es wird nützlich seyn, die 
anzugeben, welche bis jetzt befolgt wurden. Herr Dr. Michaelis hat das leuchtende Seewasser in sehr feinen langen Glasröhrchen 
im Dunkeln in die Höhe steigen lassen, die Stelle eines darin mit aufsteigenden Lichtpunktes bezeichnet und unter dem Mikroskope be- 
trachtet. Er hat sich auf diese Weise einmal scharf überzeugt, dass Peridinium Michaelis sich gerade an der Stelle befand, wo der 
Lichtpunkt gewesen war. Mir war diese Methode nicht scharf genug isolirend. Ich fand die Körperchen in der Röhre nie einzeln ge- 
nug, und die Stelle des Lichtpunktes Hess sich bei der Beweglichkeit des lebenden Thierchens und im Finstern nicht sicher festhalten. 
Ich habe daher vorgezogen, mit der fein abgestutzten, pinselartig geformten, Spitze der Fahne einer Schreibfeder in Form einer klei- 
nen, etwa 1 Linie breiten, dreieckigen Schaufel am Ende des Fahnenstiels (s. die Einleitung) so lange einzelne Wassertröpfchen aus 
dem, in ein Uhrglas gegossenen, Leuchtwasser in die Höhe zu heben, bis auf der Spitze der Feder sieb ein Lichtpünktchen frei über 
das Wasser gehoben zeigte. Dieses Tröpfchen mit seinem einzelnen Lichtpünktchen wurde auf ein Glastäfelchcn abgesetzt und ich fand 
auf diese Weise (von Infusorien) 9mal Peridinium Tripos, 4mal P. Fusus, lmal P. Furca und lmal Prorocentrum micans ganz 
allein, aber nie ein anderes Infusorium allein in solchen Tröpfchen. Ferner gab der Zusatz eines Tröpfchens Spiritus mit Hülfe eines 
eingetauchten Glasstäbchens im Finstern auf dem Glastäfelchen wieder ein einzelnes Lichtpünktchen als Gegenprobe. Durch Filtriren 
des leuchtenden Wassers lassen sich die Leuchtthierchen noch mehr zusammenhäufen. Die kleineren Leucbtinfusorien gehen aber zu- 
weilen mit durch das Filtrurn. Brandtwein, Säure oder warmes Wasser, zu leuchtendem Seewasser gemischt, bewirken ein plötzliches 
Aufblinken aller Leuchtthierchen, aber auch sogleich deren Tod und für das Wasser den Yerlust der Lichtentwickelung. Die ausführ- 
lichste Literatur über das Leuchten der Organismen, und eine kurze critische Uebersicht der Beobachtungen und Meinungen von 427 
Schriftstellern und Beobachtern, findet sich in den Abhandl. d. Berk Akad. d. Wiss. 1834 (1836). Dr. Focke's neuere Beobachtung 
ist aus seinen Briefen von mir in den Mittheilungen der Berl. naturf. Gesellsch. 1836. p. 16. publicirt. Man vergleiche auch Alexan- 
der von Humboldt in Poggendorff's Annalen d. Phys. u. Chem. 1836. 

2. Uebersicht der fossilen Formen der Familie der Kranzthierchen. 

lieber die fossilen Formen der Stabthierchen ist im Nachtrage zur Familie der Bacillarien eine Uebersicht gegeben. 
Die Familie der Kranztbierchen unterscheidet sich von jenen Verhältnissen dadurch auf sehr merkwürdige Weise, dass ihre Formen we- 
der in den neuesten Infusorien - Lagern , noch auch in den tertiären der Polirschiefer irgendwo beobachtet sind, dass sie vielmehr einer 
älteren Erdperiode angehören, nämlich den Kreidelagern der Sekundärformation. Gleichzeitig mit ihnen lebten von Panzerinfusorien nur 
die X an thi dien und Pyccidicidae der Bacillarien -Familie. Aber Navicidae und Gallionellae, Eunotiae, Cocconemata, Syn- 
edrae und Gomplionemata dergl. sind bis jetzt noch nie in den Sekundär -Lagern beobachtet worden. Nur Spongillen- Nadeln und 
(Fucoideen) Algen sammt Polythalamien sind als gleichzeitige Organismen erkennbar gewesen. Zwei Gattungen der Familie der Kranz- 
thierchen allein liefern die bisher bekannten 3 fossilen Arten, welche Chaetotyphla? Pyritae und Peridinium pyrophorum und deli- 
tiense genannt worden sind. Nur von der ersten Gattung, wenn es nicht ein Xanthidium war, haben die lebenden Arten einen Kie- 
selpanzer; die lebenden Peridinien weichen durch ihren häutigen Panzer von den fossilen Arten, im Fall diese wirklich einen Kiesel- 
panzer besassen, ab. Obwohl das P. pyrophorum eine überraschende Aehnlichkeit mit Glenodinium tabulatum hat, so ist es doch 
ein Seethierchen, und noch kein Glenodinium ist im Meerwasser beobachtet worden. Vielleicht waren es dem Perid. Michaelis zu- 
nächst stehende Leuchtthierchen des Meeres, welche jetzt als Feuersteine auf andere Weise Funken geben. Auch die jetzt lebenden 
sind in zahlloser Menge beisammen, und nach ihrem Tode findet man die leeren Panzer am Boden der Gefässe. Von den Feuerstein- 
Organismen sind Py&idicula prisca, Chaetotyphla? Pyritae und die Spongillen -Nadeln die alleinigen bis jetzt ermittelten Formen, 
welche, wie die Gallion eilen des Halbopals, die Kieselmasse der Feuersteine hätten hergeben können. Alle übrigen darin vorkom- 
menden Formen, alle Xanthidien und Peridinien sind, wie es scheint, nur zufällig eingehüllt. Uebrigens ist aber Daseyn und Man- 
gel von Kieselgehalt im Panzer (weich oder hart) beim Mangel anderer Charactere kein physiologisch wichtiger, kein generischer Cha- 
racter, sondern nur ein Character verschiedener Arten einer und derselben Gattung. (Vergl. die monatl. Berichte der Akad. d. Wiss. 
zu Berlin 1836, den amtlichen Bericht über die Versaminl. d. Naturf. zu Jena, 1836. p. 69. und den Vortrag in der Berl. Akad. d. 
Wiss. vom 3. Aug. 1837.; das Uebrige bei den Arten und in der Einleitung.) 

Vielleicht sah doch schon Leeüwenhoek 1676 am 27. Juli im Seewasser bei Schevelingen ein zweihörniges Peridinium. 
Vielleicht war es aber auch ein junger Krebs, eine Zoe {Phil. Transact. 1677. p. 826.). 



DREIZEHNTE FAMILIE: GLOCKENTHIERCHEN. 

Vorticellina. I orticelliiies. 

CHARACTER: Animalia polygastrica, enterodela (tubo intestinali distineto instrueta), oris anique apertu- 
ris discretis in fovea communi unica positis (anopisthia), lorica destituta, solitaria libera aut 
affixa et saepe socialia, spontanen imperfecta divisione eleganter fruticulosa. 

CARACTERE: Animaux polygmtriques, ayant un canal alimentaire dütinet^ la bouclie et 
T orifice de tanus separees, mais reunies dam une meme et &eule fossette, a corps 



— 260 - 

sam carapace, solitaires et libres, ou attaches et sociaux, se developpant par la di- 
vision spontanee imparfaite souvent en forme de beaux petits arbrisseaux. 

Die Familie der Glockenthierchen umfasst alle polygastrischen Thierchen, welche einen, die Ma- 
gen verbindenden, Speisecanal besitzen, die Mund- und Auswurfsöffnung gesondert, aber in einer und der- 
selben Körpergrube beisammen haben, also ohne Hintertheil sind, die keinen Panzer führen und entweder 
einzeln sich frei bewegen, oder festgeheftet und gesellig durch unvollkommene Selbsttheilung oft zu niedli- 
chen kleinen Sträuchen und Bäumchen werden. 

Die jetzige Familie der Vorticellinen ist seit 1830 physiologisch begründet. Sie enthält 35 Arten 
in 8 Gattungen. Eine ähnliche Familie der Vorticellen umgrenzte Goldfuss 1820 in seinem Handbuche der 
Zoologie, schärfer als seine Vorgänger, nach äusseren Characteren. Er vereinte aber mit mehreren der hier 
zusammengestellten Gattungen die Panzervorticellen und auch die Gattung Limnias der Räderthiere, 
wogegen von ihm die, meist aus Fragmenten von Vorticellen gebildete, Gattung Ecclissa zu den Räder- 
thier eben, als nur einer andern Familie der Infusorien, gezogen wurde. Bory de St. Vincent hat seit 
1823 ebenfalls eine ähnliche, wieder verschieden umgrenzte, Familie der Vorticettaires aufgeführt (Biet, 
classique, Art. Convallarina). Damals hielt er sie zu den Infusionsthieren, allein 1824 bezeichnete er 
sie in der Encycloped. method. p. 782. specieller, und stellte sie zu den Halbpflanzen in sein Reich 
der Doppelseelen, Psych odien. Seitdem hat er sie von den Infusorien ganz ausgeschlossen. Er verei- 
nigt mit mehreren wahren Vorticellinen in seinen Gattungen Dendrella und Volverella der Vorticettaires 
des Psychodien -Reiches gestielte Bacillarien tius den Gattungen Gomphonema und Acinela, und hat die 
frei gewordenen Körper der gestielten Vorticellinen sammt den freien Trompetenthierchen {Sientor) 
und einigen Rädert liieren {Lacinularia) in die besondere Familie der Urceolariees des Thierreiches bei 
den Infusorien gebracht. Die Formen der Gattung Urocentrum {Turbinella) findet man bei seinen Cer- 
carieen, die der Gattung Trichodina bei Paramecium in der Familie der Polytricha, andere bei den 
Mystacinen in der Gattung Ophrydia, und die Gattung Kerobalana in seiner Familie der Uro die en 
der Infusorien. Ueberhaupt hatte Bory bis zum Jahre 1830 die Formen dieser Familie in 19 Gattungen, 
8 Familien und 2 Naturreiche vertheilt. 

Die lieblichen Gestalten der Glockenthierchen haben seit den ersten Zeiten der mikroskopischen 
Beobachtung die grösste Theilnahme gefunden. Sie haben oft baumartig verästete gemeinsame Stämme, an 
denen ihre glockenförmigen wirbelnden Körper, wie belebte Früchte, zierlich angeheftet sind, und der son- 
derbare Stiel ihrer Leiber, sammt der wurzelartigen Sprossenbildung, hat sogar veranlasst, dass man sie 
neuerlich noch für halbthierische Pflanzen hielt. Leedwenhoek entdeckte schon 1675 zu Anfang Mai s in 
stehendem Regenwasser die Vorticella Convallaria oder microstoma, und beschreibt sie mit vieler Theil- 
nahme. Er sah vielleicht auch schon gleichzeitig Trichodina Grandinella als 4te Form, und Trichod. 
Pediculus, auch Epistylis scheint er am 25. Dec. 1702 zuerst gesehen zu haben. Joblot meinte wohl eben- 
falls 1716 unter den Namen Sauteur und Pirouette die Trichodina Grandinella. Deutlicher bildete 
Rösel 1755 zuerst die Trichodina Pediculus ab. Die ersten Formen der Gattungen Stentor, Carche- 
sium und Zoothamnium beobachtete Trembley 1747. Baker beschrieb 1752 Opercularia zuerst, und 
das Urocentrum wurde durch Müller 1786 zuerst bekannt. Ganz besonders steigerten Bösels schöne 
Abbildungen dieser Körper von 1755 die Theilnahme für dieselben, ja für die ganze Lehre von den Infu- 
sorien, denn sie gewannen allein von allen ähnlichen Darstellungen Linnes Aufmerksamkeit, und auch Pal- 
las nahm nun diese RöSELschen Formen als sichere Organismen in sein System der Zoophyten auf. — 
Die thierische Organisation ist in dieser Familie mit Ausschluss der Gefässe und Nerven sehr klar erkenn- 
bar gewesen. Alle Formen besitzen viele Wimpern am Munde als wirbelnde Bewegungsorgane, meist (nur 
Trichodina nicht immer) in Form eines Wimperkranzes. Bei einigen {Vorticella, Carchesium, Oper- 
cularia) sind Längs- und Queermuskeln erkannt. Stentor ist ausserdem überall bewimpert. — Das poly- 
gastrische Ernährungssystem ist bei allen Gattungen durch Aufnahme von Farbestoffen fest begründet. Der 
Verlauf des Darmkanals ist nur erst bei Stentor, Opercularia, Carchesium, Vorticella, Epistylis und 
Zoothamnium, doch der Mehrzahl der Gattungen, ausser Zweifel gestellt. Trichodina und Urocentrum 

blieben unklar. Ueberau" sind aber deutlich Mund- und Auswurfsöffnung in derselben seitlichen Grube. 

Das Fortpflanzungssystem ist bei allen Gattungen, mit alleiniger Ausnahme der seltenen Zoothamnien, 
bei den meisten in hermaphroditischer Duplicität, erkannt worden. Eine weibliche Eiermasse, männliche Sa- 
mendrüsen und eine contractile Blase sind seine Bestandteile. Spontane Selbsttheilung ist an allen Gat- 
tungen beobachtet. Durch unvollkommene Selbsttheilung entstehen bei 4 der 8 Gattungen die Formen sehr 
zierlicher Bäumchen. Eine dritte Fortpflanzungsart ist Knospenbildung. — Das Empfindungssystem ist in 



361 



keiner bekannten Gattung durch Augen bezeichnet, aber eine grosse Irritabilität bei allen sogar characteri- 
stisch. — Gefässspuren sind noch nicht ermittelt. 

Die geographische Verbreitung der Familie ist in Europa, Asien, Afrika und Amerika beobachtet. 



SIEBENUNDACHTZIGSTE GATTUNG: TROMPETENTHIERCHEN. 

Stentor. StentoF. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum, corpore ecaudi, nec pedicellato, liberum aut dorsi in 
conum producti apice sessile, ciliis in Corona frontali majoribus undique hirtum, apertura 
spirali. 

CARACTERE: Animal de la f anritte des Vorticellines, h corps sans qaeue et sans pedicule, libre 



Die Gattung der Trompetenthierchen umfasst in der Familie der Glockenthierchen die Formen, 
welche ungeschwänzt und stiellos, bald frei, bald mit der Spitze des conisch verlängerten Rückens ange- 
heftet sind, die überall mit Wimpern behaart, noch einen besondern Wimperkranz an der Stirn führen und 
einen spiralförmigen Mund besitzen. 

Den Namen der Gattung Stentor gab Oken 1815, den deutschen Namen Trompetenthier hatte 
schon Eichhorn 1775 gegeben. Die Gattung enthält bis jetzt 6 — 8 Arten. Die ersten Formen beobachtete 
Trembley 1744, und Reaümur nannte sie ihm Polypes en entonnoir, Trichterpolypen. Es wa- 
ren 3 Arten: grüne, blaue und weisse. Die grünen sah auch Baker 1752. Rösel bildete 1755 den weis- 
sen Stentor Mülleri als schalmeiähnlichen Afterpolypen ab, und Linne nahm diesen 1758 unter dem 
Namen Hydra stentorea in sein Systema Naturae auf. Pallas sah 1766 Trembley's 3 Arten für Varie- 
täten des Brachionus stentoreus an. Müller beschrieb 1773 3 Arten der Gattung, eine schwarze als 
Vorticella nigra, die grüne als V. polymorpha und die weisse als V. stentorea. Hierzu fügte er 
1786 V. multiformis und V. Cuculhis. Schrank verzeichnete 1803 mit dem Namen Trompetenthier 
2 — 3 Arten als Ecclissa nigra und viridis , und als Linza stentorea, Posaunenthier. Oken bildete 
1815 die Gattung Stentor aus 3 sehr verschiedenen Körpern, dem St. Mülleri, der Lacinularia socialis, 
einem Rädert liiere, und dem Ophrydium versatile, einer Panzervorticelle. Bory de St. Vincent 
gab 1824 aus Unbekanntschaft mit den Vorarbeiten diesen Formen den neuen Gattungsnamen Slentorina, 
wozu er 7 Arten stellte, und worunter ebenfalls die Lacinularia socialis und Vorticella Cucullus waren. 
Einen 8ten Namen, St. hierocontica, gab er 1826 einer früher von ihm selbst schon anders benannten 
Form. Dr. Thienemann, der verdiente Reisende in Island, änderte 1828 den Namen Stentor in Tubaria 
viridis um, weil er passender für die Brüllaffen von Geoffroy verwendet sey. Allein diese waren schon 
von Illiger Mycetes genannt. Seit 1830 ist die Gattung Stentor in den Abhandl. d. Berl. Akad. physio- 
logisch schärfer umgrenzt worden. Sie erhielt 3 — 4 Arten, welche 1831 ebenda mit einer fraglichen 5ten 
Art (jetzt Colacium stentorinuni) specieller characterisirt, und 1833 abgebildet wurden. Zu jenen 4 
Stammarten haben sich neuerlich noch 2 schöne neue gefunden, und Vorticella multiformis und Cucullus 
Müller 1786 bilden vielleicht eine 7te und 8te Art. — Die thierische Organisation ist sehr genügend er- 
mittelt. — Bewegungsorgane sind die zahllosen Wimpern der Oberfläche sammt dem Wimperkranze der 
Stirn als speciellerem Fangorgane. Ihren Längsreihen liegen sichtbare Längsstreifchen von Muskelfasern zum 
Grunde, an der Stirn aber Cirkelstreifen. Der Stirnkranz endet trichterförmig im Munde. Ueberdiess geht 
vom Munde bei einigen Arten franzenartig eine Reihe langer Wimpern bis zur Mitte des Körpers. Die co- 
nische Spitze des Rückens (scheinbares hinteres Ende) hat einen Saugnapf zum Anheften am Ende. — Er- 



Uebersicht der 8 Gattungen der Familie der Glockenthierchen: 




ou sessile par la pointe du dos allonge en cöne, ayant tout le corps garni de cils 
et une couronne frontale de plus grands cils, enfrn V Ouvertüre en Spirale. 



66 



262 



nährungsorgane sind eine sichtlich aufnehmende spiralförmige Mundoffnung, welche zugleich als Auswurfs- 
öffnung dient, ein perlschnurartiger, daher besonders schwierig erkennbarer, vom Munde aus durch den Kör- 
per gehender und wieder im Munde endender, Darm, welcher nur immer theil weise gefüllt, nie bandartig 
und überall mit beerenartigen Magenzellen besetzt, einer gekrümmten Traube gleicht. Oscillatorien, Ba- 
cilla rien, Räderthiere, Monaden sind in den Magenzellen häufig zu erkennen. (Ueber Focke's Ein- 
wurf s. St. Mülleri) — Fortpflanzungsorgane sind doppelter Art bei allen Arten sichtbar. Der weibliche 
Eierstock besteht aus einer netzartig die Magenzellen dicht umhüllenden Körnermasse von weisser, grüner, 
blauer, gelber, rother oder dunkel grünlichbrauner Farbe. Das Gebähren ist (immer?) ein Zustand des Zer- 
fliessens. Der männliche Theil ist doppelt, eine bei den verschiedenen Arten verschieden gestaltete runde 
bandartige oder perlschnurartige gegliederte Drüse, und eine einfache oder doppelte grosse contractile runde 
Blase, Ejaculationsblase. Ueberdiess ist spontane vollkommene Längs- und schiefe Queertheilung, letztere 
schon von Trembley und Göze, beobachtet. — Augen, Nerven und Gefässe sind nicht erkannt. 

Die geographische Verbreitung ist in Holland, Frankreich, Baiern, Dänemark und Preussen beobachtet. 

3*5. Sientor Mülleri, Müller's Trompeteitthiercben. Tafel xxm. Fig. I. 

St. lineam dimidiam attingens, ovnlis albis, glandula mascula articulata, cateniformi, ciliorum Corona frontali interrupta, 
crista laterali distincta. 

Stentor de Müller, egalant jtisr/u'h 1 mittim. en longueur , ayant V ovaire blanc, la glandule mascu- 
line eil chapelet, la couronne de cils au front interrompue et la crete laterale distincte. 

White Tunnel-like Polypi, Trembley, Philosophical Transactions, XLIII. 1746. p. 169. (1744.) 

J'olypes en enUmnoir , Reaumor nach Trembley. Anhang zu Trembley's Polyp, (übers, v. Göze, 1775.) II. p. 483. 

SchalmeyiihnUcher Afterpolyp, Rosei, Insectenbelustigung, III. p. 595. Taf. 94. Fig. 7. (8.?) 1755. Ledermüller's Microsc. 1760. 

Hydra stentoria, Linne, Systema Naturae, ed. X. 1758. — Vergl. Berlin, wöchentl. Relationen, 1753. p. 14. und 1261. Fig. 2. 

Kraihionus sientoreus, Pallas, var. alba, Elenchus Zoophytorum, 1766. p. 95. 

Vorticella slcntorea, Müller, Vermium fluv. Inst. 1773. p. 120. Animalc. infus. 1786. p. 302. Tab. XLIII. Fig. 6—12. 

Das Trompclenlhicr , Eichhorn, Beiträge z. Naturg. d. Wasserth. p. 37. Taf. III. Fig. F. Q. 1775. 

Schalmeyenlhiere , Goze, Bonnet's Abhandlungen aus der Insectol'ogie, II. Anhang, p. 463. 1774. 

lAnza stentorea, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 314. 1803. 

Sientor solitarüis, Oken , Lehrbuch der Naturgesch. 1815. III. p. 45. 

Stentor Ina Mülleri, i 

— Roeselii, j Bory de St. Vincent, Encyclopedie method. 1824. S. Isis, 1834. p. 1207. 

— hierocontica , ) 

Stentor Mülleri, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 99. 1833. (1832.) p. 327. Taf. V. Fig. 1. 

1835. p. 160, 165. Taf. I. Fig. XVI. Focke, Isis, 1836. p. 785. 

Aufenthalt: In Holland, bei Copenhagen , Nürnberg, Ingolstadt, Quedlinburg, Danzig, in Frankreich und bei Berlin. 

Das weisse Trompetenthierchen der früheren Beobachter kann auch Stentor Roeselii gewesen seyn, wahrscheinlich verwech- 
selten alle die beiden Arten. Ich habe diess Thierchen zu allen Jahreszeiten bei Berlin an Meerlinsen, an Vaucherien - Conferven , an 
faulen Pllanzentheilen sehr verschiedener Art, selbst unter'm Eise beobachtet. Keine Art der Gattung kommt in Infusionen vor, wes- 
halb auch Joblot und Gleichen sie nicht kannten. Der erste Beobachter, Trembley, fand es wohl im Haag, Rösel und Le- 
dermüller bei Nürnberg, Göze bei Quedlinburg, Eichhorn bei Danzig, Müller bei Copenhagen, Schrank bei Ingolstadt, Bort 
de St. Vincent in Frankreich. Schwimmend ist es eiförmig, ruhend streckt es sich in Form einer Trompete aus, um sich mit dem 
dünnen Ende anzuheften. Hat man viele in einem Glascylinder schwimmend, so heften sie sich allmälig irgendwo dicht beisammen an, 
was einen Gesellschaftssinn und jedenfalls eine Geistesthätigkeit voraussetzt. Dr. Focke hat 1835 behauptet, der von mir angegebene 
Darm verlauf sey anders, es gebe keinen Darm, die inneren mit Farbe erfüllten Blasen könnten auf- und absteigen. Allein die Con- 
tractilität des sehr weichen gallertigen Körpers vieler Infusorien, besonders der Vorticellinen , bewirkt beständige Verschiebungen der 
inneren Theile in ihrer Lage gegen einander. Diese Verschiebungen, welche in dem Maasse aulfallend gross sind, in welchem der Kör- 
per ausdehnbar ist, haben gar kein physiologisches oder anatomisches Interesse. Wer sie zum ersten Male sieht, möchte glauben, dass 
alles innerlich mit lebenden Thieren erfüllt sey, und manche Beobachter haben es auch so ausgesprochen. Es ist aber ein Irrthum im 
Urtheil über das Gesehene gerade in der Art, wie im Scheeren- oder Zangenspiele der Kinder, wo die auf netzartig verbundene Schee- 
renarme gestellten Bäumchen oder Thiere beim Bewegen der Scheerenarme ihren Ort sehr zu verändern scheinen, ohne irgend aus ih- 
rer wahren und festen Stelle wegzukommen. Ein solches Auf- und Niederbewegen ist kein actives, sondern ein passives, und kann mit 
jeder beliebigen Darmform recht wohl bestehen. Das Thierchen nimmt Indigo leicht auf, und wirft durch dieselbe Mundöffnuno- wieder 
aus. Die grünen und bunten Theile im inneren Körper sind Monaden, Naviculae, Peridinien, Gomphonemata , Docclcoccus, 
Fragilarien u.s.w., meist erkennbar verschlungene Infusorien, jedes einzeln oder mehrere zusammen von besonderer Magenzelle um- 
hüllt und von einem farblosen Verdauungssaft umgeben. Den durch Speise bunt gefleckten Leib sah schon Eichhorn. Die grosse 
einzelne contractu Blase ist etwas unterhalb des Mundes. Die übrigen Organe, Eierchen, gegliederte Samendrüse, Wimperkamm, spi- 
ralförmiger Mund und Afterstelle, sind leicht zu erkennen. Selbsttheilung ist bei dieser Art noch nicht beobachtet, aber als Vorberei- 
tung vielleicht eine doppelte contractile Blase. (Siehe die Abbildung von 1833.) Hält man diese Thierchen lange in cylindrischen Glas- 
rohren, so setzen sie sich allmälig an den Wänden fest, bilden um sich eine schleimige Hülle und sterben. So sah sie wohl Schrank, 
als er sie zu den Röhrenthieren, Linza, stellte. — Grösse ausgedehnt bis % Linie, contrahirt Vio — 7s Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIII. Fig. I. 

Fi LÜ' !1 v! G ™PP e o dieser Thierc! '^ hei 75maliger Vergrößerung des Durchmessers. Fig. 2. ist 300mal vergrößert, in Indigowasser wirbelnd, 
J!ir n M r \ ^ ganZ J u,s S edehnt Fi S- 4 - ist eiförmig contrahirt und im Eierlegen durch Ausscheiden eines ganzen Körpertheils sammt 

^ZJÜ^T- o*™ , mit 4 S P else g efüllten Magenblasen sind abgerissen vom Darme und haben sich elastisch abgerundet und geschlossen. Ver- 

S! II , ? 1 w GIieder def Samendrüse ^rden so einzeln mit ausgeschieden. Es erfolgt meist bei wenig Wasser im Tro- 

pten, man neues Wasser hinzu, so schliesst sich oft die Stelle wieder und das Thierchen schwimmt munter weiter, zuweilen zerfliesst es dann ganz 




263 



336. Stentor Roeselii, Hösel* Trompetenthierehen. Tafel XXIV. Fig. n. 

St. habitu, magnitudine, crista et colore Stentoris Mülleri, glandula mascula taeniaeformi praelonga, nec articulata. 

Stentor de Rae sei, ayant V ' eocterieur , la grandeur , la crete et la couleur de St. Mülleri, mais la 
glandule en forme de ruban trcs - allonge saus articulations. 

Stentor Roeselii, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 179. Taf. I. Fig. XIV. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese Form unterschied ich zuerst am 6. Febr. 1835, wo ich sie zu Tausenden unter dem Eise im Thiergarten an flockigen 
faulen Schilfblättern fand. Einzeln fand ich sie am 10. Juli wieder, und ich sah sie im Winter zu 1836 in zahllosen Mengen, auch 
einzeln im Frühjahre 1837. Sie ist bis auf die auffallende Differenz der Samendrüse der vorigen ganz gleich, nur an Farbe vielleicht 
etwas mehr gel blich weiss, und ich sah sie nie so schlank ausgestreckt als jene, obschon sie auch schön trompetenartig wurde. Bort's 
Stentorina Roeselii ist schwerlich diese, sondern wohl die vorige Art. Zuweilen erhebt sich in der Mitte der Stirn ein Knopf. Ich 
sah an ihr schiefe queere Selbsttheilung. Die Samendrüse thcilte sich erst spät. — Grösse x / 12 bis x j 3 Linie beobachtet. Die gröss- 
ten würden, mehr ausgestreckt, leicht auch 1 j 2 Linie erreicht haben. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIV. Fig. II. 

Fig. 1. stark ausgedehnte Form; t Saniendrüse, darüber 2 grosse Magenblasen. Auf der andern Seite des Kammes unter'm Munde ist die contractile 
Blase. Fig. 2. ist dasselbe Thier, mehr contrahirt. Fig. 3. ein jüngeres mit dem mittleren Stirnknopfe. Fig. 4. in der Selbsttheilung. Alle 
300mal vergrössert. 

37*9. Stentor caeruleus, »lanes Trompet entliler dien. Tafel xxm. Fig. Ii. 

St. habitu et magnitudine priorum, ovulis pallide caeruleis, glandula articulata catenifonni , crista laterali et ciliorum 
Corona frontali continua. 

Stentor bleu, ayant V eccterieur et la grandeur des precedents, mais Vovaire bleu, la glandule en 
forme de chapelet, une crete laterale et la couronne froQitale de cils continue. 

Blue Tunnel-like Polypi, Trembley, Pliilos. Transact. XLIIT. 1746. (1744.) p. 169. 
Brachionus stenloreus, Pallas, var. caerulea, Elench. Zoopliyt. 1766. p. 95. 

Stentor caeruleus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 99. 1833. p. 326. Taf. IV. Fig. II. 1835. 

p. 165. 

Aufenthalt: In Holland und bei Berlin beobachtet. 

Das blaue Trompetenthierchen ist bei Berlin zu allen Jahreszeiten, besonders aber im Winter und Frühjahre, häufig zwischen 
Vaucherien und 3Ieerlinsen, auch an faulen Schilfblättern unter'm Eise. Zuweilen ist es einzeln, zuweilen bildet es tausendweise bei- 
sammensitzend einen blauen Ueberzug. Im Schwimmen gleicht es meist, wie die übrigen, einer eiförmigen Rursaria oder einem Spi- 
rostomum. In Gläsern heftet es sich oft büschelweise an die Wände an. Es verschlingt weiche und gepanzerte Infusorien, auch In- 
digo. Besonders zahlreich sah ich es am 26. Mai und 4. Juni 1832, am 7. December 1832 und im Januar 1835. Unter dem Munde 
ist eine strahlenlose contractile Blase. Selbsttheilung ist noch nicht beobachtet. — Die Länge ist bis zu V* Linie beobachtet, und es 
kann sich länger ausdehnen. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIII. Fig. II. 

Fig. 1. eine 75mal vergrösserte Gruppe. Fig. 2., 3. und 4. 300mal vergrösserte, verschiedene Gestalten desselben Thierchens. Fig. 3. ist ein Ex- 
emplar, welches im Gebären einen Theil seines Körpers verloren hat, dessen Stelle aber vernarbt ist. 

3? 8. Stentor polymorpnus , grünes Trompetentierchen. Tafel xxrv. Fig. i. 

St. habitu et magnitudine priorum, ovulis laete viridibus, glandula articulata catenifonni, crista laterali obsoleta et ci- 
liorum Corona frontali interrupta. 

Stentor verl, ayant l'habitus et la grandeur des precedents, mais V ovaire d'un beau vert, la glan- 
dule en forme de chapelet, point de crete laterale distinete et la couronne frontale de cils in- 
terrompue. 

Green Tunnel-like Polypi, Trembley, Philos. Transact. XLIII. 1746. (1744.) p. 169. 
The Funnel - Animal , Baker, the Microscope, p. 340. Tab. 13. Fig. 1. f. g. 1752. 
Brachionus stentoreus , Pallas, var. viridis, Elench us Zoophyt. 1766. p. 95. 

Vorticclla polymorpha , Müller, Vermium fluviat. hist. 1773. p. 104. Beschäftig, d. Berl. naturf. Gesellsch. II. p. 20. t. 1. 1775. 

Kleine Schriften, I. p. 3. 1782. Animalc. infus. 1786. p. 260. Tab. XXXVI. Fig. 1 — 13. 
Vorticella polymorpha"?, Herrmann, Naturforscher, XIX. 1783. p. 52. Taf. 11. Fig. 14. 
Ecclissa viridis, Schränk? Fauna boica III. 2. p. 102. 1803. 
Stentorina polymorpha, Bort de St. Vincent, Bncycloped. method. 1824. 
Tuharia viridis, Thienemann, Lehrbuch der Zoologie, 1828. p. 12. 

Stentor polymorphe, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 99. 1833. p. 326. Taf. IV. Fig. F. 

1835. p. 165. 

Aufenthalt: In Holland im Haag, in England, Dänemark, in Baiern bei Ingolstadt?, in Frankreich bei Lille, im Elsass bei Strass- 
burg, in Sachsen bei Dresden und in Preussen bei Berlin beobachtet. 

Von allen Arten der Gattung ist diese die häufigste bei Berlin; sie scheint auch die geographisch am weitesten verbreitete 
Art zu seyn. Trembley entdeckte sie in Holland, Baker in England, 31uller bei Copenhagen, Herrmann wohl bei Strassburg, 
Schrank wohl bei Ingolstadt, Bort bei Lille, Thienemann wohl bei Dresden, ich habe sie bei Berlin beobachtet. Sie bildet 
nicht selten in Torfgruben einen schöngrünen Ueberzug aller unter Wasser befindlichen lebenden und todten Pflanzen, worin sie mit 
Vorticella chlorostigma wetteifert. Ich beobachtete sie so jährlich, im Jahre 1832 am überraschendsten am 7. und 13. December, 
5. April und 20. Juni, im Winter 1833 an unter'm Eise liegenden Hoke. Früher, 1831, hielt ich sie fälschlich für glatt. Den 



364 



seitlichen Wimperkamm habe ich noch nicht deutlich erkannt, zuweilen aber (loch vermiithet. Indigo nimmt es nicht leicht, endlich 
aber doch auf. Die übrigen Organisationsthcile sind leicht zu erkennen. Ich sah auch queere Selbstthcilung. Müller bemerkt bei 
diesem Thierchen mit besonderer Tiefe des Gemiiths den unbeschreiblichen, bewundernswürdigen Formenwechsel, welcher jedoch von dem 
der Amoeba prineeps übertroffen Avird. Die Drüsenkettc hat er schon gesehen. Den cirrus seiner Fig. 12. kann ich nicht deuten. 
War es ein Wimperkamm? Müller sah auch schon das Zerfliessen beim Eierlegen, welches der grünen Eier wegen hier besonders 
auffallend ist. In Gläsern sieht man auch, dass viele Thierchen die Eier allmälig verlieren und fast oder ganz farblos werden. Die 
Entwicklung der Jungen aus den Eiern ist noch nicht beobachtet. Farblose St. polym. sind mit St. Mülleri zu verwechseln, doch 
hieiben immer einzelne grüne oder weisse Eierchen zurück. — Grösse Vio — % Linie beobachtet, leicht auch zu % Linie ausdehnbar. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIV. Fig. I. 

Fig. 1. ist ein Pflanzentheil unter Wasser mit solchen Thierchen besetzt, nur 2mal vergrössert, in fast natürlicher Grösse; Fig. 2. ein Theil davon, 
75mal vergrössert ; Fig. 3. ein junges Thierchen schwimmend; Fig. 4. ein grösseres einfaches Thierchen; Fig. 5. ein anderes in der Sefbstthei- 
lung. Letztere 3 300mal vergrössert. 

399. Stentor igneus, feuerfarlbenes Trompetentliierclien. 

St. prioribus dimidio minor, ovulis flavo-viridibus, cute subindc e flavo cinnabarina, glandula globosa, crista laterali 
nulla, ciliorum Corona frontali continua. 

Stentor rouge de feu, plus petit de moitie f/ue les precedents, ayant les oeufs jaunes verdätres, la 
peau d'tme couleur jaune vif et de vermillon , la glande spherique, point de crete laterale et 
la couronne de eils frontale continue. 

Stentor aureus, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1835. p, 164. (Schreibfehler für igneus.) 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte diese sehr schöne Art in zahllosen Mengen erst im Sommer 1835 und im April und Mai 1836, zu spät, um 
sie noch in die Abbildungen dieses Werkes, dessen Zierde sie geworden wäre, mit aufnehmen zu können. Sie überzog in einem tor- 
figen Bruche in grosser Ausdehnung die ganzen Blätter und Pflanzen der Hottonia palustris mit lebhaft zinnoberrother Farbe und war 
in der Ruhe, wie die vorigen Arten, sehr lang trompetenartig. In ein Gcfäss gebracht, blieb nichts an den Blättern der Hottoma 
sitzen, alle schwammen umher, waren eiförmig und glichen dann mehr dem St. niger; nach kurzer Zeit setzten sie sich wieder an 
die Pflanze oder das Glas und bildeten kleine wirbelnde schlanke Trompeten. Ich sah queere Selbstthcilung, wobei vor der Abschnü- 
rung die Drüse nierenförmig ausgebuchtet war. Viele waren nur an der Stirn roth, einige nur gelb, einige grünlich. Die rothe Farbe 
gehörte nicht den Eiern, sondern einem feinen körnigen Pigmente der Haut an. Im Innern sah ich verschluckte Naviculas. Einige 
röthliche Formen, welche ich früher beobachtete, hielt ich für Farbenabänderungen der folgenden Art. — Grösse bis Vg Linie. 

Eine Abbildung konnte nicht mehr gegeben werden. 

380. Stentor niger, seil warzlir a unes Trompetentliierclien. Tafel XXIII. Fig. III. 

St. parvus, octavam lineae partem vix attingens, ovulis olivaeeis cute subindc e llavo-fusco nigricante, glandula glo- 
bosa, crista laterali nulla, ciliorum Corona frontali continua. 

Stentor noirätre, petit, egalant a peine V* millimelre, ayant V ovaire olivätre, la peau de couleur 
brun-jaunätre ou noirätre, la glandule spherique, point de crete laterale et la couronne de 
eils frontale continue. 

Vorlicella nigra, Müller, Vermium fluv. historia, 1773. p. 102. Berl. Beschäftig. IV. p. 47. 1779. (Pyrmont.) Animalc. Infus. 
1786. p. 263. Tab. XXXVII. Fig. 1 — 4. 
— — Schrank, Naturforscher, XVIII. 1782. p. 81. Taf. III. Fig. C. 
Ecclissa nigra, Schränk, Fauna boica III. 2. p. 101. 1803. 
Stentorina Infundihulum, Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. 1824. 

Stentor niger, Ab Ii an dl. der Akad. d. Wiss. zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 100. 1833. p. 327. Taf. V. Fig. II. 1835. p. 164. Taf. I. Fig. V. 

Aufenthalt: In Dänemark, bei Ingolstadt! 1 in Baiern, bei Pyrmont und hei Berlin beobachtet. 

Diese Form färbt bei Berlin im Sommer grosse Lachen in toriigen Brüchen zuweilen dunkelschwarz , wie Caffee-Aufguss. 
In jedem Tropfen sind dann 20 bis 50 Thierchen. Zu gewissen Tageszeiten schwimmen sie umher, zu andern ruhen sie an allen un- 
ter Wasser befindlichen Pflanzentheilen angeheftet, welche wie mit Russ besetzt erscheinen. Schwimmend haben sie oft eine nach hin- 
ten sehr spitze kreiselartige Gestalt, ruhend werden sie auch trompetenförmig, und je mehr sie ausgedehnt sind, desto mehr fällt ihre 
Farbe in's Braune und Olivengrüne, vielleicht giebt es auch gelbe. Ich hin daher nicht mehr ganz sicher, ob nicht einige der hier 
abgebildeten Formen zu der rothen Art gehören. Vielleicht sind nur die nach hinten spitzeren Formen zum St. niger gehörig, wel- 
cher auch einen scheinbar wichtigen Character in der Längstheilung hat, während bei St. igneus die Selbsttheilung eine queere ist. 
Die beiden Arten scheinen mir sehr bestimmt verschieden zu seyn, da sie im Vorkommen sich in so enormen Massen isoliren. Man 
moss also nicht jeden gelblichen St. niger sogleich für St. igneus, und nicht jeden bräunlichen St. igneus für St. niger halten. 
Uebrigcns sind diese beiden Formen durch ihre kugelartige Drüse und ihren bestimmten Mangel des seitlichen Wimperkammes von den 
übrigen sehr geschieden. Sollte sich bei St. polymorphus der Wimperkamm noch auffinden lassen, so würde ich für jene beiden For- 
men die Trennung von den übrigen physiologisch gerechtfertigt glauben. Schwimmend sieht man alle Arten der Gattung mit blossem 
Auge sehr wohl. — Grösse bis Vs Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIII. Fig. III. 

Fig. 1 — 3. sind verschiedene Einzelthierchen; letztere ist die Normalform der Art. Fig. 4. und 5. sind in der spontanen Längstheilung begriffen. 
Alle sind 300mal vergrössert, haben eine dunkle Kugeldrüse, eine männliche helle contractile Blase, viele, zum Theil (Fig. 2.) mit Peridinien er- 
füllte, Magenzellen und Eikörnchen. In Fig. 2. sah ich den Wimperkranz nicht geschlossen. Fig. 6. ist bei lOOOmaliger Vergrösserung gezeichnet, 
ein Stückchen des Leibes mit seinen Wimperreihen, seinen netzförmig und kettenartig verbundenen Eiern und seinen schwarzbraunen Pigmentkörnchen. 



365 



Nachtrag zur Gattung Stentor. 

Es scheinen noch 2 Arten schon von Müller 1786 gekannt zu seyn; beide sind Seethierchen. Der meergrüne St. {Vor- 
ticellä) multiform™ würde sich nach Müllers Abbildung {Animalc. Infus. Tab. 36. Fig. 14 — 23.), der ihn bei Copenhagen 
fand, durch eine oder 2 männliche Drüsen von dein sehr ähnlichen St. polyinorphus unterscheiden. Bort fand ihn, wie er sagt, 
auch bei Cadix zwischen Sainte Marie und dem Hafen von Santa Catharina, das ganze Wasser färbend. Die andere Art ist röthlich- 
gelb und könnte, wäre sie nicht auch ein Seethierchen, für St. igneus gelten; es ist Vorticella Cucullus von Copenhagen (ebenda 
Tab. 37. Fig. 5 — 8.). Vielleicht war auch Müller's Triclioda Bomba ein Stentor oder ein Vorticellenleib. Ausser den hier 
aufgezählten 6 Arten sind noch folgende 6 auszuschliessende Artnamen in dieser Gattung gegeben worden : 1) Stentor aureus (1835), 
Druckfehler für St. igneus; 2) für St. caerulescens (1831) lies caeruleus; 3) St. petmiformis Oken = Ophrydium versa- 
tile; 4) St.? pygtnaeus (1831) = Colacium stentorinum; 5) St. socialis Oken (1815) = Megalotrocha oder Lacinularia 
jung; 6) St. solitarius Oken (1815) = St. Mülleri. Ueberdiess gehen in dieser Gattung 2 frühere Gattungsnamen ein, Tubaria 
Thienemann (1828) und Stentorina Bory (1824), zu deren 9 Arten ich folgende Znsammenstellung der Synonyme gebe: 1) Sten- 
torina biloba — Lacinularia socialis jung; 2) St. Cucullus = Stentor? Cuc; 3) St. hierocontica = Stentor Mülleri; 4) 
St. Infundibulum = Stentor niger ; 5) St. multiformis = Stentor? multif; 6) St. polymorpha = Stentor polym.; 7) St. 
Roeselii = Lacinularia socialis jung?; 8) St. stentorea = Stentor Mülleri; 9) Tubaria viridis = Stentor polymorphus. 
Lamargk stellte 1816 die Trompetenthierchen in seine Gattung Urceolaria. Baster sah wohl 1757 einen Stentor leuchtend. 

Alle Arten der Gattung lassen sich in der eiförmigen Gestalt recht wohl auf Glas oder Glimmer trocken aufbewahren, so dass 
man die Farbe, die Form der Drüsen, den spiralförmigen Mund, die Wimpern und dergl. ganz schön erhalten sehen kann. 



ACHTUNDACHTZIGSTE GATTUNG: URNENTHIERCHEN. 

Tri ch odina. Trieliodine. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinoruin, cauda et pedicello destitutum , corpore non ubique ci- 
liato, ciliorura fasciculo aut Corona vibrans, oris apertura non spirali. 

CARACTERE: Animal de la famille des Vorlicellines , sans queue et sans pedicule, depourvu de 
eils ä la surface du corps, mais vibrant par le moyen d un faisceau ou dune cou- 
ronne de eils au front \ ayant V Ouvertüre de la bouche simple, non spirale. 

Die Gattung der Urnenthierchen unterscheidet sich in der Familie der Glockenthierchen durcli 
Mangel an Schwanz und Stiel, so wie durch Mangel an Wimperbehaarung des ganzen Körpers, durch Wir- 
beln mit einem Büschel oder Kranze von Wimpern, und durch einfache nicht spirale Mundöffnung. 

Vier Arten umfasst bis jetzt die Gattung der Urnenthierchen, welche 1830 mit 3 Arten von mir 
gegründet wurde. Die ersten Formen scheint schon Leeüwenhoek 1675 zu Anfang Mai s in Tr. Grandi- 
nella und 1703 in Tr. Pediculus gesellen zu haben. Joblot nannte dieselbe erste Art wohl 1716 Sau- 
leur und Pirouette, Müller seit 1773 Trichoda Grandinella. Sehr bekannt, aber nicht scharf von Ke- 
rona Polyporum unterschieden, ward besonders bald die zweite Art, Trichodina Pediculus, die soge- 
nannte Polypenlaus, welche, nach Leeüwenhoek, Trembley 1742, Baker 1743, Rösel 1755, Wilke 
1761 (als Volvox dimidiatus), Göze 1775 beschrieben , Müller aber 1773 als Cyclidium Pediculus 
und wohl auch als Vorticella discina und stellina bezeichnete. Diese Formen wurden bisher mit frei ge- 
wordenen stiellosen Vorticellen- Leibern verwechselt, und es bleiben eine Anzahl unsicherer Synonyme 
übrig. Hill mag solche Formen 1750 in seiner Gattung Craspedarium mit gemeint haben. Lamarck 
nannte dergleichen 1816 Urceolaria und Trichoda. Bory de St. Vincent führte 1822 und 1824 die For- 
men dieser Gattung als Urceolaria Grandinella, Bursaria Pediculus, PeritricJia Parhelia und Urceo- 
laria discina, also in wenigstens 3 Gattungen verschiedener Familien auf. Die von mir 1830 aufgestell- 
ten 3 Arten aus Russland und Sibirien wurden 1831 durch nocli 3 Arten von Berlin auf 6 vermehrt, all- 
ein hier ist T. comosa zu T Grandinella, T. stellina zu T. Pediculus gezogen. Die T. Pediculus 
nannte 1832 Carls wieder mit dem neuen Namen Nummulella conehyliospermatica. Schon 1831 wurde 
auf die vielleicht zu grosse Verschiedenheit im Baue der Arten dieser Gattung aufmerksam gemacht, welche 
man aber doch nicht zu eilig zu ebensoviel neuen Generibus umgestalten darf, da leicht die Differenz in 
der Unvollstiindigkeit der Beobachtung liegt. — An Organisation ist besonders bei T. Pediculus das We- 
sentlichste klar ermittelt. Der scheibenförmige, schüsseiförmige oder conische Körper hat bei 3 Arten vorn 
einen Wimperkranz um die Stirn, in dem seitlich eine einfache Mundöffnung liegt. T. Pediculus allein hat 
das Rückenende nicht conisch gespitzt, sondern auch flach abgestutzt, wie die Stirn, und mit einem Kranze 
von hakenartigen Füssen bewaffnet. Eine solche Saug - oder Auheftungsstelle am Rückenende, wie Stentor, 
scheinen 3 Arten zu besitzen. T. tentaculata hat nur einen W 7 imperbüschel am Munde, keine deutliche 
Saugstelle am Rücken und eine Art von Rüssel, welcher bei den übrigen noch nicht beobachtet ist. — Der 

69 



366 



Ernährungsapparat ist als polygastrische Darmschlinge bei T. Pediculus und Grandinella durch Farbenah- 
rung anschaulich geworden, bei den übrigen ohne diese. — Vom Sexualsystem ist der männliche Theil deut- 
licher geworden, als der weibliche. Ein sehr feinkörniger weisslicher Eierstock ist nur bei T. Pediculus 
erkannt. Keine Art der Gattung hat farbige Eier, alle sind wasserbell. Eine nierenförmige Sexualdrüse ist 
ebenfalls nur bei T. Pediculus beobachtet. — Nerven und Gefässe sind unerkannt. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist gross. T. Pediculus ist durch ganz Europa und in 
Barnaul, nahe am Altai Asiens, und T. Grandinella ebenfalls in Europa und auf der Prochodnoi-Alpe des 
Altaigebirges selbst von mir gesehen. 

381. Trichodinaf tentaculata, tastendes Urnenthierclicn. Tafel XXIV. Fig. IJI. 

T. corpore disciformi, ciliorum fasciculo vibrans, Corona nulla, proboscide stiliformi. 

Trichodine tentaculee, a corps discoide, n ayant point de couronne, mais un faisceau de eil« vibrants 
et une trombe styliforme. 

Trichodina? tentaculata, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 98. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese Form fand sich 1830 mit Vorticellen und Trichodina Grandinella zwischen Conferven in nur wenig Exemplaren, 
und ist seitdem nicht wieder beobachtet. Ich zählte 5 — 6 borstenartige Wimpern und ein dickes grilfeiförmiges und riisselartiges , zu- 
rückziehbares Organ in deren Mitte. Im Innern waren zum Theil mit erkennbaren Monadinen erfüllte, zum Theil leere, Magenbla- 
sen sichtbar. — Grösse l / 24 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIV. Fig. III. 

Fig. 1. vom Rücken gesehen. Fig. 2. von der Bauchseite und wirbelnd. Vergrösserung 300mal. 

38 2. Trichodina Pediculus, Polypenlaus, parasitisches Urnenthierchen. Tafel XXIV. 

Fig. IT. 

T. corpore depresso, urceolato - diseiformi , ciliorum Corona frontali vibrans, dorso uncinis mobilibus coronato. 

Trichodine Pou de Polyp e, a corps deprime, urceolaire- discoide, ayant une couronne de eil» vi- 
brants an front et une autre de petits crochets mobiles au dos. 

Animalcules on lody of Polypes, Leeuwenhoek, Philos. Transact. 1703. XXIII. Nr. 283. p. 1308. 
Animakules des Polypes , Trembley, Histoire des Polypes, 1744. Tab. VII. Fig. 10, 11. 

Minute insects about the lody of Polypes, Baker, An attempt towards a Natur. Iiist. of the Polype, 1743. p. 118. c. Fig. 
Polypenläuse, Rösel, Insectenbelustigung, III. p. 525. Taf. LXXXVI. Fig. m. n. o. Ledermüller, 1760. Copie. 
Polypenläuse, Schäffer, Die Armpolypen, 1754. p. 14. Taf. I. Fig. 10. C. 
Volvox dimidiatus, Wilke, Acta Holm. 1761. p. 287. cum Fig. 

Cyclidium Pediculus, Müller, Venn. fluv. historia, 1773. Animalc. infus. 1786. Tab. XI. Fig. 15 — 17. 

Polypenläuse, Göze, Trembley's Abhandl. über Polypen, übersetzt 1775. p. 183. Taf. VII. Fig. 12. Berlin. Beschäftig. 1. p. 398. 

1775. 2. p. 281. Taf. 8. Fig. 13. 1776. 
Vorlicella discina et stellina, Müller, Animalc. infus. 1786. p. 270, 271. Tafel 38. Fig. 1 — 5. 
Urceolaria discina, Lamarck, Anim. sans vert. II. p. 44. 1816. 
Bursaria Pediculus, Bory de St. Vincent, Dict. classique, 1822. 
Urceolaria discina, i ,, . , , .„„. 
ParAeKft < BoRT DE St. Vincent, Encycloped. m6th. 1824. 

Trichodina ^**^» s » J Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 65. 1831. p. 98. 1833. p. 163. 1835. p. 164. 
Nummulella conehyliospermatica , Carus, Nova Acta Nat. Cur. XIV. 1. p. 80. Tab. III. Fig. IX. 1832. gute Abbildung. 

Aufenthalt: Bei Delft, im Haag, in England, bei Nürnberg, bei Regensburg, bei Quedlinburg, bei Stockholm, bei Copenhagen, 
bei Paris, bei Berlin, bei Dresden und bei Barnaul in Sibirien beobachtet. 

Schon Leeuwenhoek, der Entdecker der Armpolypen (Hydra), beobachtete die auffallende Erscheinung parasitischer 
noch kleinerer Thierchen auf denselben. Seit Trembley's denkwürdigen physiologischen Experimenten an den Armpolypen, wonach 
sie durch Zerstückeln und Umkehren, wie ein Handschuh, fortlebten und ihre Theile und sich selbst ganz aus ihren Theilen regenerir- 
ten, gewannen auch deren sie oft tödtende Parasiten noch besondere Theilnahme. Trembley selbst, und nach ihm Baker und Schäf- 
fer, gaben undeutliche Abbildungen. Die erste bessere Abbildung gab Rösel, und er unterschied auch schon 2 Arten. Noch besser 
war die Abbildung von Wilke, der unter dem Namen Volvocc dimidiatus dasselbe Thierchen von den Schwänzen der Froschlarven 
beschrieb. Göze gab dann eine gute Abbildung zuerst in seiner Uebersetzung des Trembley, dann in den Berliner Beschäftigungen. 
Müller scheint seine Notaten und Zeichnungen dieser Art nicht in Ordnung gehabt zu haben. Seine Beschreibung ist besser, als seine 
Abbildung, und erstere von Cyclid. Pediculus bezieht sich vielleicht geradehin auf die Abbildung der Vorticella discina, die ein 
Seethierchen seyn soll, wozu er aber Herrmann's Süsswasserthierchen citirt. Schrank' s Cyclid. Pediculus 1803 ist Kerona Po- 
lyporum. Ich beobachtete sie oft an Hydra vulgaris und viridis meist im August bei Berlin, meist gleichzeitig mit Kerona po- 
lyporum. Im Jahre 1829 sah ich sie auf der Reise mit Herrn von Humboldt auch auf den Kiemenblättern einer Anodonta des 
Ob bei Barnaul, und bezeichnete sie 1830 als T. stellina. Im Jahre 1832 fand sie mein hochverehrter Freund, Herr Hofrath Ca- 
rus, an den Eierstöcken der Unio batava, littoralis und pictorum bei Dresden und hielt sie für ein unbekanntes Infusorium, wel- 
ches er neu benannte und für eine physiologisch einfache animalische Ursubstanz erklärte. Im Jahre 1835 fand ich sie zahlreich an 
dem kleinen Gyrodaclylus coronatus in den Kiemen der Karauschen (Cyprinus Carassius), und öfter, fast jährlich, fand ich sie 
auch frei im Wasser, aber immer nur einzeln. Es hat rasche kräftige Bewegung, wie Yorticellen-Leiber. Das Thierchen der 
Polypen habe ich viele Male mit Indigo genährt, und ich habe viele Magen blau erfüllt gesehen. Der Mund ist eine seitliche coni- 
sche Grube und ebenda findet auch das Auswerfen statt. Es läuft immer auf dem Rücken, wo es einen Kranz von 24—28 bewegli- 
chen Häkchen hat, den Mund und wirbelnden Wimperkranz von 48-64 Wimpern nach oben gerichtet. Es scheint mit den kleinen 



Krallen seines Rückens die Körnchen der lockern Polypenhaut auszugraben und zu verzehren. Vielleicht schadet es dem Polypen 
auch besonders durch Abfressen der feinen Fangfäden und Angeln seiner Arme, so dass er nicht mehr fangen kann. Es lebt auf allen 
Theilen des Polypen. Dicht neben seinem Munde liegt am Rande eine etwas trübe nicrenförmige Drüse, doch wohl die männliche 
Sexualdrüse. Eine einfach contractile Blase habe ich neuerlich auch beobachtet. — Grösse V48 bis 1 / 2i Linie. (Vergl. Kerona Po- 
lyporum.) Man muss sich hüten , die stachligen Polypeneier für parasitische Thiere derselben anzusehen, wie sie z. B. Bort de St. 
Vincent als Infusorien {Peritricha Polyporuni) verzeichnet hat. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIV. Fig. IV. 

Fig. 1. Hydra vulgaris aurantiaca mit diesen Parasiten besetzt, von Berlin, 6mal vergrössert. Fig. 2. und 3. Art des Ansitzens, und Fig. 4. 
Seitenansichten. Fig. 5. Ansicht vom Rücken. Mund ist die gekrümmte trichterförmige Stelle nach unten, daneben rechts die trübe gekrümmte Drüse. 
Viele zerstreute Magenzellen. Die der Drüse gegenüberliegende Zelle ist an der Stelle der neulich beobachteten contractilen Blase. In der Mitte ist 
der Hakenkranz des Rückens, am Rande der Wimpernkranz der Stirn. Fig. 6. dasselbe Thierchen von der rechten Seite. Am Rande in der Mitte 
ist der Mund. Stirn rechts, breiter abgestutzt als der Rücken, dessen Fläche sieb beim Schwimmen verengt, beim Kriechen erweitert. Fig. 7. von 
der Stirn gesehen. Fig. 8. vom Rücken gesehen, mit unterwärts zusammengefaltetem Wimpernkranze. Alle Vergrösserungen 300inal. 

383. Trichodina voraac, gefrässiges ürnciitliiei'clien. Tafel XXIV. Fig. V. 

T. corpore oblongo cylindrico - conico , fronte convexa, eiliis coronata, dorso attenuato obtuso inermi. 

Trichodine vorace, a corps oblong cylindrique legerement conique, ayant le front convexe couronne 
de eils, le dos aminci et obtus lisse. 

Trichodina vorax, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 98. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diess Thierchen fand ich 1831 öfter zwischen Conferven. Es war der folgenden Art sehr ähnlich, aber immer länger, fast 
walzenförmig, nnd ich fand mehrmals es in den Gehäusen der Cothurnia imberbis, die es zu verzehren schien. Es ist in seinen Be- 
wegungen sehr rasch und kräftig, zeigte innere Magenzellen, wurde aber nicht mit Farbe geprüft. Ich zählte etwa 12 — 15 Wimpern, 
die keinen völlig geschlossenen Kranz machten. — Grösse V48 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIV. Fig. V. 

Fig. 1. von der Stirn; Fig. 2. ganz von, der Seite; Fig. 3. halb von hinten; Fig. 4. halb von vorn; Fig. 5. im Acte des Verzehrens der Co- 
thurnia begriffen. Vergrösserung 300mal. 

384. Trichodina Grandinella, Mageltliierclien. Tafel xxrv. Fig. vi. 

T. corpore conico snbgloboso, fronte truncata eiliis coronata, dorso subacuto inermi. 

Trichodine Gresil, ä corps conique presque spherique, ayant le front tronque et couronne de eil», 
le dos brusquement aminci et sans armure. 

Animalcula Nr. 4. , Lkeuwenhoek, Philosoph. Transact. 1677. XI. p. 821. (1675.) 

Le sauteur et la pirouette, Joblot, Observat. avec le Microscope, (1718.) 1754. p. 64, 65. PI. 7. Fig. 9 — 12. nnd 15. 
Craspedarium secundum, Hill, History ofanimals, 1752. Fig. 2. 

Trichoda Grandinella, Müller, Verm. fluv. hist. 1773. p. 73. Animalc. infus, p. 160. Tab. XXIII. Fig. 1 — 3. 1786. 

Trichoda Grandinella, Schrank, Neue philos. Abhandl. d. Akad. z. München, II. 1780. p. 470. Tab. I. Fig. 1, 2. Fauna boica, III. 

2. p. 92. 1803. Lamarck 1815. 
Trichoda —1, Herrmann, Naturforscher, 20. 1784. p. 152. Taf. III. Fig. 29. 
Urceolaria Grandinella, Bort de St. Vincent, Encycloped. method. 1824. 

Trichodina Grandinella, > Abhandlt der Akademie d. W r issensch. zu Berlin, 1830. p. 41, 54, 65. 1831. p. 97. 1833. p. 307. 
— comosa , } 

Aufenthalt: Bei Delft in Holland, bei Paris, in England, bei Copenhagen, bei Strassburg?, bei Wien und in Baiern, bei Berlin!, 
in Petersburg! und auf der Prochodnoi-Alpe des Altai! beobachtet. 

Wer nicht sehr geübt ist im Beobachten, wird die abgerissenen frei schwimmenden Körper der Vorticellen häufig mit die- 
sen Formen verwechseln, wesshalb denn auch keine wissenschaftliche Sicherheit in den Synonymen ist. Der wesentliche Character, wo- 
durch sich diese Form von Vorticellen unterscheidet, scheint mir in dem nicht geschlossenen Wimperkranze zu liegen, allein es ist 
sehr schwer, die optische Form, welche auch den geschlossenen Kranz zeigt, von der wirklichen scharf zu isoliren. Ein Nebencha- 
racter liegt in der sehr kräftigen, raschen, der eines Kreisels gleichenden, Beweglichkeit. Diess Thierchen wird vorzugsweise von 
Actinophrys und Podophrya gefangen und ausgesaugt. An der Oberfläche bestäubten Wassers im Thiergarten fand ich es jährlich 
vom April an, den Sommer über, meist mit den genannten Feinden. Es nahm leicht Indigonahrung auf. Ich sah auch ein Exemplar 
mit einer verschluckten, aber noch doppelt so lang, als es selbst war, aus dem Munde hervorragenden, Oscillatorie umherwirbeln. (Vergl. 
Chilodon und Bursaria auf Taf. XXXIV. und XXXVI.) — Grösse Vm — V72 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXrV. Fig. VI. 

Fig. 1. ist die conische Normalform von der Seite. Fig. 2. die gewöhnliche characteristische Erscheinung, bei welcher der geschlossene Wimperkranz 
des sich kreiselartig rasch drehenden Thierchens eine optische Vervielfältigung ist. Fig. 3. ist die wahre Gestalt des Wimperkranzes. Fig. 4. eine 
jüngere Form. Fig. 5. mit verschluckter Oscillatorie. Einige sind mit Indigo genährt, alle 300mal vergrössert. 



Nachtrag zur Gattung Trichodina. 

Ausser den schon aufgezählten Arten und Synonymen könnten noch Trichoda Cometa und Trochus, so wie Vorticella 
bursata von Müller zu dieser Gattung gehören (s. Isis 1833. p. 255.). Bory verzeichnet diese Formen als Tric/ioda Cometa, 



268 



Ophrydia Trochus und Rinella mamillaris (vergl. Isis 1834. p. 1201. seq.). Eichhorn's Fig. N. Taf. VII. kann Tr. Gran- 
dinella von Danzig gewesen seyn. 



NEUNUNDACHTZIGSTE GATTUNG: KREISELTHIERCHEN. 

Urocentrum. Urocentre. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum , pedicello semper destitutum, stilo caudatum, liberum, 
corpore non ciliato, fronte ciliis coronata, ore simplici. 

CARACTERE: Animal de la famille des Vorticellines, toujours sans pedicule, pourvu dun poincon 
en forme de queue, libre^ riayant le corps pas garni de cils, mais une couronne de 
cils au front et la bouche simple. 

Die Kreiselthierchen zeichnen sich unter den Glockenthierchen durch Mangel eines Stiels, aber 
Besitz eines schwanzartigen Griffels aus, sind frei, ohne Körperwimpern, haben einen Wimperkranz um die 
Stirn und eine einfache Mundöffnung. 

Den Namen der Gattung Urocentrum bildete Nitzsch 1817, um die Cercaria Turbo von denCer- 
carien abzusondern. Diese Sonderung machte er damals bekannt, aber den Namen theilte er erst 1827 
mit, Bory de St. Vincent kannte diese Arbeit nicht und gab 1823 derselben Form den Namen Turbi- 
nilla und seit 1824 Turbinella , welchen schon 1801 Lamarck der Voluta Turbinellus überwiesen hatte. 
Kaip gab den Namen JJrocentron 1826 (Isis) einer amerikanischen Eidechsenart, welche Clvier Dorypho- 
rus nannte. Wagler und Wiegmann sind Kauf gefolgt. So wäre denn aber doch Urocentrum hier, und 
Doryphorus bei den Amphibien zu verwenden. Es ist mir nur eine Art der Gattung bekannt. Die erste 
Kenntniss derselben hatte Müller 1786, welcher sie Cercaria Turbo nannte. Bis 1831 stellte ich diese 
Form zur Familie der Monaden, allein der seitdem öfter beobachtete Bau hat mich nun vorziehen lassen, 
sie den Vorticellen anzureihen, obschon die characteristische Darmschlinge noch nicht direct scharf, nur bis 
zu grosser Wahrscheinlichkeit ermittelt ist. — An Organisation sind Bewegungs - und Wirbel-Organe, die auch 
zum Fangen dienlich, erkannt. — Das Ernährungssystem ist als polygastrisch mit einfacher Oeffnung durch 
Farbenahrung festgestellt. — Von Sexualtheilen ist ein undeutlicher sehr blassgelblicher Eierstock und eine 
contractile Blase ermittelt, welche den Hermaphroditismus festzustellen scheint. Ueberdiess ist queere voll- 
kommene Selbsttheilung beobachtet. — Müller glaubt noch 2 seitliche Stirnaugen beobachtet zu haben, da 
er aber den Wimpernkranz der Stirn gar nicht sah, so mögen die beiden Punkte dessen Spuren gewesen 
seyn. Ich sah keine Augen an der Stirn. Vielleicht verwechselte auch Müller einmal Glenopkora Tro- 
chus oder irgend ein anderes junges 2äugiges Rädert hierchen hiermit. 

Die geographische Verbreitung der Gattung und einzigen Art ist bei Copenhagen und Berlin allein 
sicher beobachtet. 

385. Urocentrum Turbo, Miiller's Kreiseltliierclien. Tafel XXV. Fig. VII. 

U. kyalinum, corpore ovato triquetro, stilo tcrtiain corporis partein aequante. 

Urocentre Toupie, hyalin, a corps ovale trilateral, ayant le poinqon de la longueur dun tiers du corps. 

Cercaria Turbo, Müller, Animalc. Infusor. 1786. p. 123. Tab. XVIII. Fig. 13—16. 

Urocentrum Turbo, Nitzsch, Beiträge z. Infusorienkunde, 1817. p. 4. Brsch und Gruber's Encyclopäd. Cercaria. 1827. 
TurbiniUa maculigera, Bory de St. Vincent, Dict. class. Cercariees, 1823. Encyclop. meth. 1824. Turbinella. 

Urocentrum Turbo, Abkandl. der Akademie d. Wisselisch, zu Berlin, 1830. p. 38!, 54?, 66?. 1831. p. 66. 1833. p. 174. 1835. p. 160. 

Aufentlialt: Bei Copenhagen und Berlin, wohl nicht in Sibirien beobachtet. 

Bei Berlin ist diess Thierchen nicht eben häufig, doch zuweilen in grosser Menge gleichzeitig zwischen Meerlinsen, wie am 
26. April, 20. Juni und 5. Juli 1832, und es gelang auch die Aufnahme von Farbenahrung zu bewirken. Ob das grüne Tliierchen, 
dessen Zeichnung ich auf der Reise mit Herrn von Humboldt bei Tobolsk entwarf, nicht vielmehr Euglena triquetra war, bin ich 
neuerlich sehr zweifelhaft geworden, und jetzt möchte ich diess Urtheil geradehin vorziehen, da ich das wahre Urocentrum zu Tau- 
senden und nie grün gesehen habe, meine Beobachtungs -Methode und Fähigkeit sich auch seit 1829 sebr verbessert hat. Eine sehr 
blassgelbliche Farbe bei grösseren Exemplaren, die aber keine deutlichen Körnchen entbielt, war wohl Anzeige des Eierstocks bei der 
Berliner Form. Ich zählte bis 25 Magenzellen von ansehnlicher Grösse, sie bilden die von Müller angezeigten Flecke. Dicht über 
der Schwanzbasis ist eine grosse contractile sehr helle Blase, vermuthlich zum männlichen Sexualsysteme gehörig. Mischt man Farbe 
zum Wasser, so erkennt man durch den Wirbel den seitlichen Mund und um die vordere Hache Stirnfläche einen wirbelnden Wimper- 
kranz. Augen sah ich nicht. Oefter kamen Exemplare mit einer mittleren Einschnürung vor, die in queere Selbsttheilung überging. 
Zuweilen wurde die Einschnürung durch eine etwas erhabene Cirkelwulst in 2 Theile getheilt. Das Schwänzchen ist kein ablöslicher 
Vorticellenstiel und auch kein unabgesetzter Schwanz, sondern ein eingelenkter Griffel am Rücken (?), vielleicht ein Fuss. — Grösse 
1 ji6 — V24 Linie. 



269 



Erklärung der Abbildungen Taf. XXIV. Fig. VTI. 

Fig. 1. von der Seite gesehen, Bauchfläche rechts mit dem Munde am vorderen Rande; Fig. 2. vom Rücken und oben; Fig. 3. ist in der Queer- 
theilung mit Cirkelwulst; Fig. 4. von der Stirn; Fig. 5. vom Griffelende; Fig. 6. Queertheilung abschliessend. 



NEUNZIGSTE GATTUNG: GLOCKENTHIERCHEN. 

Vorticella. Vorticelle. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum, campanulatum, ciliorum Corona frontali, prima aetate 
pedicellatum, post primam divisionem spontaneam solutum, corpusculis pedicellatis forma con- 
gruis, pedicello in spiram subito flexili, nunquam ramoso. 

CARACTERE: Animal de la famille des Vorticellines ■, campanule, couronne de cils au front, 
pedicule en jeune dge, libre apres la premiere division sponlanee, les formes des cor- 
puscules pedicules egales, le pedicule subitement contractile en spirale, Jamals rameux. 

Die Gattung der Glockenthierchen zeichnet sich in der Familie der Glockenthierchen durch an- 
fangs gestielten, nach der ersten Selbsttheilung aber stiellosen, glockenförmigen Körper mit wirbelndem Stirn- 
kranze, durch gleichartige Körperform und spiralförmig zusammenschnellenden, nie verästeten Stiel aus. 



G-escnichtliche Erläuterung zur Gattung Vorticella. 

Die Gattung Vorticella, deren erste Formen (s. Vortic. Convallarid) Leeüwenhoek 1675 entdeckte und die Joblot 
1718, Trembley 1744, Unger 1746 und die meisten andern friiliestcn mikroskopischen Beobachter beschrieben und abbildeten, grün- 
dete Linne 1767 in der 12ten Ausgabe seines Systema Naturae mit 11 Arten von Infusorien (nach Rösel's und Trembley's 
Abbildungen), mit der Doldenfcder, Umbellularia Encrinus, der Secpalme, Encrinus europaeus, und einer unklaren Pennatula oder 
Corallhia des Oceans. Man nannte sie, nach Reaumur's Vorschlag an Trembley, 1744 zuerst als den Hydris verwandte For- 
men, Polypen (Straussp olypen, Afterpolypen dergl.). Hill hatte dieselben 1752 gestielt Macrocercus, ungestielt Craspe- 
darium genannt. Linne nannte sie früher (1758) Hydra, Pallas 1766 Brachionus. Müller befestigte 1773 den Namen Vor- 
ticella bei den Infusorien und scbloss die Encriniten aus. Er verzeichnete 38 von ihm selbst beobachtete Arten. Maratti und 
Modeer haben zwar bis 1790 fortgefahren, die Encriniten Vorticella zu nennen, allein Gmelin nahm Müller s Gattungscharacter 
und Arten in die 13te Ausgabe des Systema Naturae Linnaei auf und Müller selbst vermehrte die Zahl der Arten der Infusorien- 
gattung 1786 auf 75. Ganz besonderer Theilnahme erfreute sich die mit Trembley beginnende, von Bonnet, Baker, Rüsel, 
Spallanzani, Göze, Colombo und Müller* fortgesetzte, Beobachtung der physiologischen Erscheinungen an den Vorticellen, welche 
neuerlich Schrank 1803 und Gruithuisen 1812, vielleicht auch Bory de St. Vincent 1824 wieder aufgenommen hatten. Herr- 
mann, Gmelin, Modeer, Schrank, Abildgaard, Blumenbach, Bosc, Dutrochet vermehrten die Artnamen auf mehr als 
100. Modeer sonderte aus dieser Formenmasse zuerst 1790 Ecclissa, und Schrank 1796 und 1803 Lima und Rotifer als be- 
sondere Gattungen ab. Lamarck trennte 1816, ohne Schrank's Arbeiten zu benutzen, die Gattungen Folliculina, Furcularia, Ur- 
ceolaria und Tubicolaria, letztere nach Dutrochet, und behielt nur 28 Arten in der Gattung Vorticella. Gleichzeitig trennte 
Oken die Gattung Stentor mit mehreren andern, die er aber, nach einem philosophischen Ideale strebend, weniger glücklich systema- 
tisch abgrenzte und benannte. Goldfuss gab 1820 zu einigen derselben annehmlichere Namen, nämlich Campanella, Opercularia, 
Coronella und Valvularia, immer jedoch in jenem älteren Sinne von einfachen Organismen und Prototypen oder Skizzen der ausge- 
bildeteren Thiere. Bory de St. Vincent zerspaltete mit vielem Fleisse und auch vieler Bestimmtheit, aber ohne verhältnissmässige in- 
tensive Beobachtung, Müller's sämmtliche Infusorien 1824 in sehr viele kleine Gattungen; die Gattung Vorticella allein, ohne Be- 
rücksichtigung der vielen früheren Namen und meistens nur nach den äusseren Characteren der Abbildungen, in 17 Gattungen, die er 
in 8 Familien vertheilte. In seiner Gattung Vorticella behielt er 14 Arten. In dem hier festgehaltenen Sinne und auf bis dahin un- 
bekannte oder weniger beachtete innere Charactere der Formen gestützt, wurde die Gattung Vorticella zuerst 1830 mit 5 Arten auf- 
gestellt. Bis eben dahin hatte man theils Räder thiere und physiologisch sehr abweichende polygastrische Thiere in einer und dersel- 
ben Gattung Vorticella mit einander vereinigt, theils auch aus den verschiedenen Zuständen einer und derselben Vorticellen -Art viele 
Arten und Gattungen gebildet. Diese wurden sämmtlich nach neuen Untersuchungen in die ihnen zukommenden Classen, Familien, Gat- 
tungen und Arten vertheilt. Die erste Anzeige dieser neuen Ansichten geschah in einem 1830 gedruckten Vortrage in der Akademie 
der Wissenschaften zu Berlin, und eine vorläufige Nachricht davon kam in die Isis 1830. p. 168., ein ausführlicherer Auszug ist eben- 
da p. 758. Es wurde zuerst bemerkt, dass bis 12 MÜLLER'sche Arten der Gattung Vorticella nur verschiedene Zustände eines 13ten 
Thieres sind, und dass Modeer, Lamarck und besonders Bory de St. Vincent 6 verschiedene Gattungen darans gebildet ha- 
ben, nämlich Ecclissa S., Urceolaria L., Rinella, Kerobalana, Craterina, Ophrydia B. Bei vielen Vorticellen Müller's 
wurden Muskeln, ein einfacher Darm, Zähne, Drüsen, Gefässe, Eierstock und männliche Sexualtheile in bestimmten scharfen Formen 
nachgewiesen und diess an Vorticella senta erläutert. Alle diese Formen wurden als Räderthiere von den polygastrischen Vorti- 
cellen abgesondert. Das damals auf den innern Bau gegründete System der Infusorien ist noch dasselbe, welches hier beibehalten ist. 
Die Vorticellen Müller's und auch die Arten der aus denselben getrennten Gattungen Bory's sind in die allerverschiedensten Gattun- 
gen und Familien vertheilt, sehr viele sind als Räderthiere festgestellt, und aus den verschiedensten Gattungen (Cyclidium, Cer- 
caria, Trichoda, Enchelys u. s. w.) sind die Formen zur Familie und Gattung der Vorticellen herbeigezogen worden. Diese sehr 

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schwierig zn entwickelnde Synonymie ist versucht worden, im Nachtrage übersichtlich zn machen. Der 1831 festgestellte Unterschied 
der Gattung Vorticella von Carchesium ist aber nach neueren Beobachtungen hier abgeändert. Auch erstere hat keinen soliden, son- 
dern beide haben einen hohlen Stiel mit innerem Schnellmuskel. Der physiologische Unterschied beider Gattungen besteht jetzt in der 
Fortentwickelung des Stieles nach der Selbsttheilung des Körpers ohne Trennung bei Carchesium, und im periodischen Abschliessen 
der Stielent wickelung und Trennung des Körpers von demselben mit der ersten Selbsttheilung bei Vorticella, wodurch hier nur ein- 
fache Stiele, dort baumartig verästete entstehen. Jetzt enthält die somit geläuterte Gattung Vorticella 9 Arten. 

, Die Organisation der Gattung ist reichlich ermittelt. Als Bewegungssystem ist ein Wimpcrkranz um die abgestutzte Stirn und 
ein in dem hohlen Stiele befindlicher Längsmuskcl erkannt, welcher dessen Spirale schnellende Contraction bewirkt. Periodisch erscheint 
noch ein zweiter Wimpcrkranz am hintern Körpertheile. Der Stiel ist ein ablöslicher besonderer Anhang, kein Schwanz und wohl auch 
kein Fuss. - — Als Ernährungsorgane dienen sichtlich zunächst viele Magcnzcllen , welche sich, wie schon Gleichen, aber unklar und 
nnriebtig, sah, leicht mit Farbe füllen, und man kann sich ein allmäliges Fortrücken der Speise in einem schlingenartigen Darmschlauche 
mühsam deutlich machen, wobei jedoch das Zusammenschnellcn sehr störend ist. Leichter beobachtet es sich bei Epistylis und Oper- 
cularia. (Gleichen [Infus, p. 141.] hielt die gefüllten Magenzellen für Eier oder innere Thierc, die er, wie neuerlich Dr. Focke bei 
Stenfor, in selbstständiger Bewegung zu sehen meinte.) Mund und Auswurfsöflruing, beide geschieden, finden sich in einer und derselben 
grossen Grube am vordem Stirnrande. Der vordere Rand des glockcnartigen Körpers umfasst keine Aushöhlung, sondern eine flache 
und geschlossene Stirnebene. Innere Magenzellen zählte ich bis 40. — Als Fortpflanzungsorgane sind sowobl periodische farblose, gelb- 
liche oder grüne Eikörnchen, als auch eine längliche Drüse und eine contractile runde Blase, mithin Hermaphroditismus, erkannt. Was 
der fleissig beobachtende Freiherr von Gleichen Sekundeneier der Vorticellen nannte (p. 154.), waren eben so wenig Eier, als der 
Stiel eine Legeröhre war, wie er diesen nennt. Er beobachtete nämlich, wie seine grossen sehr dunkeln, mit dicken schwarzen Rän- 
dern versehenen, gewiss treuen, Abbildungen zeigen, mit zu starker und unklarer Vergrösserung , wobei er denn offenbar im Urtheil 
über das Gesehene sich verirrte. Er sah die durch die Contraction des Stieles in dessen Innern bewirkten Einschnürungen des Längs- 
muskels für runde Theilchen, und deren Verschwinden beim Ausdehnen für Fortrücken dieser Eierchen an. Besonders bewunderte man 
schon frühzeitig die spontane Selbsttheilung dieser Thierchen. Schon Trembley erkannte sie bei Epistylis und Carchesium • Arten, 
und die Vorticellen mag er für Junge der letzteren gehalten haben. Bonnet, Spallanzani, Göze und Colombo verfolgten die 
Selbsttheilung besonders scharf bei den baumartigen Carchcsien, aber auch bei einfachen Vorticellen, bei denen es auch Gleichen 
abbildete. Die meisten Beobachter sahen nur Längstheilung und in Folge dieser dichotomische Bäumchen. Colombo sah sehr richtig 
den Hergang bei wahren Vorticellen. Spallanzani allein sah schon 1776 auch Knospenbildung, was nach ihm Gruithuisen 1812 
erst wieder sah (V. ConvalL). Erst 1830 wurde bei wahren Vorticellen mit Bestätigung der Längstheilung und Knospcnbildung auch 
Queertheilung nachgewiesen, welche nur bei Stentor von Trembley beobachtet war, deren Unbekann tschaft aber bei den wahren Vor- 
ticellen zu systematischen Verirrungen verleitet hatte. Wurzelschossc oder Stolonenbildung und das Nachwachsen der Thiere aus dem 
Stiele, wie Blumen aus dem Stamme einer Pflanze, sind irrige Ansichten gewesen, die sich neuerlich nicht bestätigen liessen und schon 
von Colombo gründlich widerlegt wurden. Wenn das Thier sich vom Stiele ablöst, was periodisch freiwillig geschieht, so vergeht 
der Stiel, weil er, wie die Krebsschaale oder wie Nägel und Haare, ein vom Thierc allmälig ausgeschiedenes, stützendes, aber ent- 
behrliches einseitiges Organ ist. 

Die geographische Verbreitung der einfachen schnellenden Vorticellen ist über ganz Europa, im sibirischen und arabischen 
Asien, so wie in Nubien Afrika's im Süsswasser, auch im Ostseewasser und im Mittelmeere beobachtet. 

386. Vorticella nebulifera» nebelartiges Olockentbiercneii, Metoelglöcfeelien. 

Tafel XXV. Fig. I. 

V. corpore conico campanulato, albo, frontis margine dilatato corpus superante, corporis contracti annulis nullis. 

V orticelle nebuleuse, a corps conique-campanule, blanc, ayant le bord du front elargi et saillant, 
point d ' anneaux dans V etat de contraction du corps. 

Einfache schnellende Glockenthierchen auf Meerlinsen, Anonymus, Philos. Transact. XXIII. p. 1496. 1703. 
Einfache Strausspolypen , Un&er, Göttinger Zeitung von gelehrt. Sachen, 1746. p. 469. 
Zweite Art von Polypen bei Leipzig, Kästner, Hamburg. Magazin (I. B. 1748. p. 411.) III. B. p. 319. 1752 
Bell-animals, Baker, Employment for the microscope, p. 428. Tab. XIII. Fig. 1. 1764. (tibi.) 
Glockenpolypen, Schäffer, Die Armpolypen des süssen Wassers, p. 5. Taf. I. Fig. 4. 1754. 

Der Meine becherförmige Afterpohjp, Rösel, Insectenbelu s tigu ng, III. p. 597. Taf. 97. Fig. 2. und 4 — 7. 1755. Lhdermüller, 1760. 
Hydra Convallaria, Linne, Systema Naturae, ed. X. 1758. zum Theil. 

Brachionus campamlatus , Pallas, Elenchus Zoophytorum, 1766. zum Theil. Schrank, Beiträge z. Naturg. 1776. p. 106. 
Vorticella Convallaria, Linne, Systema Naturae, ed. XII. 1767. zum Theil. 

Vorticella nebulifera, i Müller, Vermium fluv. bist p. 129, 130. 1773. Animalc. infus, p. 315, 317. Tab. XLV. Fig. I. 

— Convallaria, zum Theil, ( 1786. 

Göze in Bonnet's Abhandlungen aus der Insectologie, p. 517. Taf. VII. Fig. 8 — 9. copirt aus Ledermüller, 1775. 
Animali h campanelle, Spallanzani, Opuscoli di physica, I. p. 199. Tab. II. Fig. 12. 1777. 

Campanelle a piede semplice, 2—ita spezie, Colombo, Osserv. microsc. Giornale della medic. Venez. 1787. p. 165. Deutsch p. 65. 1793. 
Vorticella Convallaria (marina), Cavolini, Memorie de' Polipi marini, p. 253. Tab. IX. Fig. 13. 1785. ed. Spren&el, p. 118. 
Vorticella Convallaria, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 115. 1803. 
Convallarina Convallaria, Bort de St. Vincent, Dict. class. 1823. zum Theil. 

Vorticella nebulifera, Bort de St. Vincent, Encycloped. method. 1824. mit Ausschluss seiner Beobacht. 
Vorticella cothnrnata, 1 TT „ „ 

— brevipes > Hemprich u - Fhrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab. I. Fig. XIV. und XV. Tab. II. 

Vrceolaria Israelitarum, ( F * XV,L 1828 ' Text 1831 - VortkeUa Convallaria. 

Vorticella Convallaria, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 17. 1830. p. 66. 1831. p. 92. zum Theil. 
Carchesium nebuliferum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. jj. 93. 

Aufenthalt: Bei London, Göttingen, Nürnberg, Leipzig, Paris, Neapel, Reggio, Conegliano, Quedlinburg, in Baiern, bei Copen- 
hagen, Wismar, Berlin, bei Nishne Tagil und Catharinenburg im Ural, in Dongala und bei Tor am Sinai in Arabien beobachtet. 

Alle früheren Beobachtungen von einfachen schnellenden Vorticellen auf lebenden Pflanzen und Thieren müssen wohl vorläufig, 
nachdem Müller diese in 2 Arten zerspalten hat, entweder als Junge zu Carchesium polypinum, oder zu dieser Art, nicht zu 
V. Convallaria, gezogen werden. Die V. nebulifera bildet für das blosse Auge ein weisses Wölkchen oder nebelartigen Ueberzug 
um die Wasserpflanzen, besonders häufig dicht um die Wurzeln der Meerlinsen (Lemna), um die Blätter des Ceratophyllum , der 
Hottoma palustris, um Zoster a marina u. s. w. Man erkennt sie schon leicht in Gläsern, wenn man die darin befindlichen Pflan- 



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zcn gegen die Erde, einen Baum oder irgend etwas Dunkles besieht. In Uhrgläsern auf dem in der Einleitung bezeichneten schwarzen 
Brctchen als Unterlage sind sie gar schön zu erkennen. Oft sitzen sie auch an lebenden Schnecken und Insecten und an todten Pfian- 
zentheilen im Quellwasser. Wo aber Pflanzen faulen und das Wasser riecht, halten sie sich nicht. Man findet da andere ähnliche Ar- 
ten, V. Convallaria und microstoma. Eine der Figuren bei Leeuwenhoek. 1703 lässt fast vermuthen, dass er diese Art bei Dclft 
auch kannte, doch kann es ein starrer Büschel einer jungen Epistylis gewesen seyn. In gleichem Jahre hat sie aber ein Engländer 
bei London an Meerlinsen und lebenden Wasscrinsectcn beobachtet. Tremblet scheint sie im Haag für junge Strausspolypen ge- 
halten zu haben. Unger fand sie 1746 bei Göttingen, Kästner auf Meerlinsen bei Leipzig, Baker auf Froschlaich in England, 
Schäffer bei Regensburg an Meerlinsen, Rösel auf einem noch lebenden Armpolypen, auf Schnecken und Wasserflöhen, 
Schrank 1776 auf Planarien, Spallanzani auf Meerlinsen bei Reggio, Müller an Seeconfcrven und Meerlinsen, Ceratophyllum und 
Schnecken bei Copenhagen, Göze bei Quedlinburg, Colombo bei Conegliano, Cavolini an einer jungen Venus -Muschel im Meere 
bei Neapel, Schrank im Mai und Sommer (bei Ingolstadt?) auch an Conferven. Ich beobachtete sie 1818 bei Leipzig, bei Delitzsch 
und bei Berlin an Wasserpflanzen, 1822 in Dongala in Nubien, 1823 in Tor in Arabien an Conferven mit Dr. Hemprich, und be- 
nannte sie 1828 nach Bort's damals herrschendem Systeme, an dem ich noch nicht ändern wollte. Bort de St. Vincent scheint 
die Convallarina Convallaria der Wasserpflanzen nicht gesehen zu haben, und die Vortic. nebulifera, welche er selbst sah, war 
offenbar nur die im Aufgnss von Fucis aus Chili und Neuholland entwickelte V ort. Convallaria. Im Jahre 1829 sah ich diese Form 
wieder bei Nishne Tagil und Catharinenburg im Ural auf der Reise mit Herrn von Humboldt und trennte sie nicht von V. Conval- 
laria. Die bei Berlin sehr häufige Form hat mir später in allen Jahreszeiten zu vielen physiologischen Untersuchungen gedient, und 
ich bin seit 1831 um so mehr geneigt, die in Aufgüssen vorkommende breitstirnige Vorticella für eine andere Art zu halten, als ich 
1833 die erstere (iiebidiferd) auch bei Copenhagen und Wismar häufig an Zostera und Scytosiphon Filum der Ostsee sah. Da 
nun die geringelte Form nie in frischem Seewasser und Flusswasser vorzukommen scheint, so sondere ich sie von der nebulifera als 
V. Convallaria hier ab, obschon Linne den letzteren Namen zuerst nur für Rüsel's Figuren gab. Schon 1767 hat er aber beide 
Formen damit gemeint, wie nach ihm Müller. 

Das Thierchen lebt im Winter unterm Eise sehr zahlreich. Bei zu schwacher Vergrösserung sieht man keine Wimpern. Nur 
wenn man mit einem Pinsel etwas Indigo- oder Carmin-Tusche aufgelöst in's Wasser auf das Objectglas thut, sieht man sogleich die 
überraschendste Wirkung des Wimperkranzes, den man schon bei 300maliger Vergrösserung auch direct erkennt. Die Richtung des 
Wirbels lässt die seitliche Mundöffnung leichter beobachten. Die Lage des Mundes ist wie bei Stentor, seine Form nicht spiralartig. 
Man sieht bis über 20, anfangs mit furchtsamen Widerstreben und oftmaligem Zusammenschnellen, dann muthiger, jedenfalls über 
Nacht, durch den Mund allmälig sich mit Farbe füllende, Magenzellen, eine sehr helle einzelne langsam contractile männliche Se- 
xualblase, eine bandartige Sexualdrüse, viele zerstreute weisse (Ei-) Körnchen. Sehr oft sieht man an einzelnen Individuen gleichzei- 
tig die allmälig fortrückende spontane Längstheilung der Körper und das Ablösen beider, indem kurz vorher beim hintern Körperende 
besondere Wimpern hervorgetreten. Knospenbildung sah ich bei andern Arten, aber nicht bei dieser. Bei allen Arten der Gattung 
wiederholen sich die genannten Entwickelungszustände und deren Formen, die ich mit den früher für sie irrig gebildeten besondern Gat- 
tungsnamen bezeichne. 1) Kreiselform: abgelöster Körper mit dem Hintertheile nach vorn schwimmend, mit dem hintern Wirbel- 
kranze wirbelnd, den vordem eingezogen, hinteres Ende platt oder gerundet, Fcclissa Schrank. Dieselbe Form mit conisch vor- 
ragendem hinteren Ende (der Stielbasis) nach vorn schwimmend: 2) Nasenform, Rinella Bort. 3) Becherform: still liegend mit 
überall eingezogenen Wimpern, aber becherartig, Craterina Bort; jedoch fehlten bei den Formen der früheren Beobachter die Wim- 
pern meist nicht, sie wurden nur nicht bemerkt, daher gab es bewegliche. 4) Urnenform, Urceolaria Lamarck, ist die umge- 
kehrte Fcclissa, indem der Stirnkranz wirbelt und enger ist als der Hintertheil. Wenn der breite Hintertheil auch seine Wimpern 
hat, so entsteht die 5) Krallenform, Kerobalana Bort. Die aus den Knospen entstehenden kreiseiförmigen Jungen nannte Bort 
6) Ophrydia, ich nenne sie Knospenform. 7) Walzenform (Enc/telys): zur Qiieertheilung hinneigend. Alle diese Formen 
können abgelöste Körper aller Arten der Gattungen Vorticella, Carchesium, Epistylis, Opercularia und Zoothamnium seyn. Die 
vielen Synonyme jener irrigen Gattungen sind vorn nicht erwähnt, sie finden sich im Anhange übersichtlich zusammengestellt. — Der 
fadenartige hohle, am Ende zuweilen schüsselartige, Stiel der Vorticellen verliert mit der Ablösung des Körpers seine Contractilität, 
wird meist gerad, gleicht einer Hygrocrocis - Alge , welkt und vergeht. — Grösse des Körpers ohne den Stiel bis V48 — */«4 Linie. 
Stiel 4 — 5mal länger als der Körper, schraubenförmig in 6 — 10 Windungen schnellend. Der conische Zustand des noch gestielten 
Körpers ist der kräftigere, das Mattwerden bringt die mehr kugligen Formen, welche man für andere Arten hielt. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXV. Fig. I. 

Fig. 1. ist eine 300mal vergrösserte Gruppe auf der Spitze einer Meerlinsenwurzel von Berlin, links mit blauer, rechts mit rother Farbe genährt; ei- 
nige haben ihre natürliche Speise (grünliche Monaden) in sich. ct. ganz ausgestreckte wirbelnde Form, o Mund, * Sexualblase, t Sexuahlrüse, 
Magen und Eier füllen den übrigen Raum; ß. im Begriff den Wimperkranz zu entfalten; y. zurückschnellend; S. sich wieder ausdehnend; e. 
Anfang der Selbsttheilung; £. fast vollendete Theilung. Das Individuum (Krallenform, Kerobalana) hat sich eben von 77. losgerissen; 1. Ur- 
nenform {Urceolaria), daneben eine Ecclissa, welche beide noch kurz zuvor auf dem leeren Stiele "k. sassen; x. Nasenform. 

Fig. 2. ist die natürliche Grösse vieler Gruppen auf Meerlinsenwurzeln. 

38*. Vorticella citrina, gelbes CSlockentliiercIien. Tafel XXV. Fig. Ii. 

V. corpore hemisphaerico et conico - campanulato , citrino, frontis margine dilatato corpus valde superante. 

V orticelle jaune (citrine), ä corps hemispherique et legerement conique- campanule ', jaune, ayant le 
bord du front dilate et tres • saillant. 

Vorticella citrina, Müller, Vermium fluviat. bist. 1773. p. 123. Animalc. infus. 1786. p. 306. Tab. XLIV. Fig. 1 — 7. 
Vorticella citrina, i 

Urceolaria, \ Bory de St. Vincent, Encyclopedie method. 1824. nach Müller's Abbildungen. 

Plagiotricha , ) 

Vorticella citrina, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41, 81. Tafel V. Fig. B. 1831. p. 91. 

Aufenthalt: In Dänemark und bei Berlin beobachtet. 

Diese sehr liebliche zarte Form lebt bei Berlin selten zwischen der vorigen an Meerlinsen, sie bildet immer kleine Gruppen 
für sich, und ist viel grösser. Schon 1830 gelang mir ihr Ernähren mit Indigo. Ihre grösseren Magenzellen und ihre Durchsichtig- 



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keit erlaubten schon damals eine directe Anschauung des Darmkanals, welcher die Magen verbindet. Ich habe seitdem es wieder mit 
Carchesium fasciculatum {Vorticella patellind) beobachtet und auch die Höhlung und den Muskel des feinen Stiels, aber den Wim- 
pernkranz nur einfach, gesehen. In der Grösse des Körpers ist diese Art aulfallender verschieden, als andere. Die Oberfläche schien 
fein gekörnt und die gelbe Farbe nicht von den Eikörnchen, sondern von einem feineren körnigen Pigment herzurühren. — Grosse des 
Körpers */»s — Vis Linie. Stiel 3 — 4mal länger als der Körper. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXV. Fig. II. 

Es ist eine mit Indigo gefütterte Gruppe, 300mal vergrössert, auf einer Meerlinsenwurzel. 
Fig. «. im Begriff sich abzulösen, Krallenform, o der seitliche Mund, * die contractile Blase, + ist eine längliche, über dem schwach durchscheinen- 
den Darme liegende, männliche Drüse. Fig. ß. Urnenform mit scheinbar doppeltem Wimpernkranze. 

388. Vorticetta microstoma, klcinniiincliges G-Iockenthierehcn. Tafel XXV. Fig. III. 

V. corpore ovato, utrinque angnstiore, cinerascente-albo, frontis angustae margine non prominulo, corpore contracto 
annulato. 

Vorticelle microstome, a corps ovale, aminci aucc deute bouts, blanc grisätre, ri ayant le bord du 
front etroit point saillant, et le corps dans la contraction annule. 

Vorticella monadica, Schränk, Fauna boica III. 2. p. 117. 1803. zum Theü, jung. 

Vorticetta microstoma, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 66. 1831. p. 92. 

Aufenthalt: Bei Bogoslowsk im Ural, bei Landshut und bei Berlin beobachtet. 

Diese von mir auf der Reise mit Herrn von Humboldt und Gustav Rose im stagnirenden Wasser aus der Turia bei Bo- 
goslowsk im Ural 1829 entdeckte Form hat sich seitdem als die gemeinste bei Berlin beobachten lassen. Sie lebt meist nur in sehr 
übelriechendem Wasser der Rinnen, oft auch in den Wasserkübeln auf den Strassen, wenn sie mit Priestley scher grüner Haut be- 
deckt sind, die oft aus Chlamidomonas oder Chlorogonium besteht. In Mistpfützen und an ähnlichen Orten findet sie sich häu- 
fig in den Dörfern um Berlin. In faulenden Infusionen kann man sie leicht auf dem Zimmer haben. Man hat sie bisher wahrschein- 
lich mit V. Convallaria für Eine Art gehalten, die ich aber meist getrennt lebend fand. Zusammengemischt erkannte ich die Formen 
leicht an der Farbe und Gestalt. Sie hat ein mehr graues oder bläuliches Weiss und bei durchgehendem Lichte eine etwas gelbgraue 
Farbe, während V. Convallaria klar und weiss ist. Ich habe die ganze Entwickelung dieser Art ausführlich dargestellt, da ich sie 
eben so in's Einzelne verfolgt habe, als die der V. Convallaria, bei welcher sie 1830 abgebildet wurde. Mund, Magen, Farben- 
aufnahme, männliche Samenblase, Samendriise, Eikörnchen, Längsmuskel des Stieles u. s. w. sind beobachtet, eben so spontane Längs- 
und Queertheilung und auch Knospenbildung. Der Jugendzustand ist bis zu Vi 92 Linie üer Körpergrösse , vielleicht bis zur Eigrössc 
direet beobachtet. Wimpern zählte ich im Stirnkranze 20 — 24. — Grösse des Körpers (Viooo?) l U% — V20 Linie. Länge des Stiels 
bis 6inal der Körperlänge gleich. Eierkörnchen 1 j 1000 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXV. Fig. III. 

Fig. 1. ist eine Gruppe von vielen Exemplaren aller Grössen und Gestalten, deren einige Indigo verzehrt haben. Die Basis bildet ein feinkörniger 
Schleim, dessen Körnchen zittern. Vielleicht ist es die jüngste Brut von der Grösse der Eier. Dazwischen sind bei a. sehr kleine schon schnellende 
und wirbelnde Vorticellen {V. monadica Schrank), die sich an feine Fäden angeheftet haben, l / l02 Linie gross; ß. ein etwas grösseres Junges; 
y. ein ähnliches etwas contrahirt; ä. ein erwachsenes wirbelndes Exemplar; a. ein anderes, welches die Mundöffnung oberhalb und die contractile Blase 
in der Mitte deutlich zeigt; £. sich zur Selbsttheilung vorbereitend; eine abgelöste Urnenform; &. eine Krallenform ; t. ein sammt dem Stiele schwim- 
mendes Thierchen. 

Fig. 2. ist die ganze Entwickelung der Formen durch Knospenbildung, a. Knospenanfaug ; ß. Vollendung; y. Ablösung (Op/irydia); d., £. andere 
Formen, das Oben ist hinten; £. Krallenform; tj. Kreiselform; &. Nasenform als umgekehrte Kreiselform; I. andere Gestalten eines und dessel- 

ben Individuums; /.i., v., £. sind weitere Entwickelungen dieser Gestalten zur Queertheilung. 

Fig. 3. ist die ganze Entwickelung der Formen durch Längen -Selbsttheilung. a. Vorbereitung; ß. Eintritt; y. Halbtheilung; J. Vollendung; f. Ablö- 
sung; + rückgebliebenes Einzelthier nach der Selbsttheilung mit doppelt gedrehtem Stiele, 0' Mund, s Samenblase, t Samendrüsc. 

Fig. 4. sitzt auf einem todten, noch gekrümmten Stiele. 

Fig. 5. ist im Trocknen zusammengeschrumpft und zeigt die Ringe deutlich. 

389. Vorticella Campanula, grosses Crlocfeentfiierclieii. Tafel XXV. Fig. IV. 

V. corpore hemisphaerico amplo, campanulato, caerulescente-albo, frontis late truncatae margine vix prominulo, anmi- 
lis nullis. 

Vortic eile Clochette, ä corps hemispherif/ue, grand, campanulc, blanc bleuätre, ayant le front large 
tronque sans bord evidemment saillant, point d anneaucc. 

Vorticetta Iwnaris, Müller? Vermium fluy. histor. 1773. p. 128. Animalc. Infus. 178.6. p. 314. Tab. XLIV. Fig. 15. 

Campanelle a piede semplice, prima spezie, Colombo, Osservaz. microscop. in Giornale della medicina, Venez. 1787. p. 165. Deutsche 

Uebersetz. (von Eschenbach) 1793. p. 68. 
Vorticella Iwnaris, Bort, Encyclopedie methodique, 1824. 

Carchesium fasciculatum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 62, 68. 
Vorticella Campanula, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 92. 1835. p. 165. 

Aufenthalt: Bei Conegliano in Italien, Copenhagen, Berlin, vielleicht auch bei Paris und bei Orenburg. 

Diese grösste Art der Gattung hat viel Aehnlichkeit mit der steifen Epistylis grandis, in deren Gesellschaft ich sie am 
7. Dec. 1832 und am 11. März 1835 wieder sah. Sie bildet ein dichtes bläuliches Gewebe um die Wasserpflanzen, und ihre einzel- 
nen Thierchen sind schon mit blossem Auge erkennbar. Die sehr dicken Stiele zeigen die innere Höhlung ganz deutlich. Der Wim- 
perkranz erscheint meist doppelt, doch sah ich einmal deutlich, dass diess nur optische Verdoppelung ist. Die bläuliche Farbe gehört 
den Eiern. Magen, Samenblase und bandartige Samendrüse sind vorhanden. Die Stiele sind oft mit braunen Flocken, oft auch mit 
jungen Vorticellen, vielleicht der eigenen Brut, besetzt. Meine Zeichnung des Carches. fasciculatum von Orenburg passt besser 
hier. — Grösse bis Vio Linie. Stiel bis 7mal länger als der Leib. (S. V. patellina.) 



273 



Erklärung der Abbildungen Taf. XXV. Fig. IV. 

Fig. 1. eine Gruppe mit der Lupe 4mal vergrössert. Fig. 2. natürliche Grösse. Fig. 3. 300mal vergriisserte , mit Indigo genährte T Gruppe. «. ein 
sich wieder ausdehnendes Thier; ß., y. Ablösung vom Stiele, Urnenform, o' Mund, * Sexualblase; <$. contrahirt, * männliche Sexualblase, t Drüse. 

390. Vorticella ftamata, hakenartiges Glockenthierchen. Tafel XXV. Fig. V. 

V. corpore ovato utrinque attcnuäto, parvo, hyalino, pediccllo oblique affixo idcoque hamato. 

Vorticelle Harne gon, ä corps petit, ovale, aminci aucc bouts, hyalin, ayant le pedicule obliquement 
attache de sorte a former un hamegon. 

Vorticella hamata, Abhandl. der Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1831. p. 92. (V. hamata Müller s. Convallaria.) 

Aufenthalt: In Berlin. 

Diese in Infusionen im Juni 1830 beobachtete Form sitzt an Fragmenten aller Art fest. Ich sah sie wieder im Januar 1837 
mit Cyclidium Glaucoma und Chilodon Cucullulus, und sie nahm auch Carmin alsbald auf. Zwischen ihr fanden sich junge Ex- 
emplare der V. microstoma und Convallaria. Die krummen Formen blieben aber immer krumm. Müller's Vort. inclinans war 
eine Epistylis. Ausser den Wimpern, Mund, Magen und der Selbsttheilung ist die übrige Organisation nicht ermittelt. — Grösse 
des Körpers bis V48 Linie; Stiel wenig länger, oder kürzer als der Körper. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXV. Fig. V. 

Fig. a. vielleicht eine junge Vort. microstoma; ß. einfach, ausgedehnt; y. zusammengezogen; S. in der Selbsttheilung. 300inal vergrössert. 

391. Vorticella chlor ostigma, grünes Gloekenthierchen. Tafel XXVI. Fig. I. 

V. corpore ovato - conico , campanulato, annulato, ovario viridi, frontis margine exserto. 

Vorticelle verte, a corps ovale - conique et campanulc, annule, ayant V ovaire vert et le bor d du front 
saillant. 

Vorticella fasciculata, Müller? Vermium fluv. histor. 1773. p. 134. Animalc. Infus, p. 320. Tab. XLV. Fig. 5 — 6. 

Convallarina viridis, Bory? Dict. class. 1823. Encyclop. metli. 1824. 

Carchesium clilorostigma , Abhandl. der Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1831. p. 92. 

Aufenthalt: Bei Copenhagcn?, Paris? und Berlin!. 

Diese liebliche grüne Vorticelle überzieht bei Berlin zuweilen alle Gräser und Binsen der Wiesengräben mit scliöngrüner Farbe, 
indem sie sie dicht umhüllt. Oft bildet sie einzelne Büschel an den Meerlinsenwurzeln. Ich sammelte sie am 12. Aug. 1831, am 
4. Juni 1832, am 13. Mai 1835 und im Juli 1837. Zuweilen war ihre Menge, wie die des Stentor polymorphus, alles bedeckend. 
Müller sah sie im Frühjahre als eine grüne gallertige Masse auf Gräben und an Conferven, Bory auf Zygnema genufleccum im 
Herbst. Als ich den Namen chlorostigma gab, hielt ich die früheren Synonyme für nicht dazu gehörig, indem ich die V. Convalla- 
ria und microstoma oft von grünen Monaden, die sie verschlungen hatten, ganz grün sah. Die früheren Beobachter haben diess 
nicht scharf unterschieden, daher gab ich 1830 einer farblosen Art den Namen Carchesium fasciculatum, weil sie der MÜLLER'schen 
Art an Gestalt näher kam, und darum zog ich 1831 vor, dieser mit grünen Eikörnchen gefärbten Art einen besondern Namen zu ge- 
ben. Doch bin ich jetzt der Meinung, dass jene wohl denselben Körper vor sich hatten, obschon sie auch keine Wimpern sahen. — 
Ich habe an dieser Form den ganzen Verlauf des Darmes einmal auch erkannt. Mund, Wimpern, contractile Blase, grüne (Ei?-) 
Körnchen sind beobachtet. Die Samendrüse blieb unerkannt, auch sah ich keine Selbsttheilung, noch Knospen. — Grösse des Körpers 
bis V20 Linie; Stiel bis 5mal von der Körperlänge. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVI. Fig. I. 

Fig. a. natürliche Grösse auf einem abgestorbenen Scirpus. Fig. b. 300mal vergrösserte Gruppe, wovon 1 Exemplar reichlich Indigo aufgenommen, 
Mund, Samenblase und den Darmverlauf erkennen lässt. 



399. Vorticella patellina» schüsselformiges Gloekenthierehen. Tafel XXVI. Fig. II. 

V. corpore hemisphaerico , campanulato, albo, nec aperte annulato, frontis maxime dilatatae margine latissimo saepe 



reflexo. 

Vorticelle Parasol, a corps hemispherique, campanulc, blanc, sans anneaucc distinets, ayant le front 
tres-elargi a bord tres- saillant souvent courbe en arriere. 

Dritte neue Polypenart aus der Spree hei Berlin, Berl. wöchentl. Relationen, 1753. p. 14. Fig. 3. 

Vorticella patellina, Müller? Zoolog, danicae prodromus, 1776. addend. p. 281. ZooL> danica, I. p. 45. Icones, Tab. XXXV. 

Fig. 3. 1779. Animalc. Infus. 1786. p. 312. 

Vorticella lunaris, l MÜ11BK? Ve rm. fluv. bist. 1773. p. 128, 132. Animalc. Infus. 1786. p. 314, 316. Tab. XLIV. Fig. 15, 17. 

— nutans , | 

Vorticella patellina, » jjort ? Encycloped. method. 1824. 

— lunaris , | 

Convallarina nutans, Bort, Dict. class. 1823. Encycloped. ineth. 1824. 

Carchesium fasciculatum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. nicht p. 62. {V. Campanula.) 1831. p. 93. 
1835. p. 165. 

Aufenthalt: Bei Berlin, bei Copenhagen und bei Wismar beobachtet. 

Diese an Meerlinsenwurzeln, der V. nebulifera gleich, angeheftete Form zeichnet sich durch kurzen und breiten schüssel- 
artigen Körper und dicken Stiel aus. Im dicken Stiele sah ich schon 1830 den Canal, und desshalb stellte ich sie zur Gattung Car- 
chesium. Jetzt ist dieser Character auch allen Vorticellen zuerkannt. Für Jugendzustand der V. Campanula möchte ich sie der 
grossen Eikörner wegen nicht halten. Müller's V. lunaris habe ich auch zu Campanula citirt, seine patellina fand er in lang 
aufbewahrtem Seewasser (vielleicht nicht in faulem, sondern durch Conferven -Vegetation frisch erhaltenem). Da ich eine gleiche Form 

69 



im Ostseewasser bei Wismar fand, so habe ich Müllers Namen anwendbar geglaubt. Im August 1826 sab ich diese Form zuerst, 
dann wieder 1830 und am 11. März und 23. Juli 1835. Sie nimmt Indigo etwas schwer auf, lässt man sie aber über Nacht in ge- 
färbtem Wasser, so ist sie am Morgen erfüllt. Yiele Magenzcllcn, Mund, Eier und beide männlichen Sexualtheile sind erkannt. Der 
Wimpernkranz erscheint bei der Bewegung doppelt, ist aber einfach. — Körpergrösse V2* Linie ; Stiel bis 7mal länger. Eikörnchen 
V38* Linie. 

Erklärung de r Abbildungen Taf. XXVI. Fig. II. 

a. eine 300mal vergrösserte Gruppe, mit Indigo genährt. 
Ii. eine einzelne Urnenform, t männliche Drüse. 

393. Vorticella Convallaria, Maiblumentliierclien. Tafel XXVI. Fig. Hl. 

V. corpore ovato-conico campanulato, hyalino - albido , annulato, frontis dilatatae margine expanso parumper prominulo. 

Vorticelle Muguet, a corps ovale -conir/ue, campanule, hyalin- blanchätre, annule, ayant le front 
large a borcl quelque peu saillant. 

Animnhules firsl size, Leedwenhoek, Philos. Transact. London 1677. p. 821. (1675.) 

Rcll-like animals, Philos. Transact. 1703. p. 1357. Fig. E. nnd M. (zum Theil, V. microsloma.) 

Amigle, Chabot, Bouteille, Pol au lait, Antonnoir , Joblot, Observat. microscop. 1718. Tab. 5. Fig. 2. H. I. L. Tab. 7. Fig. 4, 13. 

Tab. 8. Fig. 7, 10. Tab. 10. Fig. 21. 
Polypen von Leipzig, erste neue Art, Kästner, Hamburger Magazin (I. B, 1748. p. 411.), III. B. 1752. p. 318. 

Macrocercus 1., t History of animals, 1751. cum Fig. 

Craspedarium 1 — 2. , ( 

Jiell-Animnls, Baker, Employment for the microsc. p. 330. 1752. Tab. XIII. Fig. 1. 

Animalcules, Baker, the Microscope made easy, 1752. p. 72. Tab. VII. Fig. VII. 1. 2. 

Polypus pedimculo spiruliter ineurvo, Wrisberg, Observ. de Animalc. infus. 1765. p. 34. Tab-. Fig. XIII. 

Brachionus campanulatus , Pallas, Elench. Zoophyt. 1766. p. 97. zum Theil, s. V. nebulifera. 

Vorticella Convallaria, Linne, Systema Naturae, editio XII. 1767. zum Theil. (Hydra Convall. 1758. s. V. nebulifera.') 

Vorticella Convallaria!, crateriformis (citrina?)?, gemella!, globularia!, hians!, nasuta? , truncatella? , Müller, Vermium fluv. hist. 1773. 

(Fig. 1786.) 

Enchehjs Fritülus ! , Müller, Vermium fluv. hist. 1773. (Fig. 1786.) 

Animal a frutto di Rosaio, Corti, Osservaz. microsc. 1774. p. 181. Tab. II. Fig. 16. 

Glockenpolyp, Göze, in Bonnet's Insectologie, p. 517. 1774. Trembley's Polypen, p. 473 , 475. 1775. 

Mohnkanne, Schwiirmer, Wasserkruke, Wasserci , Eichhorn, Beiträge z. Naturg. d. Wasserth. 1775. p. 27, 42, 71, 74. Taf. I. Fig. 10. 

Taf. III. R. S. Taf. VI. C. c. Taf. VII. D. 
Eutia perianthio infundibuliformi similia, Terechowsky, Dissert. de Chao infus. 1775. p. 31. 
Animali a hulbo, Spallanzani, Opuscoli di fisica, 1776. p. 157. Tab. I. Fig. 5 — 9. (1777. ed. franc. p. 182.) 

Glockenthierchen, Gleichen, Microscop. Entdeckungen, 1781. Taf. 50. Fig. 21 — 22. Inf usionsthierchen, p. 140. Taf. XXII!. b. 

Fig. 1. m. p. 154. Taf. XXIX. Fig. 10—15. 1778. 
Vorticella — ?, Herrmann, Naturforscher, XIX. p. 52. Taf. II. Fig. 15. 1783. Strassburg. 

Vorticella eyathina (1776).', cirrata? , fritillina!, hamata? , papillaris?, sacculus? , scyphina? , varia? , Müller, Animalc. Infus. 1786. c. Big. 

Trichoda Diota? , Gyrinus? , Müller, Animalc. Infus. 1786. cum Fig. 

Ecclissa, Vortic. gemella, Modeer, Neue schwed. Abhandl. XI. 1790. p. 227. XII. p. 19. 

Vorticella Pila? , papillaris?, globularia?, nutans? , hians!, monadica!, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 113 — 117. 1803. 
Ecclissa nasuta?, truncatella? , sacculus!, scyphina?, crateriformis? , Arenarium, Schrank ibid. p. 103 — 105. 

V. Convallaria, hians, crateriformis, Girod Chantrans, Observat. sur la Tiemelle, 1802. p. 69. PI. X. Fig. 1. und 2. Essay phy- 

sique du Depart. du Doubs, 1810. I. p. 297. 
Urceolaria, Lamarck , Hist. nat. d. Animaux sans vertebres, II. 1816. 
Vorticella Convallaria, Agardh, Nov. Act. Nat. Cur. X. I. p. 129. 1820. 
Vorticella hians, Carüs , Nova Act. Nat. Cur. XI. II. p. 506. 1823. 
Convallarina , Bort de St. Vincent, Dict. class. 1823. Encycloped. meth. 1824. 
Craterina , , 
Kerobalana , j 

Ophrydia, \ Botir R ncyc iop6<l. method. 1824. (Vergl. d. Nachtrag.) 
Rinella , / 
Urceolaria , I 
Vorticella , ] 

Vorticella Convallaria, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 66, 79. Taf. V. A. 1831. p. 92. 
Wunderbare und kluge Infusorien, Enslen, TJeber die Lichtbrechung der Lufthülle, 1834. p. 77, 78. 

Aufenthalt: In ganz Europa und im sibirischen Asien beobachtet. 

Es scheint, dass diese Form das erste Infusionsthierchen gewesen ist, welches Leeuwenhoek, der Entdecker derselben, in 
Delft in stagnirendem Regenwasser im April 1675 beobachtete. Viele mit ihren Stielen an denselben Pnnkt befestigte Thierchen bilde- 
ten Kugeln, die sich ausdehnten und zusammenzogen, eine Erscheinung, welche auch Kästner in Leipzig hervorhob, und die beson- 
ders Professor Enslen in Berlin (1834) sehr auffallend fand. Dieses Zusammenschnellcn vieler Thierchen bei Erschütterung in eine 
Kugel und das strahlenartige Ausbreiten derselben in der Ruhe ist besonders beim Sonnenmikroskop höchst überraschend. Man findet 
die Thierchen an der Oberfläche vegetabilischer Aufgüsse häufig mit der birnfönnigen V. microsloma, von der sie sich durch breite 
Stirn unterscheiden, welche ihnen eine Glockengestalt giebt. Sie findet sich auch zwischen Lemria und in stehenden Gräben, doch 
selten, daher habe ich die unauflöslichen zahlreichen Synonyme danach geordnet, dass ich alle mit lebenden Pflanzen angezeigten als 
V. nebulifera ansehe, und nur die in Infusionen vorgekommenen hierher bezogen habe. Ob man die microstoma scharf genug un- 
terschied, bleibt zweifelhaft, da in der Contraction beide sich gleichen, doch ist die gegenwärtige Art weniger grau oder gelblich, und 
durchsichtiger. Die hier angehäuften Synonyme schienen an dieser Stelle am zweckmässigsten zur Uebersicht und Erinnerung gebracht. 
Die fehlenden sind im Nachtrag. Nur Euglena viridis vielleicht unter allen Formen des Thierreiches wetteifert mit ihrer, aus Man- 
gel an Critik der Beobachter gehäuften, Namenmenge, und wird an Artnamen sehr übertroffen. Besonders fleissig und merkwürdig sind 
die Beobachtungen von Spallanzani, Göze und Colombo über die Selbsttheilung und Knospenbildung. Gleichen hat sie zuerst 
mit Carmin gefüttert, aber die Magen für Eier und den Stiel für einen Legestachel gehalten. Die Queerringe des Muskels im Stiel 
hielt er für Eigränzen. Agardh hielt den Wirbel und die Anziehung durch denselben für eine Zauberkraft, weil er ein nicht hinreichend 
vergrösserndes Mikroskop gebrauchte, wobei er nur die Wirkung der Wimpern, aber diese nicht selbst, sah. Eine sehr irrige Erklä- 
rung des Wirbels durch Athmen gab Raspail 1828 {Annales des sc. natur. XIV. p. 163.), weil er den Gegenstand nicht hinrei- 
chend scharf beobachtete. Carüs beschrieb 1823 ihr Entstehen durch generatio spontanea aus Oel. Die Beobachtung war eine zu- 
fällige Infusion von Oelfarbe mit Brunnenwasser, wobei die Erscheinung auch auf natürlichem Wege verständlich wird. Absichtliche In- 



fusionen gerade für diese Form schlagen eben so oft und öfter fehl, als sie gelingen. Bory de St. Vincent bildete aus allen For- 
men der verschiedenen Entwickelungsstufen besondere Genera. Diese Formenentwickelung ist 1830 berichtigt und im Detail dargestellt. 
Man findet diese Art häufig zwischen grünen Infusorien und dann ist sie ganz grün erfüllt, jedoch kann man die genossenen Thiere 
deutlich erkennen, sogar noch deren Augenpunkt unterscheiden. — Der polygastrische Darm ist sammt dem Verbindungscanale direct 
beobachtet, Samenblase und Eikörnchen, meist nach hinten dichter liegend, sind erkannt, aber noch keine Samendrüse deutlich unter- 
schieden. In der Contraction sieht man Queerringe. Den Muskel im Stiel habe ich bei dieser Art nun auch erkannt. Grösse des 

Körpers */,«, — V*b Linie, Stiel bis 6mal so lang. (S. d. ausführliche Beschreibung in d. Abh. d. Berk Akad. 1830.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVI. Fig. III. 

a. eine Gruppe 300mal vergrössert, mit Indigo genährt; o' co Mund und After, * Samenblase, i Darm. 

b. eine Kerobalanenform derselben Art, 500mal vergrössert, in der halben Contraction. 

394. Vorticella picta, Tbimtes Glockentliicrchen. Tafel XXVI. Fig. IV. 

V. corpore ovato-conico, carnpanulato , hyalino-albido, frontis dilatatae margine expanso parumper prominulo, stipite 
subtilissime rubro - punetato. 

V orticelle peinte, a corps ovale -conique et campanule , hyalin- blanchätre , ayant le front large a 
bord quelque peu saillant et le pedicide tres-grele marque de points rouges. 

Carchesinm pictum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1831. p. 93. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich beobachtete diese sehr liebliche Form nur auf Salvinia natans, welche ich 1831 bei Pichelsberg in der Nähe von Span- 
dau in der Spree sammelte. Sie fand sich zahlreich, war der V nebulifera sehr ähnlich, aber zarter, und die rothen Körnchen, 
welche den Stiel durchwirkten, waren sehr lebhaft gefärbt. Der Stiel war am Ende etwas erweitert, und ich zog sie des innern Ca- 
nals im Stiele halber zu Carchesium. Sie nahm Indigo leicht auf. — Grösse des Körpers Voe — V48 Linie; Stiel 4 — 5mal so lang. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVI. Fig. IV. 
Eine mit Indigo genährte Gruppe ist bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers dargestellt. 



Nachtrag zur Gattung Vorticella. 

Es sind für die* Gattung Vorticella indirect 142, direct 120 Artnamen gegeben worden, wovon nur 9 hier aufgenommen 
werden konnten. Auch diese 9 Arten sind bisher in 8 so wenig natürliche Genera zerspalten worden, dass jede einzelne Art die Cha- 
ractere aller 8 Genera in ihrem Formen - Cyclus besitzt. Diese grosse Form Verschiedenheit der frei gewordenen Körper jeder einzelnen 
Art und deren Aehnlichkeit mit den freien Körpern steif gestielter und stielloser oder verästeter Gattungen giebt viele, zuweilen unüber- 
windliche, Schwierigkeit für das Feststellen ihrer wahren Namen und der darauf bezüglichen, zuweilen interessanten und wichtigen, Mit- 
theilungen früherer Beobachter. Folgendes ist ein mühsamer Versuch zur critischen Anwendung der 110 hier ausgeschlossenen Namen, 
von denen Linne 1767 (Syst. Nat. ed. XII.) 14, Müller 1773 und 1786 68, Maratti (de plantis Zooph. et Lithoph.) 1776 
1, Herrmann 1783 (Naturforscher XIX.) 1, Gmelin (Syst. Nat. Linn. ed. XIII.) 1788 3, Esper (Pflanzenthiere) , nach 
Schweigger, 2?, Abildgaard 1793 (Skrivter of naturhist. Selsk. B. III. p. 70.) 1, Blumenbach, nach Cüvier, 1, Mo- 
deer (Abhandl. d. schwed. Akad.) 1790 2, Bosc (Buffon ed. Deterville 1803.) 1, Schrank (Fauna boica) 1803 7, Dutro- 
chet (Annales du Mus. XIX.) 3, Bort (Encycloped. method.) 1824 4, Delle Chiaje 1833 1, Hemprich und Ehrenberg 
(Symbolae p/iysicae, Tabulae) 1828 2 gegeben haben: 1) Vorticella acinosa Müller (1773) = Epistylis umbellaria (fla- 
vicans?); acinosa Schrank (1793) = Epistylis anastatica? ; 2) V. albina Müller (1786) = Trichodina? , Vorticella? ; 
3) V. albivestita Dutrochet (1812) = Vaginicola crystallina? ; 4) V. Ampulla Müller (1786) == Vaginicola — ? ; 5) V. 
Anastatica Linne (1767) = Carchesium, Zoothamm'um und Epistylis Anastatica; Müller (1773) = Epistylis Anasf. ; 6) V. 
annularis Müller (1773) = Epistylis plicatilis? ; 7) V. arabica Hempr. u. Ehrenb. (1828) === Epistylis; 8) V. auricu- 
lata Müller (1773) = Notommata lacinulata; 9) V. aurita M. (1786) == Notommata aurita; 10) V. bellis M. (1773) = 
Epistylis; 11) V. berberina Linne (1767) = Opercularia? ; 12) V. brevipes Hempr. u. Ehrenb. (1828) = V. Conval- 
laria; 13) V. bursata M. (1786) == V. c/dorostigma? ; 14) V. canaliculala M. (1773) = V. Convallaria? ; 15) V. Cani- 
cula M. (1786) = Diglena?; 16) V. Catulus M. (1773) = Diglena? ; 17) V Cavolini Delle Chiaje (1833) = V. nebu- 
lifera; 18) V. cineta M. (1773) =* Peridinium; 19) V. cirrata M. (1786) = V. Convallaria? ; 20) V. confervicola Du- 
trochet (1812) = Vaginicola; 21) V. conglomerata Linne (1767) = Pennatula? , Corallina? ; 22) V. constricta M. 
(1786) = Notommata? ; 23) V. cornuta M. (1773) = Leucophrys; 24) V. cothurnata Hempr. u. Ehrenb. (1828) == V. 
Convallaria; 25) V. crataegaria Linne (1767) = Epistylis; 26) V. crateriformis M. (1773) = V. citrina? , Convallaria?; 
27) V. Cucullus M. (1786) = Stentor? ; 28) V. eyathina M. (1776) = V. Convallaria; 29) V. digitalis Linne (1767) 
= Epistylis dig.; 30) V. discina M. (1786) — Trichodina Pedicidus? ; 31) V. Doliolum Bosc (1802) = Epistylis Ana- 
statica; 32) V. Encrina Maratti (1776) = Tlmbelhdaria Encrinus; 33) V. Encrinus Linne (1767) — Umbell. Encri- 
nus; 34) V. fascicidata M. (1773) == V. c/dorostigma?; 35) V. Felis M. (1773) = Diglena?, Notommata Felis?; 36) V. 
flosculosa M. (1773) == Lacinularia socialis? ; 37) V. folliculata M. (1786) = Vaginicola?, Cothumia? ; 38) V. fraxi- 
nina M. (1786) = Epistylis; 39) V. fritillina M. (1786) = V. Convallaria; 40) V. furcata M. (1773) = Diglena?, Fur- 
cularia? ; 41) V. gemella M. (1773) = V. Convallaria! ; 42) V. glomerata s. conglomerata; 43) V. hians M. (1773) = 
V. Convallaria ; 44) V. hyacinthina Gmelin (1788) = Floscularia ornata? ; 45) F. inclinans M. (1773) = Epistylis; 
46) V. iners Schrank (1803) = Epistylis Botrytis? ; 47) V. lacinulata M. (1773) — Notommata lacinulata; 48) V. 
Larva M. (1786) = Diglena conura? ; 49) V. limacina M. (1773) = Epistylis? ; 50) V. limosa Bory (1824) == Vorti- 



3¥6 

cella CMlaria! und Epistylis?; 51) V longiseta M. (1786) = Notommata longis.; 52) *• ffffi?-* 

patellina?, Campanula? ; 53) V. lunifera M. (1786) = Peridinium?, fragmenlum Slentorzs? , Oxytrichae? , 54) V ma- 
P croura Herrmann (1783) 2 neptunius ; 55) F. monadica Schrank (1803) = F. mtcrostonia?t Convallaria? ; 

56) F «d^M M. (1786) = Stentor ; 57) F mm*« M. (1773) = F OnwaUarias 58) F «y* M . (1773) — Sten- 
tor niger; 59) F. nutans M. (1773) = F. patellina; 60) F. oer»*« M. (1786) = Mf JUb» «*) F. 

operculina Linne (1767) [opercwfefo, opercularia auct.] = Opercularia articulata; 62) F ow/«r« Linne _ ^/i- 

CT&Mu&i $ 63) F oi^r» Modeer (1790) = Arbuscula; 64) F. ^ M. (1786) - V. ConvaUarm; 65) 

F. parasitica Hempr. u. Ehrend. (1828) = Epistylis; 66) F pentagona Esper [nach Schweigger] (1791 . ) - f™™*» 
Caput Medusae; 67) F. ^r« Schrank (1803) = Cocco^«?, EcMnetta? ; 68) F P*7« Schrank (1803) = T^o«^., 
For*. Convallaria? ; 69) F. polymorpha M. (1773) = Sfewfor /»o/.; 70) F ^o^»na Linne (1767) = Cwchatwm pot., 
71) F. ^ Abildgaard (1793) = Coleps hirtus ; 72) F. Gmelin (1788) - Epistylis putrma; 73) V. pu- 

trinaM. (1776) = Epistylis p.; 74) F. pyraria Linne (1767) = .tyrityfi» Müller (1773) = Gomphonema trun- 

catum und J^tyfe; 75) V. pyriformis M. (1773) = Carchesium? , Vorticella? juv.; 76) F. ^^Wrcto* Dütrochet 
(1812) = Melicerta ringens; 77) V. quadricornis Schrank (1803) = Epistylis pyraria; 78) F racemosa M. (17 /o) — 
ZflÄmmW; 79) F f*gw» M. (1773) = j^Mtyfe; 80) F. Äon« M. (1773) = Rotifer vulgaris; 81) V. rotula- 
ris Esper [nach Schweigger] (1791?) = Encrinu»; 82) F Sacculus M. (1786) = F Convallaria?; 83) r. »mjphtnaM. 
(1786) = F Convallaria?; 84) F. M. (1773) = Hydatina senta; 85) F. Se/w« Schrank (1803) = Arcella? , JJ?J- 

ßugia acuminata?; 86) F M. (1773) = Megalotrocha alba aut Lacimdaria socialis juv.; 87) V. s P e f < f * äs 

Bory (1824) = Carchesium polypinum; 88) F sphaeroidea M. (1786) = Enchelys? ; 89) F. Sputarmm M. (178b) - 
Epistylis, corpus?; 90) F Linne (1767) = Sertularia uniflora? (Clytia); 91) F «*« M. (1786) — Trtcho- 

dina Pediculus; 92) F stentoria Linne (1767) = Stentor Mülleri et Roeselii? ; 93) F succollata M. (1786) = Salpina? , 
Notommata?; 94) F tetrapetala Blümenbach [nach Cüvies] (1798) = Melicerta ringens; 95) F . ««^ Sc " RA ^ 
( 1803 ) = Convallaria?; 96) F. M. (1786) = Furcularia Notommata?, Diglena caudata? , Euchlamsl; 97) 

F. Äwmfo M. (1786) = Synchaela trem.; 98) F. truncatella M. (1773) = F Convallaria?; 99) F. taJcro«* M. (1786) 
= iraMfti ft^.; 100) F umbellaria Linne (1767) = Epistylis (ßavicans?); 101) F umbellata Bory (1824) = ^pwty- 
Ä*; 102) F. Umbellula Bory (1824) = (ßavicans?); 103) F Mrceolaris Linne (1767) = Brachionus urceola- 

ris; 104) F. utriculata M. (1786) = Ophrydium versatile? ; 105) F vaginata M. (1786) = Tintinnus? ; 106) F ^«/«g-« 
M. (1786) = Stentor?, Monocerca valga? ; 107) F M. (1786) = Convallaria?; 108) F vermicularis M. (1773) — 

Notommata decipiens? ; 109) F versatilis M. (1786) = Ophrydium versatile; 110) F «nÄ M. (1773) = Trichoda? ; 
111) F. Volvocc Schrank (1803) = Epistylis vegetans. 

Hieran schliessen sich die Synonyme der 8 unhaltbaren Gattungen, welche Hill, Modeer, Lamarck und Bory de St. 
Vincent ans den Entwickelungsformen dieser Gattung gebildet hatten: 

I. Ecclissa Modeer (Abhandl. d. schwed. Akad. d. Wiss. 1790. deutsch p. 228. XII. p. 15.) mit 74 Arten, deren er 
zum Glück nur 3 namentlich verzeichnet hat. Schrank beschrieb aber 1803 (Fauna boica III.) 15 Arten, wovon 11: 1) E. 
albina, 2) cornuta, 3) er uteri f or mis , 4) Felis, 5) lacinulata, 6) nasuta, 7) nigra, 8) Sacculus, 9) scyphina, 10) trun- 
catella, 11) viridis sich auf Müller's Vorticellen beziehen und deren Verbreitung in Baiern anzeigen, 4 aber neue Arten darstel- 
len: 12) E. Arenarium = Vorticella Convallaria?; 13) E. Hermanni = Notommata lacinulata?; 14) E. Pyrum = 
Stentor Mülleri?; 15) E. reversa = Vorticella Convallaria?. Goldfuss (Handbuch d. Zoologie I.) fügte 1820 noch 1 Art 
hinzu: 16) E. utriculata = Fort. Müller. Modeer nannte E. canalicularis , cingulata und flabellaris. 

II. Urceolaria Lamarck 1801 (Systeme des anim. sans vertebres) und 1816 (Hist. nat. des anim. «ans vert. 
Fol, IL). In dieser Gattung sind bisher 32 Namen gegeben worden. Lamarck gab deren 1816 26 nach Müller's Vorticellen: 
1) ü. bursata, 2) cineta, 3) cirrata, 4) crateriformis, 5) Cucullus, 6) discina, 7) fritillina, 8) hamata, 9) lunifera, 
10) multiformis, 11) nasuta, 12) nigra, 13) oereata, 14) papillaris, 15) polymorpha, 16) Sacculus, 17) scyphina, 18) 
sphaeroidea, 19) Sputarium, 20) stellina, 21) truncatella, 22) utriculata, 23) versatilis, 24) fa/g-«, 25) t^W«, 26) wW- 

und 1801 hatte er den Rotifer vulgaris 27) Urceolaria rediviva genannt. Bory hat 1824 in der Encycloped. meihodiq. 
Zoophytes 4 neue Artnamen zugefügt: 28) £7. Cyclopus = Vorticella Convallaria?; 29) F fuscata = Vorticella micro- 
stoma?; 30) £7. Grandinella = Trichodina Grand.; 31) £7. nigrina = Vort. Convallaria?. Einen Namen gab ich 1828 
nach der bis dahin üblichen Ansicht dieser Formen in den Symbolis physicis: 32) £7. Israelitamm = Vorticella nebulifera. 

III. Rinella Bory 1824 (Encycloped. method.), Rhinella Bor? (Z^'etf. classu/ue 1828.). Es sind vom Grün- 
der der Gattung allein 3 Arten verzeichnet: 1) mamillaris = Vorticella chlorostigma? ; 2) ü. myrtilina = For^'c. £7ow- 
vallaria? ; 3) /S. Nasus = Vort. Convallaria? . 

IV. Kerobalana Bory 1824 (Encycloped. method.). Es sind nur 2 Artnamen gegeben: 1) K. Mülleri = V. Con- 
vallaria?; 2) Ä. lobloti = F. Convallaria? . 

V. Craterina Bory 1824 (Encycloped. method.) mit 4 Arten: 1) £7. »är*oS* = Cryptomonas? ; 2) £7. Fritillus 
== Vorticella Convallaria; 3) £7 Lagenula = Enchelys?, Vorticella microstoma? ; 4) £7. stentor ea = Trachelius tricho- 
phorus? . Eine 5te Art nannte er 1826 (D/c£ Microscopic/ues) 5) £7. margarina — Coleps hirtus? . 

VI. Convallarina Bory 1823 (Ztatf. classique, auch 1831) und 1824 (Encycloped. meth.). Es sind von dieser 
Gattung, welche alle die gestielten und einfachen, schnellenden oder steifen Vorticellen umfasst, bei denen man die Wimpern des Stirn- 
randes übersehen hatte, 11 Arten verzeichnet: 1) £7. annularis, 2) Convallaria, 3) globularis, 4) inclinans, 5) nutans, 6) 

sind Müller's gleichnamige Vorticellen; neue Namen sind: 7) £7. &/o£« (1823) = Vortic. Convallaria; 8) £7. bilobata 
(1824) = Eadem; 9) £7 nicotianina (1824) = Epistylis? inclinans; 10) £7. proboscidea (1831) == Epistylis?; 11) £7 «^W- 
(1823) = Vortic. chlorostigma? . 

VII. Craspedarium Hill 1751 (Hisiory of Animals) mit 3 Arten: 1) £7 1. == Vortic. Convallaria; 2) £7 2. 
= Vortic. Convall.? , Trichodina Grandinella; 3) £7. 3. = Vortic. Convallaria? , Enchelys? . 

Vm. Macrocercus Hill 1751 (History of Animals) mit 7 Arten: 1) Jf. 1. == Vorticella Convallaria?, mi- 
crostoma?; 2) Jf. 2. = Vorticella Convall.?; 3) J/. 3. = .ffodb?, Spermatozoon?; 4) V. 4—6. = Cercaria? , Histrio- 
nclla? ; 7) iJf. 7. = Larva articulata Insecti. 



277 



Die Gattungen Brachio?ius und Ophrydia, Enchelys, Trichoda u. a. umfassen ebenfalls Formen der Gattung Vorticella, 
sind aber in diesem Werke als nocli bestehende Gattungen aufgeführt und enthalten die hierher gehörigen Synonyme an ihrem Orte. Die 
ausgeschlossene Gattung Cercaria, welcher ebenfalls einige, dieser Familie und Gattung zugehörige, Formen einverleibt wurden, ist 
hinter Euchlaliis zu vergleichen. Das Physiologische ist bei den folgenden Gattungen noch mehr entwickelt. 



EINUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: GLOCKENBÄUMCHEN. 

Carcbesium. Carchese. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum , pedicelluin in spiram flexilem et spontanea imperfecta 
divisione ramosum excernens, corpusculis pedicellatis similibus. ( = Vorticella fruticulosa.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Forticelimes, poussant un pedicule flexible en spirale 
et rameux par la division spontanee imparfaite, ayant tous les corpuscules pedicu- 
les de la meme forme. ( — Vorticelle rameuse.) 

Die Gattung der Glockenbäumchen enthält in der Familie der Glockenthierchen die Formen, 
welche einen spiralförmig biegsamen und durch ihre unvollkommene Selbsttheilung baumartig verästeten Stiel 
auszuscheiden vermögen, und deren gestielte Körper überdiess alle von derselben Gestalt sind. Es sind 
baumartige zusammenschnellende Glockenthierchen. 

Die zusammenschnellenden Glockenbäumchen gehören zu den anregendsten unter den lieblichsten 
Erscheinungen des Mikroskops, und sie sind auch schon frühzeitig beobachtet worden. Es scheint nur Eine 
Art dieser Gattung bisher beobachtet zu seyn. Schon Leeuwenhoek mag sie in Holland 1703 mit Säu- 
lenglöckchen (Epistylis) an Meerlinsen gesehen haben, doch erwähnt er des Zusammenschnellens nicht. 
Die allgemeine Form beschäftigte schon an sich seine Phantasie. Specieller und deutlicher bezeichnete sie 
1703 ein anonymer Landbesitzer in England. Mit physiologischem Scharfsinn beachtete sie dann Trembley 
1744, und er nannte sie zuerst nach Reaumur's Vorschlag Strausspolypen (Polypes ä bouguet). Den 
ersten systematischen Namen gab Linne 1758, nachdem Ellis sie im Meere beobachtet hatte, als Sertula- 
ria polypina; derselbe gab aber noch einen zweiten Namen für die gleiche Von De Geer im Süsswasser 
bei Stockholm beobachtete Art, welche er 1761 Isis Anastatica imd 1767 Vorticella Anastatica nannte. 
Daneben behielt er auch die Seewasserform, Vorticella polypina bei. Pallas verzeichnete sie als Bra- 
chionus ramosissimus und Anastatica. Müller nahm sie auch beide gesondert 1773 in seinem systema- 
tischen Infusorien werke, mit andern Characteren, als Vorticella polypina und anastatica auf. Neuerlich 
hat zuerst Goldfüss 1820 die baumartigen Vorticellen unter dem Namen Campanella in eine besondere 
Gattung gestellt, aber die steifgestielten olfenbar nicht absichtlich gesondert. Borv de St. Vincent theilte 
1824 die verästeten und biegsamen Vorticellen in solche mit wirbelnden Wimpern und ohne diese. Die be- 
wimperten stellte er zur einfachen oder verästeten Gattung Vorticella , die wimperlosen nannte er Den- 
drella und vereinigte damit gestielte Bacillarien, welche er andererseits zum Theil als Sty Ilaria abson- 
derte. Der von ihm berücksichtigte Mangel an Wimpern lag aber bloss an mangelhafter Beobachtung und 
überdiess an Verwechselung von gestielten Bacillarien mit Vorticellen. Seit 1825 schloss er sie von den 
Infusorien und Thieren aus und stellte sie in sein Reich der Psychodien. Das Carchesium führte er als 
2 Arten der verästeten Vorticellen auf. Im Jahre 1830 wurde in den Abhandl, d. Berl. Akad. d. Wiss. die 
Gattung Carchesium (Becherthierchen) von Epistylis und Vorticella geschieden, und mit 3 Arten in 
die Familie der Parizervorticellen gestellt, weil der eigentliche Stiel als von einer Scheide umhüllt an- 
gesehen wurde. Allein die fortgesetzten Untersuchungen haben 1831 ergeben, dass der Faden im Stiele 
der Schnellvorticellen ein queerstreifiger Muskel ist, den die wahren Vorticellen in ihrem, nur oft zarte- 
ren, Fusse auch führen, der aber den steifen Säulen glöckchen {Epistylis) abgeht. Die Gattung Carche- 
sium wurde daher 1831 zuerst zur Vorticellenfamilie gezogen und mit 4 unverästeten und einer baumför- 
migen Art verzeichnet. Da sich aber neuerlich die Anwesenheit des innern Muskels im Fusse aller schnellen- 
den Vorticellen gleichartig festgestellt hatte, so ist jetzt der Character der unvollkommenen Selbsttheilung 
als Unterschied zwischen Carchesium und Vorticella hervorgehoben worden, wonach die früheren unver- 
ästeten Carchesia zur Gattung Vorticella übertragen worden sind. Hierdurch ist denn nur Eine Art in 
der Gattung verblieben. — Die Organisation ist noch nicht so vollständig zu entwickeln gelungen, als bei 
Vorticella und Epistylis, doch ist ein einfacher, beim raschen Wirbel doppelt erscheinender, Wimperkranz 
um die Stirn, und periodisch überdiess ein Rückenkranz, auch ein in der Contraction queerfaltiger faden- 
artiger Muskel im Stiele erkannt. — Der seitliche Mund und der polygastrische Darm sind scharf ermittelt 



3*8 



als Ernälirungsorgane. — Vom Sexualsystem sind weissliche Eikörnchen und eine contractile, zuweilen strah- 
lige Blase im vordem Körper beobachtet. Eine Drüse liess sich nicht scharf unterscheiden. Ganz beson- 
ders wichtig für seine Gestaltung ist die unvollkommene spontane Längstheilung, üeberdiess ist Knospen- 
bildung beobachtet. Das periodische Ablösen der Körper von den Stielen bedingt freie Formen, wie sie bei 
Vorticella angezeigt sind. 

Die geographische Verbreitung ist über ganz Europa beobachtet. 

395. Carchesium polypinum, schnellendes CUockenhäumchen. Tafel XXVI. Fig. V. 

C. corpore conico - campanulato , albo, fronte lata truncata, margine prominulo, fruticnlo sub-umbellato. 

Carchese Polyp e, a corps conique - campanule , 6la?ic, ayant le front large tronque a bord saillant 
et les rameaua; presque en ombelle. 

Bell-like amimalcula, Leeuwenhoek, Philos. Transact. XXIII. 1703. p. 1304. 

Lilly -Animaicula of root of Lens palustris, Anonymus, Philosoph. Transact. 1703. p. 1496. 

Polypes h bouquet, Trembley, Philosoph. Transact. (1744.) 1746. Vol. XLIII. Nr. 474. p. 169. und Vol. XLIV. p. 627. 

Polypen an Wasserflöhen (.Cyclops), De Geer, Vetenskaps Academ. Handling. 1747. p. 229. Taf. 6. Fig. 2 — 5. Memoires des In- 

sectes, Tom. VII. Tab. 30. Fig. 9 — 12. p. 914. 1778. 
Vierte neue Polypenart aus der Spree, Berliner Relationen, 1753. p. 33. und 1261. 

Clostering Polypes, Baker, Employment of the microsc. p. 334. (438.) Tab. XIII. Fig. IV. 1752. Vergl. Zoolkamnium. 
Glockenpolypen an MeerUnsen, Schäffer, Die Armpolypen um Regensburg, p. 5. Taf. I. Fig. 3. 1754. 

Der kleine gesellige becherförmige Afterpolyp, Rösel, Insectenbelustigungen, III. p. 598. Taf. XCVII. Fig. 3. 1755. ^ 
Corallina omnium minima, Ellis, An Essay towards a natur. hist. of the Corallines, p.41. n. 22. Taf. 13. Fig. b. B. c. C. 17jj. 
Polypns dichotomus, Linne, Amoenit. Acad. Vol. II. p. 57. Nr. 4. u. 5. 1755. Flora Friedrichsdal. p. 238. 1757.? nach Modeer, 

p. 243. 

Martini, Magazine of Arts and Sciences, Oct. 1757. nach Baster. 
Sertularia polypina, Linne, Syst. Naturae, ed. X. 1758. 

Sertularia polypina, Baster, Opuscula subseeiva, I. Lib. 1. Tab. 3. Fig. 1. a. b. c. 1758. 

Isis Anastatica, Linne, Fauna suecica, ed. II. 1761. 

Brachionus ramosissimns , i p A11AS> Elenchus Zo0 phyt. p. 98 , 99. 1766. 

— Anastatica , \ 
Vorticella polypina, » g nat< A m 176?# 

— Anastatica , f 

Vorticella polypina, Müller, Verm. fluv. historia, 1773. Animalc. infus. 1786. p. 328. Tab. XLVI. Fig. 7—9. 

Strausspalypen , Göze, in Bonmet's Abhandl. aus der Insectologie, II. p. 460. 1774. 

Ammali alberetti, Spallanzani, Opuscoli di fisica anim. I. p. 176. (202.) Taf. 2. Fig. 12 — 14. 1776. 

Der Baum, Eichhorn, Beiträge z. Kenntniss der kl. Wasserth. 1775. zum Theil. Taf. 5. Fig. F. 

Sertularia polypina, Slabber, auf Monoculus Taurus (Zoe?), Physik. Belustig. 1778. p. 37. deutsch p. 17. 

Alberetti animali, prima spezie, Colombo, Osservaz. microscop. im Giornale della medicina, Venezia 1787. deutsch 1793. p.9. Fig. 1. 
Vorticella anastatica, Modeer, Neue Abhandlungen d. schwedischen Akademie, 1790. Vol. XII. p. 1. 
Vorticella polypina, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 119. 1803. 
Campanella, Goldfuss, Handbuch der Zoologie, 1820. I. p. 71. 

Vorticella spectabilis, » jj ort DE St . Vi ncent, E n cyclo p ed. meth. 1824. 

— polypina , \ 

Carchesium polypinum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 94. 
Bell-Polypus, Varlet, Improvements in the microscope, 1832. p. 56. Tab. V. Fig. 27, 28. 

Aufenthalt: In Holland, England, Dänemark, Schweden, Norwegen, Preussen, Baiern, Frankreich und Italien im Siisswasser, auch 
im Seewasser der Ostsee, der Nordsee und des atlantischen Meeres, nach Linne auch des Mittelineeres , beobachtet. 

Das schnellende Glockenbäiimeken findet sich oft einzeln an Meerlinsen und allen Arten von Quellpflanzen, zuweilen überzieht 
es in dichten Gruppen deren Oberfläche und erscheint dann dem blossen Auge schon als ein weisser schimmelartiger oder nebelartiger 
Ueberzug. Es ist immer deutlicher sichtbar als das nebelartige Glockenthierchen, mit dem es oft zusammenlebt. Die Höhe 
der ganzen Bäumchen beträgt 3 /* °is */« Linie. Es lebt auch im Seewasser an Corallinen, wo es Ellis bei England beobachtete. Ba- 
ster sah es bei Ciricsee in Holland an Austern, und sein Freund Slabber an einem jungen Scekrebs, den er Monoculus Tau- 
rus nennt, Müller an Fucus nodosus der Ostsee. Ich sah es 1833 bei Wismar an Zoster a, Ceramium, Scytosiphon Eilum und 
andern Seepflanzen , auch im Meerbusen von Christiania im Seewasser, ohne es von dem bei Berlin lebenden unterscheiden zu können. 
Zuweilen, doch seltener, findet es sich auflebenden Schnecken, Wasser flöhen, Phryga nee n -Larven und andern Wasserthie- 
ren, deren parasitische Baum- Yorticellen meist Epistylis - Arten sind. Bei Berlin ist es an Ceralophyllum und Meerlinsen sehr häu- 
fig und schon seit 1753 bekannt. Trembley fand es im Haag, machte aber seine Theilungsbeobachtungen wo. Epistylis Anastatica 
und Zoothamnium. Spallanzani hat die Fortpflanzung an dieser Art erst scharf beobachtet; noch schärfer hat Colombo die Na- 
turgeschichte derselben ermittelt. Alle neueren Mittheilungen darüber sind nur Wiederholungen jener Entdeckungen. Man hatte jedoch 
keine Kenntniss der individuellen Organisation. Im Jahre 1830 theilte ich die ersten Resultate meiner angestrengten Untersuchungen 
darüber in einem systematischen Schema mit, und diese sind später noch fortgesetzt und erweitert worden. Carchesium polypinum 
gehörte zu den durch Farbenahrung schon bis 1830 geprüften Formen mit deutlichem Ernährungsapparat. Die von Spallanzani ge- 
zeichnete und aucli von Colombo angegebene mittlere Oeflhung des vorderen Trichters wurde als irrig erwiesen, aber die Entwicke- 
lung durch Selbsttheilung ergab sich gerade so, wie Trembley und Spallanzani sie erkannt hatten. Die Kerobalanenform , welche 
schon Colombo beschreibt, wurde sammt all den bei Vorticella erwähnten Entwickelungsformen beobachtet, und überdiess sah ich 
auch Knospenbildung. Beobachtungen dieser Entwickelung gewähren das höchste Interesse, und oft habe ich Nächte lang sie mit nie 
ermüdendem Auge verfolgt. Trembley band die mit Yorticellen besetzten Pflanzentheile an einen nackten Federkiel, bog ihn in das 
Glas und benutzte seine Spannkraft, um sie unter Wasser fest an die Wand des Glases zu drücken, wo er sie dann mit einer festen 
Lupe betrachtete. In einem flachen Uhrglase kann man bei nur lOOmaliger Vergrösserung dasselbe im Compositum leicht erreichen. 
Die Organisation erkennt man erst bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers zur Ueberzeugung. Die Magenzellen sind leicht zu 
beobachten. Der seitliche Mund erscheint beim Zumischen von Indigo in's Wasser wie ein rauchender Schlott, und auch das periodi- 
sche Niederschlucken im Schlünde und das Fortrücken der Farbe im Darine wird deutlich, nur bleibt der Darm nicht gefüllt, sondern 
jeder Bissen oder Mundvoll rückt rasch von einer Magenzelle zur andern, gerade so wie die Speise im menschlichen Schlünde nicht 
verweilen kann, sondern rasch durchgeführt wird. Andererseits ist der dreitheilige Magen der Wiederkäuer mit dieser polygastrischen 



279 



Einrichtung vergleichbar. Durch den Mund wird gcwöllartig das Unverdaute in Kugelform wieder ausgeworfen. Die weissen sehr feinen, 
500mal zu vergrößernden , Eikörnchen sind hei durchgehendem Lichte gelblich. Die contractile Samenblase ist deutlich im vordem 
Körper und zuweilen gelappt, fast strahlig. Audi heute (4. Sept. 1837) gelang es mir nicht, die Samendrüse direct zu erkennen, 
wohl weil ihre Lichtbrechungskraft zu wenig ausgezeichnet ist. Sehr merkwürdig ist der schon 1830 von mir bemerkte, sich in der 
Contraction queerfaltende , fadenartige Muskel in dem mittleren Canale des Stieles. Diese Queerrunzeln (ganz denen der Muskelfasern 
der grösseren Thiere ähnlich) scheint schon Gleichen bei V. Convallaria gesehen, aber für Eiergrenzen im Legestachel gehalten 
zu haben. Der Mechanikus Varlev hat sie zuletzt richtig, aber etwas greller dargestellt, als sie gesehen werden. Zuweilen, nicht 
immer, ist der Stiel am Ende stark tellerförmig erweitert. Ich sah diese Form am 7. Dec. 1832 und im Januar 1835 unterm Eise 
sehr zahlreich und munter an Pflanzen, sonst zu allen Zeiten, besonders im Herbst bei Berlin. Die Form der Verästelung ist wech- 
selnd. Junge Zoothamnien haben kleinere Thiere, sind schwer zu unterscheiden. — Grösse des erwachsenen Körpers 1 j i8 bis % Q 
Linie, der Eikörnchen V2000 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXYI. Fig. V. und Taf. XVDT. Fig. I. und VI. 

Fig. a., b., c. ein schirmartiges oder doldenartiges Bäumchen bei 20maliger Vergrösserung des Durchmessers, b. zum Theil, c. ganz contrahirt. Fig. 
d. und e. sind die ersten Entwickelungs- Gruppen eines Einzelthierchens zum Baum: «. sass auf dem leeren Stiele, trennte sich ab, lief wirbelnd um- 
her und setzte sich dann nicht weit davon fest; ß. ist nach 12 Stunden aus a. entstanden, welches unter sich den Stiel ausgeschieden hat; y. und d. 
ist ein solches Einzelthier, welches einer Vorticelle gleicht, mit entwickelten Eikörnchen und nach seiner ersten spontanen Längstheilung, bei S. links 
ist die contractile Blase buchtig (strahlig), rechts rund; «. ist eine doppelt getheilte Form, der Anfang zum Baum, bei o' der Mund; £. ist noch mehr- 
fach getheilt und contrahirt; 17. ist eine einfache Form mit Knospenbildung, 0' der Mund, g" die Knospe; Ecclissa oder Rinellen-Form; 1. Ke- 
robalanen-Form kurz nach der Ablösung vom Stiele. Fig./". ist ein entwickeltes, mit Carmin genährtes, Bäumchen. Alle diese Formen sind 300- 
mal im Durchmesser vergrössert. Auf Taf. XVH. sind 2 lebend mit Bacillarien besetzte Bäumchen der Ostsee bei Wismar. 



Nachtrag zur Gattung Carchesium. 

Fast alle Beobachter sprechen von mehreren Arten zurückschnellender baumartiger Vorticellen, dessenungeachtet bin ich nicht 
geneigt, viele Arten als bekannt anzunehmen, da ich nur Eine sehr verbreitet sah. Linne hielt die Seeform für verschieden von 
der Süsswasserform. De Geer verwechselte sammt Linne offenbar auch die steifen Formen mit den schnellenden, in deren besonderm 
Muskelgliede ein generischer guter Character liegt. Am ansprechendsten könnte die zweite Art scheinen, welche Colombo beschreibt 
und Fig. 2. abbildet. Allein ich mag lieber glauben, dass er das Zootliamnium vor sich hatte, welches schon Tremblev gut un- 
terschied, dessen Knollenbildung er vielleicht für parasitische Körper hielt. Bort nennt sogar 4 contractile Arten. Die Süsswasser- 
form, welche er in Königsberg in Preussen, in Brüssel und Lille gesehen, Vort. spectabilis, die bis 2 Linien lang seyn soll, ist 
ohne Zweifel das von mir beobachtete Carchesium, nur sah ich es nie so gross. Seine Vort. polypitia ist eine Seewasserform der 
französischen Küste {Episty Iis?), deren Stiel nur an den Enden contractu seyn soll, allein ich habe den ganzen Stiel der Form der Ost- 
und Nordsee in zahlloser Menge contractu gesehen, und nur ein wenig dicker als bei der Berliner Form gefunden, die aber auch darin 
wechselt. Eine dritte, bis 2V2 Linie hohe (?), Art ist eine Süsswasserform von Belgien und Flandern, Vort. umbellata, war aber 
gewiss eine Epistylis (E. plicatilis?, Galea?). Endlich verzeichnet er eine Dendrella Mülleri mit steifem Stamme und contracti- 
len Aesten aus dem nördlichen Europa, die vielleicht das Zootliamnium war. Da die Körper der Einzelthiere sich unter gewissen 
Umständen von ihren Stielen, die dann vergehen, ablösen und stiellos frei umherschwimmen, dabei auch alle die Formen annehmen, 
welche bei den Vorticellen vorkommen, so mögen unter den Namen Ecclissa, Urceolaria, Rinella u. s. w. auch diese Thierchen ge- 
meint seyn, und es wird selbst bei noch feinerer Detailkenntniss des Baues immer schwierig bleiben, die Arten und Gattungen im ab- 
gelösten Zustande scharf zu sondern. Das gleichzeitige Vorkommen der Stammformen erleichtert und sichert das richtige Erkennen. 

Der Anonymus von 1753 fand das Carchesium bei Berlin an Wasserschnecken und Wasserspinnen, und machte die interes- 
sante Beobachtung, dass etwas Zucker, in's Wasser gebracht, sogleich alle Thiere von dem Bäumchen absprenge. Die Beobachtung 
ist von mir nicht mit Glück wiederholt worden. Ich sah sie nur einschrumpfen. Den tödtlichen Einlluss des Zuckers auf Infusorien 
kannte schon Leeuwenhoek. — Die 4 früheren Arten der Gattung Carchesium haben folgende Synonyrnie: 1) C. chlorostigma 
(1831) === Vorticella chl.; 2) C. fasciculatum (1830) = Vort. patellina; 3) C. nebuliferum (1830) == Vort. neb.; 4) C. 
pictum (1831) === Vort. picta. Carchesium pygmaeum, eine zweite Art, siehe im Nachtrag z. Familie. 



ZWEIUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: SÄULENGLÖCKCHEN. 

Epistylis. Epistylide. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum, pedicellura rigidum simplicem aut spontanea imperfecta 
divisione ramosum excernens, corpusculis pedicellatis similibus. (= Vorticella aut Car- 
chesium stipite rigido s. musculo stipitis destitutum.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Vorticellines , poussant un pedicule rigide simple ou ra- 
meux par la division spontanee imparfaite, ayant tous les corpuscules pedicules de la 
meme forme. ( = Vorticelle ou Carchese a pedicule rigide [sans muscle interieur 
du pedicule.]) 

Die Gattung der Säulenglöckchen unterscheidet sich in der Vorticellenfamilie durch Ausscheiden 
eines steifen einfachen, oder bei unvollkommner Selbsttheilung verästeten, Stieles und durch Gleichförmigkeit 



2SO 



der gestielten Körper. Es sind Glockenthierchen oder Glockenbiiumchen mit starrem Stiele, d. i. ohne Mus- 
kel im Stiele. 

Die Gattung der Säulenglöckchen besteht jetzt aus 12 sichern Arten, und ist zuerst im Jahre 1830 
in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit 3 Arten gegründet worden. Im Jahre 1831 erhielt sie ebenda 
11 Arten. Die ersten Formen beschrieb Leeuwenhoek aus Holland 1703, und ein anonymer Engländer 
fand sie in gleichem Jahre bei London auch. Umständlicher beobachtete sie der scharfsinnige Trembley im 
Haag 1744. Seine für die damalige Zeit ausgezeichneten, und allgemeine Aufmerksamkeit erregenden, Beob- 
achtungen über die Entwickclung der Strausspolypen durch Theilung machte er, wie es scheint, an Epi- 
stylis Anastalica, und er wiederholte sie an Zoothamnium Jrbuscula. Sehr schöne, noch jetzt vortreff- 
liche, Abbildungen von 5 Epistylis- Arten gab der Maler Hösel von Rosenhof in Nürnberg 1755, und diese 
sind, von Linne und Pallas an, bis in die neueste Zeit die Grundlage der Systematik für die Glockenthier- 
chen geblieben. Baker scheint nur 1 Carchesium und 1 Zoothamnium gesehen zu haben. Linne nahm 
1758 diese 5 Arten in seine Gattung Hydra, und 1767 in seine Gattung Vorticella auf. Pallas ver- 
zeichnete sie als 5 Arten seiner Gattung Brachionus 1766. Müller wiederholte die Thailings- Beobach- 
tungen 1773 an Epistylis Anastatica, die er Vort. racemosa nennt, und nur durch den schuppenlosen 
Stiel unterscheidet, wobei er zu dem von keinem späteren Beobachter bestätigten Resultate kam, dass der 
verlassene Stiel, wie ein Pflanzenstamm, auch wieder neue Thiere treiben könne. Er unterschied 1773 
10 Arten mit starrem Stiele, 1786 14, überdiess eine als Volvox vegetans. Colombo unterschied 1787 
2 Arten, deren Selbsttheilung er beobachtete, eine langgestielte an Meerlinsen (E. Anastalica), die andere 
mit kurzem Stiele an Schneckenschaalen und Daphnien (E. digitalis). Goldfüss bildete 1820 die Gattung 
Vorticella aus steifen und schnellenden einfach gestielten, und die Gattung Campanella aus steifen (und 
schnellenden) verästeten Formen. Bory de St. Vincent verzeichnete 1824 6 Arten als Dendrella und Digitalina 
ohne Wimpern, und 7 als Vorticella mit Wimpern bei den Infusorien, stellte sie aber seit 1825 in sein 
Reich der Halbpflanzen, üeberdiess bildete er aus einigen Formen die Gattungen Myrtilina, Mespilina und 
AntJiophysis, und verzeichnete die freigewordenen Leiber, obwohl ihm dieses Verhältniss nicht fremd war, 
doch offenbar mit in seinen Gattungen Urceolaria, Rinella, Kerobalana u. s. w. Die speciellere Syno- 
nymie ist im Anhange übersichtlich gemacht. — Die thierische Organisation, seit 1830 vollständig ermittelt, 
zeigt als Bewegungssystem einen einfachen beständigen Wimperkranz an der Stirn und einen periodischen 
am Rücken bei 8 Arten, nur den vorderen bei 3 Arten, E. arabica, Botrytis und vegetans, bei deren 
letzterer er nur in der Wirkung erkannt ist. Bei einer Art fehlt die Beobachtung. Der Stiel scheint über- 
all eine hohle Röhre zu seyn. — Die polygastrische Structur des Ernährungssystems ist sammt der verei- 
nigten Mund- und Analstelle bei allen Arten durch Farbenahrung ausser Zweifel gestellt. Bei E. plicatilis 
ist der ganze Darmverlauf direct beobachtet. — Vom weiblichen Sexualsystem sind bei 6 Arten die Eikörn- 
chen erkannt und gemessen, rückständig sind: E. nutans, digitalis, Botrytis, parasitica, arabica, ve- 
getans. Eine contractile männliche Blase ist bei E. flavicans, leucoa und nutans, neuerlich auch bei Ana- 
statica und plicatilis beobachtet; schon Rösel zeichnete sie bei E. flavicans? . Eine kurze bandartige 
männliche Drüse ist bei E. plicatilis, flavicans und leucoa, bei E. nutans aber eine kugelförmige beob- 
achtet. Selbsttheilung ist von mir bei E. Atiastatica, Galea, plicatilis , flavicans , leucoa, digitalis und 
nutans beobachtet. Die freien Formen haben vielleicht auch Queertheilung, die aber noch nicht beobachtet 
wurde. Knospenbildung sah ich nur bei E. nutans und plicatilis, bei keiner Art sah ich den Stiel selbst 
Knospen treiben. Die freien Körper nehmen die Form von Ecclissa, Urceolaria, Rinella, Kerobalana und 
Ophrydia an. 

Die geographische Verbreitung ist über ganz Europa und in Carolina in Amerika im Süsswasser, 
im Seewasser der Ostsee und Nordsee und im ganzen rotlien Meere von Sues bis Habessinien bekannt. 

396. Epistylis Galea, helmartiges Säulciiglockchen. Tafel XXVII. Fig. i. 

E. corpore maximo conico, plicatili, ore laterali rostrato, pedicello fruticuloso crasso, articularo. 

Epistylide Casque, a corps tres-grand conique, pliant, ayant la bouche laterale saillante en forme 
de bec et le pedicule epais, rameutc, articide. 

Vorticella umbellata, Bort de St. Vincent? Encycloped. meth. 1824. 

Epistylis Galea, Abhandl. der Akademie d. Wisselisch, zu Berlin, 1831. p. 97. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht in Belgien und Flandern. 

Diese sehr grosse und ausgezeichnete Art bildet fast 2 Linien grosse Bäumchen an Ceratophyllum bei Berlin, ist aber sehr 
selten. Ich fand sie nur im August 1831 und 1835. Nur % des Körpers sind eierführend, das hintere Drittheil hat Längsfalten 
(Muskeln s J ), keine Eier, und wird bei der Contraction stark queergefaltet. Der Anfang des Wimperkranzes ist unter dem Munde, sein 
Ende über demselben* Der dicke Stiel hat innen einen breiten Canal und bei jeder Theilungsstelle einen Absatz. Die männlichen Or- 



381 



gane blieben wegen Mangels an Linreicliender Durclisiclitigkcit des Körpers und Frequenz der Beobachtung unerkannt. — Körpergrösse 
bis Vio Linie. Eier Vsoo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVII. Fig. I. 

Es ist ein 300mal im Durchmesser vergrößertes Bäumchen dargestellt, der Stiel aher abgekürzt, auch ist es nur ein Theil des Bäumchens. Die mit- 
telste Figur unter der Nummer zeigt die runde Mundüffnung en face, die andern zeigen sie meist im Profil. 

39?. Epistylis Anastatica, straussartiges Säulenglöckclieii. Tafel xxvn. Fig. IL 

E. corpore parvo conico, nec plicato, frontis dilatatae margine prominulo, pedicello diebotomo laevi aut particulis 
alienis squamuloso. 

Epistylide Rose de Jericho, a corps conic/ue sans plis, ayant le bord du front large saillant et le 
pedicule dichotome lisse ou herisse de petiis corps etrangers. 

Bell-UU Animalcula, Leeuwehhoek, Philos. Transact. 1703. Vol. XXIII. Nr. 283. p. 1308. Fig. 8. 

Polypes ä bouquet, Trbmbley, Philos. Transact. Vol. XLIII. p. 171. Tab. XI. Fig. 5 — 7. 1744. Deutsch in Tremm, Polypengesch. 

von Göze, p. 476. Taf. XIV. Fig. I — III. 
Besondere Art von Wasserthieren , de Geer, Abhandl. der schwed. Akademie d. Wissensch. 1746. Taf. 6. Fig. 2 — 5. 
Der arlessbeerförmige Afterpolyp, Rösel, Insectenbelustigungen, III. p. 604. Taf. XCVIII. Fig. 1 — 3. 1755. 
Hydra crataegaria, Linne, Systema Naturae, ed. X. 1758. 

SracUonus crataegarius und acinosus, Pallas, Elenchus Zoophytorum, p. 100. und 101. 1766. 
Vorticella anastatica und crataegaria, Linne, Systema Naturae, ed. XII. 1767. 

Vorticella Anastatica, crataegaria, ringens, Müller, Vermium fluy. hist. 1773. p. 139. Skael - Smtrreren , N. Saml. af Dansk. V. Saelsk. 

Skrift. n. p. 254. Anim. Infus. 1786. Tab. XLIV. Fig. 10. XLVI. Fig. 5. XXXVIII. Fig. 18. 
Die Bimpolypcn, Bichhorn, Beiträge zur Kenntnis s d. kl. Wasserth. p. 35. Taf. III. Fig. A. B. 1775. 

Polypi (Alberetti) a mazzette, a fioeco, Colombo, Osserv. microsc. Giornale della medic. Venez. 1787. Deutsch p. 57. Fig. III. 
Vorticella polypina und crataegaria, Modeer, Abhandl. der schwed. Akademie d. Wissensch. 1790. B. XI. p. 241. XII. p. 8. 
Vorticella acinosa, Schrank, Naturforscher, XXVII. p. 26. Taf. 3. Fig. 10 — 15. 1793. 
Vorticella crataegaria, acinosa und tetrodon, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 123. 1803. 
Campanella, Goldfdss, Handbuch d. Zoologie, 1820. I. p. 71. 
Vorticella ringens, i 

Myrtilina crataegaria, J Bort de St. Vincent, Encyclopedie meth. Vers, und Dict. class. 1824. 
Digitalina anastatica, T 

Epistylis Anastatica, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 96. 

Aufenthalt: Sicher nur bei Copenhagen, bei Conegliano in Italien, in Frankreich und bei Berlin beobachtet, vielleicht auch bei Delft 
in Holland, im Haag, bei Nürnberg, bei Danzig, in Schweden und Baiern. 

Diese bei Berlin auf Ceratophyllum und auch auf kleinen Wasser -Schaalthieren im Sommer und Herbst häufige Form passt 
am besten auf Müllers Abbildung der V. anastatica. Schon Leeuwenhoek's Abbildung einer steifen verästeten Vorticelle von 
1703 lässt sich auf diese sehr verbreitete Form anwenden, welche Bort de St. Vincent sogar auf alten Karpfen gefunden haben 
will. Tremblet scheint, seiner Abbildung nach, mit dieser Art seine ersten berühmt gewordenen Beobachtungen der Selbsttheilung 
gemacht zu haben. De Geer hat sie wohl bei Stockholm mit Carchesium gemischt auf Wasserflöhen beobachtet, und scheint 
nach dem Carchesium seine Beschreibung, aber nach dieser Epistylis seine Abbildung entworfen zu haben. Rösel hat, wie mir 
scheint, diese Art von Nürnberg auf Wasser flöhen (Cyclops quadricomis) zierlich abgebildet. Linne gab dieser einzelnen 
Art 2 Namen, 1 nach Rösel's und einen nach De Geer's Beobachtung. Letzterer ist Vorticella anastatica 1767. Linne s Isis 
anastatica 1761 ist aber offenbar Carchesium gewesen, welches er auch Vorticella polypina nannte. Modeer hat diess schon 
weitläufig erörtert und daher den auf diese starre Form von Linne 1767 selbst übertragenen Namen der sich abwechselnd entfaltenden 
und schliessenden Jericho-Rose, Anastatica, an die Vorticella polypina, das Carchesium, zurückgegeben. Müller hat die starre 
Form anastatica genannt, und um nicht die Verwirrung der Synonyme, welche auch Müller auf Linne schiebt, zu mehren, ziehe 
ich vor, Müller zu folgen. Hier wird demnach die Epistylis anastatica nicht ihrer Contractilität halber anastatica genannt, son- 
dern weil sie mit dem Carchesium, oder der Isis Anastatica Linne's, die meiste Aehnlichkeit in der Körperform hat. Schrank 
bildete unter dem Namen Vort. acinosa eine ähnliche Art ab, die er am Kopfe der Larve der Waffen-Fliege {Stratiomys Cha- 
maeleon) in Baiern fand. — Die kleinen, nicht immer, aber zuweilen vorhandenen, Schuppen am Stiele (V. monadica Schrank) 
sind Junge, Brut; ich sah sie bei Carchesium schon ganz der Mutter gleich, nur kleiner, so dass um die Hälfte kleinere Vorticel- 
len mit an den Stielen der grossen sassen. Hieraus erklärt sich wohl auch Müller's Irrthum mit dem Knospentreiben der Stiele. 
Zuweilen scheint sich auch die Brut von Carchesium an Epistylis zu setzen und dadurch die Erscheinung zu bedingen, als sässen 
contractile Zweige an starren Stämmen, welches letztere ich bei scharfer Critik nie bestätigen konnte (s. E. plicatilis). Ueberdiess 
heften zuweilen Rädert hiere ihre Eier an die Zweige, was man nicht für verschiedene Körperform, wie bei Opercularia, halten 
darf. — Magenzellen, Stoffaufnahme, vereinte Mund- und Auswurfs Öffnung sind ausser Zweifel gestellt, der Canal des Darmes ist noch 
nicht direct gesehen. Eikörnchen sind beobachtet als weisse, bei durchgehendem Lichte gelbliche, Körner von etwa Viooo Linie Grösse. 
Eine sich auszeichnende helle Blase, männliche Sexualblase, ist oft, aber ihre Contraction nicht gesehen. Eine Drüse ist noch nicht 
beobachtet. Selbsttheilung ist als Längstheilung schon von Tremblet gut beobachtet. Knospenbildung ist noch nicht gesehen. — 
Körpergrösse bis % i Linie; Höhe der Bäumchen V12 — */s Linie ; Grösse der Eier etwa Viooo Linie; Entwickelungscyclus also Viooo 
— V24 ( — Ys) Linie. Auf Thieren entwickeln sich die Stiele nicht so lang, als auf Pflanzen. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXYII. Fig. II. 

Fig. 1. ist ein ausgedehntes Bäumchen, dessen Thiere wirbeln und mit Indigo genährt sind. Fig. 2. ist dasselbe bei Erschütterung, wo sich alle 
Thiere, aber nicht die Zweige contrahiren, letztere sich nur einander nähern. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. Fig. 3. ist Cyclops Castor 
mit dieser Form besetzt, 12mal vergrössert. 

398. Epistylis plicatilis, faltiges Sänlenglöckchen. Tafel XX VN f. Fig. I. 

E. corpore parvo conico - elongato , plicatili, frontis dilatatae truncatae margine vix prominulo, pedicello dichotomo 
laevi aut particulis alienis squamuloso, saepe corymboso. 

»1 





232 



Epistylide pliante, a corps petit, conique - allonge ', pliant, ayant le bord du front elargi et tronque 
a peine saillänt, le pedicule dichotome lisse ou charge de petita corps etrangers, souvent deve- 
loppe en fausse ombelle. 

Der birnförmige Afterpolyp, Rösel, Insectenbelust. III. p. 606. Taf. XCVIII. Fig. 2. d. 

Hydra pyr curia, Linne, Syst. nat. ed. X. 1758. 

Brachionus piriformis, Pallas, Elench. Zoophyt. p. 102. 1766. 

Vorticella pyraria, Linne, Syst. nat. ed. XII. 1767. 

Voriicella ammlaris und pyraria, Müller, Vermium fluviat. hist. 1773. p. 133, 138. Animalc. infus. 1786. p. 318, 324. Tab. XLV. 

Fig. 2, 3. Tab. XLVI. Fig. 1. nicht Fig. 2. 
Vorticella quadricornis , Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 123. 1803. 

Vorticella pyraria (Myrtilina?) , Bory de St. Vincent, Encycloped. method. Vers 1824. 
Epistylis plicatilis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 96. 

Aufenthalt: Sicher bei Berlin, wahrscheinlich auch bei Nürnberg, Copenhagen, Landshut beobachtet. 

Diese dem blossen Auge weisse, im Mikroskope etwas gelbliche, Art ist der vorigen sehr ähnlich und findet sich an densel- 
ben Orten, ist aber etwas grösser, länger und durch ihre ringartigen Falten bei der Contraction, so wie durch ihre meist quastenarti- 
gen Bäumchen ausgezeichnet. Sie lebt besonders gern auf kleinen Wasserschnecken. Ich vermuthe, dass sie von Bösel beobach- 
tet worden, dessen Abbildung ziemlich passend ist. Die starren Stiele sind zuweilen mit gestielten Kiigelchen (der Brut?) besetzt. 
Durch Indigofütterung Hessen sich sehr grosse Magenzellen besonders deutlich sehen, auch gelang es oft, den ganzen Darmkanal rasch 
durchlaufende Bissen und deren sofortiges Auswerfen durch die Mundstclle zu beobachten, so dass die Form des Ernährungscanals ganz 
klar wurde. Ich rathe daher, diese stillsitzende Vorticelle ganz besonders zum Studium zu wählen. Gelbliche Eikörnchen sah ich erst 
kürzlich, aber eine contractile männliche Blase und eine längliche, zuweilen bandartige, Drüse Hessen sich früh erkennen. Wenn der 
am Stiele sehr verdünnte Leib sich ringelt, scheint es wohl, als falte sich, wie 3Iüljler sagt, der Stiel selbst, allein es ist nicht der 
Stiel, sondern nur der Leib. Der Wimperkranz an der Stirn ist einfach, erscheint aber meist doppelt. Es giebt Exemplare dieser 
Ali mit sehr viel dickerem Stiele als andere, wie ich diese Differenz auch bei Carchesium bemerkt habe. Die innere Röhre des Stiels 
habe ich nun, 20. Sept. 1837, auch sammt Knospenbildung erkannt. Die Krallenform dieser Art schien mir immer 3 Reihen Rük- 
kenwimpern za entfalten. — Grösse des Körpers V24 bis Vis Linie, der Eikörnchen V1000, der Bäumchen bis i% Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVIII. Fig. I. 

Fig. 1. ist ein TJieil eines quastenartigen Bäumchens mit wirbelnden Thieren, bei a t die männliche Drüse. Fig. 2. ist ein dickgestieltes Einzelthier 
kurz nach der ersten Selbsttheilung, zusammenschnellend. Fig. 3. sind zwei dünngestielte, contrahirte Thiere. Fig. 4. ist die freie Krallenform. 
Fig. 5. Bauchseite. Fig. 6. Rückenseitc in der Contraction. Fig. 7. der sichtbare Ernährungscanal. Alle diese Figuren sind SOOmal im Durch- 
messer vergrössert. Fig. 8. sind 5 Bäumchen auf einem jungen Limnaeus palustris in natürlicher Grösse. 

399. Mpistylis grandis, grosses Säulenglöckchen. Tafel xxvn. Fig. HL 

E. corpore amplo, late campanulato, stipite decumbente tenui, laevi, laxe ramoso, latissime caespitoso nec articulato. 

Epistylide grande, a corps ample, largement campanule , ayant le pedicule grele retombant, lisse, 
les rameautc läches et ecartes sans articulations et formant de tres-grandes ton ff es. 

Epistylis grandis, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 97. 

Aufenthalt: Bei Berlin und Potsdam. 

Unter allen bekannten Formen des Süsswassers ist dieses sehr grosse Glockenthicrchen die, welche die grössten zusammen- 
hängenden Massen bildet. Man kann sie mit den Gallionellen vergleichen. Eigentlich ist ihre Farbe ein bläuliches Weiss, doch 
wird sie durch genossene grüne Stoffe oft grünlich oder gelblich. An ihre durcheinandergewirrten schlaffen und weitläufig verästeten 
Stiele hängen sich bald allerlei bräunliche moderige Stoffe, die dem Ganzen eine bräunliche Farbe geben. So überzieht diese Form zu- 
weilen Ceratophylla und Nymphaeen - Wurzeln auf mehrere Fuss Länge als ein 2 bis 3 Zoll dicker, brauner, oben bläulich weisser 
Schleim, der bei der Berührung leicht zerreisst. Ich entdeckte diese Form 1830, und fand sie wieder am 4. Juü 1834 im neuen 
Garten zu Potsdam, auch am 11. März 1835 im Bassin des Thiergartens nahe am Thore bei Berlin. Auch in den Gräben der Torf- 
stiche fand ich sie öfter in grosser Ausdehnung. Das erste Anfüllen der Magen durch den Mund zeigt hier besonders auffallend den 
Darmkanal als eine lange blaue Strasse. Die männlichen Sexualtheile sind noch nicht deutlich geworden, die Eier aber leicht zu er- 
kennen. Der doppelte Wimperkranz ist optische Verdoppelung. — Grösse des Körpers Via — Vio Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVII. Fig. TBL 

Fig. 1. ist eine Gruppe von einem einfach verästeten und 2 ganz einfachen Thieren; «. nimmt Indigo auf, ß. ist eingezogen und zeigt den zusammen- 
gefalteten Wimperkranz, y. wirbelt, ist von der Mundseite dargestellt und zeigt das Einströmen der Nahrung in einen der hintersten Magen, S. ist 
von der Seite gesehen, bei o' der Mund, unten entleert sich ein Magen in einen andern durch ein Stück des Darmes. Fig. 2. ist eine Krallenform. 
Fig. 3. ist durch grünliche und gelbliche Nahrungsstoffe farbig. Sämmtliche Figuren sind 300mal im Durchmesser vergrössert. Fig. 4. natürlicher 
Zustand der Massen dieser Form auf Ceratophyllmm. 

400. Epistylis flavicans, gelbliches Säulenglöckclieii. Tafel XXVIII. Fig. Ii. 

E. corpore amplo, late campanulato, stipite stricto, laevi, ramis coaretatis, ad axillas dilatatis, ovulis flavicantibus. 

Epistylide j aunätre, a corps ample, largement campanule , ayant le pedicule dresse lisse, ä rami- 
fications resserrces , elargi aua) aisscl/es, l ovt/ire jaunätre. 

Der Mispdförmiye Aflerpolyp, Rösel?, Insectenbelustigungen, III. p. 614. Taf. C. 1755. Ledermüller, Taf. 88. Fig. t. u. 1763. 

Hydra umbellaria, Linne, Systema Naturae, editio X. 1758. 

Brachionus acinosus, Pallas, Elench. Zoophyt. p. 100. 1766. zum Theil, s. E. anastatica. 
Vorticella umbellaria, Linne, Systema Naturae, editio XII. 1767. 

Vorticella aänosa, Bellis?, Müller, Vermium fluv. hist. 1773. p. 135, 136. Animalc. Infus. 1786. p. 319, 323. Tab. XLV. Fig. 4. 
Vorticella umbellaria, Modeer, Abhandl. d. schwed. Akad. d. Wiss. 1790. XI. p. 237. 

Vorticella umbellaria, Girod Chantrans, Essay snr la Geographie physique du Depart. du Doubs, 1810. I. p. 297. 
Campanelln umbellaria, Goldfuss, Handbuch d. Zoologie, 1820. 




383 



Vorticella Umbellula und acmosa, i T1 , , . .„„, „., , 

M ...„,„ , ' l Bory, Encycloped. method. Vers. 1824. p. 245. und p. 787. 

Mespilma Umbellula, I 

Epistylis flavicans, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1831. p. 97. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, vielleicht auch bei Nürnberg, Besancon und Paris beobachtet. 

Bei Berlin ist diese sehr scharf characterisirte grosse Art nicht selten auf Lemna, Ceratophyllum und abgestorbenen Jim- 
cus- oder Scirpus - Arten unter Wasser in Torfgräben. Bösels schöne Abbildungen würde ich unbedingt hierher bezogen haben, wenn 
es nicht mehrere verwandte Formen gäbe und wenn nicht Müller derselben Form einen zweiten und Bort einen dritten Namen ge- 
geben hätte. Die s -förmige helle Stelle, welche Rösel in den einzelnen Körpern gezeichnet hat, scheint mir die männliche Sexual- 
drüse gewesen zu seyn. Die contractile männliche Blase, die Eier und Magenzellen hat er schon 1755 recht gut gesehen, nur nicht 
richtig beurtheilt. Der doldenförmige Wuchs von Rösel's Hauptfigur ist vielleicht nur zufällige, mehr nach oben gedrängte, Ent- 
wickelung der Zweige gewesen. Der starre Stiel hat an den Verzweigungsstellen keine queeren Zwischenwände in seinem Canale, son- 
dern die beiden Aeste machen nur allemal eine kleine Biegung nach aussen. Der Canal ist sehr deutlich. Ich beobachtete sie am 
19. April 1831, 1832 und 1833 im Sommer, 1835 im April, am 10. Juni und 24. Juli, 1837 am 23. Aug. mit Euglena sau- 
guinea an Torfwasserpllanzen. — Körpergrösse (ausgedehnt) bis Vjg Linie; Bäumchcn bis \% Linie hoch. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVJJX. Fig. II. 

Es ist ein Bäumchen bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers dargestellt, o der Mund, t die männliche Drüse, neben welcher die 
grosse helle Stelle die contractile Blase bezeichnet. Die meisten Thierchen haben ihre natürliche grüne Füllung der Magen, eins hat Indigo gekostet. 

401. Epistylis leucoa, weissfcörniges Säulenglöckclicn. Tafel xxviii. Fig. in. 

E. corpore amplo, late campanulato, stipite erecto, minus stricto, ramoso-capitato, articulato, laevi, ovulis albis. 

Epistylide blanche , a corps ample, largement campanule , ayant le pedicule erige , lisse, moins 
dresse, articule, a rameauas en capitule, Tovaire Alane. 

Volvox Sphaerula, Müller? Vermium fluv. histor. p. 8. 1773. Animalc. Infus, p. 16. Tab. III. Fig. 10. 1786. 
Paramaecium marginatum, Müller? Animalc. Infus, p. 92. Tab. XII. Fig. 28 , 29. 1786. 

Aufenthalt: Bei Berlin, vielleicht auch bei Copenhagen. 

Diese grosse Form entdeckte ich im Januar 1832 bei Berlin, und beobachtete sie wieder zahlreich im Januar 1835 auf fau- 
len Schilfblättern unterm Eise im Thiergarten. Alle Exemplare hatten etwas gebogenes und zeichneten sich von der verwandten E. 
flavicans durch weisse Eierchen aus, die bei durchgehendem Lichte grau erschienen. Bei jeder Verzweigung zeigt der Stiel einen Ab- 
satz oder Gliederung. Die Thierchen haben eine aulfallend gewölbte Stirn, deutliche Eikörnchcn, einen einfachen Wimperkranz , eine 
runde Mundöffnung in demselben, eine runde contractile Blase und eine s -förmig gebogene bandartige Samendrüse. Einige verliessen 
ihre Stiele, indem sie sich rasch umdrehten und ablösten, andere entfalteten auf den Stielen schon den hintern Wimperkranz. Der 
Grösse wegen möchte ich wohl Müller s Paramaecium marginatum und Volvox Sphaerula geradehin für diese Species erken- 
nen, denn dass Beide Vorticellen- Leiber waren, scheint mir kaum zu bezweifeln. Herrmann's und Spallanzani's von Müller 
dabei citirte Formen mögen aber Pandorinen oder Uv eilen gewesen seyn. Wenn die Yorticellen- Leiber still liegen, verändern zu- 
weilen die inneren Magenzellen durch die Körper- Contractionen beständig ihre Lage gegeneinander, was für Ungeübte die Täuschung 
veranlasst, als hätten diese inneren Blasen eine willkührliche Bewegung. Bei den grossen Formen ist diess auffallender als bei kleinen. 
— Körpergrösse V12 — V10 Linie; Bäumchen bis */a Linie; Eier V480 — V500 Linie; Entwickelungscyclus mithin Vsoo — V10 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVIII. Fig. III. 

Fig. 1. ein Bäumchen; Fig. 2. eine freie Krallenform; Fig. 3. eine ganz contrahirte Kugelform mit abgewendetem Wimperkranz, sämmtlich 300- 
mal im Durchmesser vergrössert. 

40£. Epistylis Digitalis, Fingerhut - Siiulenglöckclieii. Tafel XX MIT. Fig. IV. Tafel L. Fig. VII. 

E. corpore parvo, cylindrice campanulato, stipite dichotorno snbtiliter annulato. 

Epistylide Digitale, a corps petit, cylindrique et campanule ', ayant le pedicule dichotome flnement 
annale. 

Der dütenförmige Afterpolyp, Rösel, Insectenbelust. Vol. III. p. 607. Taf. 98. Fig. 4. 1755. 
Hydra digitalis, Linne, Sjstema Naturae, ed. X. 1758. 

Ledermüller, Microsc. Gemüths- und Augenergötz. Taf. 88. Fig. M. 1760. 
Brachionus digitalis, Pallas, Elench. Zoophyt. 1766. p. 104. 
Vorticella digitalis, Linne, Systema Naturae, ed. XII. 1767. 

Afterpolyp der gezüngelten Naide, Müller, Würmer des süssen u. salz. Wassers, 1771. p. 71. 

Vorticella digitalis {ringens? und inclinans? 1773), Müller, Animalc. Infusor, p. 327. Tab. XLVI. Fig. 6. 1786. 

Vorticella digitalis, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 124. 1803. 

Campanella, Goldfuss, Handbuch d. Zoologie, 1820. p. 71. 

Bigitalina Roeselii, 1 BoRy DE gT< V i NC ent, Dict. class. und Encyclop. meth. Vers. 1824. 
— simplex, I 

Epistylis digitalis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 96. 

Aufenthalt: Bei Nürnberg!, Copenhagen!, Landshut, Paris?, Danzig? und Berlin! beobachtet. 

Diese sehr ausgezeichnete Art lebt auf Cyclops quadricornis , dem Wasserfloh, im Sumpfwasser bei Berlin häufig, und 
ist durch ihren geringelten Stiel nur mit E. nutans verwandt, welche auf Wasserpflanzen lebt. Sie überzieht den Cyclops zuweilen 
ganz, doch scheint sie nicht für ihn tödtlich zu seyn. In ihren Bäumchen nistet, wie ein Vogel im Pflanzenstrauche, die Notommata 
Petromyzon, ein grosses Räderthier, welches seine Eier, die grösser sind als die erwachsene Epistylis, an deren Zweige heftet 
und die Thiere vom eigenen Baume frisst. Oft sind die Sträucher sehr dicht und stark verästet, man findet sie aber in allen Ent- 
wickelungsstufen neben einander, oft auch einfach auf sehr kurzen Stielen. Der Spalt im Vordertheil, welchen die früheren Beobach- 
ter hervorhoben, ist nur der Mund bei der Seitenansicht. Obwohl ich früher im Zweifel war, ob es nicht doch wimperlose Formen 
gebe, die in die Gattung Digitalina passen, so bin ich doch jetzt überzeugt, dass der Character jener Gattung nur auf Mangel an 



2§4 



Beobachtung beruht. Die Gattung Campanella ist in Carchesium und Epistylis zerlegt. Ledermüilers Figur ist wahrschein- 
lich nur eine freie Copie von Rösel, und mit Unrecht von Bory zur besondern Art erhoben. Nach Mülier (8. Novemb. 1784) 
sollen zuweilen mehr als 2 Köpfe auf einem Stiele sitzen (?). Schrank fand sie bei Landsbut auch an den Stratio?nys-1uurvea 
und an Ceratophyllum , verwechselte aber vielleicht andere Arten. — Farbestoff wurde leicht aufgenommen, und ich zählte bis 15 
ziemlich grosse Magenzellcn. Die Sexualorgane sind noch nicht direet erkannt, obwohl es nur an Aufmerksamkeit dafür fehlen mochte. 
Sclbsttheikng und Ablösen der Körper sind beobachtet. Ich zählte früher die auf Tafel LXIII. Fig. III. und Tafel LXIV. Fig. I. 
abgebildeten, auf Brachionen sitzenden, Formen hierher, doch bin ich jetzt geneigter, sie für eine neue Art von Carchesium zu 
halten, welches ich in diesen Tagen erst auf Cyclops t/uadricornis recht schön entwickelt fand (s. C. pygmaeum im Anhang zur 
Familie). — Körpergrösse V24 — V20 Linie; Bäumchen bis 3 / 4 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVIII. Fig. IV. 

Fig. 1. ein stark verzweigtes Bäumchen; Fig. 2. Krallenforin, beide mit Indigo genährt; Fig. 3. junge einfache Thiereben. Vergrösserung 300mal 
im Durchmesser. 

Auf Tafel L. Fig. VII. ist das Eierlegen der Notommata in diese Sträucher dargestellt. 

403. Epistylist nutans, nickendes Sänlenglöckchen. Tafel XX IX. Fig. I. 

E. corpore parvo ovato, utrinque attenuato, ore distinetius bilabiato, labiis prominulis, corpore stipiteque annulatis, 
fruticulosa. 

Episty lide flechissante, a corps petit ovale, aminci aux deu& bouts, ayant la bouche a deuoc 
levres tres- distinetes et saillantes et le corps, ainsi que tont le pedicule rametix, annale. 

Epistylis nutans, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1831. p. 96. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte diese Art am 17. Aug. 1831 auf Wasserpflanzen bei Berlin, und beobachtete sie sehr zahlreich wieder am 
11. Juni 1832 auf Myriopliyllum und am 30. Januar 1835 auf Hottonia palustris unterm Eise. Vor wenig Tagen, am 7. Sept. 
1837, fand ich sie wieder mit Carchesium polypinum und Fort, nebulifera auf Ceratophyllum. Diese Form hat viele, von den 
andern stark abweichende, Eigenthümlichkeiten im Baue ihres Organismus. Ihre Stirn ist beweglich, wie bei Opercularia, kann aus- 
und eingestülpt werden, ohne jedoch hinten sich in die Höhe zu heben, und ohne sichtbaren stielartigen Längsmuskel. Sie ist eine of- 
fenbare Oberlippe, welcher eine eben so grosse ausstülpbare Unterlippe entspricht, und zwischen beiden kann das Thier eine Blase her- 
vorschieben, wie (si parva licet componere magnis) ein Kamcel sein Gaumensegel. Die ganze Stirn kann eingezogen werden. Ue- 
berdiess sind im ersten Magen (Schlundkopfe?) 3 — 4 bewegliche Falten, Wimpern oder vielleicht Zähne. Endlich hat es keine band- 
artige männliche Sexualdrüse, sondern eine fast kugelartigc eiförmige. Es hat, wie Müllers Vortic. inclinans, überdiess die son- 
derbare Eigentümlichkeit, bei der Contraction des Körpers sich krumm zu biegen und mit dem starren Stiele einen Haken zu bilden. 
Der Körper ist auch in der grössten Ausdehnung birnförmig, fast spindelartig, hat sehr feine gekörnte Ringe, mehr als 20 Magenzel- 
lcn und eine sehr deutliche runde contractile Sexualblase. Eier Hessen sich nicht unterscheiden. Ich sah Sclbsttheikng und Knospen- 
bildung. Vielleicht stellt diese Art richtiger bei Opercularia, oder verlangt einst eine besondere Gattung. — Körpergrösse bis Vsg 
Linie; Bäumchen 1 / 2 — 3 U Linie, meist sehr schön dichotomisch. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIX. Fig. I. 

Fig. 1. ein grösseres ganzes Bäumchen mit Carmin genährt. Fig. 2. ein kleineres mit Indigo genährt, in der dritten Theilung begriffen, bei X eine 
Knospe, die sich dann ablöst und frei wird, bei ° ein verlassener Stiel. Fig. 3. ist dasselbe in der Contraction; alle 300mal vergrössert. Fig. 4—9. 
sind Thiere in allmälig abnehmender Ausdehnung. In gleicher Folge ist bei den 3 ersten die männliche Sexualblase abnehmend. Fig. 6. hat in der 
Mitte noch 4 grosse innere Borsten, wahrscheinlich um bald als Krallenform aufzutreten; alle haben die grosse rundliche Drüse und die 3 — 4 Magen- 
oder Schlund- Wimpern. Sonach wäre von da bis zur Lippe die Rachen- oder Mundhöhle. Fig. 7. mit warzenartigem Vordertheil und ausgedehnter 
Sexualblase. Fig. 8. bei der Contraction über den Stiel gestülpt, was selten geschieht; hei s die Sexualblase, bei t die männliche Drüse. Fig. 9. 
hakenartig umgebogen. 

404. Epistylis Botrytis, Botrytis -Säulen^löckcnen. Tafel XXVII. Fig. rv. 

E. corpore minimo ovato albo, fronte eiliis coronata, corpuscnlis in stipite hyalino simplici aceryatis capituliformibus. 

Episty lide Botrytide, a corps tres-petit ovale, blanc , ayant le front couronne de eils et les cor- 
puscules en grappe serrce sur un pedicule hyalin sinvple. 

Vorticella iners, Schrank? Fauna boica, III. 2. p. 127. 1803. 

Anthophysis solitaria, Bort de St. Vincent? Encyclopedie method. 1824. 

Epistylis Botrytis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 95. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht bei Landshut und Paris. 

Ich beobachtete diese sehr kleine und niedliche Art am 15. Aug. 1831 an Ceratophyllum, sah sie aber nie an todten Cy- 
clops- Leibern, wo Schrank eine ähnliche Art fand. Bory's vielleicht gleiche Form, die er aber von den Infusorien ausschliesst 
und in faulem Wasser fand, war mir unbekannt, als ich den Namen gab; der erste Name wäre E. iners. Gruithuisen hat 1812 
auch unter dem Namen Traubenthierchen in seinen Beiträgen z. Physiognosie Taf. II. Fig. 18 — 22. eine Form abgebildet, die 
man hierher ziehen könnte, allein ich halte sie für eine Uvella mit zufälligem Anhange. Die Körperchen sind um % grösser als die 
der folgenden Art, und ich glaubte mich durch Indigo völlig zu überzeugen, dass sie einen Wimperkranz führten. Ich zählte 2 — 10 
Thierchen auf einem Stiele, und der Stiel schien auch oben nicht verzweigt zu seyn. Diese Bildung hat mich veranlasst, die einfach 
gestielten starren Vorticellen nicht von Epistylis so abzusondern, wie die einfachen schnellenden von Carchesium abgesondert sind, 
da diess eine Mittelform ist, die einen physiologischen Uebergang bildet. Bei der folgenden Art findet dasselbe statt. Will man hier 
trennen, so muss man sogleich nutzlos 3 Gattungen aus der einen machen. Die Körperchen lösten sich ab und Hessen den leeren Stiel 
zuletzt übrig. Dunkle Punkte im Innern mochten mit Farbe erfüllte 3Iagen seyn. Die Kleinheit erlaubte damals keine schärfere Auf- 



385 



fassung, und neuerlich ist sie nicht wieder vorgekommen. — Grösse des Körpers bis »/aoo Linie, des Bäumcliens Vau Linie. Form der 
Schimmelgattung Botrytis. — Die Jungen der grösseren Arten mögen oft dieser ähnlich seyn. 

Erklärung der Abbildungen Ta f. XXVII. Fig. IV. 

Es sind 3 Bäunichen bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers dargestellt. 

405. JEpistylis? vegetans, pflanzenartiges Säulenglöckcheii. Tafel XXVII. Fig. v. 

. E. corpore minimo ovato, albo, fronte eiliis (?) coronata, corpusculis in pediculo flavicante ramoso acervatis, capitatis. 

Epistylide vegetante, a corps tres-petit ovale, blatte, ayant le front couronne de eils (?) et lets cor- 
puscules en grappe serree sur un pedicule jaune et souvent rameuoc. 

Folvox vegetans, Müller, Animalc. infus. 1786. p. 22. Tafel m. Fig. 22 — 25. 

Volvox Sphaerula, Schränk, Oberdeutsche Beiträge, 1787. p. 141. Taf. 2. Fig. F. Briefe an Nau, 1802. Taf. I. Fig. 12.? 

Conferva divergens, BothY Catalecta botan. III. p. 180. 1801. nach Bory. 

Vorticella Volvox, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 125. 1803. 

Anlhophysis Mülleri, I D „ „ . L, 

r J ... ' > Bory de St. Vincent, Dict. class. 1822. Encycloped. meth. 1824. 
— dienotoma, t 

Epistylis vegetans, Äbhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 95. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Landshuf, Liittich, Berlin!. 

Müller beobachtete diese Form im November 1779 und 1780 im Flusswasser bei Copenhagen, ausführlich beschrieben sie 
dann Schränk aus Baiern und Bort aus Belgien. Wahrscheinlich ist diese Form manchem neueren Beobachter vorgekommen, wel- 
cher das Lebendigwerden der Atome der Pflanzenfaser direct zu sehen gemeint, denn das plötzliche Umdrehen und rasche Fortschwim- 
men dieser kleinen, erst festsitzenden, dann den Monaden ganz ähnlichen, Körper ist allerdings überraschend. Wer aber viele Vorticellen 
beobachtet hat, dem ist es keine neue täuschende Erscheinung. Schrank fand sie an Schneckenauswurf, Bory im Herbst in den beimi- 
schen Canälen und überwinterte sie. Er theilte sie in eine kleinere und grössere Art, die ich aber für nicht verschieden halte, da ich 
auch verschiedene Grössen sah. Ob, wie Bory aus Original -Exemplaren auf Glimmer erkannte, Roth's Conferva divergens die 
leeren Stiele dieser Art sind, bleibt zu beachten. Bei Berlin fand ich sie auf Ceratophyllum zuweilen sehr häufig, besonders am 
15. Aug. 1831. Färbte ich das Wasser mit Indigo, so entstände« an allen Köpfchen starke Strömungen, und es liess sich ein Wir- 
belorgan an jedem einzelnen Körperchen erkennen. Ob aber diess Organ ein Wimperkranz oder ein einfacher Rüssel war, blieb zwei- 
felhaft. Auffallend war, dass sich hinter allen Köpfchen dicke Farbe äusserlich anhäufte. Auch in den kleinen Körpern schienen dunkle 
Pünktchen, gefüllte Magen, zu entstehen. Oft lösten sich einzelne Thierchen, nie aber ganze Röschen ab, welches letztere Müller 
und Bory behaupten. Sollte das Wirbelorgan ein einfacher Rüssel seyn, so würde die Form an Uvella und die Monaden anzu- 
schliessen seyn und dort eine besondere Gattung und Abtheilung bilden; allein die nahe Verwandtschaft der vorigen, wo die Wimpern 
mehrfach erschienen, lässt mich daran zweifeln. — Körpergrösse bis V288 Linie; Stiel doppelt so dick als ein einzelner Körper; Bäum- 
chen bis V12 Linie. — Vielleicht beschrieb schon Leeuwenhoek 1695 diese Art (Arcati. Nat. Contin. Epist. 96. p. 34.). 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVII. Fig. V. 

Es ist eine Gruppe verschiedener Formen bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers. 

406. Epistylis f parasitica, schmarotzendes Säulenglöckchen. Tafel XXVII. Fig. VI. 

E. corpore parvo conico - campannlato , solitario, pedicello simplici, laevi. 

Epistylide Parasite, a corps petit, conitjue, campanule , solitaire, ayant le pedicule simple lisse. 

rortkclla parasitica, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa, Tab. III. Fig. 10. 1828. Abhandl. d. 

Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 18. 
Epistylis parasitica, Symbolae physicae, Text 1831. Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 95. 

Aufenthalt: Bei Sues im rothen Meere. 

Ich sammelte diese Form auf meiner afrikanischen Reise mit Dr. Hemprich bei Sues an Zoobotryon pellucidus, einer 
Halcyonellen-Form des rothen Meeres, welche man bisher als Valonia unter den Algen verzeichnet hat. Ich habe an den in Wein- 
geist aufbewahrten Exemplaren des letzteren noch einige Specimina wiedergefunden und danach die auf der Reise entworfene Abbildung, 
welche in den Symbolis gegeben ist, ergänzt. Die Form ähnelt sehr einem Gomphonema, allein die faltigen biegsamen Körper spre- 
chen dagegen. — Körperlänge V48 Linie; ganze Länge V10 — % Linie. (Vergl. Vortic. Physaliae im Nachtrag.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXVII. Fig. VI. 

Es sind 6 Exemplare in verschiedener Form bei 300maliger Linearvergrösserung dargestellt. 

4©?. Epistylis arabica, arabisches Säulenglockchen. Tafel xxvn. Fig. yn. 

E. corpore parvo ovato -campanulato, hyalino, pedicello parce ramoso laevi hyalino. 

Epistylide arabique, a corps petit, ovale, campanule , blanc, ayant le pedicule peu rameaa>, lisse 
et hyalin. 

Voriicella arabica, Hemprich u. Ehrenbers, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab. III. Fig. 9. 1828. Abhandl. der 

Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 18. 
Epistylis arahica, Symbolae physicae, Text 1831. Fol. c. ß. 2. Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 95. 

Aufenthalt: Bei Tor im rothen Meere. 

Ich beobachtete diese Form im December 1823 an den Analborsten der Serpula sanguinea, eines Ringelwurmes des 
rothen Meeres. Folgendes habe ich damals im Tagebuche lateinisch niedergeschrieben: „Ich sah 2, 3, nie über 5 Thierchen baum- 
artig vereinigt. Alle Theile waren farblos {Jiyalinae), im Körper war ein netzartiges Gewebe. Der obere Rand war mit sehr zarten 

*2 



2§6 



wirbelnden Wimpern ausgezeichnet. Sonst sali icli keine Bewegung, ausser etwa zuweilen ein zweifelhaftes Schwanken des ganzen Bäum- 
chens. Grösse des Bänmchens */ia Linie." Nach der entworfenen Zeichnung betrug das Köpfchen % bis Vi < lesä Ganzen, also V48 
Vse Linie, und die Magenzellen sind deutlich angezeigt. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXYII. Fig. VII. 

Es sind nach den in Tor gefertigten Zeichnungen 2 Bäumchen bei 80maliger Vergrösserung dargestellt. (Vergl. Epistylis Anastatica.) 



Nachtrag zur Gattung Epistylis. 

Ausser den hier verzeichneten 12 Arten sind vielleicht noch 4 — 5 schon beobachtet, welche mir nicht anschaulich wurden. 
Schon 1703 zeichnete Leeuwenhoek eine büschelartige Form mit einfachen Stielen auf Lemna, die man freilich für eine schnellende 
Vorticella nefailifera zu halten sehr eingeladen wird, deren Bewegung er aber nicht angezeigt hat. Von Rösel's Abbildungen sind 
die meisten unter den hier verzeichneten, von mir beobachteten, Arten wohl ziemlich sicher untergebracht, aber die Vorticella berbe- 
rina Taf. 99. nicht erwähnt. Sie könnte eine besondere, sich durch nach oben erweiternde Stiele auszeichnende, auf Wasserkäfern 
lebende, Art der Gattung Epistylis seyn. Allein seit ich die Opercularia beobachtet habe, bei welcher Rösel auch den Stiel irrig 
nach vorn erweitert gezeichnet hat, möchte ich diesen Character der Zeichnung dem Thicre mit Sicherheit um so weniger beilegen, als 
es physiologisch nicht wohl erklärlich ist, wie eine solche Bildung des Stieles nicht knotenartige Erweiterungen an den Theilungsstellen 
bedingte, die doch Rösel nicht gezeichnet hat. Ich halte demnach die Auffassung nicht für gelungen und bemerke nur, dass vorzugs- 
weise aus dieser Form Goldfuss seine Gattung Campanella gebildet, und dass Bory sie als Dendrella berberina und auch als 
Digitalina simplem bezeichnet. Müller' s Vorticella inclinans, limacina, fraxinina und crataegaria, besonders letztere, 
könnten junge oder selbstständige Arten seyn, auch Schrank's V. acinosa der Waffenfliegen-Larve, die ich oft immer umsonst 
gesucht, ist weiter zu vergleichen, und endlich ist die von Jürine (Histoire des Monocles 1820) auf Cyclops Castor beobachtete 
langeylindrische, vielleicht zu E. digitalis gehörige, Form, und die von v. Olfers an den Knoten der Senkfäden bei Physalia Are- 
thusa beobachtete Vorticelle (Abhandl. d. Berk Akad. d. Wiss. 1831. p. 171, 184. Taf. II. Fig. 8.) hier zu vergleichen, denn letz- 
tere war wohl, weil sie sich in Weingeist erhält, keine contractile Art (vergl. E. parasitica). Der Brachionus cernuus von Pal- 
mas 1774 war keine Vorticelle, vielleicht eine Sertularia oder Clytia. In Baker s Strausspolypen (Clustering Polypes) finde 
ich das Carchesium polypinum mit grösseren Thieren, das Zoothamnium mit kleineren Thiercn, und eine dritte unklare Form, 
welche Müller Vorticella luberosa nennt, die aber nicht Acineta tuberosa, sondern eine wirbelnde Form war. Ob diese eine 
Epistylis gewesen, bleibt zweifelhaft, er erwähnt nichts von der Starrheit des Stieles, spricht aber kurz zuvor vom Zusammenschnel- 
len der andern. Bory, welcher diese 1824 Volverella astoma nennt und ganz wie eine Epistylis beschreibt, will sie in Ostpreussen, 
bei Marienwerder und bei Brüssel gesehen haben, verwechselte aber ohne Zweifel eine wahre Epistylis mit der ihm vielleicht auch vor- 
gekommenen Acineta des Salzwassers, wie er auch aus Bakers Zoothamnium seine starre Dendrella Bakeri bildet, während Ba- 
ker das Zusammenschnellen des Stieles ausdrücklich anzeigt. Nach meiner dringenden Vermuthung ist sogar Rösel's Deckelpolyp 

nnd Berberspolyp ein und derselbe Körper Da die 7, zu Epistylis vorzugsweise gehörigen, Gattungen: Anthophysis {Dict. 

classic 1822.), Dendrella, Digitalina, Mespilina, Myrtilina und Volverella von Bory (Eucycloped. meth. 1824.), und die 
Gattung Campanella von Goldfuss (Handb. d. Zoologie, I. 1820.) nicht aufgenommen werden konnten, so folgt hier die Ueber- 
sicht ihrer Synonyme: I. Anthophysis: 1) A. dichotoma (1822) = Epistylis vegetans; 2) A. Miilleri (1822) — E. ve- 
getans; 3) A. solitaria (1824) = E. Botrytis?, üvella?. II. Campanella: 4) C. berberina (1820) = Opercularia ar- 
ticulata?; 5) C. umbellaria (1820) = E. flavicans. III. Dendrella: 6) D. Bakeri (1824) = Zoothamnium Arbuscula? ; 
7) D. berberina (1824) == Opercularia artic; 8) D. geminella (1824) = Gomphonema truncatum; 9) D. Lyngbyi (1824) 
== Gomphonema truncatum; 10) D. Mougeotii (1824) = Gomph. olivaceum; 11) D. Miilleri (1824) = Zoothamnium Ar- 
buscula? ; 12) D. styllarioides (1824) = Gomph. truncat. IV. Digitalina: 13) D. anastatica (1824) = Epistylis 
Anast.; 14) D. Roeselii (1824) = Epist. Digitalis; 15) D. simplem (1824) = Epist. Anastat J . V. Mespilina: 16) 
M. [umbellata] (1824. p. 245.) = Epist. flavicans?. VI. Myrtilina: 17) M. crataegaria (1824) = Epist. Anastat. 
jung?; E. n. sp.? ; 18) M. fraxinina (1824) [fraxinea: Dict. classiq. 1826.] = Epistylis?; 19) M. limacina (1824) = 
Epistylis? jung, Carchesium pygmaeum? . VII. Volverella: 20) V. astoma (1824) = Epistylis Anastat.? und Acineta 
tuberosa?. — Die Bäumchen der Epistylis lassen sich auf Glimmer gut aufbewahren, und ich besitze die meisten Arten in meiner 
Sammlung. 



DREIUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: SCHIRMGLÖCKCHEN. 

Opercularia. Operculaire. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum, pedicellum rigidum spontanea imperfecta divisione ra- 
mosum excernens, corpusculis pedicellatis dissimilibus, plurimis bilabiatis, labio superiore ob 
musculum fulcientem umbraculiformi. ( = Epistylis corpusculis dissimilibus.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Vorticellines, poussant un pedicule raide et rameux par 
la division spontanee impaff aite, ayant les corpuscules pedicules de differentes 
formes, la plüpart ä deux levres, dont la superieure, portee par un muscle, est en 
forme de parasol, ( = Epistylide h corpuscules de differenle fortne.) 



3W 



Die Gattung der Schirmglöckchen ist in der Familie der Glockenthierchen durch Ausscheiden ei- 
nes starren, in Folge unvollkommener Selbsttheilung baumartigen, Stieles characterisirt, dessen gestielte 
Körperchen verschiedene Formen haben, wovon aber die Mehrzahl zweilippig ist mit einer schirmartig von 
einem Muskelstiel getragenen Oberlippe. Es sind Säulenglöckchen mit doppelgestaltigen Körpern. 

Die Gattung Opercularia bildete Oken 1815 und gab ihr den Namen Ticket. Goldfüss gab 1820 
den Namen Opercularia articulata. Es scheint nur Eine Art der Gattung bisher beobachtet zn seyn, ob- 
wohl die Darstellung sich auf 2 vertheilen liesse. Die erste Entdeckung dieser Form machte Frisch 1730 
in Berlin, indem er an dem grossen schwarzen Wasserkäfer, Hydrophilus piceus, immer im Frühjahr 
einen zähen weissen Schimmel bemerkte und beschrieb. Arderon fand sie nach Baker wohl 1745, und 
dessen, den deckelartigen Fangapparat bewundernde, detaillirte Beschreibung wurde bald darauf von Bösel 
1755 nach neuen Beobachtungen mit musterhaften Zeichnungen vermehrt und übertroffen. Bösel scheint 
dasselbe Thierchen im contrahirten Zustande als berbersbeerförmigen Afterpolypen noch einmal be- 
schrieben zu haben. Linne nannte es 1758 Hydra opercularia, Pallas 1766 Brachionus operculalus 
und Linne 1767 Forticeila opercularia. Müller hat es nicht gesehen und nicht in sein System aufge- 
nommen. Eichhorn beobachtete es bei Danzig wieder 1775, und Schrank bis 1803 bei Landshut. Nach- 
dem Oken und Goldfüss es schon in besonderer Gattung abgegrenzt hatten, gab Bory de St. Vincent 1824 
den andern Gattungsnamen Operculina und theilte die Form in 2 Arten nach den vorhandenen Abbildungen. 
Erst 1835 wurde sie von mir in den Abhandl. d. Berl. Akad. als besondere Gattung aufgenommen. — Die 
Organisation ist seit 1835 ziemlich ausreichend ermittelt. Der Bewegungsorganismus bestellt, ausser dem 
Wimperkrauze der Stirn, in einem tief in den Körper hinabreichenden Längsmuskel, welcher die Stirnebene 
nach Art einer Oberlippe in die Höhe schieben und herabziehen kann. Dabei wird im Heraufschieben der 
Mund weit aufgesperrt. — Der Ernährungsorganismus ist überraschend deutlich und eigenthümlich. Bei In- 
digonahrung sieht man das Erfüllen vieler runder Magenzellen in Gürtelform durch den einfachen seitlichen 
grossen Mund neben der Stirn, einen deutlichen Darmkanal, der wieder zum Munde umbiegt, wo das Un- 
verdaute auch ausgeworfen wird. — Der Sexualorganismus ist als hermaphroditisch in beiden Theilen er- 
kannt. Ein Eierstock liegt im hintern Körper als Körnermasse. Die männliche Drüse ist nicht bandartig, 
sondern kugelförmig?, und eine contractile runde Blase vorhanden. Ueberdiess ist Selbsttheilung und freie 
Ablösung der Körper vom Stiele zu beobachten. Sehr überraschend aber ist, dass es unter den gewöhnli- 
chen Körpern immer, besonders in den Achseln der Zweige, einzelne sehr viel grössere giebt, und dass noch 
grössere eiartige, 4- bis 5mal die übrigen übertreffende, mit an der Spitze verdickten Haaren besetzte Kör- 
per dasind, die nur eine kleine runde, nicht wirbelnde, Oeffnung haben. Letzteres könnten parasitische 
fremde Körper seyn, ersteres nicht, und die Analogie der folgenden Gattung nöthigt auch hier zur Berück- 
sichtigung dieser Bildung. Gefässe und Nerven sind noch nicht beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Gattung und einzigen Art ist bei Berlin, in England, bei Nürn- 
berg, bei Danzig, bei Landshut und vielleicht bei Paris beobachtet. 

408. Opercularia articulata, gegliedertes Schirmglöckcben. 

O. arbusculis 2 — 3 linearibus, albis, dichotomis. 

Operculaire articulee , h forme d' arbrisseau de 2 — 3 lignes de hauteur, blanc et dichotome. 

Schimmel auf dem grossen schwarzen Wasserkiifer , Frisch, Beschreib, von allerlei Insecten Deutschlands, bis 1738. Heft IV. p. 32. 

Clustering Polypes, Arderon bei Baker, Einployment of the microsc. p. 351. Tab. XIII. Fig. 13, 14. 1752. Deutsch p. 442. 

Der Afterpolyp mit dem Deckel, Rösel, Insectenbelustig. III. p. 609. Taf. 98. Fig. 5 — 6. 1755. 

Der berhersbeerförmige Afterpolyp, Rösel? ebenda p. 413. Tafel 99. 

Hydra opercularia und berberina? , Linne, Systema Naturae, editio X. 1758. 

Brachionus operculalus und berberiformis? , Pallas, Elenchus Zoophyt. 1766. p. 104!, 103?. 

Vorticella opercularia und berberina? , Linne, Systema Naturae, editio XII. 1767. 

Polyp mit der Klappe, Eichhorn, Beiträge z. Naturg. d. kl. Wasserth. p. 85. Taf. VII. Fig. T. U. 1775. 
Vorticella opercularia Linnei, Müller, Naturforscher, IX. Eichhorn's Synonyme, p. 214. 1775. 
Forticeila opercularia, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 122. 1803. 
Opercularia articulata, l 

Campanella berberina, > Goldfüss, Handb. d. Zoologie, I. 1820. p. 71, 72 , 73. 
Valuularia bilineata, 1 

Operculina Roeselii und Bakeri, Bort de St. Vincent, Encyclopedie methodique, Vers. 1824. 

Opercularia articulata, (Isis 1834. p. 1201.) Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 174. 

Aufenthalt: Auf dein Festlande Europa's sehr verbreitet und in England beobachtet. 

Erst im Frühjahre 1835 gelang es mir, diese sehr ausgezeichnete Form bei Berlin auch kennen zu lernen. Ich fand sie auf 
einem Dyticus märginatus, dessen Hintcrtheil und Schenkel wie mit Schimmel überzogen schienen. Seitdem habe ich sie am 7. März 
1836 auf Hydrophilus piceus und am 10. April 1837 noch unterm späten Eise auf Dyticus märginatus wiedergefunden. Nie sah 
ich sie an Wasserpflanzen. Sie nahm sehr leicht Carmin und Indigo auf, und zeigte dabei eine ganz eigentümliche Vertheilung der 
Magenzellen und des Darmkanals im Körper. Es füllten sich nämlich bis 44 kleine Magen an, welche einen Gürtel in der Mitte des 
Leibes darstellten, hinter dem die Eiermasse lag und vor dem die contractile Blase, die runde Samendrüse und ein grosser Rachen den 
Raum erfüllten. Auch war meist der ganze Verlauf des Darmes durch die Farbe scharf bezeichnet, wie es nur wenig Infusorien er- 



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kennen lassen Da diese Thierchen, wenn sie matt sind, den Deckel nicht hervorschieben und nicht, oder sehr schwach, wirbeln, so 
bin ich der von Rösel gezeichneten runden Samendrüse wegen, sehr geneigt, die Fortieella berberina der Autoren auf diese Form 
mit zu beziehen, zumal da sie gerade so auf dem Opticus lebt, wie ich sie selbst gefunden habe. Sehr bemerkenswert! ist, dass ich 
zuletzt gleichzeitig einen andern Dpi. marg. fand, welcher nur die birnförmigen grossen haarigen Körper in Menge auf dem Hinter- 
theile der Fliioeldecken trug, deren Entwicklung in Bäumchen ich nicht beobachten konnte. Es schien mir sogar, als waren die ge- 
knöpften Haare dieser Körper, welche die früheren Beobachter nicht gesehen haben, einziehbar, und dann könnten diese eine parasiti- 
sche Aeineta vorstellen. Auch sah ich ein starkes grifTelförmigcs Organ nicht fern vom Munde im Innern. (Vergl. Zoothammum.) 

— Der Stiel der Einzeiligere ist nach vorn nicht erweitert, sondern nur der letzte Rand ist etwas breiter, wie cm schmales Mund- 
stück, worauf der Körper sitzt. Uebrigens ist der Stiel sehr fein in die Länge gestreift und zeigt an den Gabelstellcn eine Quecrhnie, 
wie Gliederung. Eigenthümlich ist, dass viele Endthiere nicht bloss der Sclbsttheilung halber breiter sind, sondern in allen 1 heilen 
«rrössere Dimensionen haben, besonders sind die Magenzellen auch viel grösser. Wenn ich solche, die mit Carmin gefüttert waren, in 
klares Wasser brachte und ihnen dann unterm Mikroskope Indigo zntliat, so war der Verlauf des Darmes ganz überraschend zu sehen. 

— Baker, Eichhorn und Schrank sahen ihre Thicre auf Confcrven, andern Wasserpflanzen oder freischwimmend. Es konnte no- 
thig scheinen, uic schon Schrank bemerkt, jene, auch der längern Form wegen, abzusondern, allein nach meinen Beobachtungen bin 
ich nicht dafür, und Bort will auch die O. Roesein auf Pflanzen gesehen haben. — Grösse des ausgedehnten Körpers bis % Linie, 
des Bäumchens 2 — 3 Linien. 

Eine Abbildung konnte nicht mehr aufgenommen werden. 



VIERUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: DOPPELGLÖCKCHEN. 

Zoothafflninm. Zootbamne. 

CHARACTER: Animal e familia Vorticellinorum , pedicellum musculo interno in spirara flexilem et spon- 
tanea imperfecta divisione fruticulosum excernens, corpusculis pedicellatis dissimilibus, ore 
laterali simplice. ( = Carchesium corpusculis dissimilibus.) 
CARACTERE: Animal de la famille des Vorticellines , poussant un pedicule flexible en spirale 
par le moyen d' un muscle inlerne et rameux par la division spontanee impar- 
faite, ayant les corpuscules pedicules de differentes formes mais a bouche laterale 
simple. ( = Carchese ä corpuscides de differente forme.) 
Die Gattung der Do ppelglö ekelten zeichnet sich in der Familie der Glockenthierchen durch Aus- 
scheidung eines spiralförmig biegsamen, mit innerm Muskel versehenen, Stieles aus, welcher durch unvoll- 
kommene Selbsttheilung baumartig wird und auf dem verschieden gestaltete Thierkörper leben. Es sind 
Glockenbäumchen mit doppel gestaltigen Körpern. 

Die Gattung Zoothamnium bildete Bory de St. Vincent 1824, ohne sie selbst gesehen zu haben, 
aus der Vorticella ovifera der Encyclopedie methodique von Bruguieres, in seiner neuen Bearbeitung 
desselben Werkes. Um dieselbe Zeit, 1825, beobachtete ich im rothen Meere bei Habessinien eine Vorti- 
celline, die ich Zoocladium niveum nannte. Diese beiden Formen machen den jetzigen Stamm der Gat- 
tung aus. Die erste Kenntniss solcher Körper hatte nicht, wie Bory, durch einen Schreibfehler bei Modeer 
verleitet, wo Spallanzani statt Needham steht, angiebt, Spallanzani bei Brüssel, sondern Trembley im 
Haag 1744, welcher sie 1746 als Polypes ä bulbe auch in Needham's nouvelles decouvertes microsc. so 
ausführlich und umsichtig beschrieb, dass seine Beobachtungen die grösste Aufmerksamkeit der Physiologen 
erregten. Baker scheint sie 1752 als gemeinste Strausspolypen in England gekannt zu haben. Erst 
1755 beschrieb sie Dr. Brady aus Brüssel, der Leibarzt des Prinzen von Lothringen, als sensible Pflanze 
mit pomeranzenartigen Früchten. Pallas nahm diese Form 1766 als Brachionus Anastalica auf, und 
Linne zog jene Beobachtungen, mit der von De Geer, 1767 zu seiner im Anastatica, die er dann Vor- 
ticella Anastatica nannte. Müller nannte diese Körper seit 1773 Vorticella racemosa, verwechselte 
sie aber mit Epistylis Anastatica. Eichhorn beschrieb sie 1775 unter dem Namen der Baum. Den Na- 
men Vorticella ovifera, welcher von Linne's gleichnamigem fusslangen Encrinus ganz verschieden ist, gab 
Modeer 1790, und von ihm hat ihn Bruguieres entlehnt. Modeer nannte nur Trembley's und Eichhorn s 
Thierchen so, dagegen Brady's Bäumchen Vort. racemosa nach Müller. Derselbe letztere Name wurde 
von Lamarck 1816 beibehalten. Erst Bory de St. Vincent änderte 1824 den Gattungsnamen, schloss aber 
die Form von den Infusorien aus und stellte sie zu seinen Psychodien. Im Jahre 1828 wurde in den Sym- 
bolis physicis eine neue Art als Zoocladium der Infusorien abgebildet, und im Text 1831 für die ältere 
Art der Name Zoocl. Arbuscula nach Eichhorn vorgezogen, der auch in den Abhandl. der Berl. Akad. d. 
Wiss. 1831 beibehalten wurde. Hier ist der Name Zoothamnium, weil er der früher gegebene ist, für 
die Gattung aufgenommen. — An Organisation ist Folgendes, aber nur an Einer Art, ermittelt. Ein Kranz 
von Wimpern um die Stirn bildet das Bewegungssystem des Körpers, und ein besonderer Muskelstrang 



28$ 



verläuft in allen Zweigen und im Stamme des Stieles. — Als Ernährungsorgane sind viele runde Magenzel- 
len durch Farbenahrung ausser Zweifel gestellt, auch die vereinte Mund- und Auswurfsöffnung direct er- 
kannt; der verbindende Ernährungscanal ist nicht anschaulich geworden. — Die Fortpflanzungsorgane, Ge- 
fässe und Nerven sind noch nicht sicher ermittelt, aber einfache und mehrfache Selbsttheilung beobachtet, 
welcher letzteren eine, dieser und der vorigen Gattung eigentümliche, KnoUenbildung vorangeht. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist in Holland, bei Danzig und bei Berlin sicher, und 
wahrscheinlich auch in England, überdiess im südlichen rothen Meere beobachtet. 

409. Zoothamnium Arbuscuta, baumartiges Doppelglockchen. TafelXXlx.Fig.il. 

Z. arbusculorum ramis racemoso-umbellatis, animalculis candidis, pedicellis crassitie insignibus. 

Zoothamne Arbrisseau, a rameaux des arbrisseaux en grappe ou enombette, les corpuscules blancs, 
les pedicules tres-gros. 

Polype h Bwlbe, Trembley, Philo s. Tr ansäet. Nr. 484. Vol. XLIV. p. 627. Tab. I. Fig. 7 — 9. (1744.) 1747. 

Clnstering Polypös, Baker, Employment of tlie Microscope, 1752. 

Plant indued with sensibilily, Brady und Mitchell Philos. Transact. Vol. XLIX. p. 249. Tab. VII. Fig. 1—6. 1756. (1755.) 
Polypes a bulbe, Bonnet, Considerations sur les corps organises, 1762. Artik. 201. ist nur nach Trembley. 
Brackionus Anastatica, Pallas , Elench. Zoophyt. 1766. p. 99. 
Vorticella Anastatica, Linne, Systema Naturae, editio XII. 1767. 
Vorticella racemosa, Müller? Vermium fluv. hist. 1773. p. 140. 

Der Baum, Eichhorn, Beiträge z. Kenntniss d. kl. Wasserthiere, p. 31. Taf. II. Fig. K. nicht Taf. V. 1775. 

Kluse -Snurreren, Müller, Act. nov. Havniens. 2. p. 252. Tab. I. Fig. 5. a. b. 1780. Animalc. infus. 1786. p. 330. Tab. XLVI. 

Fig. 10—11. 

Alberetti animali altera spezie, Colombo, Osservaz. microscop. in Giornale della medicina, Venez. 1787. Deutsch p. 41. 
Vorticella ovifera und racemosa, Modeer, Abhandl. der schwed. Akademie d. Wissensch. 1790. XI. p. 238. und XII. p. 16. 

Zoothamnia ow/ero, » Bory de St. Vincent, Encyclopedie methodique, Vers. 1824. Zoothammia, Dict. classiq. 1831. Tab. expl. 
Dendrella Müllen, ( 

Zoocladium Arbuscula, Hemprich u. Ehrenber&, Symbolae phys icae. Evertebrata I. Phytozoa. Text 1831. Abhandl. der Aka- 
demie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 94. Isis 1834. Bory's Synonyme p. 1216. 

Aufenthalt: Im Haag, in England, bei Brüssel, bei Danzig, in Italien bei Conegliano und bei Berlin beobachtet. 

Das besonders herrliche, einem schönen Federbnsche ähnliche, Bäumchen zeichnet sich sogleich durch die starken Zweige aus, 
hat aber einen wesentlicheren Character vor Carchesium in den knollcnartigen, hie und da meist in den Gabelungen sitzenden, Ku- 
gelt liieren. Die Aeste sind bald rein dichotomisch, bald doldenartig gestellt, und es liegt darin kein Character. Stamm und Aeste 
sind hohl und wahrscheinlich mit einem sehr hellen Muskelstrange erfüllt, den ich nicht speciell erkannte. Die besondern Stiele der 
Einzelthierchen sind viel kürzer als bei Carchesium , und ich sah die Knollen auch schon bei kleinen Bäumchen. Diese letzteren darf 
man freilich nicht mit Räderthier-Eiern im Carchesium verwechseln, die man, so wie ganze Rädert hier e (Notommata Petro- 
mf/zon, Brachionen u. s. w.) oft in allen baumartigen Vorticellinen findet. Tkembiey beobachtete schon 1744 (deutsch p. 521.), 
dass die knollenartigen Anhänge sich theilten und in 24 Stunden durch Selbsttheilung 110 Thiere entwickelten, welche allmäHg von 
der Gestalt der übrigen wurden. An den Enden der Zweige blieben immer grössere Thierchen (wie ich es bei Heteropora der Antho- 
zoen bemerkt habe). Letzteres konnte ich bei grossen Bäumchen nicht bestätigen, aber ich sah es bei Opercularia. Dass zur 
Selbsttheilung eines Einzeltbiercbens 3 / 4 — 1 Stunde (p. 509.) gehört, habe ich auch selbst öfter erfahren. Wenn Trembley die Knol- 
len, den Gallen und Blüthen der Pflanzen gleich, aus den Stielen hervorwachsend angiebt (p. 525.), so habe ich vielmehr beobachtet, 
dass es rückständige Einzelthiere sind, die sich nicht rasch forttheilen, wie die übrigen, sondern dafür dicker werden, endlich aber 
auch sich ablösen. Ich konnte ihre Entwickelung nicht selten, bemerkte aber, dass sie immer etwas unterhalb der Dichotomieen an- 
sitzen. Das Schwesterthier der Knolle hat sich also alsbald nach der Abtheilung von ihr wiedergetheilt und Enkel entwickelt, wäh- 
rend die Knolle (Tante) ohne Selbsttheilung blieb. Wo 2 Knollen binter einander am Stiele unter Einer Gabelung sind, hat das Schwe- 
sterthier sich nur mit Einer Hälfte entwickelt und die Spaltung gehört schon dem Enkeltliiere der untersten Knolle an. Auffallend ist, 
dass schon Linne seine Vort. Anastatica starr nennt und dabei Brady citirt, und dass Müller Brady's Abbildung, welche auch 
Bruguieres copirte,'zu seiner starren Vort. racemosa zieht, deren Selbsttheilung er in Copenhagen sah, obschon Brady die Bieg- 
samkeit ausdrücklich angiebt. Baker's Beobachtung ist nur wegen Kleinheit der Thierchen, deren Wimpern ihm daher unsichtbar 
blieben, hierher gebracht. Er hielt wohl die Knollen für parasitische Thiere, oder Unratb. Pallas sah es selbst in Brüssel, und 
Eichhorn fand es sammt dem Carchesium , das er nicht unterschied, in Danzig. Schrank' s Vort. racemosa von Ingolstadt war 
Epistylis Anastatica. Bory scheint sie nicht selbst gesehen zu haben. Ich fand sie im Sommer auf Ceratopliyllum bei Berlin, 
doch nie häufig. Dass die Bäumchen nicht regelmässig doldenförmig sind, bemerkte schon Trembley, und dass die Knollenthiercheu 
auch einen Wimperkranz haben, sah schon richtig Mitchell mit Brady. Letzterer erkannte auch die zuweilen vorhandene schüssel- 
artige Ausbreitung des Fusses, und vielleicht eine bandartige innere Samendriise des Körpers nach seiner Fig. 2. Ich habe diese orga- 
nischen Verhältnisse theils bestätigt, theils mit neuen Beobachtungen geläutert und vermehrt. Die Resultate sind bei der Gattungscha- 
racteristik angegeben. Schon 1831 gelang mir die Indigoaufnahme in bis 22 Magen zu beobachten. Die Doldenform des Bäumchens 
entsteht, wenn auf die erste Theilung sehr rasch sich andere folgen und dann die Schnelligkeit der Selbsttheilung abnimmt, während 
der Stiel fortwährend ausgeschieden und verlängert wird. Nach einiger Zeit lösen sich alle Thierchen ab, und der kahle besenartige 
Stamm welkt und vergeht. — Körpergrösse bis 1 / 36 Linie; Bäumchen bis 3 Linien; Stiel V* der Körperdicke; Stamm bei der Ver- 
zweigung doppelt so dick als ein einzelner Körper, nach hinten ablaufend. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIX. Fig. II. 

Fig. 1. ein kleines doldenförmiges Bäumchen, 150mal vergrössert, mit Indigo genährt. Fig. 2. ein 300mal vergrössertes Einzelthierchen, bei o der 
seitliche Mund. Fig. 3. ein grösseres, nur 8mal im Durchmesser vergrössertes, Bäumchen in seiner Contraction. Fig. 4. dasselbe ausgedehnt. 

4 10. Zoothamnium niveum, habessinisches Doppelglöckcben. Tafel XXIX. Fig. in. 

Z. arbusculorum ramis brevibus alternis subverticillatis, animalculis niveis ad ramulorum apices acervatis oblongis, non- 
nullis globosis, in trunco sparsis, majoribus. 

*3 



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Zoothamne d'Abyssinie, a rameausc des arbrisseaucc courts, alternes, presque verticilles, les ani- 
malcules blancs, oblongs, serres au bout des rameauoc, quelques uns plus grands, attaches au 
frone, spheriques. 

Zooclndium niveum, Hemprich n. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Pliytozoa. Tab. III. Fig. 6. 1828. Text 1831. Ab- 

handl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 18. 1831. p. 94. 

Aufenthalt: Auf der Insel Massauah der liabessinischen Küste im rotten Meere. 

Ich fand diese Art im Juli 1825 an Steinen auf der Südseite der Insel Massauah im Meerwasser, welche davon wie mit Schim- 
mel überzogen waren. Bei der Berührung zogen sich alle Bäumchen zusammen und verschwanden dem Auge. Da ich sie eine Strecke 
in wenig Wasser bei grosser Hitze zu tragen hatte, so entfalteten sie unter dem Mikroskope die Wirbelkränze nicht mehr. Folgendes 
schrieb ich damals in mein und Hemprichs Reiscjournal in lateinischer Sprache ein: „Der entfaltete Stamm ist 3 — 5 Linien lang, 
nicht selten zweitheilig, farblos, rund mit alternirenden Zweigen. Die unteren Zweige sind oft fadenförmig, nackt, farblos, die oberen 
tragen keulenförmige, vorn abgerundete, nicht eingeschnürte, Wärzchen. Diese Wärzchen (Thiere) sind mit einer flüssigen, feinkörni- 
gen, weissen, dunkeln Masse erfüllt. Bei ausgedehnten Thieren sah ich in der stumpfen Spitze der Keulen eine Oeffnnng. Am Stamme 
zwischen den Aesten sassen einzelne Thierchen von grösserer und runder Gestalt, jeder Zweig schloss mit einem Thierchen. Der ganze 
Stamm zog sich plötzlich in ein weisses Knötchen zusammen und dehnte sich wieder in eine, dem blossen Auge gut sichtbare, Feder 
aus. Die keulenförmigen Thierwärzchen waren dicker als der Stamm und konnten sich einzeln aufrichten, biegen und verschieden be- 
wegen, und sie Helen im Sterben (?) vom Stamme ab." — Körpergrösse bis Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXIX. Fig. III. 

Die Zeichnungen sind von mir in Massauah gefertigt. Fig. 1. natürliche Grösse auf einem Steinfragmente. Fig. 2. ein 20mal im Durchmesser ver- 
grössertes Bäumchen. Fig. 3. dasselbe contrahirt. Fig. 4. verschiedene abgefallene Thierchen, lOOmal vergrössert. 



Nachtrag zur Familie der Glockenthierclien. 

Ein in die Augen fallender, und oft für die frei schwimmenden Einzelthiere zu deren richtigem Beurtheilen führender, Character 
aller Thierchen dieser Familie ist eine zuckende Bewegung in ihrem Körper, welche die Folge von überwiegenden Längsmuskeln zu 
seyn scheint, da sie sich bei den Räder thieren, wo diese deutlich sichtbar sind, auch findet. Nur bei Epistylis Galea und Vor- 
ticella Convallaria glaube ich im Hintertheile des Körpers die Längsfasern direct gesehen zu haben. Mit dieser grösseren Reizbar- 
keit, die dem Erschrecken ähnliche Erscheinungen bewirkt, stimmt auch die grössere Schnelligkeit in den Bewegungen, welche selbst 
die festsitzenden Thierchen in hohem Grade zeigen, sobald sie frei werden. 

Man hat neuerlich (Rud. Wagner) das Ringeln der contrahirten Muskelfasern hei kleinen Thieren geläugnet. Wer den Stiel 
des Carchesium genau ansieht, wird daran, selbst bei diesen polygastrischen Infusorien, nicht mehr zweifeln. (S. Euchlanis triquetra.) 

Merkwürdig ist bei dieser Familie eine Art von Metamorphose, mit der vielleicht sogar eine Häutung verbunden ist, obschon 
ich letzteres nie zu völlig klarer Anschauung erhielt, wie ich es wohl bei Kolpoda Cucullus deutlich sah. Die Metamorphose ist 
nicht zu läugnen, aber sie ist dadurch wesentlich verschieden von der bei den Insecten und Krebsen, dass sie für das Individuum ein 
wiederkehrender, cyclischer Zustand ist. Die Yorticelle entwickelt einen Stiel, theilt sich (und häutet sich?), entwickelt Rückenwim- 
pern, löst sich ab vom Stiele, schweift umher, zieht (nach 2ter Häutung?) die Rückenwimpern wieder ein oder verliert sie, und setzt 
sich fest, um wieder einen Stiel auszuscheiden, einen Stammbaum zu bilden und dasselbe unablässig zu wiederholen. Diese Erscheinung 
hat offenbar ein hohes physiologisches Interesse. Sie ist ein wiederkehrender Verwandlungskreis, eine Rückkehr in einen früheren 
Zustand, dem ähnlich, wenn ein Schmetterling plötzlich seine Flügel nnd Fühler verlöre und wieder zur Raupe würde, um dann wie- 
der Puppe und Schmetterling zu werden, oder wenn ein Greis zum Kinde würde, um seine Laufbahn von Neuem zu beginnen. Es ist 
die physiologisch begründete und wirklich hier vorhandene ewige Verjüngung des alternden Individuums durch den einfachen organischen 
Process der Selbsttheilung. Millionen Theile sterben, einzelne bleiben. Ich habe diese Verhältnisse nie ohne lebhaftes Interesse betrach- 
ten können und nicht absichtlich poetisch ausgeschmückt. Sonach wäre nicht der Baum, sondern die Kcrobalanen-Form der entwickelte 
Zustand der Vorticellinen. Die Corallenstöcke zeigen nicht dasselbe, nicht die Metamorphose, nicht die cyclische Ablösung. 

Die besten Beobachtungen über die so merkwürdige Selbsttheilung und baumartige Monadenstockbildung der Vorticellinen mach- 
ten früher Trembley an Epistylis Anastatica und Zoothamnium Arbuscula, Spallanzani an Vorticella nebulifera und Car- 
chesium polypinum, Baker an Carchesium und Zootliamnium , Colombo an Carchesium polypinum, Zoothamnium, Epi- 
stylis Anastatica und digitalis, Gleichen an Vorticella Convallaria, Müller an Epistylis Anastatica? {Vort. racemosd), 
Gruithüisen an Vort. Convallaria und microstoma (Beiträge zur Physiognosie und Eautognosie, 1812. p. 309. Taf. I. Fig. 16, 
17.). Ich habe sie. an fast allen hier dargestellten Arten noch viel detaillirter beobachtet und 1830 in den Abhandl. d. Berk Akad. 
bei Vort. Convallaria sammt allen Verwandlungen umständlich abgebildet. 

Es sind dieser Familie ausser den hier verzeichneten 8 Gattungen noch 25 Gattungsnamen zuertheilt worden, welche hier aus- 
geschieden und auf folgende Synonyme bezogen sind: 1) Anthophysis Bort siehe Epistylis; 2) Campanella Goldfuss s. Episty- 
lis; 3) Convallarina B. s. Vorticella; 4) Craspedarium Hill s. Vorticella; 5) Cr uterina B. s. Vorticella ; 6) Dendrella 
B. s. Epistylis; 7) Diceratella cornuta B. = Vortic. chlorostigma? ; 8) Digitalina B. s. Epistylis; 9) Ecclissa Modeer 
s. Vorticella; 10) Kerobalana B. s. Vorticella; 11) Linza Schrank s. Stentor ; 12) Macrocercus Hill s. Vorticella; 13) 
Mespilina B. s. Epistylis; 14) Myrtilina B. s. Epistylis; 15) Nummulella Carus s. Trichodina; 16) Operculina B. s. 
Opercularia; 17) Ophrydia B. s. Ophrydium; 18) Rinella B. s. Vorticella; 19) Stentorina B. s. Stentor; 20) Tubaria 
Thienemann s. Stentor; 21) TurbinellaB. s. Urocentrum; 22) Urceolaria Lamarck s. Vorticella; 23) Valvularia Gold- 
fuss s. Opercularia; 24) Volverella B. s. Epistylis; 25) Zoocladium s. Zoothamnium. — Bory's Gattungen sind in die 8 
Familien der Arthrodiees, Vorticellaires , Bursariees , Cercariees , Urodiees, Mystacines, Urceolariees und Trichodiees ver- 
theilt, von denen die ersten 2 in das Psychodien- Reich, die übrigen in das Thier-Reich gestellt sind. 



»91 



Es ist ferner noch einer neuen Art von Carchesium zu erwähnen, welche sich in diesen letzten Tagen ausser Zweifel ge- 
stellt hat und die auch schon von früheren Beobachtern gekannt zu seyn scheint. Ich nenne sie C. pygmaeum. Sie lebt auf Daph- 
nien, Cyclops, an den Kiemen der Ephemer en -Larven und an Brachionen. Sie ist sehr klein, ihr birnförmiger Körper über- 
steigt nicht % Linie, ihr Stiel ist selten 3- bis 4mal so lang. Ihre Bäumchen sind oft 1- bis 3köpfig, selten 4 — 5köpfio;. Auf 
Tafel LXIII. Fig. III. und LXIV. Fig. I. der Räderthierchen ist ihre einfache Form dargestellt. Müllers VorticeÜa piri- 
formis mag wohl dieselbe Form gewesen seyn, auch könnte V. globularia dahin gehören, beide aber nur als die einfache Jugend- 
forin. Ich hielt sie bisher für die junge Epistylis Anastatica. 

Bei baumartigen Vorticellen habe ich neuerlich besonders häufig junge an alten beobachtet und bei Carchesium polypimim 
es so auffallend gesehen, dass sich Müller's Täuschung mit dem Wiederausschlagen leerer Aeste, was er bei V. racemosa p. 331. 
angiebt, wohl erklären lässt. Auch sah ich neuerlich im Sept. 1837 besonders häufig Eier der Notommata Petromyzon in Carche- 
sium -Bäumchen sammt der Mutter sitzen. Sonst sah ich sie öfter in den Epistylis- Bäumchen. Diese muss man nicht für Zoo- 
thamnien-Thiere halten. Dass sich die abgelösten Thierkörper nach einiger Zeit wieder an die leeren Zweige setzten, ist nur ein selt- 
ner Zufall bei einzelnen (s. Müller, p. 330.). Leeuwejvhoek's Beobachtung eines baumartigen Thierchens 1695 und dessen Ent- 
wicklung aus Knötchen gehört schwerlich zu Zoothamnium, wohin es Müller p. 326. zieht. (Vergl. Epistylis vegetans und üvella.) 

Wenn die Theilung der Vorticellen, welche nach Tremblet's und meinen Beobachtungen % — 1 Stunde Zeit bedarf, re- 
gelmässig fortginge, so würden in weniger als 10 Stunden aus einem Thierchen 1000, in 20 Stunden eine Million und in 24 Stunden 
16,776816. Man sieht nun wohl bei einzelnen in 3 Stunden 8, auch, jedoch seltener, in 6 Stunden 64 entstehen, allein es treten 
gewöhnlich immer längere Zwischenräume und bald völliger Stillstand ein, so dass ich nicht viel über 200, in 24 Stunden aus einem 
Carchesium - Thierchen entstehende, Individuen taxire; Tremblet zählte nur 110. Da nun überdiess die Vorticellen viele Eier ha- 
ben, so scheint bei ihnen die rascheste Massenentwickelung möglich zu seyn. Dessenungeachtet sieht man diese Formen nie in so er- 
staunenswerther Menge, als andere Thierchen, deren Vermehrung langsamer, aber allgemeiner und anhaltender ist (s. Paramecium). 



VIERZEHNTE FAMILIE: PANZER - GL 0 CK EN TU IE RCH EN. 

Oplirydina« Oplirydines. 

CHARACTER: Animalia polygastrica, enterodela (tubo intestinali distineto instrueta), oris anique apertu- 
ris discretis in fovea communi unica positis (anopisthia), loricata, solitaria aut aggregata. 
( = Vorticellina loricata.) 

CARACTERE: Animaux polygastriques, solitaires ou agreges, ayant um canal alimentaire 
distinet, une bouche et un orifice de Vanus separes, mais reunis dans une meme et 
seule fossette, le corps enveloppe d'une carapace. ( = Vorticellines h carapace^) 

In der Familie der Panzer-Glockenthierchen vereinigen sich solche polygastrische Thiere, welche 
einen die Magen verbindenden Speisecanal besitzen, Mund - und Auswurfsöffnung gesondert, aber in einer 
und derselben Körpergrube beisammen haben, die mit einer besondern Hülle gepanzert sind und einzeln le- 
ben oder Monadenstöcke bilden. 

Es sind bis jetzt nur 9 bis 11 Arten bekannt, welche hier in 4 Gattungen vertheilt sind: Ophry- 
dium mit 1 Art, Tintinnus mit 2, Vaginicola und Cothurnia jede mit 3 — 4 Arten. Gegründet wurde 
die Familie 1830 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit den 4 Gattungen Carchesium, Ophrydium, 
Vaginicola und Tintinnus. Schon 1831 wurde aber Carchesium zu den panzerlosen Glockenthierchen 
gestellt, indem der Fuss als Muskelscheide mit Unrecht für einen Panzer gehalten worden war, dafür aber 
die Gattung Cothurnia hinzugefügt. Die ersten Formen kannte schon Leeüwenhoek in der Vaginicola 
crystallina 1703. Die Gattung Ophrydium entdeckte vielleicht Linne, sicher Gleditsch 1767 als Pflanze; 
Müller nannte sie Vorticella versatilis. Die Gattung Tintinnus beschrieb Müller 1776 zuerst als Tri- 
choda inquilinus, und die erste Form der Gattung Cothurnia kannten Müller als Trichoda innata und 
Schrank als Tuhularia vaga 1776. Schrank nannte 1802 das Ophrydium: Linza und bildete 1803 die 
Gattung Tintinnus, welche Lamarck 1815 mit seiner Vaginicola verband, neben der er die Gattung Fol- 
liculina bildete. Goldfuss zog 1820 die Vorl. ingenila zur Gattung Limnias. Bory nannte 1824 die 
Linza: Ophrydia, und nahm die Gattungen Vaginicola und Folliculina auf, die er sammt einer neuen 
Gattung Bakerina (einer Mückenlarve) in die 3 Familien Mystacinae, Thikideae und Rotiferae ver- 
theilte. Nach physiologischer Sichtung der Formen und Gründung der Familie 1830 wurde 1831 von mir 
die Gattung Cothurnia zugesellt. — Die Organisation ist der der Vorticellen ganz ähnlich. Es sind in 
ein gallertiges oder häutiges, nicht feuerbeständiges, Büchschen eingeschlossene, wahre Vorticellen oder 
Stentor, welche auch zum Theil Thierstöcke bilden. — Ein Wimperkranz um die Stirn ist ein allen ge- 



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meinsames Bewegungsorgan. Ophrydium zeigt einen zweiten Wimperkranz am Rücken, und Tintinnus 
hat einen Schnellinuskel im Fusse. — Die polygastrischen Ernährungsorgane sind durch Farhenahrung überall 
leicht anschaulich geworden, der Darmkanal aber nur bei Ophrydium direct erkannt. — Der Hermaphro- 
ditismus des Geschlechts ist bei Ophrydium mit grünen Eiern, einfacher Samenblase und bandartiger Drüse 
klar ermittelt, bei den übrigen Gattungen sind nur Eikörnchen als weiblicher Theil beobachtet. Es giebt 
grüne, gelbliche und weisse Eierchen. Ueberdiess ist bei Vaginicola und Cothwmia Längstheilung des 
Körpers ohne den Panzer, bei Ophrydium mit demselben und aueertheilung (?) beobachtet. Nerven und 
Gefässe sind wegen Feinheit noch nicht erkannt. 

Die geographische Verbreitung der Familie erstreckt sich den jetzigen Beobachtungen nach über ei- 
nen grossen Theil von Europa, zwischen Paris, Berlin und Norwegen. 

Uebersicht der 4 Gattungen der Panzer-Glockenthierchen: 

Monadenstockbildung durch unvollkommene Selbsttlieilung des Panzers Ophrydium 

( Körper im Panzer gestielt, schnellend . . . Tintinnus 

Einzelthiere ohne Selbsttlieilung des Panzers .. n t Panzer stiellos Vaginicola 

| Korper stiellos jp anzer gestidt Cothurnia 



FÜNFUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: GALLERTGLÖCKCHEN. 

Ophrydium. Ophryde. 

CHARACTER: Animal ex Ophrydinorum familia, lorica gelatinosa, spontanea corporis perfecta, loricae 
imperfecta divisione, in globos gelatinosos consociatum. 

CARACTERE: Animal de la famille des Ophrydines, ayant une carapace gelatineuse et sat- 
troupant par la division spontanee parfaite du corps, mais imparfaite de la cara- 
pace en globes gelatineux. 

Die Gattung der Galler tglöckcken unterscheidet sich in der Familie der Panzer-Glockenthierchen 
durch gallertigen Panzer und kuglige Monadenstockbildung mit Hülfe vollkommener Selbsttheilung des Kör- 
pers, aber unvollkommener des Panzers. 

Die Gattung Ophrydium wurde 1830 in den Abhandl. d. Berk Akad. d. Wiss. mit dieser Einen Art 
errichtet. Eine Gattung Ophrydia mit ganz andern Characteren und meist aus Vorticellen -Leibern be- 
stehend, hatte Bory 1824 gegründet und bis 1827 auf 6 Arten vermehrt. Die erste Beobachtung dieser 
Form machte vielleicht schon Linne 1745, der sie Ulva pruniformis des Mälarsees nannte. Gleditscii 
beschrieb sie deutlicher 1767 als Kugelpflanze oder Seepflaume, Fucus subglobosus. Dann ist sie vielleicht 
von Haller als Conferva globosa und von Weigel und Retzius wieder als Ulva pruniformis, von an- 
dern Botanikern als Tremella und Linckia beschrieben worden. Sprengel hat unter dem Namen Cocco- 
chloris stagnina 1807 offenbar auch dieses Thierchen als Pflanze beschrieben, später aber eine Ulva so 
genannt. Neuere Botaniker haben eine wirkliche Pflanze Nosloc pruniforme genannt, und diese ist von 
Lyngbye 1819 abgebildet. Zuletzt hat Agardh 1824 das Thierchen als Pflanze fraglich in der Gattung 
Echinella verzeichnet, wenn es nicht noch als Coccochloris und Palmella hyalina hie und da gemeint 
worden ist. Den thierischen Character erkannte zuerst Müller (1786), desshalb nannte er den Körper 
Vorticella versatilis. Schrank nannte ihn 1802 Linza pruniformis, Lamarck 1816 Urceolaria und 
Bory 1824, ohne ihn zu kennen, Ophrydia nasuta, zum Theil auch Raphanella. Seit 1830 ist der 
Name Ophrydium versatile angenommen. Die, schon bei den Familien-Characteren angezeigten, organischen 
Verhältnisse sind von mir reichlich ermittelt. Besonders wichtig für die äussere Erscheinung ist die Selbst- 
tlieilung, wonach jeder Körper sich oft wiederholt so theilt, dass die beiden Theile sich ganz trennen, aber 
der zellenartige Panzer nur eine Scheidewand erhält. Sehr schnell bilden sich auf diese Weise Tausende 
und Millionen zusammenhängende gallertige Thierzellen, die faustgrosse Gallertmassen darstellen, welche 
ganz einem Nostoc gleichen. 

Die geographische Verbreitung ist im mittleren und nördlichen Europa in Landseen, Teichen und 
in Gräben beobachtet, worin Chara wächst. 



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411. Ophrydium versaUle, grünes Oallertglockchen. Tafel XXX. Fig. I. 

0. corpuscnlis elongatis, utrinque attenuatis, laete viridibus, in polypariis subglobosis , glabris, hyalinis, liberis aut 
affixis ad pisi pugnive magnitndinem consociatis. 

Ophryde versatile, h corpuscules allonges, amincis aua; deux bouts, vivement verls, sociaucc dann 
des polypiers lisses, globuleua, hyalins, Uhr es ou attaches, de la grandeur dun pois ou dun 
poing. 

Viva pruniformis, Linne?, Flora snecica, 1745. Tremella pruniformis? , Syst. Nat. ed. XII. 1767. 
Facus suhylohosus , Kugelpflanze , Seepflaume, Gleditsch! Vermischte Abhandl. 1767. III. p. 1—16. 
ConferVa globosa, Haller? Historia stirp. helvet. n. 2110. 1768.* 

Viva pruniformis, Weigel? Observat. botan. 1772. Tab. II. Fig. 4." Retzius? Flora scand. prodr. 1779. 
.Linckia pruniformis, Wiggers? Primit. flor. Iiolsat. 1780.» Schumacher? Knum. plant. Seeland. 1801.* 
Torticeüa versatilis, Müller! Animalc. Infusor. 1786. p. 281. Tab. XXXIX. Fig. 14 — 17. 
Tremella pruniformis, Roth? Flor, german. III. p. 548. 1788." 

Linza pruniformis, Schrank! Briefe an N'au, 1802. p. 91. Taf. II. Fig. 1 — 12. Fauna boica, III. 2. p. 313. 1803. 

Coccochloris stagnina, Sprengel, Jung's Observat, bot. in Floram halens. 1807. Kützing, Linnea, 1833. p. 380. Tab. III. Fig. 22. 

Vrceolaria versatilis, Lamarck, Hist. nat. des animaux sans vert. II. 1816. 

Echinella? versatilis, Agardh! Systema Algarum, p. 16. 1824. 

Ophrydia nasuta, i », „ . , , , ,,, , „ . 

' ■' „ ,.' \ Bort de St. Vincent! Rncycloped. method. Vers. 1824. 
Kaphanella urmca, ) 1 

Ophrydium versatile, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 91. 1835. p. 161, 164. Mittheilun- 
gen der Berl. Gesellsch. naturf. Freunde, 1836. p. 52. 

Au fent b alt: In Norwegen bei Dröback, den Seen der Cliur- und Neu -Mark, bei Ingolstadt, bei Halle, Berlin und Inowraslaw, 
vielleicht auch in Holstein, Dänemark, Pommern und in Schweden im Mälarsee, immer nur im Susswasser beobachtet. 

Ich fand sonst diese, einer grossen lebhaft oder blass grünen Gallertalge mit der Consistenz des Froschlaiches sehr ähnlichen, 
Yorticellenstöcke nur im August frei schwimmend im Plötzensee bei Berlin ; seit 1835 habe ich sie aber zu allen Jahreszeiten im Thier- 
garten, sogar im December unter'm Eise, auch oft an Pflanzen angeheftet gefunden. Ich sah Exemplare, die 4 — 5 Zoll im Durch- 
messer hatten, also kopfgross waren, und zuweilen, besonders im Mai 1837, wohl Hunderte von faustgrossen Knollen, die durch in- 
nere Gasentwickelung periodisch an die Oberfläche gehoben und vom Winde an den Rand der Gewässer geführt wurden. Eine solche 
meist ungleiche, aber glatte Kugel ist von vielen Millionen Thieren gebaut, deren jedes etwa Vse Linie Dicke hat, aber bis 7io Linie 
lang ist. In der Fläche einer Quadratlinie haben 9216 Thierchen Raum, auf der Oberfläche einer Cubiklinie 6mal mehr, also 55296, 
auf der eines Cubikzolles nahe an 8 Millionen, nämlich 7,962624. Im Wasser bilden alle diese Thierchen eine einfache dicht ge- 
drängte Reihe oder Fläche, wie beim Volvos; bei Erschütterung ziehen sich viele nach innen zwischen die andern, und so entstehen 
3 — 5 Reihen. Anfangs scheinen alle Gallertzellen im Centrum durch Fäden verbunden zu seyn, die später verschwinden und die Ku- 
gel in der Mitte hohl mit Wasser erfüllt lassen. Gleditsch hat in seiner langen Abhandlung desshalb viel Unrichtiges, weil er die 
Form mit der Seepomeranze, dem Halcyonium des Meeres von Imperati, vergleichen zu müssen glaubte, und seine varietas albi- 
cans sind wohl die von den Thieren verlassenen Meissen Gallerten, in denen sich dann Oscillatorien , Bacillarien und Conferven ansie- 
deln. Er fand den Körper in den Seen der Mark bei Trebnitz, und beschrieb ganz irrig weibliche und männliche Fructificationstheile 
und Samen. Assens und Müller fanden ihn bei Dröback im Sumpf wasser im August. Müller hielt sonderbarerweise, wohl durch 
die Achnlichkeit mit Froschlaich angeregt, die Gallertkugeln für Eierhaufen der kleinen dann freiwerdenden urnenförmigen Thiere und 
bildete sich ein, dass diese also unendlich klein gelegt würden, dann aber (wie Froschlaich) anschwöllen, und dass zuletzt auf höchst 
eigenthümliche Weise die Eierhaufen unendlich vielmal und selbst die langgestreckten Jungen 2 — 3mal grösser wären, als die Mutterthiere, 
zu deren Grösse sie also erst wieder zusammenschrumpfen müssten. Aehnliche Wunderlichkeiten finden sich auch bei Schrank, wel- 
cher (p. 100.) die ihre Zellen verlassenden und sich an den Wänden des Glases festsetzenden Thiere irrig mit Bienenschwärmen ver- 
glich, die sich neue Häuser bauten, aber eine demokratische Regierungsform ( ! ) hätten. Auch haben sie keine grünen Haare, sondern grüne 
Eier. Salpetersäure löste die Masse nicht auf, färbte das Grün rostgclb und gab einige Luftbläschen. Mit Recht vermuthet er, dass 
der Kalkgehalt dem Wasser angehören möchte. Ich sah oft kleine Kalkcrystalle an der äusseren Fläche alter, zum Theil leerer, Ku- 
geln sitzen, und sah bei Anwendung von Weingeist und Säuren auch nur ein starkes Einschrumpfen und Gelbwerden. Bory hat die 
Gallerte für nicht dazu gehörig gehalten, weil er den Körper nicht selbst sah und ihn mit Euglenen verwechselt. Kützing hat 
eine Abbildung von Sprengel's Coccochloris 1833 nach trocknen Exemplaren aus dessen Herbarium gegeben. Auch diese Körner 
können leicht die Eier der Thierchen seyn. Schon 1830 zählte ich das Thierchen unter den mit Indigo geprüften polygastrischen For- 
men auf, und 1835 habe ich auch die männlichen Sexualtheile angezeigt. Selbsttheilung habe ich als Längstheilung oft gesehen und 
vermuthe, dass Schrank's Angabe der Queertheilung , die nebenbei auch vorhanden seyn könnte, doch ein Irrthum war. — Grösse 
der grünen Einzelthierchen ausgedehnt bis Vio Linie; sie sind eben so lang, als die Zellen und die Dicke der Gallertschicht der Ku- 
geln im ausgedehnten Zustande. Contrahirt sind der letzteren Wände oft 3 — 4 Linien dick und beliebig dicker, dann sind aber die 
Zellen zwischen und hinter einander geschoben. Die sehr durchsichtigen Ränder der Oeffnungen der Zellen habe ich noch nie direct 
sehen können, habe aber oft genug die Thiere lang hervorragen gesehen. — Grösse der Kugeln bis 5 Zoll Durchmesser. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. I. 

Fig. 1 — 3. sind Gallertkugeln oder Polypenstöcke verschiedener Grösse im natürlichen Zustande, ohne Vergrösserung. Fig. 3. ist ansitzend. Fig. 4. 
ist ein Stück der Oberfläche bei 4maliger Linearvergrösserung. Fig. 5. ist ein Durchschnitt einer eontrahirten jungen Kugel. Fig. 6. ist ein Rand- 
theil mit seinen Thieren bei lOOmaliger Linearvergrösserung. Fig. 7. ist ein durch ein aufgelegtes Glasblättchen etwas ausgebreiteter Theil dessel- 
ben, wobei die eigentlichen Panzergrenzen als Gallertzellen, die Magen und Sexualblase sichtbar werden; links ist ein Thierchen in der Selbsttheilung. 
Fig. 8. ist ein wirbelndes ganz ausgestrecktes Thier; t die Sexualdrüse, über welcher zunächst 1 oder 2 contractile Sexualblasen liegen, die übrigen 
Blasen sind, zum Theil mit Indigo erfüllte, Magen. Fig. 9. hat die Rückenwimpern hervorgeschoben und die helle Sexualblase in der Mitte. Fig. 10. 
ebenso mit eingezogenen Stirnwimpern, contrahirt. Fig. 11. excernirend, mit heller Samenblase. Fig. 12. contrahirt, Hintertheil nach oben {Hi- 
neilet). Fig. 13. zeigt die Mundöffnung. Fig. 14 ist ganz kugelartig contrahirt. Fig. 15. Krallenform mit Sexualblase. Fig. 16. Knospen- 
form?. Fig. 8 — 16. sind 300mal linear vergrössert. Fig. 6 — 16. zeigen grüne Eikornchen. 



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Nachtrag zur Gattung Ophrydium. 

Von Herrn Landrath v. Wolanski erhielt ich 1832 Zeichnungen dieser Form aus Inowraslaw (Neu-Breslau) im Bezirk 
Posen. Wahrscheinlich war auch die grüne Echinetta radiosa von Nees von Esenbeck aus Erlangen (Algen des süssen Wassers 
1812) dieser Körper. Bory's 6 Arten der Gattung Ophrydia haben folgende Synonymic: 1) O. clavata (1824) = Trichoditia? , 
Fort, nebulif. gemma? ; 2) O. Gyrinus (1824) = Trichodina? , Forticellae gemma?; 3) O. Lagenulata (1824), Lagenula 
(1827) = Forticellae corpus; 4) O. namta (1824) = Ophrydium versatile; 5) O. Trochus (1824) = Trichodina?, For- 
ticellae gemma?; 6) O. vorticellina (1826) [Essay d'une classif. des microsc] = Ophryd. versat. 



SECHSUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: KLÖPPELGLÖCKCHEN. 

Tiiitiiiiius. Ilattant. 

CH AR ACTER: Animal e familia Ophrydinorum, solitarium, corpore dividuo, lorica urceolari non dividua, 
corpore intra loricam pedicello flexili instrueto (pistillum tiutinnabuli referente). 

CARACTERE: Animal de la famille des Ophrydines, solitaire, divisant le corps, non la cara- 
pace urceolaire, le corps ayant dans l Interieur de la carapace un pedicule flexible 
(semblable au battant dune clocfiette). 

Die Gattung der Klöppelglöckchen ist in der Familie der Panzer - Glockenthierchen durch Theil- 
barkeit des Körpers, aber Untheilbarkeit des büchsenartigen Panzers, mithin Mangel an Bestockung chara- 
cterisirt, und hat einen schnellenden Fuss am Körper innerhalb des Panzers. Der Körper gleicht dem Klöp- 
pel in einem Glöckchen. 

Die Gattung ist von Schrank 1803 mit 3 Arten gebildet, von denen 2 in andere Gattungen gehö- 
ren. Sie sollte sprachrichtiger Tintinnabulum heissen. Die einzige Art entdeckte Müller 1776 und 
nannte sie Trickoda inquilinus. Oken nahm 1815 Schrank's Gattung Tintinnus auf, aber Lamarck, un- 
bekannt mit diesen Arbeiten, gab 1816 den neuen Namen Vaginicola, unter welchem sie auch Bory 1824 
aufgeführt hat. Die jetzige Begrenzung erhielt die Gattung 1830, wo ihr nur eine von Schrank's Arten, 
die genannte Trickoda inquilinus Müller s, zuertheilt ward. Eine zweite, neue Art gab ich 1832, wenn 
nicht auch diese ein Synonym von Müllers Vorticella vaginala ist. An Organisation sind ein Wimper- 
kranz um die Stirn und ein schnellender Stiel für die Bewegung, sich sichtlich anfüllende Magenzellen 
sammt einer seitlichen Mund- und zugleich Anal-Oeffnung für die Ernährung, und eine gelbliche Trübung 
im Körper als Spur von Eierstock erkannt. Die Selbsttheilung hat Müller beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der beiden Arten beschränkt sich bis jetzt auf das Wasser der Ostsee. 

412. Tintinnus inquilinus, cylindriselies Klöppelglöcfcclien. Tafel xxx. Fig. II. 

T. corpore hyalino aut flavicante, lorica cylindrica, hyalina. 

Battant locataire, a corps hyalin ou jaunätre, la carapace cylindrif/ue , hyaline. 

Trichoda inquilinus, Mülier, Zoolog, danicae prodromus, addend. p. 281. 1776. Zool. dan. Icones, Tab. IX. Fig. 2. 
Eremit - Spilleren , Dannemark og Norg. Dyr-Historie, I. B. p. 34.* 
Tintinnus inquilinus, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 317. 1803. 

Vaginicola inquilina, Lamarck, Hist. nat. d. Anim. sans vert. 1816. II. Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. 1824. 
Tintinnus inquilinus, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 95. 1833. p. 273. 

Aufenthalt: Im Seewasser bei Copenliagen und Kiel. 

Diese interessante Form ist ausser von Müller und mir nicht beobachtet worden. Ich fand sie 1830 und 1832 in Kieler 
Seewasser, welches mir Dr. Michaelis mit Leucbtthieren sandte, und 1833 beobachtete ich es in Copenliagen selbst im Hafenwasser. 
Die letzteren Thierchen schwammen alle frei im Wasser, die ersteren sassen zum Theil an Pfianzenfragmenten fest. Sie nahmen 
leicht Indigo auf. Müller sah und zeichnete auch 2 Individuen in Einer Zelle, mithin Selbsttheilung. Die gelbliche Farbe des Kör- 
pers der Kopenhagener Form schien mir den Eiern anzugehören. — Körpergrösse ohne den Stiel v j iS Linie, mit dem Stiel V»oj Pan- 
zer V*8 Linie. Dicke des Panzer- Cylinders zuweilen kaum 2mal, zuweilen mehr als 3mal in der Länge. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. II. 

Fig. 1 — 3. sind Formen aus Kiel, die ich in Berlin nach dem Leben gezeichnet; einige sind ausgedehnt, andere eingezogen. Fig. 4 — 5. sind von 
mir in Copenhagen gezeichnet. Linearvergrösserung 300mal. 

413. Tintinnus subulatus, spitziges Klöppclglöckclicn. Tafel xxx. Fig. Hl. 

T. hyalinus, lorica conica, postica longe subulata. 

Battant aigie, hyalin, a carapace coniaue, allongee en pointe longue posterieure. 



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Vorticella vaginata , Müller? Animalc. Infus. 1786. p. 310. Tab. XLIV. Fig. 12 — 13. 
Tintmnus subulatus, Ab Ii and 1. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 774. 

Aufenthalt: Im Seewasser bei Copenhagen? und Kiel!. 

Ich beobachtete die Form im October 1832 mit Leuchtthierchen aus Kiel, und fand in einem der Gläser bis 6 freie Exem- 
plare, aber nur 2 lebend, 4 als leere Schaalen. Der Panzer zeigte bei einigen leichte Queerriefen. Der cylindrische Körper der Thier- 
chen war farblos und sass auf einem spiralförmigen zuckenden innern Stiele. Der Panzer war äusserst durchsichtig, daher das Ganze, 
obwohl gross, doch schwer zu sehen. Müllers Yorticelle war ansitzend und schien ihm nicht in die Scheide zurückziehbar, war 
daher vielleicht eine nicht günstig beobachtete Epistylis. Lamarck verzeichnete sie als Folliculina vaginata, Bory als Vagini- 
cola Vorticella. Wäre die Zuspitzung des Panzers dieser Form ein Stiel zu nennen, so verlangte die Conscquenz einen besondern 
Gattungsnamen, doch blieb ich darüber ungewiss. Ich sah es nicht schwimmen, auch nicht sich bis über den Rand der Schaale entfal- 
ten, aber es entfaltete innerhalb seine Wimpern, zog sie wieder ein, zuckte zusammen und zeigte innere Magenblasen. — Länge des 
Panzers bis Ys Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. III. 
Fig. 1. sich ausdehnend nach dem Zusammenschnellen. Fig. 2. mit gerade ausgedehntem Stiele. Fig. 3. leere Schaale. Vergröss. 300mal im Durchm. 



SIEBENUNDNEUNZIGSTE GATTUNG. MANTELGLÖCKCHEN. 

Vaginicola. Vaginicole. 

CHARACTER: Animal ex Ophrydinorum familia, solitarium, corpore dividuo, lorica urceolari non divi- 
dua, corpore loricaque sessilibus. 

CARA CTE1RE : Animal de la famille des Opkrydines, solilaire, divisant le corps, non la cara- 
pace urceolaire, riayant ni le corps ni la carapace pedicules. 

Die Mantelglöckchen sind einfache Panzer -Glockenthierchen, welche neben der Selbsttheilung 
des Körpers keine Theilbarkeit des Panzers haben, und die weder am Körper noch am Panzer einen Stiel 
besitzen. 

Die von Lamarck 1816 gegründete Gattung Vaginicola umfasste in 3 Arten diese und auch die 
vorige und folgende Gattung. Erst 1830 wurde die jetzige Umgrenzung mit 3, 1 alten und 2 neuen, Ar- 
ten festgestellt, die sich seitdem nicht vermehrt haben, und es wurde auf etwa eben so viele, von Andern 
beobachtete, Arten hingewiesen. Die erste Kenntniss der Formen hatte schon Leeüwenhoek 1702. Dann 
beobachtete dieselben erst Eichhorn wieder 1775, und Müller hielt dessen Zeichnung damals für Stentor 
{Vortic. stentor ed). Später sah sie auch Müller selbst, und er beschrieb 1786 wohl 2 Arten als Tri- 
ckoda ingenila und Vorticella Ampulla. Colombo 1778 und Kammacher 1798 bildeten dann 2 oder 3 
Arten namenlos ab. Schrank nannte dergleichen 1802 und 1803 Linza stenlorea und gleichzeitig Tintin- 
nus sessilis. Lamarck gab 1816 einer von Müller's Arten den Namen Vaginicola, der andern den Na- 
men Folliculina. Goldfuss stellte 1820 Müllers Trichoda in die Gattung Limnias, und Bory de St. 
Vincent folgte 1824 bis 1830 Lamarck, mit Zusatz der Vag. Vorticella, Müller's Vort. vaginata. — 
Der Organismus dieser Formen, seit 1830 entwickelt, gleicht ganz dem der Vorticellen und Stentor 
ohne den Mantel. Die abgestutzte Stirn umgiebt ein Wimperkranz, und in diesem am Rande liegt der 
Mund. Der polygastrische Ernährungscanal wurde bei allen 3 Arten schon 1830 mit Aufnahme von Farbe- 
stoffen erwiesen. Das Fortrücken der Speisen und Wiederkehren zur Mundöffnung war deutlich. Bei V. 
crystallina sind grüne periodisch sich verlierende Eikörnchen sichtbar, welche bei den übrigen Arten weiss 
zu seyn scheinen. Die männlichen Sexualorgane wurden bei keiner Art deutlich, doch könnte man aus 
Müllers Abbildung der V. crystallina eine bandartige Drüse abnehmen. Spontane Längstheilung ist bei 
allen Arten beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Mantelglöckchen ist in Holland, Dänemark, England, Baiern und 
bei Berlin im Süsswasser beobachtet, vielleicht giebt es auch eine Art im Meere. 

414. Vaginicola crystallina» crystallcnes Mantelglöckchen. Tafel XXX. Fig. V. 

V. lorica crystallina, urceolari, recta, ovulis viridibus. 

V aginicole cry stalline, ä carapace crystalline, urceolaire, droite, les oeufs verts. 

Bell-lihe animalcula, Leeüwenhoek, Pliilos. Transact. XXIII. Nr. 283. p. 1304. Fig. 8. O. P. Q. R. (1702.) 1703. 
Das Trompetenlhier, Bichhorn, Beiträge z. Kenntniss der kl. Wasserth. p. 73. Taf. 3. Fig. F. 1775. 
Vorticella stentorea, Müiler, Naturforscher, IX. p. 209. 1775. 

Trichoda ingenita, Müller? Animalc. infus, p. 219. Tab. XXXI. Fig. 13—15. 1786. 

Rotiferi ad astuccio, altera spezie, Colombo, Osserv. microsc. 1787. deutsch 1793. p. 88. Fig. 7. 

Animalcula, Kammacher, in Adam's Essay on the Microsc. p. 570. Fig. B. Taf. XXVI. ed. II. 1798. 



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Linza stentorea, Schrank, Naturhist. Briefe an Nau, 1802. p. 103. Fauna boioa, III. 2. p. 314. 

Tinlinnus sessilis, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 317. 1803. 

Vaginicöla ingenita, Lamarck, Hist. nat. des an. sans yert. II. 1816. p. 27. 

Umnias ingenita, Goidfuss, Handbuch der Zoologie, 1820. I. p. 71. 

Vaginicöla ingenita, Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. 1824. 

Vaginkola crystallina, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 93. 

Aufenthalt: Im Siisswasser bei Delft, Danzig, Conegliano, Ingolstadt?, London und Berlin, und im Seewasscr bei Copcnhagen. 

Man findet diese Thierdien an Meerlinsen, Confervcn und Ceralophyllum bei Berlin, zuweilen in ausserordentlicher Menge. 
Am 23. Juli 1835 sah ich sie am zahlreichsten, sonst einzeln. Leeüwenhoek hat sicher dieselbe Art beobachtet, und auch Co- 
iombo und Kammacher hatten dieselbe. Eichhorn's Figur könnte man zu Cothurnia ziehen wollen, allein es ist gerade cm Cha- 
racter dieser Art, dass ihr Panzer sich dicht am Ende etwas verengt, ohne einen Stiel zu bilden. Diess mag bei Eichhorn, der 
auch den Stentor Mülleri (seine Fig. Q.) damit verwechselte, etwas grell gezeichnet seyn. Die Wärzchen an der Schaale sind eben- 
falls übertrieben, aber sonst richtig; es sind die Auswürfe des Thieres, welche hie und da hängen bleiben. Ob Müllers Seetluer- 
chen sammt Lamarck' s und Bort's Synonymen hierher gehören, ist nicht ganz sicher; auch ist Schrank's Nachricht wunderlich, 
der sie Seethiere nennt und in der Bairischen Fauna beschreibt, doch wohl also nicht sah. Ich habe sie oft mit Indigo und Carmin an- 
gefüllt gesehen und immer 2 Formen beisammen beobachtet, die sich stark unterschieden, eine mit grünen Eierchen und eine ganz farb- 
lose. Ich habe mich nach langem Schwanken dafür entschieden, dass es nicht 2 Arten sind, sondern die farblose dieselbe unbefruch- 
tete Art ist, wie die grüne. Beide Formen sah ich oft in Selbstthcilung. — Panzerlänge bis Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. V. 

Es sind auf Zygnema tjuininum 4 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung abgebildet. Fig. 1. mit grünen Eikürnern; Fig. 2. ohne^diese, 
beide in der Selbstthcilung; Fig. 3. in natürlicher Farblosigkeit und zurückgezogen; Fig. 4. jung. 

415. Vaginicöla tineta, Ibraanes Mantelglöcfechen. Tafel XXX. Fig. IV. 

V. lorica flavo-fusca, urceolari, recta, corpore hyalino. 

Vaginicole teinte, a carapace brune- jaunätre, urceolaire, droile, le corps hyalin. 

Vaginicola tineta, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 95. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese auf Zygnema deeiminum häufiger vorkommende Art findet sich auch an Wurzeln der Lcmna. Ich sah sie sonst 
öfter einzeln, aber am 23. Juli 1835 sehr zahlreich mit den übrigen Arten zusammen. Ich habe Stoffaufnahme, Selbsttheilung und Ju- 
gend und Alter beobachtet. — Panzergrösse V24 Linie. 



Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. IV. 

Es sind 3 Exemplare in verschiedenen Zuständen, auch in Selbsttheilung, bei 300maliger Linearvergrösserung auf Zygnema deeiminum 
(Conjugata, Spirogyrd) abgebildet. 

416. Vaginicöla decumbens» liegendes MantelglöcKchen. Tafel XXX. Fig. VI. 

V. lorica flavo-fusca, ovata, cornpressa, decumbente, corpore hyalino. 

Vaginicole couchee, a carapace brune- jaunätre, ovale, comprimee, couchee et a corps hyalin. 

Vaginicöla decumbens, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 41. 1831. p. 93. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Sie lebt mit den vorigen und ist leicht zu übersehen. Sie bildet braune Schüppchen an Meerlinsenwurzeln oder Conferven, 
und zeichnet sich durch halbmondförmige Panzeröffnung sehr ans. Das innere farblose Thierchen, welches ich auch in Selbsttheilung 
sah, ist sonst wenig verschieden. — Panzerlänge bis 7** Linie. Horizontale Polypenstöcke solcher Form würden ganz das Bild von 
Flustren und Celliporen geben. Griebt es nicht vielleicht dergleichen unter diesen? 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. VI. 

Ein Stück Meerlinsenwurzel enthält 3 dieser Thierchen, davon eines in Selbsttheilung, eines zurückgezogen. Vergrösserung 300mal im Durch- 
messer. 



Nachtrag zur Gattung Vaginicola. 

Als vermuthliche Arten der Gattung lassen sich etwa noch Vorticella Ampulla Müller, und eine bei Kammacher und 
Adams gezeichnete, in der Mitte verengte, Form ansehen {V. constrictd). Auch könnte die Seeform, welche Müller Trich. in- 
genita nennt, doch eine besondere Art seyn. Endlich sind die grüne und farblose Form der crystallina noch weiter im Auge zu be- 
halten. Die Synonyme der ausgeschlossenen Arten der Gattung sind übrigens folgende: 1) Vaginicola folliculata Bort (1824) = 
Cothurnia; 2) V. ingenita Lamarck (1816) == V. crystallina? ; 3) V. innata Lamarck (1816) = Cothurnia?; 4) V. in- 
quilina Lamarck (1816) = Tintinnus inquil.; 5) V. longicauda Schweigger [Naturgesch. d. skelcttlosen Thiere] (1820) = 
Notommata longic; 6) V.? socialis (Abhandl. d. Beil. Akad. 1831. p. 92.) = Dinobryon; 7) V. Vorticella Bort (1824), 
vorticellina (1826) [Essay] = Tintinnus?, Epistylis? . 

Hier mögen auch die Homonyme der eingegangenen Gattung Folliculina Lamarck folgen: 1) F. Ampulla Lam. (1816) 
== Vaginicola?; 2) F. Bakeri Bort (1824) = einer Mückenlarve mit ihrer Puppe, deren Beobachtung ein Anonymus 1746 in 
rohen Abbildungen an Baker geschickt hatte, der sie {Emplotjment ofthe Microsc. T. XIV. Fig. 8 — 12.) stechen Hess. Bort 



297 



nannte dasselbe im gleichzeitigen ArticU Microscopiqnes der Encycl. meth. Balcerina dipteriphora als Räderthier, nnd 1828 
im Biet, class. Rotifere theilt er mit, dass er es seitdem auch (bei Paris) gefunden. Ich halte die Räder bei Baker für die Schwanz- 
borsten einer verkehrt gezeichneten Mückenlarve, deren Verpnppnng ( .< ) ausdrücklich dort als beobachtet angegeben und gezeichnet ist. 
3) F. folliculata Lam. (1816) = Cothurnia imberbis?; 4) F. vaginata Lam. (1816) = Tintinmis? , Epistylis? . 



ACHTUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: STELZENGLÖCKCHEN. 

Cothurnia. Cothurnie. 

CHARACTER: Animal e familia Ophrydinorum , solitarium , corpore dividuo, lorica urceolari non dividua, 
pedicello loricae rigido cotlmrnatum. 

CARACTERE: Animal de la famüle des Ophrydines, solitaire, divisant le corps, non la cara- 
pace urceolaire et s erigeant sur un pedicule exterieur raüle. 

Die Stelzenglöckchen gehören zur Familie der Panzer-Glockenthierchen, leben einzeln durch Selbst- 
theilung des Körpers ohne Theilung des Panzers, und haben einen starren Cothurn - artigen Stiel am Panzer. 

Die Gattung wurde 1831 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. gegründet und enthielt zuerst 2 
Arten, deren eine aber 1833 (ebenda p. 284.) als Acineta mystacina abgesondert wurde. Jetzt sind ihr 
doch 3— 4 Arten zugeschrieben. Da ich Eichhorns Trompetenthier Fig. F. zur Vagin. crystallina gezo- 
gen, so scheint die älteste bekannte Form Schrank 1776 als Tubularia vaga beobachtet und beschrieben 
zu haben, und bald darauf, 1777?, nannte Müller eine wahrscheinliche Form der Gattung Trichoda in- 
nata, und eine zweite 1786 Vorticella folliculata. Auch Colombo hat 1787 eine Art beschrieben. Schrank 
nannte 1803 Müllers Trichoda: Tintinnus pedicellatus , ohne seiner früheren Art zu erwähnen. La- 
marck bildete 1816 2 Gattungen mit diesen Formen. Müller s Trichoda nannte er Vaginicola innata, 
und dessen Vorticella: Folliculina folliculata. Bory de St. Vincent hat zuletzt 1824 auch die Follic. 
follic. zu Vaginicola gestellt, wodurch die Gattung Folliculina alle Arten verloren hat. Von den seit 
1831 und 1833 der neuen Gattung zuertheilten 3 Arten sind die erste und dritte sehr ausgezeichnet, die 
zweite könnte aber Abart der ersten seyn. — Die Organisation ist wie bei der vorigen Gattung gleich weit 
ermittelt. Ein Wimperkranz um die platte Stirn, der Mund seitlich im Wimperkranze vereint mit der Anal- 
öffnung, der Körper schnellend oder zuckend im steifen Panzer, Stoffaufnahme in einen polygastrischen Er- 
nährungs- Apparat und Längen - Selbsttheilung sind bei 2 Arten beobachtet. Männliche Sexualtheile sind un- 
erkannt; zweifelhaft ist bei einer Art die gelbliche Eiermasse erkannt. 

Die geographische Verbreitung der hier als sicher aufgeführten Arten ist in Italien, bei Linz und 
bei Berlin im Süsswasser, und in der Ostsee bei Wismar und Copenhagen beobachtet. 

419. Cothurnia imberbis, hartloses Stelzcnglöckclien. Tafel xxx. Fig. VII, 

C. pedicello lorica hyalina multo breviore, corpore flavicante. 

Cothiimie sans darbe, ayant le pedicule beaueoup plus court que la carapace et le corps jaunätre. 

Tubularia vaga, Schrank, Beiträge zur Naturgesch. 1776. p. 104. 
Vorticella folliculata, Müller, Animalc. infus, p. 285. 1786. sine icone. 

Rotifero ad astuccio terza spezie, Colombo, Osservaz. microscop. im Giornale della medicina, 1787. deutsch p. 89. Fig. 8. 1793. 
Folliculina folliculata, Lamarck, 1816. Vaginicola folliculina, Bory, 1824. 

Cothurnia imberbis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 94. 1833. p. 285. 

Aufenthalt: Bei Linz, Copenhagen, Conegliano in Italien und bei Berlin beobachtet. 

Ich habe diese Art nie anders als auf lebenden Wasser flöhen, Cyclops quadricornis , bei Berlin gesehen; gerade da 
fand auch Müller seine Art bei Copenhagen. Schrank fand seine Form bei Linz frei schwimmend, und Colombo bei Conegliano 
an Meerlinsenwurzeln. Schranke's Abbildung passt ganz auf diese Art, welche daher C. vaga heissen sollte, allein ich habe diese 
Synonymie erst später aufgefunden, nachdem der Name imberbis, welcher sich auf die bärtige Acineta mystacina bezog, längst pu- 
blicirt war. Man mag später den ersten Namen vorziehen. Die Längstheilung war häufig zu sehen. Bei all diesen Formen löst sich 
nach der Theilung ein Individuum, welches oft etwas kleiner ist, ganz ab, überlässt dem andern die Zelle allein, schwimmt fort und 
baut sich eine eigene. Ich sah das Thierchen im December 1830, am 6. April 1832 nnd im Januar 1835. Es hatte öfter grüne 
Monaden verschlackt und nahm auch Indigo auf. Trichodina voracc ist der Feind dieser Art. — Panzerlänge — l l 2t Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. VII. und Taf. XXIV. Fig. V. 

Es ist ein Wasserfloh, Cyclops quadricornis, mit mehreren Cothurnien besetzt, bei SOOmaliger Linearvergrösserung dargestellt. Der 
Wasserfloh ist durch rothe Oeltröpfchen innerlich gefärbt, jener Zustand, in dem er Blutwässer bedingt. Auf Tafel XXIV. Fig. V. ist eine Co- 
thurnia mit der Trichodina dargestellt. 

95 



398 



418. Cothurnia maritima, See-Stelzeiiglöckcheii. Tafel XXX. Fig. vm. 

C. pediceilo lorica hyalina multo breviorc, corpore liyalino-albo. 

Cot hur nie maritime, a pedicule beaueoup plus court f/ne la carapace hyaline et a corps blanchätre 
hyalin. 

Aufenthalt: Bei Wismar in der Ostsee. 

Ich fand diese Form im August 1834 sehr zahlreich an den Gabelspitzen des Ceramium diaphanum. Sie schien mir im- 
mer kleiner zu seyn als vorige, und war nie gelblich, sondern sehr durchsichtig. Andere Cliaractere habe ich bis jetzt nicht ermitteln 
können, halte sie aber doch für eine besondere Art, weil ich zahllose übereinstimmende Exemplare von heiden Arten sah. Auch sie 
war häufig in der Selbsttheilung und nahm leicht Farbe auf. — Panzerlänge bis % Linie. 

Erklärung- der Abbildungen Taf. XXX. Fig. VIII. 

Die Darstellung zeigt eine Gabelspitze des Ceramium mit den Thierchen besetzt, 300mal vergrößert. Fig. 1. einfach; Fig. 2. und 3. 
in Selbsttheilung. 

419. Cothurnia havniensis, Copenha^ener Stelzengliicfeclicii. Tafel xxx. Fig. rx. 

C. pediceilo lorica hyalina multo longiore, corpore albicante. 

Cothurnie de Copenhagne, a pedicule beaueoup plus long que la carapace hyaline et a corps blan- 
chätre. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen in der Ostsee. 

Diese Art lebte mit Acineta Lyngbyei an Ceramium und Sertularien und glich ihres langen Stieles und kurzen Kör- 
pers wegen mehr einer Epistylis, während die andern Arten der Stentor - Gestalt näher stehen. Ich sah Magenzellen, hatte aber auf 
der Reise keine Zeit mehr, sie mit Indigo zu prüfen. Der grosse Abstand des äusseren Contours vom inneren Körper Hess mir einen 

Panzer vermuthen. Die wirbelnden Wimpern zog es öfter ganz ein. Für eine Epistylis schien mir auch der Stiel zu fein Grösse 

des Glöckchens ohne den Stiel fy 2t Linie; Stiel mehr als doppelt so lang. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXX. Fig. IX. 

Es sind 2 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung. 



Nachtrag zur Familie der Panzer - Glockenthierclien. 

Die sich bei der Selbsttheilung ablösenden, eine kurze Zeit panzerlos frei schwimmenden, Formen dieser Familie mögen leicht 
zu Irrungen führen. Wissenschaftliche Beobachter thun besser, die diesen Panzerglockenthierchen ähnlichen Gestalten lieber mit glei- 
chen Namen zu nennen, als die Synonyme auf's Ungewisse zu mehren (s. Trichoda Vibrio). Nur wo man Gelegenheit hat, ähnliche 
Formen in voller Entwickelung und vollem Organisations-Detail als abweichend zu beobachten, ist man berechtigt, sie abzusondern. Die 
in dieser Familie sich verlierende Gattung Folliculina ist bei Vaginicola mit ihren Homonymen zu vergleichen. Tubicolaria La- 
marck gehört zu den Räderthieren. Müiler's Trichoda innata ist wohl eine 4te, von Coth. maritima verschiedene, Art. 



FÜNFZEHNTE FAMILIE: WALZENTHIERCHEN. 

Hncltelia. Endieliens. 

CHARACTER: Animalia polygastrica, enterodela (tubo intestinali distineto instrueta), oris anique aper- 
turis in corporis axi longitudinali oppositis, terminalibus (enantiotreta) nee loricata. ( = Co- 
lepina nuda.) 

CARACTERE: Animaux polygastriques, ayant un canal digestif distinet, une bouche et un ori- 
fice d anus opposes aux deux extremites du corps et point de carapace. 

Die Familie der Walzenthierchen umfasst alle Magenthierchen, die einen deutlichen Darmcanal 
mit in der Längsaxe des Körpers entgegengesetzter Mund- und After- Oeffnung besitzen und keinen Pan- 
zer haben. 

Erst seit 1830 ist eine Familie der Enchelien in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit 7 Gat- 
tungen pbysiologisch begründet worden, welche 16 Arten enthielten. Jetzt sind 30 Arten in 10 Gattungen 
vertheilt, obwohl die Gattung Coleps seit 1831, weil sich bei ihr ein Panzer hat erkennen lassen, mit 5 
Arten zur eigenen Familie erhoben, und die Gattung Bursaria, jetzt mit 7 Arten, in der Familie der Hals- 



399 

thiercben eingereiht worden sind. Beide waren zuvor Glieder der Enchelien- Familie. Die jetzigen Gattun- 
gen sind: Enchelys mit 4 Arten, Disoma mit 1 Art, Actinophrys mit 3, Trichodiscus mit 1, Podo- 
phrya mit 1, Trichoda mit 6, Lacrymaria mit 3, Leucophrys mit 6, Holophrya mit 3 und /Vörtf- 
«fora mit 2 Arten. Die ersten Formen der Familie, so weit diess erkennbar ist, beobachtete Joblot 1716 
in Holophrya ambigua, Trichoda Pyrum und Enchelys Pupa, wenn nicht Trichoda pura und Leu- 
cophrys piriformis und carnium schon unter den Monaden waren, welche Leeuwenhoek sah. Die Gat- 
tung Enchelys gründete Hill 1751 wohl mit Vibrionen, Anguillulis, Euglenen und Oscillatorien. 
Erst mit Millers schärferer Critik der Formen von 1773 an lassen sich mit Sicherheit bestimmte Formen 
der Familie geschichtlich nachweisen, so Actinophrys Sol, Enchelys Farcimen und Spathula. Bis 1786 
kannte Müller noch Leucophrys patula, pyriformis, Enchelys Pupa, Podophrya fixa und Trichoda 
Pyrum, vielleicht auch Trichodiscus Sol, also 9 Arten, die er in seinen Gattungen Enchelys, Trichoda, 
Vibrio und Kolpoda vertheilt hatte. Uebrigens war Müller 1773 der Gründer der Gattung Trichoda 
und 1786 der Gattung Leucophra. In dem neueren ausführlichsten Systeme von Bory de St. Vincent 
1824 ist die Gattung Enchelys mit vielen heterogenen Formen in der Familie der Kugel thi er e {Volvo- 
ciens) abgehandelt und Müller s übrige Formen sind in noch 10 andere Familien, der Trichodees, Mysta- 
cines, Vibrionides u. a., vertheilt. Bory gründete die Gattung Lacrymaria, die er Lacrimatoria nannte. 
Seit 1830 sind die übrigen 6 Gattungen von mir gebildet. — Rücksichtlich der Organisation sind seit 1830 
alle thierischen Systeme in den Gattungen EncJielys, Leucophrys und Prorodon ermittelt. — Bewegungs- 
organe sind in allen Gattungen und ausser 2 in allen Arten beobachtet, nirgends wirbelnde Rüssel, bei den 
meisten eine Vielzahl wirbelnder Wimpern, bei den 3 Gattungen Actinophrys, Trichodiscus und Podophrya 
langsam bewegte Taster. — Die Ernährungsorgane sind bei 7 Gattungen durch Aufnahme von Farbestoffen ausser 
Zweifel gestellt, wobei zwar nur in einer Gattung der ganze Verlauf eines Ernährung scanals direct beob- 
achtet wurde, allein bei den meisten übrigen das Auswerfen des Abgangs an dem dem Munde entgegenge- 
setzten Körperende die Darmform hinreichend erläuterte. Bei allen Gattungen mit alleiniger Ausnahme der 
arabischen Disoma ist der polygastrische Bau direct anschaulich geworden. — Sexualorgane doppelter Art 
sind bei Enchelys, Leucophrys und Prorodon beobachtet, bestehend in gleichartig vertheilten gleichgros- 
sen (Ei-) Körnchen, einer kugelförmigen oder bandartigen (männlichen) Drüse und einer contractilen Blase. 
Ueberdiess ist Selbsttheilung als vollkommene Längs- oder Queertheilung häufig beobachtet. Nie sind Knos- 
pen beobachtet, und keine Gattung bildet durch unvollkommene Theilung Polypenstöcke. Augen oder Ner- 
ven und Blut-Gefässe oder Kiemen sind noch künftiger Forschung vorbehalten; erstere scheinen allen be- 
kannten Gattungen zu fehlen. Merkwürdig ist das doppelleibige Disoma und der zahnführende Prorodon. 

Die geographische Verbreitung der Familie ist in Europa, dem arabischen und sibirischen Asien und 
im libyschen Nordafrika bis jenseit des Wendekreises in Nubien beobachtet. 



üebersicht der 10 Gattungen der Familie der Walzenthierchen: 

i,, , , . ( wirbelnde Wimpern am Munde l^!" 1 ^ 5"^*« Enchelys 

Mund gerade ab- \ 1 \ Korper doppelt r Disoma 

gestutzt, keine < stralllenarti Tastfä(1 kein | stiellos . . allseitige Strahlen. Actinophrys 

***** / Wirbeln ^. , ' RandstraLlen ? • ■ Trichodiscus 

l ( mit She l Podophrya 

Mund scliief abge- l halslos Trichoda 

stutzt, mit Lippe )mit Hals Lacrymaria 

Körperfläclie mit wir- (Mund schief abgestutzt, mit Lippe Leucophrys 

belnden Wimpern |Mund gerade abgestutzt, ohne Lippe Holonhrva 

Mund S ezalmt Prorodon 



NEUNUNDNEUNZIGSTE GATTUNG: WALZENTHIERCHEN. 

Enchelys. .Gnchclide. 

CHARACTER: Animal e familia Encheliorum, corpore simplici superficiei eiliis vibrantibus nullis, ore in- 
ermi eiliato, recte truncato. 

CARACTERE: Animal de la famille des Encheliens, a corps simple sans eils vibrants ä la 
swrface, ayant la bouche sans dents, mais eiliee et brusquement tronquee. 



300 



Die Gattung der Walzenthiercheii unterscheidet sich in der gleichnamigen Familie durch einfa- 
chen Körper ohne wirbelnde Behaarung und gerade abgestutzten, mit wirbelnden Wimpern besetzten, ge- 
bisslosen Mund. 

Die von Hill 1751 gegründete Gattung umfasste die aalartigen langgestreckten Thierchen wahr- 
scheinlich der Gattungen Anguillula, Euglena und Vibrio mit Oscillatorien. Er gab ihr 4 Arten. Müller 
verzeichnete 20 Jahre später, 1773, 11 Arten und 1786 27 Arten, wobei er den Character der Gattung 
nur in einer kürzeren Walzenform feststellte. Schrank vermehrte die Gattung 1803 um 6 Arten, Oken 
1815 um 1, Nitzsch 1817 um 2, Bory 1824 um 9, Nees und Goldfüss 1826 um 1, Hemprich und Eh- 
renberg 1828 um 1, ich 1830 noch um 1 Art. So sind allmälig 48 Arten entstanden, von denen aber 
nach der neueren Critik nur 4 der Gattung sicher verbleiben. Eine Deutung der übrigen Namen ist im Nach- 
trage versucht. — Die Organisation ist in den 4 Arten mannigfach und im Allgemeinen vollständig entwik- 
kelt. Ein Wimperkranz um den Mund ist bei 3 Arten deutlich, bei 1 undeutlich beobachtet. — Der Darm- 
canal ist bei E. Pupa in seiner Form scharf beobachtet; bei allen sind die polygastrischen Zellen und die 
Mund- und Aus wurfssteile erkannt. — Von Sexualorganen sind bei E. Pupa und nebulosa sehr feine (Ei-) 
Körnchen und bei E. Farcimen eine contractile männliche Blase erkannt. Eine männliche Sexualdrüse 
blieb unbeobachtet. Selbsttheilung ist nur als vollkommene Queertheüung gesehen. Die Enchelien-Form der 
Vorticellen unterscheidet sich durch ihre zuckende Bewegung beim Ruhen und Auswerfen durch den Mund. 

Die geographische Verbreitung ist in Europa und vielleicht im nördlichen Afrika im Süsswasser fest- 
gestellt. 

420. Mnchelys Pupa, puppenförmiges WalzeRthierchen. Tafel xxxi. Fig. I. 

E. corpore clavato, turgido, antica parte attenuato, ovulis pällide flavo - virescentibus. 

Enchelide Poupee, a corps en massue, gonfle, aminci au bout anterieur, ayant les ovules jaunes- 
verdätres päles. 

Massue, Joblot? Observat. avec le Microscope, (1718.) ed. 1754. p. 51, 74. Tab. VI. Fig. 5. Tab. X. Fig. 6. (Trachelius?) 
Enchelis Pupa, Müller, Animalc. Infusor. 1786. p. 42. Tab. V. Fig. 25, 26. 
Enchelis Scytale, Schrank? Fauna boica III. 2. p. 40. 1803. 
Enchelis Pupa, Bory de St. Vincent? Encycloped. meth. 1824. 

Enchehjs Pupa, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 75. Taf. II. Fig. I. 1., 2., 3., 5. und 15. 1831. p. 100. 

Aufenthalt: Bei Paris, Copenhagcn und Berlin, vielleicht auch bei Ingolstadt. 

Diese grosse und träge Art habe ich nie wieder so häufig gesehen als vor 1830, wo sie im stehenden Sumpfwasser des Thier- 
gartens und in verschiedenen Infusionen vorkam. Ich habe den Verlauf des Darmkanals bei Carrainfütterung 1830 umständlich beobach- 
tet und gezeichnet, sie aber damals mit E. Farcimen verbunden, die ich nun absondere. Die Trägheit in der Bewegung ist Folge 
des Mangels an verhältnissmässigen Bewegungsorganen. Der Körper ist zwischen den Magcnzellen mit einer feinkörnigen grüngelblichen 
Masse erfüllt, die man für den Eierstock halten kann. Samendrüse und Samenblase sind nicht deutlich erkannt, doch könnte letztere 
die am hintern Ende in Fig. I. beobachtete helle Stelle seyn. — Länge bis Via Linie ; Dicke 2— 2V2— 4mal in der Länge. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. I. 

Fig. 1—3. verschiedene Formen des erwachsenen Thierchens, 1. wirbelnd, 3. auswerfend. Fig. 4. ist der durch das Fortrücken der Speisen allmälig 
mühsam erkannte, aber im Zusammenhange gezeichnete, Verdauungscanal; »' Mund, w After. Vergrößerung 300mal im Diameter. 

421. XJnchetys Farcimen, wurstförmiges Walzentlüerciien. Tafel xxxi. Fig. n. 

E. corpore cylindrico aut clavato, gracili, antica parte attenuato, ovulis albicantibus. 

Enchelide Boudin, a corps cylindrique ou en massue, grele, aminci au bout anterieur, ayant les ovu- 
les blanchätres. 

La petite Solle, Joblot? Observat. avec le microscope, 1718. (ed. 1754. p. 67.) PI. 8. Fig. 11. (Amphileptus?) 

Enchelis Farcimen, Müller, Vermium fluv. bist. 1773. p. 11. Animalc. Infus. 1786. p. 37. Tab. V. Fig. 7, 8. 

Vibrio Intestinum, Müller, Vermium fluv. hist. 1773. p. 27. Animalc. Infus. 1786. p. 51. Tab. VI. Fig. 12 — 15. 

Gleichen, Infusionsthierchen, Taf. XXVIII. Fig. 3. 1778. 

Enchelis Farcimen, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 39. 1803. 

Pupella Farcimen, Bort de St. Vincent, Encyclopedie method. 1824. 

Condylostoma afrum, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Tab. II. Fig. 9. 1828. Text 1831. Euch. Pupa. 
Enchehjs Pupa, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 16. 1830. p. 75. Taf. II. Fig. 4. u. 6 — 14. 1831. p. 100. 

Aufenthalt: In Paris, Copenhagen, auf dem Greifenstein, bei Ingolstadt und in Berlin, vielleicht auch in Nord -Afrika in der Ju- 
piter Amnions -Oase beobachtet. 

Die Geschichte dieser Art ist unsicher, weil sie sich als Form wenig auszeichnet, auch habe ich selbst früher für besser ge- 
halten, sie geradehin für den Jugendzustand der vorigen gelten zu lassen, allein ich habe sie dann in so grosser Menge ohne die grös- 
sere Form gesehen, dass ich sie nun für eine selbstständige Art halte. Ich habe schon 1830 die Gefiässigkeit derselben anschaulich 
gemacht, indem sie mit einem Ansatz Thiere verschlingt, die dicker sind als sie selbst, wodurch auch ihre eigene Gestalt ganz verän- 
dert wird. Joblot's Figur, welche Müller citirt und von Bory und Schrank, nur nachgeschrieben wurde, bezieht sich auf ein 
ganz anderes Thierchen, einen Vibrio. Auch Gleichen's Citat bei Müller ist unpassend; doch scheinen Joblot und Gleichen 
diese Form allerdings gesehen zu haben. Joblot fand es in Stroh- und Kornähren -Aufguss, Gleichen in Brunnenwasser, vielleicht 
in Bonnland beim Greifenstein, Müller in lang stehendem Wasser, Schrank mit Ophrydium bei Ingolstadt, ich in Gräben des 



SOI 

Thiergartens und in Infusionen mit Brunnenwasser bei Berlin, und 1820 bei Siwa in der libyschen Oase im Abfluss des Sonnenqnells. 
Die belle Blase (Samenblase?) am Hinterende sab schon Schrank, welcher irrig von einem Panzer spricht. Ich gewann durch Far- 
benahrung die Ansicht vieler Magenzellen. Es hat weissliche Körnchen und ist fast cylindrisch, gewöhnlich 4mal so lang als dick, oft 
etwas länger; nur wenn es grosse Körper versclilungen hat, wird es dicker, bis sie verdaut sind. — Körperlänge — Vse Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. II. 

Fig. i. wirbelnd; Fig. 5 — 7. allmäliges Verschlingen eines Chilodon Cucullulus; Fig. 8 — 10. sind andere Gestalten desselben. Linearvergrös- 
serung 300mal. ; 

I 

422. Mnchetys infuscata, braiinmündiges Walzcntliierclicn. Tafel xxxi. Fig. III. 

E. corpore ovato subgloboso, albido, ore infuscato nec prominulo. 

Enchelide Mottsfache, a corps ovale ou spherique, blanchätre, la bouche entouree d' im cercle bnm 
et point saillante. 

Enchelys infuscata, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 101. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese Art hat Aehnlichkeit mit Leucophrys patula, ist aber glatt und hat einen engen vordem Mund, der einen gelblich- 
braunen vertriebenen Umkreis und undeutliche Wimpern hat. Die grossen Magenzellen füllen sich leicht mit Indigo, und ich zählte bis 
27. Andere Organe wurden nicht deutlich. — Grösse V24 — V20 Linie. Ich fand sie im Sumpfwasser mit langsamer Bewegung. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. III. 
Es sind 2 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung, mit Indigo gefüttert, dargestellt. 0' Mund, co Auswurfsstelle. 

423. Enchelys nehulosa, nebelartigcs Walzentiiierclicn. Tafel xxxi. Fig. IV. 

E. corpore ovato hyalino, ore produeto subacuto. 

Enchelide nebuleuse, a corps ovale hyalin, la bouche saillante cn forme de bec. 

Enchelys nehulosa, Müller, Vermium fluv. bist. 1773. p. 12. Anim. Infus, p. 27. Tab. IV. Fig. 8. 1786. 

Gleichen, Infusionstierchen , Taf. XVII. Fig. D. II. c. 1778. 

Enchelys nehulosa, Bory de St. Vincent, Encyclopedie meth. 1824. 

Enchelys nehulosa, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 101. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, auf dem Greifensteiii und bei Berlin. 

Gleichen fand diese Form in einem Gerstenaufguss , Müller im Wasser mit Cyclidium Glaucoma, ich habe sie hun- 
dertweise zwischen Saprolegnien in offenen Infusionen um todte Fliegen beobachtet. Sie nimmt leicht Carmin und Indigo auf, ich 
zählte bis 19 erfüllte grosse Magen. Nur bei dieser Art habe ich spontane Queertheilung häufig gesehen. Trichoda pura ist schlan- 
ker und hat einen schiefen Mund, Leucophrys carnium und pyriformis sind bewimpert. Diese 4 Formen sind oft schwer zu un- 
terscheiden. — Grösse V192 bis y 48 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. IV. 
Es sind 4 blau und 2 roth genährte Thierchen bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers dargestellt, 2 in Queertheilung. 



Nachtrag zur Gattung Enchelys. 

Die 44 hier ausgeschlossenen Artnamen sind auf folgende Körper ganz anderer Gattungen, oft Familien, zuweilen Classen 
und Reiche, bezogen: 1) Enchelys amoena Bort (1824) = Euglena?, Astasia? ; 2) E. Bacillus Oken (1815) = Vibrio; 
3) E. caudata Müller (1786), Schrank (1803) == Amphileptus?, Uroleptus? ; 4) E. Clava Schrank (1803) = Euglena?; 
5) E. constricta M. (1786) = Monas? ; 6) E. cycloides Bory (1824) == Trichoda?; 7) E. deses M. (1786) = Euglena?, 
Monas?; 8) E. diconus Schrank (1803) = Navicula? , Closterium acerosum? ; 9) E. EpistomiumM. (1773) — Phialina; 
10) E. festinans M. (1776) == Navicula?; 11) E. Fritillus M. (1773) = Vorticella Convallaria? ; 12) E. Fusus M. (1773) 
= Navicula gibba? , Cocconema? ; 13) E. Gallinula Bort (1824) = Loxodes? , Chilodon? ; 14) E. gemmata M. (1786) 
= Trachelius Anas? ; 15) E. gliscens Schrank (1803) = Gomphonema truncatum; 16) E. immota Schrank (1803) = 
Cocconema?, Eunotia? ; 17) E. Index M. (1786) = Trachelius? , Paramecium Aurelia post partum?; 18) E. inerta (inerte) 
Bory (1824) = Euglena? , Monas deses?; 19) E. intermedia M. (1786) = Monas didyma; 20) E. Lagenula Bory (1824) = 
Leucophrys; 21) E. Larva M. (1786) == Uroleptus? ; 22) E. microsoma Hemprich et Ehrenb. (Tab. 1828) = Monas 
scintillans; 23) E. monadina Bory (1824) = Chlamidomonas Pulvisculus; 24) E. Ovulum M. (1773) — Trichoda pura?; 
25) E. Palea Schrank (1803) = Navicula viridis? ; 26) E. Pirum s. Pyrum; 27) E. Podura Nitzsch (1827) = Ich- 
thydium Podura; 28) E. Pulvisculus Müller (1786) == Monas bicolor; 29) E. punetifera M. (1786) = Distigma? , Mi- 
croglena punetifera? ; 30) E. Papula Müller (1773) = Trachelius Anaticula? ; 31) E. pyriformis Bory (1824) == Leu- 
cophrys pyriformis; 32) E. Pyrum M. (1773) = Trichodina? , Leucophrys? ; E. Pyrum Schrank (1782. Naturf. XVIII. 
p. 80.) = Amphileptus Anser? ; 33) E. Rafanella und Raphanella Bory (1824) = Amphileptus Anser? ; Fasciola? ; 34) 
E. retrograda M. (1776) = Lacrymaria? , Phialina? ; 35) E. sanguinea Nees et Goldfuss (1826) ~ Euglena sangui- 
nea?; 36) E. Scytale Schrank (1803) = E. Papa?; 37) E. Seminulum M. (1773) = Enchelys?, Monas?; 38) E. sero- 
tiuaM.(1780) == Monas?, Enchelys?; 39) E. similis M. (1786) = Doxococcus? , Holophrya? ; 40) E. Spathula M. (1773) 
= Leucophrys Spathula; 41) E. Tiresias Bory (1824) == Conferva bipartita; 42) E. tremula M. (1786) = Monas tr.; 

1% 



302 



43) E. Tinnens M. (1786) = Kolpoda Cucullus post partum?; 44) E. viridis M. (1773) Crypfomonas ovafa?; E. vi- 
ridis Nitjssch (1827) = Euglena?, Ichthydium? . Die 4 Formen, welche Hill 1751 als Typen aufstellte, waren wohl Nr. 1. 
Anguillula, Nr. 2. Oscillatoria, Nr. 3- Vibrio, Nr. 4. Euglena. Bort's Gattung Kondyliostoma (Condylostoma) s. hei 2,ew- 
cophrys. Die eingehende Gattung Pupella Bort (1824) ist hier zu erwähnen. Die 9 Arten haben folgende Synonyme : 1) Pupella 
annulans B. (1824), annulata (1826) = Zorcw Insecti? ; 2) P. clavata B. (1824) == Enchelys Farcimen? ; 3) P. Farce- 
B. (1824) = Enchelys?; 4) P. /rcöfez; B. == Trachelius? , Paramecium Aurelia? ; 5) P. Lutra B. = Uroleptus? ; 6) 
P. / , //^« B. = Kolpoda Cucullus?; 7) P. Äo/ea B. = Trachelius trichophorus? ; 8) P. ifewa^ B. = Distigma tenax; 9) 
P. vermint/s B. = Trachelius Lametta? . 



HUNDERTSTE GATTUNG. DOPPELLEIB. 

Disoma. Di so ine. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, corpore duplici, nudo, ore inermi solo ciliato reeteque 
truncato. ( = Enchelys corpore duplici.) 

CARACTERE: Animal de la famüle des Encheliens, ä corps double, depourvu de cils, la bouche 
sans dents, ciliee et brusquement tronquee. ( = Enchelide et corps double.) 

Die Gattung der Doppelleiber unterscheidet sich in der Familie der Walzenthierchen durch dop- 
pelten wimperlosen Körper an einem bewimperten gerade abgestutzten Munde. 

Diese Gattung wurde auf meiner und Hemprich's Reise von mir 1823 bei Tor in Arabien in stag- 
nirendem Seewasser beobachtet und 1828 publicirt. Es ist nur Eine Art bekannt und die Beobachtung der- 
selben zwar mit vieler Anstrengung und Sorgfalt gemacht, allein ohne hinreichende Vergrösserung, um die 
Structur des Organismus zu erkennen. Es bleiben daher Zweifel, ob diese Form nicht doch eine in der 
Längstheilung begriffene Enchelys war. Die Gründe, welche für die Selbstständigkeit der Gattung spre- 
chen, sind das gleichzeitig beobachtete Vorkommen und die dennoch verschiedene Erscheinung des Trache- 
lius Lamella, des am nächsten verwandten Thieres, und der Umstand, dass damals keine Einzelthiere vor- 
kamen und dass auch bis heute noch bei keiner solchen Gattung der Enchelien- Familie, die einen gerade 
abgestutzten, also am Ende der Körperaxe befindlichen, Mund haben, Längstheilung beobachtet ist. — An 
Organisation ist ein Wirbel in der Mitte beider Körper an ihrem Vereinigungspunkte vorn erkannt. Im In- 
nern sind viele kleine Zellenbläschen (Magen) beobachtet und am hintern Ende jedes Körpers schienen Ex- 
cremente ausgeworfen zu werden. 

Was den doppelten Leib als constanten Bildungscharacter anlangt, so ist, nachdem diess Thierchen 
gefunden und publicirt war, auch bei den Saugwürmern von Nordmann (Micrograph. Beiträge 1832) eine 
Form gefunden und unter dem Namen Diplozoon paradoxum vortrefflich beschrieben worden, wo immer 
2 Leiber in der Mitte vereinigt sind und wovon ich selbst seit nun 6 Jahren Hunderte von Exemplaren 
beobachtet habe. Ein drittes Doppelthier habe ich in vielen Exemplaren lebend beobachtet und unter dem 
Namen Amphicora Sabella in den Mittheilungen der Berk naturf. Gesellsch. 1836 beschrieben, davon ist in 
den Comptes rendus der Pariser Akademie 1837 eine Skizze gegeben. Eine 4te Form nannte v. Siebold 
1836 Syngamus trachealis, widerrief sie aber 1837 in Wiegmann's Archiv I. p. 66. als zur Gattung Stron- 
g-ylus gehörig. Dass die ganze Gruppe der Terebratulen doppelleibig sey, hat sich neuerlich auch nicht 
befestigen lassen. So giebt es demnach bis jetzt, nächst dem Disoma, nur noch 2 doppelleibige sichere 
Thierformen. 

Als geographische Verbreitung ist nur das rothe Meer bei Tor bekannt. 
424. Disoma vacillans, schwankender Doppelleib. Tafel xxxi. Fig. V. 

D. corpusculis binis clavatis, gracilibus teretibus, hyalinis, antica parte attenuatis. 

Disome branlant, a corpuscules binaires, filiformes, en massae grele, hyalins et amincis au bout an- 
terieur. 

Disoma vacillans, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata T. Phytozoa, Tab. III. Fig. VI. 3. 1828. Text 1831. 

Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 9, 12, 16, 19. 1831. p. 101. 

Aufenthalt: Im Seewasser des rotlien Meeres bei Tor am Sinai Arabiens. 

Diese doppelleibige sehr interessante Form fand sich in einem Gefässe mit Meerwasser ein, welches ich gegen Ende Octobers 
1823 in Tor absichtlich mit andern zur Infusorienbeobachtung hingestellt hatte. Erst am 8ten Tage sah ich einige derselben, dann 
wimmelte das ganze Gefäss davon. Dazwischen waren Euplotes (Stylonychia)? Cimecc, Trachelius Lamella, Vibrio Rugula, 
Monas Termo, Cyclidium Glaucoma. Ich hielt anfangs das Thierchen für Trachelius Lamella {Kolpoda platyurd) in der 
Sclhsttheilung, allein die daneben befindlichen Einzelthiere des Trachelius zeigten sich bald als ganz verschieden. Sie machten keinen 



303 

Wirbel am vordem Ende und waren hinten platt. Dann imponirte die Frequenz und üebereinstimmung der Form immermehr, um darin 
eine eigene physiologisch höchst interessante Erscheinung, ein Thier mit constant doppeltem freien Leibe an Einem Munde, zu erken- 
nen. Ich habe die lateinischen Worte der ausführlichen Beschreibung des Tagebuchs in den Symbolis physich mitgetheilt und bis 
heute noch keine ahnliche Erscheinung wieder gesehen, obschon Müllers Vibrio verminus (Trachelius Lamelid) in der Selbst- 
thednng wohl ähnlich ist. Dieses letztere Thier hängt aber bei der Theilung an sehr verschiedenen Körpcrstellen zusammen, bald vorn, 
bald hinten, bald m der Mitte, was ich bei dem arabischen nie sah. So bin ich denn, ungeachtet der damals schwachen Vcrgrösse- 
rung, noch mimer der 31eimmg, dass jene arabische eine eigenthümlichc merkwürdige Form war. Häufig schwammen beide Leiber 
parallel nebeneinander so, dass sie sich um die Längsaxe drehten und wankend rasch fortbewegten. Zuweilen klafften beide Körper 
weit auseinander, doch nie bis zur geraden Linie. Ich glaubte das Auswerfen am hintern Körperende zu sehen und sah innere Zellen. 
Ein Wirbel war nur vorn an der Vereinigungsstelle, aber deutlich zu sehen. — Grösse */„— % Linie. (Vergl. Trachelocerca bieeps.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. V. 

Es sind 4 Doppelthierchen bei lOOmaliger Linearvergrösserung. Fig. 2. und 3. sind die gewöhnlichsten Stellungen; Fig. 1. stärker klaffend: Pur. 4. 
stärkstes Klaffen und Wirbeln am mittleren Munde. 



HUNDERTERSTE GATTUNG: SONNENTHIERCHEN. 

Actinophrys. Actinoplire. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum faniilia, corpore eiliis vibrantibus destituto, tentaculis setaeeis un- 
«lique birto, ore truncato. 

CARACTERE: Animal de la famille des Encheliens, a corps depourvu de eils vibrants, mais 
herisse de tentacules setaces, rayonnants de tous edles, ayant la houche brusquement 
tronquee. 

Die Gattung der Sonnentbiercben zeiebnet sieb in der Familie der Walzentbiercben dureb Man- 
gel an Fuss und wirbelnden Wimpern, aber dureb Besitz von strahlenartig überall hervorstehenden Fühlbor- 
sten und gerade abgestutzten zahnlosen Mund aus. 

Müller sah zuerst und beschrieb 1773 das weissliche Sonnentbiercben als Trickoda JSol, meinte 
aber schon, obwohl er Joblot's Trichodina damit verwechselte, dass es der Stamm einer besondern Gat- 
tung sey. Eichhorn beobachtete es sehr umständlich seit 1776. Grothcisen sah es 1812. Bory de St. 
Vincent führte es 1824 mit sehr verschiedenen Tbieren in seiner Gattung Peritricha auf. In der beson- 
dern Gattung Actinophrys wurde es 1830 zuerst mit einer 2ten Art verzeichnet. Eine dritte Art ist seit 
1832 hinzugefügt. — An Organisation ist schon seit 1773 der Mund undeutlich, seit 1783 aber von Eich- 
horn deutlich und auch Stoffaufnahme gesehen. Letzterer sah auch schon 1777 das Aufrichten und Senken 
der Fühlborsten und die Ortsveränderung. Den polygastrischen Bau und die dem Munde entgegengesetzte 
Aus wurfssteile bemerkte ich seit 1830, wo auch, jedoch nur bei A. Sol, ein Rüssel angezeigt ward. Eine 
körnige Trübung mochte bei allen Arten dem Eierstock angehören, was die grüne Färbung derselben bei A. 
viridis bestätigt. Eine runde Samendrüse sah vielleicht schon Müller, und Eichhorn sah schon Selbsttbeilung. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist bei Copenbagen, in Baiern, bei Berlin, Danzig und 
Catbarinenburg im Ural Asiens beobachtet. 

425. Actinophrys Sol, weissliches Sonneiitliierclien. Tafel XXXI. Fig. YI. 

A. corpore globoso, albido, radiis diametro corporis aequalibus, rarioribus. 

Actinophre Sol eil, a corps spherir/ue blanchatre, les rayous nioins frequents cgalant le diametre da 
corps. 

Trivhoda Sol, Müller, Verm. fluv. liist. 1773. p. 72. Animalc. Intus. 1786. p. 164. Tab. XXIII. Fig. 43 — -15. 
Der Stern, Eichhorn, Beiträge zur Kenntniss d. kl. Wasserth. Zugabe 1783. p. 15. Mit einer Abbildung. 
Trichoda Sol, Schränk, Fauna boica, III. 2. p. 93. 1803. 

llaarhjtes braunyelhcs Kugelthier, Gruithuisen , Beiträge z. Physiogn. und Eautogn. 1812. p. 315. Taf. II. Fig. 25. 
Peritricha Sol, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 

Actinophrys Sol, Abhandl. der Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1830. p. 42, 53, 61, 76. Taf. 2. Fig. 4. 1831. p. 101. 

Anfentbalt: Bei Copenhagen, Danzig, Ingolstadt, Berlin und Catbarinenburg im Ural. 

An der staubigen Oberfläche der Infusionen oder auch in ähnlichen Verhältnissen im Freien lebt diess Thierchen sehr zahl- 
reich das ganze Jahr hindurch in und bei Berlin. Im April 1827 fand ich es besonders zahlreich mit Monas Pulvisctdus. Im Juli 
1829 sah und zeichnete ich es in Catbarinenburg auf der Reise mit Herrn ton Humboldt. Eichhorn beobachtete es bei Danzig 
im December, Januar und Februar 1776 — 1777 und sah es unter m Eise lebend. Da es fast unbeweglich ist, so wird es leicht über- 
sehen. Seine Bewegung ist sehr langsam, wie die eines Seeigels. Durch Luftaufnahme kann es auch scbnell zur Oberfläche getragen 
werden und durch Entlassen der Luft schnell zu Boden sinken, wie es schon Eichhorn sah. Die Strahlen sah ich, das Beugen ab- 
gerechnet, sich verlängern und verkürzen und am Ende mit einem Knöpfchen versehen. Sie dienen zum Fühlen, Gehen und Fangen, 
und haben eine sehr auffallende schnell- tödtende Wirkung. Meten will abgeschnittene Strahlen sich windend gesehen haben, kann aber 
leicht Vibrio Bacillus dafür gehalten haben, der meist gleichzeitig da ist (Isis 1828. p. 1232.). Der Mund hat einen ausstülp- 



304 



baren Rüssel, ist gross und rund. Diesen Rüssel hielt vielleicht Eichhorn (Fig. 2.) für ein besonderes Thier. Eichhorn sah es 
••anze Wasserflöhe verschlingen. Ich habe es Carmin und Indigo oft verzehren gesehen. Es geschieht ruckweise ohne Wirbeln, und 
ich zählte bis 16 erfüllte Magen. Die helle runde Stelle in der Mitte, welche Müller beim Eintrocknen sah, kann die männliche 
Sexualdruse gewesen seyn, die mir nie recht deutlich geworden. Die von Eichhorn zuerst beobachtete Selbsttlieilung habe ich zahl- 
lose Male bestätigt und es schien mir nicht Längstheilung, d.h. Halbirung des Mundes, zii seyn. — Grösse Vioo bis Vae Linie beobach- 
tet. Eichhorn scheint viel grössere gesehen zu haben, da er sie mit blossen Augen sehen konnte und darin ganze (!) kleine Wasser- 
flöhe fand. Auch gelang ihm das Zerschneiden derselben, welches ihn zur Beobachtung der Reproduktion binnen 5 Stunden führte. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. VI. 

Es siud 4 einfache und ein durch Selbsttheilung doppeltes Thierchen, mit Indigo und Carmin genährt, bei 380maliger Vergrößerung darge- 
stellt. Fig. 1. o' zeigt den Rüssel, w die Analstelle an. 

426. Actinophrys viridis, grünes Soniienthicrclien. Tafel xxxi. Fig. VII. 

A. corpore globoso, virente, radiis diametro corporis brevioribus, densioribus. 

Actinophre verte, a corps spherique verdätre, les rayons plus courts que le diametre du corps et 
tres - frequents. 

Trichoda Chaetophora, Schränk? Fauna boica, III. 2. p. 93. 1803. 

Actinophrys viridis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 228. 

Aufenthalt: Bei Berlin, vielleicht auch bei Ingolstadt beobachtet. 

Im April und am 14. Juni 1832 zwischen Conferven im Bassin des Thiergartens in mehreren Exemplaren beobachtet. Spe- 
ciellere deutliche Details der Organisation wurden nicht erkannt. Die grüne Färbung schien Eikörnchen anzugehören. Die Strahlen 
hatten nur die Hälfte des Körperdurchmesscrs. Schrank's Form, die ich früher übersehen, mag doch wohl dieselbe Art gewesen 
seyn, und dann wäre sein Artname vorzuziehen. — Durchmesser des Körpers allein V52 — V24 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. TU. 
Es sind 2 Exemplare verschiedener Grösse bei 300inaliger Linearvergrösserung abgebildet. Die Strahlen sind allseitig, aber nur am Rande 

sichtbar. 

42*. Actinophrys dijßTormis, ungleiches Sonnentliierclieii. Tafel xxxi. Fig. VIII. 

A. corpore inaequali lobato, hyalino, radiis partim diametro longioribns. 

Actinophre difforme, a corps inegal, lobe, hyalin, quelques rayons plus longs que le diametre. 

Actinophrys difformis, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. 1831. p. 101. 

Aufenthalt: In Berlin. 

Diese Form habe ich nur an der Oberfläche von verschiedenen Aufgüssen zuerst am 10. Nov. 1828, dann noch einigeinale 
zahlreich, aber neuerlich nicht wieder beobachtet. Sie ist von sehr unregelmässiger Gestalt, vielleicht in Folge immer mehrfacher gleich- 
zeitiger Selbsttheilung. Spuren von Magenzellen waren, wie bei voriger Art, aber nicht deutlich sichtbar. — Grösse ohne die Strah- 
len V48 — V24 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. VIII. 
Es sind 2 Exemplare bei 300maliger Vergrößerung abgebildet. 



Nachtrag zur Gattung Actinophrys. 

Die, mit Actinophrys verwandte, Gattung Perilricha von Bort 1824, welche sehr heterogene Formen, auch Polypeneier, 
enthält und 1831 im Dict. classique von ihm auch Politricha genannt wurde, dürfte leicht ganz eingehen. Folgende Synonyme schei- 
nen zu den 15 Artnamen zu gehören: 1) P. Candida (1824. Encycl. meth.) — Trachelius Lamella? ; 2) P. Cometa (1824) = 
Podophrya fizca ß salsa ; 3) P. cylindracea (1824) = Leucophrys patula; 4) P. Farcimen (1826. Essay) = Leuc. pa- 
tula; 5) P. fixa (1828) = Podophrya; 6) P. Granula (1824) == Actinophrys?, Trichodina Grandinella? ; 7) P. Medusa 
(1824) = Trichodiscus Sol? ; 8) P. Ovulum (1824) = Paramecium Chrysalis ; 9) P. Parhelia (1824) = Trichodina Pe- 
diculus?; 10) P. Pleuronectes (1824) = Paramec. Aurelia; 11) P. Polyporum (1824) = Ova Hydrae; 12) P. signata 
(1824) == Bursaria? ; 13) P. Sol (1824) = Actinophrys; 14) P. solaris (1828. Dict. class.) — Trichodiscus Sol?; 15) P. 
vacillans Hempr. et Ehrenb. (1828. Symb. phys.) = Paramecium Chrysalis. 



HUNDERTZWEITE GATTUNG: STRAHLENSCHEIBE. 

Trichodiscus. Tricodisque. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, eiliis non vibrans, ore inermi recte truncato, corpore de- 
presso, non pedicellato, tentaculorum setaeeorum sola serie marginali radiato. 



305 



CARACTERE: Animal de la famüle des Encheliens, sans vibrations de cils, a boucke sans denls, 
brusquement tronquee, a corps deprime sans pedicule et ä tentacides setaces en Se- 
rie simple au bord du corps. 

Die Gattung der Strahlen seh eibe ist in der Familie der Walzenthierchen durch Mangel an wir- 
belnden Wimpern, durch zahnlosen gerade abgestutzten Mund, abgeplatteten stiellosen Körper und durch 
eine einfache Reihe borstenartiger strahlender Randfühler characterisirt. 

Die Gattung ist seit 1830 aufgestellt und enthält nur eine bekannte sichere Art. Sie war eine 
Frucht der Reise mit Herrn von Humboldt nach Sibirien. Seitdem ist sie aber auch bei Berlin vorgekom- 
men und es scheint, dass man Müllers Trichoda solaris^ welche Bory de St. Vincent mit in seiner Gat- 
tung Peritricha als P. Medusa und solaris aufführte, wenn nicht auf die Art, doch auf die Gattung be- 
ziehen könnte. — An Organisation ist zwar mancherlei, aber nicht viel Entschiedenes ermittelt. Der flache 
Körper ist scheibenartig und hat manche Aehnlichkeit mit der Gattung Arcella, ist aber schaalenlos, weich 
und hat steife borstenartige Strahlen. Eine mittlere Mundöffnung und vielleicht eine seitliche grosse Drüse 
sah ich in Berlin. Viele Magenzellen und Eikörnchen? sah ich undeutlich in Catharinenburg. Farbeaufnahme 
gelang nicht. Die Analstelle ist unsicher. 

Die geographische Verbreitung ist bei Berlin, bei Kischtym im Ural, bei Barnaul am Altai und viel- 
leicht bei Copenhagen beobachtet. 

428. Trichodiscus Sol, sonnenartige Strahlenscheifte. Tafel XXXI. Fig. IX. 

T. corpore depresso suborbiculari, hyalino aut flavicante, radiis variis. 

Tricodist/ue Soleil, a corps deprime presr/ue orbiculaire, hyalin ou jaunätre, les rayons variables. 

Trichodiscus Sol, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 54, 65. 1831. p. 103. 

Aufenthalt: Bei Kischtym im Ural, bei Barnaul am Altai Asiens und bei Berlin beobachtet. 

Dieses Thierchen gehört zu den Formen, welche in andern Welttheilen gesucht und entdeckt worden, und dann erst (seit 1830) 
in der Heimath in Europa auch gesehen sind. Es ist sehr träge, oft lange ganz bewegungslos, und seine Bewegung ist nie anders als 
höchst langsam mit Hülfe des Senkens und Hebens der Strahlen. Ich fand es zwischen Conferven immer nur einzeln im Juni und Juli. 
Müller beobachtete ein ähnliches Thierchen im Meerwasser, das ganz die Gestalt einer todten Oceanea microscopica, jener kleinen 
Leucht-Akalepke, hat, die ich im Categat beobachtet habe (Leuchten des Meeres p. 130.). Ich wage nicht, es als eine sichere 
Art hier aufzunehmen. Die Organisation ist oben erwähnt. — Grösse ^36 — Vis Linie im Durchmesser ohne die Strahlen, deren ein- 
zelne grösser sind als der Durchmesser, aber nicht in die Augen fallen. Nur die Form von Kischtym war gelblich und körnig, wohl 
von den Eiern, die andern waren farblos. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. IX. 
Fig. 1 — 3. sind in Kischtym im Ural gezeichnet; Fig. 4. in Berlin; Fig. 5. in Barnaul am Altai. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 



HUNDERTDRITTE GATTUNG. STRAHLENFUSS. 

Fodopbrya. Podoplire. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, non vibrans eiliis, ore inermi recte truncato, corpore glo- 
boso pedicellato (libero), tentaculis setaeeis undique piloso. ( = Actinophrys pedicellata.) 

CARACTERE : Animal de la famille des Encheliens > sans eils vibrants, a bouche sans dents, 
brusquement tronquee^, a corps spherique pedicule {libre) et herisse de tous cötes de 
lentacules setaces. ( = Actinophre ä pedicule) 

Die Gattung Strahlenfuss aus der Familie der Walzenthierchen zeichnet sich durch Mangel an 
wirbelnden Wimpern, zahnlosen gerade abgestutzten Mund, kugligen, (frei) gestielten und von allen Seiten 
mit borstenartigen Fühlern behaarten Körper aus. (Gestielte Strahlenkugel.) 

Die seit 1833 von mir zur Gattung erhobene einzige Form kannte wohl schon Müller 1784 und 
er nannte sie 1786 Trichoda fixa. Bory führte sie mit in seiner Gattung Peritricha unter 2 Namen 
auf. — An Organisation hat dieses, ganz einer steif gestielten Actinophrys ähnliche, Thierchen langsam 
und einzeln bewegte Strahlen, einen deutlichen Mund, deutliche Magenzellen und feine dunkle Eikörnchen 
erkennen lassen. Stoffaufnahme und die Stelle des Afters sind nicht beobachtet. (S. d. Anhang z. Familie.) 

Die geographische Verbreitung ist bei Berlin und Copenhagen erkannt. 

99 



306 



429. JPodophrya fioca, süsser Stralilenfuss. Tafel xxxi. Fig. X. 

P. corpore globoso albicante, turbido, pcdicello apice sublobato liyalino, setis corpus aeouantibus capitatis. 

Podophre affichee, a corps «pherique blanchätre, obscur, ayant un pedicule hyalin legerement eclian- 
cre au bout et les rayons a bouton egalant le diametre du corps. 

Trichoda fixa, Müiler, Animalc. infus. 1786. p. 217. Tab. XXXI. Fig. 11 — 12. 

PerUricha Cometa, Bort de St. Vincent, 1824. Kncyclopedie methodique, fixa 1828. Dict. classiq. 
Podophrya fixa cc dulcis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 306. 

Aufenthalt: Bei Berlin im Süsswasser, vielleicht auch bei Copenhagen im Seewasser. 

Ich fand diess Thierchen am 26. und 28. April 1832 zahlreich frei an der Oberfläche bestäubten Wassers aus dem Thier- 
garten in meiner Wohnung. Es hat manche Aehnlichkeit mit der Gattung Acineta und würde dieser Gattung angehören, wenn sich 
der Mangel einer Analstelle bestätigte. Ich habe die Aehnlichkeit mit Actinophrys vorgezogen. Müller s ähnliches Thierchen fand 
sich im Seewasser, hatte ein zweilappiges Fussende und keine Knöpfchen an den Borsten. Ich sondere es daher noch als Va- 
rietät ß salsa ab. Besonders interessant ist die Fangkraft des Thierchens, welche schon Müller bewunderte. Sobald das rasch 
wirbelnde Hagelthierchen, Trichodina Grandinella, welches gleichzeitig häufig zu seyn pflegt, an seine Fühlborsten stösst, so 
ist es sogleich gefangen, hört plötzlich auf zu wirbeln und streckt die Wimpern rückwärts aus {Opisthotonus). Es wird dann immer 
näher an den Körper gezogen, bleibt so lange Zeit hängen, wird innen sichtlich ausgeleert und die Haut fällt dann ab. Müller 
nannte ein daran hängendes Thierchen Leucophra signata. Ich sah das Beugen und Verkürzen der Strahlen, sonst keine Bewegung, 
kein Wirbeln in farbigem Wasser und keine Aufnahme von Carmin, aber deutliche Magenzellen. Eine helle contractile Stelle hielt ich 
für den Mund und vermuthete, weil der Stiel nicht in der Längsaxe liegt, die Analstelle dem Munde entgegengesetzt, wodurch der 
Stiel wohl, als Bauchglied, sich Fuss nennen lässt. Stiel schief angesetzt, mehr als doppelt so lang als der Körper, am Ende abge- 
stutzt, etwas erweitert (auch wohl gelappt). — Grösse der Kugel ^36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. X. 
Es sind 6 Thierchen in verschiedenen Grössen bei 300maliger Diametervergrösserung abgebildet. Fig. 1. und 5. haben Hagelthierchen 

gefangen. 



HUNDERT VIERTE GATTUNG: HAARTHIERCHEN. 

Trio Ii Oda. Tricode. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, corpore nudo, ore edentato eiliis vibrante, oblique trun- 
cato, labiato nec collo suffulto. 

CARACTERE: Animal de la famille des Encheliens, a corps sans poils ou eils, a bouche sans 
dents, eiliee, vibrante , ohliqnement tronquee^, a levre et sans cou. 

Der Character der Gattung der Haart Iii er eben bestebt in einem unbehaarten und wiuiperlosen 
Körper, und einem unbewaffneten bewimperten sebief abgestutzten Munde mit Lippe obne Hals. 

Die Gattung Trichoda ist sebon 1773 von Müller für die nur halb behaarten, nicht radartig wir- 
belnden, Infusorien gebildet worden, und hat seitdem zu einem Sammelplatz aller unklaren bewimperten 
und behaarten Infusorien, Räderthiere und auch vieler andern Dinge gedient, zumal da schon der Grün- 
der der Gattung Wimpern und Haare verwechselte. So sind allmälig mehr als 126 Artnamen in dieser Gattung 
entstanden, von denen nur 6 hier aufgenommen sind, und auch diese nicht alle als sichere Arten betrachtet 
werden können. Zuerst brachte Hill 1751 2 solcher Formen in seine Gattung Scelasius, Fussthierchen, 
denen er die Brachionos , Armthierchen (Räderthiere), in seiner Familie der Arthonien, Glieder- 
thierchen, entgegensetzte. 31iller nahm jenen Namen, der sprachlich nicht gut gebildet ist, nicht auf, 
gab seiner Gattung Trichoda 1773 sogleich 40 Arten und bis 1786 vermehrte er die Namen auf 100, 
die Artenzahl auf 89, d. i. 4 A aller ihm bekannten Infusorien. Schränk hat dann 1803 12 neue Art- 
namen gegeben. Nitzsch gab 1817 1, Bory 1824 noch 5, und 8 wurden von mir später hinzugefügt. 
Schon Schrank sonderte 1803 von Trichoda die Gattung Tintinnus ab und nahm eine Art als Vagina- 
ria auf. Lamarck nannte 1816 eine Art Cercaria und bildete aus den übrigen die 4 Gattungen Trichoda^ 
Trichocerca, Vaginicola und Rattulus. Schweigger schlug 1820 vor, Müller's Gattung in 6 Genera 
zu spalten (Handb. d. Naturg. d. skeletl. Th. p. 405.). Bory de St. Vincent sonderte sie 1824, nur 
nach äusseren Verschiedenheiten, in 28 Genera, die er in 9 Familien vertheilte. Dabei behielt er 26 Ar- 
ten in der Gattung Trichoda. Seit 1830 ist die Abtheilung dieser zahlreichen Formen nach ihrer inneren 
Organisation von mir versucht worden, wobei eine ansehnliche Zahl von Arten in die Klasse der Räder- 
thierchen verwiesen worden ist, die übrigen aber in sehr verschiedene Gattungen vertheilt wurden. — 
Die organischen Verhältnisse der jetzigen Gattung, welche nur Eine inländische mir bekannte Art besitzt, 



30¥ 



sind unvollständig beobachtet. Eine Mehrzahl von Wimpern am Munde sind die alleinigen Bewegungsorgane. 

— Ein polygastrischer Ernährungsapparat ist durch Farbenahrung ausser Zweifel gestellt, auch die hintere 
Analstelle ermittelt. Die schiefe Muudfläche bildet eine characteristische Oberlippe. Sexualtheäle sind un- 
deutlich beobachtet, nur bei Trich. Pyrum ist Selbsttheilung erkannt. Alle Arten sind farblos. 

Die geographische Verbreitung ist in ganz Europa, im libyschen Afrika, in Dongala Nubiens und 
im sinaitischen Arabien beobachtet. Noch könnten etwa 8 Arten dieser Gattung von Müller mir unbekannt 
gebliebene Formen aus Dänemark seyn. 

430. Trichoda pura, reinliches Haartliierclien. Tafel xxxi. Fig. XI. 

T. corpore oblongo, clavato, antica parte attenuato, ore laterali ventriculisuue parvis. 

Tricode pure, a corps oblong en massue, aminci au bouf anterieur, la bouche laterale et les ventri- 
cules petits. 

Kolpoda Pirnm, Müller? Animalc. Infus. 1786. (s. Leucophrys piriformis und Trich. Purum.) 
Trichoda pura, Abhandl. der Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1831. p. 104. 

Aufenthalt: In und bei Berlin. 

Diese Form findet sich in vegetabilischen Aufgüssen häufig sehr zahlreich mit Cyclidium Glaucoma und gleicht der etwas 
grösseren Leucophrys piriformis sehr, welche ganz bewimpert ist. Sie nimmt leicht Farben auf, unterscheidet sich aber von ähnli- 
chen Thierchen durch ihre kleinen, mehr als 20, Magenzellen. Früher verwechselte ich jene beiden Arten und sah oft einen hellen 
runden Fleck in der Mitte ihres Körpers, welcher eine Samendrüse gewesen zu seyn scheint, die ich neuerlich nur bei der Leuco- 
phrys deutlich wiedersah. Sie schwimmt, sich langsam um ihre Längsaxe drehend, weil sie nur geringe Bewegungsmittel hat. Eine 
ähnliche Leucophrys lebt in übelriechendem Fleisch wasser (carnium impurd). Man vergleiche auch Glaucoma scintillans und 
Chilodon Cucullulus wohl. — - Grösse bis Veo Linie, meist doppelt so gross als das Cyclidium. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. XI. 

Es sind Ii, mit Farbe genährte, Specimina bei 300maliger Vergrösserung dargestellt. Fig. 5. ist ein Cyclidium Glaucoma darunter mit 
seinen grösseren Magenzellen. 

431. Trichoda Nasamonum, libysches Haartliierclien. Tafel xxxi. Fig. XII. 

T. corpore cylindrico utrinque aequaliter obtuso, ore laterali clongato maximo. 

Tricode libyque, a corps cylindrique egalement obtus aux deusc extremites et k bouche laterale tres- 
grande allongee. 

Condylostoma Nasamonum, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Zoophyta, Tab. II. Libyca, Fig. 10. 1828. 
Trichoda Nasamonum, Abhandl. der Akad. d. Wissenscli. zu Berlin, 1829. p. 17, 19. 1831. p. 104. Symb. phys. Text 1831. 

Aufenthalt: In der libyschen Wüste bei Siwa, dem ehemaligen Lande der Nasamonen. 

Auf meiner libyschen Reise mit Dr. Hemprich sah und zeichnete ich 1820 diese Form im November in Siwa, der Am- 
nions -Oase. Sie könnte auch eine Oxytricha gewesen seyn, da sie nicht hinreichend vergrössert beobachtet worden. — Grösse bis 
1 j 2 * Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXI. Fig. XII. 

Es ist ein in Siwa gezeichnetes, lOOmal vergrössertes , Thierchen. 

432. Trichoda ovata, eiförmiges Haartliierclien. Tafel xxxi. Fig. XIII. 

T. corpore ovato turgido, antica parte attenuato utrinque rotundato, ore laterali parvo. 

Tricode ovale, a corps ovale gonfle, aminci au bout anterieur, arrondi aux extremites, la bouche la- 
terale petile. 

Condylostoma ovatum, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab. I. Fig. 8. 1828. 
Trichoda? ovata, Abhandl. d. Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1829. p. 17, 19. 1831. p. 104. 

Aufenthalt: Bei Bulak und Cahira in Aegypten. 

Es wurde von mir auf der Reise mit Dr. Hemprich im Jahre 1821 bei Bulak und Cahira in stehendem Wasser beobachtet 
und gezeichnet. Es ist dicker und kürzer als T. pura und vorn stumpfer als T. Pyrum, wurde aber nicht hinreichend vergrössert. 

— Grösse 1 j i0 Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXI. Fig. Xffl. 

Es ist das von mir im Februar in Bulak gezeichnete, lOOmal im Durchmesser vergrösserte, Exemplar. 

433. Trichoda? aethiopica, aethiopisches Haartliierclien. Tafel xxxi. Fig. xiv. 

T. corpore oblongo postice subacuto, ventre piano, ore amplo. 

Tricode aethiopique, ä corps oblong, aminci au bout posterieur, a ventre plat et a bouche ample. 

Trichoda aethiopica, Hemprich n. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab. I. Fig. 10. 1828. Text 1831. 
Trichoda aethiopica, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 17, 20. 1831. p. 104. 

Aufenthalt: Nil bei der Insel Argo in Dongala. 



308 



Von Dr. Hemprich und mir im April 1822 in Nubien zwischen Conferven des Nils beobachtet. Es war wenig beweglich, 
stand oft still, lief dann hin und her und warf sich auf fremde Körper hastig mit ausgespreizten Wimpern. Im Innern waren ver- 
schluckte Dinge sichtbar. Die ausführliche Beschreibung meines Tagebuches ist in den Symbolis physicis mitgetheilt. Es könnte 
eine bei zu geringer Vergrösserung betrachtete O&ytricha gewesen seyn. — Grösse Vso Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. XIV. 

Es sind 3 Exemplare, bei lOOmaliger Diametervergrösserung, auf der Insel Argo gezeichnet. Eines davon hat sich an das hintere Ende des 
andern angeklammert. Es war keine Selbsttheilung. 

434. Trichoda asiatica, asiatisches HaartWerchen. Tafel xxxi. Fig. XV. 

T. corpore ovato-oblongo utrinque rotundato, tereti, ore parvo. 

Tricode asiatique, a corps ovale oblong, cylindrir/ue , arrondi auas bouts, la bouche pelite. 

Condylosioma asiaticum, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab. II. Sinait. 15. 1828. 
Trichoda asiatica, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 17 , 20. 1831. p. 104. 

Aufenthalt: In Wadi Essele des Sinaigebirges in Arabien. 

Es fand sich 1823 auf meiner Reise mit Dr. Hemprich im November zwischen Conferven des kleinen Baches Wadi Essele 
am Sinai, die ich in Tor untersuchte. — Grösse 1 / 12 Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXI. Fig. XV. 
Ein von mir in Tor bei lOOmaliger Linearvergrösserung gezeichnetes Exemplar. 

435. Trichoda Purum, birnformiges Haarthierchen. Tafel XXXI. Fig. XVI. 

T. corpore ovato turgido, antica parte subito acuto. 

Tricode Poire, a corps ovale gonße, brusquement aigu au bout anter ieur. 

Cornemuse, Joblot? Observations faites avec le microsc. 1716. p. 59. Tab. 7. Fig. 2. 

Animaluzzi sferici dal Professor Ginevrino, Spallanzani? Opnscoli di Fisica anim. I. p. 152. Tav. I. Fig. 4. 1776. 
Ovalthierchen, Gleichen, Abhandl. üb. Samen- und In fusionsth. p. 150. Tab. XXVII. Fig. 18 — 20. 1778. 
Paere-bugter, Müller, Nye Sarai, af Dansk. Vidensk. Saelsk. Skrift. 1780. II. p. 245, 273. Taf. I. Fig. 1. 
Kolpoda Pirum, Müller, Animalc. Infusor. 1786. p. 108. Tab. XVI. Fig. 1 — 5. 
Eiichelis pyriformis, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. 1824. 

Colpoda Pyrum, Hemprich u. Ehrenberu, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytoz. Tab. II. sinait. Fig. 2. 
Trichoda Pyrum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 8, 17, 20. 1831. p. 104. 

Aufenthalt: Bei Paris und Modena, auf dem Greifenstein, bei Copenhagen und wohl in Wadi Essele am Sinai Arabiens beobachtet. 

Unter dem Namen Trichoda Pyrum begriff Müller offenbar viele verschiedene Körper: Trichoda pura, Leucophrys 
pyriformis und carnium sammt den Theilungszuständen der Glaucoma scintillans, Chilodon Cucullulus, Paramecium Kol- 
poda und anderer, denn alle diese Formen können auf seine Charactere passend erscheinen. Alle früheren Synonyme sind unsicher und 
auf Abbildungen ist sich nicht zu verlassen, da man die Charactere übersah. Alles, was ich früher für Trichoda Pyrum bei Berlin 
gehalten, bin ich jetzt geneigter für Leucophrys pyriformis anzusehen, deren allgemeine Behaarung nicht erkennbar ist, wenn man 
nicht Farbe in's Wasser mischt. Ich verweise daher auf diese Form. Joblot hat Längstheilung für Begattung gehalten, und Spal- 
lanzani , Gleichen und Müller haben Queertheilung beobachtet. Joblot kann auch die Jungen der Kolpoda Cucullus gemeint 
haben. Er sah sie in Sellerie - Aufguss. Ich sah sie mit Dr. Hemprich im November 1823 in Tor zwischen Conferven. Bewegung 
langsam drehend. Auch Trichoda pura in der Queertheilung kann solche Formen geben. — • Grösse der arabischen Form Vioo Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXI. Fig. XVI. 

Es ist das in Tor gezeichnete Exemplar bei lOOmaliger Vergrösserung des Durchmessers dargestellt. Etwas zu gross gesehen. 



Nachtrag zur Gattung Trichoda. 

Die Gattung Trichoda ist mit einem volkreichen berühmten Orte zu vergleichen, der mit der Zeit zu einem Dorfe herab- 
gesunken und verödet ist. Folgendes ist ein critischer Versuch der Deutung ihrer verlorenen 120 — 134 Artnamen : 1) Trichoda Acarus 
Müller (1773) = Keronae pars; 2) T. ambigua M. (1786) — Spirostomum ambig.; 3) T. Anas M. (1773) == Trache- 
lius A.; (1776) [Prodr. Zool. dan.] — Chaetonotus Larus; 4) T. angulus M. (1773) = Occytricha Pellionella? ; 5) T. 
Augur M. (1786) = Stylonychiae pars; 6) T. aurantia M. (1786) = Lo&odes Cucullulus? ; 7) T. Bacillus Bory (1824) 
= Enchelys? Paxillus; 8) T. barbata M. (1776) = Trachelius ; 9) T. bicaudata Schrank {Fauna boica 1803.) = No- 
tommata longiseta? , aequalis? ; 10) T. bicornis Schrank (1803) === Vorticellae corpus (Kerobalana) ; 11) T. bidens 
Schrank (1803) = ?, Kuglena?; 12) T. biloba Schrank (1803) — Vorticella frei schwimmend; 13) T. bilunis Müller 
(1786) = Diglena?; 14) T. Bomba M. (1773) = Stentor? ; 15) T. Bulla M. (1786) = Euplotes ; 16) T. Calvitium M. 
(1773) = Kerona?, Stylonychia? ; 17) T. Camelus M. (1773) = Oaxjtrichae pars; 18) T. Chaetophora Schrank (1803) 
= Actinophrys viridis; 19) T. Charon M. (1773) = Euplotes Charon; 20) T Cicada M. (1786) = Occytricha; 21) T. 
eiliata M. (1776) = Stylonychiae auf Keronae pars; 22) T. Cimea M. (1773) = Oxytricha? ; 23) T. Clava M. (1773) 
= Oxytricha?, Uroleptus? ; 24) T. Clavus M. (1773) = ?, Bodo?; .25) T. Cometa M. (1773) == Trichodina? mit zufälli- 
gem Anhange; 26) T. cornuta M. (1786) = Lepadella c; 27) T. Cricetus Schrank (1803) = Monocerca Rattus ; 28) T. 
crinita M. (1786) = Oxytricha? ; 29) T. Cuniculus M. (1773) = Uroleptus?, Notommata? ; 30) T. Cursor M. (1786) = 
Stylonychia; 31) T. Cyclidium M. (1773) = Oxytricha; 32) T. Cypris M. (1773) = Stylonychiae pars; 33) T. Delphi- 



309 



nus M. (1773) = Uroleptus; 34) T. Delphis M. (1786) m Occytricha oder Stylonychia Vordertlieil ; 35) T. diota M. (1786) 
== Vorticella Convallaria? , microstoma? ; 36) T. erosa M. (1786) = Stylonychia Hintertheil ; 37) T. Farcimen M. (1786) 
= Leucophrys?, Bursaria mit Bläschen -Krankheit; 38) T. Felis M. (1786) — Uroleptus?, Amphileptus? ; 39) T. fimbriata 
M. (1786) = Occytricha oder Stylonychia Yordcrtheil; 40) T. ficca M. (1786) = Podophrya f.; 41) T. Floccus M. (1786) 
= Räderthier?, junge Halcyonella? ; 42) T. foeta M. (1786) = Uroleptus?, Trichoda? ; 43) T. ForcepsM. (1786) = Occy 
tricha, Theil; 44) T. Forfecc M. (1786) = Occytricha, Theil; 45) T. foveata M. (1786) = Kerona? ; 46) T. Gallina M. 
(1786) = Occytricha?, Notommata? ; 47) T. M. (1786) = Occytricha? ; 48) T. Globulus Schrank (1803) = iüfo- 

nas?, Bodo?; 49) T. Granata M. (1773) = Actinophrys? , Trichodina? ; 50) T. Grandinella M. (1773) = Trichodina 
G.; 51) T. Gyrinus M. (1786) = Trichodina? , Vorticella Convallaria, Knospenform?; 52) T. Histrio Schrank (1803) = 
Stylonychia; 53) T. horrida M. (1786) '== Panfotrichum ; 54) T. «g-mY« M. (1786) = Bursaria Cithara? , lateritia? ; 55) 
jT. Index M. (1786) = Occytricha, Theil; 56) T. ingenifaM. (1786) = Vaginicola crystallina?; 57) T. innataM. (1786) 
= Cothurnia L; 58) T. inquilinus M. (1776) = Tintinnus inq.; 59) T. Joblotii Bort (1824) == Stylonychia pustulata, 
Hintertheil; 60) T. Lagena M. (1786) = Trachelius? , Enchelys? ; 61) T. Z«™* M. (1784) [Naturforsch. XX.] = C/mcfo- 
notus Larus ; 62) T. Lepus M. (1773) = Occytricha L.; 63) T. Lichen(pr)um Bort (1824) === Occytricha Pellionella ; 64) 
jT. Zw/ter M. (1773) = Occytricha; 65) T. longicauda M. (1786) = Scaridium L; 66) T. Zmö^'o M. (1773) = Stylony- 
chia, Theil; 67) T. lunaris M. (1786) = Rattulus tun.; 68) T. Lyncaster M. (1776) = Euplotes? ; 69) T. Lynceus M. 
(1773) = Aspidisca L.; 70) T. melitea M. (1786) = Phialina?, Lacrymaria? ; 71) T. Musculus M. (1773) = £7/We- 
ptus ? , Rattulus?, Monocerca?; 72) T. Mytilus M. (1773) *= Stylonychia M.; 73) T. Navicula M. (1786) == Euplotes?; 
74) T. w/gr» M. (1786) = Trichoda?; 75) T. 0r&* M. (1773) = ?, Aspidisca?; 76) T. Paramecium [Abhandl. der Berl. 
Akad.] (1830) = Chilomonas; 77) T. Patella M. (1773) == Euplotes P; 78) T. patens M. (1786) = Uroleptus p.; 79) T. 
/rafofa M. (1786) = Leucophrys p.; 80) T. Paxillus M. (1786) = Enchelys? Pasc.; 81) T. Pellionella M. (1773) == 
Occytricha P.; 82) T. TW* MI (1773) = Uroleptus P; 83) T. Pocillum M. (1776) = Dinocharis P; 84) T. praeceps 
M. (1786) = Occytricha? Theil; 85) T. Prisma M. (1786) = Euplotes?; 86) T. Proteus M. (1786) = Phialina?, Lacry- 
maria?; 87) T. M. (1773) = Trichoda?; 88) T. /Wae M. (1773) = Occytricha; 89) T. Pullaster M. (1773) =■ 

Occytricha; 90) T. P///?a M. (1773) = Kolpoda, Theil; 91) T. Pyrum Schrank (1803) = Amphileptus Anser ; 92) T. 
RattusM. (1776) = Monocerca R.; 93) T. rostrata M. (1786) = Stylonychia, Theil; 94) T. Ä. M. (1776) = Oxytricha? , 
Uroleptus?; 95) T. Sannio M. (1773) = Keronae pars?; 96) 7 1 . Semiluna M. (1773) = Oxytricha, Vordertlieil?; 97) T. 
setifera Nitzsch [Ersch u. Grüber's Kncycl. Cercaria] (1827) = O&ytricha? , Uroleptus? ; 98) T. Silurus M. (1773) == 
Occytricha; 99) T. sinuata M. (1786) = Occytricha?; 100) T. »SW M. (1773) = Actinophrys S.; 101) T. «o/«^** M. 
(1786) = Trichodiscus Sol? ; 102) T. sphaeroidea Bort (Encycl. 1824) =» Enchelys?, Monas?; 103) T. striata M. (1786) 
== Leucophrys sanguinea; 104) T. succisaM. (1786) = Occytricha, Vordertlieil; 105) T. sulcataM. (1776) = Euplotes?; 
106) T. Syncaster Gmelin (Linnes ./VW. 1788.) s. Lyncaster; 107) T. T%Ws M. (1786) = Notommata T; 108) 

T. TzV/e« M. (1773) = Occytricha, Theil?; 109) T. transfuga M. (1776) = Occytricha?; 110) T. trigona M. (1773) 
Trichoda?; 111) T. Trochus M. (1786) = Trichodina; 112) T. Tromba Bort (1830. Z>/"ttf. <?/««*.) = Stentor? ; 113) T. 
Urinarium M. (1773) = Phialina? ; 114) T. ^7m«/« M. (1773) [Ursula, Gmelin 1788.] = Vorticella?; 115) T. ^w/a 
M. (1773) == Occytricha?; 116) T. vermicularis M. (1786) = Phialina; 117) T. versatilis M. (1786) == Phialina?; 118) 
T. vestianella Schrank (1803) == Vorticella? ; 119) T. Vibrio Sciirank (1803) = Vaginicola ohne Schaale?; 120) T. e«- 
^rae« Bort (1824) = Occytricha. Ausserdem sind 14 Artnamen 121) — 134) von Lamarck (1815) aus Müixer's Leucophris 
gebildet worden. — Bort's viele Doppelnamen der MÜLLER'schen Arten habe ich in der ik* 1834. 1182. seqq. beurtheilt. 



HUNDERTFÜNFTE GATTUNG: THRÄNENTHIERCHEN. 

Lacrymaria. Laerymaire. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, corpore non ciliato, eollo tenui instructum , clavatum, ore 
inermi labiato turgido et ciliis vibrante capitatum. 

CARACTE1RE: Animal de la famille des Encheliens, a corps sans cils pourvu dun com elroit, 
termine par une bouche ä levre, sans denls, gonflee en bouton et ciliee. 

Die Thränenthierchen zeichnen sich als Gattung der Familie der Walzenthierchen durch unbe- 
wimperten keulenförmigen Körper, einen engen Hals, einen kopfartig angeschwollenen, mit Lippe versehe- 
nen und bewimperten Mund und durch Mangel an Zähnen aus. 

Eine Gattung Lacrimatoria bildete Bory de St. Vincent 1824, erst mit 6, später mit 8 Arten, 
welche aber nur vielleicht 1 der jetzigen Gattung enthält, die übrigen gehören zu Euglena, Phialina und 
Trachelocerca. Sie sollte ohne Wimpern seyn. Ganz ähnliche Formen mit Wimpern am Munde nannte 
er Phialina. Seit 1830 ist der sprachlich vorzuziehende Name Lacrymaria einer physiologisch schärfer 
bestimmten andern Gruppe mit 2, und 1831 mit 3 Arten ertheilt worden, deren eine 1833 als besondere 
Gattung Trachelocerca von mir abgetrennt, sogleich aber durch eine neue ersetzt worden ist. Die ersten 
wahren Formen beschrieb Müller 1786 unter den Namen Vibrio strictus(?), Trichoda Proleus und T. 
versatilis. Früher mögen diese von Baker, Eichhorn und Müller selbst, bis 1775, als Proteus, mit Tra- 
chelocerca Olor vereinigt worden seyn. Nur L. Proteus war eine früher gekannte, hier aufgenommene, 

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Art; die beiden andern sind seit 1830 entdeckt; eine derselben kannte vielleicht Bory de St. Vincent. — 
Der Organisationsgehalt ist noch weiter zu ermitteln. — Als Bewegungsorgane dienen der lang ausschieb- 
bare Hals, die Dehnbarkeit des egelartigen Körpers und Wimpern am Munde. Der wahre Hals trägt den 
Mund am Ende und umschliesst den einfachen langen Schlund (s. Trachelius). Der Mund wird durch eine 
sehr kurze, zuweilen deutlich eingelenkte, rüsselartige Lippe nur wenig tiberragt. Ueberdiess sind poly ga- 
strische Magenzellen durch Farbeaufnahme fest ermittelt und die Analstelle, dem Munde entgegengesetzt, 
bei Einer Art erkannt. — Von Sexualorganen sind bei einer andern Art nur grüne (Ei-?) Körnchen beob- 
achtet. Zwei Arten sind farblos, weisslich, eine grün. 

Die geographische Verbreitung ist im Süsswasser bei Copenhagen und im Quellwasser bei Berlin 
beobachtet, eine Art, Vibrio strictus^), lebt wohl in der Ostsee. 

436. JLacrymaria Proteus, proteusartiges Tlirünenthierclien. Tafel XXXI. Fig. XVII. 

L. corpore oMongo turgido, snbtilissime trnnsverse plieato, eollo longissimo. 

Lacrymaire Protee, a corps oblong gonfle ', ponrvu de plis transversaua; tres - dclicals et a cou 
tres - long. 

Trkhoda Proteus, Müller, Animalc. infus, p. 176. Tab. XXV. Fig. 1 — 5. 1786. 
Phialina Proteus, Bory de St. Vincent? Encycloped. method. 1824. 

Lacrymaria Proteus, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 252. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Paris? und Berlin. 

Diese von Müller im Winter 1779 mit Trachelocerca gleichzeitig zwischen Meerlinsen beobachtete Form unterschied ich 
zuerst am 30. April 1832 bei Berlin zwischen Conferven. Ich sah und zeichnete sie auch schon im April 1827. Bory sah vielleicht 
nur die Lacrym. rugosa. — Sie gleicht sehr der Trachelocerca Olor, hat aber ein abgerundetes Hintertheil und die Analstelle in 
der Mitte desselben, während jene eine schwanzartig über die Analstelle hinausragende Spitze hat. Bei Queertheilung der Trachelo- 
cerca mag der abgelöste Vorderthcil eine Zeitlang ganz einer Lacrymaria gleichen. Eine einzelne Form ist deshalb immer schwer 
zu beurtheilen. Diese Art nahm neuerlich auch Indigo in ihre Magenzellen durch den vordem Mund auf. Nur sehr kleine Theilchen 
wurden schnell durch den engen Schlund in die Magen gebracht. Eikörnchen, Drüse und contractile Blase blieben unklar. — Grösse 
des ausgedehnten Thierchens bis 1 U 2 Linie, des Körpers allein — 1 j 36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. XVII. 

Ein mit Indigo genährtes Thierchen. Fig. 1. halb eingezogen; Fig. 2. ganz ausgedehnt; Fig. 3. ganz eingezogen, hei o' der Mund, bei w die 
Afterstelle. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

433*. Jjacrymaria Gutta, tropfenartiges Tliriinentlilerclien. Tafel xxxi. Fig. XVHL 

L. corpore subgloboso laevi, collo longissimo. 

Lacrymaire Goutte, d corps presque spherique lisse, le cou tres -long. 

Lacrymaria Gutta, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 105. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese durch ihre Schnelligkeit und Behendigkeit ausgezeichnete Art fand ich 1831 ebenfalls mit Conferven bei Berlin. Viele 
Magenblasen im innern Körper waren deutlich, doch nahm sie keine Farbe auf. Ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen. — Grösse 
des Körpers Vae Linie, sanunt dem ausgedehnten Halse — 1 /i 8 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. XVIII. 

Es ist 1 Thierchen in 3 Formen, 300mal linear vergrössert, dargestellt. Fig. 1. grösste Ausdehnung; Fig. 2. halbe Ausdehnung; Fig. 3. schwan- 
halsartige Biegung bei der schnellen Bewegung. 

438. Jjacrymaria rugosa, runzliclies Tbränenthierclien. Tafel XXXI. Fig. XIX. 

L. corpore subgloboso ruguloso, collo medioeri, ovulis viridibus. 

Lacrymaire ridee, ä corps presque spherique , ride, le cou medioere, les ovules verts. 

Phialina Proteus, Bort, Encycloped. method. Vers. 1824. (Vergl. Lacrym. Proteus.) 
Lacrymaria rugosa, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 105. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht bei Paris. 

Ich beobachtete die ersten Thierchen 1828 zwischen Conferven bei Berlin und sah sie im Jahre 1831 wieder. Diese Form 
war die 1830 erwähnte zweite Art. Ihre Bewegung war oft ein Wälzen um die Längsaxe des Körpers. Der nur selten bis zur dop- 
pelten Körperlänge ausgedehnte Hals ist weniger lebhaft bewegt und alle Bewegung langsamer. Im Innern ist eine feinkörnige, mehr 
oder weniger entwickelte, grüne Masse (Eiermasse) mit darin verstreuten Bläschen, Magenzellen, sichtbar. Stoffaufnahme gelang nicht 
zu beobachten. Der Hals ist vorn keulenartig verdickt und schief abgeschnitten und gekerbt, ohne deutlichen Knopf, auch blieben die 
Wimpern unerkannt. Die Queerrunzeln sind viel stärker als bei L. Proteus. Bort scheint diese Form mit und ohne grüne Eier- 
chen gesehen zu haben, wenn es nicht mehrere Arten waren. — Grösse des Körpers bis V48> des Ganzen bis V 24 Linie beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXI. Fig. XIX. 
Es ist 1 Thierchen in 4 verschiedenen Stellungen und Zuständen bei 300maliger Linear -Vergrösserung abgebildet. 



311 



Nachtrag zur Gattung Lacrymaria. 

Bort's 8 Arten der Gattung Lacrimatoria Laben folgende Synonyme: 1) L. Actis (1824) = Euglena Acus; 2) L. 
delphiniformis — Phialina? (retrograda) ; 3) L. Epistonium = Phialina? ; 4) L. macidata (1831. Dict. class.) — Eu~ 
glena? ; 5) E. Olor = Trachelocerca ; 6) L. retrograda (1826. Dict. class.) = Phialina', 7) L. Sagitfa = Euglena?; 
8) L. stricIa = Lacrymaria? . Hierher gehören auch zum Thcil die langhalsigen Arten von Bory's Gattung Phialina (s. Phia- 
lina). Nur Müller s Vibrio strictus (vergl. Trachelius trichophorus) könnte noch eine schon beobachtete Art dieser Gattung seyn. 
Die Gattungen Trachelocerca, Trachelius und Amphileptus enthalten sehr ahnliche Gestalten, die man sorgfältig zu vergleichen hat. 



HUNDERTSECHSTE GATTUNG: WIMPERTHIERCHEN. 

liCMCophrys. Leucophre. 

CH AR ACTER: Animal ex Encheliorum familia, corpore undique eiliato, undique vibrante, ore inermi 
oblique terminali, labiato. 

CARACTERE: Animal de la famille des Enc/ieliens, a corps eilte et vibrant de tous cötes, ayant 
la bouche sans dents, obliquement terminale et pourvue cFune espece de levre. 

Die Gattung der Wim per t hier eben hat in der Familie der Walzentbierchen als Character einen 
überall bewimperten und wirbelnden Körper, einen zahnlosen vorderen schief ablaufenden und daher mit ei- 
ner Art von Lippe versehenen Mund. 

Schon 1776 gründete O. F. Müller eine Gattung der Infusorien unter dem Namen Leucophra mit 
4 Arten in der Zoologia danica, und verzeichnete 1786 26 Arten, deren einige er früher unter den Na- 
men Volvox^, Cyclidium und Vorticella beschrieben hatte. Schrank vermehrte 1803 die Zahl um 1 Art, 
Lamarck verschmolz sie 1815 mit Trichoda. Bory fügte 1824 8 neue Namen hinzu, und seit 1830 sind 
noch 4 andere Arten von mir in dieser Gattung aufgeführt worden, so dass die Gesammtzahl der Artnamen 
jetzt 39 beträgt. Allein ein genaueres Studium der Organisation dieser Formen hat 1830 nur 3 der frü- 
heren Arten in eine und dieselbe Gattung vereinbar gefunden, und seitdem ist die Zahl der generisch ver- 
wandten Formen auf 6 gestiegen. Der Name Leucophra ist in Leucophrys umgewandelt, weil jener Um- 
laut zu Verwechselungen, wie Leucophora (Goldfcss 1 820.) und Leucophrus (Cüvier) schon geführt hatte. 
Die ersten dieser fortbestehenden Formen mögen wohl Joblot und Gleichen beobachtet, aber nicht von Tri- 
choda Pyrum unterschieden haben. Die sichere Geschichte der Gattung geht nicht über Müller 1773 
hinaus. — Die Organisation ist reichlich ermittelt. Reihenweis über den ganzen Körper gestellte kleinere 
Wimpern und ein Kranz um den Mund gestellter grösserer dienen zu einer sehr kräftigen Bewegung. — 
Ein schlangenförmig gekrümmter Darm mit traubenartig anhängenden vielen (mehr als 50) Magenzellen und 
mit dem Munde entgegenstehender Afteröffnung bilden das Ernährungssystem. — Als weibliche Sexualorgane 
sind zahllose Körnchen bei 3 Arten beobachtet, welche sich mit Eiern vergleichen lassen, und bei ebenso- 
viel Arten sind 1 — 2 kugelartige männliche Samendrüsen und 1 — 3 contractile einfache Blasen erkannt. 
Selbsttheilung ist als Queer- und Längstheilung beobachtet. Eine der Arten ist blutroth durch Eier, die an- 
dern sind weiss oder farblos. (Vergl. die sehr nah verwandte Gattung Bursaria.) 

Die geographische Verbreitung ist bei Copenhagen und Berlin beobachtet. 

439. JLeucophrys patula, weitmiindiges Wimpertliierclien. Tafel XXXII. Fig. I. 

L. corpore ovato campanulato , hyalino aut albo, turgido, ore amplo, patulo. 

Leucophre b äillante, a corps ovale, campa/iulc, hyalin du blaue, gonfle, la bouche ample, bäillante. 

Trulwda paiula, Müller, Animalc. infus, p. 181. Tab. XXVI. Fig. 3 — 5. 
Konilylinstomn Lngetiula, Bort, Kncyclop. meth. Vers. 1824. 

Leucophrys palula, Abhandl. der Akademie d. Wissenscl). zu Berlin, 1830. p. 42, 76. Taf. II. Fig. 2. 1831. p. 105. J83. 1 }. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen iin Süsswasser und Seewasser, und in Berlin. 

Diese Form gehörte zu denen, welche bis zum Jahre 1830 durch Indigofütterung die polygastrischc Structur am deutlichsten 
erkennen liessen. Schon früher sah ich Anfüllung der Magenzellen mit grünen Monaden. Ich fand sie in Wassertonnen am 30. März 
1830 und den Sommer hindurch, auch 1831, aber nicht 1832. Ich sah sie erst wieder am 3. Mai 1835 mit Chlamidomonas und 
am 7. Juni 1836. Sie hat Aehnlichkeit mit einem Vorticellen-Leibe, aber eine ganz andere, nie zuckende, kräftig wälzende Be- 
wegung. Die Magenzellen sind sehr gross und füllen sich oft unregclmässig, wo dann an Zahl weniger sichtbar werden. Ich zählte 
bis über 50 blau erfüllte Magen. Wenn sie beim Fressen ruhig liegen, sieht man das Fortrücken der Speise in dem sehlangenförmi- 
gen Darme, woran die Magen wie Beeren sitzen, deren Stiele nur dann sichtbar werden, wenn sie den Inhalt der Magen ein- oder 
auslassen, geradeso wie der Schlund aller Thiere nur zum raschen Durchgange sich erweitert, vor und nachher aber zusammenfällt. 
Der Mund ist eine sehr grosse Spalte, die eine Alt grosser beweglicher Lippe hat, zuweilen einer Vorticellen- Stirn ähnlich. Die 



318 



Längsreilicn der Wimpern sind bei grösseren zahlreicher, zuweilen um das Doppelte verschieden an Zahl, zuweilen bis 40 in der Halb- 
ansicht. Die Eierchen sind bei auffallendem Lichte weiss, bei durchstrahlendem bräunlich. In der Körpermitte liegt eine nicht sehr 
grosse kugelartige männliche Drüse, welche ich neuerlich bei Queertheilung erst verlängert, dann eingeschnürt und zuletzt mit getheilt 
sah. Ueberdiess sind 1 — 2 contractile Samcnblasen im Körper, deren eine nahe am Munde, die andere nahe am After ist. In eini- 
gen Exemplaren sah ich fast einen Kreis von 10 — 12 grossen crystallhellen Blasen, die wohl, wie bei Nassula die violetten, einen 
farblosen Digestionssaft enthalten. Selbsttheilung war häufig als Queertheilung sichtbar. — Körpergrösse Vz* — Vs Linie. Dicke selten 
2mal in der Länge, meist etwa lVainal. (Vergl. Bursaria Forticella.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. I. 

Fig. 1., 5., 7., 8., 9., 10. sind 1830 gezeichnete Formen; Fig. 2., 3., 4. und 6. sind von 1835. Fig. 1., 5., 7., 8. und 9. sind mit Indigo ge- 
füttert; die übrigen haben ihre natürlichen Speisen in den Magen, o' bezeichnet den Mund, w die Auswurfsstelle, die bei Fig. 7. fungirt, t die männ- 
liche Drüse, * die Samenblase in Fig. 6. Fig. 5. wirbelt. Fig. 1., 5. und 7. sind Seitenansichten; 2. und 4. von der Bauchseite; 3. und 6. 
vom Rücken. Fig. 3. zeigt den Blasenkranz für den Digestionssaft. Fig. 8. ist in Queertheilung. Fig. 9. ein eben abgelöster Theil. Fig. 10. 
ist der allmälig zur Ansicht gekommene Darmverlauf. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

440. Leucophrys Spathula, spatelförmiges Wimpertliierclien. Tafel XXXII. Fig. II. 

L. corpore lanceolato, compresso, albido, antico fine membranaceo, oblique truncato dilatato, ibinue oris rima perforato. 

Leucophre Spathule, a corps lanceole, comprime, blatichätre, elargi membraneuo) , et obliquement 
tronque au bout anterieur, ayant T orißce de la bouche etroit au nieme bout. 

Enchelis Spathula, Müller, Verm. fluv. hist. 1773. p. 19. Animalc. Infus. 1786. p. 40. Tab. V. Fig. 19, 20. 
Enchelis dilatata, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 

Leucophrys Spathula, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. 1831. p. 105. Loxodes, Focke, Isis 1836. 

Aufenthalt: Im Süsswasser bei Copenhagen, Berlin und Bremen (?). 

Müller sah diese Form 1773 zwischen Meerlinsen und erkannte zwar die Reihen der Wimpern, aber nicht diese selbst. 
Er nennt sie vollkommen cylindrisch, was auf das hintere Ende allein passt. Er sah schon die Magen, nennt sie aber 5 Eier, und 
hat entweder 2 contractile Samenblasen gesehen, oder eine mittlere, mir nicht deutlich gewordene, runde Samendrüse schon beobach- 
tet, ohne sie richtig zu deuten, und nur die hintere Samenblase auch gesehen. Ich zählte auf der Halbansicht mit den Rändern 9 Rei- 
hen Wimpern und führte schon 1830 die Form als eine solche auf, welche durch Indigonahrung blaue Magenzellen zeigte. Dr. Focke 
hat 1835 3 contractile Blasen gesehen (Isis 1836. p. 786.). — Körpergrösse — Vi 2 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. II. 

Fig. 1. von der Seite gesehen; Fig. 2. vom Rücken gesehen, oben halb gewendet. Den höheren Mundtheil nenne ich hei all diesen Formen Ober- 
lippe und seine Körperseite den Rücken, weil bei Ophryoglena die Stellung des Auges darauf deutet. Vergrösserung linear 300mal. 

441. ^ Leucophrys sanguinea, rotnes Wimperthierchen. Tafel XXXII. Fig. III. 

L. corpore cylindrico, utrinque rotundato, sanguineo. 

Leucophre rouge, a corps cylindrir/ue , arrondi aucc deuos bouts, rouge de sang. 

Trichoda striata, Müller? Animalc. Infus. 1786. p. 183. Tab. XXVI. Fig. 9, 10. 

Leucophrys sanguinea, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. (1832.) p. 253. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, vielleicht auch bei Copenhagen. 

Dass Müluer's gelbes Thierchen diese Form gewesen, wäre wohl möglich, doch durfte ich das nicht geradehin annehmen. 
Ich fand sie am 23. April 1832 im Thiergarten bei Berlin und sie vermehrte sich in Gläsern auf der Stube sehr zahlreich durch 
Queertheilung. Daher fanden sich viele eiförmige und selbst kugelrunde Formen dazwischen. Der Körper hatte in der Halbansiclit 
13 — 19 Längsreihen von Wimpern und längere am Munde. Der Mund war eine enge und lange Längsspalte am vorderen Ende. 
Zahlreiche, zum Theil mit Futter erfüllte, Magenblasen lagen im Körper, nahmen aber keinen Indigo auf. Die rothe Farbe in- 
härirte einem feinkörnigen Wesen im innern Körper, welches der Eierstock zu seyn schien. Ausserdem waren 2 helle contractile runde 
Blasen sichtbar, deren je eine bei der Selbsttheilung in jeder Hälfte blieb. Eine Sexualdrüse entging der damaligen Beobachtung, die 
sie nicht eifrig genug aufsuchte. — Körpergrösse bis V12 Linie, der Halbtheile — % / 2i Linie, der Eikörnchen weniger als Viooo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. III. 

Fig. 1. und 3. siud 2 ausgebildete Exemplare, bei o' ist der Mund, bei s die Samenblasen, bei a die Afterstelle. Fig. 2. ist eine nach der Selbst- 
theilung heranwachsende Hälfte. Fig. 4. und 5. sind in der Selbsttheilung. Bei Fig. 3. und 5. sind die Wimperreihen unerkannt, nicht fehlend, 
sondern mehr zurückgezogen. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

442. Leucophrys piriformis, 1> u nförmig es Wimpertliierclien. Tafel XXXII. Fig. IV. 

L. corpore ovato albido, antico fine subacuto, ventriculis amplioribus. 

Leucophre pyriforme, a corps ovale, blanchätre, presque aigu au bout anterieur, ayant les ventri- 
cules elargis. 

Kolpoda Pirum, Müller? Anim. Infus, p. 108. Tab. XVI. Fig. 1 — 5. 1786. (S. Trichoda Pyrum.) 
Enchelis pyriformis, Bort de St. Vincent? Encyclopedie meth. Vers. 1824. 

Leucophrys pyriformis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 76. Tafel II. Fig. III. 1831. p. 105. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin, Copenhagen. 

Da die Wimpern dieser Art bei weniger achromatischen Mikroskopen nur wie ein etwas breiterer schwarzer oder weisser Rand 
erscheinen, so mögen die früheren Darstellungen der Trichoda Pyrum sich auch hierher beziehen lassen. Vielleicht ist auch Enche- 
lis Ovulum von Müller diese Form gewesen. Zuletzt sah ich das schon 1830 mit Farbe genährte Thierchen am 21. April 1835 




313 

zahlreich wieder mit Euplotes Charon und Polytoma in einer Wassertonne, und erkannte die Sexualtheile als Eier, kuglige Samcn- 
drüse und Samenblase. Ich zählte 9 — 12 Wimperreihen in der Halbansicht und sah Queertheilung ohne Längstlieilung. — Grösse V«8 
— V24 Linie; Eikörnchen V900 Linie. (S. Leuc. carnium.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. IV. 

Es sind 7 Exemplare in verschiedener Grösse und Stellung nach Indigonahrung, 300mal linear vergrössert, dargestellt; 0' der Mund, « die Afterstelle, 
t die männliche Sexualdrüse, * die Samenblase. Fig. 2. wirbelt. Fig. 3. Selbsttheilung. Fig. 5. abgelöster Theil. Fig. 7. Anfang der Selbst- 
theilung. 

443. Leucophrys carnium, Fleisch - Wimpertliicrchen. Tafel xxxn. Fig. v. 

L. corpore ovato oblongo, albido, antico fine subacuto, ventriculis angustioribus. 

Leucophre des viandes, a corps ovale-oblong, blanchätre, presque aigu au bout a?ite'rieur, ayant les 
ventricules etroits. 

Kolpoda Pyrum, Müiler? Animalc. Infus, p. 108. 1786. (Vergl. Trichoda Pyrum.) 

Trichoda carnium, Abhandl. der Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 75. Tafel I. Fig. VII. 1831. p. 103. 
Leucophrys carnium, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin und Copenhagen beobachtet. 

Diese, in faulem Fleischwasser und in Mistpfützen in zahlloser Menge sich entwickelnde, Form habe ich erst neuerlich am 
26. April 1835 auch überall bewimpert gesehen, während ich sie früher für glatt hielt und desshalb als Trichoda beschrieb. Nur bei 
Färbung des Wassers sieht man die Wimpern. Neuerlich habe ich auch die Sexualtheile, als Eier, eine runde Drüse und eine ein- 
fache contractile Blase beobachtet. Die sich mit Farbe füllenden sehr kleinen Magen beschrieb ich schon 1830. Wimperreihen waren 
etwa 10 auf der Halbansicht. Ich sah Längstlieilung und Queertheilung. — Grösse V120 — V36 Linie beobachtet; Eikörnchen V2000 Li- 
nie; Entwickelungscyclus demnach V2000 — V36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. V. 

Fig. i. und 4. einfache Thierchen; Fig. 2. Längstheilung; Fig. 3. Queertheilung. Erstere giebt schlankere, letztere rundere und kleinere Gestal- 
ten, als die Normalform ist. Lineare Vergrösserung 300mal. 

444. Leucophrys? Anodontae, Muschel - Wimperthierchen. Tafel xxxn. Fig. vi. 

L. corpore ovato turgido hyalino, utrinque valde obtuso. 

Leucophre des moules, a corps ovale gonfle, hyalin, tres-arrondi aua; deucc bouts. 

Leucophra fluida, Müiikr? Zoolog, danica, 1776. Fase. II. p. 44. Tab. LXXIII. Fig. 1 — 6. Animalc. Infus. 1786. p. 156. 
Leucophrys? fluida, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 53 , 63 , 69. 1831. p. 106. 

Aufenthalt: Bei Barnaul am Altai Sibiriens! und bei Copenhagen?. 

Diese Form ist jedenfalls ein Infusorium, könnte aber bei noch genauerer Untersuchung sich vielleicht zur Gattung Bursa- 
ria stellen lassen. Müller's im Wasser des Mytilus edulis beobachtete Seethierchen können leicht blosse Fragmente der wirbelnden 
Kiemensubstanz des Muschelthieres gewesen seyn. Ich beobachtete sie auf der Reise mit Herrn Alexander von Humboldt 1829 
im August im Wasser einer Anodonta des Ob bei Barnaul. Ich unterschied über den Körper zerstreute Wimpern, grosse Magenzel- 
len und feine Körnchen (Eier), und glaubte den Mund etwas seitlich am Vorderende zu sehen. In Kiemenfragmenten sind keine gros- 
sen Zellen, auch sind sie selten regelmässig rund. — Grösse l ( 36 Linie. — Die Bewegung aller Arten ist nm die Längsaxe wälzend. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXn. Fig. VI. 
Die Figur ist 1829 in Barnaul von mir gezeichnet worden und 290mal linear vergrössert. 





* 



Nachtrag zur Gattung Leucophrys. 

Die 35 — 36 von den bisher gegebenen, hier nicht angewendeten, Special-Namen für diese Gattung, mit denen zum Theil Rä- 
derthiere, Halcyonellen und Kiemenfragmente von Muscheln belegt wurden, und unter denen vielleicht noch einige, aber gewiss 
nur eine sehr kleine Zahl, wirklicher Arten verborgen liegen mögen, haben etwa folgende Synonyme: 1) Leucophra acuta Müller 
(1786) = Leucophrys? ; 2) L. Armilla M. (1776. Zool. dan.) = Kiemen fragment des Mytilus?; 3) L. aurea M. (1786) = 
Holophrya? ; 4) L. bursata M. (1786) = Holophrya Ovum? ; 5) L. Candida M. (1786) = Trachelius Lamella? ; 6) L. 
Conflictor M. (1786) = Leucophrys patula? , Bursaria? ; 7) L. cornuta M. (1786) = theils Stentor? , theils Ophrydium? , 
kaum Leucophrys; 8) L. crinitaBoRY (1826. Essay) = Leucophrys?, Oxytricha? ; 9) L. dilatataM. (1786) = Stentor?, ^ 
Turbellaria? ; 10) L. fluida M. (1776) = Leucophrys Anodontae?, Kiemenfragment?; 11) L. fluxa M. (1776) = Kiemen- 
fragment des Mytilus; 12) L. fossulata Bort (1824) = Bursaria (pertusa)?; 13) L. fracta M. (1786) = Fragment von 
Stentor, Bursaria oder Paramecium ; 14) L. globulifera M. (1786) == Holophrya Coleps? , Leucophrys? ; 15) L. lietero- 
clita M. (1786) = junge Halcyonellen; 16) L. horrida Bort (1824) == Holophrya discolor? , Pantotrichum? , Kiemen- 
fragment?; 17) L. hydrocampa Bort (1824) = Spirostomum ambiguum? ; 18) L. Joblotii Bort (1824) = Spirostomum 

ambiguum; 19) L. Laras Bort (1824) = Chaetonotus Laras; 20) L. Lumbrici Schrank (1803) == Paramecium com- , 
pressum; 21) L. Mamilla M. (1786) == Bursaria? , Ophryoglena atra? ; 22) L. nodulaia M. (1776) = Bursaria? ; 23) 
L. notata M. (1786) =? Ophryoglena?; 24) L. pertusa M. (1786) == Bursaria?; 25) L. posthuma M. (1786) = ?; 26) L. 
Pupella Bort (1824) = Leucophrys? ; 27) L. pustulata M. (1786) = Holophrya? , Pantotrichum? ; 28) L. scinlillans M. 

99 



1 



314 



(1786) = Holophrya? , Panfotrichum? ; 29) L. signata M. (1786) = Bursaria? ; 30) L. triangularis Bort (1831. Biet, 
e/agg.) - Fragmcntum Holophryae (aureae)? ; 31) L. trigona M. (1781) = Fragm. idem; 32) L. turbinata M. (1786) 
== Leucophrys? , Holophrya? ; 33) L. vesiculifera M. (1786) = Bursaria?, Holophrya? ; 34) L. virescens M. (1786) — 
Bursaria?, Holophrya? ; 35) L. viridis M. (1786) = Pantotrichum Volvox? . 

Die eingebende Gattung Ebhtfy^mstomi» (Condylosioma) von Bort 1824 hat folgende Synonyme : 1) C. Hemprigh 
und Ehrenb. (1828. Symb. physic. Tabulae) == Enchelys Pupa; 2) C. asiaticum (Symb. phyg. 1828.) = Trichoda as.; 
3) Ä. cypraea Bort (1826. Essay) = Trichoda sulcata M.; 4) Ä'. Lagenula Bory (1824) - Trichoda patula M.; 5) 
Ä". limacina Bory (1824) = Trichoda patens M.; 6) C. Nasamonum (Symb. phyg. 1828.) = Trichoda Nas.; 7) C. <wa- 
ifazrc (Symb. phyg. 1828.) = Trichoda ovata. 

Tilesitjs beschrieb 2y. echinoides — Oceania? als Leuchtthierchen des Oceans (Wetterauer Annalen, 1814.). 



HUNDERTSIEBENTE GATTUNG: WOLLTHIERCHEN. 

Holophrya. Holophre. 

CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, corpore undique eiliato, ore reete truncato, terminali, nee 
labiato, inermi. ( = Enchelys undique eiliata.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Encheliens, ä corps vibranl et cilie de tous cötes, ayani 
la bouche terminale brusquement tronquee, sans levre et sans denls. ( = Enchelide 
eiliee de tous cötes.) 

Formen der Familie der Walzenthierchen, welche einen überall mit Wimpern wirbelnden Körper, 
einen gerade abgestutzten Mund am vordem Ende, mithin keine Lippe, und die auch keine Zähne haben, 
sind Woll tili er eben. Es sind bewimperte Walzenthierchen. 

Die Gattung Holophrya wurde 1831 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch, mit 3 Arten ge- 
gründet, von denen eine 1833 ebenda als eigne Gattung abgetrennt und durch eine andere Art ersetzt 
wurde. Ob schon Möller unter dem Namen Leucophra bursata 1786 die Hol. Ovum, und unter Tri- 
choda horrida 1786 Hol. discolor gemeint habe, ist mir unklar geblieben. Ebenso könnte er als Leuc- 
ophra globulifera die Hol. Coleps gesehen haben. Die Form ist aber nicht entscheidend, sondern die 
Structur. — An Organisation sind Mund und Analstelle bei 2 Arten, Magenzellen bei allen beobachtet. — 
Die wirbelnden Wimpern stehen in Längsreihen. — Als Sexualorgane sind grüne Eierchen bei //. Ovum 
allein erkannt, auch scheint dicht am After eine contractile Blase vorhanden zu seyn. Es scheint queere 
Selbsttheilung zu geben (H. discolor). 

Die geographische Verbreitung ist für die sicheren Arten der Gattung nur bei Berlin bekannt. 

445. Holophrya Ovum, eiförmiges Wollthierchen. Tafel xxxn. Fig. VII. 

IL corpore ovato utrinque subtruncato, subeylindrico , ovario viridi. 

Holophre Oeuf, a corpg ovale, pregque tronque aucc deua; bouts en forme d'un cylindre court, Vo- 
vaire vert. 

Leucophra fotrsata, Müller? Animalc. infus, p. 143. Tab. XXI. Fig. 12. 1786. 
Holophrya Ovum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 102. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, vielleicht auch im Seewasser bei Copenhagen. 

Ich fand das Thierchen zwischen Meerlinsen und Conferven im Frühjahre 1831 bei Berlin. Müller fand seine Form im 
Sccwasscr. Ich sah im Innern verschluckte Boxococcus ruber und Chlamidomonas , und auch deren Auswerfen. Die hintere helle 
Stelle kann auch eine cloakenartige Darinerweiterung seyn. In der Halbansicht waren 11 — 17 Wimperreihen zu zählen. Der Mund 
war immer farblos. — Grösse V48 — Vis Linie. 

Erklärung de r Abbildungen Taf. XXXII. Fig. VII. 
Es sind 4 Exemplare, 300mal vergrössert. Fig. 1. und 2. Normalformen in natürlicher Farbe. Fig. 3. auswerfend, o' Mund, w After. 

446. Holophrya discolor, Regeiförmiges Wollthierehen. Tafel XXXII. Fig. Vin. 

H. corpore ovato -conico albo, postica parte subacuto, eiliis rarioribus longioribus. 

Holophre conique, a corpg ovale, conique, blanc, pregque aigu au bout posterieur, ayant les eils 
ecartes et fort longg. 

Trichoda horrida, Müller? Animalc. Infusor. 1786. p. 169. Tab. XXIV. Fig. 5. Kiemenfragmenl? 
Holophrya discolor, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 251. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, bei Copenhagen im Myiilus Modiolug?. 




315 

Diese Art fand sich im Juni 1832 bei Berlin zwischen Conferven in mehrfachen Exemplaren. Ich zählte 10 — 12 Wimper- 
reihen bei der Halbansicht. Zahlreiche Magenblasen im Innern waren zum Theil mit grünen Monaden (Chlamidomonas?) erfüllt. 
Der vorn breite abgestutzte Körper hatte einen kleinen vordem Mund. Bewegung kräftig um die Längsaxe wälzend, bedächtig. — 
Grösse bis V20 Linie. Es gab kürzere und längere, vielleicht durch queere Selbsttheilung. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. VIU. 

Es sind 4 Exemplare bei 300maliger Vergrößerung im Durchmesser dargestellt, d Mund, w After. 

44 1. Holophrya Coleps, cylindrisclies Wolltliierclien. Tafel xxxil. Fig. ix. 

H. corpore oblongo cylindrico, utrinque rotundato, albo. 

Holophre cylindriqne , a corps oblong - cylindrique , arrondi aux deux bouts, blatte. 

Lmcophra glohdifera, Müller? Animalc. Infus. 1786. p. 149. Tab. XXII. Fig. 4. 
Holuphrya Coleps, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 102. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht bei Copcnhagen. 

Dieses, einem tloleps ganz ähnliche, Thierchen ist panzerlos, weich und beim Anstossen biegsam. Es fand sich zwischen 
Conferven in mehreren Exemplaren. Ich zählte 8 — 9 Wiinperreihen und sah einige grosse Magenblasen im Innern, welche nicht con- 
tractu waren. Müller verwechselte es mit der viel grösseren Bursaria intestinalis im Darme der Frösche. — Grösse V36 — V24 
Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. IX. 

Es sind 3 Exemplare 300mal diametral vergrössert. 



IIb 



Nachtrag zur Gattung Holophrya, 

Müller's Leucophra aurea, pustulata, scintillans, trigona, turbinata, vesiculifera und virescens könnten nocli 
einige Arten dieser Gattung verbergen, welche auch mit Pantotrichum leicht verwechselt wird. 



HUNDERTACHTE GATTUNG: 

Prorodon. Prorodon. 



ZAHNWALZE. 



CHARACTER: Animal ex Encheliorum familia, corpore eiliis undique vibrante, ore recte truncato, den- 
tium Corona interna circumvallato. 

CARACTERE: Animal de la famille des Encheliens^ a corps vihrant et eilte de tous cötes, 
ayant la houche brusquement tronquee et garnie efune couronne de dents interne. 

Die Gattung der Zahn walzen zeichnet sich in der Familie der Walzenthierchen durch überall be- 
wimperten Körper, gerade abgestutzten Mund und einen Kranz von Zähnen darin aus. 

Gegründet wurde die Gattung Prorodon 1833 in den Abhandl. der Berl. Akad. d. Wissensch, mit 
den 2 Arten, welche sie noch jetzt allein besitzt. Sie scheinen auch früher nicht beobachtet worden zu 
seyn. — Die Organisation ist sehr vollständig erkannt. Als Bewegungsorgane dienen reihenweis gestellte 
wirbelnde Wimpern am ganzen Körper. — Ein reich polygastrischer Darm mit vorderem Munde und hinte- 
rem After bildet das Ernährungssystem und nahm neuerlich auch FarbestolFe auf. — Eine lange bandartige 
Drüse und eine grosse contractile Blase in der Aftergegend sind als männliche, und eine den Körper durch- 
wirkende Körnermasse als weibliche Sexualtheile nur bei P. niveus erkannt (s. Nassufa). 

Die geographische Verbreitung ist nur bei Berlin beobachtet. 

448. Prorodon niveus, weisse üEabnwalze. Tafel xxxn. Fig. X. 

P. corpore amplo, albo, elliptico compresso, dentium corona oblonga, compressa. 

Prorodon neige, a corps ample, tres-blanc, elliptique-comprime, ayant la couronne des dents ob- 
longue comprimee. 

Prorodon niveus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 308, 322. Taf. II. Fig. II. 1835. p. 165. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Das Thierchen fand sich im Sommer 1832 zwischen Conferven in Torflachen, und 1835 sah ich es zahlreich wieder. An 
den letzteren Exemplaren Hessen sich die bei den ersten unbekannt gebliebenen Organisationstheile recht glücklich vervollständigen. Es 



Ha 

I 



gelang Farbeaufnahme in die sehr zahlreichen Magenzellen, worin auch verschluckte Rädert liiere (Rotifer oder Philodina mit ihren 
characteristischen Zähnen) lagen, und im Innern fand sich die bandförmige lange männliche Drüse. Ich zählte auf der Halbansicht 30 
Reihen Wimpern und im Zahncylinder 83 Zähne, doch kann ich auch 2 der letzteren immer für 1 gehalten haben. Früher zählte ich 
70 in der Halbansicht. Sie sind schwer zu zählen. Bewegung wankend und um die Längsaxc drehend. Die Eikörnchen sind etwa 
V2000 Linie gross. — Grösse bis Ve Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. X. 

Fig. 1. von der flachen Seite, in der Mitte die bandförmige Sexualdrüse, o' Mund, * Befruchtungsblase und daneben die Afterstelle; Fig. 2. Bauch- v 
oder Rücken -Ansicht; Fig. 3. Zahncylinder allein. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

449. Prorodon leres, cylindrische Zahn walze. Tafel xxxn. Fig. XI. 

P. corpore ovato-tereti albo, dentium Corona tereti, cylindrica. 

Prorodon cylindrique, ä corps ovale-cylitidrique, gonfle, blanc, ayantla courönne des dents cylindrique. 

Prorodon teres, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 308, 322. Taf. II. Fig. III. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte die Form am 11. Juni 1832 und sah sie wieder am 11. Augnst in demselben stagnirenden Torfwasser. Sie 
ist nur halb so gross als vorige. Der Körper ist meist auf beiden Enden gleichmässig abgerundet, zuweilen hinten dünner. Ich zählte 

20 30 Wimperreihen auf der Halbansicht. Mund und After bilden die Enden der Längsaxe. Farbeaufnahme gelang leicht, schon 

1832. Die polygastrischen Magen sind auch hier überaus zahlreich und geben dem weissen Thierchen oft ein sehr buntes Ansehen. 
Im Zahncylinder zählte ich 20 Zähne, beim Zerfliessen zählte ich bis 40. Wenn der Tropfen verdunstet und der abgeplattete 
Körper reisst, so werden die inneren Theile kräftig fortgeschleudert und die Zähne schiessen wie Pfeile fort. Es erinnert an die Mus- 
kelkraft der Holothurien -Hülle, all ihre Eingeweide herauszudrängen. — Grösse bis % Linie. Bewegung um die Längsaxe 
wälzend. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXII. Fig. XI. 

Fig. 1. natürliche Normalform, o' Mund, m After. Fig. 2. in wenig Wasser abgeplattet, die Zähne d wegschiessend. Fig. 3. seltnere Kegelform. 
Vergrösserüng im Durchmesser 300mal. 



Nachtrag zur Familie der Walzenthierchen. 

Nur EncJielys nebulosa, Leucophrys carnium und pyriformis erscheinen aus dieser Familie zuweilen so zahlreich, dass 
sie grosse Wassermassen milchig färben, und Holophrya sanguinea könnte wohl unter günstigen Umständen blutiges Gewässer bilden. 

An die Gattung Podophrya schliesst sich die Gattung Acineta der B a ciliar ien an, welche nur eine KörperöfTnung, keine 
besondere Analöffnung hat. Eine neue, in diesen Tagen entdeckte, sehr ausgezeichnete Form, welche ich Dendrosoma radialis > 
strahlendes Wunderb äumchen, nennen mag, gehört zu einer der beiden Formen-Gruppen und scheint auch keine besondere Anal- 
öffnung haben zu können. Es sind ästige, unten dickere, vielköpfige, festsitzende Stämme, deren jedes Köpfchen einer Actinophrys 
gleicht. Ich halte jetzt eine Absonderung der Acineta von den Bacillarien für nöthig und bilde mit ihr und Dendrosoma die be- 
sondere neue Familie der Acinetinen zwischen den Bacillarien und V orticellinen, wohin vielleicht denn auch Podophrya und 
Trichodiscus gehören. — Die 3 leuchtenden Trichoda - Arten des Oceans von Tilesius 1814: T. clava, grauulifera, triangu- 
laris, sind wohl Fragmente von Akalephen. (S. Abhandl. d. Berl. Akad. 1834. Ueber das Meeresleuchten, p. 474.) 



SECHZEHNTE FAMILIE: BÜCHSENTHIERCHEN. 

Colepina. Colepines. 

CHARACTER: Aiiimalia polygastrica, enterodela (tubo intestinali distineto instrueta), oris anique aper- 
turis in corporis axi longitudinali oppositis, terminalibus (enantiotreta), et lorica involuta. 
( = Enchelia loricata.) 

CARACTERE: Animaux polygastriques, enveloppes dune carapace et ayanl un canal digestif 
distinct, la bouclie et V orifice d'anus opposes aux deux extremites du corps. (== 
Encheliem a carapace?) 

Zur Familie der Büchsentliierclien gehören alle Magenthierchen, die einen deutlichen Darmca- 
nal mit in der Längsaxe des Körpers entgegengesetzter Mund- und After- Oeffnung führen und von einem 
Panzer umhüllt sind. Es sind gepanzerte Walzenthierchen. 



317 



Die Familie ist seit 1831 gegründet, wo erst der Panzer dieser Formen erkannt wurde. Sie ent- 
hielt damals 1 Gattung mit 3 Arten. Dieselbe Gattung ist noch allein, hat aber seit 1833 5 Arten. Im 
Jahre 1830 wurde die Gattung von mir in der En chelien -Familie verzeichnet. Die ersten Formen der- 
selben beschrieb, wenn nicht schon Leeuwenhoek, Müller 1786 als Cercaria hirta. Abildgaard be- 
schrieb dieselbe Form 1793 als Vorticella punctata. Nitzsch theilte 1827 (1816) Millers Gattung Cer- 
caria in 12 Gattungen und bildete aus C. hirta die Gattung Coleps. Bory de St. Vincent nannte die- 
selbe alte Form 1 824 wieder mit den beiden neuen Namen Diceratella ovata und Craterina margarina. 
Seit 1830 habe ich den Namen Coleps festgehalten. — An Organisation ist noch einiges durch Beobachtung 
zu ergänzen. Der Panzer in Form eines Tönnchens ist aus reihenweis gestellten Platten (Feldern) oder aus 
Ringen gebildet, zwischen denen Wimpern hervorzustehen scheinen (testula multipartitd). Vorn ist er ab- 
gestutzt, glatt oder gezahnt, und der Körper (Mund) daselbst länger bewimpert, hinten endet er in 3 — 5 
kleine Spitzen. — Zur Ernährung dient ein vielzelliger (polygastrischer) Apparat, welcher auch leicht vorn 
Farbe aufnimmt und hinten auswirft. — Von Sexualtheilen ist nur ein vermuthlicher Eierstock bei C. viri- 
dis durch grünliche Farbe kenntlich geworden, bei den übrigen ist er farblos. Queere vollkommene Selbst- 
theilung ist bei einer Art beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Familie und einzigen Gattung ist in Europa sehr gross und bis 
zum Ural und Altai Asiens beobachtet. 

— 

HUNDERTNEUNTE GATTUNG: BÜCHS ENTHIERCHEN. 

Coleps. Coleps. 

CHARACTER: Animal Colepinorum familiae characteribus instructum. 
CARACTERE: Animal pourvu des car acter es de la famille des Colepines. 

Die Gattung der Büchs enthierchen ist durch die Familien -Charactere der Büchsenthierchen be- 
zeichnet. 

Die Gattung Coleps deutete Nitzsch 1817 (1816) mit Müller's Cercaria hirta an, was er 1827 
ausführlicher bezeichnete. Bory nannte sie 1824 mit dem sprachlich unzulässigen Namen Diceratella un- 
ter Räder t liieren, und gleichzeitig, mit dem Namen Craterina, unter Vorticellen. Sie wurde 1830 
von mir mit 3 Arten in der Familie der Walz enthierchen begründet, und 2 davon wurden als Farbe- 
stoffe aufnehmend verzeichnet. Im Jahre 1833 fügte ich noch 2 Arten hinzu. — Die Organisation ist bei 
der Familien -Characteristik angezeigt. Bewegung um die Längsaxe wälzend. (S. Holophrya Coleps und 
Pantotrichum.) 

Die geographische Verbreitung ist die der Familie. 

450. Coleps hirtus, haariges Bücliseiitliierclien. Tafel XXXIII. Fig. I. Taf. xxxv. Fig. I. 

C. corpore ovato, albo, lorica tabulata ciliorum seriebus transversis et longitudinalibus intercepta, posticis apiculis 
tribus. 

Coleps Ii er i sse, a corps ovale, blanc, ayant la carapace parquetee et interrompue par des series 
de cih transversales et longitudinales , termince en trois pointes. 

Cercaria hirta, Müller, Animalc. infus, p. 128. Tafel XIX. Fig. 17 — 18. 1786. 

VorUcella punctata, Abildgaard, Skrivt. af Naturh. Selskabet. 3 Bind. I. p. 79. Tab. III. Fig. 1. 1793. 

Coleps hirtus, Nitzsch, Beiträge zur Infusorienkunde, 1817. (1816.) p. 4. Bncyclopädie v. Ersch u. Gruber, 1827. Cercaria. 
Diceratella ovata, Bort de St. Vincent, Encycloped. metli. Vers. 1824. 

Craterina margarina, Bort, ibid. Artic. Microscopiques. Dict. class. 1826. Microscop. Planches, Fig. XVII. und Fig. XXXVIII. 5. 
Coleps hirtus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. nec p. 62. (viridis.) 1831. p. 100. 

Aufenthalt: Bei Copenkagen, Paris und Berlin. 

Man findet diese Tbiercben häufig zwischen Conferven, besonders im Sommer, mehr einzeln, selten 4 bis 5 in einem Tropfen 
des Bodensatzes im Uhrglase. So länge sie schwimmen, ist es schwer, ihren Panzer zu erkennen. Lässt man sie aber antrocknen 
oder breitet man sie zwischen 2 Glasplatten durch Druck aus, so sieht man die kleinen Felder deutlich, deren Starrheit man durch 
queere Risse daneben erkennt. Vorn endet der abgestutzte offene Panzer mit 19 Zähnchen, hinten mit 3. Ich zählte 13 Queerreihen der 
Panzerschildchen, es sind daher 19mal 13 oder 247. Im Schwimmen sieht man die Oberfläche durch zarte Wimpern flimmern und wir- 
beln. Es nimmt Indigo in grosse Magenzellen auf, deren ich nur bis 5 zählte. Der Mund hat eine Vielzahl etwas längerer Wimpern. 
Die Eierchen scheinen es weiss zu färben. Müller fand seine Art im Ostseewasser, Abildgaard in einer Infusion mit Arundo 
Bambos am 16. Juni 1790. Sollte die Seeform verschieden seyn, so würde der Name punctata dieser Art zukommen. Gehört viel- 
leicht Leeuwenhoek's Figur (Contin. Arcan. Not. p. 382. Fig. 3. 1702.) hierher? — Grösse % — Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. I. und Taf. XXXV. Fig. I. 
Es sind 8 Exemplare, 300mal diametral vergrößert. Fig. 5 — 7. sind die schwimmenden Thierchen in Seitenansicht; Fig. 8. von hinten; Fig. 4. 
mit weni°- Wasser; Fig. 1 — 3. getrocknet. Auf Taf. XXXV. sind 2 Exemplare im Leibe der Bursaria vorax. 

SO 



318 



451. Coleps viridis, grünes Büehsenthierclien. Tafel XXXIII. Fig. Ii. 

C. corpore ovato, tabulato, eiliato, viridi, apiculis tribus terminato. 

Coleps vert, a corps ovale, parquetc, cilie, vert, termine en 3 pointes. 

Coleps Mrtus var. viridis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 62. 
Coleps viridis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 101. 1833. p. 243. 

Aufenthalt: Bei Berlin, Bogoslofsk im Ural und bei Syrjanofsk im Altai. 

Ich beobachtete diese Form am 1. Mai 1827 bei Berlin, im Juli 1829 auf der Reise mit Herrn Alexander ton Hum- 
boldt bei Bogoslofsk und im August bei Syrjanofsk. Sie lebt zwischen Conferven. Ich hielt sie bis 1830 für die mit grünen Mo- 
naden erfüllte vorige Art, allein ich sah dann im Juni 1830, dass die Färbung aus feinen Körnchen zwischen den Magenzellen be- 
steht. Farbeaufnahme gelang noch nicht zu erkennen. Die Schildchcn sind gewölbter. Ich zählte 11 Queerreihen und 14 — 15 Längs- 
reihen, also etwa 160 Schild chen. — Grösse bis 1 / 8 o Linie in Sibirien, bis V*8 Linie bei Berlin beobachtet. Kleiner als vorige Art, 
deren fruchtbarer Zustand sie mithin nicht wohl seyn kann. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. II. 
Es sind 3 bei Berlin beobachtete Exemplare, 300mal im Durchmesser vergrössert. 

45 2. Coleps elongatus, langes Büehsenthierclien. Tafel xxxill. Fig. III. 

C. corpore cylindrico elongato, tabulato, eiliato, albo, apiculis tribus terminato. 

Coleps allonge, a corps cylindrique allonge, parquete, eilte, blaue, termine en trois pointes. 

Coleps elongatus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. 1831. p. 101. 1833. p. 243. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Bei dieser Art habe ich queere Selbsttheilung häufig beobachtet. Sie kam meist ohne C. hirtus, zuweilen mit ihm, im Som- 
mer zwischen Conferven vor. Sie ist immer verhältnissmässig viel schlanker, ohne länger zu seyn, kann daher nicht der verlängerte 
Zustand jener seyn. Bei der Theilung sieht man den Panzer weit klaffen und die beiden Mittelstucke panzerlos. Ich zählte 13 Längs- 
reihen und 11 Queerreihen von Täfelchen, also 143. Schon bis 1830 sah ich Aufnahme von Indigo in die grossen Magenzellen. — 
Grösse V48 — V3G Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. III. 

Fig. 1 — 3. sind einfache Normalformen mit vorgeschobenen und zurückgezogenen Wimpern; Fig. 4. und 5. sind Theilungszustände. Vergrösserung 
300m al im Durchmesser. 

453. Coleps amphacanthus , gekröntes Büehsenthierclien. Tafel XXXIII. Fig. IV. und 

Tafel XXXVI. Fig. I. 
C. corpore ovato, annulato, fronte dentibus inaeaualibus coronata, aculeis posticis tribus validis. 

Coleps couronne, ä corps ovale, annale, le front couronne de dents inegales, trois epines fortes au 
bout posterieur. 

Coleps amphacanthus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 241. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Es fand sich am 15. Juni zuerst im Leibe des Spirostomum virens und ist nur gleichzeitig noch in 2 Exemplaren zwi- 
schen Conferven vorgekommen. Es ist grösser, als die andern Arten, und hat vorn jederseits 2 längere Spitzen. Ich sah nur Queer- 
furchen des Panzers, keine Längsfurchen, und auch keine Wimpern, ausser am Munde. Waren sie eingezogen? Ich zählte 12 — 14 
Panzerringe und 10 — 11 grosse, mit Speise erfüllte, Magen. Einige leere Blasen gehörten vielleicht dem Sexualsystem an. — Grösse 
V24 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXHI. Fig. IV. und Taf. XXXVI. Fig. I. 

Es sind 2 Exemplare in 3 Stellungen, 300mal diametral vergrössert. Auf Tafel XXXVI. ist ein drittes Exemplar im Leibe des Spirostomum. 

454. Coleps ineurvus, gekrümmtes Büchsenthierchen. Tafel xxxm. Fig. v. 

C. corpore oblongo, subeylindrico , le viter ineurvo, tabulato, albo, apiculis 5 terminato. 

Coleps courbe, a corps oblong, presque cylindrique, legerement courbe, parquete, blanc, termine en 
5 pointes. 

Coleps ineurvus, Abhandl. der Aiademie d. Wissensch. zu Berlin, 1833. p. 242. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese zwischen Conferven im Thiergarten 1832 am 20. Juni beobachtete Art war selten, und ist seitdem nicht wieder vor- 
gekommen. Die Schildchen sind sehr convex. Ich zählte 16 Längsreihen und ebensoviel Queerreihen, also 256 Schildcben. Der 
Stirnrand war fein gezahnt. Hinten waren 5 Spitzen. Die Körperoberfläche wirbelte auch in Indigofärbung nicht. Ich sah 2 — 3 
grosse, mit Speise erfüllte, Magen, keine Indigoaufnahme. — Grösse V36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. V. 
Es sind 2 Exemplare in 300maliger diametraler Vergrösserung dargestellt. 



319 



SIEBZEHNTE FAMILIE: HALSTHIERCHEN. 

Traclielina. Traclieliens. 

CHARACTER: Animalia polygastrica enterodela (tubo intestinali distincto instructa), orilicio duplici, sola 
ani apertura terminali (allotreta), nee loricata. 

CARACTERE: Animaux polygastriques sans carapace, ayant un canal alimentaire a deux 
orifices distincts, dont seulement celui de f anus est terminal. 

Die Familie der Halsthierchen enthält alle die panzerlosen Magenthierchen, welche einen Darm 
mit zwei Mündungen, oder doch die letzteren, deutlich haben, bei denen aber nur die Aftermündung an 
einem Körperende liegt. 

Die Familie wurde 1830 in den Abhandl. d. Berl. Akademie d. Wissensch, mit 9 Arten in 3 Gat- 
tungen: Trachelius, Loxodes, Glaucoma, gegründet, und 1831 ebenda mit 22 Arten in 5 Gattungen 
(mit Bursaria und Phialina) bezeichnet. Im Jahre 1833 wurde sie ebenda mit noch 2 Gattungen, Chi- 
lodon und Nassula, vermehrt, und hier umfasst dieselbe 8 Gattungen mit 38 Arten, nämlich Bursaria 
mit 14 Arten, 1 Trachelius mit 8, Loxodes und Chilodon jede mit 4, Nassula mit 3, Spirostomum und 
Phialina jede mit 2, und Glaucoma mit 1 Art. Die ersten Formen der Familie beobachtete schon Leeü- 
wenhoek deutlich. Er sah wohl Chilodon Cucullulus am 10. Juni 1675, aber sehr entschieden Bursaria 
intestinalis und cordiformis am 26. Juli 1683 im Darmschleime der Frösche. Sehr deutlich beschreibt 
dann 1718 Joblot das Glaucoma scintillans zuerst, auch scheint er Trachelius Anas und trichopho- 
rus, vielleicht auch Lamella, gekannt zu haben, und das Spirostomum ambiguum hat ihn sammt Chilo- 
don Cucullulus viel beschäftigt. Die ersten Formen der Gattungen Loxodes und Phialina hat Müller 
beobachtet, und die Formen der Gattung Nassula sind erst seit 1833 durch mich bekannt. — Systematiscli 
verzeichnete Hill Thierchen dieser Familie zuerst 1751 in seinen Gattungen Cyclidium und Paramecium, 
Linne und Pallas haben sie ganz übergangen. Müller gründete 1773 die Gattung Bursaria und ver- 
theilte bis 1786 die meisten Formen in seinen Gattungen Trichoda, Kolpoda, Leucophra und Vibrio. 
Schrank bildete 1803 die Gattung Trachelius, und Bory 1824 die Gattung Phialina. Die Gattungen 
Glaucoma und Loxodes wurden 1830, und Chilodon 1831 von mir errichtet. Zuletzt wurden 1833 von 
mir die Gattungen Spirostomum und Nassula hinzugefügt. Bory de St. Vincent hatte die Formen der 
ganzen Familie nur nach den äusseren, von den Beobachtern oft unrichtig aufgefassten , Characteren in 19 
Genera vertheilt (s. den Nachtrag). Die Gattung Opalina, von Purkinje 1835, war schon 1833 Fronto- 
nia als Subgenus von Bursaria genannt. — Die innere Organisation einiger Formen dieser Familie ist seit 
langer Zeit ziemlich gut gesehen, aber in der neuesten Zeit aus theoretischen Gründen ausser Acht gelas- 
sen worden (s. Chilodon). Seit 1830 ist sie zum Eintheilungsprincip benutzt. — Alle Formen sind frei be- 
wegt. Als Bewegungsorgane finden sich ausser Phialina bei allen Gattungen über den ganzen Körper ver- 
theilte wirbelnde Wimpern, meist in Längsreihen geordnet und am Munde etwas länger. Bei Trachelius 
ist kein Hals, sondern die Stirn in eine rüsselartige, lange, und bei Loxodes und Chilodon in eine beil- 
artige, breite Lippe verlängert, sonst giebt es keine äusseren Organe, doch ist bei der Gattung Glaucoma 
eine zitternde Mundklappe, und bei Chilodon und Nassula ragen zuweilen die Zähne des Mundes vor. Die 
Gattungen Bursaria und Nassula besonders haben einen dicken Stiruhöcker vor dem Munde, welcher der 
mit Eingeweiden erfüllte vortretende Rücken ist. — Als Ernährungsorgane sind bei allen Gattungen viele 
Magenzellen sichtbar, und die directe Aufnahme fester Stoffe in dieselben durch den Mund, so wie das Aus- 
werfen am hintern Körperende ist bei allen Gattungen ohne Ausnahme beobachtet. Sehr merkwürdig sind 
die deutlichen Zähne im Munde der Gattungen Chilodon und Nassula, und besonders auch der violette 
Verdauungssaft (Galle) bei Nassula, welchen die übrigen Formen oft farblos auch erkennen lassen. Spiral- 
förmig ist der Mund bei Spirostomum. — Die Sexualorgane sind doppelgeschlechtig bei allen Gattungen er- 
kannt. Den Körper erfüllende, periodisch vorhandene, Ei -Körnchen sind in verschiedenen Farben, weiss, 
grün, mennigroth und gelb, überall beobachtet, und auch das Auswerfen derselben, jedoch immer nur mit 
Zerfliessen eines Körpertheils , gesehen. Die männlichen Drüsen sind theils rund, theils oval, schnür- oder 
perlschnurförmig in allen Gattungen, ausser Phialina, erkannt, aber die contractilen Blasen fehlen auch dieser 
Gattung nicht. Sehr häufig ist eine vollkommene spontane Selbsttheilung sowohl in der Queere als Länge. 
Letztere haben frühere Beobachter für Begattung gehalten. Knospen sind nicht vorgekommen; auch giebt 
es keine Thierstöcke. — Augen fehlen, und andere Empfindungsorgane sind sammt den Circulationsorganen 
der Beobachtung noch entgangen. 



320 



Die geographische Verbreitung der Familie ist durch ganz Europa, im sibirischen Asien und im See- 
wasscr des rothen Meeres beobachtet. 

Uebersicht der 8 Gattungen der Familie der Halsthierchen: 

/ l [ ,. I riisselförmig lang Trachelius 

t „ . I I shrnartige Oberlippe < , ., , .. r 

\ Stirn im- JMund einfach . . / ö . f beilartig breit Loxodes 

Mund ) " ,e j, , < abgesetzt \ \ stirnartig vortretender Rücken Bursaria 

zahnlos \ 1>1>e ) iMund spiralförmig Spirostomum 

f Stirn zapfenartig abgesetzt Phialina 

zitternde Mundkla])pc Glaucoma 

Mund (stirnartig vortretende Oberlip])c Chilodon 

gezabnt j stirnartig vortretender Rücken Nassula 



HUNDERTZEHNTE GATTUNG: HALSTHIERCHEN. 

Trachelius. Trachele. 

CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia, corpore undique eiliato, ore simplici inermi, labio su- 
periore praelongo, proboscidis forma insigni. 

CARACTERE: Animal de la famille des Tracheliens, ä corps cilie de tous cötes, ayant la bouche 
simple sans dents, la levre superteure tres-allongee en forme cPune trompe. 

Die Gattung der Halsthierchen umfasst solche Formen der gleichnamigen Familie, welche einen 
überall mit Wimpern besetzten Körper haben und deren einfacher, gebissloser Mund eine zur Gestalt eines 
Rüssels verlängerte Oberlippe führt. 

Schrank bildete 1803 eine Gattung Trachelius mit 8 Arten aus 6 Arten der Gattung Vibrio von 
Müller, deren einige Specialnamen er unnöthig abänderte, und 2 neuen. Nur 2 davon können Arten der 
jetzigen Gattung gewesen seyn, die übrigen gehörten zu Amphileptus und Trachelocerca. Er hielt den 
vordem rüsselartigen Theil für einen Hals und gab daher den unpassenden Namen Halsthierchen, wel- 
chen ich nun, um ihn beizubehalten, metaphorisch nehme. Okejj nahm 1815 die Gattung auf und fügte 
den PALLAs'schen Brachionus Proteus {Trachelocerca Olor) als neunte Art, T. Proteus, hinzu. Bory 
verzeichnete diese Formen 1824 grösstentheils in seinen Gattungen Kolpoda, Paramaecium und Lacrima- 
toria. Ich vermehrte 1830 die physiologisch fester gestellte Gattung um 2 Arten von Müller's Trichoda; 
1831 verzeichnete ich 6 Arten, 1833 fügte ich noch 3 Arten, und 1835 eine 4te Art hinzu. Eine der 
früheren Arten ist jetzt zur Gattung Spirostomum gezogen und Tr. Falx zu Amphileptus Fasciola; so 
ist die Zahl der Arten hier auf 8 festgestellt. Die ersten Beobachtungen von Formen dieser Gattung machte 
Joblot, welcher Track. Anas, vielleicht auch trichophorus und Lameila gezeichnet hat. — An Organi- 
sation ist die Gattung ergiebig gewesen. Bei 5 Arten sind die Wimpern des Körpers erkannt, bei 3 Arten 
sind sie unsicher geblieben. Der rüsselartige Vordertheil, welcher den Mund nicht an der Spitze, sondern 
am Grunde führt, dient bei 2 der letzteren vorzugsweise, bei den übrigen nebenbei, zur Ortsveränderung. 
— Der polygastrische Darm ist bei 4 Arten durcli farbige Nahrung direct anschaulich geworden, auch die 
Afterstelle bei 3 Arten direct beobachtet, bei den übrigen wegen Abrundung des Hintertheils nur ebenda 
vermuthet. Der Mund am Grunde des Rüssels ist bei 4 Arten direct erkannt. Der überall farblose Ver- 
dauungssaft ist bei T Meleagris blassroth. — Der Geschlechtsorganismus ist als hermaphroditisch bei 2 Ar- 
ten vollständig, und bei noch 5 Arten zum Theil erkannt. Es sind Eikörnchen und 1 — 2 runde oder ovale 
Drüsen nebst einfachen contractilen Blasen. Auswerfen der Eikörnchen ist bei T. Ovum und Meleagris 
beobachtet. Selbsttheilung ist bei 2 Arten nur als Queertheilung gesehen. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist über ganz Europa bis Tobolsk in Sibirien, und bei 
Tor am Sinai Arabiens beobachtet. 

455. Trachelius Anas, gansähnliches Halstbiercheii, Gans. Tafel xxxffl. Fig. vi. 

T. corpore clavato-cylindrico, albo, proboscide crassa obtusa dimidio corpore breviore, oris apertura proxime ad basin 
proboscidis. 

Trachele Oie, a corps cyliiidrirjue en mastsue, blanc, ayant une trompe epaisse, arrondie au bout, plus 
courte r/ue la moitie du corps et la bouche justement a la base de la trompe. 



331 



Poisson H., Joblot, Observations faites avec le microsc. 1718. (ed. II. 1754.) II. p. 19, 26. Tab. 3. Fig. H. Tab. 4. Fig. Ii. 
Solle doree, Jobiot, ibid. p. 66. Tab. 8. Fig. 5. Massue, Tab. 6. Fig. D.? Tab. 10. Fig. 6.? 

Trichoda Anas, » Müller, Vermium fluv. bist. 1773. p. 100. Animalc. Infusor. 1786. p. 193. Tab. XXVII. Fig. 14 — 15. (excl. synon.) 
Trichoda Index, f et Fig. 5 — 6. p. 190. 

Trichoda Anas, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 91. 1803. 
Amiba Solea et Joblotä, l 

Raphanella Joblotii, \ Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 
Trichoda Anas, ) 

Trachelius Anas, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42, 54, 65, 79. Taf. IV. Fig. V. 1831. p. 107. 1835. 

p. 164. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Berlin, Paris und Petersburg beobachtet. 

Es scheint wohl, dass diese in den Infusionen häufige Form schon unter Joblot's Fischen war, die er 1711 beobachtete 
und 1718 beschrieb, denn die Zeichnungen passen ziemlich gut, obschon er sie etwas breiter als dick sah, denn die Form ist verän- 
derlich; die ans dem Austerwasser konnte aber auch ein Kiemenfragment seyn. Ich fand sie bei Berlin zu allen Jahreszeiten in offenen 
Infusionen, auch zwischen Conferven, und sie vervielfältigte sich oft sehr durch queere Selbsttheilung. Der biegsame Rüssel ist eine 
angenehme Erscheinung. Die flimmernden Körperhaare erkannte schon Schrank richtig, obwohl sie Müller nur vorn am Rüssel 
sali. Schon 1830 zeigte ich die Farbeaufnalime in den Körper an und gab ausführliche Abbildungen, die zum Theil hier wiederholt 
werden konnten. Die beiden runden Drüsen hielt ich damals für etwas grössere Magen und die hintere Blase für Erweiterung des Dar- 
mes. An den in Petersburg 1829 auf der Reise mit Herrn v. Humboldt beobachteten Exemplaren sah ich Eikörnchen. Unter den 
von mir 1828 am 1. Mai gezeichneten Figuren finden sich dergleichen, welche der Trichoda Index; ganz ähnlich sind. Bewegung 
schwimmend, wälzend und kriechend. — Grösse V24 — V10 Linie beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. VI. 

Fig. 1. mit nur einer mittleren Drüse und der hintereu contractilen Blase sammt vielen Magen. Fig. 2. wirbelnd in Indigowasser, o' der Mund. 
Fig. 3. mit gekrümmtem Rüssel, wie ein Gänsehals; o' der Mund. Fig. 4. gestreckte Form, auswerfend; tt zwei männliche Drüsen; bei 4. der 
Mund. Fig. 5. etwas buchtig, wohl nach dem Eierlegen. Fig. 6. in der Queertheilung. Fig. 7. ein Junges, Hintertheil nach der Queertheilung. 
Fig. 8. ein ähnliches , Vordertheil. Fig. 9. Verkrüppelung als Trichoda Index. Zuweilen ist die Behaarung sehr stark , zuweilen gar nicht sicht- 
bar, auch an demselben Individuum. Linearvergrösserung 300mal. 

456. Trachelius voraac, gefrässiges Halsthicrclicn. Tafel xxxill. Fig. VII. 

T. corpore clavato, ovato, turgido, albo, proboscide crassa obtusa, dimidio corpore breviore, oris apertura a pro- 
boscidis basi remota in niedio corpore. 

Tr achele vorace, a corps ovale en massue, blanc, gotifle, ayant la trompe epaisse obtuse, plus courte 
que la moitie du corps et la boucloe eloignee de la base de la trompe au milieu du corps. 

Trachelius vorax, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 275. 1835. p. 161. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich fand diese Form am 6. Juni 1832 zwischen Conferven. Sie hat eine viel grössere, mehr in der Körpermitte gelegene, 
Mundöffnung, und verschlang ganze Exemplare des Loocodes Bursaria, deren ich 4 — 6 in eben so viel einzelnen innern Magen lie- 
gen sah. Die weisse Körpersubstanz war etwas trübe, zeigte aber keine deutlichen Körnchen. Ueber dem Munde am Rücken glaubte 
ich eine contractile Blase zu sehen, und neuerlich sah ich in einem Exemplare deutlich eine runde Drüse über dem Munde. Eine helle 
Stelle am hintern Körperende schien den After anzuzeigen. Farbe nahm es nicht auf. Die Bewegung ist sehr trag kriechend und sich 
drehend. Die Wimpern sind sehr fein. Man sieht sie nur durch Färbung des Wassers. — Grösse x /io Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. VII. 

Es sind 3 Exemplare, 300mal diametral vergrössert. Fig. 1. ist im Begriff, einen Loxodes zu verschlingen, und hat deren schon 6 im Innern. Bei 
t die Sexualdrüse, bei w die helle vermuthliche Afterstelle. 

453*. Trachelius Meleagris, geperltes Halsthierclieii. Tafel xxxm. Fig. VUJ. 

T. corpore compresso lanceolato, saepe sigmoideo, albo, proboscide crassa, obtusa, dimidio corpore breviore, vesicu- 
larum serie dorsuali insignis. 

Tr achele Meleagre, a corps comprime lanceole, souvent courbe en forme «T un S, blanc, ayant la 
trompe epaisse obtuse, plus courte que la moitie du corps et se distinguant par une serie de 
vesicules en fil de perles dans le dos. 

Trachelius Meleagris, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164, 178. Taf. I. Fig. VI. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese an Amphileptus Meleagris erinnernde Form fand sich 1835 und auch 1836 ziemlich häufig im Frühjahr zwischen 
Naviculis und Oscillatorien an der Oberfläche der Gräben im Thiergarten. Sie schwimmt leicht, aber langsam, /orwärts und 
rückwärts, selten sich wendend. Die Organisation ist bei ihr am klarsten entwickelt. Ausser den polygastrischen Magen ist eine Reihe 
röthlich erfüllter Zellen perlschnurartig im Rücken, welche dem Verdauungssafte oder der Galle wohl so angehört, wie es bei Nas- 
sula noch augenscheinlicher ist. Zwei eiförmige männliche Drüsen, Eier und 2 contractile runde Blasen sind anschaulich geworden. 
Die beiden Drüsen deuten auf Queertheilung, welche nicht beobachtet ist. Der Mund ist eine schiefe Queerspalte. Ein leichter Ein- 
schnitt bezeichnet oft die Afterstelle. — Grösse x /s — Ve Linie; der Eier Vase — Vzss? Linie. (Vergl. Tr. Fala.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. VIII. 

Es sind 5 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung dargestellt. Fig. 1 — 3. Normalformen; Fig. 4. von der Bauchseite; Fig. 5. ist wohl 
nach dem Eierlegen eingeschrumpft. 

81 



322 



458. Trachelius TLamella, spahniihnliches Halsthierehen , Spahn. Tafel xxxm. Fig. IX. 

T. corpore dcpresso, lamcllari, lanceolato -lineari, antico linc saepius truncato, postico rotimdato. 

Trachele Lame, a corps deprime, lamme, Uneaire-lanceole, souvent tronque au bout anterieur, ar- 
rondi a V autre bout. 

Poisson 3, Joblot? Observat. fait. avec Ie microscope, 1718. (ed. II. 1754. p. 51.) PI. 6. Fig. 3. 

Kolpoda Lamella, Müller, Vermium fluv. hist. 1773. p. 45. Animalc. Infus. 1786. p. 93. Tab. XIII. Fig. 1 — 5. 

Egeläknliche Thierchen, Gleichen, Infusionstliierchen, p. 153. Taf. XXIX. Fig. 4. und 6. 1778. 

Paramecium lamellinum, (Lamella 1826.), Bort de St. Vincent, Encyclopedie methodique, Vers. 1824. 

Colpoda platyura, Hemprich u. Ehrenberg-, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa. Tab. III. Fig. VI. 2. 1828. 

Trachelius Lamella, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 17. 1830. p. 54, 56, 65, 70. 1831. p. 107. 

Aufenthalt: In Paris?, Copenhagen!, auf dem Greifenstein, in Berlin!, Petersburg! und im rothen Meere bei Tor. 

Diese häufig in Infusionen vorkommenden, sehr durchsichtigen Tliierclien, welche wohl Joblot in Basilicum-Aufguss, Mül- 
ler in frischem Wasser, Gleichen in Schneewasser, ich in Siisswasser- Infusionen in Berlin und Petersburg und in Seewasscr-Auf- 
guss in Tor am Sinai Arabiens fand, könnten der Jugendzustand des Amphileptus Fasciola seyn, doch ist es mir nicht möglich ge- 
wesen, dicss völlig in's Klare zu bringen. In Tor war ihr Vcrhältniss zu Disoma vacillans merkwürdig, indem diese Einzelthiere, 
obwohl sehr ähnlich, doch mit den Hälften jenes Doppelthieres nicht übereinstimmten. Es macht einen feinen Wirbel nicht an dem 
meist abgestutzten, zuweilen fast spitzen, Rüsselende, sondern fast in der Mitte, wie Amphileptus, aber die Afterstelle ist am Ende 
und dicht davor eine helle Samenblase, die auch Gleichen sah. Farbcaufnalime gelang nicht. Auch muss es bewimpert seyn, weil 
es ohne gewaltsame Bewegungen schwimmt. Am 5. Nov. 1833 beobachtete ich es sehr zahlreich in süssem Wasser, welches ich aus 
dem botanischen Garten zu Copenhagen mit nach Berlin genommen hatte. — Grösse am Sinai l [ 2t Linie, in Petersburg Vts — 748, in 
Berlin und Copenhagen »/so — Vi« Linie. (Vergl. Leucophra Candida Müller, [Peritricha c. Bory] und Uroleptus Lamella^ 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. IX. 
Es sind 7, in Berlin von mir gezeichnete, Exemplare aus dem Copenhagener Wasser, bei 300inaliger Vergrösserung des Durchmessers. 

459. Trachelius Anaticula, Meines Halsthierehen, Gänschen. Tafel xxxill. Fig.x. 

T. corpore parvo, ovato, pyriformi, albo, antico fine attenuato diaphano. 

Trachele Oison, d corps petit, ovale, pyriforme, blanc, aminci et diaphane au bout anlerieur. 

Trachelius Analicula, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 274. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Es fand sich am 26. April 1832 zwischen Conferven sehr zahlreich und glich einer Leucophrys, liess aber nur am Grunde 
des dicken Rüssels eine sehr leichte Grube als Mund erkennen. Es für Junge des Track. Anas zu halten, hinderte die Menge ohne 
Begleitung und Entwickelung grösserer Formen und die (queere) Selbsttheilung , obschon ich jetzt weiss, dass auch junge Thiere sich 
theilen. Indigo nahm es nicht auf. Einen Einschnitt am Hintcrtheile hielt ich für After, eine helle Blase dabei halte ich jetzt für 
Sexualblase. Ich erkannte im trüben Körper undeutliche Grenzen von Magenblasen und feine Eikörnchen. Die Wimpern bildeten 10 
— 12 Reihen auf der Halbansicht. (Yergl. Trickoda Pyrum (Gleichen) und Leucophrys pyriformis.) — Länge ^48 — V2 4 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. X. 

Es sind 4 Einzelthierchen und 2 in Selbsttheilung bei 300maliger Linearvergrösserung. 

460. Trachelius f trichophorus, peitschenförmiges Halsthierehen. Tafel XXXIII. Fig. XL 

T. corpore cylindrico, variabili, subclavato, proboscide flagelliformi tenuissima capitata. 

Trachele? Fouet, d corps cylindrique, variable, souvent en massue, la trompe en forme de fouet 
tres-minces avec un petit bouton. 

Solle et Pain de sucre, Joblot? Observat. fait. avec le Microscope, 1718. (ed. II. 1754. p. 60, 61.) Tab. 7. Fig. 3, 6. 
Kugellhierchen und Proteus, Gleichen? Infusionstliierchen, p. 151. und 168. Taf. XXVIII. Fig. 18. 1778. 
Vibrio strictus? , Proteus (Gleichenii) ? , Müller, Animalc. infus, p. 11, 71. 1786. 
Proteus Gleichenii, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 27. 1803. 
Amiba Gleichenii, 1 

Cralerina stentorea, \ Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. 1824. Auch Lacrimatoria stricto? u. a. m. 
Pupella Solea, ) 

Trachelius? trichophorus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 54, 65, 70. 

Aufenthalt: In Paris, bei Copenhagen, auf dem Greifenstein bei Berlin und bei Tobolsk in Sibirien beobachtet. 

Dieses sehr interessante, sehr häufige und sehr verbreitete Tliierclien scheint auch von den früheren Beobachtern öfter ange- 
zeigt, nur selten richtig aufgefasst zu seyn. Vielleicht ist es auch Müller's Enckelis Farcimen 1773. Dazu gehören denn all die 
Synonyme, welche neuerlich durch Bort gegeben worden sind. Am häufigsten hat man den Rüssel übersehen, welcher äusserst zart 
ist und dessen tastendes Köpfchen meist sehr entfernt vom Körper kleine Bewegungen bewirkt. Das Thierchen ist sehr gefrässig und 
verschlingt grosse Körper mit einer Oeffnung am Grunde des feinen Rüssels. Hinten ist es oft abgestutzt und erscheint dann wie ein 
Zuckerhut. Zuweilen schiebt es das Hintertheil voraus. Sehr oft ist es einem Proteus oder Astasia ganz ähnlich, bis man den Rüs- 
sel erkennt. Joblot sah es in Paris wohl zuerst, dann nannte es Müller vielleicht Enckelis, Gleichen Proteus. Ich habe es 
bei Berlin im Mai 1826 zuerst gesehen, 1829 fand ich es auf der Reise mit Herrn von Humboldt bei Tobolsk, und 1833 hatte 
ich es im September häufig im Siisswasser des botanischen Gartens in Copenhagen. Zuweilen schien es mir bewimpert, doch fehlte 
meist aller Wirbel in Farbeauflösungen. Das Auswerfen der Nahrung ist noch nicht beobachtet, aber eine contractile Blase erkannt. 
Grösse des Körpers V100 — Vs 6 Linie beobachtet. Die russische Form war mehr eiförmig, kürzer und kleiner, und ich habe kein Knopf- 
chen am Rüssel gezeichnet. 



323 



Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. XI. 
Fig. 1 — 4., 6. und 9. sind in Berlin, Fig. 5., 7. und 8. in Copenhagen von mir beobachtet. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

461. TracheMusf glohulifer, Kugelförmiges Halsthiercben. Tafel XXXIII. Fig. XII. 

T. corpore globoso hyalino, proboscide flagelliformi tenuissima acuta. 

Trachele? globifere, a corps spherique, hyalin, la trompe en fouet tres-fine, aigu'e. 

Trachelius? globulifer, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 65, 70. 1831. p. 108. 

Aufenthalt: Bei Tobolsk in Sibirien im Irtisch. 

Diese zwar weiche, aber doch vielleicht zu Trachelomonas gehörige, Form fand sich auf der Reise mit Herrn von Hum- 
boldt 1829 zwischen Conferven des Irtisch. Bewegung langsam schleichend, nicht nach Art der Panzermonaden rollend. Ich sah 
keine Wimpern. — Grösse des Körpers Vioo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIII. Fig. XII. 

Es sind die. von mir in Tobolsk gefertigten Zeichnungen nach 380maliger Vergrößerung des Durchmessers. 

463. Trachelius Ovum, eiartiges Halstnierehen. Tafel xxxm. Fig. xm. 

T. corpore amplo ovato, antico fine late aperto, subcampanulato , proboscide brevi rostrato, albo. 

Trac Ziele Oeiff, a corps Alane, ample, ovale, largement ouvert au bout anterieur en clochette, ayant 
une petite trompe en forme de bec. 

Die gespitzte Kugel, Eichhorn, Beiträge z. Kenntn. d. kl. Wasserth. 1775. p. 56. Taf. V. Fig. S. 

Bursaria rostellata, Abiid&aard? Skrivter af naturh. Selskab. Bind III. H. 1. p. 88. Tab. III. Fig. B. 1793. 

Trachelius Cicer, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 60. 1803. 

Ophryocerca Ovum, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 112. 

Trachelius Ovum, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 277. 1835. p. 165, 166. 

Aufenthalt: Bei Danzig?, Berlin und vielleicht bei Copenhagen und Landshut. 

Bei Berlin findet sich dieses sehr grosse Thierchen zuweilen häulig in stehendem Sumpfwasser. Eichhorn und Abildgaard 
haben ein ähnliches, letzterer aber mit weit längerem Rüssel, bei Copenhagen und Danzig gesehen. Schrank sah es vielleicht im 
August bei Landshut. Bis 1831 hielt ich den Rüssel für einen Schwanz, weil es oft verkehrt schwimmt. Seit dem 20. Juni 1832 
und 13. Oct. 1833 habe ich aber den Mund und die Organisation deutlich beobachtet, und somit die Gattung Ophryocerca aufgelöst. 
Es hat viel Aehnlichkeit mit Bursaria truncatella, und darf auch nicht mit Amphileptus moniliger verwechselt werden. Bei kei- 
nem polygastrischen Thierchen ist der Darm an sich so direct zu sehen, als bei diesem. Es ist ein verzweigter baumartiger Canal, 
dessen Aeste blind enden und an den Enden sich kugelartig zu Magenblasen von beliebiger Grösse ausdehnen. Auch die feinsten Zweige 
sind der unerwartetsten Erweiterung fähig. Der grosse Mund, die hintere grosse contractile Blase über dem Darm -Ende, viele kleine 
Magenblasen und überall zerstreute Körnchen als Eiermasse fallen in die Augen. Eine bandartige Drüse sah ich neuerlich. Die Wim- 
pern Hessen in der Halbansicht mehr als 30 Reihen erkennen. Vielleicht muss der Specialname geändert werden. — Grösse bis % Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIJJ. Fig. XIII. 

Drei Exemplare 300mal diametral vergrössert. Fig. 1. Normalform; Fig. 2. zusammengefallen (durch Eierlegen?); Fig. 3. im Eierlegen durch Zer- 
fliessen begriffen, wonach es wieder munter weiter schwamm; 2 Magen sind sehr ausgedehnt. 



Nachtrag zur Gattung Trachelius. 

Ausser den verzeichneten 8 Arten sind noch 10 Namen direct gegeben worden, deren Homonyme hier folgen: 1) Trachelius 
ambiguus (Abhandl. d. Berk Akad. 1831.) = Spirostomum; 2) T. Anhmga Schrank {Fauna boica 1803.) = Trachelo- 
cerca Olor; 3) T. Cicer Schrank (1803) = Trach. Ovum?; 4) T. Colymbus Schrank (1803) = Amphileptus? , Trach. 
Meleagris?; 5) T. Cygnus Schrank (1803) = Amphileptus; 6) T. Foix Schrank (1803) == Trachelius; 7) T. Plana- 
ria Schrank (1803) = Amphileptus Fasciola ; 8) T. Proteus Oken (1815) = Trachelocerca Olor ; 9) T. stylatus Schrank 
(1803) = Amphileptus; 10) T. ütriculus Schrank (1803) = Amphileptus Fasciola. — Halbe Amphileptus kurz nach der 
Theilung hält man leicht fälschlich für Trachelius. Ein einzelnes Thierchen erlaubt keine sichere Entscheidung. Wo 2 Drüsen sind, 
ist die Form wahrscheinlich erwachsen. 

Als vielleicht zur Gattung Trachelius gehörige Formen sind zu vergleichen: Enchelys gemmata, Index, Pupula, 
Vibrio verminus, Ütriculus, Foix, intermedius, Linter, Kolpoda ochrea, Trichoda barbata, ambigua, Lagena, 
Leucophra dilatata, Candida von Müller. 

HUNDERTEILFTE GATTUNG: LIPPENTHIERCHEN. 

Loxodes. loxode. 

CHARACTER: Animal e Traclielinorum familia, corpore undique eiliato, ore simplici inermi, labio supe- 
riore continuo, dilatato, cultrato. 



334 — 

CARA CTERE: Animal de la famille des Tracheliens, ä corps cilie detous cd/es, ayant la bouche 
simple sans dents, la levre superieure continue et elargie en forme de hache. 

Die Lippenthierchen zeichnen sich in der Familie der Haisthierchen durch überall bewimperten 
Körper, einfachen gebisslosen Mund und eine unabgesetzte erweiterte beilartige Oberlippe aus. 

Die Gattung wurde 1830 in den Abhandl. d. Kerl. Akad. d. Wiss. mit 4 Arten gegründet; 1831 
wurden 6 Arten verzeichnet, von denen L. Cucullulus 1833 als eigene Gattung Chilodon abgesondert, 
und L. Cucullio zu Kolpoda gestellt worden ist. Hier sind 4 Arten aufgenommen. Die erste Kenntniss 
der beiden früher bekannten Formen hatte Müller, als Kolpoda Rostrum 1770 und vielleicht als Tri- 
choda aurantia 1786, dieBoRY als Paramaecium und Plagiolricha verzeichnet hat. — Die organischen 
Systeme sind zahlreich erkannt. Als Bewegungsorgane sind Wimperreihen und längere Mundwimpern vor- 
handen. Das polygastrische Ernährungssystem ist bei 3 Arten durch Aufnahme fester Nahrung ermittelt, 

auch bei 1 Art das Auswerfen durch die Afterstelle gesehen. — Sexualorgane sind in doppelter Geschlechts- 
form bei L. Bursaria als Eikörnchen, eine ovale Drüse und 2 contractile runde Blasen beobachtet, bei 2 
andern sind Eikörnchen allein erkannt. — Selbsttheilung ist nur als Queertheilung beobachtet; doch hat 
Müller bei Trickoda aurantia auch Längstheilung gesehen. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist bei Copenhagen, Landshut, Berlin und Tobolsk beob- 
achtet. 

463. Zoccoiles Mostrum, gesehnäTbeltes Lippentliierclieii. Tafel XXXIV. Fig. I. 

L. corpore albo, lanceolato, propter labium lateraliter uneinatum leviter siginoideo. 

Loxode Bec, d corps blaue, lanceole, legerement courbe en forme d' im <S, par la levre lateralement 
crochue. 

Kolpoda Rostrum, Müller, Vermium fluv. historia, p. 46. 1773. Animalc. Infus, p. 94. Tab. XIII. Fig. 7 — 8. 1786. 
Colpoda Rostrum, Schränk, Fauna boica, III. 2. p. 70. 1803. 
Paramaecium Solea, Bort, Encycloped. method. Vers. 1824. 

Loxodes Rostrum, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. 1831. p. 108. 

Aufenthalt: Bei Copenbagen, Berlin, Landsbut beobachtet. 

Bei Berlin sah ich diese Form nur zwischen Conferven 1831 im Juli, 1832 am 26. April. Sic wird sehr gross, doch sah 
ich auch kleinere gleichzeitig mit grossen in der Qucertheilung. Ich sah oft im Innern grosse verschluckte Naviculas und Synedras, 
auch Chlamidomonas. Farbe nahm es nie auf. Der Mund ist am Grunde des beilförmigen Rüssels, der rechts eine Falte hat. Die 
Eierchen bilden oft 2 Streifen zu beiden Seiten des Leibes. Männliche Organe wurden nicht klar. Auch die Wimpern sind sehr zart, 
doch sah ich sie neuerlich über den ganzen Körper. — Grösse x /i2 — V« Linie; Eierchen weniger als V2000 Linie gross. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. I. 

Es sind 6 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung abgebildet. Fig. 1. grössere Form mit gebogener Rüsselfalte. Fig. 2. wirbelnd; 0' der 
Mund hat eine Navicnla viridis und eine Synedra ülna verschlungen, Bauchansicht. Fig. 3. Rückenansicht. Fig. 4. und 5. gebogen. Fig. 6. 
in der Queertheilung. 

464. Mjoocodes Cithara, harfenförmlges UppentMerchen. Tafel XXXIV. Fig. IL 

L. corpore triangulo compresso, albo, in fronte dilatata oblique truncato, postice attenuato. 

Loccode Harpe, a corps triangulaire comprime, blanc, elargi et obliquement tronque au front, aminci 
au bout posterieur. 

Trichoda aurantia, Müller? Animalc. Infus, p. 185. Tab. XXVI. Fig. 13 — 16. (Vergl. Chilodon Cucullulus.) 
Loxodes Cithara, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 108. 

Aufenthalt: Bei Berlin, vielleicht auch bei Copenhagen. 

Dieses flache dreieckige Thierchen, welches eine Harfenform hat, zeigt, nachdem es verschiedene Nahrung genossen, eine ver- 
schiedene Farbe, ist aber eigentlich weiss. Vielleicht war Mulxer's Thierchen, das er 1784 mit Lemna fand, eine besondere Art, 
vielleicht auch Chilodon. Boky nennt es Plagiotricha. Gegenwärtiges gleitet am Grunde des Wassers und zwischen andern Kör- 
pern hin, und verschlingt auch Ba ciliar ien. Am 7. Juni 1836 fand ich ein ähnliches, aber weniger plattes, Thierchen in einem 
grünen Wassertümpel in Schönhausen hei Berlin mit Phacelomonas, Gonium und Leucophrys patula. An diesem sah ich deutlich 
in der Halbansicht 11 — 12 Längsreihen von Wimpern, vorn eine ovale Drüse und eine contractile Blase am zugespitzten Ende, auch 
sah ich da das Auswerfen genossener Monaden am hintern Ende, doch schien mir der Mund am stumpfen Winkel der abgestutzten 
Seite zu liegen, was mehr für Bursaria passt. — Grösse V36 — Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. II. 

Es sind 3 Zeichnungen von 1830 mitgetheilt, da die späteren nicht mehr aufgenommen werden konnten. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

465. Jjoacodes ßursaria, grünes Mppenthiercheii. Tafel XXXIV. Fig. in. 

L. corpore oblongo viridi, antico fine depresso et oblique truncato, postico rotundato turgido. 

L oxo de vert, a corps oblong vert, obliquement tronque et deprime au bout anterieur, arrondt et gon- 
fle au bout posterieur. 



335 



Paramecium Chrysalis var. viridis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 65, 70. 

Loxndes Bursaria, l Ab]landl> der Aka demie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 109, 111. 1835. p. 164. 
Bursaria Chrysalis , ( 

Paramecium Bursaria, Fockk, Isis 1836. p. 786. 

Aufenthalt: Bei Berlin, Bogoslofsk im Ural und bei Bremen (?). 

Vielleicht ist diese bei Berlin sehr gemeine Form doch das Paramecium versutum von Müller, nicht Schrank, und 
ohne die Synonyme. Ich beobachtete es jährlich im April, Juni, Juli, September und Octöber, und auf der Reise mit Herrn von 
Humboldt in Sibirien 1829 zeichnete ich es in Bogoslofsk im Ural im Juli. Es lebt in sumpfigen Wässern und vermehrt sich in 
Gläsern durch queere Selbsttheilung sehr schnell. Es schwimmt gerade oder sich um die Längsaxe drehend, und kriecht an den Wän- 
den der Gläser wie Kerona pustulata, oft auf kurzem Wege hin und her schweifend. Schon 1831 zählte ich es unter den mit In- 
digo geprüften Formen auf. Seit 1835 habe ich auch eine eiförmige grosse Drüse in der Körpermitte und 2 contractile runde Blasen 
erkannt, deren eine in der Mitte, die andere nahe am Hintertheile ist. Diese hat Dr. Focke, ein sehr fleissiger Beobachter in Bre- 
men, strahlig gesehen, und hält diess für Character eines Paramecium. Allein die Stellung der Analöffnung am Ende kann für jetzt 
diess allein entscheiden, da die Sexualorgane in allen Gattungen bedeutende Abweichungen bei den Arten zeigen. Die grüne Farbe sind 
grosse runde (Ei-) Körnchen, die zuweilen dicht, zuweilen sparsam sind, und welche Dr. Focke sammt den blauen Magen sich be- 
wegen (verschieben) sah (vergl. Stentor). — Grösse des Uralthierchens V25 Linie, des Berliner l / 2 * Linie; Eierchen (?) V240 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. HI. 

Fig. 1. und 3. sind vom Bauche, Fig. 2. vom Rücken gesehen; Fig. 4. von der rechten Seite, wirbelnd; Fig. 5. in Queertheilung. Linearver- 
grösserung 300mal. Die Körperwimpern, oft schwer zu erkennen, sind in gefärbtem Wasser deutlich und scheinen sehr dichte Reihen zu bilden. 

466. Jjoacodes pHcatus, faltiges Uppentbierchen. Tafel XXXIV. Fig. IV. 

L. corpore elliptico depresso, medio turgidulo, labio uncinato, abdomine obsoleto sulcato et plicato. 

Loxode? plie, a corps elliptiaue deprime, gonfle un peu au milieu, la levre crochue, le corps legere- 
ment plie. 

Loxodes plicatus, Abliandl. der Akademie d. Wissenscb. zu Berlin, 1831. p. 109. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte es im März 1830 zwischen Conferven in Sumpfwasser. Es nahm keine Farbe auf und hatte viel Aehnlichkeit 
mit Oxytricha Cicada, auch manches mit einer Aspidisca. Ich sah undeutliche Magenzellen und Körnchen im Innern, und unter- 
schied 6 gekrümmte schwache Leisten am etwas breiteren Hintertheile. — Grösse V36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXTV. Fig. IV. 
Fig. 1. schwimmend; Fig. 2. kriechend. Linearvergrösserung 300mal. 



Nachtrag zur Gattung Loxodes. 

Trichoda aurantia, Kolpoda Gallinnlay Cucullio, mucronata, Ctjclidium dubium und Gonium rectangulum und 
oblusangulum von Müller könnten noch dieser Gattung angehören, sie könnten aber auch sämmtlich Synonyme der hier beschriebe- 
nen Arten oder der Gattung Chilodon seyn. Loxodes Cucullio 1831 ist zu Kolpoda , Loxodes Cucullulus zu Chilodon gezo- 
gen, Loxodes Spathula Focke (1836. Isis, p. 786.) ist als Leucophrys Sp. verzeichnet, weil die von dem scharfsichtigen Beob- 
achter gesehenen 3 contractilen Blasen nach den hier angenommenen Eintheilungsprincipien keinen Gattungscharacter bilden. 



HUNDERTZWÖLFTE GATTUNG: BÖRSENTHIERCHEN. 

Bursaria. Boursaire. 

• CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia, corpore imdique ciliato, fronte turgida protensa, ore 
simplici dentibus destituto, appendice tremula nulla. ( = Leucophrys ore laterali.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Trackellens, ä corps etile' de tous cötes, le front gon- 
fle depordant la bouche simple sans dents et sans lame tremblante. 

Die Gattung der Börsenthierchen gehört der Familie der Halsthierchen an und zeichnet sich 
durch überall bewimperten Körper, und über den einfachen und zahnlosen Mund vorragende dicke Stirn, so 
wie durch Mangel einer zitternden Klappe am Munde aus. 

Müller bildete die Gattung Bursaria 1773 mit 2 Arten, und vermehrte diese 1786 auf 5 Arten. 
Abildgaard fügte 1793 1, und Schrank 1803 noch 2 neue Arten hinzu. Lamarck stellte 1815 eine Vor- 
ticelle Müllers in diese Gattung. Sehr zahlreich mehrte die Arten Bory de St. Vincent 1822 im Biet, 
classique, aber nur durch Umändern von 8 Namen Müllers aus den Gattungen Kolpoda, Paramecium, 



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Oyclidium, Enchelis und Trichoda. Von Müllers Arten behielt er nur 3. Im Jahre 1824 verzeichnete 
derselbe im Ganzen nur 9 Arten, worunter eine neu ist. Ich habe seit 1828 12 Artnamen hinzugefügt. 
So sind 35 Artnamen entstanden, von denen jedoch die physiologische Umänderung des Gattungscharacters 
seit 1830 jetzt nur 14 Arten aufzunehmen gestattet. Die Homonyme der übrigen finden sich im Nachtrage. 
Die erste sichere Kenntniss von Formen dieser Gattung findet man schon bei Leeuwenhoek, welcher 1683 
2 Arten, B. intestinalis und cordiformis, aus dem Darmcanale der Frösche abbildete. Im Jahre 1832 
schlug ieh schon vor, B. spirigera als besondere Gattung S/rirostomum zu sondern, und die Formen mit 
kleinerer, entfernter vom Stirnende liegender, Mundöffnung als Subgenus Frontonia abzutrennen, indem ich 
Müllers beutelartiger Hauptform, der B. truncatella, den Namen Bursaria Hess. Purkinje und Valen- 
tin haben 1835 die Bursarien des Froschdarmes unter dem Gattungsnamen Opalina wieder als neu be- 
schrieben. Die Organisation ist reichhaltig ermittelt. Als Bewegungsorgane dienen meist reihenweis über 
den Körper gestellte Wimpern, und etwas grössere bilden meist einen Kranz oder Einfassung um den Mund. 
In gefärbtem Wasser erkennt man sie deutlicher. — Als Ernährungsorganismus dient ein, mit vielen kugel- 
förmigen gestielten Beuteln traubenartig besetzter, Darm, der oft, vielleicht immer, vorn eine Krümmung 
in den Stirnhöcker macht und am hintern Körperende mündet. Der Mund ist eine grosse Oeffnung, die 
nicht, wie bei Leucophrys , das vordere schief ablaufende Ende bildet, sondern ganz seitlich ist, so dass 
die Stirn entweder weit darüber vorragt, oder doch das Ende bildet. Ein weisser und röthlicher Ver- 
dauungssaft ist häufig erkannt. — Der Sexualorganismus ist als hermaphroditisch bei 3 Arten vollständig, 
und bei 5 Arten theilweise ermittelt. Nur weibliche Ei -Körnchen sind überdiess bei noch 3 Arten, wahr- 
scheinliche Sexualtheile also bei 1 1 Arten beobachtet. Längs - oder Queertheilung ist bei 5 Arten erkannt. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist in Holland, Dänemark, Frankreich, Baiern, Preussen 
und dem sibirischen Russland nur im Süsswasser beobachtet. Eine Art lebt in der Eisenquelle bei Doberan 
in Mecklenburg. 

A. Subgenns Bursaria. 
Der untere (nicht vordere) Mund bis an den Stirnrand reichend. 

469. Bursaria truncatella, albgestutztes Börsentbiereben. Tafel xxxiV. Fig. v. 

B. corpore maxiino, ovato, turgido, albo, fronte late excavata, truncata, ciliorum ordine simplici. 

Boursaire troncatelle, a corps tres-grand, ovale, gonfle , blanc, tronque et largement creuse au 
front, qui a im simple rang de cils. 

Bursaria truncatella, Müher, Venn. flnv. hist. 1773. p. 54. Animalc. Infus. 1786. p. 115. Tab. XVII. Fig. 1 — 4. 

Bursaria truncatella, Bort de St. Vincent, Dict. class. 1822. Bursaire. Encyclopedie meth. 1824. 

Bursaria truncatella, Ab ha ndl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 110. 1833. p. 237. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen und Berlin beobachtet. 

Im Frühjahre fand diese Form Müller bei Copenhagen in Waldgräben mit faulen Buchenblättern, ich fand sie auch im März 
und Februar häufig in Torfgruben bei Berlin. Sie gleicht einem Ei, das vorn seitlich eine grosse offene Tasche hat, und schwimmt 
langsam, senkrecht stehend. Der ganze Körper ist mit schiefen, spiralen (?) Reihen von Wimpern besetzt, und die Fangtasche , an deren 
Grunde in der Körpermitte der Mund liegt, hat nur auf der rechten Seite und vorn grössere Wimpern. Das grosse sehr weiche Thier 
zeigt oft nur einige dunklere Linien und Blasen im Körper, allein wenn es mehrere Magen stark angefüllt hat, ist es oft sehr bunt. 
Ich sali in einzelnen Magen ganze frische und halb verdaute Rädert liiere (Rotifer oder PMlodina den Zähnen nach) liegen, auch 
grosse l'llanzenstofie , und ich konnte den Darm mit Carmin sich anfüllen sehen, aber nicht seinen ganzen Verlauf verfolgen. Um die 
Speise ist immer eine klare Flüssigkeit in den einzelnen Magen, welche ich den Verdauungssaft (Magensaft) nenne. Zuweilen sah ich 
am hintern Ende sehr dicht anliegende, zum Auswerfen bereite, Massen, aber nie das Auswerfen selbst. Eine grosse helle Blase ist 
hinter dem Munde etwas links, und auf der linken Seite liegt auch eine grosse band- oder schnurartige, gebogene, ungegliederte Drüse, 
welche bis in die Stirn reicht. Zahllose kleinere Magen und eine sehr feinkörnige weisse (Eier-?) Masse füllen den Leib, worin je- 
doch linkerseits noch krumme Linien sichtbar waren, deren Bedeutung unklar blieb. Vielleicht biegt sich der Darm schlingenartig in 
der Stirn um. — Grösse V* '>i s V3 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. V. 

Fig. 1. Ansicht von der Bauchseite, mit natürlicher Speise erfüllt und Indigo aufnehmend; bei v+ ein mit einem Räderthier erfüllter Magen. Am 
Munde biegt die Strömung im rechten Winkel ab, einiges geht in den Darm; bei t Samendrüse. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

468. Bursaria Vorticella, glocfcenäbnlicbes Börsentbiereben. Tafel xxxiv. Fig. Vi. 

B. corpore magno subgloboso campanulato turgido albo, fronte late excavata truncata, ciliorum ordine duplici. 

Jionr s air e Vorticelle, a corps grand presque spherique , campanule, gonfle, blanc, tronque et lar- 
gement creuse au front, qui a im double rang de cils. 

Bursaria Vorticella, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 237. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich fand diese ausgezeichnete langsam schwimmende Form mit Chlamidomonas Pulvisculus und Gonium pectorale in 
Löschkübeln auf den Strassen Berlins zuerst am 28. Sept. 1833. Sie hat eine sehr grosse Aehnlichkeit mit Leucophrys patula, so 



32» 



dass ich fast fürchte , die neueren Abbildungen der letzteren (Fig. 2., 3., 4. und 6. Tafel XXXII.) mögen der Bursaria V orticella 
angehören. Ich habe nämlich so eben, am 20. Oct. 1837, wieder zahlreiche Exemplare vor mir, die ich für jene Leucophrys -For- 
men allem Detail nach erkenne und die des in der seitlichen Spalte tief liegenden Mundes halber Bursarien genannt werden könnten. 
Ich muss das Urtheil noch suspendiren und mache nur auf mein eigenes Schwanken aufmerksam. Bei der ursprünglichen Form habe 
ich Sexualtheile nicht unterschieden, aber die Ernährungsorgane sammt Mund und Afterstelle sehr deutlich erkannt. Ein wichtiger Un- 
terschied der Bursaria von der Leucophrys liegt vielleicht auch in dem Mangel der Wimpern bei ersterer an der dreieckigen rech- 
ten Klappe am Mundrande, und so sind beide nah verwandte Formen vielleicht doch speciell und generisch verschieden. Yon der Spitze 
der dreieckigen Klappe geht eine zweite Reihe einzelner sehr langer Wimpern ab, deren ich nur 4 zählte. Ich meinte schiefe Queer- 
reihen von Wimpern zu sehen. Bei B. truncatella ist der rechte Mundrand bewimpert, der linke kahl. — Grösse bis »/„ Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. VI. 

Fig. 1. Ansicht der Bauchseite eines im Zerfliessen (Eierlegen?) begriffenen Exemplares, welches bei Zuthun neuen Wassers sich wieder abrundete und 
munter fortschwamm; Mundspalte verengert. Fig. 2. Ansicht vom Rücken, bei o' der Mund. In 2 Magen liegen Gonium pectorale, in andern 
Chlamidomonas. Fig. 3. Ansicht von der Bauchseite. Excretion. Mundspalte sehr geöffnet. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

469. Bursaria voraac, gefrässiges Börsenthierclien. Tafel XXXV. Fig. I. 

B. corpore oblongo utrinque rotundato magno, oris rima ampla, corporis tertiam partem longa, apicem frontis attingente. 

Boursaire vorace, a corps oblong, grand, arrondi aux deux bouts, ayant V orifice de la bouche am- 
ple, du tiers de la longueur du corps et touchant la sommite du front. 

Bursaria vorax , Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1831. p. 110. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Dieses grosse Thierchen findet sich im Sommer im schlammigen Wasser bei Berlin. Ich sah schon 1831 im Juli es mit 
Coleps hirtus angefüllt, und es nahm auch sogleich Farbestoffe auf, welche sehr schnell aus einem Magen in den andern gingen und 
hinten an einer erweiterten Stelle und unter einer contractilen Blase ausgeworfen wurden. Bei wenig Wasser zerfloss es sehr leicht, 
und setzte ich neues hinzu, so schwamm es in unförmlichen Formen aller Art, die es annahm, munter weiter. Ich sah überdies» den 
Körper voll (Ei-) Körnchen. Diese Form hat sehr grosse Aehnlichkeit mit Urostyla grandis und Stylonychia lanceolata, deren 
Krallen und Griffel oft eingezogen sind. Ich habe sie neuerlich nicht wieder gesehen. — Grösse */ 12 — % Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. I. 
Fig. 1. Seitenansicht; Fig. 2. Bauchseite; Fig. 3. eine monströse Form nach dem partiellen Zerfliessen. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

4*0. Bursaria Mntosoon» Wurm-Börsentliierclieii. Tafel xxxv. Fig. Iii. 

B. corpore cylindrico turgido, utrinque fere aequaliter rotundato, magno, oris rima parva sub apice. 

Boursaire Entozoe, a corps cylindrique, grand, gonfle, arrondi a peu pres cgalement aux deux 
bouts, la bouche petite sous le front. 

Aufenthalt: Bei Berlin in dem Darme der Frösche. 

Müller hat vielleicht mit der Varietät seiner Leucophra globulifera, die er (bei Göze) in Quedlinburg im Darme der 
Frösche sah, diese Form gemeint, doch scheint er vielmehr alle Darmthierchen mit diesem Namen und Vibrio vermiculus genannt 
zu haben. Es ist viel dicker und gleichförmiger cylindrisch, als die folgende Art. Eine heUere Stelle am hintern Ende sah ich bei 
einer durch halbes Zerfliessen verkümmerten Form, und hielt sie für die Analstelle. Viele Magenblasen, zum Theil mit farbigen Stof- 
fen erfüllt, und Eikörnchen, so wie die reihenweis gestellten Wimpern (23 — 24 Reihen) sind von mir beobachtet. Es findet sich ge- 
wöhnlich mit dem folgenden im Mastdarme der Bana temporaria im Winter und Sommer, seltener als die andern. — Grösse bis 
Ys Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. HI. 
Fig. 1. und 2. sind 1826 entworfene Zeichnungen; Fig. 3. ist 1835 gezeichnet. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

4*1. Bursaria intestinalis, Barm - Börsentlnerclien. Tafel XXXV. Fig. IV. 

B. corpore cylindrico, gracili, postico fine attenuato, oris rima parva sub apice. 

Boursaire intestinale, a corps cylindrit/ue , grele, aminci au bout posterieur, la bouche petife sous 
le front. 

Animalcula in stercore Ranarum, Leeüwenhoek, Opera omnia, p. 49. Fig. A. 1683. 

Vibrio vermiculus, Müller, Verm. flnv. bist. p. 25. 1773. Animalc. Infus. 1786. p. 50. Tab. VI. Fig. 10, 11. 

Flimmerwalzen (Leucophrae) im Froschdarme, Göze, Naturgesch. d. Eingeweidew. 1782. p. 111, 431. Taf. XXXIV. Fig. 8. 

Hirudo intestinalis, Bloch, Abhandl. über die Erzeug, d. Eingeweidewürmer, 1782. p. 36. Tab. X. Fig. 10. 

Leucophra globulifera, Müller, Anim. Infus, p. 149. Tab. XII. Fig. 4. 1786. 

Paramaecium Inculius, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 68. 1803. 

Leucophra globulifera, Bort de St. Vincent, Encyclopedie method. 1824. 

Bursaria intestinalis, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. nicht 1831. (s. B. Nucleus.) 
Opalina Ranarum, Purkinje et Valentin, de phaenomeno motus vibratorii, 1835. p. 43, 59. 

Aufenthalt: In Holland, Sachsen, Preussen und Baiern im Darme der Frösche beobachtet. 

Dieses Thierchen entdeckte vor 154 Jahren am 26. Juli 1683 Leeüwenhoek in Delft im Darmschleime der Frösche. 
Müller zog es 1773 zu seinem Vibrio vermiculus, der wohl eine Insectenlarve des Sumpfwassers war. Göze in Quedlinburg 
nannte es 1782 Leucophra, und gleichzeitig beschrieb es Dr. Bloch in Berlin als Hirudo intestinalis, welcher erste Specialname 
beizubehalten ist. Schrank fand es dann in Baiern wieder und gab unnöthig einen neuen Namen. Bort meint, die Frösche hätten 



328 



es o-efressen, Lat es also wohl nicht gesehen. Ich hahe es sehr häufig bei Berlin besonders im Februar wieder beobachtet in Kröten 
(Bufo einer eus) und zwei Frosch arten, Rana temporaria und esculenta. Durch den Namen Bursaria verleitet, dessen Be- 
griff aber seit 1831 ganz anders gestaltet ist, hielten Purkinje und Valentin 1835 das Thierchen, weil es keine Tasche habe, 
für eine ganz neue Form, und gaben den neuen Gattungs- und Specialnamen Opalina Ranarum. Die Wimpern liegen, wenn das 
Thierchen gerade ausgestreckt schwimmt, in geraden Längsreihen, es windet sich aber oft, beim Trocknen zuweilen wie ein Pfropfen- 
zieher, und dann sind auch diese Wimperreihen mehr oder weniger spiralförmig, zuweilen sogar erscheinen sie dann als Queerreihen. 
Die vordere, aber untere Mundöffuung ist klein und schwer zu erkennen, auch spät erst ist eine ovale männliche Drüse von mir er- 
kannt worden. Viele Magenblasen und Eikörnchen sind deutlich geworden, aber das Auswerfen noch nicht beobachtet, da es keine 
Farbestoffe aufnahm. Nur bei dieser Art der Gattung ist von mir queere Selbsttheilung beobachtet. Man darf also die kürzeren gleich- 
zeitigen Formen nicht für andere Arten halten. — Grösse V20 — V10 Linie, der Eier — Vezs Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. IV. 

Fig, l 4, sind lebende Normalformen, 0' der Mund, m die wahrscheinliche Afterstelle, t die männliche Sexualdrüse. Fig. 5. und 6. Queertheilung. 

Fig. 7. ein sich verlängernder Hintertheil. Fig. 8. und 9. sind eintrocknende Exemplare. Oft sind die Wimperreihen nicht sichtbar, obwohl sie da 
sind. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

Bursaria? cordiformis, herzförmiges Börsentbiercben. Tafel XXXV. Fig. VI. 

B. corpore reniformi, albo, fronte depressa, ore subspirali. 

Boursaire? Coeur, ä corps en forme cFun rognon, blanc, le front deprime, la bouche leghrement 
courbee en spirale. 

Animalcula in stercore Ranarum, Leeuwenhoek, Opera omnia, p. 49. Fig. B. 1683. 

Chaos intestinalis cordiformis, Bloch, Abhandl. über die Erzeug, d. Eingeweidew. 1782. p. 36. Tab. X. Fig. 11. nicht 12. (s. B. Nucleus.) 
Flimmerquadrate (Leucophrae) im Mastdarme der Frösche, Göze, Naturgesch. d. Eingeweidew. 1782. p. 431. Taf. XXXIV. Fig. 10. 

(s. B. Ranarum.) 

Paramaecinm Nucleus, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 67. 1803. zum Theil. 

Bursaria Entozoon, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: In Holland, Sachsen, Preussen und Baiern im Mastdarme der Frösche. 

Diese und die vorige Art sind auch mir, sammt der B. Ranarum, als die gemeinsten in Fröschen und Kröten vorge- 
kommen. Sie ist überdiess für die Erkenntniss der Organisation sammt B. vernalis die fruchtbarste gewesen. Ich sah die Bewegungs- 
Wimpern, aber nicht ihre Reihen, viele Magenblasen, Eikörnchen, eine sehr grosse nierenförmige männliche Sexualdrüse und 3 con- 
tractile Blasen, wie bei Chilodon. Die gekrümmte fast spiralförmige Mundöffnung nähert diese Form an Spirostomum. Bloch sagt, 
er habe aus ihr oder B. Nucleus viele Junge ausschlüpfen gesehen, allein das war wohl partielles Zerfiiessen, welches beim Eierlegen 
statt findet (s. B. flava und vernalis). — Grösse bis Vis? Eierchen V368 Linie. So eben finde ich es auch im Laubfrosch. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. VI. 

Fig. 1. Ansicht der Bauchfläche; Fig. 2. Seitenfläche; Fig. 3. Rückenfläche; Fig. 4. Seitenfläche verkehrt; 0' Mund, t Sexualdrüse, s Sexual- 
blasen, o) Afterstelle. Linearvergrüsserung 300mal. Die Sexualdrüse liegt im Stirntheile des Rückens sehr eigenthümlich. 

493. Bursaria lateritia, ziegelrotbes Ilorscntliiercben. Tafel XXXV. Fig. VIII. 

B. corpore compresso, ovato-triangulari, pallide lateritio, fronte cristata acuta. 

Boursaire rouge, a corps comprime, ovale -triangulaire, cT un rotige pale, le front en crete aigue. 

GUd- Spilleren, Müller? Nye Sarai, af Dansk. Vidensk. Saelsk. Skrift. 1780. II. p. 268. Taf. II. Fig. IX." 
Trichoda ignita, Müller? Animalc Infus. 1786. p. 186. Tab. XXVI. Fig. 17 — 19. 

Ypsistomon salpina, Bort? (auch Ipsistoma) , Encycloped. method. Vers. 1824. Dict. class. 1831. Hypsistomon, Essay, 1826. 
Bursaria laleritia, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 110. Isis, 1834. 

Aufenthalt: Bei Berlin, vielleicht auch bei Copenhagen und Paris beobachtet. 

Ich würde dieses niedliche Thierchen geradehin Bursaria ignita genannt haben, wenn nicht Bort es wieder zahlreich beob- 
achtet zu haben berichtete, und auch 2, aber hintere Hörner, und alles, nur umkehrend, ebenso beschriebe, wie Müller. Dennoch 
halte ich jetzt beide Körper für einerlei und die Hörner für eine optische Verdichtung der Wimpern, was Müller selbst an die Hand 
giebt. Müller fand sein Thierchen 1777 und 1778 im Winter mit Lemna, Bort mit Oscillatorien, ich fand es im December 1830 
und am 21. Nov. 1832 ziemlich zahlreich mit Conferven des Thiergartens bei Berlin. Ich sah es in sehr verschiedenen Grössen, aber 
nie in Selbsttheilung. Müller sah Queertheilung und Längstheilung, die er mit Unrecht anfangs für Begattung hielt. Bort hielt 
das Hintertheil für die Stirn, die contractile Blase für den Mund und meint, sie steckten sich willkührlich dutenartig in einander, wie 
die Salpen. Müller hielt die hintere Blase schon fälschlich für eine offene Grube. Wenn ich alle diese falschen Ansichten als 
stattgefunden annehme, so ist diess Thierchen die Trichoda ignita. Ich konnte es schon 1830 leicht zur Indigoaufnahme bringen, 
und sah dadurch auch den sehr nach hinten gelegenen Mund. Viele Magenzellen, Eierchen, welche die Farbe zu geben schienen, und 
eine grosse contractile innere Blase, die keineswegs ein Loch war, am hintern Ende sind die von mir erkannten organischen Details. 
Die Behaarung fand ich als 11 — 18 Längsreihen von Wimpern auf der seitlichen Halbansicht. Der After schien an einer leicht aus- 
gebuchteten hintern Stelle zu seyn, doch sah ich das Auswerfen nicht. — Grösse V36 — V12 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. VIII. 

Fig. 1., 2., 4., 5. Seitenansichten. Fig. 1. wirbelnd; o' Mund, <o After. Fig. 4. mit ausgedehnter contractiler Blase. Fig. 3. Ansicht von der 
Bauchseite. Fig. 6. ebenso, kriechend an einem Zygnema - Faden. Verschiedene Grössen bei gleicher 300maliger Linearvergrüsserung. 





329 



na 



Ä Subgenus Frontonia. 
Körper (Stirn) höckerartig über den Mund und seine Lippen hinausragend. 

4*4. Bursaria vernalis, Frühlings - llörsentliierclien. Tafel XXXIV. Fig. VII. 

B. corpore ovato oblongo turgido, viridi, utrinque rotundato, postica parte panllo tenuiore, ore tertia quartave corpo- 
ris parte superato. 

Boursaire du printemps , a corps ovale-oblong, gonfle, vert, arrondi aux deute bouts, aminci en ar- 
riere, la bouche depassee par le tiers ou le quart du corps. 

Leucoplira virescens, Mülier? Animalc. Infus. 1786. p. 142. Tab. XXI. Fig. 6 — 8. Bory, Encycloped. method. Vers. 1824. 
Bursaria vernalis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 235. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht im Seevvasscr bei Copeuhagen und Cadix. 

Bei Berlin lebt diese Form häufig zwischen Oscillatorien im Frühjahre. Ich sah sie am 25. März und am 26. und 29. Mai 
bis zum 2. Juni 1832 und 1833, auch im Sommer 1835. SIüller's Form unterscheidet sich durch den Aufenthalt im Seewasser, 
wo sie auch Bort bei Cadix gesehen zu haben berichtet, und durch verdünntes Vordertheil. Ich zweifle an einer Verschiedenheit der 
Art, aber glaubte nicht berechtigt zu seyn, sie völlig zu vereinen. Diese Art ist von mir sehr glücklich beobachtet. Die Bewegung 
ist ein Wälzen um die Längsaxe und gerades bedächtiges Schwimmen. Der Körper ist mit wirbelnden Wimpern ohne deutliche Längs- 
reihen dicht besetzt und mit prismatischen kleinen Stäbchen durchwirkt. Der Mund bat einen Kranz von starren kurzen Borsten, die 
fast Zähnen gleichen. Viele innere Magenblasen sind oft mit sehr grossen Oscillatorien und Naviculis erfüllt, und führen einen deut- 
lichen rötbJichen Darmsaft. Ich zählte bis 10 grosse Naviculas im Leibe eines Thierchens. Eine grosse ovale männliche Sexual- 
drüse und 2 runde contractile Blasen bilden den männlichen Geschlechtsorganismus. Grüne Eikörnchen, welche mit ganzen Körperthei- 
len, des Lebens unbeschadet, durch ein partielles Zerfliesscn periodisch ausgeschieden werden, füllen den Körper. Ueberdiess sah ich 
spontane Längstheilung. Besonders interessant und wichtig war der leicht zu beobachtende Verdauungsprocess der Oscillatorien, die erst 
elastisch und starr schön blaugrün waren, dann sichtlich schlaff, biegsam und hellgrün, dann gelbgrün wurden und in einzelne Glieder 
zerfielen, die zuletzt missfarbig gelb waren. Beim Verdunsten des Wassers zerfliessen die Körper leicht ganz, und oft bleiben die 
Magen mit ihrem Inhalte dabei krampfhaft geschlossen, wie freie abgelöste Kugeln. — Länge 1 ji 2 — Vio Linie, Eierchen V480 — 1 j S2s 
Linie. Entwickelungscyclus Vsas — Vjo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Tafel XXXIV. Fig. VII. 

Fig. 1. kleinere Form, hat 10 Exemplare der Navicida viridis verschluckt, ist hinten nicht verengert, 0' der Mund. Fig. 2. Stirn nach oben, hat 
viele Oscillatorien verschluckt, d Mund, s contractile Blasen. Fig. 3. Stirn nach unten. Fig. 4. Längstheilung im Umriss. Fig. 5. Act des Zer- 
fliessens. v+ freigewordene Magen mit ihrem Inhalte, t die männliche Drüse, b Stäbchen, p" Wimpern, 0" Eikörnchen. Linearvergrösserung 300mal. 

4*5. Bursaria JDeucas, weisses «©rsentliierchen. Tafel XXXIV. Fig. VIII. 

B. corpore albo oblongo subcylindrieo, utrinque fere acqualiter rotundato, ore corporis quinta sextave parte superato. 

Boursaire Leucas, a corps blanc, oblong, cylindrique, presque egalement arrondi auoc deux boufs, 
la bouche depassee par le cinquieme ou le siocieme du corps. 

Bursaria Lencas, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 233. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte diess Thierchen am 29. Mai 1832 und sah es wieder zahlreich am 11. Juli 1834 mit Oscillatorien und im 
staubigen Ueberzuge des Wassers im Thiergarten. Ich sah es ganz erfüllt mit kleinen Körnchen (Eierchen) und Magenblasen, und be- 
merkte eine sehr auffallende strahlige contractile Blase neben der langen offenen Mundfalte. Besonders merkwürdig wurde mir diess 
Thierchen durch ein Exemplar, welches einen Oscillatorienfaden von seiner eigenen doppelten Leibeslänge, krumm gebogen, so ver- 
schlungen hatte, dass der ihn aufnehmende Magen sich auch so ausgedehnt und gebogen hatte, dass er ziemlich die doppelte Länge des 
Thierkörpers besass, dem er angehörte. Man vergleiche hierzu Amoeba diffluens, wo diese Ausdehnung noch auffallender ist, Tri- 
cliodina, Chilodon, Kerona und die folgende Art, und man denke an Schlangen, die Frösche und Hirsche fressen. Ueber- 
diess sah ich ungleiche Längstheilung. Der Magensaft ist farblos, der After am hintern Ende. — Grösse V12 Linie. 



Fig. 1« 



Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. VIII. 

• 3. sind einfache Thierchen, mit Oscillatorien erfüllt; o' der Mund, * die sternförmige contractile Blase. Fig. 3. hat einen Magen zu seiner 



doppelten ganzen Körperlänge ausgedehnt. Fig. 4. ungleiche Längstheilung, Stirn nach unten. Linearvergrösserung 300mal. 

4*6. Bursaria Pupa, puppenartiges Börsentliierclien. Tafel xxxrv. Fig. IX. 

B. corpore albo, ovato -oblongo, postica parte subacuta, ore infero, apici propiore. 

Boursaire Poupee, h corps blanc, ovale -oblong, presque aigu au bout posterieur, la bouche infe- 
rieure proche du bout anterieur. 

Bursaria Pupa, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 111. 1833. p. 234. 

Aufenthalt: Im eisenhaltigen Mineralquell zu Doberan in Mecklenburg und bei Berlin. 

Ich entdeckte diese Form im Mai 1831 in Doberan und sah sie wieder am 7. Mai 1832 bei Berlin mit Naviculis und 
Oscillatorien. Ich sah viele Magen, 16 — 18 Wimperreihen in der Halbansicht und die weite ovale Mundöffnung. Die Berliner Ex- 
emplare hatten Navicula gracilis verschlungen, eines davon eine starre Synedra Ulna, die länger war als es selbst und die da- 
her vorn und hinten eine Spitze am Körper bildete. Der After war am hintern Ende. Farbe nahmen diese 3 Arten nicht auf. — 
Grösse V24 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIV. Fig. IX. 
Fig. 1 — 2. in Detershagen bei Doberan gemachte Zeichnung. Fig. 3 — 4. aus Berlin, o' der Mund. Linearvergrösserung 300mal. 

83 






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* 



Sil 




330 



4?*. Bursaria flava, blassgelfM's Itörscntlüerclieii. Tafel XXXV. Fig. IT. 

B. corpore ovato -oblongo, flavo, saepe postica parte paullo tenuiore, subacuta, ore corporis aliqua parte superato. 
Boursaire jaunätre, a corps ovale-oblong jaune, souvent un peu aminci et aigu au bout posterieur, 

la bouche depassee par une partie du corps. 
s 

Bursaria flava, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 233. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Entdeckt im März 1830 im Sumpfwasser bei Berlin. Wieder beobachtet am 4. Juni 1832 und im Juli 1834. Dicht hin- 
ter der runden Stirn ist der Mund als eine flache Grube. Der Körper ist überall bewimpert, doch Hessen sich keine Reihen unter- 
scheiden. Dicht gedrängte blassockergelbe, etwa V«2 Linie grosse, Bläschen macheu den Körper undurchsichtig. Sind diess so grosse 
Ei -Körnchen? Es wären dann die grössten. Etwas grössere dazwischen liegende fast farblose Blasen schienen Magenzellen zu seyn. 
Ueberdiess erkannte ich eine weit grössere sehr helle contractile Sexualblase, und beim Zerfliessen sah ich eine ovale Drüse. Farbe- 
stoffe nahm es nicht auf. Die Afteröffnung ist noch nicht direct beobachtet, aber durch eine hellere Stelle und Einbiegung wohl deut- 
lich geworden, — Grösse V12 — Vs Linie, der Eierchen(?) % n Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. II. 

Fig. 1. Normalform von der rechten Seite, »' der Mund, w die Afterstelle. Fig. 2. drängt sieh dicht an einen festen Körper an. Fig. 3. platzt und 
zerfliesst, bei * die contractile Blase, bei t die Drüse. Linearvergrösserung 300mal. 

4*8. Bursaria NucMeus, mandelartiges Börsenthierchen. Tafel XXXV. Fig. V. 

B. corpore ovato minore, albo, utrinque rotundato, antica parte subacuta, ore aliqua corporis parte superato. 

Boursaire Am and e, a corps ovale petita blanc, aminci au bout anterieur, arrondi aua> deucc bouts, 
la bouche depassee par une partie du corps. 

Chaos intestinalis cordiformis, Bloch, Abhandl. üb. die Erzeng. d. Eingeweidewürmer, 1782. p. 36. Taf. X. Fig. 12. nicht 11. 
Die Bouteillen (Leucophrae) , Göze, Naturgesch. der Eingeweidewürmer, 1782. p. 431. Tab. XXXIV. Fig. 9. 
Paramecium Nncleus, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 67. 1803. (s. Burs. cordiformis.) 

Bursaria intestinalis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 111. nicht 1835. (s. B. intestinalis.) 

Aufenthalt: Bei Berlin und wohl bei Quedlinburg und in Baiern, im Mastdarme der Frösche. 

Bloch und Schrank scheinen B. cordiformis und Nucleus für Eine Art gehalten zu haben, Göze hat sie gut unter- 
schieden. Ich fand sie in Ratia temporaria und esculenta im Juni und October 1827 und 1831, dann häufig öfter. Ich sah nur 
die Wimpern, die Magenzellen, die Eier und den Mund. In einer Zeichnung von 1827 habe ich noch eine grössere rundliche Blase 
oder Drüse in der Mitte des Körpers angemerkt. Besonders auf diese Form scheint sich Bloch's irrige Beobachtung des Lebendig- 
gebährens zu beziehen (vergl. B. cordiformis). So eben sehe ich in einem frisch untersuchten Frosche Thierchen, weicheich hier- 
her rechne, die eine deutliche ovale Sexualdriise, 2 contractile Blasen mit gepeiltem Rande und eine sehr spitze dreikantige Stirn ha- 
ben, auch ein wenig länger sind. Etwa 80 sehr dichte und feine geperlte Wimperreihen waren auf der Halbansicht des trocknen Thier- 
chens (October 1837). — Grösse V20 — Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. V. 

Es sind 4 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung, bei o' der Mund. 

4*9. Bursaria ttanarum, Frosch - «örsentliierclien. Tafel XXXV. Fig. VII. 

B. corpore ovato lenticulari, compresso, magno, albo, ventre dorsoque carinatis, antica parte subacuta, postica saepe 
truncata, ore infero frontis apici propinquo. 

Boursaire des Grenouilles, a corps ovale lenticulaire , comprime, grand, de couleur blanc, le ven- 
ire et le dos en carene, presque aigu au front \ souvent tronr/ue a V autre bout, la bouche infe- 
rieure pres de la pointe du front. 

Flimmerquadrate (Leucophrae), Göze, Naturgesch. d. Eingeweidew. 1782. p. 431. (s. B. cordiformis.) 
Bursaria Ranarum, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 110. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin und Quedlinburg? im Mastdarme der Frösche. 

Zuweilen ist diese grosse platte Form die gemeinste in den Fröschen. Ob Göze diese Art oder die B. cordiformis oder 
beide meinte, ist unsicher. Ich zählte 32 — 33 Längsreihen von Wimpern auf der Halbansicht, doch kann ich leicht 2 für eine ge- 
nommen haben. Beim Eintrocknen sieht man sie deutlicher, kann sie aber dann nicht mehr richtig zählen. Im Innern lagen viele 
grosse Magenzellen, und der ganze Körper ist mit Eikörnchen erfüllt, die ihm die weisse Farbe geben. Vorn unter der Stirn ist eine 
flache spaltartige Grube, wo der Wirbel hinführt, als Mund. Hinten in der Mitte der abgestutzten Stelle sah ich oft eine kleine Ein- 
biegung, wie sie bei andern Formen die Afterstelle characterisirt. Ueberdiess erkannte ich in der Mitte zuweilen eine bandartige dünne 
und kleine gekrümmte Drüse. Farbestoffe nahmen sie nie auf. Oft lagen sie kugelartig in Schleimzellen, und bei der Entwickelung 
daraus nahmen sie erst geschwollene ovale Formen an, sich später abplattend. — Grösse Vis his % Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. VII. 

Fig. 1. Normalform, 0' Mund, co After, Seitenansicht; Fig. 2. Bauchansicht; Fig. 3. kleinere Form mit Drüse; Fig. 4. Seitenansicht; Fig. 5. 
Rückenansicht; Fig. 6. sich aus Fig. 7. entwickelnde Form. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

48©. Bursaria f aurantiaca, pomeranzenfarfoenes Börsentliierclien. Tafel XXXV. Fig. ix. 

B. corpore ovato oblongo, postica parte subacuta, antica obtusa, aurantiaco, macula oris cinerea. 

Boursaire? orangee, a corps ovale-oblong, presque aigu au bout posterieur, obtus au front, orange, 
avec une fache cendree autour de la bouche. 



331 



Bnrsaria amrmiiaca, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 183!. p. III. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich beobachtete diese Form am 31. Juli und 13. August 1831 mehrfach zwischen Oseillatorien und sali sie wieder am 15. 
Juni 1832. Die hochgelbe Farbe war nicht von Nahrung, sondern gehörte kleinen Körnchen, vermuthlich den Eiern, an. Ich habe 
beide Male versäumt, die Wimpern genauer zu beachten. Viele Magcnblasen waren deutlich vorhanden, auch die gelben (Ei-) Körn- 
chen waren deutlich. Den Mund sah ich als grosse Grube in einem grauen Flecke und ich vermuthete, dass das Thierchen einen Kau- 
apparat besitze, wie Nassula (s. Nassula), — Grösse V24 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXV. Fig. IX. 

Es sind 3 Exemplare bei 300maliger Vergrösserung des Durchmessers abgebildet, o der Mund, w die vermutliche, zuweilen etwas ausge- 
randete, Afterstelle. 



Nachtrag zur Gattung Bursaria. 

Der Name Bursaria ist bei den Infusorien zuerst gegeben. Die Bursaria spinosa, eine pentandrische Pflanzengattung aus 
der Familie der Pittosporeen, ist 1798 von Cavanilles errichtet und muss mithin einen andern Namen, etwa Bursarina, bekommen. 

Die 23 von den bisher gegebenen, hier ausgeschlossenen, Artnamen sind in folgende critische Uebersicht gebracht: 1) Bur- 
saria Bulla Müller (1776) [Prodrom. Zool. dan. add.] = Euplotes? ; 2) B. bullina M. (1786) = Bursaria? ; 3) B. Cal- 
ceolus Bort (1826. Essay) = Paramecium Aurelia; 4) B. Chrysalis Bort (1822. Biet, class.) — Paramecium Ch.; B. 
Chrysalis (Abhandl. der Beil. Akad. 1832. p. 111.) = Loccodes Bursaria; 5) B. Cucullio Bory (1822) = Kolpoda C; 6) 
B. Cuculus Bory (1822) = CMlodon Cucullulus ; 7) B. Drupella Bory (1822) = Euplotes?; 8) B. dubia B. (1822) = 
Loxodes? ; 9) B. duplella Müller (1786) = Euplotes? ; 10) B. Epislomium Bory (1822) == Phialina? ; 11) B. Fritillus 
Lamarck (1815) = Vorticella Convall.? ; 12) B. globina Müll. (1786) = Enchelys? ; 13) B. hirudinoides Bory (1824) 
= Kolpoda Cucullio; 14) B. Hirundinclla Müll. (1773) = Peridinium comutum; 15) B. navicularis Schrank (1803) 
Navic. fulval ; 16) B. obliquata Bory (1824) = Euplotes? ; 17) B. Ovulum {Symb. physic. 1828.) = Cyclid. Glau- 
coma; 18) B. Pediculus Bory (1822) = Trichodina Pedic; 19) 5. Pite« Schrank (1803) = Bursaria Vorticella?; 20) 
B. Prisma Bory (1822) = Euplotes?; 21) B. rostellata Abildgaard (1793) = Trachelius Ovum?; 22) B. rostrata Bory 
(1822) = Enchelys? ; 23) B. spirigera (Abhandl. der Berl. Akad. 1833.) = Spirostomum virens. In diese Gattung sind die 
Gattungen Ypsistomou salpina Bory (1824) = Bursaria lateritia? und Opalina Ranarum Purkinje und Valentin (1835) 
= Bursaria Entozoon, jede mit einer Art aufgenommen worden. — Als weiter zu berücksichtigende Formen der Gattung Bursa- 
ria sind besonders anzusehen Leucophrys Anodontae und L. Conßictor, Mamilla, nodulata, pertusa, vesiculifera und vire- 
scens von Müller. 

Mehrere Eingeweidewürmer im Darmcanale der Frösche, Kröten und Salamander gehören zur Gattung Bursaria. 
Nirgends weiter sind bisher im thierischen Speisecanale dergleichen mit Sicherheit beobachtet. Man findet sie, indem man den Mast- 
darm der Frösche aufschneidet und den Inhalt sammt dem Schleime mit wenig Wasser verdünnt. Müller scheint geglaubt zu haben, 
dieselben Thierchen fänden sich auch frei im Wasser, wie man sonst irrig die Spulwürmer im Menschen für verschluckte Regen- 
würmer hielt und die Bandwürmer im Sumpfwasser suchte. Er hat sie nicht als besondere Arten verzeichnet. Auch Bory de 
St. Vincent geht in diese Ansicht ein, spricht aber nicht von eigener Anschauung (Leucop/tr. globulifera 1824.). Frisch ausge- 
worfene Excremente, welche ein Thier vom andern häufig auffrisst, mögen die Fortpflanzung in den Thierkörpern befördern. Im freien 
Wasser in Uhrgläsern halten sich diese Formen selten über 24 Stunden am Leben. Sammt den Excrcmenten lebten sie zuweilen 2 
Tage fort. Sehr beachtenswerth ist die Art der Entdeckung dieser Thierchen durch Leeuwenhoek. Er machte Beobachtungen über 
das Blut der Frösche und fand gleichzeitig Thierchen. Ein weniger umsichtiger Beobachter würde nun von Thierchen im Blute viel 
gesprochen haben, allein an Umsicht gewöhnt, untersuchte er erst die Umstände genauer und überzeugte sich, dass sein Blut nicht rein 
aus den Gefässen geflossen, sondern mit Darm -Inhalt vermischt war. Er untersuchte nun den letzteren besonders, erkannte den ersten 
Irrthum und entdeckte das wichtige feststehende Factum lebender Infusorien im Darmcanale lebender Wirbelthiere. Uebrigens sah er 
4 Arten: B. Entozoon, B. cordiformis, Vibrio Bacillus? und Bodo Ranarum. Bloch und Oöze sahen die Thierchen 100 
Jahre später wieder, ersterer 2 Arten in Fröschen, letzterer 6 Arten in Fröschen, Land- nnd Wasserkröten und Salaman- 
dern. Er sah wohl 1) Bodo Ranarum, 2) Bursaria Entozoon, 3) B. Nucleus, 4) B. (Spirostomum?) cordiformis, 5) B. 
intestinalis, 6) B. Ranarum. Ich selbst habe in Fröschen und Kröten 7 Arten, nämlich, ausser denen von Göze, neuerlich 
noch Vibrio Bacillus gesehen, und habe überdiess noch eine kleine Anguillula (Faden wurm) sehr zahlreich beobachtet. Im 
menschlichen Darmschleime sollen nach Leeuwenhoek 3 Infusorien -Arten vorkommen, die ich öfter umsonst gesucht habe. Er scheint 
Vibrio Bacillus, einen Bodo oder Monade und eine Acaride (Schleimhautfragment?) gesehen zu haben. Auch in Hühner- und 
Tauben-Excrementen fand er eine Monade {Anatomia et Contemplat. p. 38. 1684.). Dieselbe sehr verbreitete Monade sammt 
Vibrio Bacillus mögen wohl auch in Geschwüren und Jauche mancher Art hie und da vorgekommen seyn. Neuerlich hat Rud. Wag- 
ner ihre Existenz im Lippenkrebs angezeigt (Fragmente zur Physiologie d. Zeugung, 1836. p. 7.). Ich habe dergleichen nie ge- 
sehen, und auch von Geübten sind passiv bewegte Partikelchen und wirbelnde Theilchen der Schleimhaut für Thierchen gehalten wor- 
den. Donne's geschwänzte Thierchen, Trichomonas vaginalis, in weiblichen Ausflüssen hielt ich für Ac ariden und würde sie 
nur, wie Läuse, bei sehr schmuzigen oder hülflosen Personen suchen. Herr R. Froriep hat sich, nach eigenen Untersuchungen, 
mit mir für die letztere Ansicht erklärt (Froriep's Notizen, 1837. p. 88.). Ist es der Bodo intestinalis von Leeuwenhoek? 
B. Ranarum? Im Darme der Regenwürmer leben andere Thierchen (vergl. Paramecium compressum). Noch andere leben im 
Darme der Naiden (Leucophra nodulata). 



332 



HUNDERTDREIZEHNTE GATTUNG: SCHNECKENTHIERCHEN. 

Spirostomum. Spirostome. 

CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia, corpore undiquc ciliato, fronte continua, ore inermi, spi- 

rali, valvula tremula nulla. 
CARA CTERE: Animal de la famille des Tracheliens, ayant le corps eilte de tous cötes, le 

front continu, la bouche en spirale, sans dents, point de tarne tremblante. 

Die Schneckenthierchen bilden eine Gattung der Familie der Halsthierchen, welche sich durch 
überall bewimperten Körper, ununterbrochen fortlaufende Stirn, zahnlosen spiralförmigen Mund und Mangel 
einer zitternden Klappe daran unterscheidet. 

Die Gattung wurde 1833 von mir in den Abhandl. d. Berl. Akad. vorgeschlagen. Sie enthält nur 
2 Arten, vielleicht aber doch eine dritte. Die erste Kenntniss einer ihrer Formen hatte wahrscheinlich 
schon Joblot 1718, welcher wohl das Spirostomum ambiguum vielfach beobachtet und gezeichnet hat. 
Eine Art ist erst 1833 entdeckt und als Bursaria beschrieben, aber die fragliche dritte Art (s. Bursaria 
cordiformis) würde die älteste seyn, indem sie schon Leeüwenhoek 1683 abbildete. — Die Organisation 
ist sehr glücklich ermittelt. Ueber den ganzen Körper reihenweis vertheilte Wimpern sind die zahllosen 
Bewegungsorgane, welche, am schiefen Stirnrande etwas länger, einen spiralförmig sich in den Mund sen- 
kenden Kranz, wie bei Stentor, bilden. Bei Sp. ambiguum sind Stirn und Kranz unverhältnissmässig 
lang. _ Viele, bis 90, polygastrische Magenzellen sind durch Farbestoffe bei beiden Arten ausser Zweifel 
gestellt, auch ist die dem Munde entgegengesetzte {Sientor fehlende) Afteröffnung ermittelt. — An Fort- 
pflanzungsorganen haben alle Arten Hermaphroditismus erkennen lassen. Eine bandartige dicke Drüse zeigte 
Sp. virens, eine perlschnurartige Sp. ambiguum und die fragliche Art hat eine nierenförmige. Erstere be- 
sitzt auch eine grosse contractile Blase. Grüne Eikörnchen hat Sp. virens, weisse Sp. ambiguum sammt 
der dritten Art. Selbsttheilung ist noch nicht beobachtet, aber sehr wahrscheinlich als Queertheilung vor- 
handen. 

Die geographische Verbreitung der sichern Arten ist in Paris, Copenhagen und bei Berlin beobachtet. 

481. Spirostomum virens, grünes Schneckenthierchen. Tafel XXXVI. Fig. I. 

Sp. corpore ovato - oblongo , depresso, antico fine truncato, postico rotundato. 

Spirostomc vert, a corps ovale - oblong , deprime, trönque au bout anterieur, arrondi en arriere. 

Bursaria spirigera , Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 234. 
Spirostomum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 252, 313. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte diese Art am 14. und 15. Juni 1832 zwischen Conferven bei Berlin, und fand sie am 2. Sept. wieder. Sie 
hat grosse Aehnlichkeit in der Form mit Stentor polymorphus, Bursaria vernalis und Leucophrys patula, ist aber deutlich ver- 
schieden. Der Mund ist in einer grossen seitlichen Grube am vordem Ende, welche nicht, wie bei Leucophrys, der Mund selbst 
ist, sondern sich ganz auf die Bauchseite hinab trichterartig verengend in einen schneckenförmigen Mund endet, und nicht, wie bei 
Stentor , auch zum Auswerfen dient, sondern welchem eine Afteröffnung am hintern Ende entgegensteht. In einem der vielen, auch 
sich mit Farbestoffen anfüllenden, Magen des Thierchens entdeckte icli den ersten Coleps amphacanthus. Ich zählte auf der Halb- 
ansicht 20 bis 30 Längsreihen von Wimpern, und vom Munde abwärts eine Fortsetzung des längeren Wimperkranzes der Stirn, wie 
bei Stentor Mülleri. Letzteres ist mir später unklar geworden, indem ich den anfangs beobachteten breiten, vom Munde abgehenden, 
Schlund- Canal später für eine daselbst liegende grosse cylindrische Drüse anzuerkennen vorgezogen, und da sich auf deren Dunkelheit 
die Wimpern deutlicher sehen Hessen, so könnte die erst beobachtete Fortsetzung des Wimperkranzes nur dieselbe Drüse gewesen seyn. 
Am hintern Körperende dicht am After ist eine grosse langsam contractile Blase, neben welcher ich das Auswerfen der genossenen 
Stoffe sah. Der Körper ist mit grünen (Ei-) Körnchen durchwirkt, welche ich bei einigen in sehr geringer Zahl, bei andern ganz 
fehlend sah. Die Bauchseite ist flach, die Rückenseite gewölbt. — Grösse bis Vio Linie, der Eierchen Vsoo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. I. 

Es sind 3 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung dargestellt. Fig. 1. Bauchseite. Im Auswerfen bei w begriffenes Exemplar. Im Innern liegt 
ein Coleps amphacanthus in einer grossen Magenzelle, umgeben von farblosem Magensafte. Die sehr ausgedehnte Sexualblase mag die Afterstelle 
zur Seite gedrängt haben. Fig. 2. rechte Seitenansicht. Fig. 3. körnerloses Exemplar, welches gegen 90 Magen mit einzelnen Chlamidomonas 
und etwas Indigo erfüllt hat. Jeder Magen enthält viel Verdauungssaft, o' Mund, t männliche Drüse, s Sexualblase, w Afterstelle. 

482. Spirostomum ambiguum, wurmförmiges Schneckenthierchen. Tafeixxxvi.Fig.il. 

Sp. corpore filiformi tereti, plicatili, albo, antico fine obtuso, postico truncato, maxima parte frontem referente. 
Spirostome Vert, a corps blatte, filiforme, cyliudrü/ue , pliant, obtus au bout anterieur, tronque en 
arrtere, le corps depasse la bouche en forme de front tres- allonge. 

Prtsson*: ühemVs doree, Chaussette ou Guttre, Cornet a bouquin , Nasse, Bouffon, Massitc, Sancisse, Bognon, Carolle, Elegant, Boutalle, Joblot, 

Obiervat. fait. avec le microsc. 1718. (ed. 1754. p. 82.) Taf. XII. Fig. A — Y. 



333 



Lmmphra, l Mi]LlER) Animalc. Infus. 1786. p. 140. nota. p. 200. Tab. XXVIII. Fig. 11 — 16. 

Triclwda amhigua i, | 

Leucophra hydrocampa und .Tollotii, Bory de St. Vincent, Encycloped. metli. Vevs. 1824. 
Oxilrkha amhigua, Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 

Travhelins ambiguus , Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. 1831. p. 107. 
llolophrya amhigua, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 102. 
Bursaria? amhigua, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 252, 276. 
Spiroslomum ambiguum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 165. 

Aufenthalt: Bei Paris und Berlin im Süsswasser, vielleicht auch im Irtisch bei Tobolsk und im Seewasser bei Conenhagen. 

Diess sehr grosse fadenartige weisse Thierchen findet sich bei Berlin häufig in den Gräben des Thiergartens, besonders in 
solchen, worin faulende Eichenblätter und faules Holz liegen. Gerade dieser Umstand bewog mich, ohne Rückhalt Jobxot's Fische, 
die er mit so viel wunderlichen Namen belegt hat, hierher zu beziehen, obschon sie der Form nach auf Tnrbellarien, Stentor und 
allerlei andere Thiergattungen passen könnten. Er fand sie im Aufguss von Eichenrinde. Müller fand seine Trichoda in klarem 
Seewasser, vielleicht aber doch in schwach salzigem mit Holzfäule, wovon sie leben. Ich sah es 1827, 1828, 1830, 1831, am 21. 
April, 14. Juni, 5. Juli 1832 und seitdem jährlich den ganzen Sommer und Herbst hindurch. Im Jahre 1829 fand ich ein sehr ähn- 
liches Thierchen in Sibirien bei Tobolsk, doch könnte diess auch eine Turbellaria gewesen seyn. Schon bis 1830 hatte ich durch 
Farbestoffe die polygastrische Natur der sonst den Turbellarien sehr ähnlichen Thierchen erkannt. Allein sehr allmälig hat sich erst 
die weitere Kenntniss des Organismus entwickelt, weshalb ich es 1831 noch in 2 Gattungen vertheilte, aber 1833 (p. 276.) kannte 
ich es schon besser und hatte auch die perlschnurartige Samendriise ermittelt. Vorn bilden die etwas längeren, wirbelnden Wimpern 
oft eine kegelförmige Erscheinung, die man, wie Müller, leicht für einen besondern Zapfen oder Rüssel hält. Sehr eigenthümlich 
ist die Bildung des Körpers, wonach der ganze Körper mit allen Eingeweiden, zu */s der ganzen Länge, die Stirn bildet, an deren 
Grunde ganz hinten der spiralförmige Mund nicht weit vom After liegt. Vom Munde bis zur stumpfen Spitze der Stirn geht eine län- 
ger bewimperte Furche. Der Hintertheil vom 31unde an ist halbcylindrisch ausgeholt. Ich zählte wenigstens 14 — 15 Längsreihen von 
Wimpern auf der Halbansicht, doch können leicht viel mehr seyn. Der sehr biegsame Körper kann alle die Formen annehmen, welche 
Joblot bewunderte und zeichnete. Es schwimmt meist lang ausgestreckt, und ist dem blossen Auge sehr gut sichtbar. — Grösse fast 
1 ganze Linie, etwa s / 6 '", Eierchcn Viooo Linie. (Vergl. Uroleptus Filum.) . 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. II. 

Fig. 1 — 3. sind die Formen, welche ich 1830 Trachellus ambiguus nannte, 1 / 8 Linie gross. 

Fig. 4 — 6. sind die, welche ich 1831 Holophrya ambigua nannte, und zugleich der erwachsenere Zustand der vorigen, o' Mund, + zapfenartiges 
zufälliges Wimperbündel, w After, t männliche perlschnurartige Drüse. Magenzellcn und Eierchen sind deutlich, die contractile Blase noch nicht beob- 
achtet. Vergrösserung SOOmal im Durchmesser. 



'HUNDERTVIERZEHNTE GATTUNG: ZAPFENTHIERCHEN. 

IMiialina. Phialine. 

CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia (corpore eiliis destituto), fronte sulco circulari (collo) 
eiliato a corpore discreta, ore inermi, laterali, simplici. ( = Lacrymaria ore laterali co- 
ronato.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Tracheliens {sans eils du corps), le front separe du 
corps par un etranglement (cou) cilie, la houche laterale, simple, sans dents. 

Die Gattung der Zapfen thierchen unterscheidet sich in der Familie der Halsthierchen (durch Man- 
gel an Bewimperung des Körpers), durch eine ringartige bewimperte Einschnürung am Munde hinter der 
Stirn, und durch einen zahnlosen, seitlichen, einfachen Mund. ( == Thränenthierchen mit seitlichem 
bekränzten Munde.) 

Eine Gattung Phialina ist von Bory de St. Vincent 1824 mit 5 Arten errichtet worden, von de- 
nen aber nur 1 mit Sicherheit in der jetzigen Gattung verbleibt, 3 der übrigen sind fraglich beibehalten; 
die von ihm gemeinte Hauptform aber ist Trachelocerca Olor. Seit 1831 ist die Gattung von mir mit 
2 selbstbeobachteten Arten physiologisch schärfer umgrenzt worden; dieselben 2 Arten bilden sie noch jetzt. 
Eine dieser Formen beobachtete zuerst Müller 1786, die andere ist von mir 1830 entdeckt. — An Orga- 
nisationstheilen sind schon 1831 Farbestoff aufnehmende Magenzellen erkannt. Bei beiden Arten ist die 
Afterstelle durch die helle Sexualblase bezeichnet. — Die behende Bewegung geschieht durch das Wirbeln 
des kräftigen Wimperkranzes am Halse, dicht über dem Munde, doch könnten auch sehr feine Wimpern 
über den ganzen Körper vorhanden seyn, wie sie Müller bei Trichoda melitea gesehen hat. — Als Fort- 
pflanzungsorgane Hessen sich nur grüne oder weisse Körnchen als Eier, und bei beiden Arten eine grosse, 
schon Müller bekannte, contractile Blase am hintern Körperende, vielleicht sogar 2, wahrnehmen, welche 
wohl den Hermaphroditismus anzeigen. Selbsttheilung ist als Queertheilung wahrscheinlich vorhanden, aber 
nicht direct beobachtet. 

Die geographische Verbreitung ist bei Berlin und Copenhagen bekannt. 

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334 

483. JPhiatina vermicularis , weisses Kapfenthierclien. Tafel xxxvi. Fig. in. 

Pli. corpore ovato - cylindrico , antica parte sensim tenuiore, albo, collo brevissimo. 

Phialine blanche, a corps blanc, ovale - cylindrique , peu a peu aminci au bout anterieur, ayant le 
cou tres-court. 

Trichoda vermicularis , Müiler, Animalc. infus, p. 198. Tab. XXVIII. Fig. 1—4. 1786. 
Phialina hirudinoides , Bort de St. Vincent, Encycloped. method. Vers. 1824. 
Phialina vermicularis, Abliandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 111. 

Aufenthalt: Bei Copenliagen und Berlin. 

Ich habe diese Form im Juli 1830 zuerst zur Aufnahme von Indigo gebracht. Es ist offenbar dieselbe, welche Müller im 
Flusswasser Dänemarks beobachtete. Ich fand sie mit Meerlinsen. Die kräftige Bewegung ihrer Wimpern ist der der Trichodma 
Grandinella ähnlich. Nur in gefärbtem Wasser, das über Nacht gestanden hatte, nahm sie endlich Farbestoffe auf. Ihre weisse 
Farbe gehört den Eiern. In der Mitte des Körpers sah ich bei einigen Thierchen eine 2te contractile Blase ausser der am hintern 
Ende. Vielleicht war es Vorbereitung zur queeren Selbsttheilung , worauf auch längere und kürzere gleich dicke Körperformen deute- 
ten. — Grösse bis V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. III. 
Es sind 5 Exemplare, 300mal diametral vergrössert, in verschiedenen Stellungen und Grössen; 0' der Mund, to der After, * die Sexualblasen. 

484. Phialina viridis, grünes Zapfenthierclien, Tafel xxxvi. Fig. IV. 

Ph. corpore ovato, lageniformi, viridi, antica parte subito, postica sensim attenuata, collo brevissimo. 

Phialine verte, a corps ovale en bouteille, vert, brust/uement aminci au bout anterieur, peu ä peu 
aminci en arriere, ayant le cou tres-court. 

Phialina viridis, Abliandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 111. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Seit 1831 beobachtet. Die etwas abweichende Körperform könnte doch zufällig seyn, da ich nicht viele Individuen gesehen 
habe. Sie ähnelt noch mehr, als vorige Art, in der Gestalt einem Echinorhynchus der Entozoen. Die grüne Farbe kommt von 
den grünen (Ei-) Körnchen der Körpermasse her. Magenzellen und eine contractile hintere Blase waren deutlich, Farbeaufnahme er- 
folgte nicht. — Grösse — l U Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. IV. 
Es sind 2 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung, wie vorige. 



Nachtrag zur Gattung Phialina. 

Die von den bisher gegebenen 7 Artnamen nicht angewendeten 5, welche sämmtlich Bort 1824 gab, haben folgende Syn- 
onyme: 1) Phialina Cygnus Bort (1824) = Trachelocerca Olor ; 2) Ph. hirudinoides B. = Phial. vermicularis; 3) Ph. 
Proteus B. = Lacrymaria? ; 4) Ph. Pupa B. = Kolpoda - Fragment ; 5) Ph. versatilis B. = Lacrymaria? , Phialina?. Als 
weiter zu berücksichtigende, schon beschriebene, mir aber nicht vorgekommene, Arten dieser Gattung sind: 1) Müller s Trichoda 
versatilis (Phialina Bort); 2) Tr. melitea (Stravolaema Bory); 3) Müllers Enchelis Epistomium (Lacrimatoria Bort) 
und 4) Ench. retrograda (Lacrimatoria Bort) anzusehen. Die von Bort 1824 gebildete Gattung Stravolaema Echinorhyn- 
chus (Trichoda melitea Müller) scheint durch keinen physiologisch wichtigen Character unterschieden zu seyn und müsste Phialina 
oder Lacrymaria melitea heissen (vergl. Lacrymaria). 



HUNDERTFUNFZEHNTE GATTUNG: PERLENTHIERCHEN. 

Glaucoma. Glaucome. 

CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia, corpore undique eiliato, ore inermi, valvula tremula oc- 
cluso. 

CARACTERE: Animal de la famille des Tracheliens, ayant le coi*ps cüie de lous cötes et la 
bouc/ie sans dents gamie dune lame tremblante. 

Die Gattung der Perlenthierchen zeichnet sich in der Familie der Halsthierchen durch überall 
bewimperten Körper und einen Mund ohne Zähne mit einer zitternden Klappe aus. 

Gegründet wurde die Gattung 1830 in den Abliandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit einer Art, welche 
bis jetzt, bis auf eine zweifelhafte 2te Art, die einzige geblieben. Die Form ist schon 1718, vielleicht 



335 



schon 1678, von Jodlot, und 1777 von Gleichen deutlich erkannt, und ist eine der am meisten verbrei- 
teten Arten, indem ihre Form, Grösse, hin- und herfahrende rasche Bewegung und zitternde Klappe eine 
einfach scharfe Characteristik abgeben. Müller unterschied sie nicht scharf und nannte sie wohl 1773 
Vyclidium Bulla; Bory de St. Vincent hat sie 1824 als Monas und 1830 als 2 Arten von Volvox ver- 
zeichnet. — Die Organisation ist neuerlich sehr vollständig von mir ermittelt worden. Der Körper, den ich 
früher für glatt hielt, ist mit Längsreihen von Wimpern besetzt und hat überdiess eine zitternde Klappe 
am Munde. — Als Ernährungsorgane sind polygastrische Magenzellen mit hinterer AfteröfFnung , folglich ei- 
nem Darmcanale, deutlich. Der Mund, fast in der Körpermitte gelegen, hat eine zitternde Klappe. — Als 
Sexualorgane sind eine grosse eiförmige, männliche Drüse, eine sternartige contractile Blase und Eikörn- 
chen beobachtet. Selbsttheilung ist als vollkommene Queer- und Längstheilung erkannt. 

Die geographische Verbreitung der einzigen sichern Art ist über ganz Europa beobachtet. 

485. Glaucoma scintillans, zitterndes Perlenthiereheii. Tafel XXXVI. Fig. Y. 

Gl. corpore leviter depresso elliptico aut ovato, ventriculis magnis. 

Glaucome scintillant, a corps legbrement deprime elMptir/ue ou ovale, avec de gros ventricules. 

Poisson h mouvement du coeur und Spherotde, Joblot, Observation^ faites avec le microsc. 1718. (ed. 1754. p. 36.) Tab. 5. Fig. 4. Q. 

p. 74. Tab. 10. Fig. 8. 

Ovales, Joblot, ibid. p. 13. Tab. 2. Fig. A— T. p. 18. Tab. 3. D. p. 34. Tab. 5. Fig. 3. N. p. 63. Tab. 7. Fig. 5. 
Cyclidium 2., Hill? History of animals, 1751. III. p. 3. (vergl. Cyclid. Glaucoma.) 

Cyclidium Bulla, Müller, Vermium fluv. bist. p. 36. 1773. Naturforscher, IX. 1776. p. 205. Animalc. Infusor. 1786. p. 78. 

Hey - Würmer , Eichhorm? Beiträge z. Kenntniss d. kl. Wasserthiere, 1775. p. 48. Taf. V. Fig. I). 

Animali ovijtari, Spallanzani ? Opuscoli di fisica anim. I. p. 187. Taf. 2. Fig. 16. N. O. 1776. (s. Chüodon Cncullulus.) 

Grosse Ovalthierchen, Gleichem, Mikroskopische Entdeck. 1777. p. 48. Taf. XXII. Fig. 8. a. b. c. Inf usionsthierchen , 1778. p. 140. 

Taf. XXIII. b. Fig. e. f. g. und 1 — 3. p. 151. Taf. XXVIII. Fig. 19. 
Bwrsaria lullina, Schrank? Fauna boica, HI. 2. p. 78. 1803. 
Monas Bulla, Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 

Cyclidium saliens, Losana? Memorie di Torino, XXXIII. 1829 Isis, 1832. p. 770. Fig. 36. 
Volvox 3 species de Joblot, Bory de St. Vincent, Dict. classique, 1830. Volvoce. 

Glaucoma scintillans, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 53, 63, 70, 78. Taf. IV. Fig. I. 1831. p. 112. 

1835. p. 164. 

Aufenthalt: In Paris, auf dem Greifenstein, bei Berlin und in Petersburg sicher beobachtet, wahrscheinlich auch in Delft, Eng- 
land, Danzig, Copenhagen, Landshut und vielleicht bei Turin gesehen. 

Die erste Beobachtung dieser Form machte wohl Joblot 1678 mit Hartsoeker, als dieser die ersten geschmolzenen Glas- 
linsen nach Paris brachte, in Pfefferaufguss, wo sie auch vielleicht schon 1675 und 1676 Leeuwenhoek (Philosoph. Transact. 
1677. Vol. XL p.822, 828.) als ovale Thierchen mit andern bezeichnete. Joblot beschrieb sie erst 1718. Er nannte sie Ovales, 
übersah wohl anfangs den wichtigeren Character, welchen er aber später bei den Thierchen eines Aufgusses von Himbeerstielen erkannte 
und für Systole und Diastole, oder das Schlagen des Herzens hielt. Es war das Zittern der Mundklappe. Ebendieses sah er wieder 
bei Ovaltkierchen (Spheroides) eines Aufgusses von Eichenrinde. Bei seinen übrigen O valthierchen hat er diesen Character 
nicht angemerkt, aber schon anfangs die Wimpern erkannt. Ausserdem sind nur Gleichen's Beobachtungen und Zeichnungen eben so 
scharf characterisirend. Etwas ähnliches sagt Schrank von seiner Bursaria bullina. Alle übrigen Beobachter vor 1830 sind nicht 
so sicher, doch ist Eichhorn's Abbildung und Bezeichnung der Thierchen im Heuaufguss sehr wahrscheinlich hierher zu beziehen, und 
diese nannte Müller in seiner Synonymik (im Naturforscher) Cyclidium Bulla, in welcher Art er Monas Guttula mit vereint haben 
mag. Müller scheint es auch mit Cyclid. Glaucoma verwechselt zu haben, welches ähnlich, aber nur halb so gross ist und klei- 
nere Magenzellen hat. Gleichen, welcher dieses Thierchen schon 1777 mit Carmin fütterte, hielt die Magen bald für Eier, bald für 
kleinere Thiere in den grösseren und bezweifelte, dass die ausgeworfenen Kugeln Excremente seyn könnten (1778. p. 140.). (Vergl. 
den Nachtrag zur Familie der Kolpodinen.) Die Auswurfsstelle sah er deshalb bald hinten, bald an der Seite, weil er Thiere ganz 
verschiedener Familien, welche den After in ganz verschiedenen Körpergegenden haben, für einerlei hielt, oder gleichartig beurtheilte, 
namentlich Trachelinen mit Kolpodinen verwechselte. Derselbe Beobachter sah wohl eine 2te und 3te Art der Gattung in Regen- 
würmern, diese erste aber im Aufguss von Waizenbrand. Ich habe sie seit früher Zeit in den verschiedensten vegetabilischen Aufgüs- 
sen in zahllosen Mengen beobachtet und am Zittern der Mundklappe, die ich seit 1830 als äusseres Organ erkannte, unterschieden. 
Im Jahre 1829 sah ich sie mit Monaden sehr zahlreich in Petersburg auf der Reise mit Herrn von Humboldt, wo ich sie eben- 
falls durch das zitternde Organ unterschied und zeichnete. Umständliche viele Abbildungen der Form und Anfüllung der Magen mit 
Indigo gab ich 1830, wo ich anch queere Selbsttheilung anzeigte. Eine weitere Untersuchung hat mir seitdem noch einen ansehnlich 
tieferen Blick in den Organismus thun lassen. Ich habe noch die Längsreihen der Wimpern über den ganzen Körper, eine sternartig 
contractile männliche Sexualblase, eine eiförmige Sexualdrüse und Eikörnchen, auch überdiess Längstheilung erkannt. Das, was Spal- 
lanzani für Eier gehalten, sind doch wohl die Magen gewesen, und das Eierlegen war ein Zerfliessen, wobei ihn nur die grossen 
Magenzellen beschäftigten und in Irrthum führten, wie Gleichen. Die zitternde Klappe scheint mir ein halbovales rüssel- oder zun- 
genartiges Blättchen mit vorderem steifen Rande zu seyn. Die Körperwimpern sieht man bei Farbetrübung, wenn das Thierchen sich 
abplattet, und beim Antrocknen. — Grösse — V 2 * Linie, der Eierchen V2000 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. V. 

Es sind 17 verschiedene Zustände und Formen bei 300maliger Vergrösserung abgebildet. Fig. 1. grösste Normalform, Bauchseite, o der Mund mit 
der Klappe, daneben die grosse ovale Drüse, darunter die sternartige Sexualblase, Magen und Eierchen. Fig. 2. auswerfend, Rückenansicht. Fig. 3. 
Seitenansicht. Fig. 4. Vorbereitung zur Längstheilung. Fig. 5 — 10. allmäliges Vollenden der Theilung mit Anfang als Theilung der Drüse. 
Fig. 8. eine ungleiche Theilung. Fig. 11. und 12. durch Längstheilung entstandene Einzelthiere. Fig. 13. und 14. kleine Formen, die nur aus 
Eiern entstanden seyn können. Fig. 15 — 16. queere Selbsttheilung. 



I 



— — 336 

Nachtrag zur Gattung Glaucoma. 

Vielleicht ist Müller' s Leucophra nodnlata eine Art dieser Gattung. Gleichen sagt (Infiisionsth. p. 151.): er habe 
das zitternde Or-an auch beim Knopfthierchen des Regenwurms gesehen, und Müller hält diess für einerlei mit «seinen Thierchen 
aus der Nah der Ostsee. Es giebt also wohl noch ein Gl nodulatum und intestinale. Das Insect mit den Flossfedern von Ingen- 
housz (Vermischte Schriften, II. p. 166. 1784.) war wohl Cyclidmm Glaucoma zwiscl.cn Euglenen? (Vcrgl. Cychd. Glaucoma.) 



HUNDERTSECHZEHNTE GATTUNG. SEITENSCHNABEL. 

C hi loci on. Chi 1 od oh. 

CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia, corpore undique eiliato, ore dentiuin fasciculum tubulo- 
sum includente, fronte in labium late membranaceum aut auriculatura (oblique rostratum) 
producta. 

CARACTERE: Animal de la famille des Tracheliens, ayant le corps eilte detous cötes, la bouche 
remplie (Tun faisceau tubuleux de dents et le front avancant en forme d une levre 
elargie membraneuse ou garnie d une oreillette en forme de bec lateral. 

Die Gattung der Seitenschnäbel unterscheidet man in der Familie der Halsthierchen durch überall 
bewimperten Körper, durch einen, mit einem hohlen röhrenartigen Bündel von Zähnen ausgekleideten, Mund 
und durch eine vorstehende, breite, ein seitliches Ohr oder einen Schnabel bildende, stirnartige Lippe. 

Die Gattung wurde 1831 mit einer Art gegründet, aber 1832 mit 2 Arten versehen; jetzt hat sie 
deren 4. Die ersten Formen scheint schon Leeüwenhoek in dem Chilodon Cucullulus gekannt zu haben, 
welches eine der verbreitetsten Infusorienformen ist, alle übrigen Arten sind von mir erst seit 1832 ent- 
deckt. Die erste Abbildung des Ckil. Cucullulus gab ein Anonymus 1703 in England, diese copirte Hill 
und nannte sie 1751 mit dem ersten systematischen Namen Paramecium secundum. Dieselbe Form nannte 
dann Ellis 1769 Volvox Torquilla. Müller gab 1786 den systematischen Namen Kolpoda Cucullulus, 
und Bory nannte sie Paramaecium kolpodinum, vielleicht auch Plagiotricha aurantia. Ich nannte sie 
1830 Loxodes, aber 1833 Chilodon, weil nur bei dieser Art der Gattung Loxodes sich Zähne fanden. 
(Vergl. C/iil. Cucullulus.) — Die Organisation ist sehr vollständig ermittelt. Viele Längsreihen von Wim- 
pern dienen als Bewegungsorgane. — Als Ernährungsorganismus sind ein gerader Darmcanal mit traubenför- 
mig ansitzenden vielen Speisebeuteln (Magen) bei einer Art, letztere allein bei allen anschaulich geworden. 
Der Mund liegt nicht am vordem Körperende, sondern am Grunde einer vorragenden breiten meist häutigen 
Lippe, und zeichnet sich durch eine röb renartige Auskleidung von dicht aneinander liegenden Stäbchen aus, 
welche härter als die übrigen Körpertheile sind, und deren Röhre zur Aufnahme der Nahrung dient. Es ist 
offenbar ein Fischreusen- oder Moos -Peristom- ähnlicher Cylinder von Zähnen. Die Auswurfsstelle ist direct 
beobachtet und die Magen wurden schon 1830 als Farbestoffe aufnehmend bezeichnet. — Als Sexualorgane 
sind Eikörnchen bei 3 Arten, eine runde oder ovale Sexualdrüse bei allen 4, und contractile Blasen bei 3 
Arten direct erkannt. Von letzteren zeigten CA. Cucullulus 3, Ch. aureus und ornatus eine, die bei der 
letzten Art, wie bei Nassula ornata, am Rande geperlt ist. Nur bei Einer Art ist (lueer- und Längsthei- 
lung beobachtet, diese zuweilen so ungleich, dass es an Knospenbildung grenzte. (Vergl. Loxodes und den 
Nachtrag zur Familie der Kolpodinen.) 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist über ganz Europa bis tief in das sibirische Asien am 

Altai bekannt. 

486. Chilodon Cucullulus, helmartiger Seitenschnalbel. Tafel XXXVI. Fig. VI. 

Ch. corpore depresso, oblongo, ntrinque rotundato, antica dextra parte levius auriculato sive rostrato. 

Chilodon Capuchon, a corps deprime oblong, arrondi auas deute bouts, le front avangant au edle 
droit en bec ou oreillette legere. 

Living creaturc like a Mussei- shell, Leeüwenhoek? Philos. Transact. Vol. XI. p. 815. Nr. 133. 1677. (1675.) Arcana Nat. Epist. 

ad Hookium, Nov. 1680. p. 23.? (Selbsttheilung als Begattung.) 

Animalcula in Dunghill - water Fig. N., Anonymus, Philos. Transact. 1703. Nr. 284. p. 1371. r v 1 

l'etites kuitres, Tourterelles , Joblot? Observat. fait. avec le microsc. 1718. (ed. II. 1754. P. II. p. 21, 35.) PI. 4. Fig. p. q. PI- * 

Cyclulium 3., i Hilj ? History of A nimals, 1751. (ed. 1773. p. 4.) Tab. I. Copie von 1703. 
Paramecium 2. , ( 

Hay- Waler Animalcule, shape of a Melon, Baker, TheMicroscopemadeeasy, p. 77. 1742. Copie von 1703. 
Vohox Torquilla, Ellis , Philos. Transact. 1769. p. 138. Fig. 2. 
Kolpoila Cumllus, Müller, Vennium fluv. hist. p. 58. 1773. zum Theil. 

Thiercke» der KocMart - Infusion , Schrank? Beiträge zur Naturgesch. 1776. p. 17. Taf. I. Fig. 21. (s. Paramaec. Colpoda.) 
Ammale a beccnccio, Spallaszahi, Opuscoli di Fisica anim. I. p. 187. Tay. II. Fig. XVI. M. 1776. (s. Glaucoma , Col,mia Luc.) 



33» 



Kotpoda Cucullulus I MOtJ .| R Animalc . In f QS . 1786 . „. m T , b< xv> Fig . 7 _u. nnd p . 185 . T ab. X XVI. Fig. 13 — 16. 
Trichoda aurantiaf, \ 

Ovalthierchen, Gleichen, Infusionsthierchen , Taf. XXVII. Fig. 6, 7. XXVIII. Fig. 5, 8, 9, 10. XXIX. Fig. 3. 1778. Auserlesene 

Entdeck. 1781. Taf. 48. Fig. 1—11. 
Culpoda Cucullulus, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 73. 1803. 

Ovalthierchen, Gruithuisen, Beiträge zur Physiogn. u. Rautognosie, 1812. p. 302. Taf. I. Fig. 8, 12, 14. 

Bursaria Cuculus, Bory de St. Vincent, Diction. classique d'histoire naturelle, 1822. 

Paramaccium holpodimtm , I „ i 'ünr^ooa 

_, . . , r » 5 Bort, Encyclop. metli. Vers. 1824. 
Flagwtricha aurantiaf, } 

Cyclidium cucullatum, aduncum , albicans, hullatum, Losana, Memorie di Torino, 1829. Isis, 1832. p. 770. 

Loxodes Cucullulus, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42, 53, 56, 63, 78. Taf. IV. Fig. III. 1831. p. 109, 

150. 1832. p. 437. (Kolpoda Cucnllus.) Isis, 1833. p. 412. 
Euodon Cucullulus, 1 Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 169, 174, 176, 287, 322. Taf. II. Fig. I. a — g. 
Chilodon Cucullulus, t 1835. p. 164, 166. Euodon war Schreibfehler. 

Aufenthalt: In Delft, bei London, in Paris, Copenhagcn, Ingolstadt, Modena, auf dem Greifenstein, in Landsluit, München, Tu- 
rin, Berlin, Dröbak in Norwegen, in Ilezkaja Saschtschita bei Orenburg, bei Smei'nogorsk und Syrjanofskoi am Altai beobachtet. 

Leeuwenhoek's Thierchen konnte auch Stylomjchia Mytilus gewesen seyn, weil er es sehr gross nennt. Jedenfalls ist 
aber diese von mir in mehr als 100 verschiedenen Infusionen zu allen Jahreszeiten, und frei in den verschiedensten Verhältnissen von 
Berlin bis zum Altai Sibiriens beobachtete, Form eine sehr verbreitete, und es ist erlaubt, viele ähnliche Nachrichten und Abbildungen 
früherer Beobachter, besonders von Infusionen, eher auf diese als eine andere Form zu beziehen, jedoch kommen bei Infusions- Beob- 
achtern oft Collisionen mit Colpoda Cucullus und Paramecium Colpoda vor, welche sich nicht entscheiden lassen. Den ersten 
systematischen Namen gab Ellis, und so sollte die Form Chil. Torquilla heissen, allein, da die Sicherheit der Deutung nicht unbe- 
grenzt ist, so habe ich die Aenderung von Müllers Namen lieber unterlassen. Schon Leeüwenhoek sah bei einer ähnlichen Form 
des Pfefferaufgusses- die Selbsttheilung und hielt sie 1680 für Begattung. Joblot war 1718 (p. 22. 1754.) derselben Meinung in ei- 
nem ähnlichen Falle und hielt diese Thierchen für junge Austern. Der Anonymus von 1703 fand sie in englischen Mistpfützen, und 
Hill und Baker copirten seine Abbildung. Spallanzani hielt die innern Magenblasen für Eier und das Zerflicssen für ein Gebä- 
ren dieser Eier. Gleichen unterschied diese Form nicht scharf von Colpoda Cucnllus und vielen andern, und obwohl Gruithui- 
sen ausdrücklich sagt, er glaube, dass die Formen der Infusorien sich alle in einander verwandelten, so hat er doch recht gute Ab- 
bildungen der Längen- und Queer-Tkeilung doch wohl dieser Art gegeben, welche er in Grasinfusion, Spcichelinfusion und in Sumpf- 
wasser mit Lomna und faulen Conferven bei München immer wieder fand. Schon 1830 gab ich viele Abbildungen dieser Form und 
ihrer Selbsttheilung als Loxodes Cucullulus und zeigte die Anfüllung der Magen mit Indigo, Carmin und Naviculis an. Eine Ver- 
stärkung meines Mikroskops liess mich 1831 (1. c. p. 150.) die ganz unerwarteten Zähne eines polygastrischen Thierchens erkennen, 
und ein Freund, dem ich meine Freude darüber zuerst mittheilte und den ich zum ersten Zeugen dieser physiologisch wichtigen Beob- 
achtung nahm, erkannte, dass es nicht blos neben einander liegende Zähne, sondern noch mehr, ein hohler Cylinder von Stäbchen sey, 
was ich nur bestätigen konnte (s. Chlamidodon Mnemosyne). Die Selbsttheilung wird gewöhnlich in % bis 1 Stunde vollendet, 
sobald sie angefangen hat, zuweilen verzögert sie sich auf viele Stunden. Queertheilung scheint etwas mehr Zeit zu bedürfen, nicht 
unter 1 Stunde. Die Längstheilung geht meist von hinten nach vorn, zuweilen von vorn nach hinten, ist meist zu gleichen, zuweilen 
zu ungleichen Theilen; immer theilt sich erst die mittlere Sexualdrüse. Der gerade traubenartige Ernährungscanal, oft mit vielen und 
grossen Naviculis erfüllt, 3 contractile Sexualblasen und die grosse ovale Sexualdrüse des mittleren Körpers wurden von mir schon 
1833 umständlich beschrieben und abgebildet. Auch die Eikörnchen wurden beobachtet. Der farblose, die Speisen in jedem einzelnen 
Magen umgebende, Verdauungssaft, sowie die Auswurfsstelle, welche über die Form des Ernährungscanais entscheidet, wurden direct 
nachgewiesen, so dass hier wenig hinzuzusetzen ist, aber alles bestätigt werden kann. Längsreihen der Wimpern zählte ich auf einer 
der breiten Flächen 12 bis 18. Im Zahncylinder waren 16 Stäbchen oder Zähne zu zählen. Derselbe konnte sich vorn erweitern, 
um grosse lebende Körper als Speise aufzunehmen, und wenn sie hindurchgeglitten waren, konnte er sich vorn verengen und den Rück- 
weg versperren. Die Zähne dienen nicht zum Zermalmen, sondern zum Festhalten, sind aber offenbar wahre Zähne. Dujardin hat 
sie wohl nicht gesehen und ganz mit Unrecht für etwas Unklares anderes gehalten. Das Schwimmen ist ein Gleiten, kein Drehen um 
die Längsaxe. Der convexere Rücken ist, wenn sie an der Oberfläche des Wassers schwimmen oder kriechen, nach unten gekehrt. 
Die Wimpern erkennt man in gefärbtem Wasser leicht, die Reihen sieht man beim Antrocknen. Ich sah ein Thierchen mit einer ver- 
schluckten Oscillatorie umherschwimmen, die ihm um das 3fache seiner Länge noch aus dem Munde hervorragte, und an der es wie 
gespiesst erschien. Es verdaute sie aber nicht, sondern liess sie nach einiger Zeit wieder fahren. (Vergl. Bursaria.) Im Jahre 
1829 fand ich es (vergl. 1830) in Schlangenberg am Altai im Bergwerk, 56 Lachter tief. Die Zeichnungen der Reise mit Herrn v. 
Humboldt passen, bis auf den Mangel der Zähne, sehr wohl. In Dröbak sah ich es 1833 im Seewasser. — Grösse Vae — V« Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. VII. 

Es sind 24 Darstellungen bei 300maliger Linearvergrösserung. Fig. 1. vom Rücken; Fig. 2. vom Bauche, Fig. 3. von der Seite; sind grosse 
Normalformen; 0' der Mund, s die contractilen Blasen, t die Sexualdrüse. Fig. 1. mit Indigo genährt, zeigt den ganzen Darm verlauf. Fig. 2. ist 
im Auswerfen begriffen und ist mit vielen grossen, von Magensaft umgebenen, Naviculis (N. gracilis und Librile) nebst Oscillatorien erfüllt. 
Fig. 3. zeigt die hintere dritte contractile Blase. Fig. 4 — 7. andere kleinere Formen, die Sexualblasen in verschiedener Expansion zeigend. Fig. 8. 
ein Exemplar mit linkem Schnabel und rückgebogener Lippe. Fig. 9. ein ähnliches, wirbelnd, Seitenansicht. Fig. 10—12. kleinere Formen, mit 
Indigo und Carmin gefüttert. Fig. 13—15. Längstheilung von hinten nach vorn. Fig. 16 — 18. Queertheilung; bei beiden hat jedes Doppeltbier 
2 Drüsen. Fig. 19. ungleiche knospenartige Längstheilung. Fig. 20. ein mit einer 4mal seine Grösse überragenden Oscillatorie, wie aufgespiesst, 
umherlaufendes Thierchen. Fig. 21 — 24. Darstellung der Thätigkeit des Zahncylinders beim Schlingen. 

48». Chilodon uncinatus, hakenartiger SeitenschnaDel. Tafel XXXVI. Fig. VIII. 

Ch. corpore depresso oblongo, utrinque rotundato, antica dextra parte uncinato. 

Chilodon crochu, ä corps deprime, oblong, arrondi auos deute bouts, crochu au cöte droit du bout 
anterieur. 

Chilodon uncinatus, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

85 



338 



Diese der vorigen ähnliche, aber kleinere und vorn hakenartig gekrümmte Form lebt ebenfalls in Pflanzenaufgüssen verschie- 
dener Art. Sic ist sehr durchsichtig, und ich konnte die Reihen der Körperwimpern nicht unterscheiden; doch zweifle ich nicht an ih- 
rer Existenz Ich zählte mir 8 Zähne im Munde und fand diesen immer mehr seitlich an der Ausrandnng gelegen. Eine grosse kug- 
lige Drüse und 4-6 Magenblasen waren deutlich. Ich unterschied sie erst am 13. April 1835.— Grösse bis % Linie. Losana's 
Cyclidium ornatum gehört sehr unsicher hierher. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXYI. Fig. VIII. 

Es sind 4 Exemplare, 300mal diametral vergrässert; t die Sexualdrüse. 

488. CMlodon aureus, goldfarbiger Seitensclmatoel. Tafel XXXVI. Fig. VI. 

Ch. corpore ovato conico, turgido, aureo, antica parte dilatata obtuse rostrata, postica subacuta. 
CMlodon dore, a corps ovale -conü/ue, gonße, jaune d'or, elargi et courbe cn hec obtus au bout an- 
terieur, aminci au bout posierieur. 

Nassula aurea vor. c. und c, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 322. Taf. II. Fig. III. 
Chilodon aureus, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich beobachtete diese, von der vorigen sehr abweichende, Art schon 1832 gleichzeitig mit Nassula aurea und hielt sie für 
eine Abart derselben. Allein ich habe sie 1834 und 1835 ohne jene wieder beobachtet und den vorn ausgeschweiften, hinten schma- 
leren, Körper constant gesehen. Ich halte sie jetzt für eine von jener verschiedene Thierart und reihe sie hier an. Ich zählte 14—16 
Zähne. Die gelbe Farbe des Körpers rührt von den Körnchen (Eiern?) her, welche ziemlich gross sind. Eine grosse runde Druse 
und eine runde contractile Blase sind zwischen einer Mehrzahl v ermuthlicher Magenblasen die beobachteten Structurverhaltnisse. — Grosse 
bis V12 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. VI. 

Es sind 3 Darstellungen eines Tbierchens von 1835 bei 300maliger Vergrösserung. Fig. 3. ist halb gewendet; w die vermuthliche Afterstelle. 

489. Chilodon ornatus, »unter (Seitensclinal>el. Tafel XXXVI. Fig. IX. 

Ch. corpore ovato subeylindrico , aureo, utrinque aeqnaliter rotundato, rostro levi, macula nuchae laete violacea. 
Chilodon ome, a corps ovale- cylindrique, jaune d'or, egalement arrondi aux deuoc bouts, avec im 
bec leger et une tache vivement violette a la nuque. 

Leucophra notala, Müller? Animalc. infus, p. 152. Tab. XXII. Fig. 13 — 16. 1786. 
Chilodon ornatus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, ob auch in der Ostsee bei Copenhagen? 

Ich entdeckte diese Form am 6. Juni 1835 in Torfgruben bei Berlin. Sic hat manche Aehnlichkcit mit Nassula aurea, 
allein der schnabelartige Vordertheil Hess mir vorziehen, sie hierher zu stellen. Sie hat gelbe Eikörnchen, eine grosse kuglige Drüse, 
eine am Rande abwechselnd geperlte contractile Blase, wie Nass. ornala, und ein schönviolettes, aus einem Haufen von Bläschen be- 
stehendes, Saft- (Gall-?) Organ im Nacken, wie Na»*, elegans. Ich zählte 12 — 16 Zähne im 31unde. Diese und die vorige Art 
zeichnen sich von den ersten dieser Gattung durch Drehen um die Längsaxe beim Schwimmen sehr aus. Sie würden vielleicht besser 
zu Nassula gestellt. Beide nehmen keine Farbe auf. Ich zählte 16 — 20 Wimperreihen auf der Halbansicht bei beiden. — Grösse 
bis Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVI. Fig. IX. 

Es sind 3 Darstellungen eines Thierchens bei 300maliger Vergrösserung in seiner natürlichen Färbung, o' der Mund mit den Zähnen, 
t die Drüse, # die contractile geperlte Blase, w der After. Die übrigen Blasen sind wahrscheinlich Magen. 



HUNDERTSIEBZEHNTE GATTUNG: REUSENTHIERCHEN. 

Hassula. Ufasselle. 

CHARACTER: Animal e Trachelinorum familia, corpore undique eiliato, ore dentibus in nassae formam 

coalitis munito, fronte turgida prominula, nee auriculata. 
CARACTERE: Animal de la famille des Tracheliens, ayant le corps eilte de tous cötes, la bouche 

garnie de dents en forme de nasse et le front gonße avancant sans oreillette ou bec. 

Die Gattung der Reusenthier eben ist in der Familie der Halsthierchen durch überall bewimper- 
ten Körper, fischreusenähnliche Zähne im Munde und eine angeschwollene vorragende Stirn, ohne Ohr oder 
Schnabel bezeichnet. 

Errichtet wurde die Gattung 1833 (1832) in den Abhandl. d. Herl. Akademie d. Wissensch, mit 3 
ganz neuen, 1832 entdeckten, Arten, und diese sind auch seitdem an Zahl nicht vermehrt worden. Nur 
vielleicht Rösel kannte eine der Arten als sein violettes Kugelthier. — Die Organisation dieser Formen 



339 



ist sehr befriedigend und überraschend gross anschaulich geworden. Sie gehören zu den Körpern, deren 
Bekanntwerden plötzlich helles Licht auf viele bisher dunkle oder zweifelhafte Kenntnisse warfen, und zu 
den prachtvollen Erscheinungen im Mikroskop. — Das Bewegungssystem ihres Organismus besteht in vielen 
Längsreihen von Wimpern über den ganzen Körper. — Das Ernährungssystem tritt als mit fischreusenarti- 
gen Zähnen ausgekleideter Mund hinter einer dicken vorragenden Stirn, und als viele polygastrische Ma- 
genzellen bei allen 3 Arten hervor. Die Mundseite ist die Bauchseite. Die Afterstelle ist bei 2 Arten di- 
rect erkannt, üeberdiess ist bei diesen Formen zuerst ein ganz neues Organensystem anschaulich gewor- 
den, welches auch bei mehreren andern, vielleicht allen übrigen Magenthierchen, nur weniger deutlich 
sichtbar, vorhanden zu seyn scheint. Es verrichtet die Absonderung eines hier violet gefärbten, der Ver- 
dauung sichtlich dienenden, mithin der Galle ähnlichen, Saftes, und ist ausserdem nur bei Chilodon orna- 
tus und Chlamidodon gleichartig vorhanden, ähnlich aber auch bei Bursaria vernalis, Trachelius Me- 
leagris, Amphüeptus margaritifer, Meleagris und longicollis beobachtet, und mag mit den, oft blasigen, 
Drüsen am Magen der Räderthiere vergleichbar seyn. — Das Sexualsystem ist in seinem Dualismus deut- 
lich geworden. Zwei Arten haben den Körper mit zum Theil grossen zahlreichen Körnchen (Eiern) erfüllt. 
Alle 3 Arten haben eine grosse ovale oder kuglige Drüse im Körper, und eine Art hat 2 — 3, zwei Arten 
haben 1 contractile einfache Blase, welche die Befruchtung vermitteln mag. Bei N. ornata wird sie am 
Rande geperlt. Es ist nur Queertheilung beobachtet. — Augen, Nerven und Gefässe sind noch weiter zu 
ermitteln; erstere scheinen zu fehlen. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist bei Berlin und vielleicht bei Nürnberg beobachtet. 

490. Nassula elegans, zierliches ReusenthiercUen. Taf. xxxvn. Fig. i. 

N. corpore cylindrico aut ovato, antica parte paullo tenuiore, utrinque obtusissimo , albo aut virescente, vesiculis vio- 
laccis picto. 

Nasselle elegante, a corps cyMndrique ou ovale, im peu aminci vers le front, tres-obtus aux dcua 
bouts, blanc ou verdätre, tachete de vesicules violettes. 

Nassula elegans, Abkandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1832. p. 438. Nota. 1833. p. 176, 179 , 303 , 321. Taf. I. Fig. I. 

1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich entdeckte dieses überaus niedliche Thierchen am 24. April 1832 und erhielt es bis zum 29. April in Gläsern am Leben, 
fand es aber auch in der Zwischenzeit wieder im Thiergarten an derselben Stelle in einem mit Meerlinsen und Conferven erfüllten Wie- 
sengraben. Ebenda fand ich es wieder zahlreich am 4. Mai. Am 21. April 1833 fand ich eine zabllose Menge in einem kleinen Gra- 
ben der Pflanzschule beim Bassin am Brandenburger Thore. Im Jahre 1834 fand ich keine, aber im April 1835 wieder sehr viele an 
der Luiseninsel. Im März 1836 fand ich sie mit Oscillatorien und Vaucherien häufig, aber 1837 war keines zu finden. Es gleicht 
sehr dem Paramecium Aurelia, ist aber durchsichtiger, daher schwerer zu unterscheiden. Der schlanke cylindrische etwas keulen- 
förmige Körper ist 3 — 4mal so lang als dick, allein durch queere Selbsttheilung entstehen auch ovale, vorn gespitzte und fast kuglige 
Formen. Die Farbe ist eigentlich ein blasses Grün, weil der weissliche Körper von grünen Eiern locker durchwirkt ist; zuweilen feh- 
len diese, und dann ist er milchweiss oder farblos. Dazwischen liegen im Innern schön violette Bläschen verschiedener Grösse, und ein 
ganzes Häufchen derselben ist im Nacken, von wo aus eine besondere Reihe violetter oder crystallheller Bläschen längs des Rückens 
zum After verläuft, üeberdiess sieht man meist hier und da mit zum Theil erkennbarer Speise erfüllte Magenzellen, oft Chlamido- 
monas enthaltend. — In der Mitte des Körpers liegt eine ovale grosse männliche Drüse in schräger Richtung und es finden sich vorn 
neben dem Munde 2 einfache contractile Sexualblasen; eine dritte sah ich auf der mittleren Drüse. Das Thierchen schwimmt mit Dre- 
hen um seine Längsaxe nach vorn und nach hinten, und ich zählte auf der Halbansicht 15 — 20 Wimperreihen. Der Mund, durch 
die Strömung beim Wirbeln in Indigo wasser leicht erkennbar, ist etwas entfernt vom vordem Ende und ist durch einen Cylinder von 
26 Stäbchen oder Zähnen erfüllt, die willkührlich vorn langsam divergiren oder convergiren. Ungefähr im hintern Drittheil des Kör- 
pers vermischt sich der violette Saft mit dem Inhalte der Magenzellen, und er wird mit ihm ausgeschieden. So wie er das Wasser 
berührt, verliert er seine schöne Farbe ganz. Uebrigens ist er zuweilen mehr blau, zuweilen röther. Ich sah ganz farblose, abgelebte 
Thierchen, die aber doch noch im Nacken ein kleines Häufchen violetter Bläschen hatten. Die Selbsttheilung traf die Stelle der Drüse 
und schien diese in 2 Hälften zu theilen. — Grösse V12 — V10 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVII. Fig. I. 

Vergrösserung aller Figuren 300mal im Durchmesser. Färbung natürlich, ohne Farbenahrung. Fig. 1. Seitenansicht nach dem Eierlegen, hinten aus- 
werfend. Fig. 2. Normalform, Ansicht der Rückenseite. Fig. 3. kurz vor dem Auswerfen, ohne Eier. Fig. 4. Vorragen des Zahncylinders bei 
der Seitenansicht und eine mittlere, dritte, contractile Blase, vergl. Paramecium Aurelia. Fig. 5. Queertheiluug mit Ausbildung des neuen Mundes 
und der Zähne vor der Trennung. Fig. 6 — 7. heranwachsende Theile. Fig. 8. zeigt die Reihe violetter Rückenblasen. Fig. 9. zeigt dieselben 
farblos. Fig. 10 — 12. Contraction des Zahncylinders. 

491. Nassula ornata, buntes Reusenthierclien. Tafel XXXVII. Fig. II. 

N. corpore ovato, depresso, suborbiculari, fusco-viridi, vesiculis violaceis numerosis variegato. 

Nasselle ornee, a corps ovale, deprime, presque orbiculaire, vert-brunätre, tachete de nombreuses 
vesicules violettes. 

Eiförmiges schön violblaues grösseres Kugelthier, RÖsel? Insectenbel listig. III- p. 620. 1755. 



340 



Nnssula ornala, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1832. p. 438. Nota. 1833. p, 169. seqq. 172. seqq. 179. seqq. 304. 

321. Taf. I. Fig. II. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht bei Nürnberg. 

Diese Art wurde in einem Wiesengraben des Thiergartens am 13. April 1832 zuerst entdeckt, und das weitere Suchen nach 
mehreren Exemplaren führte die Kenntniss der andern Arten herbei. Sie ist die grösste der Arten. Ich fand sie wieder am 25. und 
29. April am gleichen Orte. In den Jahren 1833 und 1834 sah ich kein Exemplar, aber am 28. April und 19. Mai 1835 fand ich 
sie wieder zahlreich an der Luiseninsel mit der ersten Art zwischen schwimmenden Oscillatorienhaufen. Auch im Mai 1836 war sie 
häufig, fehlte jedoch 1837. Der Körper ist von der Rückenseite und Bauchseite, wo der Mund liegt, zusammengedrückt, daher von 
der Lateralfläche gesehen, schmäler, was seine Bewegung bei dem Drehen um die Längsaxe wankend erscheinen lässt. Das schon mit 
blossen Augen recht wohl sichtbare grosse Thierchen, welches mit Stentor niger und Ophryoglena atra im Aeusseren Aehnlichkeit 
hat, ist dunkelbraun, aber unter dem Mikroskope zeigt es bei 300raaliger Vergrösserung die prächtigsten sanftesten Farben und eine 
bewundernswerthc Organisation. Ich habe mm viele Hunderte von Exemplaren gesehen. Der Körper ist äusserlich mit Längsreihen 
von Wimpern besetzt, deren auf der Rücken- oder Bauchfläche bis 24 zählbar waren, und zwischen welchen noch ähnliche Reihen et- 
was stärkerer Borsten abwechselnd standen. Der Mund ist auf einer der flachen breiteren Seiten, die ich deshalb die untere oder Bauch- 
fläche nenne, in einer breiten Grabe, wie bei Bursaria, und ist mit einem etwas vorstehenden hohlen Kegel oder Cylinder von 20 
bis 27 Zähnen ausgefüttert. Die Afterstelle erscheint am hintern Ende als leichter Ausschnitt und ist von mir auch mehrfach im Aus- 
werfen direct thätig gesehen worden. Im innern Körper erkennt man bei 300maliger Vergrösserung viele braune, grüne, gelbe und 
violette Kugeln oder Blasen, welche sehr verschiedener Natur sind. Alle braunen und gelben, auch die grösseren und unregelmässigen 
grünen, sind mit Nahrung, grünen Monaden, erfüllte Magen, oft sieht man auch lange Oscillatorien - Stücke und Naviculas dazwi- 
schen. Ueberdiess aber ist zuweilen, nicht immer, der Körper mit sehr gleichartigen, verhältnissmässig sehr grossen, runden, grünen 
Körnern erfüllt, welche ich für Eier hielt. Gruppenweis zwischen diesen, in zahllosen Magenzellen liegenden, grünen und gelben (ver- 
dauten) Speisemassen und zwischen den Eierchen liegen herrlich violett gefärbte Kugeln, ganz denen der vorigen Art ähnlich. Es sind 
mit einem violetten Safte erfüllte Bläschen, die offenbar, anstatt bei voriger Art nur 1 Centraipunkt im Nacken zu haben, hier 6 — -8 Haupt- 
gruppen im weiten Kreise um den Mund bilden. Dieser violette Saft wird mit den Excrementen ausgeworfen, erscheint dabei im Was- 
ser wie Oeltröpfchen und entfärbt sich sogleich. Bei Bursaria vernalis sah ich deutlich, dass er, sobald er zu den grünen Speisen 
tritt, diese gelb färbt und zersetzt. In der Mitte dieser Gruppen und des Körpers liegt allemal eine grosse Kugeldrüse, und dicht 
daneben öffnet und schliesst (erweitert und verengt) sich periodisch eine grosse, der Selbstbefruchtung dienende, Sexualblase, welche in 
grösster Contraction und Expansion einfach ist, in den Mittelzuständen aber einen geperlten Rand zeigt. Ich verglich den geperlten 
Rand mit den Strahlen des ähnlichen Organs bei Paramecium Aurelia, nur seien wohl die Canäle kürzer. Nicht gar selten sah ich 
auch freiwillige Queertheilung des Körpers und, wie bei voriger Art, gerade an der Stelle, wo das unpaarige Organ, die männliche 
Sexualdrüse, liegt. Das Entstehen und Abschliessen der Queertheilung sammt Ausbildung der beiden Drüsen der neuen Mundöffnung 
und der neuen 20 — 27 Zähne schien mir 1832 das bewundernswerthe Werk von 2 Stunden organischer Thätigkeit zu sejn (1833. 
p. 172.). — Grösse bis % Linie, der Eierchen % 00 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVII. Fig. II. 

Es sind bei 300maliger Linearvergrösserung gezeichnete Formen, ohne künstliche Farbenahrung. Fig. 1. Ansicht der Rückenseite, Fig. 4. der Bauch- 
seite, beide im Schwimmen. Fig. 3. etwas abgeplattet, in wenig Wasser ruhend und Excremente entleerend; Bauchseite. Fig. 5. rechte Seitenan- 
sicht und Richtung des Wirbels zum Munde. Fig. 2. Queertheilung, nur rechts sind die Eierchen zwischen den Magen angedeutet. Fig. 6 — 9. 
grösste Ausdehnung und allmälige Contractionsformen der contractilen Sexualblase. Fig. 10. der Zahncy linder besonders, o Mund, w After, t Se- 
xualdrüse, s contractiles Organ. 

492. Nassuta aurea, goldgelbes Reusentbierchen. Tafel XXXVII. Fig. III. 

N. corpore ovato-oblongo, subeylindrico , aureo, utrinque obtusissimo. 

Nasselle doree, a corps ovale - oblong , presque cylindrique, dore, tres-obtus aucc deua; bouts. 

Nassula awea, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1832. p. 438. Nota. 1833. p. 169. seqq. 172. seqq. 305. 322. Taf.I. Fig. HI. 

exclus. Fig. c. e. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese dritte Art der merkwürdigen Gattung fand sich zuerst am 7. und 9. Juni 1832 in Torfgruben bei den Pulvermagazinen 
Berlins. Ich fand sie später sehr zahlreich wieder am 1. Mai 1835 und am 16. Juni 1836 einzeln. In den Jahren 1834 und 1837 
sah ich nirgends dergleichen. Die Thierchen haben äusserlich viel Aehnlichkeit mit Stentor igneus und Ophryoglena flavicans, 
noch ähnlicher aber sind sie dem Chilodon aureus, von welchem ich sie erst 1834 unterschied. Der kurzcylindrische , vorn und hin- 
ten fast abgestutzte, Körper ist auf der Halbansicht mit 20 bis 24 Wimperreihen behaart. Der Mund mit seinem hohlen Cylinder von 
Zähnen liegt nicht in einer deutlichen Vertiefung, sondern an der gewölbten Bauchfläche. Im Innern sieht man ein feinkörniges leb- 
haft bräunlichgelbes fleckiges Wesen, was ich auch 1835, freilich ohne grosse Schärfe der Untersuchung, nicht recht klar erkennen 
konnte. Die Magen schienen sehr zahlreich mit einer, der Farbe des Eierstocks ganz gleichartigen, Masse erfüllt, wodurch denn die 
Grenzen der Einzelheiten undeutlich wurden. Sehr deutlich war nur, ausser dem Zahncylinder mit 20 und 21 Zähnen, die runde mitt- 
lere Drüse und eine grosse einfache contractile Blase daneben. Besondere Organe eines Verdauungssaftes wurden nicht klar. — Grösse 
Vio Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVH. Fig. III. 

Es sind 4 Exemplare bei 300maliger diametraler Vergrösserung. Fig. 1. von der rechten Seite. Fig. 2. Bauchfläche. Fig. 3. eine hinten spitzere 
Form, vielleicht zu Chilodon gehörig. Fig. 4. linke Seitenansicht, o' der Mund, t Sexualdrüse, s contractile Blase in verschiedener Ausdehnung. 



341 



Nachtrag zur Familie der Halsthierchcn. 

Im Jahre 1797 beobachtete Herr Alexander von Humboldt vielleicht Formen dieser Familie, Bursarien, mit Tri- 
choden, Cyclidien und Vibrio Gluiinis in faulen Morcheln (Gereizte Muskel- und Nervenfaser, I. p. 179.). 



ACHTZEHNTE FAMILIE: SCHWANEN THIERCHEN. 

Opliryocerciiia. ©plirjocerques. 

CHARACTER: Animalia polygastrica enterodela (tubo intestinali distineto instrueta), orificio duplici, sola 
oris apertura terminali (allotreta) nec loricata. 

CARACTERE: Animaux polygastriques sans carapacc, ayant un canal alimenlaire a deux 
orifices distinets, dont seulement celui de la bouche est terminal. 

Die Familie der Schwanenthierchen begreift alle solche polygastrischen panzerlosen Thierchen 
mit bestimmtem Darmcanal und doppelter Mündung desselben, bei denen nur die Mundöffnung an einem Kör- 
perende liegt. 

Diese Familie wurde 1831 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch, mit einem einzelnen, aus- 
gezeichneten Thierchen, der Ophryocerca Ovum, gebildet. Später fand sich, dass der schwanzartige, den 
Character gebende, Theil nur beim Verkehrtschwimmen , welches häufig geschieht, hinten ist, und die Form 
wurde 1833 zur Gattung Trachelius gezogen. Gleichzeitig fanden sich aber andere Formen auf, deren Or- 
ganisation in die leer gewordene Stelle der Familie passte, und es wurde schon 1833 die Gattung Tra- 
chelocerca mit 3 Arten allein in diese Familie gestellt, wo sie auch bis jetzt nicht vermehrt worden sind. 
Die erste bekannt gewordene Form der Familie ist der viel besprochene Proteus von Baker, welcher 1752 
zuerst beschrieben wurde, die beiden andern Arten sind von mir entdeckt. Höchst merkwürdig ist beson- 
ders die dritte Art, weil sie den Anschein einer monstruösen Doppelbildung hat und doch vielleicht normal 
gebildet ist. — Die Organisation ist schon mannigfach, aber noch nicht vollständig ermittelt. Für die ziem- 
lich rasche Körperbewegung haben sich bisher nur geringe Wirbelorgane am Munde erkennen lassen, allein 
allerdings ist der lange peitschenartige Hals durch seine schnellen Bewegungen fähig, auch allein das Schwim- 
men zu bewirken. Vielleicht giebt es aber doch feine Wimpern am Körper. — Ein wirbelnder Mund am 
Ende eines wahren Halses und ein polygastrischer, Farbestoffe aufnehmender, Darmcanal mit vor dem zu- 
gespitzten Körperende oberhalb befindlichen After bilden das Ernährungssystem. — Grüne und weisse eiar- 
tige Körnchen sind bei allen Arten erkannte Sexualtheile als Eier. Vielleicht zeigte T. Mceps eine con- 
tractu^ Blase. Selbsttheilung ist nicht beobachtet. (Vergl. Ampkileptus.) Keine bekannte Form entwickelt 
sich massenweis. 

Die geographische Verbreitung der Familie ist in England und dem Festlande von Europa beobachtet. 



HUNDERTACHTZEHNTE GATTUNG: SCHWANENTHIERCHEN. 

Trachelocerca. Trachelocerque. 

CHARACTER: Animal Ophryocercinorum familiae characteribus insigne. ( = Lacrymaria caudata.) 

CARACTERE: Animal ayant tous les cor acter es de la famille des Ophryocercines. (=Lacry- 
maire ä queue.) 

Die Gattung der Schwanenthierchen ist durch die Charactere der Familie der Schwanenthierchen 
bezeichnet. Es sind geschwänzte Thränenthierchen. 

Die seit 1833 in den Abhandlungen d. Berliner Akad. d. Wiss. gegründete Gattung Trachelocerca 
enthält noch jetzt die ihr schon damals zuertheilten 3 Arten, deren eine seit 1752 durch Baker unter dem 
Namen Proteus bekannt ist, die andern aber von mir entdeckt sind. Bösel gab den Namen Proteus 1755 
einem ganz andern Thiere, der Amoeba diffluens. Pallas nannte jenen Proteus des Baker 1766 Bracht- 
onus Proteus. Müller nannte ihn 1773 Vibrio Proteus; Eichhorn beschrieb ihn 1775 als Wasser- 

86 



34» 



sch w.iii. Miller änderte seine Meinung 1786 und nannte ein dem BAKER'schen ähnliches Thierchen 
Trichoda Proteus, welches aber eine schweiflose Lacrymaria war; den eigentlichen Proteus von Baker 
nannte er Vibrio Olor und stellte dazu unrichtig den von Göze beobachteten Amphileptus margaritifer. 
Gmelin nannte die Amoeba Bösels und die Trachelocerca Bakers 1788 zusammen Vibrio Proteus. 
Schrank bildete für diese Formen wohl vorzugsweise seine neue Gattung Trachelius 1803, allein die Mehr- 
zahl seiner Arten waren Amphilepti. Bory de St. Vincent nannte den BAKER'schen Proteus 1822 Ami/m 
Olor und 1824 Lacrimatoria Olor, und unterschied davon noch Phialina Cygnus, wozu er ebenfalls 
den BAKER'schen Proleus citirt. Ich hatte die Form 1830 mit Lacrymaria vereinigt, — Was an Organi- 
sation ermittelt worden, ist schon bei der Familie angezeigt. Queere Selbsttheilung dieser Formen kann 
leicht den Thränenthierchen eine Zeitlang ähnliche Gestalten bedingen. (Vergl. auch Amphileptus und 
Phialina^) 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist der der Familie gleich. 

493. Trachelocerca Olor, weisser Schwan. Tafel xxxyiii. Fig. VII. 

T. corpore fusiformi, albo, collo longissimo simplici, valde agili, in capitulo os ciliatum includente terminato. 

* 

Tr acheloc er r/ue Cygne, a corps fusele, blaue, ayant le cou simple excessivement long et mobile, 
termine par im bonton leger, contenant la bouche eiliee. 

The Proteus, Baker, Employment for the Microscope, 1752. Deutsch p. 340. Taf. X. Fig. XI. 1 — 6. 
ßrachionns Proteus, Pallas, Elencli. Zoophyt. 1766. p. 94. 

Vibrio Proteus, Müller, Vermium fluviat. liist. p. 45. 1773. Proteus - Straehkeren. 

Der Wasserschwan, Eichhorn, Beiträge z. Kenntn. d. kl. Wasserth. p. 33. Taf. II. M. N. p. 73. Taf. VII. Fig. C. 1775. 

Vibrio Cygnus, Müller, Synonyme zu Eichhorn, Naturforscher, IX. 1776. Schrank, Abhandl. d. baier. Akad. 1780. p. 478. 

Vibrio Proteus, Hermann und Müller, Naturforscher, XX. p. 160. Fig. 42. 1784. 

Vibrio Olor, Müller, Animalc. infus, p. 75. Tab. X. Fig. 12 — 15. 1786. excl. Syn. Göze. 

Vibrio Proteus, Gmelin, Linne's Systema Naturae, ed. XIII. 1788. zum Theil. 

Traclielius Anhinga, Schrank, Fauna boica, 1803. III. 2. p. 56. Tr. Proteus, Oken? Naturg. 1815. = Cercaria? 
Amiba Olor, i 

Lacrimatoria Olor, > Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 
Phialina Cygnus, i 

Lacrymaria Olor, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 42. 1831. p. 105. 
Trachelocerca Olor, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 316. 

Aufenthalt: In England, bei Copenbagcn, Danzig, Passau, Strassburg, Landshut und Berlin beobachtet. 

Diess Thierchen hat seines langen, sehr beweglichen und zierlichen, bald eingezogenen, bald um das 4- und 5fache der Kör- 
peiiänge vorgestreckten, Halses wegen, besonders aber auch wegen einer klaren Absichtlichkeit in seinen tastenden Bewegungen, die 
Aufmerksamkeit und geinüthliche Theilnahme aller der mikroskopischen Beobachter erregt, welchen es vorgekommen. Bei Berlin ist es 
nicht häufig und immer einzeln zwischen Conferven, doch wo ich eins sah, konnte ich gewöhnlich mehrere finden, wenn ich darnach 
suchte. Es kriecht am Boden, setzt sich in Uhrgläsern am Grunde fest und schwimmt unbehiilflich, schlängelt sich aber lieblich um 
Meerlinsen- Wurzeln und andere zarte Theile. Zuweilen hat es die Forin eines Schwans, es wechselt aber die Lage und Biegung 
des Halses beständig. Contraliirt zeigt es Queerfalten. Im Innern sind viele ziemlich grosse Blasen, deren ich bis 20 und darüber 
zählte, und welche sich schon 1830 bei den Farbenahrungsversuchen als Magen erkennen Hessen. Ueberdiess sah ich zuweilen noch 
feine weisse Körnchen, welche Eier seyn mochten, oft aber fehlten sie ganz. Besondere contractile Blasen und Sexualdrüsen gelang 
mir noch nicht deutlich zu unterscheiden, obschon sie wohl ohne Zweifel vorhanden sind. Das Auswerfen der verdauten Stoffe sah ich 
dicht vor dem Afterende auf der (dem Munde entgegenstehenden) Rückenseite, weshalb der Schwanz dieser Thierchen kein wahrer, keine 
Riickenverlängerung, sondern ein Fussrudiment, ein Bauchglied ist. — Grösste Ausdehnung bis 1 I 3 Linie, des Körpers ohne den Hals 
— V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. \ II. 

Es sind 5 Thierchen in verschiedenen Stellungen abgebildet,. 3 wirbelnd; o' der Mund, w der After; einige haben Indigo verzehrt. Ver- 
grösserung 300mal linear. 

494. Trachelocerca viridis, grüner Schwan. Tafel XXXVIII. Fig. VIII. 

T. corpore fusiformi, viridi, collo longissimo valde agili, in capitulo os ciliatum et labiatum includente terminato. 

Trac helocerque verte, a corps fusele, vert, ayant le cou simple, tres- agile et tres -long, termine en 
bouton, contenant la bouche a levre eiliee. 

Trachelocerca viridis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 317. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Es fand sich am 22. April 1832 zwischen Lemna im Thiergarten und zeichnet sich durch seine grünen Eikörnchen, aber 
auch durch eine Art von eingelenkter Lippe aus, wie sie bei Lacrymaria vorkommt und auch an Phialina erinnert. Im ausgedehn- 
ten Zustande erkennt man die Bildung richtig. Das schlanke liebliche Thierchen ist kleiner als die vorige Art, und kann daher nicht 
wohl deren fruchtbarer Zustand seyn. Ich sah mehrere Exemplare gleichzeitig, aber dann keines wieder. Der sehr gespitzte Hintertheil 
lässt nicht glauben, dass gerade die Spitze die Afterstelle sey. Der Körper zeigt sich kreuzende feine Queerfalten. Dunkle verloschene 
Stellen im Innern zeigten undeutlich Magen an. — Grösste Länge — Vio Linie, contrahirt V32 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. VIII. 
Es sind 7 verschiedene Zustände eines und desselben Thierchens dargestellt, o' Mund, a> After. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 



343 



495. Trachelocerca Mceps, doppclköpfiger Schwan. Tafel XXXVIII. Fig. IX. 

T. corpore fusiformi, albo, collo longo, apice bifido, ore dnpliei, discreto. 

Trachelocer aue a denx tetes, a corps fasele, Haue, ayant le cou long, fendu en fourche avec 
dencc tetes et bouches separces. 

Traclielocerca Mceps, Abhandl. der Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 1833. \>. 316. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich fand ein einzelnes Thierchen dieser Art am 4. Mai 1832 zwischen Conferven des Thiergartens und habe nie ein zweites 
gefunden. Wäre die Form constast, so iniisste es der physiologischen Wichtigkeit des Characters wegen als eigene Gattung abgeson- 
dert werden, allein bis es öfter beobachtet ist, schien es besser, die Synonyme zu sparen. Es könnte nämlich doch eine Monstruosi- 
tät oder Uebcrbildung seyn, obschon dergleichen ausserdem bei den Infusorien unerhört sind. Nur eine Mehrzahl von Augenpunkten bei 
Rotifer vulgaris ist mir zuweilen als solche vorgekommen, während das Zerfliessen, die Selbsttheilung und das Zusammenfallen der 
Körper nach dem Eierlegen oft mangelhafte und verkrüppelte oder zusammengesetzte Formen geben, welche aber einen ganz andern 
Character haben. An eine Vorbereitung zur spontanen Längstheilung einer Track. Olor war nicht füglich mit Recht zu denken, weil 
der Körper dazu keine verhältnissmässige grössere Breite hatte, auch besonders der übrige Hals gar keine Vorbereitung dazu zeigte. Es 
schien mir am zweckinässigsten , die sehr interessante Form hier einzureihen, da ihre deutlichen Eikörnchen bei T. Olor selbst nicht 
so zahlreich vorgekommen waren. Die hinterste helle Blase im Körper scheint eine Sexualblase gewesen zu seyn, weil sie verschwand. 
Der Hals war in beständiger Bewegung, so dass die 2 Theile sich zu schlagen schienen. — Grösste Länge Vie Linie, des Körpers 
allein V32 Linie. (Vergl. Disoma.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. IX. 

Es ist ein Exemplar in 3 Stellungen, 300mal diametral vergrüssert. 



NEUNZEHNTE FAMILIE: SCI1ILDTHIERCHEN. 

Aspidiscina. Aspidiscines. 

CHARACTER: Aniinalia polygastrica loricata enterodela (tubo intestinali distineto instrueta), orificio du- 
plici, sola ani apertura terminal!. 

CARACTERE: Animaux polygastriques a carapace, ayant un canal intestinal dislinct ä double 
orißce, dont seulement celui de V anus est terminal. 

Die Familie der Schild thierc heu begreift alle gepanzerten Magen thi er chen, welche einen deut- 
lichen Darincanal mit doppelter Mündung und nur die Afteröffnung an einem der Körperenden haben. 

Die Familie wurde im Jahre 1830 in den Abhandl. d. Berliner Akad. d. Wissensch, mit einer ein- 
zelnen Gattung und Art gegründet. Dasselbe ausgezeichnete Thierchen hat erst neuerlich, 1833, noch ei- 
nen Gesellschafter erhalten. So besteht jetzt die Familie aus 2 Thierarten einer einzelnen Gattung. Die 
erste Kenntniss solcher Formen hatte Müller 1773, er nannte eine derselben Trickoda Lynceus. Bory 
de St. Vincent hat dieses Thierchen 1824 sonderbarerweise in seine Gattung Ratulus (Rattulus) gestellt 
und daher wohl den nur scheinbaren Schnabel für ein Schwänzchen und das Hintertheil für das Vordertheil 
gehalten. — An Organisation ist ein festeres, sehr durchsichtiges, flaches, verbrennliches Schildchen erkannt, 
worin der Körper liegt, welches nur vorn über den Mund hinausragt, hinten aber mit dem Körper am Af- 
ter endet. Biegsame längere Borsten an der Bauchfläche dienen zum Klettern, und feinere kürzere Wim- 
pern am Munde zum Wirbeln und Schwimmen. — Als Ernährungsorganismus sind Farbestoffe aufnehmende 
viele Magenzellen direct ermittelt und das Auswerfen am hintern abgestutzten Rande gesehen. — Als Se- 
xualtheile sind Eikörnchen und eine ovale Drüse bei 1 Art, und eine einfache contractile Blase bei beiden 
Arten erkannt. Selbsttheilung scheint Müller beobachtet und für Begattung gehalten zu haben. Keine 
Form der Familie entwickelt sich in grossen Massen. 

Die geographische Verbreitung ist in Dänemark, Preussen und Russland an der Grenze des nördli- 
chen Asiens im Süsswasser und im Meere beobachtet. 



" / . I 




VI 

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HUNDERT NEUNZEHNTE GATTUNG 

Aspidisca. Aspidisque. 



SCHILDTHIERCHEN. 



CHARACTER: Animal Aspidiscinorum farailiae characteres prae se ferens. (= Euplotes ano terminali.) 
CARACTERE: Animal pourvu de tous les caracleres de la famille des Aspidiscines. 

Die Gattung der Schild thierchen trägt alle Charactere der Familie der Schildthierchen. 

Die Gattung Aspidisca wurde gleichzeitig mit der gleichnamigen Familie 1830 zuerst genannt und 
enthielt damals nur 1 bekannte Art. Das Geschichtliche ist weiter bei der Familie angezeigt. Die Ver- 
wandtschaft der Formen mit den Entomostracis , welche Müller nur beiläufig erwähnt, hat seinen Grund 
in einer Täuschung, indem der scheinbare, dem des Lynceus ähnliche, Schnabel nur eine helle, vom Schild- 
chen {ßcutellum) überdeckte, geschlossene Stelle ist, etwa wie bei Bursaria cordiformis oder Loxodes 
erscheinen würde, wenn sie ein Rückenschild trügen. Es ist die zum Munde führende Furche des Körpers. 
Diese Thierchen haben die meiste Aehnlichkeit mit Euplotes , allein bei letzteren überragt das Schildchen 
den Körper auch nach hinten, so dass die Afterstelle so wenig als die Mundstelle am Ende liegen. Die 
Bewegung ist sehr rasch im Kreise drehend, hüpfend, kletternd und schwimmend. — Die Organisation ist 
bei der Familie angegeben und bei den Arten zu vergleichen. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist die der Familie. 

490. Aspidisca Lynceus, gescbnabeltes ScliiI<HIiiereltc i ii, I<ynceus. Tafel xxxix. Fig. I. 

A. scutello suborbiculari, postico fine truncato, fronte uncinata. 

Aspidisi/ue Lyncee, a carapace presque orbiculaire, tronquee au bout posterieur , le front croclm. 

Trichoda Lynceus, Müller, Vermium fliiv. historia, p. 86. 1773. Los - Spilleren. Nye Saml. af Dansk. Vidensk. Saelsk. Skrift. 

D. 2. p. 259. Taf. I. Fig. VI. 1780.? Animalc. Infus, p. 225. Tab. XXXII. Fig. 1—2. 1786. 
lialulus Lynceus, Bory, Encycloped. method. Vers. 1824. 

Aspidisca Lynceus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 42, 53, 61. 1831. p. 21, 106. 

Aufenthalt: Bei Copenliagen, Berlin, Wismar, Uralsk und Catharinenburg im Ural. 

Der Lynceus scheint eine der gemeinsten und am weitesten verbreiteten Infusorienformen zu seyn, obschon er nie in grossen 
Massen beisammenlebt. In bestäubten Infusionen ist er mir seit 1826 im Winter und Sommer vorgekommen; früher sah ich ihn selten. 
Er lebt auch häufig zwischen Wasserlinsen und Conferven. Ich sah ihn 1826 ganz grün, mit Chlamidomonas erfüllt, in grünen Was- 
serkübeln. Im Jahre 1829 zeichnete ich ihn auf der Reise mit Herrn von Humboldt in Uralsk und Catharinenburg. An letzterem 
Orte glaubte ich mehrere Längslinien, Wiinperreihen (?) über dem Körper zu sehen. Die Anfüllung mit Indigo gelang schon 1830. 
Am 19. Nov. 1834 sah ich ihn im Ostseewasser bei Wismar und am 20. April 1835 mit Euplotes turritus in Berlin. Ausser Müx,- 
ier hat ihn vorher niemand beobachtet, und dieser sah die sehr durchsichtige Schaale nicht. Was er von der Begattung sagt, dazu ver- 
führte ihn seine Vergleichung mit den Lynceus -Kr eb sehen. Er sagt, beide Thierchen hingen mit den Hintertheilen zusammen, und 
giebt die Lage der Sexualtheile an, die er nicht gesehen haben kann. Er scheint also Queertheilung oder von vorn nach hinten ge- 
hende Längstheilung im Moment der Abschliessung beobachtet zu haben, was mir nicht gelang. Was er als Darm beschreibt, könnte 
die wirbelnde Wimperreihe am Munde gewesen seyn. Das Thierchen schwimmt meist mit dem Rücken nach unten, oder es kriecht 
verkehrt an der Oberfläche des Wassers. Am Munde sind feine Wimpern. Der Körper hat auf der freien Bauchflache hinten 5 — 6 
Griffel und vorn 5 — 8 Haken, wie Euplotes oder Stylonychia. Viele, bis 20, kleine Magenzellen füllen den mittleren Körper, 
worin in der Nähe des Mundes eine contractile Blase liegt. Den übrigen Raum füllen Eierchen. Auf Platinblcch oder Glimmer ist es 
spurlos verbrennlich. — Grösse bei Berlin V72 — Vts Linie, bei Wismar 1 U&" , bei Uralsk VW"? bei Catharinenburg V100 — 1/ 75 Linie 
beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. 1. 

Fig. 1 — 3. sind mit Indigo genährte Exemplare von Berlin. Fig. 4. und 5. sind von Wismar aus der Ostsee. Vergrösserung 300mal im Durchmes- 
ser. * die Sexualblase. 

49 7. Aspidisca denticulata, gezähneltes Scbildthierchen. Tafel xxxix. Fig. U. 

A. scuteilo suborbiculari, antico et postico fine rotundatis, sinistro latere truncato, denticulato. 

Aspidisque denticulee, a carapace presque orbiculaire, arrondie autc deuoc bouts, le cote gauc/ie 
tronque et denticule. 



Aufenthalt: 



Aspidisca denticulaia, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 231. 

Bei Berlin. 



Es fand sich am 16. Juni 1832 rasch bewegt und kletternd zwischen Wasserlinsen im Thiergarten bei Berlin und seitdem 
nicht wieder. Das Schildchen gleicht dem abnehmenden Vollmonde in den ersten Tagen. Der linke Seitenrand ist abgestutzt und ge- 
zahnt, der übrige Umfang gerundet, glatt. Am gezahnten Rande sind wirbelnde Wimpern, und am hintern Ende von deren Reihe, 
beim hintersten Randzahne, schien der Mund zu liegen. Nach innen sind 2 grosse helle Flecke, deren einer eine stete ovale Drüse, 
der andere eine contractile runde Sexualblase zu seyn schien. Der Rücken ist gewölbt, die Bauchseite flach, und an dieser sind beim 
Klettern Haken oder Griffel sichtbar, welche beim Ruhen und Schwimmen unsichtbar blieben. Die den scheinbaren Schnabel bedingende 



Körpcrfiirchc der vorigen Art fehlt. Die Afterstelle ist nicht beohachtet, mithin könnte die Form zu Euplotes gehören. — Grösse 
V48 Linie. (Vergl. Loasodes plicafus.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. IL 

Es sind 3 Stellungen eines Exemplares. Fig. i. Bauchseite, Fig. 2. rechte, Fig. 3. linke Seitenansicht; letztere beide Formen kletternd, t wahr- 
scheinliche Sexualdrüse, * contractile Blase. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 



ZWANZIGSTE FAMILIE: BUSENTHIERCHEN. 

Colpodea. Kolpodes. 

CHARACTER: Animalia polygastrica lorica destituta, enterodela, tubi eibarii orifieiis duobus, discretis, 
neutro terrainali (catotreta). 

CARACTERE: Animaux polygaslriques sans carapace, ayant deux orifices separes au canal 
alimentaire, aueun aux bouts du corps. 

Die Familie der Busenthierchen umfasst alle panzerlosen Magenthierchen, welche einen deut- 
lichen, durch 2 getrennte Mündungen bezeichneten, Ernährungscanal haben, bei denen aber keine dieser 
Mündungen an einem Körperende liegt. 

Eine Familie der Kolpodinees bildete Bory de St. Vincent 1824 in der Encyclopedie methodique 
iThist. nat. Art. Microscopiques mit den 4 Gattungen Triodonta, Kolpoda, Amiba und Paramaecium, 
und obwohl diese auf ganz andere Charactere gegründet war, so passen docli viele Formen auch in die je- 
tzige Familie. Diese wurde 1830 nach den Structurverhältnissen mit den 3 Gattungen Colpoda, Parame- 
cium und Amphileptus begründet, wozu 1831 noch die Gattungen Uroleptus und Ophryoglena gefügt 
worden sind. Diese 5 Gattungen mit 27 Arten, nämlich Paramecium und Amphileptus jede mit 8, Uro- 
leptus mit 5, und Colpoda sammt Ophryoglena jede mit 3 Arten, bilden auch hier die Familie. Wohl 
schon Leeuwenhoek beobachtete 1676 die ersten Formen der ihrer Verbreitung halber besonders merkwür- 
digen Gattungen Colpoda und Paramecium, welche Joblot 1718 deutlicher gezeichnet hat. Joblot un- 
terschied auch zuerst Formen der Gattung Amphileptus. Mehrere Urolepti {Piscis und Musculus) wur- 
den von Müller 1773 zuerst beobachtet und als Trichoda beschrieben. Sämmtliche Arten der Gattung 
Ophryoglena sind erst seit 1831 von mir beobachtet. — An Organisation ist in dieser Familie eine beson- 
ders reiche Ausbeute für die Beobachtung gewesen. — Bei allen 5 Gattungen sind Bewegungsorgane als 
Längsreihen von Wimpern ermittelt. Das beständige Wirbeln der Bewegungsorgane dient zugleich zum Her- 
anziehen der Nahrung an den Mund. — Als Ernährungsorgane sind sehr zahlreiche polygastrische Magen bei 
allen 5 Gattungen durch Farbenahrung ausser Zweifel gestellt. Auch sind 2 Mündungen eines Darmcanals 
direct ermittelt. Der Verdauungssaft ist überall farblos. — Als Sexualtheile sind bei sämmtlichen Gattungen 
Eikörnchen so beobachtet, dass der Eierstock den grösseren Körperraum erfüllt und von ihm alle übrigen 
Organe dicht umgeben und eingehüllt sind. Bei Colpoda ist das Auswerfen der Eierchen beobachtet. Aus- 
serdem sind männliche Sexualtheile in doppelter Form sichtbar geworden. Die seit 1831 von mir als männ- 
liche contractile Sexualblasen angesehenen, strahligen oder runden, veränderlichen hellen Stellen kannte schon 
Spallanzani, welcher sie 1776 (I. p. 214. Tab. II. Fig. XVIII.) für Respirationsorgane hielt. Bei den Vor- 
ticellen bildete sie Rösel schon 1755 ab. Die eigentlichen Sexualdrüsen erkannte ich zuerst bei Stentor 
und Chilodon, dann auch in dieser Familie. Beide Organe sind hier bei vielen Arten von 4 Gattungen er- 
mittelt, bei einer noch unerkannt. Die strahlige Form der Blasen findet sich bei 2 Gattungen, die runde 
bei den übrigen. Die Form der Drüsen ist rund, oval oder perlschnurförmig, und all diese Formen finden 
sich schon in der alleinigen Gattung Amphileptus. Vollkommene Selbsttheilung ist in der Familie häufig. 
Frühere Beobachter hielten sie für Begattung. Sie tritt sowohl als Queertheilung, als als Längstheilung 
nicht selten abwechselnd bei einem und demselben Individuum auf. Nirgends giebt es Thierstockbildung, 
auch sind keine Knospen beobachtet. — Die von Grüithüisen angegebene Blutbewegung in Paramecium 
Aurelia (Isis 1828. p. 506.) kann nur Darmbewegung gewesen seyn. Ich glaubte früher zuweilen ein feines 
Gefässnetz auf dem Körper derselben zu sehen, es mochten aber die inneren Eierschnüre seyn. — Das Em- 
pfindungssystem ist bei einer Gattung, Ophryoglena, durch Augenpunkte bezeichnet. — Sehr merkwürdig 

89 



346 



ist das von Müller zuerst beobachtete Häuten der Colpoda Cucullus (des Brachionus mucronatus und 
des Vibrio Anguilluld). Bei Anguillula fluviatilis sah ich es am 24. Juli 1830 ebenfalls selbst. 

Die geographische Verbreitung der Familie erstreckt sich über ganz Europa, das nordwestliche Asien, 
und ist im südwestlichen Asien Arabiens erkannt. Kolpoden leben auch in lichtlosen Tiefen der Bergwerke. 

Uebersicht der 5 Gattungen der Familie der Busenthierchen: 

/ | TMf . | am Rücken fehlend Colpoda 

j mit ausstülpbarer kurzer Zunge . . . j Wimpern j ..^.^ vor]mnden Paramecium 

\ i mit Rüssel und Scliwanz Allipllileptus 

Johne Zunge j mit Senwanz o]me Russe i Uroleptus 

Mit einem Augenpunkte . Opbryoglena 



Auoenlos 



HUNDERTZWANZIGSTE GATTUNG: BUSENTHIERCHEN. 

Colpoda. Eolpode. 

CHAR ACTER: Animal e Colpodeorum familia, ocello destitutum, lingua brevi, ventre ciliato, dorso nudo. 

CARACTERE: Animal de la famille des Kolpodes, sans oeil, pourvu eFune petite langue, le ven- 
ire garni de cils, le dos nu. 

Die Gattung der Busenthierchen ist in der gleichnamigen Familie durch Mangel an Augen, Be- 
sitz einer kleinen Zunge, bewimperte Bauchfläche und nackten Rücken bezeichnet. 

Müller gründete die Gattung 1773 mit 5 Arten und definirte sie als einfache durchsichtige flache 
mikroskopische Würmchen mit busenartig ausgebuchtetem Rande. Jetzt sind 101 Artnamen vorhanden, von 
denen nur 3 hier angewendet werden konnten. Joblot's Zeichnungen der Colpoda Cucullus sammt der 
eigenen Ansicht des Thierchens lagen offenbar Müllers Idee bei der Gattung hauptsächlich zum Grunde. Die 
erste, obwohl unklare, Kenntniss der Formen hatte wahrscheinlich schon Leeüwenhoek im Pfefferaufgus s. 
King 1693 und ein Anonymus in England von 1703 gaben unklare Abbildungen; erst Joblot theilte 
1718 unverkennbare Zeichnungen davon mit. Sie bevölkern häufig die vegetabilischen Aufgüsse in erstau- 
nenswerther Menge, sind aber im Freien nie häufig, obschon sie in allen Gewässern einzeln sehr ver- 
breitet erscheinen. Hill verzeichnete dergleichen 1751 als Paramecium secundum und tertium, und co- 
pirte die Zeichnungen von 1703. Ellis verband wohl solche Formen 1769 unter dem Namen Volvox Tor- 
quilla mit Chilodon. Nach Müller s Begründung der Gattung Kolpoda 1773 haben Spallanzani, Schrank, 
Gleichen, Göze, Herrmann, Abildgaard und Swaning neue Beobachtungen darüber mitgetheilt. Müller 
verzeichnete 1780 noch 3 neue Arten seiner Gattung und mit Herrmann 1784 noch eine 4te, aber 1786 
im Ganzen 14. Pallas und Linne nahmen keine dieser Formen in ihre Systeme auf. Gmelin verzeichnete 
1788 in Linnes Systema Natur, ed. XIII. Müllers 5 Arten Kolpoda von 1773. Bosc wiederholte 1801 
in Bcffon's Naturgesch. (ed. in duodec.) Müllers Arten von 1786. Schrank verzeichnete 1803 7 Arten 
aus eigener Beobachtung, worunter eine neue war. Lamarck, Oken und die späteren Systematiker haben 
Müllers Arten wiederholt. Bory de St. Vincent änderte 1824 viel, indem er 22 Arten seiner Gattung 
Kolpoda beschrieb, aber nur 4 von Müller darunter aufnahm, wovon nur 1 Art hier beibehalten werden 
konnte; dagegen hat er die wahre Hauptform als Amiha und Bursaria doppelt verzeichnet. Vibrionen 
von Müller und Figuren von Joblot haben seine Artenzahl hergegeben. Gleichzeitig (1823) 1825 hat Lo- 
sana in Turin 64 Arten mit neuen Namen beschrieben und sämmtlich, aber in rohen Umrissen und völlig 
unkenntlich, abgebildet. Seit 1830 ist versucht worden, die innere Organisation als Character der Gattung, 
und Colpoda Cucullus als Normalform festzustellen. — Die Organisation ist sehr mannigfach, aber voll- 
ständig nur bei einer Art, ermittelt. Wimpern auf der Bauchfläche vor und hinter dem Munde dienen als 
nicht zahlreiche Bewegungsorgane, daher ist die Bewegung ohne Lebhaftigkeit. — Die Ernährungsorgane 
sind ein, durch Mund und After bezeichneter, Darm mit vielen polygastrischen Blasen, welche bei 1 Art 
Farbe aufnahmen. Beide Mündungen des Darmes sind neben einander auf der ausgeschweiften Bauchfläche. 
Der Mund hat eine warzenartig hervorschiebbare Zunge oder Gaumenfläche. — Als Sexualorgane sind sehr 
feine netzartig verbundene weissliche Eierschnüre und deren Auswerfen durch die Afteröffnung bei Einer 
Art direct beobachtet. Bei 2 Arten ist eine helle contractile runde Blase, und bei der dritten Art sind de- 
ren 2, auch ist eine grosse runde oder ovale Drüse im mittleren Körperraume bei 2 Arten von mir erkannt. 



34? 



Queer- und Längstheilung ist von mehreren Beobachtern angegeben. Die starke Anfüllung des Körpers mit 
Eiermasse und Magenzellen hat bisher nicht erlaubt, noch andere Details zu erkennen, aber ein Häuten 
wurde von Müller bei C. Cucullus beobachtet und von mir bestätigt. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist in Holland, England, Frankreich, Dänemark, Preus- 
sen, Baiern, Elsass, Piemont, Russland, Sibirien, Italien und Nordafrika beobachtet. C. Cucullus und Cu- 
cullio leben auch in lichtlosen Tiefen der Bergwerke des Altai. 

498. Colpoda Cucullus, feappenartiges Busenthierclieii. Tafel xxxix. Fig. V. 

C. corpore turgido levins compresso, reniformi, antica parte saepe tenuiore. 

Kolpode Capuce, h corps goufle, leger ement comprime, en forme de rognou, sonvent arninci au 
bout anterieur. 

Oval Animals (creatures) in Pepper-ivater , Leeuwenhoek? Philosoph. Transact. 1677. Nr. 133. Vol. XI. p. 824. p. 831. 13. Juni 1675? 
7 — 8 sorts of Animalcula in Rainwater with Oals, Ed. King, Philos. Transact. Vol. XVII. 1693. p. 861. Fig. 1. 
Odhj made Animalcula, Anonymus? Philosoph. Transact. XXIII. 1703. Nr. 284. p. 1371. Fig. N. (siehe Chilodon.) 

ltognons argentez, Corncmuse, pctites Huitres, gros Poissons , Cucurbile doree, Joblot, Observat. fait. avec le microsc. 1718. p. 17. PI. 3. 

Fig. F. p. 26. PI. 4. Fig. p. q. p. 32. PI. 5. Fig. 6. p. 37. PI. 5. Fig. S. PI. 6. Fig. 4. p. 65. PI. 8. Fig. A. B. C. 
Animalcule shape of an Emmets Egg, Baker, the Microsc. made easy, 1742. ed. V. p. 76. 
Paramecium secundum, Hill, Natural history of Animals, 1751. Figur copirt von 1703. 
Volvox Torquilla, Eilis? Philosoph. Transact. LIX. p. 149. Fig. 2. 1769. 
Kolpoda Cucullus, Müller, II nette -lugteren , Venn. fluv. bist. 1773. p. 58. 

Inßsorj del riso con un acuto beccuccio, Spallanzani? Opuscoli di Fisica anim. I. p. 187. Jav. II. Fig. XVI. M. 1776. Chilodon? 
Grosse Infusionsthierchen im Aufguss des Brandstaubes, Schrank? Beiträge zur Naturgesch. 1776. p. 17. Taf. I. Fig. 21. 
Göze, Beschäftig, d. Berlin, naturf. Gesellsch. III. p. 376. Taf. 8. Fig. 1 — 6. 1777. 

PandcloquentHerchen , Gleichen, Infusionsthierchen, p. 131. Taf. XV. Fig. E. IT. III. Fig. 6. Taf. XVTII. Fig. B. III. Taf. XX. Fig. 

C. III. Taf. XXI. Fig. B. C. D. E. F. III. Taf. XXVII. Fig. 3. 1778. 
Haetlebngteren , Müller, Nye Saml. af Dansk. Vidensk. Saelsk. Skr. III. p. 6, 24. Tab. I. Fig. 1. c, 2. Tab. IL Fig. 1. d, 2. c, 3. c. 

Kolpoda Hippocrepis, » Herrmann et MÜLLER> Naturforscher, XX. p. 169. Taf. III. Fig. 27. c. 60. 1784. 
Cyclidium , ( 

Kolpoda Cucullus, Müller, Animalc. Infus. 1786. p. 102. Tab. XIV. Fig. 7—14. 

Kolpoda Cucullus, Abildgaard, Skrivter af naturh. Selskab. Bind III. H. 1. p. 77 , 82. 1793. 

Infusie Bierties, Swaning, Natnrkund. Verhandel. van de Maatsch. te Haarlem. Deel. 1. St. I. p. 49. Taf. XVII. Fig. III. VI. 1798. 
Colpoda Cucullus, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 72. 1803. 

Grosse Pendeloque, Gruithuisen, Beiträge z. Physiognosie und Eantognosie, p. 318. Taf. II. Fig. 34. 1812. 
Kolpode Coucou, Lamarck, Hist. nat. des an. sans vert. T. p. 430. 1815. 
Bursaria Cuculus, Bory de St. Vincent, Dict. class. d 1 h ist. nat. 1822. 

Arndt» ajdonea et Bursaria Cuculus, Bort de St. Vincent, Encyclopedie meth. Vers. 1824. 

Kolpoda, Losana, Memorie di Torino, 1825. (gelesen 1823.) Vol. XXIX. p. 189. seo. (Vergi. Proteus.) 

Colpoda Cucullus, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae; Evertebrata I. Phytozoa. Tab. II. 3. Fig. 3. 1828. Text 183t. 
Kolpoda Cucullus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 16. 1830. p. 53, 56, 63, 77. Taf. III. 1831. p. 113. 

1835. p. 164. 

Kolpoda, Purkinje, Kastner's Archiv f. Physik, III. p. 88. 1831. 
Colpoda Cucullus, Gravenhorst, Nova Acta Nat. Cur. XVI. p. 865. 1832. 

Aufenthalt: In Delft? und Haarlem!, bei London!, in Modena, in Paris!, Strassburg?, Turin!, in Copenhagen ! , auf dem Grei- 
fenstein!, in München, bei Linz? und Landsliut!, bei Berlin!, Quedlinburg? und Breslau?, in Petersburg! und Uralsk!, im Berg- 
werke von Smei'nogorsk ! und in Tobolsk! Sibiriens, auch in Tor am Sinai Arabiens! beobachtet. 

Diese Thierchen gehören zu den gemeinsten in allen Aufgüssen von PflanzenstolTen und damit stimmt auch sehr wohl ihre über- 
aus grosse geographische Verbreitung überein. Es mögen also die Formen dieser Art in allen Brunnen und Bächen mehr oder weniger 
zahlreich vorhanden seyn, stündlich eingeschöpft und mitgetrunken werden. Dessenungeachtet linden sie sich keineswegs immer und in 
allen Infusionen. Bis zum Jahre 1831 fand ich sie überaus häufig in denselben in Berlin, seitdem ist es mir nur 2mal gelungen, sie 
zahlreich zu erhalten. Es mag an meiner Lokal Veränderung liegen. Leeuwenhoek sah sie wohl im Pfeffer-, King im Haberaufguss, 
Joblot fand sie in Kornähren-, Fenchel-, Kornblumen-, Sennesblätter-, Nelken -Infusion und im Austerwasser. Letzteres war vielleicht 
Paramecium compressum. Er nennt sie Dutelsäck.e, Silbernieren, Gold-Kürbisse, grosse Fischchen und kleine 
Austern. Wahrscheinlich sah er zuerst Längen -Selbsttheilung. Hill copirtc 1751 nur die früheren Beobachtungen des ano- 
nymen Engländers von 1703. Ellis in London nannte es wahrscheinlich mit Chilodon Cucullulun: Volvocc Torquilla, und beob- 
achtete vielleicht zuerst queere Selbsttheilung. Müller fand es in Copenhagen in alten Heu - Aufgüssen , verglich irrig die Magenbla- 
sen mit den inneren Kugeln bei Volvox Globator, die er für Junge hielt, und sprach 1786 (gegen Göze) die, von den Späteren 
leider als Auctorität benutzte, Meinung aus, dass kein guter Beobachter ein wirkliches Verschlingen von Thieren bei Infusorien gese- 
hen habe. Das Platzen beim Verdunsten des Wassers hielt er für Auswerfen der Brut, und er glaubte ein Häuten beobachtet zu haben. 
Dass man zuweilen 2 optische Bilder (umbram unius, p. 81.) sieht, wusste er selbst. Spallanzani kann auch leicht Chilodon 
und Kolpoda mit seinen eierlegenden Schnäbelt liieren gemeint haben. Schrank sah es in Aufgüssen von Brandstaub der Pflan- 
zen 1776 in Linz, und in stinkenden Heu-Aufgüssen 1803 in Landshut, scheint aber besonders Paramecium Colpoda damit ver- 
wechselt zu haben. Göze sah in Quedlinburg 1776 dergleichen Formen von einer Bursaria oder Stylomjchia? gefressen werden, was 
Müller nicht anerkannte. Herrmann's Figuren aus Strassburg sind unklar. Sehr deutliche, ja die besten Abbildungen vor Mül- 
ler gab Gleichen zahlreich von seinem Schlosse Greifenstein als Pandeloquenthierchen. Er fand sie in Aufgüssen von Korn, 
Gerste, Erbsen und besonders von Hanfsamen, und hielt sie für die Alten aller kleineren Infusorien, sah auch vielleicht das Eierlegen 
oder Auswerfen schon, nur unklar, und hat die contractile Blase als hellen Fleck richtig angegeben. Abilugaard fand sie wieder in 
Heu -Aufgüssen, stehendem Wasser, in Aufgüssen von bornholmer Kreide, sächsischer Walkerde und isländischer Lava, auch wenn er 
Mercurius sublimatus beimischte. Swaning gab oberflächliche Beobachtungen und Abbildungen aus Haarlem. Gruithuisen beob- 
achtete die Queertheilung wieder und gab die bisherige beste Abbildung. Lamarck nannte sie fälschlich Kukuksthiere, weil Mül- 
ler irrig Leeuwenhoek's Vergleichung mit Kukukseiern citirt hatte. Bory folgte Lamarck und beobachtete sie, wie er sagt, in 
Paris selbst. Losana scheint sie in Turin auch gesehen zu haben, hat aber viele ganz unbrauchbare Namen und Abbildungen gege- 
ben. Im Jahre 1823 fand ich sie auf der Reise mit Dr. Hemprich in Tor am Sinai in 3tägigem Pfefleraufguss, und 1829, auf der 
Reise mit Herrn von Humboldt in Sibirien, erwachsen deutlich in Tobolsk, als jüngere Form in 56 Saschenen (Lachter) Teufe des 



348 



Beiwerks von Smei'nogorsk am Altai (s. 1830) und in Petersburg. Im Jahre 1830 tlieilte icli sehr umständliche Beobachtungen und 
Abbildungen dieser Art in den Abhandl. d. Beil. Akad. der Wissensch, mit und machte darauf aufmerksam, dass nur allein diese Form 
der Infusorien als eine in den verschiedensten Erdgegenden vorgekommene nahmhaft zu machen sey. Purkinje sah 1830 in Breslau 
ein Luftbläschen bei einer Colpoda allmälig verschwinden und schloss daraus auf Athmen derselben, was jedoch allzu unsicher war. 
Gravenhorst hat neuerlich 1832, ohne Rücksicht auf die neueren Kenntnisse der Formen, diess Thierchen in Breslauer Infusionen 
auch beschrieben. Seit 1830 — 35 ist von mir die hier bezeichnete Organisation angezeigt, welche bei den Gattungscharacteren aufgezählt 
ist. Der Mund ist durch eine kleine Heischige Zunge geschlossen, wie es deutlicher bei Paramecium Aurelia sichtbar ist. Beson- 
ders merkwürdig ist das Verändern der Gestalt nach dein Eierlegen durch Zusammenfallen und Faltung des Körpers. Sehr junge For- 
men sind von Trichoda und Monaden schwer zu unterscheiden (vergl. Monas Colpoda). — Grösse in Berlin V144 — V24 Linie, in 
Petersburg y Mi — %'", in Uralsk — W, in Tobolsk V100 — in Smei'nogorsk — % b "', in Tor — 1 / 3i Linie beobachtet. 

Eierchen 7,000 Linie. Treviranus Thierchen aus Bremen (Biologie II. p. 322. 1803.) konnte wohl auch diese Art seyn. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. M. 

Es sind alle Figuren nach 300maliger Linearvergrösseruug gezeichnet. Sie stellen den ganzen Entwickelungs-Cyclus des Thierchens dar und zei- 
gen die Wirkung von farbiger Nahrung mit Carmin und Indigo, wie sie 1830 von mir zuerst vorgelegt wurde. Erst nachdem die Tafel gestochen war, 
entdeckte ich auch in allen Individuen die runde Samendrüse. Ich habe daher dieselbe in die meisten Figuren nachträglich einzutragen für gut gehalten, 
was ich hier bemerke. Gelb, golden, erscheinen sie bei durchgehendem Lichte, wenn sie viel weisse Eierchen, silbern, farblos, wenn sie wenig haben. 
Fig. 1—5., 7—8. und 10. sind grössere kleinere Normalformen von der Seite, letztere Excremente auswerfend; Fig. 6. vom Rücken; Fig. 9. von 
der Bauchfläche; Fig. 11. ist Fig. 7., im Eierlegen begriffen, mit den netzförmigen Eischnüren; Fig. 12. dasselbe nach dem Eierlegen (munter 
bewegt); Fig. 13—17. ähnliche Formen nach wiederholtem beobachteten Eierlegen, die man sonst für andere Thiergattungen halten würde und 
welche zeigen, wie untergeordnet die Form dem Character der Thiere ist; Fig. 18. ein fast ovales Thierchen; Fig. 19. eine Gruppe junger Thier- 
chen, welche an Tric/ioda pyriformis erinnert. 0 Mund, m After, * contractile Blase, t männliche Drüse. 

499. Colpoda? Heu, nierenf «inniges Busenthierclieii. Tafel xxxix. Fig. in. 

C. corpore ovato - cylindrico , reniformi, utrinque rotundato. 

Kolpode? Rognon, a corps ovale - cylindrique en forme de rognon, arrondi au& deiias boufs. 

Eolpoda Ren, Müller, Nyrebugleren , Verm. fluv. liist. p. 57. 1773. Animalc. Infus. 1786. p. 107. Tab. XV. Fig. 20 — 22. exclns. 

Synon. — Bory, Dict. class. 1826. 
Kolpoda Ren, Abhandl. d. Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 53, 63. 1831. p. 113. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: In Copenhagen und Petersburg beobachtet. 

Müller fand sein Thierchen in frischem Heuaufguss nur einmal, wie es scheint. Sein Citat von Joblot gehört aber zur 
vorigen Art, und das von Gleichen war wohl eine Enchelys. Seine Zeichnung der ovalen Drüse hat mich bestimmt, mein Thier- 
chen mit seinem Namen zu nennen. Er sah auch Queertheilung, könnte aber Paramecium Aurelia in der Queertheilung vor sich 
gehabt haben. Ich beobachtete 2 runde contractile Blasen, und diesen Character halte ich am festesten sammt der ovalen grossen Drüse. 
Wimpern sah ich gar nicht, auch die Zunge nicht, und es fehlt daher einige Sicherheit für diese Gattung, für welehe die Form 
spricht. Ich fand es im Newa -Wasser zu Petersburg auf der Reise mit Herrn v. Humboldt 1829 im Winter. — Grösse V24 Li- 
nie. (Vergl. Paramecium Colpoda.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. III. 
Es sind 2 in Petersburg gezeichnete Figuren nach 390maliger Linearvergrösserung. t die männliche Drüse, * die Samenblasen. 

« 

50©. Colpoda? Cucullio, elliptisches Busenthierchen. Tafel xxxix. Fig. IV. 

C. corpore compresso, piano, elliptico, sub fine antico parumper sinuato. 

Kolpode? elliptique, a corps comprime, plat, elliptique, legerement echancre pres du bout anterieur. 

Kyse-Bugter, Müller? Nye Saml. of Dansk. Vidensk. Saelsk. Skrift. III. p. 15. 1780.? 

Kolpoda Cucullio, Müller? Animalc. Infus, p. 106. Tab. XV. Fig. 12 — 19. 1786. Abildgaard, I. c. p. 79. 1793. Schrank, 1803. 
Bursaria hirudinoides et Cuculio, Bort de St. Vincekt, Encycloped. meth. 1824. 

Loxodes Cucullio, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 53, 56, 58, 63. 1831. p. 109. 

Aufenthalt: Im Bergwerke zu Smei'nogorsk am Altai, bei Copenhagen und Landshut. 

Ich beobachtete diese Form 1829 auf der Reise mit Herrn von Humboldt im August im Schleime, den ich von der Zim- 
merung des Bergwerks bei 56 Lachter Teufe in absichtlich durch starkes Erhitzen von aller Feuchtigkeit vorher befreiten Gläschen 
mit mir genommen hatte. Müllers Art ist wohl ein Gemisch von mehreren, von C. Cucullus und auch von Chilodon Cucullulus, 
und einem Trachelius oder Loxodes. Er fand sie in Birnenaufgüssen und mit Wasserlinsen. — Eine sich auszeichnende kleine helle 
Blase am hintern Ende mag die contractile Sexualblase gewesen seyn. Ueberdiess waren Spuren von Magenzellen und Eierchen vor- 
handen. Es krümmte sich beim Kriechen wie Egel. Die Stellung in der Gattung ist nicht sicher, weil ich bei der Eile der Reise 
keine Wimpern und die Zunge nicht erkannte. — Grösse — l h$ Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. IV. 

Es sind 3 in Sibirien gezeichnete Figuren eines Exemplares, 390mal vergrössert. Fig. 1. von der Seite; Fig. 2. vom Rücken; Fig. 3. kletternd. 



Nachtrag zur Gattung Colpoda. 

Von den 102 Artnamen dieser Gattung sind 99 hier zurückgewiesen. Von diesen würden Losana s 64 Namen, als auf 
ganz unklare Beobachtungen gegründet, nur zum Schaden für die Wissenschaft gedeutet werden. Die übrigen 35 erlauben folgende 



340 



Feststellung ihrer Homonyme: 1) C. Anas Bort (1824) = Amphileptus Anas; 2) C. assimilis Müller (1786) = Amphi- 
leptus Meleagris; 3) C. biballata Bort (1824) == Trachelius {Falcc)? , Amphileptus Fasciola? ; 4) C. Cosmopolita Bort 
(1824) = Leucophrys turbinata? ; 5) C. crenulata Bort (1824) = Amphileptus Meleagris; 6) C. Cuctdiutus Müller 
(1786) = Chilodon C; 7) C. Cuneus Müller (1786) == Nov. Gen.? , Loxodis pars?; 8) C. dilatata Bort (1824) = Leuc- 
ophrys Spaf/mla; 9) C. fasciolaris Bort (1824) = Amphileptus Fasciola; 10) C. Gallinula Müller (1786) = Loscodes 
(Cr.)?; 11) C. Hippocrepis Herrmann (1784) = C. Cuctdlus; 12) C. hirudinoides Bort (1824), hirudinacea (1826) = 
Amphileptus Meleagris; 13) C. Joblotii Bort (1824) = Trachelius Anas; 14) C. lacrimiformis Bort (1824) = Amphi- 
leptus Fasciola; 15) C. Lamella Müller (1773) = Trachelius L.; 16) C. limacina Bort (1824) = Amphileptus (Cyg- 
mts); 17) C. Linter Bort (1824) = Trachelius (L.); 18) C. Luna Schrank (1796) = Cocconema Cistula? ; 19) C. Me- 
leagris Müller (1773) = Amphileptus M.; 20) C. mucronala Müller (1786) = Loxodes? ; 21) C. Nucleus M. (1779?) 
= Trichoda?, Enchelys?; 22) C. ochrea Müller (1786) = Amphileptus longicollis? ; 23) C. oviferaBonx (1824) == Bur- 
saria?; 24) C. Pirum Müller (1780?) = Trichoda F.; 25) C. planeriformis Bort (1824) = Trachelius intermedius ; 
26) C. platyura (Symbolae phys. 1828.) = Trachelius Lamella; 27) C. Rastellum Müller (1786. p. 109.) == Euplotes? , 
Fragmentum Keronae? ; 28) C. Rostrum Müller (1773) = Lo&odes R.; 29) C. Solea Bort (1824) = Colp. Cucullus ; 
30) C. striata Müller (1786) = Trichoda?; 31) C. triangulata Bort (1824) = Loxodes? ; 32) C. tric/uetra Müller 
(1786) = Colpoda? ; 33) C. truncata Bort (1824) = Trachelius {Utrictdus); 34) C, versuta Bort (1824) == Bursaria 
{versutci) ; 35) C. Zigaena (Zygaena) Bort (1824) = Amphileptus Meleagris. — Yiele Cyclidia Losana's sind Colpoda 
Cucullus (s. Isis 1832. p. 770. Tab. XV.). 

Die aus Müller's Kolpoda Cuneus allein gebildete Gattung Triodonta Jcolpodina von Bort 1824 ist nur einmal bei 
Copenbagen im Snnipfwasser beobachtet und kann leicht ein blosser Theil eines Amphileptus oder Loocodes dergl. gewesen seyn, 
müsste auch Tr. Cuneus genannt werden. Ebenso ist von Bort aus Müller's Kolpoda Rastellum , welche Fabricixjs Iierona 
R. nannte, 1824 eine besondere Gattung Tribulina Rast, gebildet worden; die Form scheint aber auch nur ein Fragment einer Kc- 
rona, Stylonychia oder ein Euplotes gewesen zu seyn. — Bursarien unterscheiden sich durch hintere, nicht untere, Afterstelle. 

Die Infusiousthiermütter von Göze (in Bonnet's u. a. Auserlesenen Abhandlungen, 1774.), welche Müller zu Kolpoda 
Nucleus zog, waren vielleicht Enchelys Pupa oder Leucophrys palula, und was er für die Jungen hielt, waren ohne Zweifel die 
beim Zerfliessen frei werdenden Magen. Uebrigens mag er wohl damals Junge aus Eiern in Monadenform bei den Alten gesehen haben. 
Dieselbe Form waren auch wohl Leeuwenhoek's Kukuks-Eier 1675 (Philosoph. Transact. 1677. XI. p. 829.). Dieser sah 
auch schon ihr Platzen. 



HÜNDERTEINÜNDZWANZIGSTE GATTUNG: LÄNGETHIERCHEN. 

Paramecium. Paramece. 

CHAR ACTER: Animal e Colpodeorum familia, undique ciliatum, ocello nullo, lingua (papilliformi) in- 
structuin. 

CARACTERE: Animal de la famille des Kolpodes, eilte de lous cötes, sans oeil, mais pourvu 
dune petite langue. 

Die Gattung der Längetkierchen zeichnet sich in der Familie der Busenthierchen durch überall 
bewimperten Körper, Mangel eines Augenpunktes und Besitz einer (warzenartigen) Zunge aus. 

Den Namen der Gattung bildete Hill in England 1751 mit 4 Arten ohne besondere Namen, und 
es scheint, dass die von ihm gemeinte Normalform noch jetzt denselben Rang hat. Müller gab 1773 der 
Gattung nur 2 Arten, aber 1776 eine dritte. Drei neue Arten bildete Herrmann 1783 und 1784, und 
1786 verzeichnete Müller 5 Arten. Gmelin nahm 1788 Herrmann's Arten auf. Schrank vermehrte 1803 
diese Zahl um 6 Arten, v. Chamisso 1820 um 1 Art. Lamarck verzeichnete 1815 nur Müllers Arten. 
Bory de St. Vincent gab 1824 7 neue Namen nach schon bekannten Formen und nahm 12 Arten, aber 
nur 2 von Müller, in der Gattung auf. Losana bildete 1829 27 neue Namen, die nicht brauchbar sind. 
Seit 1828 habe ich 6 Artnamen hinzugefügt, und 1833 hat diese Zahlen Gravenhorst durch einen ver- 
mehrt. Im Ganzen sind 56 Artnamen gegeben worden. Nach der seit 1830 versuchten physiologischen 
Characteristik der Gattung sind davon nur 8 vereinbar geblieben. Die erste Kenntniss solcher Thierchen 
hatten schon Leeuwenhoek 1676 und Joblot 1718, und alle Beobachter von Aufgüssen haben dergleichen 
beschrieben und abgebildet, aber Linne und Pallas sahen sie noch nicht für Thiere an. Sie vermehren 
sich überall, wo sich im stehenden Wasser Pflanzentheile zersetzen, durch Theilung und Eier zu so zahl- 
losen Mengen, dass sie die Idee begründen halfen, als könnten sie plötzlich aus den UrstofFen entstehen. 
Seit 1831 ist aber nachgewiesen, dass ihre 3fache Selbsttheilung in 24 Stunden schon hinreicht, um aus 1 
Thierchen in 7 Tagen eine Million zu bilden, was die Notwendigkeit jener Idee sehr beschränkt (s. den 
Anhang). Eine Art lebt im Darmcanale der Regen würm er und in Schnecken. — Die Organisation ist 
reichlich ermittelt und wenn auch erst neuerlich klar geworden, doch schon frühzeitig in vielen Details er- 
kannt. — Viele Längsreihen von Wimpern, die zuweilen am Munde länger sind, dienen bei allen Arten, 

88 



350 



zwei unsichere ausgenommen, allein der Bewegung. Besonders merkwürdig sind die langen Mundwimpern 
des P Chrymlis. — Als Ernährungsorgane sind sehr zahlreiche, bis mehr als 100, beerenartig an einen 
(gekrümmten) Canal gereihte, Magenzellen bei 5 Arten durch Farbestoffe, und bei einer 6ten durch natür- 
liche grüne Nahrung direct ermittelt. Der Mund und die Zunge sind bei 5 Arten, und die Afterstelle bei 

4 Arten direct erkannt. — Als Sexualorgane Hess sich eine dicht im Körper vertheilte körnige Masse als 
Eier bei 2 Arten direct erkennen, und bei 7 Arten von den 8 sind den männlichen vergleichbare Organe, bei 

5 Arten sowohl 1—2 Drüsen als 2—4 contractile Blasen, bei 2 Arten letztere allein aufgefunden. Ganz 
besonders auffallend und physiologisch interessant sind die schon Spallanzani bekannt gewordenen sternar- 
tigen Formen dieser Blasen bei den grösseren Arten. Bei 4 Arten ist vollkommene Queer- und Längsthei- 
lung abwechselnd beobachtet. — Circulations - und Respirations- Organe sind so wenig als Empfindungsorgane 
bisher direct erkannt worden. Besonders merkwürdig sind vielleicht noch kleine cry stallartige, periodisch 
vorhandene, schwarze Körperchen im vordem Körper bei P. Aurelia. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist durch ganz Europa bis in das sibirische und arabi- 
sche Asien und bis in das tropische Nordafrika auch im Seewasser beobachtet. 

501. Paramecium Aurelia, Pantofleltliierclieii. Tafel xxxix. Fig. VI. 

P. corpore cylindrico, subclavato, antica parte paullo tcnuiore, plica longitudinali obliqua in os multum rccedcns 
exeunte, utrinque obtuso. 

Parum ece Atirelie, a corps cylindrique , leger ement aminci au bout anterieur en forme de masstte 
obtuse auas deux botet», ayant un pli longitudinal oblique, aboutiasänt a la bouche tres-reculee. 

Liltle animals longer than an oval, 13. Juni 1675, Leeüwenhoek? Philosoph. Transact. XI. Nr. 133. 1677. p. 825. 
Animalcula in Pepper Water, Anonymus? Philosoph. Transact. Nr. 284. p. 1368. 1703. Fig. F. Slylonychia Mytilus, zum Theil. 
Chaussm, Joblot, Observat. fait. avec le Microscope, p. 79. Tab. 10. Fig. 23. 1718. 

Animalcules in Pej)per Water first sort, Baker, The Microscope made easy, 1742. ed. 5. 1769. p. 72. PI. VII. Fig. 1. Copie von 1703. 

Paramecium species 3. et 1.?, Hin, History of Animals, 1751. III. p. 4. Tab. 1. Fig. 3. et 1.? Ersteres Copie von 1703. 

Würmer in Heuwasser, Ledermüller, Microsc. Gem'üths- und Augenergötz. p. 88. Taf. 48. Fig. 1. 1760. 

Animalculum pismforme, Wrisberg, Observat. de animalc. Infus, satura, Fig. 7. a. E. 1765. 

Vohox Terebella, Ellis, Philosoph. Transact. 1769. p. 138. Fig. 5. 

Paramaecium Aurelia, Puppe - Aflangcren , Müller, Vermium fluv. hist. p. 54. 1773. 

Pantoffelartige Thiere in Heuinfusionen , Göze, in auserles. Abhandl. aus der Insectol. p. 427. 1774. 

Karkassenpolyp , Pelisson? Beschäftig, d. Berl. naturf. Gesellsch. B. 1. p. 332. 1775. 

Animali elittid massimi a due stelluzze, Spallanzani, Opuscoli di Fisica anim. I. p. 214. Tav. II. Fig. XVIII. 1776. 
Pandeloquenthierchen, Gleichen, Microscop. Entdeck. 1777. p. 48. Taf. XXII. Fig. 7. g. 

Pantoffel- und Pandeloquenthierclien , Gleichen, I n fu sions thierchen , p. 128, 139, 152. Taf. XVII. E. II. b. XIX. E. I. a. XXIII. b. Fig. 

a. b. g. h. 1. 2. 3. XXIX. Fig. 1. 2. 1778. 
Paramecium Aurelia, Herrmann, Naturforscher, XX. p. 157, 159. Fig. 41. a. 37. c. 1784. 
Paramaecium Aurelia, Müller, Animalc. Infus, p. 86. Tab. XII. Fig. 1 — 14. 1786. 
Paramaecium Aurelia, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 65. 1803. 
Paramaecium, Treviranus, Biologie, II. p. 325. 1803. 

Grosse Pcrideloquen , Gruithuisen, Beiträge z. Physiogn. u. Eautognos. 1812. p. 312. Taf. II. Fig. 23. Isis, 1828. p. 506. 
Paramaecium Aurelia , 1824. J 

Pcritricha Pleuronectes , 1824. I Bort de St. Vincent, Encyclopedie method. 1824. Essay d'une Classificat. des microscop. 
Bnrsaria Calceolus, 1826. I 1826. Dict. class. Explicat. des Planches, 1831. 

Polytricha Pleuronectes, 1831. ] 

Paramaecium plures spec., Losana, Memorie di Torino, Vol. XXXIII. 1829. p. 1 — 48. Taf. II. Isis, 1832. p. 772. Tab. XV. 
Paramaecium Aurelia, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 25, 43, 54, 56, 64. 1831. p. 9, 11, 114. 1833. 

p. 172, 176, 179 , 323. Taf. III. Fig. 1. 1835. p. 145, 164. Taf. I. Fig. X. 
Paramaecium Aurelia, in Poggendorff's Annalen d. Physik, 1832. Taf. I. Fig. 5. 
Paramaecium Chrysalis, Rud. Wagner, Isis, 1832. p. 389. 

Paramecium Aurelia et pisciforme, Gravenhorst, Nova Acta Nat. Curios. XVI. p. 860. 1833. unklar. 

Auf enthalt: In Europa in Delft?, London!, Paris!, Copenhagen ! , Modena!, Göttingen?, Nürnberg?, Quedlinburg!, Berlin!, 
Strassburg?, Landshut?, München, Turin!, Bremen?, Wismar!, Petersburg, Erlangen!, Königsberg und Breslau, in Asien in 
Syrjanowskoi ! beobachtet. 

Das Pantoffelthierchen findet sich ganz besonders häufig in den vegetabilischen Aufgüssen und ist wohl von allen Beobachtern 
derselben angezeigt worden. Viele hielten es freilich für die Alten der kleinen Infusorien, und auch noch 1812 war Gruithuisen 
der Meinung, dass an keine Artbestimmung zu denken sey (p. 319.). Leeüwenhoek sah sie wohl in Delft in gestandenem Regen- 
wasser, der Anonymus bei London in Pfefferaufguss, Joblot zuerst sicher im Aufguss von Eichenrinde zu Paris, Ledermüller 
in Heuaufguss in Nürnberg, Wrisberg undeutlich im Aufguss von Apium palustre in Göttingen, Ellis sah sie in London zuerst 
in Queertheilung. Müller sah sie in vegetabilischen Aufgüssen und zwischen Meerlinsen im Freien bei Copenhagen zuerst in Längen- 
theilung. Göze sah sie in Quedlinburg in Heuinfusionen, Pelisson fand sie wohl in Berlin, Spallanzani sah sie deutlich in Mo- 
dena und beobachtete die sternartigen Sexualblasen zuerst, welche er für Athmungsorgane hielt. Gleichen fand sie 1777 im Aufguss 
von Brandstaub und sah sie Carmin aufnehmen, stellte sich aber ein Durchdringen der Masse davon vor, wie Krapp die Knochen färbe, 
hielt die roth gefüllten Magen zweifelhaft für Eier oder lebendige Junge, und war nicht geneigt, den rothen Abgang für Excremente 
zu halten. Derselbe hielt 1778 die contractile Sexualblase für ein Herz, sah aber die Strahlen nicht (p. 152.). Er scheint die wah- 
ren Eierchen als schwarze Pünktchen (p. 152.) auch schon gesehen zu haben. Den wahren Act des Gebährens beobachtete er nach 
p. 142., blieb aber über sein Wesen im Zweifel, und hielt P. compressum des Regenwurms für dasselbe. Herrmann's Beob- 
achtungen aus Strassburg sind unklar. Müller hielt 1786 die Längstheilung für wahre Begattung, beschrieb die Queertheilung sehr 
genau und sah auch die Zunge des Mundes schon, welche er für einen Sexualtheil (yulvam Cucullani referens) hielt. Auf Glei- 
chen^ Beobachtung des Fressens gab er nichts und er erwähnt sie nicht, sprach sich aber bei Kolpoda Cucullu» stark dagegen aus 
(p. 103. auch Praefatio p. XII.). Die wahren Eierchen sah er als schwarze Erdtheilchen zwischen den (Magen-) Blasen, wenn es 
nicht die kleinen Crystalle waren. Er sah die Längstheilung (einmal) in 12 Stunden nocli nicht beendet, ein andermal in 2 Stunden 



351 



unverändert, daher schloss er auf Begattung. Er fand sie 1776, 1777, 1780 im Juni, November und December mit Lemna, 1781 
den ganzen Winter durch und in den meisten Aufgüssen. Ueberdiess bielt er mit Gleichen das Paramecium des Regenwurms 
(P. compressum) für diese Art. Schrank beobachtete ersteres bei Landshut in allen faulen Pllanzenaufgüssen. Treviranüs sah 
es unklar im Aufguss von Wasserlilien in Bremen. Gruithüisen gab 1812 Abbildungen der Quecrtheilung aus München, hielt die 
Bursarien des Froschdarmes auch für diese Art und behauptete 1828 eine Saftcirculation gesehen zu haben, die aber nur Darmbe- 
wegung gewesen seyn kann. Bory theilte 1824 Müller s behaarte Formen als Peritricha, auch Polytricha Pleuronectes , von 
den glatten ab, obschon dieser Character nur in der Zeichnung liegt, und bildete aus Joblot's Figur eine besondere Art der Gattung 
Bursaria. Die ganz glatte Form behauptet er zwischen Conferven zahlreich, die behaarte nicht gesehen zu haben. Von Losana's 
unkenntlichen Abbildungen mögen sich einige auf diese Art von Turin beziehen, v. Baer erkannte 1826 in Königsberg die wahre Mund- 
stelle (N. Acta Nat. Curios. XIII. p. 639.), gab sie aber p. 756. selbst wieder auf. Die hier zum Grunde liegenden, von den 
früheren ganz abweichenden, Ansichten der Organisation habe ich seit 1830 in den Abhandl. d. Berl. Akad. entwickelt. Der Mund, 
die Zunge oder Rüssel, die vielen (über 100), durch Farbeaufnahme ausser Zweifel gestellten, Magenblasen sammt der Afterstelle und 
den Wimperreihen wurden schon 1830 angezeigt und 1831 abgebildet. Der Darmcanal ist sehr schwer zu erkennen, weil er nicht die 
Speise behält, sondern nur wie ein Schlund schnell zu den Magen führt, welche die Ruhepunkte sind. Die Krümmung sah ich zu ver- 
schiedenen Zeiten verschieden. Im Jahre 1831 wurden in den Schriften der Akademie umständliche Beobachtungen über die Vermeh- 
rung durch Selbsttheilung mitgetheilt, aus denen sich eine direet beobachtete lOtägige Lebensdauer und die beobachtete Verachtfachung 
eines Einzelthierchens in 24 Stunden durch blosse Selbsttheilung ergab, was eine mögliche Vermehrung jedes Einzeltlüerchens in 4 Ta- 
gen zu 4096, und in nicht völlig 7 Tagen zu einer Million zeigt. Die Theilung schliesst sich zuweilen in 2 Stunden ab, verzögert 
sich aber oft auf viele Stunden. Die sternartigen Organe fand ich erst 1832 (1833), aber fast gleichzeitig auch die bis dahin ganz 
unbekannt gebliebene grosse ovale Drüse (p. 176.). Ganz neuerlich habe ich crystallartige kleine dunkle Körper, besonders häufig in 
der Stirn, gesehen, und ich bin geneigt, diese für, wenn auch zweifelhafte, Anzeigen dort liegender Nervenmasse zu halten, wie der- 
gleichen Crystalle sie oft begleiten. Eben so interessant ist der neuerlich von mir beobachtete Geschmackssinn dieser Thierchen, indem 
ich, wenn ich blaue und rothe Farbe zusammenmischte, zuweilen sah, dass einige Thierchen einzelne Magen nur mit Roth, andere nur 
mit Blau erfüllten, obschon viele ihre Magen mit Violett erfüllt zeigten. Professor Wagner in Erlangen hat 1832 (Isis) jene Fär- 
bungsversuche nach meiner Methode glücklich wiederholt, und sein Thierchen konnte der Grösse halber wohl nur diese Art seyn. Diese 
Thierchen lassen sich recht leicht mit ihren gefärbten Magen auf Glimmer oder Glas auftrocknen, wenn man sie nur isolirt. Bei der 
Selbsttheilung schnürt sich erst innerlich die ovale Drüse in 2 Theile ab, dann trennt sich der äussere Körper. Meist sieht man nur 
2 contractile Blasen, bei bevorstehender Längstheilung bilden sich aber erst 4. Ich sah auch einmal eine dritte sternartige Blase in 
der Mitte. Die Strahlen der Sterne halte ich für die hier nur sehr langen, vielseitig in das Ovarium gehenden, Samentanäle , du- 
ctus spermatici. Die Verbindungscanäle mit der Samendrüse sind mir noch nicht deutlich geworden. Die Function der contractilen 
Blase und ihr Zusammenhang erläutert sich deutlich durch die Räderthiere. Für Herz und Lungen spricht keine physiologisch nahe 
Analogie. Das Auswerfen der Eier sah ich oft, wie schon Gleichen, als partielles Zerfliessen, und die dabei erscheinenden, nur pe- 
riodisch vorhandenen, zahllosen Körnchen hielt ich für die Eier. Die Mutterthiere werden dann faltig und ganz verändert, schwimmen 
aber eben so munter fort. Eierführende Thierchen sind bei auffallendem Lichte weiss, bei durchgehendem gelb, daher die oft vorkom- 
mende Bezeichnung bei Joblot als Gold- und Silber-Fischchen. Eierlose sind farblos. Die Entwickelung der Eier ist noch 
nicht beobachtet, aber sehr kleine beobachtete Thierchen sprechen dafür. Die plötzliche grosse Vermehrung in Infusionen scheint öfter 
Folge der Selbsttheilung. Das Gefässnetz, welches ich 1833 (p. 179.) zu erkennen meinte, scheint mir jetzt das durchschimmernde 
Eierschnur-Netz zu seyn. Die Bewegung ist nach vorn und rückwärts, um die Längsaxe wälzend. Mengen bilden Schwärme, wie Mük- 
ken. Einzelne kriechen auch. Die Wimpern erscheinen meist erst, wenn man das Wasser durch Farbe trübt. Jede Wimper sitzt 
auf 1 Knötchen, welche, auf der Halbansicht etwa 26, 52 Längsreihen bilden. In einigen Reihen zählte ich 60 — 70, das gäbe 70mal 52, 
etwa 2640 Bewegungsorgane. — In Berlin ist es zu allen Jahreszeiten in den vegetabilischen Infusionen, in den Wasserkübeln der 
Strassen und im Freien, auch oft im Winter, von mir gesehen. Im Winter sah ich es auch 1829 in Petersburg auf der Reise mit 
Herrn v. Humboldt, auch in Syrjanowskoi im Altai im August, und 1833 in Wismar im Süsswasser im September. Vielleicht ge- 
hört auch die Dongalanische Form des P. Ckrysalis hierher. — Grösse Vio — Vs Linie oder kleiner, der Eierchen Viooo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Tafel XXXIX. Fig. VI. 

Alle Figuren sind 300mal im Durchmesser vergrüssert. Fig. 1. ruhendes Thierchen bei wenig Wasser mit nach oben gekehrtem Munde o und stern- 
artigen Sexualblasen *, bei t die Drüse; vorn sind Eierchen. Fig. 2. wirbelt im Indigo wasser, bei d der Mund. Fig. 3. in Längstheilung durch 
den Mund begriffen, schwimmend, mit 4 Sexualblasen und 2 schon getrennten Drüsen. Fig. 4. schwimmend, mit Carmin erfüllt. Fig. 5 — 6. Pan- 
toffel artige Formen in natürlicher Farbe. Fig. 7. ruhend, bei wenig Wasser abgeplattet und mit seitlichem Munde o\ die Zunge vorgestreckt, blau 
genährt. Fig. 8. strotzend von Indigonahrung und bei w auswerfend, d der Mund, * die veränderlichen Blasen. Fig. 9. hat Roth und Blau in 
verschiedene Magenzellen selbst gesondert, was man auch künstlich dadurch leicht bewirken kann, dass man Thierchen aus Blau, dann in Roth setzt. 
Dasselbe Thierchen ist durch eine dritte Sternblase in der Mitte merkwürdig. Fig. 10. jüngeres Thierchen, welches nicht durch Selbsttheilung ent- 
standen seyn kann. Fig. 11. ideale Zeichnung des beobachteten Verlaufes des Darmes, doch sah ich auch zuweilen ihn vom Munde erst nach hinten 
und dann nach vorn gehend in doppelter Schlinge; o' Mund, w After. Fig. 12. Vorbereitung zur Queertheilung durch den Mund mit schon getheil- 
ter, noch nicht getrennter, Drüse. Fig. 13. und 14. frei gewordene Theile; letzterer, ein Hintertheil, bildet schon eine 2te Sternblase. 

50£. Paramecium caudatum, geschwänztes Pantoffeltbierchen. Tafel XXXIX. Fig. VII. 

P. corpore fusiformi, antica parte obtusiore, postica magis attenuata. 

Paramece a gueue, a corps fusele, obtus au bout anterieur, plus aminci au bout posterieur. 

Paramecium caudatum, Herrmann, Naturforscher, XX. p. 157. Taf. III. Fig. 38. 1784. Amplüleptus? 
Paramaecium caudatum, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 66. 1803. 

Paramecium caudatum, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 1833. p. 268, 323. Taf. III. Fig. II. 

Aufenthalt: Bei Berlin nnd vielleicht bei Strassburg und Landshut. 

Diese Art ist der vorigen sehr ähnlich, meist aber, auch bei auffallendem Lichte, gelblich weiss, und findet sich nicht in In- 
fusionen, sondern im Freien zwischen faulen Schilfblättern und Conferven, auch im Winter. Ich entdeckte sie am 11. Juni 1832. Es 
giebt zuweilen ziemlich ähnliche Formell auch unter P. Aurelia, diese sind aber nicht die hier gemeinte Art. Der Organismus ist 



353 

ganz wie bei voriger Art, mir sah ich die Blasen nie sternartig. — Grösse bis >/.o, Eiereben Vsoo Linie beobachtet. Herrmann's 
Synonym ist unsicher. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. VII. 

Fig. 1., 2. und 4. Einzelnere mit und ohne Indigofütterung; Fig. 2. auswerfend; Fig. 3. in der Längstheilung, o' Mund, m After, * contractile 
Blasen, t männliche Drüse. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

503. Paramecium Chrysalis, ^ympbenthierchen. Tafel xxxix. Fig. Vlll. 

P. corpore oblongo, cylindrico, utrinque aequaliter rotundato, oris eiliis longissimis. 

Paramece Chrysalide, ä corps oblong cylifidrifue , cgalement arrondi aucc deux bouts, ayant les 
eils de la bouche tres-longs. 

Ovales dores, Joblot? O b servations faites avec le Microsc. 1718. ed. 1754. II. p. 13. PI. II. E. D. K. H. O. R. L. 
Paramaeäum Chrysalis et oviferum, Müller, Animalc. infus, p. 90, 91. Tab. XII. Fig. 15 — 20. und 25-27. 1786. 
Bursaria Chrysalis , ] 

Paramaeäum Chrysalis, \ BoRT) D ict. class. 1822. Encycloped. method. Vers. 1824. 
Peritricha Ooulum, / 

Kolpoda ovifera, 1 . _ 

Kursaria Chrysalis, » Hemprich u. Ehresberg, Symbolae pliysicae. Evertebrata. Phytozoa, Tab. I. Fig. j-9. lextlS.51. fara- 
Peritrkha vaällans « maeäum Chrysalis. 

Paramecium Chrysalis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. P . 17. 1830. p. 25, 43, 54, 56, 65, 78. Tab. IV. 

Fig. II. 1831. p. 114. 1835. p. 164. 
{Paramaeäum Chrysalis, R. Wagner, Isis, 1832. ist P. Aurelia.) 

Aufenthalt: In Europa in Paris?, Copenhagen?, bei Berlin und Petersburg, in Asien in Bogoslowsk im Ural, in Afrika auf der 
Nilinsel Argo in Nubien, in Dongala und bei Cahira und Bulak in Aegypten beobachtet. 

Müller fand seine Form im Seewasser der Ostsee häufig im Herbst und bemerkt, dass sie auch im Süsswasser fortlebte, 
während P. Aurelia im Salzwasser starb. Eine andere ähnliche Form sah er mit Meerlinsen im Süsswasser und nennt sie P. ovife- 
rum, weil er die Magenblasen für Eier hielt. Auch ich habe häufig ein dem Pantoffelthierchen sehr ähnliches, kürzeres und weniger 
schlankes, Thierchen, aber nur im Süsswasser, beobachtet, welches auf Müllers Abbildung ziemlich passt. Diess habe ich denn P. 
Chrysalis genannt. Bei Berlin ist es abwechselnd in Aufgüssen und Wasserkübeln auch im Winter häufig, und ich fand 1822 eine 
ähnliche Form im subtropischen und tropischen Nordafrika zwischen Conferven des Nilwassers und sah sie wieder in Petersburg und 
Bogoslowsk auf der Reise mit A. von Humboldt 1829. Ich thcilte 1830 von dieser Art bereits viele Abbildungen und Organisations- 
Details mit. Anfüllung von 120 Magenzellen mit Farbestoffen, die Längsreihen der Wimpern, Mund, Zunge und After waren erkannt. 
Seitdem habe ich 2 neben einander liegende contractile runde Blasen, eine runde Scxualdrüse und sehr lange merkwürdige Mundwim- 
pern beobachtet, die einer wellenartig bewegten Membran gleichen, auch Längstheilung und Queertheilung gesehen. Es bildet, wie die 
Pantoffelthierchen, zuweilen durch zahllose Mengen milchiges Wasser, und im Wasser selbst bildet es den Mückenschwännen ähnliche 
Gesellschaften, die auf- und absteigen. Durch leichte Erschütterung kann man diese sogleich hervorbringen. — Grösse in Berlin bis 
V20, in Argo Vzoj in Dongala und Bulak Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. VIII. 

Es sind 4 einfache Einzelnere , eines in Queertheilung und eines in Längstheilung, bei 300maliger Linearvergrösserung abgebildet. Fig. 1. zeigt die 
Afterstelle; Fig. 5. bei o' den Mund, bei * die Sexualblasen; Fig. 2. hat die natürliche Farbe, die übrigen haben farbige Nahrung verzehrt. 

504. Paramecium Colpoda, Busen -I^ängetliierclien. Tafel xxxix. Fig. IX. 

P. corpore ovato, leviter compresso, utrinque obtuso, antico fine attenuato, obtuse uncinato. 

Paramece Kolpode, a corps ovale, legerement comprimc, ob/us auas deux bouts, aminci et obiuse- 
ment croc/iu au baut anterieur. 

Colpoda Cucullus, Schrank, Beiträge zur Naturgesch. p. 23. Taf. I. Fig. 21. 1776. Fauna boica. 
Kolpoda Ren, Müller und Schrank zum Theil? 

Paramaeäum Kolpoda, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 114. 1833. p. 174, 324. Taf. III. Big. III. 183j. 

p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, Linz? und Copenhagen?. 

Diess Thierchen findet sich bei Berlin in Aufgüssen lebender Pflanzen zuweilen häufig, besonders zahllos vermehrte es sich 
1832 in Brennnessel -Aufguss. Schrank und Müller könnten in Linz und Copenhagen leicht diese Form mit Kolpoda Ren ver- 
wechselt haben. Viele frühere Beobachter könnten sie auch für Colpoda Cucullus gehalten haben. Von diesem unterscheidet sie sich 
durch bewimperten Rücken, mehr nach hinten gelegenem After, Mangel des zuugenformigen Theils zwischen Mund und After, und den 
kürzeren Schnabel; von C. Ren durch 2 neben einander stehende contractile Blasen, 1—2 runde Drüsen und die Behaarung. Der 
Mund ist vorn unter in Schnabel, der Ausschnitt ist also auf der Bauchseite. Die Abbildungen von 1833 waren noch ohne die Sexual- 
drüsen; diese sind seit 1835 ermittelt und hier nachträglich eingetragen. Queer- und Längstheilung sind beobachtet. Letztere giebt 
sehr schlanke, erstere sehr rundliche Formen. Zwei Drüsen scheinen bevorstehende Selbsttheilung anzuzeigen. P. Colpoda, P. Chry- 
salis und Colpoda Ren sind ihrer doppelten Sexualblasen halber physiologisch merkwürdig. — Grösse bis V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. IX. 

Es sind 7 einfache Thierchen, 1 in Queertheilung, 2 in Längstheilung und 1 in 3 Umrissen, bei 300maliger Linearvergrösserung. Fig. L wirft aus; 

o' Mund, t Sexnaldriise, * Sexualblase, a> After. Fig. 2. Bauchseite. Fig. 3. bis 5. Seitenansichten, 2 wirbelnd. Fig. 6. Queertheilung. big. 

7-8. Längstheilung. Fig. 9 — 10. jüngere Formen. Fig. 11-12. Skizze für die männlichen Sexualtheile, die Contractihtat der Blasen erläu- 
ternd. Fig. 11. Expansion. Fig. i3. Contraction. 



I 



353 



505. Paramecium? sinaiticum, liängethierclten des Sinai. Tafel XXXIX. Fig. X. 

P. corpore compresso elliptico, dorso ventrequc carinatis, ciliorum corona incerta. 

Paramece sina'ifiqme, a corps comprime auoc flaues, ellipfique, le dos et le venire en carene, la 
couronne de eils au front point disthicte. 

Paramaecium? sinailicum, Hemprich et Ehreisberg, 1828. Symbolae physicae. Evertebrata. Phytozoa. Tab. II. Sinaitica. Fig. 5. 

Text 1831. 

Paramecium sinaiticum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p. 17. 1831. p. 114. 

Aufenthalt: Im Wadi Ess'le des Sinai -Gebirges. 

Icli beobachtete die Form im Jahre 1823 mit Dr. Hemprich in Tor am Sinai Arabiens zwischen Conferven des Baches 
Wadi Ess'le. Ich sah sie nur auf der flachen Seite kriechen, nicht schwimmen. Die lateinische Beschreibung des Tagebuchs findet 
sich in den Symbolis physicis. Auf der rechten schmalen Seite war eine Falte. — Grösse l / 24 Linie. (Vergl. P. compressum.) 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXIX. Fig. X. 
Es ist ein Exemplar in 3 Stellungen, bei lOOmaliger Vergrösserung des Durchmessers, 1823 in Tor gezeichnet. 

506. Paramecium? ovatum, eiförmiges Itängethierehen. Tafel XXXIX. Fig. XI. 

P. corpore ovato, turgidoj antico fine obtuse attenuato. 

Paramece ovale, a corps ovale, gonfle, aminci et obtus an botet anterieur. 

Paramecium ovatum, Abhandl. der Akademie d. Wissenseh. zu Berlin, 1830. p. 65. 1831. p. 115. 

Aufenthalt: In Petersburg. 

Diese Art fand ich im Winter 1829 auf der Reise mit Herrn von Humboldt in Petersburg in stehendem Newawasser. Sie 
kann nicht wohl ein Fragment einer andern Art seya, ist zu gross für einen Theil von P. Chrysalis, aber nicht oft beobachtet; auch 
wurden die Wimpern nickt erkannt. Die von vorn zum Munde laufende Falte, viele Magenzcllen, eine hellere hintere Blase und eine 
feinkörnige Trübung als Eiermasse Hessen sich wahrnehmen. — Grösse */ 2 « Linie. (Vergl. P. Chrysalis.) 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXIX. Fig. XI. 
Es ist das 1829 in Petersburg gezeichnete Exemplar, 390mal vergrössert; * die Sexualblase. 

50¥. Paramecium, compressum, flaches Ijängetliierchen. Tafel xxxix. Fig. xn. 

P. corpore compresso, elliptico aut reniformi, fronte eiliis longioribus oblique coronata. 

Paramece comprime, a corps comprime, elliptiyue ou echancre en forme de rognon, ayant une 
couronne oblique de eils allongcs au front. 

Bolinenthierchen (Glaslhierchen und Netzthierchen) im Regenwürme, Gleichen, Mikroskopische Entdeck, p. 58. Taf. XXVII. Fig. 2, 4. 1777. 
Paramnecium Aurelia, Müller, Animalc. infus, p. 89. 1786. 
Lvurophra Lumbrici, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 101. 1803. 

Paramaecium compressum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 65. 1831. p. 114. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Auf dem Greifenstein ob Bonnland, bei Landshut, Berlin und in Uralsk im Ural Asiens beobachtet. 

Diess Thierchen fand ich zuerst im Innern einer lebenden Flussmuschel, Mya, des Uralflusses 1829 auf der Reise mit Alex, 
von Humboldt. Erst 1837 fand ich die Thierchen im Darme der Regen würm er bei Berlin, welche Gleichen entdeckt hat, und 
sah sie so übereinstimmend, dass ich beide Thierparasiten nun vereinige, üb es bei den Masch elt Iii er en auch im Darme lebt, habe 
ich nicht ermittelt, vermuthe es aber. Das bei Berlin nicht häulige Regenwurmtbicrchen zeigt ebenfalls eine grosse ovale Drüse, eine 
contractile Blase dicht am Munde und die Magenzellen besonders im hintern Theile des Körpers, wo ich auch grüne Nahrungsmittel 
darin erkannte. Der vordere Theil, die Stirn scheint mehr für die Entwickelung eingerichtet und hat in seiner Mitte fast strahlige 
helle Zellen, deren Natur mir zweifelhaft blieb. Sind es noch Magen? Der Mund liegt in der Mitte des Körpers, wo der Wimper- 
kranz endet, in einer mehr oder weniger leichten Einschnürung und hat ein zungenartiges Wärzchen. Besonders das Vordertheil sah 
ich oft verkrüppelt, durch Eierlegen zusammengefallen und ausgebuchtet. Ich zählte 16 Reihen Wimpern auf der Halbansicht. Glei- 
chen sah vielleicht Queertbeilung. — Grösse des Regenwurmthierchens bis V20 Linie, der Eierchen V1000 Linie, des Muschelthierchens 
*/ 18 Linie. (Vergl. P. sinaiticum, Kerona Polyporum und den Nachtrag.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. XII. 

Es ist nur das Thierchen von Uralsk aus der Mya des Ural dargestellt, nach Zeichnungen von 1829. Fig. 1. breite linke Seitenfläche; o' Mund, * 
Sexualblasen , t Sexualdrüse. Fig. 2. schmale ßauebfläche. Neuere Zeichnungen des RegenwurmthiercUens konnten nicht mehr aufgenommen werden. 
Vergrösserung 390mal im Durchmesser. 

508. Paramecium Milium, Mirsetliierclieit. Tafel XXXIX. Fig. XIII. 

P. corpore parvo, oblongo, trinjaetro, utrinqae fere aequaliter rotundato. 

Paramece Mille t, a corps petit, oblong, trilateral, egalement arrondi auas deucc bouts. 

Cyclidium Milium, Müller, Verrainm fluv. bist. p. 37. 1773. Animalc. lnfnsor. p. 79. Tab. XI. Fig. 2 , 3. 1786. 
Monas? Milium, in der Isis, 1833. p. 243. Synonyme von Müller. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen und Wismar. 

Ich erhielt diess Thierchen zuerst am 10. October 1834 in einer Sendung brakischen Seewassers der Ostsee von Wismar 
durch die Güte des Herrn Dr. Ferd. Rose, und erkannte sogleich die Aehnlichkeit von Müllers Zeichnung. Im Juni 1836 erhielt 
ich es mit Wasser aus Copenhagen, welches gar keinen Salzgeschmack hatte. In Berlin habe ich es noch nicht in Infusionen gesehen. 



89 





354 

Müller fand sein Thierchen mit Paramecium Aurelia und Conferva fiuviatilis. Es färbte bei mir zuletzt das ganze Wasser mil- 
chig und lebte besonders zahlreich, als diess einen unerträglichen Geruch annahm, starb aber bei weiterer Zunahme der Fauhiss des 
Wassers. Es war in Gesellschaft des Euplotes striatus und nahm Indigo in viele kleine Magenzellen auf. Der Mund war in der 
vordem Gegend des Körpers, und am Ende der dicken Längsfalte, welche Müller als Strich bezeichnet hat, schien die Afterstelle 
zu seyn, neben der eine helle contractile Blase lag. Der ganze Körper wirbelt in Farbe. Die Zunge ist undeutlich geblieben, wie 
bei Amphileptus. Ich sah auch Queertheilung. — Grösse % 6 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXIX. Fig. XIII. 

Es sind 9 in Berlin beobachtete Thierchen aus Wismar mit IndigofMung, bei 300maliger Vergrößerung gezeichnet. Fig. 3. zeigt bei o' den nur durch 
den Wirbel erkennbaren Mund, bei s die Sexualblase. Fig. 6. ist in Queertheilung begriffen. 



Nachtrag zur Gattung Paramecium. 

Die Homonyme der 48 von den 56 bisherigen Artnamen, welche nicht angewendet werden konnten, sind mit Ausschluss der 
nicht wohl zu deutenden 25 neuen Namen von Losana etwa folgende: \) Paramecium acutum IIkurmaw (Naturforsch. XX. 1784.) 
-= ÄmpUleptus Fasciola?; 2) P. aneeps Herrmann (1784) = Amphileptus Fasciola? ; 3) P. Colymbus Bort (1824) = 
Amphileptus?; 4) P. dubium Bory (1824) = Euplotes? ; 5) P. Fasciola Müller (1776) = Amphileptus F.; 6) P. Fusus 
Schrank (1803) = Trachelius Lametta?, Amphileptus?; 7) P. Histrio Müller (1773) = Stylonychia H.; 8) P. lncu- 
bus Schrank (1803) == Bursaria intestinalis; 9) P. kolpodinum Bort (1824) s. Colpoda Cucullulus; 10) P. Lametta 
Schrank (1803), Bort (1826) = Trachelius Lametta; 11) P. lamellinum Bort (1824) «= Tr. Lametta; 12) P. margi- 
natum Müller (1786) = Vorticella? , Spiro stomumlj 13) P. Nucleus Schrank (1803) = Bursaria cordiformis; 14) P. 
oceanicum Chamisso (N. Acta N. C. X. p. 371. 1820.) = Astasia? ; 15) P. oryziformis Bort (1824) = Monas?, Bursaria?; 
16) P. oviferum Müller (1786) = P. Chrysalis? ohne Eierehen; 17) P. paradoxum Bort (1824) s. Cyclidium dubium; 
18) P. pigrum Schrank (1802. Naturlust. Briefe an Nau) = Amphileptus Fasciola?; 19) P. piseiforme Gravenhorst (1833) 
= P. Aurelia; 20) P. Solea Bort (1824) = Loxodes Rastrum; 21) P. Terebra Schrank (1803) = Amphileptus; 22) 
P. versutum Müller (1786) = Bursaria vernalis? ; 23) P. viride Schrank (1803) = Fuglena deses? , Astasia?. — Die 
4 von Hill ohne Namen bezeichneten Arten waren wohl 1) und 3) = P. Aurelia und Stylonychia Mytilus, 2) Chilodon Cucul- 
lulus, 4) Amphileptus Fasciola?. — Paratnecia ohne Zunge sind Amphilepti. — Paramecium ist richtiger als Paramaecium. 

lieber die lebenden Infusorien im Darme des lebenden Regenwurms. 

Der Freiherr v. Gleichen entdeckte im November 1776 beim Durchschneiden von Regenwürme™ mit der Scheere in 
dem ausgelaufenen Tröpfchen Safte lebende Thiere. Er fand sogleich bei fortgesetzter Untersuchung 7 Arten lebender Thiere im Re- 
genwurme. Unter 50 Regenwürmern hatte etwa der dritte Theil dergleichen. Er hat ein Tagebuch seiner Beobachtungen (p. 64. 
seiner Mikrosp. Entdeckungen) geliefert. Die von ihm genannten 7 Thierarten würde ich auf 3 Arten von Infusorien, 1 Fadenwurm 
und 1 Saugwurm deuten, nämlich: 1) Knopfthierchen = Glaucoma nodulalum? ; 2) Netzthierchen = Paramecium com- 
pressum alt?; 3) Glasthierchen == Parum, compressum in Queertheilung?; 4) Bohnenthierchcn = Parum, compressum 
jünger; 5) Aeichen = Anguillula intestinalis?; 6) Egel = Distomum? ; 7) Perlenthierchen = Glaucoma? intestinale? 
diese Perlen waren nur die optische Erscheinung des wellenförmigen Flimmerns. Nach Gleichen hat die Thierchen Schrank, eben- 
falls in Baiern, wieder gesehen; er nennt sie Leucophra Lumbrici und fand sie im Darmcanale und Magen. Ich habe bei Berlin 
viele Hunderte von Regenwürme™ zerschnitten, aber erst im September, October und November dieses Jahres (1837), wo ich wie- 
der nahe an 100 Stück untersuchte, sie endlich in 5 Exemplaren mit Anguillula intestinalis nur im hintern Darme zahlreich gefun- 
den. Ich habe aber immer nur die Bohnent hier eben und Aeichen gesehen; letztere sind Fadenwürmer, erstere wahre Infu- 
sorien und hier als Paramecium compressum verzeichnet. Die Thierchen im Darme der Frösche sind Bursarien und Bodo- 
neu. (Vergl. Bursaria.) 



HUNDERTZWEI UNDZWANZIGSTE GATTUNG: DOPPELHALS THIERCHEN. 

Amphileptus. Ampliilepte. 

CHARACTER: Animal e Colpodeorum familia, ocello et lingua destitutum, proboscide caudaque insigne. 

CARACTERE. Animal de la famille des Kolpodes, n ayant ni oeil, ni langue, pourvu ff une 
trompe et d une queue. 

Die Gattung der Doppelhalsthierchen unterscheidet sich in der Familie der Busenthierchen durch 
Mangel an Auge und Zunge, neben dem Besitz eines Rüssels und Schweifes (Fusses). 

Die Gattung ist 1830 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit 2 Arten gegründet, erhielt 1831 
ebenda 4, 1833 6 Arten und wird seit 1835 mit 8 Arten verzeichnet. Die ersten Formen kannte Joblot 
1718. Hill nannte dergleichen (?) 1751 zuerst Paramecium quartum, Ellis 1769 Volvoxvorax, Müller 
1773 Vibrio Anser, Fasciola, Colymbus caet. und Kolpoda Meleagris. Schrank nannte sie 1803 
Trachelius. Bory hat sie neuerlich als Kolpoda, Paramaecium und Amiba verzeichnet. — Die Orga- 




355 



nisation ist reichlich ermittelt. — Als Bewegungsorgane dienen sehr zahlreiche, bei 3 Arten in Längsreihen 
gestellte, nur bei 1 Art unerkannte, Wimpern, und überdiess haben die verdünnten Körperenden oft eine 
grosse Beweglichkeit. Zuweilen sind Schwanz (Fuss) und Rüssel (Stirn) nur stumpfe Vorsprünge. — Als 
Ernährungsorgane sind bei 5 Arten viele Magenzellen mit erkennbaren Nahrungs Stoffen erfüllt gesehen; ein 
deutlicher Mund ist bei 7, und eine Auswurfsöffnung bei 5 Arten beobachtet. Alle Arten haben einen farb- 
losen Magensaft, nur A. margaritifer hat ihn blass rosenroth. — Als Sexualorgane sind Eikörnchen bei 
7 Arten erkannt, bei einer von Farbe grün, bei den übrigen weisslich. Ferner sind bei 4 Arten contractile 
Blasen und bei 3 Arten Sexualdrüsen erkannt, kugelförmig und doppelt bei 2, perlschnurförmig bei der drit- 
ten. Queer- und Längstheilung ist bei 1 Art, Queertheilung allein bei einer zweiten beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist über ganz Europa bis Petersburg und bis zum Ural 
Asiens erkannt. 

509. Amphileptus Anser, weisser Doppelhals, Sehwanengans. Tafel xxxvn. Fig. IV. 

A. corpore turgido fusiformi, albido, proboscide corporis longitudine obtusa, cauda brevi acuta. 

Amphilepte Oie, a corps fusele, gonfle, blanchätre, pourvu d'une trompe obtuse de la longueur du 
corps et d'une qaeue courte aigue. 

Sygnes, Joblot, Observations faites avec le microsc. ed. 1754. II. p. 66. Tab. 8. Fig. 8. 1718. 

Vibrio Anser, » Müuer, Vermium fluyiat. hist. p. 46 , 47. 1773. Ganse -SlraeHeren. Suane - Strnehkcren. Animalc. infus, p. 72. 73. 

— Cygnns, \ Tab. X. Fig. 6-11. 1786. 

Der gemeine Wasser - Schwan , Eichhorn? Beiträge z. Kenntn. d. kl. Wasserth. 1775. p. 73. Taf. VII. Fig. C. (s. Trachelocerca.) 
Trachelius Cygnus, Schrank, Fauna boica, 1803. III. 2. p. 56. 

Amiha Anser et Cygnus, Bory de St. Vincent, Dict. classique d'hist. nat. 1822. 
Kolpoda Umacina, Bort de St. Vincent, Encycloped. metli. Vers. 1824. 

Amphileptus Anser, Äbhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1830. p. 43. 1831. p. 116. 1833. p. 230. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: In Paris, Copenliagen, Landshut, Danzig und Berlin beobachtet. 

Dieses ganz liebliche schwanenartige weisse Thierchen steht an Schlankheit andern Arten der Gattung nach und lässt sieb 
daber mit einer Gans vergleichen. Es lebt zu allen Jahreszeiten zwischen Wasserlinsen und an abgestorbenen Schilf blättern. Der 
halsähnliche Rüssel ist kein Hals, sondern eine Stirn oder Oberlippe, indem der Mund an der Basis ist. Die Afteröffnung glaubte ich 
einmal oberhalb des Schwanzes auf der Rückenseite zu sehen. Farbestoffe nahm es nicht auf, aber ich sah erkennbare Chlamidomo- 
nas Pulvisculus schon 1830 in einigen Magen. Viele Magenblasen, Eicrchen, eine runde contractile Blase und 2 runde Sexualdrü- 
sen sind erkannte Organisationsglieder. Die Bewegung des Körpers ist träge, aber die des Rüssels nach allen Seiten ziemlich lebhaft. 
Die Ordnung der Wimpern Hess sich nicht erkennen. Obwohl ich fast glaube, dass Müller's V. Anser die folgende Art war, so 
fehlen doch die Charactere auch. Sein Vibrio Anas war wohl A. Fasciola. Sein V. Cyg?ius war als Eichhorn s Thierchen 
(Naturforscher IX.) diese Art. Seine characteristischen Knötchen sind die angeschwollenen Mundränder, Lippe. Müller hat queere 
Selbsttheilung innerhalb einer Stunde völlig abgeschlossen gesehen.« — Grösse bis Vio Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVII. Fig. IV. 

Es sind 4 Darstellungen verschiedener Thierchen bei 300maliger Vergrösserung. Mehrere haben grüne Monaden verzehrt, o' Mund, w 
After, * Sexualblase, t Drüsen. 

510. Amphileptus margaritifer , Perlen - Schwan. Tafel XXXVII. Fig. V. 

A. corpore gracili, fusiformi, albido, vesicularum serie recta ornato, proboscide corpus aequante, caudaque brevi sub- 
acutis. 

Amphilepte d perles, le corps grele, fusele, blanc, garni dune serie de vesicules en fil de perles, 
la trompe de la longueur du corps, presque aigue comme la r/ueue courte. 

Das Sichelthier, Proteus, Göze, in Bonnet's Abhandl. aus der Insectologie, deutsch. Anhang, p. 381. 1773. Taf. IV. Fig. 9. 
Amphileptus Anser ß margaritifer, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 230. 

Aufenthalt: Bei Quedlinburg und Berlin beobachtet. 

Diese niedliche Form, welche schon Göze mit gern üth voller Theilnahmc beschrieb, lebt bei Berlin zuweilen häufig zwischen 
Vorticellen-Colonieen, an Meerlinsen und Ceratophyllis. Ich sah sie im August 1826, am 25. April 1832 und dann öfter, auch 
am 22. Oct. 1837. Das Knöpfchen am Rüssel bei Göze halte ich für optische Verdickung durch Senkung der Spitze. Muller zog 
diesen zu Vibrio Anser, allein die Perlenreihe der Saftbläschen für den farblosen Digestionssaft und ihr Mangel schien mir characte- 
ristischer, als alle Form. Ich sah im Innern verschluckte grüne Monaden in einzelnen der zahlreichen Magenzellen, eine Reihe von 
6 — 16 hellen Saftbläschen und Eierchen, auch eine einfache contractile Blase, erkannte aber noch keine Drüsen. Der After schien 
durch eine leichte Vertiefung oberhalb der Schwanzbasis (also des Fusses) bezeichnet. Die geschwollenen Mundränder sind auffallend 
Die Ordnung der nur in farbigem Wasser leicht sichtbaren Wimpern blieb dunkel. Die Beweglichkeit und der bestandige * ormwechsel 
sind bei der schlanken Gestalt überaus lieblich. Es hat kriechend immer neue, immer fesselnde Gestalten, und schwimmt nur langsam. 
Schon 1826 sah ich einmal ein Zerfliessen in 2 Hälften. — Grösse bis % Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVII. Fig. V. 

Es sind 7 Darstellungen, bei SOOmaliger Linearvergrösserung, in verschiedenen Grössen und Bewegungen. o> der Mund, ++ die Reihe der Saftblasen, 
* die Sexualblase. Fig. 7. ist 1826 im Zerfliessen gezeichnet. Beide Hälften schwammen dann lange so herum. 



356 



511. AmpMleptus moniliger, Ketten -Oans. Tafel xxxvill. Fig. I. 

A. corpore turgido, amplo, albo, proboscide caudaipe brevibus, glandula moniliformi. 

Amphilepte monilifere, d corps gonfle, ample, blaue, la trompe et la queue courtes, la glandule 
en forme de fd de perles. 

Amphilepius moniliger, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 165. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diese sich sehr auszeichnende Art fand ich am 13. März 1835 zwischen Wasserlinsen einzeln zu wiederholten Malen. Sie 
hat grosse Aehnlichkeit mit Trachelius Ovum, von dem sie das Spitzchen am Hintertlieil und die Pcrlendriisc wesentlich unterschei- 
den. Farbe nahm es nicht auf. Die Mnndstellc war kenntlich, der After undeutlich, schien aber auf der Rückenseite des Spitzchens 
zu seyn. Eierchen und grosse Magenblasen füllten den Körper, dessen Wimpern deutlich, aber ohne sichtliche Ordnung waren. — 
Grösse % — Ve Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XXXVIII. Fig. I. 
Ein Exemplar in 300maliger Linearvergrösserung. Seitenansicht, o' Mund, w After, t Kettendrüse. 

512. AmpMleptus viridis, grüne Schwanengans. Tafel XXXVIII. Fig. II. 

A. corpore turgido, fnsiformi, viridi, proboscide caudaque hyalinis, brevibus. 

Amphilepte vert, a corps fusele, gonfle, vert, la trompe et la queue hyalines, courtes. 

Amphileptus viridis, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 229. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Am 16. April 1832 zwischen Lemna minor im Thiergarten entdeckt. Der Körper hatte 15 — 20 Längsreihen von Wim- 
pern auf der Halbansicbt. Die grüne Farbe war durch innere, im Rüssel und Schwänze fehlende, grüne Körnchen, Eierchen bedingt. 
Eine lebhaft abstechende helle contractile Blase war im hintern Körper sichtbar und viele Magenzellen schimmerten undeutlich durch die 
Eiermasse. Farbe nahm es nicht auf. Bewegung langsam schwimmend, um die Längsaxe drehend und kriechend. — Grösse Vio — V« 
Linie, der Körnchen Viooo Linie, mithin Cyclus der Entvvickelung wohl Viooo — % Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. II. 

Fig. i. gerade ausgestreckt, wirbelnd; o' der Mund, w der After?. Fig. 2. mit gebogenem Halse. Fig. 3. eingezogen. Linearvergrösserung 
300mal. 

513. Amphileptus Fasciola, Bindenthierchen. Tafel xxxvill. Fig. III. 

A. corpore albido, depresso, lineari-lanceolato, ventre piano, dorso turgidulo. 

Amphilepte Bandelette, a corps blanchätre, deprime, lineaire-lanceolc, le venire plat, le dos convexe. 

Petites huitres, Joblot? Observat. fait. avec le microsc. ed. 1754. p. 26. PI. 4. Fig. in. n. o. 1718. 

Paramecium quartum, Hill? History of Animals, 1751. p. 5. Tab. I. Fig. 4. (Figur Copie der Stylonych. Mytilus von 1703.) 
Vibrio Fasciola, Müller, Vermium fluv. bist. Igle - Straekkeren. p. 48. 1773. 

Der Wasserbohr, Eichhorm, Beiträge z. Kenntniss der kl. Wasserth. p. 34. Taf. 2. Fig. T. 1775. 
Paramaecium Fasciola, Müller, Zoolog, dan. prodr. 1776. p. 280. 

Paramecium acutum et ancejts, Herrmann, Na t ur f or s c Ii e r , XX. p. 157, 158. Tab. III. Fig. 39 , 40. 1784. 

Vibrio Anas, Fasciola und intermedius, Müller, Animalc. Infus, p. 69, 72. Tab. IX. Fig. 18—20. Tab. X. Fig. 3—5. 1786. 

Trachelius Planaria, i „ „ , . ,„ „ ™ er cc <qas 

' , l Schrank, Fauna boica III. 2. p. 59 , 65 , 66. 1803. 

Paramecium piyrum et Terebra, f 

Kolpoda fasciolaris, planairiformis et lacrimiformis, i 

Paramaecium acutum et aneeps, \ Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 

Enchelis Raphanella et rafanella, ) 

Trackelius Fasciola, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 54, 65, 78. Taf. IV. Fig. IV. 
Amphileptus Fasiiola, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 116. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: In Paris?, London?, Copenhagen!, Danzig?, Strassburg?, Landshut, Berlin, Petersburg, ferner in Uralsk und Ca- 
tharinenburg an der Grenze von Asien. Im Süsswasser und Seewasser beobachtet. 

Dicss Thierchen ist in Berlin in allen Infusionen und allen Gewässern zu allen Jahreszeiten sehr verbreitet und gemein, und 
es ist von mir 1829 bis an die Grenze des nordwestlichen Asiens beobachtet worden. Am häuligsten ist es in einer kleineren Form, 
doch sab ich diese neuerlich sich ansehnlich grösser entwickeln, so dass sie dem Vibrio Anas ganz vergleichbar wurde. Schon Jo- 
blot fand es im Austerwasser (Seewasser) und sah queere Selbsttbeilung, die er für Verbindung hielt. Hill sah es im Aufguss der 
Zittwer- Wurzel (Zedoariae radiär) und in Teichwasser in Engjand. Müller nannte es mit 3 Namen, sah es im Seewasser und 
Süsswasser bei Copenhagen, sah Queertheilung und Längstheilung, die er für Begattung hielt, und auch die contractile helle Blase. 
Eichhorn fand es bei Danzig, Herrmann bei Strassburg, Schrank bei Landshut, und dieser gab ihm auch 3 Namen in 2 Gat- 
tungen. Bort hat es nicht gesehen und nach den Abbildungen 6 Namen in 3 Gattungen gegeben. Schon 1830 sah ich Aufnahme 
von Indigo, 1831 sah ich, dass ganz ausgebildete Exemplare den After nicht am Ende hatten und zog es daher von der Gattung Tra- 
chelius zu Amphilepius. Später habe ich die Organisation sehr detaillirt erkannt. Die Wimpern bilden 10 — 12 Längsreihen in der 
Halbansicht. In der Mitte sind 2 runde Drüsen, nach hinten ist eine Sexualblase. Feine Eikörnchen sind zwischen den Magenzellen. 
Ich sah Queertheilung und Längstheilung, letztere häufiger. Es schweift langsam hin und her, kriecht oft und biegt sich. — Grösse 
V*s — Vm Linie, in Petersburg l j 36 , Uralsk l j i6 , Catharinenburg Veo — l la Linie. (Vergl. Trachelius Lamella.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. III. 

Fig. t-4. grössere Form von Berlin, 1834. Fig. 5 — 14. kleinere Form, nach Zeichnungen von 1826 und 1830. Einige mit Indigo und Carmin 
gefüttert, andere in Queer- und Längstheilung, wirbelnde, kriechende, junge und alte, o' der Mund, w der After, t Drüse, * Sexualblase. 



514. AmpMleptus Meleagris, gefleckter Doppelhals, Perlhuhn. Tafel XXXVIII. Fig. IV. 

A. corpore magno, compresso, membranaceo , late lanceolato, albido, dorsi crista denticulata. 

Amphilepte Pintade, a corps grand, comprime, membraneux, largement laticcole, blanchätre, la 
crete du dos denticulee. 

Kolpoda Meleagris, Müller , Vermium fluv. historia, p. 59. 1773. Animalc. Infus. Kalkun-Bugteren. p. 99. Tab. XIV. Fig. 1-6. 

et XV. Fig. 1-5. 1786. 
Kolpoda Zygaena, Meleagris, hirudinacea, Bort, Encycloped. method. 1824. 

Amphüeptus Meleagris, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 43. 1831. p. 115. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Brüssel und Berlin beobachtet. 

• Müller fand das Thierchen mit Wasserlinsen im Herbst 1773, 1783 und 1784 bei Copenhagen, Bort fand es bei Brüs- 
sel nicht selten machte aber aus Müllers Abbildungen 3 Arten. Ich sah es oft bei Berlin. Es gleicht einer kleinen Planaria, 
kriecht und windet sich langsam. Schon 1830 sah ich verschluckte Naviculas und grüne Monaden in den polygastrischen Magen- 
zellen und erkannte auch das Auswerfen derselben entschieden an der dem Munde entgegengesetzten Rückenseite, wodurch ° der 
Schwanz, der nur Rückenverlängerung seyn kann, zum Fusse wird. Der Mund ist eine kleine Längsspalte. Ich sah 13 — 18 Längs- 
rcihen von Wimpern, eine nicht immer deutliche Reihe von 8 — 10 hellen farblosen Flecken (Saftblasen) auf der Bauchseite, und am 
Rucken 7 — 8 stumpfe Zähne. Ueberdiess habe ich Queertheilung beobachtet. Farbe nahm es nicht auf. — Grösse bis */a Linie, 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. IV. 

Es sind 14 Darstellungen bei 300maliger Linearvergrösserung. Fig. 1. Seitenansicht, wirbelnd, auswerfend; o' der Mund und die Bauchseite, m After 
und Kuckenseite. Fig. 2. sich umbiegend. Fig. 3. schmale Rückenfläche, beim Kriechen auf der rechten Seite. Fw. 4. Queertheilung, mit der 
Blasenreihe auf der Bauchseite. 

515. AmpMleptus longicollis, langhalsiger Doppelhals. Tafel xxxvill. Fig. V. 

A. corporis postica parte turgida, dilatata, antica in proboscidem s. frontem longam ensiformem attenuata. 

Amphilepte a long cou, le corps gonfle et elargi au bout posterieur, aminci et allonge au front en 
forme de sabre. 

Der Ochsenkopf, Eichhorn? Beiträge z. Kenntniss d. kl. Wasserthiere, p. 55. Taf. V. Fig. O. P. Q. 1775. 

Kolpoda Ochrea, » Müller? Animalc. infus, p. 95, 213. Tab. XIII. Fig. 9—10. Tab. XXX. Fig. 15. 1786. Kolpoda ochrea et Oxitricha 
Trichoda Felis, ( Felis, Bort, 1824. 

AmpMleptus longicollis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1831. p. 115. 

Aufenthalt: Bei Berlin!, Danzig und Copenhagen?. 

Auch diese sehr ausgezeichnete Form hat deutlich Mund und After auf entgegengesetzter Körperseite. Ich fand sie 1831 
zwischen Meerlinsen und am 2. Mai 1832 wieder, sah überall Wimpern, Eikörnchen, viele Magenblasen , eine Reihe (9 — 10) heller 
farbloser Saftblasen, Mund und Auswerfen, aber die männlichen Sexualorgane blieben, ie bei voriger Art, unerkannt. Bewegung 
träge, fast proteusartig. — Grösse % — % Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. V. 

Fig. 1. rechte Seitenansicht, Stirn nach unten; Fig. 2. linke Seitenansicht, Stirn nach oben; Fig. 3. umgebogen. Vergrösserung 300mal im Durch- 
messer. 

5t 6. AmpMleptus? papillbsus, gefranzter Doppelhals. Tafel XXXVm. Fig. VI. 

A. corpore depresso, lanceolato, papilloso-cirroso, proboscide caudaque laevibus. 

Amphilepte? a papilles, le corps deprime, lanceole, herisse de papilles greles au bout, la trompe et 
la queue lisses. 

Amphileptus papillosus, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 228, 263. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Zwischen Conferven des Thiergartens sah ich ihn zuerst in 4 Exemplaren im Mai 1832, dann zahlreich wieder am 12. März 
1835 zwischen Oscillatorien und Naviculis. Ich glaubte früher, diess Thierchen habe eine Navicula fulva verschluckt; seit ich es 
aber zahlreich immer wieder so sah, habe ich diese Ansicht ganz aufgeben müssen. Dass es eine Navicula mit fleischigem Ueber- 
znge sey, mit einem Mantel, wie ihn die Cypräen- Mollusken haben, ist mir möglich erschienen, aber auch nicht deutlich gewor- 
den, doch war eine gewisse Starrheit sichtlich. Ich wage noch nicht, dem Körperchen eine andere Stellung zu geben. Farbe nahm 
es nicht auf. Der Mund schien am Grunde des Rüssels zu seyn uud der After am Grunde des Schwänzchens. Bewegung kriechend 
oder gleitend, wie Trachelius trichophorus ohne Wirbeln. — Grösse Vso — V36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XXXVIII. Fig. VI. 

Es sind 4 Darstellungen bei 300maliger Linearvergrösserung mit mehr oder weniger ausgedehnten Papillen, welche dicken Wimpern gleichen, 
Rüssel und Schwanz, o' der Mund?, tu der After?. 



Nachtrag zur Gattung Amphileptus. 

Die Formen dieser Gattung geben leicht Anlass zu Irrungen und vielen unnützen Namen, wenn weniger geübte Beobachter 
dergleichen zu geben geneigt sind, indem bei Queertheilungen die beiden Hälften andere Gattungen darstellen. Das Vordertheil ist ein 

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Trachelius, das Hiöfertheil ein Uroleptus. Es ist Salier bei Bestimmung der Formen die Umsicht auf die Umgehungen nöthig. Be- 
sonders A. Fmciola ist, da er sehr gemein und oft in Theilung ist, leicht in seinen Theilen für einen Trachelius zu halten. Fin- 
den sich neben Amphileptis ihnen ähnliche Trachelicn, oder neben Trachelien Amphilepti, so ist, um Missgriffe zu vermeiden, 
ihr Wechselverhältniss genau zu beachten. 

Diese Gattung wurde 1835 in den Berk akad. Abhandl. zu den Ophryocercinen gezogen, ist daher auf den Tafeln zwi- 
schen die Familien der Trachelinen und Ophryocercinen gestellt, sie gehört aber zu den Kolpodeen. 



11 U NDERTDREIU N DZWANZIGTE GATTUNG: SCHLEPPTH1ERCHEN. 

Uroleptus. Urolepte. 

CHARACTER: Animal e Colpodeorum familia, ocello, lingua et proboscide carens, caudatum. 
CARACTERE: Animal de la famille des Kolpodes, n ayant ni oeil, ni langue, ni trompe, mais 
pourvu cFune queue. 

Die Gattung der Schlepp thierchen ist neben den Characteren der Familie der Busenthierchen 
durch Mangel an Augen, Zunge und Rüssel, und durch Besitz einer schwanzartigen Schleppe ausgezeichnet. 

Die Gattung ist 1831 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. zuerst mit 4 Arten aufgestellt, und 
1833 wurden ebenda nocli 2 Arten, eine fraglich, hinzugefügt. Die zweifelhafte der letzteren Arten, U. 
patens, ist hier zu Oxylricha gezogen, und somit sind 5 übrig geblieben. Die ersten Formen beobachte- 
ten Joblot 1714 und Müller als Trichoda Musculus und vielleicht Piscis und Delphinus 1773. Eine 
Art entdeckte Schrank 1780; Müller nannte sie Enchelis caudata. Bory de St. Vincent hat Müllers 
Formen als Ratulus, Raphanella und Trichoda, Joblot's als Enchelis verzeichnet. — An Organisation 
sind bei allen Arten Wimpern als Bewegungsorgane, bei 3 Arten auch deren reihenweise Anordnung direct 
erkannt. — Bei 2 Arten sind die polygastrischen Ernährungsorgane durch farbige Nahrung schon 1831 von 
mir ausser Zweifel gestellt. Der Mund ist bei allen Arten beobachtet, die Afterstelle aber nur mit grosser 
Wahrscheinlichkeit festgestellt. — Weibliche Sexualtheile sind als feine grünliche Körnchen bei 2 Arten er- 
kannt, männliche sind nicht direct beobachtet, doch hat Müller bei U. Piscis? eine contractile Blase ge- 
zeichnet. 

Die geographische Verbreitung ist von Berlin und wohl Linz, Landshut, Copenhagen und Paris bekannt. 
513*. Uroleptus Piscis, das Fischclien. Tafel XL. Fig. I. 

U. corpore tereti subtnrbinato , postica parte sensim in caudam crassam attenuata, ovulis virescentibns. 

Urolepte Poisson, a corps presr/ue en forme de toupic allongee, la partie posterieure peu a peu 
amincie en (/neue grosse, les ovules verdätres. 

Massue, Joblot? Observat. fait. avec le microsc. p. 74. Tab. 10. Fig. 6. 1718. 

Trichoda Piscis, Müller? Verm. fluv. bist. p. 68. 1773. Anim. Infus, p. Iii. Tab. XXXI. Fig. 1 — 4. 1786. Bory, 1824. 

Enchelis, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth, Vers. 1824. 

Oxylricha Piscis, Abhandl. der Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1830. p. 43. 

Uroleptus Piscis, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 117. 

Aufenthalt: Bei Paris, Copenhagen und Berlin. 

Es lebt bei Berlin im Februar und März zwischen dem flockigen braunen Ueberzuge der abgestorbenen Schilfblätter mit Chla- 
midomonas und Cryptomonas. Müllers Thierchen war etwas abgeplattet, daher vielleicht eine Oxylricha (O. rubra?). Er 
fand es zwischen Conferven etwa 20mal, zuerst im Anfang von 1773. Joblot fand sein Thierchen 1714 in Paris in Eichenrindenaufguss. 
Bort hat es nicht gesehen. Schon 1830 gelang mir Farbcaufnahme zu bewirken, auch sah icli verschluckte grüne Monaden in in- 
nern Magenzellen. Der Mund ist eine grosse Längsspalte unter der Stirn und ist mit etwas längern Wimpern umgeben. Zwischen 
den Magenzellcn sind blassgriine Körnchen als Eier. Der ganze Körper ist überall bewimpert. Bewegung um die Längsaxe wälzend. 
Müllers Thierchen war gelb, ob durch weisse Eierchen beim durchgehenden Lichte, ob durch gelbe? Ich sah viele kleinere und 
krüppelhafte Formen zwischen den grösseren, auch mehrere durch partielles Zerfliessen mit mancherlei bruchartigen Höckern. — Grösse 
V2* — V12 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. I. 

Fig. 1., 2., 3., 7. und 8. Normalformen. Fig. 4, 5., 6. Monstra durch partielles Zerfliessen oder Eierlegen. Einige mit Carmin und Indigo genährt, 
co der After ? 

518. Uroleptus Musculus, die Wassermaus. Tafel XL. Fig. II. 

U. corpore albo, tereti, pyriformi, postica parte incrassata et subito in caudam attenuata. 

Urolepte Souris, a corps blaue, cylindrique , en forme de poire, elargi vers le bout posteneur et 
brusquement termine par une queue. 

Trichoda Musculus, Müller, Muus- Spilleren, Vermium fluv. hist. p. 74. 1773. Animalc. infus, p. 210. Tab. XXX. Fig. 5 — 7. 1786. 
Trichoda Musculus, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 89. 1803. 



Raiulm Musculus, Bort de St. Vincent, KncyclopSdie methodique, Vers. 1824. 
Uroleptus Musculus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 117. 

Aufenthalt: Bei Copenliagen, Landsliut und Berlin. 

Diese Art fand sich 1831 mit Oscillatorien. Müller sah sie nur 2mal in altem Henaufgnss. Bort hat sie nicht gesehen. 
-Es gelang mir sogleich die Aufnahme von Indigo zu bewirken. Die Magenzellen hat schon Müller gezeichnet und es von den Seiten 
abgeplattet gesehen. Dass Müller ein Räderthier beobachtet habe, wäre freilich auch möglich, doch passen die Magen nicht dazu. 
Ich sah 4 Exemplare von ziemlich gleicher Gestalt und Grösse. Ihre Körper hatten 9-11 Reihen von Wimpern auf der Halbansicht. 
Der Mund war eine sehr lange Spalte unter der Stirn in einer flachen Grube. Da das farblose Schwänzchen keine Blasen enthielt, so 
hess s» auf die Lokalität des Afters vor der Schwanzbasis wohl «Messen. Bewegung wälzend, nicht lebhaft und steif. — Grösse 
Vis Linie, ohne den Schwanz V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. II. 
Es siud 4t Stellungen Eines Thierchens, welches 3 Magen mit Indigo erfüllt hat, bei 300maliger Linearvergrösserung. o Mund, m After? 

'S 

519. Uroleptus Hospes, der Gast. Tafel XL. Fig. m. 

U. corpore virescente, ovato-oblongo, turbinato, antica parte oblique truncata et excavata, postica in caudam styli- 
formem acutam attenuata. 

Urolepte Höfe, a corps verdätre, ovale- oblong , en forme de toupie, oblir/uement tronr/ue et creux au 
bout antcrieur, terminc en queue stili forme aigu'e. 

Uroleptus Hospes, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 116. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich fand ihn 1831 im April in den Zellen des ausgekrochenen Froschlaichs, kngelartig zusammengeballt, und im August in 
leerem Schneckenlaich in zahllosen Mengen, seitdem nicht wieder. In jeder Zelle war 1 Thier. Gewaltsam befreit, dehnten sie sich 
lang aus. Einige schwammen schon frei daneben. Indigo tödtete sie. Ich erkannte einen grossen Mund als Längsspalte unter der 
Stirn in einer breiten Grube, und zählte mehr als 20 Magenblasen. Die Wimpern bildeten 8 — 10 Längsreihen auf der Halbansicht. 
Die Afterstelle ist nur vermuthet. Ich sah viele Krüppel. Die blassgrüne Farbe schien sehr feinen Ei-Körnchen oder einem Pigment, 
was ich nicht deutlich unterschied, jedenfalls nicht den Magen anzugehören. — Grösse V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. III. 

Fig. 6. ist der Zustand im Schneckenlaich, bei lOOmaliger Linearvergrösserung, Fig. 1 — 5. und 9. sind freigemachte Thierchen. Fig. 7., 8., 10. 
sind Monstra durch partielles Zerfliessen. Fig. 11. eine einzelne Zelle mit ihrem zusammengeballten Thierchen; letztere sämmtlich 300mal vergrössert. 

5 20. Uroleptus? X*amella, der Span. Tafel XL. Fig. IV. 

U. corpore hyalino, depresso, lineari-lanceolato, piano, tenuissimo. 

Urolepte? Lame, a corps hyalin, deprime, plat, lineaire - lanceole , tres-mince. 

Uroleptus Lametta, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 117. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich fand 1831 diess Thierchen mehrmals in Infusionen, dann nicht wieder. Vorn sah ich dicht unter der Stirn eine breite 
ovale Mundöffnung, in der Mitte sehr feine Magenbläschen oder Eierchen, sonst war alles durchsichtig. Bei co hörte alle innere Trü- 
bung auf, weshalb ich da den After vermuthe. Indigo nahm es nicht auf. — Grösse bis Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. IV. 

Es sind 5 Darstellungen in verschiedener Grösse, Ausdehnung und Wendung. 0' der Mund, 10 verniuthliche Afterstelle. Vergrösserung 300- 
mal im Durchmesser. 

521. Uroleptus ttlum, das Fadenthier. Tafel XL. Fig. V. 

U. corpore filiformi, tcreti, albido, antico fine rotundato, postico in caudam longam rectam attenuato. 

Urolepte Fil, a corps filiforme, cylindriqne, blanc, arrondi au bout antcrieur, aminci en longue (/neue 
droi/e au bout posterieur. 

Vibrio, Egelschneckenähnliches Schleuderthier, Schrank, Neue philos. Abhandl. d. Baierischen Akad. d. Wiss. H. p. 479. Taf. I. Fig. 

18 — 22. 1780. 

Enchelys caudata, Müller? Animalc. Infusor. p. 34. Tab. IV. Fig. 25, 26. 1786. 
Enchelis caudata, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 44. 1803. 
Raphanella rapunculoides , Bort, Encyclop. meth. Vers. 1824. 

Uroleptus Filum, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 277. 

Aufenthalt: Bei Wien oder Linz?, Copenliagen? und Berlin!. 

Ein sehr ähnliches Thierchen scheint Schrank 1780 wohl bei Linz in lange stehendem Wasser entdeckt zu haben; dann 
hat wohl Müller im Oct. 1784 im Sumpfwasser bei Copenliagen ein ähnliches beobachtet. Bory hat offenbar nicht selbst eins gese- 
hen, nur Müller's Beschreibung sehr frei übersetzt. Ich fand es am 11. Juni 1832 in stagnirendem Quellwasser des Thiergartens. 
Es hat viel Aehnlichkeit mit Spirostomum ambiguum, hat aber einen ganz andern Bau. Es schwimmt gerade ausgestreckt, ohne 
Biegungen. Der Körper ist in der vordem Hälfte weiss und trübe, in der hintern, schwanzartig verdünnten, farblos und durchsichtig. 
Der Mund liegt als Längsspalte in der Mitte der Vorderhälfte. Der After scheint nur am Anfang des farblosen Theiles liegen zu kön- 
nen, indem da die den Vordertheil erfüllenden polygastrischen Zellen aufhören. Farbe nahm es nicht auf. Ich zählte 12 Längsreihen 



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von Wimpern in der Halbansiebt. Männliche Sexualorgane blieben unerkannt, die weisse Trübung mochte aber wohl vom Eierstocke 
kommen. — Grösse bis l U Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. V. 

Es sind 2 Exemplare bei 300maliger Linearvergrösserung. o' Mund, w After?. 

- -Wß 

HUNDERTVIERUNDZWANZIGSTE GATTUNG: WIMPERAUGE. 

Opbryoglena. Ophryoglene. 

CHARACTER: Animal e Colpodeorum familia, undique eiliatum et ocello frontali iüstruetum. 
CARACTERE: Animal de la famiUe des Kolpodes, cilie de lous cötes et pourvu (fun oeil au front. 

Die Gattung Wimperauge zeichnet sich in der Familie der Busenthierchen durch überall bewim- 
perten Körper und Besitz eines Stirn -Auges aus. 

Die Gründung der Gattung geschah 1831 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch. mit 1 Art, 
und 1833 wurden ebenda noch 2 neue hinzugefügt, welche Dreizahl seitdem nicht vermehrt worden ist. 
Sämmtliche Arten waren vorher wohl unbekannt, doch könnte eine 4te unter Millers Infusorien als Leuc- 
ophra notata befindlich seyn, die aber auch zu Chilodon ornatus gehören könnte. — Die reiche Organi- 
sation ist schon seit 1833 von mir mitgetheilt. — Viele Längsreihen von Wimpern bilden die äusseren Be- 
wegungsorgane. — Als Ernährungsorgane sind zahlreiche polygastrische, oft mit Nameulis erfüllte, Zellen bei 
allen Arten beobachtet, und bei 1 Art gelang Aufnahme von Indigo. Der Mund ist in einer Grube unter 
der Stirn, und die Afterstelle ist auf der Rückenseite an der Basis des Schwänzchens beobachtet. — Das 
Sexualsystem ist sehr vollständig ermittelt. Braune Eikörnchen sind bei 1 Art direct gesehen, und bei den 
andern verräth sie die gelbe und schwarze Farbe. Eine grosse mittlere Drüse ist bei 1 Art deutlich, viel- 
leicht auch bei den andern undeutlich, gesehen, und contractile Sexualblasen sind bei 2 Arten sehr in die 
Augen fallend, bei einer sternartig, bei der andern rund. Ueberdiess ist bei 1 Art Queer- und Längsthei- 
lung beobachtet. — Als directes Empfindungsorgan ist ein an der Stirn befindlicher, nie fehlender, grosser, 
rother oder fast schwarzer Augenpunkt annehmlich, wie es bei den Euglenen und Räderthieren häufig, 
und bei letzteren mit wissenschaftlicher Sicherheit, der Fall ist. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist nicht ausser Berlin sicher ermittelt. 

5£2. Ophryogtena atra, schwarzes Wimperauge. Tafel XL. Fig. VI. 

O. corpore ovato compresso atro, postico fine acuto, ocello frontis atro marginali, eiliis albidis. 

Ophrijoglene noire, a corps ovale comprime, noir, aigu au bout posterieur, pourvu de eils blancs 
et d'uu oeil noir au bord du front. 

Leucujyhra Mammilln, Müller? Animalc. Infus, p. 141. Tab. XXI. Fig. 3 — 5. 1786. 

Ophnjoißma ntra, Abhandl. der Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 1833. p. 205. Taf. VII. Fig. IX. 

Aufenthalt: Bei Berlin, wohl kaum bei Copenhagen. 

Nachdem ich 1831 die gelbe Art zuerst entdeckt hatte, fand ich im folgenden Jahre am 16. April 1832 die braune und am 
24. Juni diese schwarze Art. Letztere ist mir dann am 4. Juli 1834, am 5. Juni 1835 und am 5. Mai 1836 in derselben Gegend 
in Torfgruben wieder zahlreich vorgekommen. An denselben Orten leben die formverwandten Nassula aurea, Chilodon aureus und 
Stentor niger. Zwei Ophryoglenen zeichnen sich durch ihre platte Gestalt und dadurch bedingtes Wanken bei der etwas schwerfälli- 
gen Bewegung aus. Der Körper ist von den Seiten zusammengedrückt, so dass Bauch und Rucken fast scharfe Kanten bilden. Hin- 
ten schliesst sich der Körper abnehmend in eine kleine, nicht verlängerte Spitze. Die Anordnung der überall sichtlichen Wimpern, 
welche bei den andern Arten Längsreihen bilden, habe ich neuerlich hier unbeachtet gelassen. Den Mund bildet eine Grube dicht un- 
ter der Stirn , über der auf der Rückenseite das röthlich schwarze Auge steht. Die Mundgrube geht trichterförmig tief in den Körper, 
und es schien mir neuerlich, als ob sich daran eine ovale helle Drüse schlösse, welche ich 1833 und in der Zeichnung noch als Mund- 
raum dargestellt habe. Da, wo diese helle Stelle aufhört, befindet sich gegen den Rücken hin eine sternartig contractile Blase. Die 
dunkle Farbe gehört inneren sehr feinen Körnchen an, welche zu Eierchen fast zu fein sind, und sie erlaubt keine scharfe Unterschei- 
dung der übrigen Organe, doch sah ich einige dunklere Körper (Nahrungsstoffe in den Magenzellen) durchschimmern. Schon 1832 
beobachtete ich Queertheilung, aber 1836 sah ich auch Längstheilung, und bei letzterer eben sah ich die mittlere helle Stelle ziemlich 
deutlich als langovale Drüse, welche sich auch bei der Queertheilung theilt. Ich halte sie nicht mehr für den hintern Mundraum. Zeich- 
nungen der neuen Ansicht konnten nicht mehr aufgenommen werden. Bei Längstheilung erweitert sich erst der Mund, theilt sich und es 
bildet sich gleichzeitig sogleich ein 2tes Auge im Bauchtheile, während der Rückentheil das alte behält. Bei der Queertheilung bildet 
sich lange vor der Trennung eine 2te Sternblase, das neue Auge aber erst spät. Die weissen Wimpern erscheinen als ein Silberring 
um den Körper, besonders vorn. Mülier's Thierchen war kuglig und hatte die Spitze vorn, war also wohl ein anderes. Beim Zer- 
fliessen sieht man Magen und Körnchen. — Grösse der Einzelthiere Vis Linie, bei Queertheilung — % Linie. 



361 

igt 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. VI. 
IrÄÄS^^ 5 FiS ' 3 ' Ve rgr (isse rung 300 m ali m Durchmessen Fig. 3. hat in 

533. Ophryoglena acuminata, geschwänztes Wimperauge. Tafel XL. Fig. VII. 

O. corpore fusco, ovato, compresso, postico fine breviter caudato, acuto, ocello frontis rubro. 

Ophryoglene a queue, le corps brun, ovale, comprime, avec une petite queue aigu'e et un oeil rouge 
au front. 

Ophryoglena acuminata (nigricans), Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 174 , 268. Taf. VII. Fig. X. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Am 16. April 1832 in Torfgruben bei den Pulvermühlen entdeckt. Die Stirn überragt den Anfang des Mundes um V« der 
Korperlange. Hinten endet der Körper in eine verlängerte scharfe Spitze. Ich sah 15 — 20 Wimperreihen auf der Halbansicht. Die 
schon 1833 angezeigten 2 hellen Flecke haben sich neuerlich 1835 als 1 grössere kugelförmige Drüse und 1 kleinere runde Sexual- 
blase ergeben. Im Innern sah ich oft beim Abplatten und Zerfliessen des Körpers viele Naviculas graciles und die braune Farbe als 
Kornchen, auch leere Magenblasen. — Grösse Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. VII. 

Fig. 1. und 4. linke Seitenansicht; Fig. 2. Bauchfläche; Fig. 3. abgeplattet und zerfllessend. o Auge, o' Ende des halbseitlichen Mundes, t Drüse, 
s Sexualblase. 

524. Ophryoglena fUuieans, gelbes Wimper au ge« Tafel XL. Fig. VIII. 

O. corpore flavicante, ovato, turgido, postico fine attenuato obtuso, ocello rubro frontali. 

Ophryoglene jaunätre, a corps jaunätre, ovale, gonfle , aminci et obtus au bout posterieur, avec 
un oeil rouge au front. 

Ophryoglena favicans, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 18, 117, 152. Taf. II. Fig. IX. 1833. p. 174, 266. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Im Sommer 1831 wurde diese Art von allen zuerst in Torfgruben entdeckt, und es gelang sogleich die Aufnahme von In- 
digo zu bewirken. Sie glich einer Bursaria und ich unterschied sie von dieser nur durch den, bis dahin in der Familie unerhörten, 
constanten Augenpunkt, dessen physiologische Wichtigkeit ich festhielt. Der von der Stirn abgehende Mund bildet eine tiefe Tasche, 
und daneben war immer ein heller, aber nicht so deutlicher, Fleck, als bei den vorigen Arten. Bei einem Exemplare sah ich dicht 
über der hintern Spitze ein Bläschen hervortreten, welches bald verschwand. War diess Gasentwickelung aus dem Darme ? Es ist mir 
nur diese eine ähnliche Beobachtung vorgekommen. Die Mundwimpern waren etwas länger, als bei den vorigen Arten, und ich zählte 
12 — 16 Längsreihen von Wimpern auf der Halbansicht des Körpers. — Grösse Vju Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. VIII. 

Fig. 1. und 2. sind halbe Seitenansichten mit und ohne Farbenahrung. Fig. 3. volle Seitenansicht. 



Nachtrag zur Familie der Kolpodeen. 

Ueber die Erscheinung und Auffassung des Ernährungscanais der polygastrischen Infusorien. 

Die Kolpoden und Paramecien gehören zu den grösseren, allgemeiner verbreiteten, daher leichter sichtbaren Infusorienformen, 
und es gelingt leicht, durch Farbestoffe ihre inneren Ernährungsorgane anschaulich zu erhalten. Seit ich 1830 die Resultate der, mit 
wissenschaftlicher Schärfe angestellten, Versuche bekannt gemacht habe, hat es zwar viele bestätigende, aber dennoch auch einige schwan- 
kende und widersprechende Beobachter gegeben, und es liegen überdiess einige Schwierigkeiten in der nie zu übersehenden früheren Ge- 
schichte. Ich halte daher für nützlich, eine kurze Uebersicht über den Stand dieser Kenntnisse zusammenzufassen, werde diese aber 
an's Ende des Werkes bringen. Hier nur einige Fingerzeige für die zum Grunde dieser Darstellungen liegenden Experimente und de- 
ren Schwierigkeiten. Schon die ersten Beobachter der Infusorien haben vom Fressen dieser Thiere gesprochen und lange vor Glei- 
chen hat es schon Joblot 1718 bei Stylonychia pustulata abgebildet (p. 78. Tab. 8. Fig. 9.). So wie aber Linne und Pallas 
durch die erkannten vielen und groben Irrthümer der Beobachter überhaupt abgehalten wurden, auch das von diesen berichtete Wahre 
für wahr zu halten und aufzunehmen, so reichten auch Gleichens Färbeversuche der Infusorien (1777), so glücklich sie auch einer- 
seits waren, der unphysiologischen wunderlichen Ansichten halber, welche er damit verband, so wenig als Corti's und Gö'ze's ähn- 
liche detaillirte Nachrichten über Stylonychia pustul. 1774 und 1777, oder Rotifer vulg. 1773 hin, Müller's Urtheil für sicli zu 
gewinnen, und dieser letztere, offenbar gewichtigste, Zeuge schrieb noch am Ende seines Lebens nieder, dass kein guter Beob- 
achter ein Fressen der Infusorien gesehen habe (s. Colpoda Cucullus). So fand ich die Kenntnisse 1830, und ich ver- 
suchte sie mit umsichtiger Prüfung zu befestigen oder zu bekämpfen. 

Die Schwierigkeiten, welche die früheren Beobachter in Irrthum führten, waren folgende : 1) hielt man die vielen runden Bläs- 
chen im Innern, die Magen, für Eier oder Junge, weil sie beim Zerfliessen der Thiere zum Theil ganz liegen blieben, und Glei- 
chen hat mit der ernstesten Anstrengung ihr Auskriechen zu beobachten versucht, obschon er Farbe darin sah (s. Colpoda Cucullus 
und Paramec. Aurelia). Ich habe nun diesen Bläschen, wenn sie gefüllt waren, einzeln eine scharfe Beobachtung geschenkt und ge- 
sehen, dass sie nach einer kurzen Zeit sich entleeren und dass ihr früherer Inhalt von einem Bläschen zu einem andern wandert, wo- 

91 



363 



durch es scheint, als hätten die Bläschen seihst eine freiwillige Ortsveränderung , die sie gar nicht hahen. Diese Beobachtung wieder 
ist leicht und schwer. Oft verändert sich so ein Bläschen stundenlang nicht und man thut wohl, mit gewissen Thierchen gar nicht die 
Zeit und Kraft zu verschwenden, wenn sie nicht alshald das Gewünschte zeigen. Durch Abändern der Verhältnisse und wiederholtes 
Wachforschen kann man, so scheint es mir, es hei allen Arten so erreichen, wie ich es hei sehr vielen schon erreicht habe. Auffallend 
ist ein sich Ahschliessen dieser kleinen Magen, hei Verletzung des Darmes oder beim freiwilligen Zcrlliessen, in freie runde Kugeln, 
fällt aber dem weniger auf, welcher oft Regenwurm er dergl. zerstückelt gesehen hat, wo jedes noch so kleine Stück sich sogleich an 
den Enden so zusammenzieht, dass wenig Saft ausfliesst. So wirkt auch dort die Contraction auf diese Theile. Ferner 2) sah man 
keinen verbindenden Canal zwischen den, die Nahrungsstoffe enthaltenden, Bläschen. Dieser Canal ist bei einigen Thieren aber wirk- 
lich zu sehen und es kommt nur darauf an, diese gerade nachzuuntersuchen. Bei vielen ist er allerdings nie zu sehen, allein der Grund 
liea;t nicht im Mangel, sondern in der Art seiner Thätigkeit, indem dieser Canal, wie der Schlund der grösseren Thiere, nur zum 
Durchlassen der Speisen, nicht zu ihrer Aufbewahrung und Verdauung dient, welche letztere nur in den Magenblasen, und sichtlich, 
stattlinden (s. Bursaria vernalis). Er erweitert sich zum Durchlassen der Speise ganz beliebig, wie der kleine Mund und Schlund ei- 
ner Schlange, die ein Kaninchen verzehrt, und fällt sogleich wieder zusammen und wird, der optischen Schwierigkeiten halber, 
völlig unsichtbar, wenn er nicht in Thätigkeit ist. Auch hat man 3) darin Schwierigkeit gefunden, dass die Beobachter wohl ein Aus- 
werfen von Excrementen oder vermeinten Eiern sahen, dieses aber nicht bloss hinten, sondern auch an der Seite, bald oben, bald un- 
ten und auch vorn, beobachteten. Gleichen fand sich namentlich durch diese Schwierigkeit in seinem Urtheil aufgehalten, und Du- 
jardin hat es neuerlich zur Opposition benutzt. Der Grund dieser Ungleichheit liegt aber nicht in den Thieren, sondern in der man- 
gelhaften Critik der Beobachter für ihre Objecto. Gleichen und viele neuere bis auf Grüithüisen und noch spätere hielten alle 
Infusorien für mehr oder weniger complicirte Entwickelungsformen der thierischen Ur-Materie des Chaos, daher hat selbst der wür- 
dige Tre viranus in seiner reichen Biologie die Formen, welche er zu den wichtigsten Experimenten benutzte, mit Namen zu benen- 
nen, für unnöthig gehalten; andere thaten es sparsam oder critiklos. So verwechselte man die heterogensten Thiere eines und desselben 
Tropfens. Sah man nun ein Auswerfen am hintern Körperende, hatte man also etwa eine Enchelys vor sich, und sah man dann wie- 
der ein Auswerfen auf der Seite oder in der Mitte, so war diess nicht eine andere Lokalität dieses Actes, sondern man beobachtete 
dann ein anderes Thierchen einer ganz andern Familie und Gattung, eine Kolpodee. Sah man es aber vorn, so war es ein Stentor, 
eine Vorticelline, oder irgend ein dannloses Thierchen, Anenteron, wenn es auch in der allgemeinen Form dem ersten ähnlich 
war. Diess war es, was man nicht unterschied. Endlich hat man 4) Bewegung der Kugeln im Leibe gesehen und sie deshalb, an- 
statt für Magen, für innere Monaden oder Junge gehalten. Diese Bewegungen, welche neuerlich (s. Sientor) wieder angeregt wurden, 
beruhen entweder auf dem blossen Fortrücken der Speisen, sind also völlig ungegründet, oder sie beruhen auf den Contractionen des weichen 
Körpers, zuweilen auch im blossen Umdrehen um seine Axe. Wer den Darmcanal mit einiger Deutlichkeit sehen will, muss genau bei 
den hier angewendeten klaren Vergrösserungen folgende Formen zu erhalten suchen: 1) grosse Exemplare des gemeinen Chilodon Cu- 
cullulus, 2) Trachelius Ovum, 3) Epistylis plicatilis, 4) Vorticella chlorostigma , 5) Vort. Convallaria, 6) Opercularia 
articulata, 7) Stylonychia Mytilus. Bei diesen 7 sehr verbreiteten Formen habe ich den Canal so deutlich gesehen, dass ich ihn 
abzeichnen konnte. Ferner habe ich ihn bei folgenden Formen durch allmäliges Fortrücken der Speisen mir am leichtesten deutlich ma- 
chen können: 8) Enchelys Pupa, 9) Leucophrys patula, 10) Ophrydium versatile, 11) Paramecium Aurelia. Bei letzterer 
habe ich seinen ganzen Verlauf einmal auch direct gesehen. Besonders empfehle ich Vorticella, Epistylis und Opercularia, vorzüg- 
lich letztere 2, weil diese ganz still sitzen, und wenn man etwas Indigo oder Carmin in's Wasser mischt, bald wirbeln, ihn stromartig 
an den grossen Mund ziehen, in ihre grossen Magen bringen und bald wieder auswerfen. 



EINUNDZWANZIGSTE FAMILIE: HECHELTHIERCHEN. 

Oxytricliiiia. ©xytriqiies. 

CHARACTER: Animalia polygastrica, lorica destituta, enterodela (tubo intestinali distineto), orifieiis dis- 
cretis, neutro terminali (catotreta), eiliis vibrantibus et setis, stylis aut uncinis non vibran- 
tibus munita. 

CARACTERE: Animaux polygastriques sans carapace, ayant un canal digestif ä deux orifices 
separes, aueun aux bouls du corps, pourvus de eils vibrants et de soies, de styles 
ou de crochets non vibrants. 

Die Familie der Hechelthierchen umschliesst alle panzerlosen Magenthierchen, die einen Darm 
mit 2 getrennten, nicht an den Körperenden gelegenen, Mündungen, oder doch letztere deutlich, erkennen 
lassen, und welche neben wirbelnden Wimpern auch nicht wirbelnde Borsten, Griffel oder Haken führen. 

Sämmtliche Formen dieser Familie sind mehr oder weniger platt und haben durch ihre, nur oder 
hauptsächlich auf der flachen Bauchseite befindlichen, Bewegungsorgane und kräftigen Bewegungen nicht 
wenig Aehnlichkeit mit den Wasser-Asseln, Oniscis, welche letztere jedoch zu den krebsartigen ein- 
darmigen Pulsthieren, Sphygmozois, mit getrenntem Geschlecht gehören. Die, seit 1830 in den AbhandL 
d. Berl. Akad. mit 9 Arten in 4 Gattungen gegründete, Familie begreift einen Theil der Familie der My- 
stacinees von Bory de St. Vincent, deren Formen hier zum Theil in sehr heterogene Familien vertheilt 



363 

werden mussten. Im Jahre 1831 wurde mit unwesentlichen Abiinderungen dieselbe Zahl der Gattungen 
und Arten verzeichnet. Eine 5te Gattung, Ceratidium, wird hier hinzugefügt und die Zahl der Arten auf 
17 vermehrt. Es werden in der Gattung Oxytricha 8, in Stylonychia 6 und in den Gattungen Cerati- 
dium, Kerona und Urostyla in jeder 1 Art verzeichnet. Die erste Kenntniss solcher Formen (der Slyl- 
onychia Mylilus?) hatte vielleicht schon Leeüwenhoek sogleich in den ersten Tagen der Entdeckung der 
Infusorien im April und Mai 1675. Joblot hat dergleichen 1718 deutlich abgebildet. Hill gründete 1751 
eine Familie der Arthronien (Gliederthiere) für alle haarigen Magenthierchen und die Räderthiere, 
in welche er unter dem Gattungsnamen Scelasius (Fussthiere) solche Formen stellte. Müller nahm die- 
sen, sprachlicSi unrichtigen, Namen nicht auf, sondern verzeichnete die Formen in seinen Gattungen Tri- 
choda und Kerona, wozu später die Gattung Himanlopus kam, welche ich zu den gepanzerten Euplotis 
zähle. Bory zertheilte Müllers Formen in seine 5 Gattungen Oxitricha, Coccudina, Mystacodella, 
Plagiotricha und Tribulina, die aber mit den hier aufgestellten 5 Gattungen nicht vergleichbar sind (s. 
d. Nachtrag). Die Organisation der Familie ist reichlich ermittelt. Bewegungsorgane als Wimpern, Griffel, 
Borsten und Haken (s. d. folgenden Erläuterungen) sind überall beobachtet, und sie werden mit vieler Ener- 
gie bewegt. — Als Ernährungsorgane dienen polygastrische Zellen an einem Darmschlauche, welche ich 
schon 1830 bei den älteren Gattungen durch Farbestoffe ausser Zweifel stellte; bei Ceratidium allein sind 
sie noch unklar. Mund- und Afteröffnungen sind bei 4 Gattungen erkannt. — Als Fortpflanzungsorgane sind 
periodische eiartige Körnchen bei 4 Gattungen ermittelt, und auch männliche Organe als Drüsen und Se- 
xualblasen sind bei 4 Gattungen erkannt, üeberdiess ist vollkommene Queer- und Längstheilung bei 3 Gat- 
tungen, aber nirgends sind Knospen beobachtet. — Augen sind bei keiner Gattung vorgekommen. 

Die geographische Verbreitung der Familie ist über ganz Europa bis in das sibirische Asien beob- 
achtet. 

Uebersicht der 5 Gattungen der Familie der Hechelthierehen: 

Mit Wimpern und Borsten, ohne Griffel und Haken. . . I ^ll™ onne ^ örnei ? X *^!??.' ia 

| Stirn mit Hornern Ceratidium 

Imit Haken ohne Griffel Kerona 
mit Griffeln ohne Haken Urostyla 
mit Griffeln und Haken Stylonychia 



Erläuterung der verschiedenen Arten der äusseren Bewegungsorgane dieser Familie. 

Besonders in dieser und der folgenden Familie treten verschiedene Formen von äusseren Bewegungsorganen kräftig hervor, 
welche eine Unterscheidung gestatten und verlangen. 1) Wimpern {cilia) sind Haare, welche auf einer verdickten zwiebclartigen Ba- 
sis (bulbus) sitzen und eine wirbelnde Bewegung dadurch machen, dass sie, während die Basis sich nur in ihrer Gelenkpfanne oder 
um ihren Befestigungspunkt dreht, mit der Spitze fortwährend sehr schnell einen grösseren Kreis beschreiben. Alle so wirbelnden 
Haare sind Wimpern. Einige von diesen bilden mit der Zwiebelbasis ein continuum, cilia continua, andere sind in letztere einge- 
lenkt und können von der Basis abfallen {cilia articulatd). Letztere Form ist bei Paramecium Aurelia, erstere bei Stylonychia 
Mytilus sehr deutlich. 2) Borsten {setae) sind den Wimpern ähnliche, bewegliche steife Haare, die nicht zum Wirbeln dienen, 
aber zum Stützen und Klettern mit verwendet werden. Sie sind zuweilen ohne verdickte Basis, wie bei Actinophrys, zuweilen in der- 
gleichen eingelenkt, wie die 3 hintersten Borsten bei Stylon. Mytilus, zuweilen sind sie spitz {mbulatä}, zuweilen mit einem Knöpf- 
chen am Ende {capitata). 3) Griffel {stylt) sind dickere gerade Borsten, welche bei einigen Formen, wie die Schwanzfedern der 
Vögel, am hintern Körpertheile am Bauche sitzen, die nie wirbeln, keine zwiebelartige Basis haben, nicht hakenartig sich biegen, aber 
ebenfalls zum Stützen und Klettern dienen. 4) Haken {uncini) sind gebogene hakenartige dickere und kürzere Borsten, welche auf 
der Bauchseite die Stelle der Füsse sehr anschaulich vertreten. Sie wirbeln nicht, haben eine Zwiebelbasis, die eine allseitige Bewe- 
gung erlaubt, und obwohl sie ungegliedert sind, sind sie doch vieler Bewegungen der Gliederfüsse bei den Gliedert liieren fähig (ver- 
gleiche die Einleitung). 



HUNDERTFÜNFUNDZ WANZIGSTE GATTUNG. HECHELTHIERCHEN. 

Oxytriena. OxytriQue. 

CHARACTER: Animal ex Oxytrichinorum familia, stylis uncinisque destitutum, nec comutum. 
CARA CTERE: Animal de la famille des Oxytriques, sans styles et sans crochets, depourvu de 
cornes. 



364 



Die Gattung der Hechelthierchen unterscheidet sich in der gleichnamigen Familie durch Mangel 
an Griffeln und Haken, und durcli ungehörnte Form. 

Die Gattung Oxytricha {Oxitricha) bildete Bory de St. Vincent 1824 in der Encyclopedie me- 
thodique cChistoire naturelle aus 12 Trickoda- und Kerona- Arten von Müller und aus einem Infuso- 
rium von Joblot mit 14 Arten. Davon sind hier 2 beibehalten, einige aber zu den Gattungen Spirosto- 
mum, Kerona und Uroleptus gezogen. Seitdem 1830 die Organisation zum Abtheilungsgrunde der Gat- 
tungen gelegt ist, wurden erst 4 Arten in dieselbe aufgenommen, diese aber 1831 zum Theil wieder ent- 
fernt und durch andere Formen auf 5 erhöht. Eine 6te Art wurde 1833 als Uroleptus? patens und Oxy- 
tricha caudata beschrieben. Eine 7te Art wurde 1836 in den Mittheilungen der Berl. naturforsch. Ge- 
sell sch. angezeigt, und hier ist die Zahl der Arten auf 8 erhöht. Die ersten Formen beobachtete wohl Jo- 
blot 1718. — Die Organisation besteht aus Wimpern und Borsten als Bewegungsorganen bei allen Arten, 
wobei jedoch die letzteren mehr als starre Haare, die ersteren allein durcli Wirbeln zur Bewegung dienen. 
Die Bewegung ist oft stossweis vorwärts und rückwärts, kriechend, schwimmend und kletternd. — Als Er- 
nährungsorgane sind sichtlich feste Stoffe aufnehmende, polygastrische Magenzellen bei 5 Arten erkannt, 
die Zellen allein auch bei allen übrigen. — Als Fortpflanzungsorgane sind periodische, eiartige Körnchen 
bei 5 Arten, rundliche, männliche Sexualdrüsen bei 4 Arten, und runde Sexualblasen bei 5 Arten erkannt. 
Queer- und Längstheilung ist bei O. Lepus und Pellionella, letztere allein bei O. Cicada und vielleicht 
Pullaster ermittelt. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist durch ganz Europci bis zum Ural und Altai Nord- 
asiens, und auch im Seewasser der Ostsee bekannt. 

525. Oacytricfta rubra, rothes Htechelthierchen. Tafel XL. Fig. ix. 

O. corpore lineari, subtus piano, utrinque aequaliter rotundato, lateritio-rubro. 

O ccytrique rouge, a corps rouge - briquefe , lineaire, plat au venire, egalement arrondi aucc bouts. 

Triclioda Piscis et patens, Müller? vergl. Uroleptus Piscis. 

Oxytricha rubra, Mittlieil. d. Berlin, naturf. Gesellsch. 1836. p. 3. und 5. Abhandl. d. Akademie d. Wissenscli. zu Berlin, 

1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Copenliagen und Gothenburg in der Ostsee und Nordsee. 

Ich fand diese Art im December 1835 in Berlin mit Monuris im Seewasser aus Gotlienburg, welches seit Monat Angust da- 
selbst angekommen war, und worin sieb noch mehrere andere kleine liebliche Seethiere lebend erhalten hatten. Ich zeigte sie am 19. 
Januar in der naturforschenden Gesellschaft lebend vor. Dieselbe Art fand ich dann auch im Seewasser aus Copenhagen. In beiden 
Gefässen lebten auch Viva Lactuca und Callithamnien. Sie waren im Januar 1836 in solcher Menge, dass sie das Wasser röth- 
lich färbten. Yiele sassen an der Wand der Gläser ruhig, nur sich in kleinem Räume stossweis vor- und rückwärts bewegend, wie 
Stylonychia Mytilus oder Paramec. Aurelia es auch thun. Die Farbe der ziemlich gleich breiten, bandartigen, unten flachen, 
oben etwas gewölbten, Thierchen war mehr oder weniger, zuweilen lebhaft, ziegclroth, und beim Tode der Thierchen noch vor dem 
Eintrocknen wurde sie gelbroth. Sie gehört sehr feinen innern Körnchen, Eierchen, au. Der ganze Körper war glatt, nur am Bauche 
befanden sich 2 Reihen Wimpern und Borsten, welche eine hellere breite Furche einfassten, nnd die auch zum Klettern dienten. Eine 
grosse, Vä des Körpers einnehmende, Spalte unter der Stirn bildete den Mund, und um dessen vordem und rechten Rand standen 
wabre Wimpern. Die übrigen Haare der beiden Baucbreihcn waren zwar beweglich, aber nicht wirbelnd. Im Innern waren ausser den 
dicht gedrängten rothen Körnchen viele Blasen, Magenzellen, dazwischen 2 grosse runde Drüsen. Die contractile Blase blieb unklar. 
Die Form der Tliierchen war oft gewunden. Vcrmuthlich vermehrten sie sich durch Queertheilung. Müller' s gelbe Tric/iodae wa- 
ren vielleicht nur im durebgehenden Lichte von weissen Eierchen gelb. Tr. Piscis war aus dem Süsswasser, Tr, patens aus dem 
Ostseewasser. Letztere war vielleicht doch diese Form. — Grösse l j 12 — Vio Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. IX. 

Fig. 1. Bauchfläche; die helleren grösseren Flecke in der Mitte sind 2 Drüsen. Fig. 2. contrahirt, sterbend, in's Gelbe übergehend. Fig. 3. halb 
gewendet. Fig. 4, kletternd, Seitenansicht. Vergrösserung 300mal. 

526. Oacytricfta Pellionella, Pelzthicrclicn. Tafel XL. Fig. X. 

O. corpore albido, laevi, leviter depresso, utrinque aequaliter rotundato, medio saepe paullo latiore, capite non dis- 
creto, ore eiliato, cauda setosa. 

O cey triq ue Pellionelle, a corps blanchätre, Visse, legerement deprime, egalement arrondi aucc deux 
bouts, souvent plus large au milieu, ayant la tete continue, la bouche cilice, la queue gar nie 
de soies. 

Foule hnppce, Navette de Tisserand, Joblot, Observat. fait. avec le Microsc. p. 14. Tab. II. Fig. 1. und 6. 1718. (siehe 0. Pullaster.) 
Scelasius secundus, Hill? Historyofanimals, 1751. edit. 1773. p. 10. PI. I. Fig. 2. 
Triclioda Pellionella, Müller, Vermium fluv. liist. p. 80. Peltz - Spilleren. 

Die Wasserkatze, Eichhorn, Beiträge znr Kenntniss d. kl. Wasserth. p. 61. Taf VI. Fig. L. 21. 1775. 
Triclioda Pellionella, Müller, Animalc. Infus, p. 222. Tab. XXXI. Fig. 21. 1786. 

Polypenläuse, Gruithuisen, Beiträge zur Physiogn. u. Eautognosie, 1812. p. 317. Taf. II. Fig. 31. nicht Fig. 27. (s. Stylon. pmtnlata.) 

Oxitricha pelionella et Joblotii, Bort de St. Vincent, Encycloped. metho'd. Vers. 1824. 

Oxytricha Pullaster, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 54, 65. nicht p. 43. 

Oxytricha Pellionella, Abhandl. d. Akademie d. Wisselisch, zu Berlin, 1830. p. 43. 1831. p. 118. 1833. p. 174, 325. Taf. III. Fig. VI. 

1835. p. 164. 





365 




Aufenthalt: In Europa in Paris, England, Copenhagen, Danzig, München und Berlin, in Nordasien in Uralsk beobachtet. 

Diese Art hat eine sehr grosse geographische Verbreitung, obschon sie auch noch öfter mit Stylonyclda pustulata verwech- 
selt worden seyn mag. Ich habe schon 1833 Abbildungen der Form und Ernährungsorgane gegeben, aber seitdem noch vollständigere 
Anschauungen der Structur erlangt. Die Längen-Selbsttheilung bildete vielleicht Joblot ab, aber eine Queertheilung scheint vor mir nie- 
mand sicher beobachtet zu haben, indem Grüithuisen, der es angiebt, offenbar 2 Thiere verwechselte. Joblot fand es in Pfeffer- 
aulguss, Hill m Sumpfwasser, Müller in Infusionen, Eichhorn in Schlamm. Letzterer glaubte vorn ein Auge zu sehen, es ist 
aber wohl ein dunkel gefüllter Magen gewesen. Bort fand es in Heu -Infusionen und Pfefferaufeuss. In Berlin ist es in allen Infu- 
sionen und im stehenden Wasser eines der gemeinsten Thierchen. Farbenahrung zeigt unwiderleglich viele runde Magenzellen. Jedes 
Thierchen hat 2 ovale männliche Drüsen und zwischen diesen eine einzelne runde Sexualblase. Bei bevorstehender Längstheilun«- ent- 
wickeln sich erst 4 Drüsen und dann theilt sich die Blase. Auch glaube ich einmal die Vorbereitung zur Queertheilung gesehen zu 
haben, wobei ebenfalls der Blase die Theilung bevorstand. Eine monstruöse Längstheilung ist hier abgebildet. Ich zählte vorn bis 10 
Wimpern, hinten 4 — 5 Borsten. Die Afterstelle ist an der Basis der Borsten. — Grösse Voo bis % Linie, in Uralsk V« 8 Linie. 
(Vergl. Stylon. pustulata und Occ. gibba.) 



Erklärung der Abhildungen Taf. XL. Fig. X. 
Fig. 1—4. Einzelnere in verschiedenen Graden der Ausdehnung ihrer Sexualblasen. Fig. 2. mit eingezogenen Borsten. Fig. 5. ist wohl zur Queer- 



theilung geneigt. Fig. 6. ist in der Längstheilung. Fig. 7., 8., 10 — 11., 14. und 15. sind jüngere Formen, 
lung. Fig. 13. ist ein Hintertheil nach partiellem Zerfliessen. Fig. 16. ist gewunden, t die Drüsen. 



Fig. 9. ist monstruöse Liingsthei- 



52?. Oocytricha caudata, geschwänztes Hechclthierchcn. Tafel XL. Fig. xi. 

O. corpore albido, laevi, lineari-lanceolato, antica rotundato, postica in caudam setosam attenuato. 

O&ytric/ue a e/ueue, blanche, lisse, lineaire-lanceolee , arrondie au front, le bout posterieur aminci 
en forme de queue gamie de soies. 

Uroleptus patens, Abliandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1833. p. 278. exclus. Synon. 
Oxytricha caudata, Abhandl. d. Akademie d. Wissens eh. zu Berlin, 1833. p. 279. 

Aufenthalt: Bei Berlin und Wismar. 

Diese ziemlich grosse Form fand sich am 26. April 1832 im Süsswasser bei Berlin, und am 19. Nov. 1834 sah ich eine 
ähnliche viel kleinere Form im Ostseewasser aus Wismar, welches ich mit nach Berlin genommen hatte. Im Jahre 1833 vereinigte 
ich die grössere mit einem andern hier übergegangenen grossen Thierchen aus Wismar, und nannte beide Uroleptus? patens. Die 
letztere habe ich hier ganz abgesondert und gar nicht aufgenommen, weil ich über die richtige Stellung zweifelhaft geworden bin, ob- 
schon sie eine ausgezeichnete Gestalt und Organisation hat, indem sie zu den wenigen Infusorien gehört, welche perlschnurförmige männ- 
liche Drüsen haben, wie Stentor polymorphus. Die jetzige Occytr. caudata ist der Oxytr. rubra sehr ähnlich gebildet, nur hin- 
ten spitzer, und ich erkannte in der Mitte der Bauchfläche an der breiten Längsfurche keine Borsten, sondern nur vorn am Munde 
Wimpern und hinten 5 Schwanzborsten. Der Körper zeigte innen viele Magenblasen, jedoch Hess sich bei der grösseren Form weder 
eine contractile Blase, noch eine Drüse deutlich unterscheiden. Bei der kleineren dagegen waren 2 helle Stellen ausgezeichnet, eine 
grössere allemal in der Mitte, welches wohl eine Kugeldrüse war, und eine kleinere, nicht in allen Individuen vorhandene, die also 
eine contractile Sexualblase gewesen seyn mag. Eierchen sind nicht erkannt. — Grösse der Berliner Form Via — Vio, der Ostseeform 
^48 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XL. Fig. XI. 
Fig. 1 — 3. ist das grössere Berliner Thierchen; Fig. 4 — 6. das kleinere aus Wismar. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

528. Oocytricha platystoma, »reitmündiges Hechclthierclien. Tafel XLI. Fig. I. 

0. corpore albido, ovato - oblongo , ventris plani margine undique setoso, ore eiliato maximo. 

O aytrique platy stome, a corps blanc, ovale-oblong, plat au venire et garni de soies au bord, ayant 
la bouche tres- gründe eiliee. 

Oocytricha platystoma, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 111. 
Oxytricha eurystoma der Tafel XLI. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich beobachtete diese Art am 23. Januar 1832 in stehendem Sumpfwasser auf der Stube. Es hätten wohl Junge der Uro- 
styla grandis seyn können, doch waren sie flacher. Der Rücken war glatt, aber der ganze Umkreis der Bauchfläche am Rande bor- 
stig. Hinten und vorn waren die Borsten etwas länger. Der innere Körperraum war sehr dicht mit 20 — 30 Magenzellen erfüllt, de- 
ren einige gelbe Doocococcus oder Trachelomonas zu enthalten schienen. Die grosse ovale breit geöffnete Mundöffnung unter der 
Stirn, von mehr als V3 der Körperlänge, war mit wirbelnden Wimpern besetzt, der Körper nach hinten etwas abnehmend. Von Se- 
xualorganen wurden nur eiartige Körnchen erkannt. Bewegung um die Längsaxe wälzend, wankend, oder auf dem Rücken schwim- 
mend und kriechend. — Grösse V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. I. (O. eurystoma.) 
Fig. 1 — 2. und 4. Ansichten der Bauchfläche. Fig. 3. rechte Seitenfläche. Linearvergrösserung 300mal. 

529. Oocytricha gibba, Tb nebliges Mecheltliierclieii. Tafel XLI. Fig. II. 

0. corpore albo, lanceolato, utrinque obtuso, medio ventricoso, ventre piano, setarum serie duplici insigni, ore am- 
plo rotundato. 

92 







366 



Occytrique bossue, a corps blaue, lanceole, obtus aua> deuac bouts, brusquement e'largi au milieu 
avec deucc series de eils au venire plat, la bouche large ronde. 

Trichoda gibba et foeta?, Müller? Animalc. Infus, p. 179, 180. Tab. XXV. Fig. 16 — 20. et 11 — 15. 1786. 
Oxilrkha gibbosa et gibba, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. Dict. class. 1826. 

Aufenthalt: Bei Berlin und vielleicht bei Copenliagen beobachtet. 

Es ist der Otc. Pellionella sehr ähnlich, aber durch die Borstenreihen und die 2—3 contractilen Blasen, mitten auf eben- 
soviel Sexualdrüsen, gar sehr ausgezeichnet. Ich sah es friiber und wieder ain 11. Febr. 1835 zwischen Oscillatorien und Naviculis. 
Müller fand sein Thierchen im brakischen Küstenwasser der Ostsee, und ein ähnliches im Siisswasser. Bort gab wohl nur eine zu 
freie Uebersetzung von Müllers Beschreibung. Der Hintertheil ist kahl, die Borsten sind ziemlich fern vom Ende ausgehend und 
sind zuweilen sehr kurz und eingezogen. Ich sah im Lünern Körper Eierchen, viele Magenzellen und verschluckte Naviculas, beson- 
ders auffallend aber waren 2 — 3 helle contractile Blasen, deren jede unmittelbar über einem runden drüsigen Körper lag. Die Mund- 
wimpern gehen in die 2 Reihen von Bauchborsten über und schliessen mit 4 — 5 verlängerten Schwanzborsten. Es wirbelt oft ruhig 
auf dem Rücken liegend, oft hin und her stossweis bewegt, und kann schnell laufen. Die geringere oder grössere Durchsichtigkeit des 
Körpers rührt von mehr oder weniger Eierchen her. Schon Müller sah das plötzliche Zerlliessen. — Grösse bis V20 Linie, Eier- 
chen V2000 Linie. — (Vergl. Cercaria sefifera.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. IL 

Fig. 1. Bauchfläche, und 3 contractile Blasen auf 3 hellen drüsigen Flecken zeigend. Fig. 2. und 3. haben jedes 2 Drüsen und Blasen. Fig. 4. 
Seitenansicht beim Kriechen. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

5 30. Oocytricha Pullaster» aas WasserhüRncIiea. Tafel XLI. Fig. ni. 

O. corpore albicante, lanceolato, utrinque obtuso, venire medio nudo, capite aliquantum discreto caudaque hirtis, oris 
rima angusta. 

Occytrique Poularde, a corps blancliätre, lanceole, obtus aux deux bouts, le venire au milieu nu, 
la tete, marquee par un etranglement, ainsi que la queue poilues, la bouche en fossette etroite. 

Poule huppee, Joblot? Observat. fait. avec le microsc. p. 14. PI. II. Fig. 1. 1718. (vergl. Ox. Pellionella.) 
Trichoda Pullaster, Müller, Verm. fluv. bist. Nr. 81. 1773. Haue - Spilleren. 

Vorläufer vom Radmacher, Eichhorn? Beiträge z. Kenntn. d. kl. Wasserth. p. 35. Tab. II. Fig. ö. 
Kerona Pullaster, Müller, Animalc. Infus, p. 241. Tab. XXXIII. Fig. 21—23. 1786. 
Oxitricha Pullaster, Bort de St. Vincent, Encyclopedie meth. Vers. 1824. 

Oxytricha Pullaster, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 43. (nicht p. 54. 65.) 1831. p. 118. 

Aufenthalt: Bei Paris, Copenhagen, Danzig und Berlin beobachtet. 

Die früheren Beobachter dieses Thierchens, welches bei Berlin nicht eben häufig in stehenden Wassergefässen und Pflanzen- 
infusionen seit dem Juni 1827 von mir beobachtet, aber nach 1830 nicht wieder gefunden ist, unterschieden die verwandten ganz verschie- 
denen Thierchen nicht scharf genug, und die Abbildungen sind zum Theil abentheuerlich. Es ist der Form nach vom vorigen wenig 
verschieden, doch sah ich auch noch neuerlich keine Borsten am Leibe. Vom Pelzthierchen unterscheidet es nur die kopfartige 
vordere Anschwellung, die oft schwach ist. Magenzellen, Eikörnchen, Wimpern am Munde und etwa 10 Schwanzborsten sind erkannt, 
auch sah ich 1830 Farbeaufnahme, ohne es in der Zeichnung damals anzumerken. Nach dem Eierlegen wird es sehr klein und bildet 
Gestalten, welche der Vorticella Sputarium gleichen, was auch Slylonychia pustulata thut. Joblot fand es in Paris in Pfeffer- 
auf<russ und sah Längstheilung (vielleicht Pellioiiella oder beides), Müller mit Wasserlinsen bei Copenhagen. Im October 1779 und 
December 1780 sah er ganz behaarte (also andere Arten), und er sah das Zerfiiessen. Eichhorn sah es im Schlamme bei Danzig, 
und hat es mit Schnabel , Kamm und Auge als Hühnchen abgebildet. Die russische Form habe ich seit 1832 zu Pellionella gezogen. 
— Grösse — V36 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. III. 
Fig. 1—4. sind Zeichnungen von 1830, 300mal linear vergrössert. Fig. 5 — 6. sind von 1827, 200mal vergrössert. 

531. Oxytricha Cicada, die Wassergrille. Tafel XLI. Fig. IV. 

O. corpore albo, ovato, fere hemisphaerico , venire piano, dorso sulcato crenatoque. 

Oicytrique Cicade, a corps ovale, presque hemkpherique, plat au venire, raye et denticule au dos. 

Trichoda Cicada, Müller, Verm. fluv. bist. Nr. 85. Vaeggeluus - Spilleren. 1773. zum Theil. 
Trichoda Cicada, Müller, Animalc. Infus, p. 232. Tab. XXXII. Fig. 25 — 27. 1786. 
Trichoda Cicada, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 96. 1803. 

Coccudina Cicada, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. p. 540. 
Oxytricha Cicada, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 119. 

Aufenthalt: Bei Berlin, wahrscheinlich auch bei Copenhagen und Landshut beobachtet.« 

Schon 1831 gelang mir das Anfüllen der zahlreichen Magenbläschen mit Indigo. Ich zählte deren 25. Die Form gleicht 
einer halben Erbse oder Bohne und klettert mit borstenartigen Organen der Bauchfläche ziemlich rasch. Der Rücken ist gefurcht und 
alle Leisten sind gekerbt. Ich zählte deren 8 — 13. Die früheren Beobachter haben es wohl mit Euplotes- Arten verwechselt. Beim 
Zerfiiessen sieht man, dass der ganze Körper weich ist. Mund und After sind nicht deutlich erkannt, aber die Stellung der Borsten 
und Wimpern passt hierher. Ich sah Längstheilung. (Man vergleiche Cyclidium margaritaceum.) Sexualtheile sind nicht unter- 
schieden. Die gelbliche Farbe bei Müller kann von weissen Eierchen kommen. Er fand es im Flusswasser, ich an der Oberfläche 
stehenden Wassers, Schrank im August mit Conferven. — ■ Grösse V120 — 1 hz Linie beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. IV. 
Fig. 1—3. sind Abbildungen von 1832. Fig. 4—8. von 1830. Fig. 4. und 6. sind in Längstheilung. Vergrösserung des Durchmessers 300mal. 



533. Oxytricha Lepus, der Wasserhasc. Tafel xli. Fig. v. 

0. corpore albicante, elHptico, glabro, piano, fronte eiliata, canda setosa. 

Oxytrique Lievre, a corps blanchätre, elliptique, glabre, plat, cilie au front, garni de soies an 
bout postcrieur. 

^^S^r^rfr' P ' 89 - SamL ° f Dansk - Vidensk - Saelsk " Skrift - H - Tab. I. Fig.II. 1788.? 

TricZa7Z\ « ' An * malc - Inf us - P" 243 - Tab. XXXIV. Fig. 5-8. (Köhler 1781. = Stylen. P ust.) 
lrichoda Lepus, Schrank, Fauna boica, III. 2 p 100 

OxitricU Le P u S , Bort de St. Vincent, Encyclopedie methodique, Vers. 1824. 

Oxytricha Lejms, Abliandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 54 , 65. 1831. p. 118. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen , Berlin, Landshut und Syrjanofskoi im Altai Asiens. 

Bei Berlin lebt diese Art nicht häufig in stehendem bestäubten Wasser. Am Altai fand ich wohl dieselbe 1829 auf der Reise 

wÜw v ™ 01D * ™*" C r ferVen ' Uml 1830 Cbens0 bei Berlin > §' anz a »S efiillt mit Naviculis. Ich habe sie seitdem nicht 
™der gesehen Sie ist viel durchsichtiger als Stylonychia pustulata, mit welcher sie Köhler in Dresden 1781 verwechselte, wie 
die vo„ lhia sehr richtig gezeichneten 2 Sexualdrüsen beweisen. Müller fand sie in Mistpfützen und animalischen und vegetabilischen 
affnSrj m ^, ? Su, "I ,fwasser »«t Pflanzenaufgüssen. Ich sah nur vorn und hinten Haare, viele deutlich Stoffe 

aulnehmende Magenzellen und Eierchen. Mund und ATterstelle blieben unklar, und ich erkannte keine männlichen Sexualtheile. - 
grosse / 45 _ / 8 L, 1Bie . Müller sah Längstheilung.; ich habe Quecrtheilung beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. V. 
Fig. 1. ist nach einer Zeichnung von 1830; Vergrößerung SOOmal. Fig. 2-3. von 1827; Vergrößerung des Durchmessers 200mal. 



Nachtrag zur Gattung Oxytricha. 

Die hier ausgeschlossenen 14 der bisherigen 22, meist von Bory 1824 nach MÜLLER'schen Trichodis gegebenen, Artnamen 
haben folgende Homonyme: 1) Oxytricha ambigua Bory (1824) = Spirostomum; 2) O. Bulla Bory = Euplotes? ; 3) O 
eurystoma s. platystoma; 4) O. Felis Bory = Uroleptus?, Amphileptus? ; 5) O. Gallina Bory = Oxytricha?, JVotom- 
matal; 6) O. gibbosa Bory s. gibba; 7) O. Joblotii Bory = O. Pellionella?, Stylonychia pustulata?: 8) O. pelionella 
Bory s. Pellionella; 9) O.Piscis (Abhandl. d. Berl. Akad. 1830.) = Uroleptus; 10) O. Pulex Bory = Oxytricha?; 11) 
O. pullwtna Bory = Oxytricha Pulex?; 12) O. transfuga Bory = Oxytricha?; 13) O. variabilis Bory = Oxytr. prae- 
ceps? Theilr; 14) O. Volutator Bory = Stylonychiae pars? (Himanlopus Müller). Die fraglich dieser Gattung noch zuge- 
schriebenen Formen können lebende Fragmente von Stylonychia pustulata gewesen seyn. 



HUNDERTSECHSUNDZWANZIGSTE GATTUNG: HORNTHIERCHEN. 

Ceratidium. Keratide. 

CHARACTER: Animal ex Oxytrichinorum familia, eiliatum, stylis uncinisque destitutum, fronte cornutum. 

CARACTERE: Animal de la famille des Oxytriques, garni de eils, depourvu de styles et de 
crochets, ayant des cornes au front. 

Die Gattung der Hornthierchen umfasst die Formen der Familie der Hechelthierchen , welche, ne- 
ben dem Besitz von Wimpern und dem Mangel an Griffeln und Haken, eine in Hörner verlängerte Stirn 
führen. 

Diese Gattung wird hier zuerst aufgenommen und enthält nur eine, von keinem früheren Beobach- 
ter gekannte, Art. Ich entdeckte sie im Jahre 1820 bei Berlin und habe sie bisher übergangen, weil ich 
sie nicht wieder fand. Die auffallende Bildung lässt mich aber nun vorziehen, sie hier anzureihen. — An 
Organisations- Detail ist noch wenig scharf ermittelt. Bewegungsorgane waren nur auf der Bauchseite als 
vordere Wimpern und hintere Borsten deutlich, doch ist ihre Natur noch weiter zu entwickeln! Im Innern 
waren unbestimmte Dunkelheiten, welche wohl grösstenteils den Magenzellen angehörten. Die Stellung der 
Form ist zwar wahrscheinlich hier richtig, aber nicht sicher; sie muss stärker vergrössert beobachtet werden. 

Die geographische Verbreitung ist ausser Berlin nicht bekannt. 

533. Ceratidium tum a tum, keilförmiges Horn thier eben. Tafel XLI. Fig. VI. 

C. corpore cuneato, fronte bicorni cornibusque truncatis. 

Keratide cuneiforme, a corps triangulaire , le front bicorne tronr/ue, ainsi fite leg cornes memes. 
Aufenthalt: Bei Berlin. 



308 

Ich fand das oherhalh glatte Weissliche Thierchen 1820 zwischen Conferven, und habe es neuerlich nicht wieder gesehen. 
Die ausgezeichnete Form des Körpers wird es leicht wieder erkennen lassen. Es wirbelt, läuft und klettert schnell, wie Euplotes 
Charon. — Grösse Vso Linie. 

Erklärung der Abbildung Taf. XLI. Fig. VI. 

Es ist ein Thierchen in 2 Ansichten, bei lOOmaliger Linearvergrösserung. 



HUNDERTSIEBENÜNDZWANZIGSTE GATTUNG: KRALLENTHIERCHEN. 

Kerona. Eerone. 

CHAR ACTER: Animal ex Oxytricliinorum familia, uncinosum et ciliatum, stylis destitutum. 
CARACTERE: Animal de la famille des Oxytriques,* ayant des cils et des crochets, point de 
styles. 

Die Gattung der Krallenthierchen zeichnet sich in der Familie der Hechelthierchen durch Besitz 
von Wimpern und Krallen, so wie durch Mangel an Griffeln aus. 

Die Gattung Kerona ist von Müller 1786 mit 14 Arten gegründet worden, von denen er 7 schon 
1773 in der Gattung Trickoda besehrieben hatte. Eine 8te hatte er dann 1776 und eine 9te Art 1779 
angezeigt, die übrigen 5 waren neu. Aiuldgaard beschrieb 1793 ein Räderthier, Anuraea, ^Kerona. 
Schrank zog 1803 die Gattung zu Trickoda; Lamarck vereinigte 1815 Himantopus mit ihr. Bory de 
St Vincent zertheilte 1824 Müller s Formen in seine 5 Gattungen Tribulina, Kerona, Ploesconia, Oxi- 
tricha und Coccudina. In die Gattung Kerona nahm er 20 Arten auf, indem er zu 9 beibehaltenen Ar- 
ten von Müller noch 5 von dessen Himantopoden und 6 Trichoden stellte. Seit 1830 ist nur 1 Art, 
K pustulata, in der Gattung verzeichnet, und neuerlich ist auch diese, nach schärferer Beobachtung, ent- 
lassen und zu Stylonychia gezogen worden, wogegen eine andere, bisher unklar gewesene, Thierart die 
Charactere der Gattung hat erkennen lassen. Diese Form ist zuerst von Rösel unterschieden, vielleicht 
aber schon Leeüwenhoek bekannt gewesen. — Die Organisation ist reich und fast befriedigend ermittelt. 
Der ganze Körper ist überall bewimpert, auf der Bauchseite sind überdiess Krallen und vielleicht einige 
Borsten — Zahlreiche Magenzellen zeigen den polygastrischen Bau des Ernährungsorganismus. Der Mund 
und wahrscheinlich auch die Analstelle sind beide auf der Bauchfläche. — Das Fortpflanzungs - System zeigt 
Dualismus als Eierchen und 2 Drüsen sammt einer contractilen Blase. Selbsttheilung ist nicht beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Gattung und einzigen Art ist mit Sicherheit nur bei Nürnberg, 
Landshut und Berlin beobachtet. 

534. Kerona Polyporum, ovale Polypenlaus. Tafel XLI. Fig. VII. 

K. corpore albicante, depresso, elliptico-reniformi, ciliorum serie frontali snb os producta longiore. 
Kerone des Polypen a corps blanchätre, deprime, elliptir/ue, echancre en forme de rognon, ayant 
une serie de cils allonges au front termince saus la bouclie. 

Animalcules an fio* of Polles, Leeuwenhoek* Philosoph. Transact. Vol. XXIII. Nr. 283. 1703. (vergl • ™^J^*-> 
AMmMes des Polypes, Trembley? Histoire des Polypes, Tab. VII. 1744. (vergl. Trichodina. Nicht Goze s Thierchen.) 
Ovalrunde Polypenläuse, Rösel, Insectenbelustig. III. p. 503. Taf. LXXXIII. Fig. 4. 175j. 
Cyclidium Pedicuhts, Schrank! Fauna boica, III. 2. p. 64. 1803. 

Polypenläuse, Gruithuisen , Beiträge z. Physiognosie und Eautognosie, p. 315. 1812. (verwechsel mit Stylonycha.) 
Cyclidium Pediculus, v. Olpers? de animatis et veget. corporibus in animat. corp. reper p 07. 1810. Trichodina 1 

Feränderte Polypenkörner?, Schweigger, Handb. d. Naturg. p. 325. 1820. (v. Baer, N. Act. Nat. Cur. XIII. p. 723. 1827. s. Tnchodma.) 
Kerona Polyporum, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Delft?, der Haag?, Nürnberg!, Landshut!, München, Berlin!. 

Diess Thierchen fand ich erst am 11. April 1835 auf sehr vielen Exemplaren der Hydra vulgaris und oligacti* bei Ber- 
lin, und sah es wieder am 3. Mai. Ich habe es seitdem auch im Sommer 1836 frei in Gefässen angetreten , worin damit behaftete 
Polypen lebten. Es läuft beständig auf allen Theilen des Körpers, auch auf den Fangarmen, auf und nieder, ist unten ganz flach 
und hat daselbst vorn 3-4, hinten 5-6 Krallen, von denen 3 bis 4 der letzteren mehr borstenartig sind. Der Rucken ist ein we- 
nig gewölbt und überall bewimpert, wobei ich neuerlich undeutliche Längsreihen erkannte. Der Mund ist eine schmale Spalte in der 
Ausbuchtung, überragt vom länger bewimperten Rande. Der After ist nicht direct beobachtet, aber sehr wahrscheinlich vor dem Hellen 
Ende. Es Hessen sich mehr als 40 Magenzellen zählen, von denen viele mit bräunlichen (halb verdauten grünen?) Monaden er» 
waren. Zwischen denselben Hessen sich Eikörnchen unterscheiden. Zwei grosse durchscheinende Kugeldrüsen und eine stral,len1 ^ ^ 
tractile Blase in der Körpermitte nahe am Mundrande vollendeten den Organismus. Schwimmen wankend. Man hat es ™ m po l 
chodina Pediculus verwechselt, aber schon Rösel unterschied die ovalrunden und tellerförmigen, oder Theekopgen-ar gen ^ y- 
penläuse, und Schrank hat sie auch scharf gesondert. Gruithuisen muss diese wohl auf Polypen bei München S ese J » 
weil er sie richtig mit Stylonychien vergleicht, obschon er den Namen Polypenläuse für letztere ganz fehlerhalt ™ wen _ • 
Polypen sterben, wenn sich diese Parasiten sehr vermehren (vergl. Trichodina Pediculus, p. 266.). — Grosse is /« mie. 



Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. VII. 

Fig. 1. Bauchseite. Fig. 2. Rückenseite; t Drüsen,. * Sexualblase. Fig. 3. und 4. kletternd; sämmtlich bei 300maliger Linearvergrösserung. Fig. 5. 
eine kleine Hydra oligaclis mit den Thierchen besetzt, 12mal vergrössert. 



Nachtrag zur Gattung Kerona. 

Von den bisher gegebenen 27 Artuaiuen haben die liier ausgeschlossenen 26 folgende Synonyme: 1) Kerona Acarus La- 
marck (1815) = Kerona?, Stylonychia? Theil; 2) K. Calvitium Müller (1786) = Kerona?, Stylonychia?; 3) K. Co- 
rona Lamarck (1815) = Himantopus Charon, pars?; 4) K. Cypris M. (1786) = Stylonychiae pars; 5) K. depauperata 
Bory (1824. Encycloped. method.) = Kerona? (foveata); 6) K. erosa Bory (1824) == Stylonychia, Hintertheil ; 7) K. fim- 
briata Bory (1824) = Stylonychia? Vordertheil ; 8) K. Haiistellum Müller (1786) == Stylomjchia, Vordertheil; 9) IL Hau- 
stmm M. (1786) = Stylonychia , Vordertheil; 10) K. Histrio M. (1786) == StylonycMa; 11) K. larvoides B ory (1824) s. 
Himantopus Larva; 12) K. Lepus M. (1786) =±= Trichoda L.; 13) K. Ludio Lamarck (1815) s. Himantopus; 14) K. 
Lyncaster M. (1786) = Euplotes?; 15) K. Mytilus M. (1786) = Stylonychia M.; 16) K. octoceras Abildgaard (1793) 
= Anuraea quadrata? ; 17) K. Patella M. (1786) == Euplotes; 18) K. peclinata Bory (1824) s. Trichoda eiliata, Kie- 
men-Fragment?; 19) K. Pullaster M. (1786) = Occytricha; 20) K. pustulata M. (1786) = Stylonychia; 21) K. Rasteilum 
M. (1786) = Euplotes?, Aspidiseal ; 22) K. rostrata Bory (1824) s. Trichoda roslr.; 23) K Sannio Lamarck (1815) 
= Keronae pars? ; 24) K. Silurus M. (1786) = Oscytricha; 25) K. trtmeata Bory (1824) s. Trichoda Augur; 26) K. 
Vannus M. (1786) = Euplotes. — Da es oft schwer hält, die sämmtlichen Bewegungsorgane zu erkennen, so lässt sich, den bis- 
herigen Nachrichten nacli ? mit Sicherheit nicht von andern Arten der Gattung sprechen. Die Abbildungen sind oft mangelhaft. 



HUNDERTACHTUNDZWANZ1GSTE GATTUNG: GRIFFELTHI EUCHEN. 

Urostyla. Urostyle. 

CHARACTER: Animal ex Oxytrichinorum familia, eiliatum, stylis munitum, uncinis carens. 

CARACTERE: Animal de la famille des Oxytriques, gami de eils, pourvu de styles^ depourvu 
de crockeis. 

Die Gattung der Griffelthierchen ist in der Familie der Hechelthierchen durch den Besitz von Grif- 
feln neben Wimpern, und durch den Mangel an Haken ausgezeichnet. 

Die Gattung wurde 1830 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wiss. mit 2 Arten gegründet, die aber 
schon 1831 in eine verschmolzen wurden, und es ist noch keine zweite beobachtet. Es scheint auch, dass 
die Form früher nicht bekannt gewesen. — An Organisation ist die einzige Art befriedigend reich. — Als 
äussere Bewegungsorgane des fast walzenförmigen Körpers dienen, ihn überall in dichten Reihen bedeckende, 
zahllose Wimpern, welche zu beiden Seiten der langen xWundspalte grösser sind. Auch am hintern Körper- 
ende auf der Bauchseite ist eine kleinere Spalte, welche mit nicht wirbelnden Griffeln eingefasst ist. — Im 
innern Körper bezeichnen viele runde Magenblasen das Ernährungssystem, welches leicht Farbe und feste, 
auch grosse, Körper aufnimmt. — Eine Drüse in der Mitte des Körpers und eine contractile Sexualblase 
sammt einer feinkörnigen, überall vertheilten, Eiermasse bilden das männliche und weibliche Fortpflanzungs- 
system. Ueberdiess ist queere Selbsttheilung beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist mit Sicherheit nur in Berlin bekannt. 

535. Urostyla grandis, grosses Orilfeltliierchen. Tafel XLI. Fig. Vlll. 

U. corpore albo, semicylindrico , subclavato, utrinque rotundato, antica parte levius incrassata, stylis brevibus. 

Urostyle gründe, a corps blaue, semictjlindri</ue, arrondi auoc deuas bouts, presr/ue en forme de mas- 
sue par un gonflement leger du front, ayant les styles courts. 

Urostyla grandis, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 43. 1831. p. 119. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Diess Thierchen hielt ich anfangs für Trichoda patens, welche ich nun als Uroleptus verzeichnet habe. Es lebt im Früh- 
ling zahlreich an schleimigen abgestorbenen Schilfblättern der langsam fliessenden Gewässer. Am 23. März 1835 sah ich wieder Hun- 
derte, und ebenso am 15. April 1836. Früher fand ich es auch im Mai. Es ist der walzenförmigen Bursaria vorax und der kral- 
lenführenden Stylonychia lanceolata sehr ähnlich. Der Körper, am Bauche flach, ist reihenweis eng bewimpert, weiss, bei durch- 
gehendem Lichte gelblich. Hinten und vorn schienen einige längere Borsten zwischen den Wimpern zu seyn. Die vordere Mundspalte 
ist sehr gross, der Körperlänge, und auf beiden Seiten mit längeren Wimpern besetzt. Hinten bezeichnet eine kleinere Spalte 

93 



3VO 



offenbar den After, und diese ist nr links mit 5 — 8 kleinen Griffeln (die keine Zwiebelbasis Laben) eingefasst. Es nahm leicht In- 
digo auf und hatte im natürlichen Zustande gewöhnlich viele Magen mit Chlamidomonas , Bacillarien und auch Räderthieren 
erfüllt, so dass es oft sehr bunt aussah. Der Magensaft ist farblos. In der Körpermitte erkannte ich eine Kugeldrüse und am Grunde 
des Mundes rechts eine runde coutractile Blase. Die Bewegung war meist stossweis, bald vorwärts, bald rückwärts, auch schwimmend 
mit Drehen um die Längsaxe. Weisse Eierchen geben die Undurchsichtigkeit und Grundfarbe. Ich sah Queertheilung mit vorangehen- 
der Tbeilung der Sexualdrüse. Die Jungen sind etwas flacher als die Alten. Trichoda Uva von Müller könnte daher ein Junges 
seyn. — Grösse l j l2 — Vs Linie. 

Erklärung der Abbildungen Tafel XLI. Fig. VIII. 

Es sind 5 Exemplare in verschiedenen Zuständen bei gleicher 300maliger Linearvergrösserung dargestellt. Fig. 1-2. Bauchseite; 2 mit angezeigter 
Strömung in den Mund beim Wirbeln, t Sexualdrüse, * Sexualblase. Beide haben Indigo aufgenommen, und mehrere verschluckte Naviculas, um- 
geben von farblosem Magensafte, im Innern. Fig. 3. ist in Queertheilung, Rückenseite; tt die schon getheilte Drüse. Bei + ein verschluckter Ho- 
tifer vulgaris , an seinen Zähnen und Augen kenntlich. Fig. 4. und 5. sind Junge. 



HUNDERTNEÜNUNDZWANZIGSTE GATTUNG: WAFFENTHIERCHEN. 

Stylonychia. Stylooyque. 

CHARACTER: Animal ex Oxytrichinorum familia, eiliatum, stylis uncinisque armatum. 
CARACTERE: Animal de la famille des Oxytriques, eilte et garni de styles et de crochets. 

Die Waffenthierchen der Familie der Hechelthierchen unterscheiden sich durch Griffel und Kral- 
len neben den Wimpern. 

Diese Gattung ist seit 1830 von mir vorgeschlagen worden und hatte anfangs 2 Arten, welche jetzt 
auf 6 vermehrt worden sind. Sie enthält sehr verbreitete und sehr ausgezeichnete, daher schon frühzeitig 
bekannt gewordene, Formen. Leeüwenhoek scheint schon 1675 Stylonychia Mytilus gesehen zu haben, 
und Joblot hat dieselbe oder St. pustulala 1718 noch deutlicher gezeichnet. Hill nahm solche Formen 
wahrscheinlich unter den Namen Paramecium quarlum und vielleicht lertium, auch wohl als Scelasius 
auf. Ellis beschrieb Styl, pustulala wohl 1769 als Volvox Oniscus. Miller nannte sie 1773 Trichoda 
und 1786 Kerona und Himantopus. Müller ist, obwohl er mit rühmlichst anzuerkennendem Fleisse beob- 
achtete, doch in viele Irrthümer dadurch gerathen, dass er die Selbsttheilung und das Zerfliessen dieser 
Formen sammt den daraus entwickelten Gestalten nicht allgemein genug erkannte. Deshalb hat er aus den 
Hälften viele besondere Arten gebildet. Bory de St. Vincent hat 1824 diesen Uebelstand dadurch noch 
vergrössert, dass er die vermeinten Arten neu classificirt und daraus sogar neue Gattungen gebildet hat. 
So ist denn in diese Formen eine grosse Verwirrung der Namen gekommen, welche jedoch durch die vor- 
trefflichen Abbildungen von Millers Bruder, verbunden mit angestrengten neuen Naturbeobachtungen, man- 
nigfach ausgeglichen ist und sich wird vollends überwinden lassen. — Die Organisation ist sehr befriedigend 
ermittelt. Als Bewegungsorgane dienen überall Wimpern, Borsten, Griffel und Krallen, bei einer Art sind 
sie zählbar gewesen. — Als Ernährungsorgane sind bei 1 Art Darmcanal und viele Magenzellen in ihrem 
ganzen Verlaufe und Verbindungen scharf ermittelt, bei allen übrigen sind Magenzellen und Stoffaufnahme 
beobachtet. — Als Fortpflanzungsorganismus ist ein dicht gekörnter Eierstock bei allen Arten erkannt. Als 
männliche Organe sind bei 2 Arten je 2 Drüsen, und bei 4 Arten contractile Blasen beobachtet. Queer- 
und Längen -Selbsttheilung ist bei 2 Arten, queere allein bei einer dritten ermittelt. Bei St. pustulala ist 
wohl Knospenbildung gesehen. Die Lebensdauer und Schnelligkeit der Vermehrung ist bei St. Mytilus und 
pustulala direct beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist über ganz Europa bis tief in das nordwestliche Asien 

erkannt. 

536. Stylonychia Mytilus, Muscheltlnerclieii. Tafel XLI. Fig. IX. 

St. corpore albo, utroque fine hyalino, piano, oblongo, medio leviter constricto, fronte dilatata obliqua, forma Mytili. 

Stylonyque Moule, a corps blaue, hyalin aucc deucc bouts, plat, oblong, legerement etrangle au 
milieu, elargi au front oblique, en forme de moule. 

Living creature like n Müsset - Shell , Lkeüwenhokk , Philosoph. Transact. XT. p. 855. (1675.) 1677. (vergl. Chilodon.) 

Animalcula, Anonymus, Philosoph. Transact. XXIII. Nr. 284. 1703. p. 1368. Fig. F. copirt yon Baker und Hill (vergl. Paramecium Au- 

Telia.) 

he Pirouetteur coneave et convexe, Joblot? Observat. fait. avec le Microscope, p. 81. PI. 11. Fig. 2. Vordertheil. 1718. 

Paramecium tertium el quartum, l HhXj Natura i history of Animals, 1751. Fig. von 1703. 
Scelnsius primus? \ 

Trichoda Mißüus , Cypris , Sannio, Acarus, Müller, Vermium fluv. hist. 1773. 

»ic Mauersiye , Eichhorn, Beiträge z. Kenntn. d. kl. Wasserth. p. 49. Taf. V. Fig. E. 1775. 



371 



Trichoda Cimex , Göze, Beschäftig, d. Berl. naturf. Gesellsch. III. p. 376. Taf. 8. 1777. (St. pustulata?) 

Trichoda Mytilus , Herrmann, Naturforscher, XIX. p. 51. Tab. II. Fig. 12. 1783. 

Kerona Mytilus, Mülier, Animalc. Infus, p. 242. Tab. XXXIV. Fig. 1 — 4. 1786. ' Normalform. 

Kerona Cypris, Hauslrum, Hamtellum, Müller, Animalc. infus, c. Fig. Vorderteil. 

Trichoda fimkriata, Vorderteil, erosa, rostrata, Hintertheil, Müller, Animalc. Infus, c. Fig. 

Himantopus Acorus, Ludh, Sanniß, Corona, Müller, Animalc. Infus. Fragmente. 

Trichoda Mytilus, Schränk, Fauna boica, III. 2. p. 99. 1803. 

Kerona Mytilus, Cypris, Haustrum, HansteVum, fimhriata, erosa, rostrata, Acorus, Lndio, Sannio, Corona, Bory, Encycloped. method. 

Vers. 1824. 

Playiotricha Diana, Bort, Encyclopedie method. Vers. 1824. 

Stylonychia Mytilus, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 43. 1831. p. 10, 30, 120. 1833. p. 174, 330. Taf. VI. 

Fig. II. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: In England?, Holland?, Paris?, Copenhagen!, Danzig!, Quedlinburg?, Strassburg, Landshut, Charenton? und Berlin!. 

Diess Thierchen ist im freien Wasser zwischen Oscillatorien und in Infusionen bei Berlin zu allen Jahreszeiten sehr gemein, 
und ist auch sehr deutlich von früheren Beobachtern beschrieben und abgebildet worden. Zweifelhaft könnte Leeuwenhoek's , sich 
wohl in Chilodon theilende, Beobachtung seyn, aber vergleicht man die Beschreibung aus England von 1703 und hält man Müller's 
Abbildung der St. Mytilus mit der Fig. F. vou 1703 zusammen, so ergiebt sich eine kaum zu bezweifelnde Gleichheit dieser Formen. 
Hill und Baker haben diese Figur copirt, und ersterer hat aus der Seitenansicht eine besondere Art, Paramecium quartum, ge- 
bildet. In dieser Figur mag auch wohl 1703 Paramecium Aurelia mit gemeint seyn. Hill fand es auch im Aufguss von Nusc 
vomica. Eichhorn's Abbildung aus Danzig ist, obwohl roh, doch sprechend, und Müllers Abbildung ist völlig genügend für eine 
geringere Yergrösserung. Diess grosse Thierchen zeriliesst sehr leicht, theilt sich und verändert sich beim Eierlegen sehr bedeutend. 
Daher kommt es, dass es schon Müller mit 11 Namen in 3 Gattungen belegt hat. Schon 1773 sah Müller das Auswerfen der 
Excremente. Eichhorn sah schon 1755 die helle Sexualblase, viele Magcnzellcn und vielleicht auch die beiden Drüsen. Eine Drüse 
mit der Sexualblase sah Müller bei Tr. Haustellum, und er zeichnete auch vielleicht bei Himant. Sannio eine Drüse 1786. 
Bory übersetzte Müller's Beschreibung so frei, dass es unsicher bleibt, ob er die Drüse selbst gesehen hat. Diess ist bei allen die- 
sen Formen, auch bei der Hauptform, K. Mytilus, der Fall; das Hintertheil (lt. erosa) hat er allein in der Marne bei Charenton 
ausdrücklich selbst gefunden. Schrank fand das Thierchen in allen Aufgüssen in Landshut. Wahrscheinlich meint es Gruithuisen 
auch als Polypenläuse (s. St. pustulata). Sonderbar ist, dass es Gleichen nicht deutlich bezeichnet hat. Schon 1830 habe ich 
die systematische Stellung dieses Thierchens physiologisch zu befestigen gesucht, allein besonders 1833 (1832) habe ich seine Lebens- 
verhältnisse so dctaillirt mitgetheilt, dass diese mühsamen Darstellungen vorläufig als Typus für die ähnlichen Infusorien gelten konnten. 
Ich habe auch diese Beobachtungen 1835- und hier noch weiter vermehrt. Der sehr flache Körper ist vorn und hinten sehr durchsich- 
tig, so dass man ein Rückenschild zu sehen glaubt, allein es sitzen daran Wimpern und es ist sehr weich und biegsam. Eine in der 
Mitte jederseits, wie eine 8 etwas eingebogene, schlingenartige Reihe von wirbelnden Wimpern bildet die Einfassung des ganzen Kör- 
pers. Ich zählte solcher Wimpern bei 10 Exemplaren 122 bis 144, und fand bei jedem andere zwischen diesen Extremen liegende 
Zahlen. Die übrigen Organe hatten feste Zahlen. Eine leichte Trübung lag als Streif unter den Knötchen der ganzen Wimperreihe, 
und ich halte diess für die bewegende Muskellage. Am hintern Ende waren keine Wimpern, sondern 3 auf Knötchen sitzende beweg- 
liche Borsten standen in grösseren Zwischenräumen. Wo eine fehlte, erkannte ich es am Zwischenräume. Ueberall waren 5 Griffel 
von ungleicher Länge an der Afterstelle, überall waren auf der Bauchseite rechts 18 fussartige Haken, paarweis von vorn nach hinten 
verlaufend. Einzelne Borsten fand ich zuweilen ausgefallen; so mag es auch mit den Wimpern seyn, deren Lücken schwieriger zu ent- 
decken sind. Der Mund, fast in der Körpermitte gelegen, führt in einen gerade zum After verlaufenden weiten Darm, an welchem, 
wie Beeren an der Traube, über 20 Magen als kleine Beutel angeheftet sind. Der Magensaft ist deutlich farblos. Farbeaufnahme ge- 
lang schon 1830. Den ganzen mittleren Körper füllten in den Zwischenräumen sehr feine weisse Körnchen, die ich für Eier halte und 
welche oft fehlten (unentwickelt oder entleert waren). An den hellen Stellen vorn und hinten fehlten sie immer, dahin also reicht der 
Eierstock nicht. Links in der Einbiegung der Wimperreihe, ausgeschlossen von dieser, war eine runde helle contractile Blase, und 
die 1833 noch vermisste Drüse habe ich später ebenfalls beobachtet, sogar immer doppelt gesehen. Sie ist von Gestalt oval. Beson- 
ders interessant sind die Selbsttheilung und das partielle Zerfliessen als Bedingungen sehr verschiedener auffallender Formveränderungen. 
Ich sah nur Queertheilung. Das so eben abgeschnürte Vordertheil gleicht vollständig der Kerona Haustrum Müller's, und das Hin- 
tertheil der Trichoda erosa. Beim Zerfliessen bildeten sich die wunderlichsten munter fortlebenden Fragmente, welche ganz den Hi- 
mantopoden Müllers vergleichbar waren. Ich habe diese Form Veränderungen umständlicher bei St. pustulata abgebildet. Die 
Bewegung ist meist ein vor- und rückwärts Stossen, doch klettern, laufen und schwimmen sie auch behend, den Bauch meist nach oben. 
Nach den am 14. Nov. 1830 gemachten, 1831 mitgetheilten, Beobachtungen lebte ein einzeln abgesondertes Thierchen dieser Art 9 
Tage lang fort, nachdem es sich durch Queertheilung in 24 Stunden in 3 ganze Thiere gethcilt hatte. Aus diesen 3 Thieren wurden, 
nach 24 Stunden Ruhe, wieder in 24 Stunden durch Queertheilung 12. Es ist mithin durch blosse Theilung (ohne die Eier) eine 
Verdreifachung und Vervierfach ung in 24 Stunden, also 31öglichkeit der Vermehrung jedes Einzelthieres zu 1 Million in 10 Tagen, 
beobachtet. Reichliche Nahrung begünstigte die Vermehrung. — Grösse V20 — Vs Linie beobachtet. (Vergl. St. pustulata.) 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLI. Fig. IX. 

Fig. 1. Rückenseite. Fig. 2. Bauchseite; Vergrösserung 300mal im Durchmesser, o' der Mund, w After, i Darmcanal, v Magenbeutel, * männliche 
contractile Sexualblase, t Sexualdriisen, + hintere Borsten. Fig. 3. ein frei bewegtes Exemplar mit einer verschluckten, durch den Darm bis tief in 
einen Magen reichenden und sammt diesem den Körper mit ausdehnenden, Oscillatorie, welche noch lang ans dem Munde vorsteht. Fig. 4. Rücken- 
seite. Fig. 5. Seitenansicht beim Klettern {Paramecium tpiartum Hill). Fig. 6. Queertheilung. Fig. 7. freigewordenes, sich bald wieder er- 
gänzendes, Vordertheil {Kerona Haustrum). Fig. 8. Hintertheil {Trichoda erosa). Fig. 9. Theilung durch Zerfliessen. Fig. 10. ein sich 
wieder ergänzendes Vordertheil, kein Uroleptus. 

537. Stylonychia pustulata, (Masiges) Flundertbierchen. Tafel XLII. Fig. I. 

St. corpore albo, turbido, elliptico, utrinque attenuato, obtuso, uncinorum fascia media. 

Stylonyque pustuleuse, a corps blanc, trouble, elliptique, aminci et obtus aucc bouts, ayant une 
bände de crochets au milieu du venire. 

Smal oval creatures with Utile feet, Leeuwenhoek ? 16. Juni 1675, Philos. Transact. XI. p. 828. 1677. 
Animal shaped like a Flunder, Anonymus, Philosoph. Transact. XXIII. p. 1368. Fig. G. 1703. 



392 



Grosse araignee aqmtique , Goulu, Jomot, Observation faites avec le Microsc. e.l. 1754. p. 14, 67, 78. PI. 2. Fig. 3, 4, .,. PI. 8. 

Fig. 9. PI. 10. Fig. 19. 1718. 
A third sorl resembling a Flunder, Baker, t he Microsc. m ade easy, 1742. ed. 1795. p. 73. Fig. 3. Cop. von 1703. 
Animaletli in contatto, Beccaria 1765. bei Spallahzani, Opuscoli di fisica anim. I. p 145. Tav. I. Fig. III. 1776. 
Volvox Oniscus, Ellis, Philosoph. Transact. LIX. p. 150. Fig. 4. 1709. 
Trichoda Silurus r Cyclidium, Pulex, Calvitium, Pullasier?, Möller, Vermium fluv. hist. 1773. 
/ arossi Spinosi, Corti, Osservaz. microsc. snlla Tremella, p. 100. Tav. II. Fig. 13. 1774. 

Hurtiges Thierchen mit 2 Stacheln, Eichhorn? Beiträge z. Kenntnis* der kl. Wasserth. p. 35. Taf. II. Fig. R. 1775. (s. Chaelonotus.) 
Trichoda Acarus, Müller, Naturforscher, IX. Synonyme, p. 208. 1776. 

Trichoda Cimex, Göze , Beschäftig, d. Berlin, naturf. Gesellsch. III. p. 376. Taf. 8. 1777. (St. Mytilus?) 
Trichoda Lcpus, Köhler, Naturforscher, XVI. p. 71. 1781. Taf. III. Fig. a — h. 
Cyclidium radians, Hermann, Naturforscher, XX. p. 151. Fig. 27. i, 1784. 
Trichoda foveata? , Augur, Cyclidium, Cursor, Pulex, 1 

Kerona Silurus, pustulala, Calvitium, Puttaster? \ Müller, Animalc. Infus. 1786. abgebildet. 

Himantopus Larva, Volutator, ) 

Trichoda Cyclidium, Schrank, Fauna boica III. 2. p. 97. 1803. 

Grosse Polypenläuse, Gruithüisen, Beiträge z. Physiogn. u. Eautognos. p. 314. Taf. II. Fig. 25, 27, besonders 28. 1812. 
Oxitricha Pulex, pullicina , Volutator, Pullasier? i r 

Kerona pustulala, Augur, foveata, SJurus, Calvitium, larvoides , Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 
Mystacodella Cyclidium , ' 

Kemna pustulala, Abhandl. d. Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 53, 63. 1831. p. 119. 
Stylonychia pustulala, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: In England, Paris, Turin, Modena, Copenhagen!, Danzig!, Quedlinburg?, Dresden!, Landshut, München!, Berlin!, 
Freiberg, Petersburg! und Catliarinenburg im Ural! beobachtet. 

Diess Thierchen, bei Berlin in allen Infusionen und in freiem Wasser mit Oscillatorien stets häufig, auch 1833 in Copenha- 
gen im Seewasser und neuerlich im Grubenwasser von Freiberg, 1829 in Petersburg und Catliarinenburg von mir selbst beobachtet, ist 
deshalb eine der merkwürdigsten Infusorienformen, weil man sehr frühzeitig seine Organisation und Selbsttheilung bemerkte und diese 
oft wieder beobachtete. Queertheilung sah man schon 1703 (als Begattung). Joblot bildete Queer- und Längstheilung ab. Ellis 
sah wieder Queertheilung, Beccaria hielt es in Turin für Begattung, Müller sah dasselbe, Köhler beobachtete 1781 in Dresden 
genau die Dauer, V* Stunde für die Abschnürung und im Ganzen % Stunde bis zum völligen Auswachsen der Theile. Gruitiitjisen 
hat Queertheilung auch beschrieben. Ferner hat man an dieser Form, wie es scheint, schon frühzeitig öfter das Verschlingen anderer 
Infusorien gesehen. Schon Joblot hat es abgebildet, Corti's und Göze's Abbildungen stimmen sehr mit jener überein, doch könnte 
man St. Mytilus gemeint haben. Köhler hat ganz deutlich schon 1781 die beiden männlichen Drüsen gesehen, welche Müller 
noch 1786 bei St. Histrio für Eier hielt. Auch Gruithuisen hat 2 grosse ovale drüsige Körper gezeichnet. Im Jahre 1830 be- 
schrieb ich die Ernährungsorgane umständlich und gab Abbildungen der Magen nach Farbenahrung unter dem Namen Kerona. Die 
Sexualtheile als Eierchen, zwei ovale Drüsen und 1 runde Sexualblase habe ich 1831 und 1835 vollständig angezeigt und wissenschaft- 
lich erwiesen. Auf den grossen Formenwechsel dieser sehr verbreiteten Art habe ich bei der Synonymik von Müller und Bort de 
St. Vincent (Isis 1833. p. 242. und 1835. p. 1194.) aufmerksam gemacht. Erst spät habe ich bei dieser Form auch die Krallen 
erkannt, woran ich sonst St. Histrio unterschied. Ich habe Queertheilung, Längstheilung und Knospenbildung, auch durch das die 
Eierausscheidung begleitende partielle, Leben und Bewegung nicht unterbrechende, Zerfliessen eine zahllose Formenmenge hervorgehen 
gesehen, deren viele man früher als besondere Arten und Gattungen beschrieb. — Grösse bis % Linie, Eierchen »/ 2ü oo Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. I. 

Es sind 26 verschiedene Gestalten nnd Zustände dieses Thierchens bei 300maliger Linearvergrösserung. Fig. 1. und 3. Bauchseite; Normalformen. 
Fig. 2. Rückenseite; o' Mund, t Drüsen, * Sexualblase. Fig. 4. Bauchseite bei bevorstehender Queertheilung. Fig. 5. Seitenansicht im Klettern. 
Fig. 6. Queertheilung. Fig. 7. Knospenbildung. Fig. 8. ein munteres Vordertheil nach dem Zerfliessen {Trichoda succisa). Fig. 9. Längs- 
theilung von hinten nach vorn. Fig. 10. Act des Zerfliessens und Freiwerdens der Eierchen. Fig. 11. Vordertheil kurz nach vollendeter Theilung. 
Fig. 12. Fragment nach dem Zerfliessen. Fig. 13. Auswerfen durch den After, 60—70 Magen. Fig. 14. verschluckte Naviczda viridis. Fig. 15. 
verschluckte Oscillatorie. Fig. 16. Längstheilung von vorn nach hinten. Fig. 17. Hintertheil kurz nach der Theilung. Fig. 18. ungleiche Längs- 
theilung. Fig. 19. freie Hälfte nach Längstheilung, erinnert an Oxytricha Pellionella. Fig. 20 — 21. vorderes Zerfliessen. Fig. 22. Form 
der Oxytricha Pullaster durch Zerfliessen, nach einer von mir in Petersburg gemachten Zeichnung. Fig. 23. fortgesetztes Zerfliessen derselben. 
Fig. 24. zerflossener Theil in Form des Himantopus Ludio und Larva. Fig. 25. und 26. zerflossenes Thierchen in Form der Trichoda For- 
ceps, Forfex und Index, die aber aus allen Arten der Gattung entstehen können. Die Krallen sind oft eingezogen und sammt den Griftein und 
Borsten, besonders bei der Rückenansicht, unkenntlich. Die Figuren 1., 3., 4., 16. sind neuerlich scharf beobachtet, die übrigen sind als ältere 
Skizzen zu betrachten. 16 — 18 Stirnwimperu, 14 Haken, 5 Griffel und 3 Borsten schienen Normalzahlen zu seyn. 

538. Stylonychia Silurus, Welstliierclien. Tafel XLII. Fig. II. 

St. corpore albo, forma Mytili, minore, eiliis uiicinisque praelongis. 

Stylonyaue Silur e, a corps Haue, pelit, en forme de Moide, ayant les eils et les croc/tets dien longs. 

Trichoda Silurus, Müller? Vermium fluv. Ii ist. 1773. p. 88. 

Kerona Silurus, Müller? Animalc. Infusor. p. 244. Tab. XXXIV. Fig. 9 — 10. 1786. Bort, 1824. 

Aufenthalt: In Copenhagen, vielleicht auch bei Berlin. 

Ich fand diese Form Anfang Septembers 1833 im Süsswasser des Copenhagener botanischen Gartens, und beobachtete sie in 
mitgenommenem Wasser zu Ende Sept. und am 5. Nov. noch in Berlin, wo ich sie mit Chlamidomonas nährte. Müller selbst war, 
wie Fabricius (p. 244.) sagt, unsicher über die Charactere seiner Arten. Lepus, Silurus, Calvitium und pustulala werden preis- 
gegeben. Ich war daher in Anwendung der Namen nicht beschränkt, habe jedoch hier die Lokalität zum Anhalt genommen. Sie gleicht 
einer kleinen St. Mytilus und ist sehr lebhaft. Weisse Eierchen, grün erfüllte Magen, eine contractile Blase, Queer- und Längs- 
theilung sind beobachtet. — Grösse V24 — Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. II. 

Fig. 6. ist eine bei Berlin gesehene Monstruosität durch Zerfliessen, die übrigen sind aus dem Copenhagener Wasser. Fig. 3. Längentheil. Fig. 5. 
und 7. Queertheile. Linearvergrösserung 300ma!. 20 Stirnwimpern, 8 Haken, 5 Griffel, 3 Borsten sind wohl Normalzahleu. 



373 



539. Stylonychia appendiculata, Sporenthierchen. Tafel XLII. Fig. Iii. 

St. corpore elliptico, albo, piano, parvo, eiliis stylisque longis, setis oblique affixis, fasciculatis. 

Stylonyque a eperous, le corps elliptique, blaue, peiit et plat, ayant les eils et les styles längs, les 
soies en faiscean oblique. 

Aufenthalt: Bei Wismar in der Ostsee. 

Ich fand es am 30. August 1834 auf der kleinen, ehemals befestigten, Insel Walfisch bei Wismar zahlreich in einer Lache. 
Es war bei durchgehendem Lichte durch viele weisse Eierchen gelblich. Die sehr abgerundete Gestalt, die langen Bewegungsorganc, 
der grosse helle Mund und die dicht beisammenstehenden und schief gerichteten 3 hintern Borsten gaben auffallende Charactere. Ich 
zählte auch 6, in einer Reihe kammartig neben einander stehende, fast gleichlange, Griffel. Haken sah ich nur 2 — 3 auf der bewim- 
perten (!) Mundseite. — Grösse 1 l 2t Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. III. 

Fig. 1 — 2. Bauchseite; Fig. 3. Rückenseite. Vcrgrösserung 300mal im Durchmesser. 

540. Stylonychia Mistrio, die Maske. Tafel XLII. Fig. IV. 

St. corpore albo, elliptico, medio turgidulo, uncinis in acervum anticum congestis, setis nullis. 

Stylonyque masquee, a corps blanc, elliptique, leger emenl gonfle au milieu, ayant un amas de cro- 
chets pres du bout anterieur et point de soies. 

Paramaecium Histrio, Müller, Verminm fluviat. hist. p. 55. 1773. 

Kemna Histrio, Müller, Animalc. infus, p. 235. Tab. XXXIII. Fig. 3 , 4. 1786. 

Trichoda Histrio, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 99. 1803. 

Kerona Histrio, Bory de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. 

Stylonychia, Histrio, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 43. 1831. p. 120. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Landshut und Berlin beobachtet. 

Diese Art ist der St. puslulata sehr ähnlich, schien mir aber durch nur vorn unter der Stirn angehäufte, ^nicht über die 
ganze Bauchfläche vcrtheilte, Haken, durch Mangel der 3 Endborsten und durch mehr nach der Mitte gerückten Mund ausgezeichnet. 
Mülier's Abbildung des zwischen Conferven gefundenen Thierchens passt ziemlich gut. Er hat sogar, nach Fig. 4., 2 Drüsen und 
eine contractile Blase erkannt, zugleich freilich ein Häkchen gezeichnet, welches auf St. pustulata deutet. Mülxer sah ein stark 
verstümmeltes Thierchen, welches in l U Stunde die verlorne Stelle wieder ersetzte (Reproduction). Ich sah dergleichen 1830 bei St. 
Myiilus. Ich habe Queertheilung und Längstheilung beobachtet, auch partielles Zerfliessen gesehen. Wenn man viele Thierchen in 
einem Tropfen hat und das Wasser verdunsten lässt, dicht vor dem völligen Trocknen aber neues Wasser zuthut, so erhält man lauter 
halb zerflossene, munter bewegte, Krüppel (Himantopoden) aller Art. Die Längstheilung von hinten nach vorn sah auch Schrank. 
Ich fand sie zwischen länge stehenden lebenden Conferven häufig. Merkwürdig ist bei dieser und der folgenden Art der Mangel der 3 
hintern Borsten, welche alle andern haben. Ich sah 3 — 4 Griffel und 6 — 8 Haken. Die Bewegung geschieht auf dem Rücken schwim- 
mend, stossweis vorwärts und rückwärts. — Grösse V24 — Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. IV. 

Fig. 1. und 3. sind ganze Normalformen, Bauchseite. Fig. 2. anfangende, Fig. 4. fast beendete Längstheilung. Fig. 5. Queertheilung. Vergrös- 
serung 300mal im Durchmesser. 

541. Stylonychia laneeotata, lanzet-Walfentliierclieii. Tafel XLII. Fig. V. 

St. corpore magno, pallide virescente, lanceolato, utrinque aequaliter ohtuso, ventre piano, uncinis prope os acerva- 
tis, stylis nullis. 

Stylony que lanceolee, a corps grand, verdätre, pale, lanecole, cgalement obtus au& deusc bouts, 
plat au venire, ayant les crochets reunis pres de la bauche, point de styles. 

Stylonychia lanceölata, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Berlin. 

Ich fand diese Form am 5. Sept. 1832 zwischen Conferven und habe sie vielleicht früher mit für die krallenlose Urostyla 
grandis gehalten, allein ich sah am 23. März 1835 Hunderte davon sammt dieser mit Oscillatorien , und halte sie seitdem für ein 
nah verwandtes ganz anderes Thierchen. Die grünliche Farbe kommt von den Eierchen. Der Körper (Rücken?) ist mit Längsreihen 
von Wimpern bedeckt, 16 — 18 auf der Halbansicht. 1832 sah ich nur den Mund mit längeren Wimpern besetzt, 1835 aber konnte 
ich die Reihe bis um den Hintertheil auf der Bauchseite verfolgen. Bei jenen sah ich vorn 5 Haken, bei diesen 3, bei beiden sah 
ich hinten 4 Griffel. Die feinen Wimpern waren zuweilen schwer zu erkennen. Bei den letzteren Exemplaren sah ich eine einfache 
contractile Blase links unter dem Munde, und daneben eine grosse ovale Drüse. Das gefrässige Thierchen hatte viele grüne 3Iona- 
den und Bacillarien, meist Navic. gracilis und Junge der N. viridis, oft einzeln, oft mehrere beisammen, in seinen zahlreichen 
Magen, umgeben von farblosem Magensafte. Ich sah auch freiwilliges partielles Zerfliessen häufig und völliges Zergehen beim verdun- 
stenden Wasser. War diese Form vielleicht das gefrässige Thierchen der früheren Beobachter Jobiot und Corti (s. St. pustulata)? 
Bewegung stossweis vorwärts und rückwärts, schwimmend und auch kletternd. — Grösse V12 — V10 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. V. 

Fig. I. Zeichnung von 1835; o Mund, s Sexualblase, t männliche Drüse, w After. Fig. 2. von 1832. Fig. 3. dieselbe von der Seite, kletternd. 
Fig. 4. ein vorn partiell zerfliessendes (Eierlegendes) Exemplar, f frei werdender Eierstock mit abgelösten, noch mit Speise erfüllten, Magen, + ein 
sich ablösender, noch gestielter, Magen neben einer Kralle. Linearvergrösserung 300mal. 



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Nachtrag zur Gattung Stylonychia und der Familie der Oxytrichinen. 

Ausser den Her verzeichneten 6 Arten der Gattung nannte ich 1829 (1830) noch eine Art, Styl. Cimex ; diese ist hier zu 

Euplotes |^ 0 £ n - Fajnilie 0xytricHnen sin(1 einigC5 Y011 Bory de St. Vincent 1824 aus Müiler's Trichodis, Leucophris 
caet errichtete, Gattungen zu erwähnen, welche hier nicht aufgenommen werden konnten, weil ihre Charactere keine physiolog,sche Fe- 
stigkeit haben. L Mystacodella mit 5 Arten: 1) M. Bipes = Tr. Forfex = Fragment der Stylonych. pustulata? ; 2) 
M. Cyclidium = Styl pustulata?; 3) M. Forceps =* Ä^r/. pustuU ; 4) M. Index = Styl pustuU; 5) == Tr. 

Uvula = Urostyla grandis, pullus? . Alle diese Formen können auch Oxytrichae und Keronae seyn. II. Plagiotricha 
mit 15 Arten: 1) P. annulari» (1826) = Leucophra Armilla (Kiemenfragment?); 2) P Armilla (1824) = «fc»/ 3^ P. an- 
rantia = Chilodon Cucullulus? ; 4) P. Camelm = Oxytrichae pars?; 5) P cercarioides = Cercarta setifera {Oxy- 
tricha?); 6) P Diana = Stylonychia Mytilus, Vordertheil ? ; 7) P. kolpodina = Äo//>. triquetra {Loocodes?); 8) P. 

= Trick Lagena (Trachelws?, Enchelys?); 9) P Phoebe =» Vorticella lunifera (Stenloris?, Oxytrichae pars?, 
Peridinium?); 10) P. setifera (1826) = /> cercarioides; 11) P. = Trick sinuala {Keronae?, Oxytnchae? , Sty- 

lonych. pustulatae pars?); 12) P. striata = Trieft, striata (Leucophrys sanguinea?); 13) P. succisa = Trich, succ. 
{Oaxjtrichae? , Stylonych, pustulatae pars?); 14) P. vibrionides = Trich, barbata (Trachelius?) ; 15) P. viridis = A ür ~ 
tic. viridis {Trichoda?). Coccudina und Tribulina gehören zur folgenden Familie, Trinella wohl zu den Raderthie- 
- Alle Formen dieser Familie sind schwer getrocknet aufzubewahren, weil sie leicht zerfliessen, doch gelang es mir mit vielen. 



ren 



Z WEIUNDZ WANZIGSTE FAMILIE: NACHENTHIERCHEN. 

XSuplota. Euplotes. 

CHAR ACTER: Animalia polygastrica loricata, enterodela (tubo intestinali distineto), orifieiis discretis, 

neutro terminali. ( = Aspidiscina neutro orificio terminali, s. Oxytrichina loricata.) 
CARACTERE: Animaux polygaslriques, a carapace, ayant un canal alimentaire a deux ori- 
fices separes, dont aueun aux bouts du corps. 
Zur Familie der Nachenthierchen gehören alle gepanzerten Magenthierchen, welche einen 
Ernährungscanal mit 2 getrennten und ausserhalb der Körperenden gelegenen Mündungen, oder letztere all- 
ein deutlich erkennen lassen. 

Diese Familie ist seit 1830 in den Abhandlungen d. Berl. Akad. d. Wiss. abgesondert und hatte an- 
fangs nur 1 geprüfte Art in 1 Gattung, Euplotes. Im Jahre 1831 fügte ich in den Symbolis physicis die 
Gattung Discocephalus mit 1 Art hinzu, und verzeichnete an ersterem Orte nun 2 Gattungen mit 4 Arten. 
Seit 1833 ist eine dritte Gattung Himantopus (Himantophorus) mit 1 Art aufgenommen, und seit 1835 
ist eine 4te Gattung Chlamidodon mit 1 Art verzeichnet. Hier werden 6 neue Arten von Euplotes hin- 
zugefügt, welche Gattung nun 9 Arten zählt. Die Familie hält jetzt 12 Arten in 4 Gattungen. Die ersten 
Formen der Familie finden sich vielleicht schon bei Joblot, wenn nicht gar die zu Stylonychia pustulata 
gezogenen, sich theilenden, Fussthierchen von 1675 und 1703 auch zu Euplotes Charon gehören. Die 
erste ziemlich sichere Abbildung ist wohl Euplotes Charon 1718, dann bei Müller 1786. Der letztere Beob- 
achter gab theils schon 1773, theils 1786 die ersten systematischen Namen als Trichoda Charon, Cimex, 
Patella, Himantopus Charon, vielleicht auch als Kerona, Bursaria und Cyclidium. Bory de St. Vin- 
cent verzeichnete sie 1824 in seinen Gattungen Ploesconia, Coccudina und wohl Tribulina mitSchaal- 
R ädert liieren in seiner Familie Citharoidees , und letztere als Gymnodes. — Die Organisation ist seit 
1830 reichhaltig ermittelt. Die mannigfachen kräftigen äusseren Bewegungsorgane sind denen der vorigen 
Familie ähnlich, und des Panzers halber lassen sich die Formen dieser Familie nach mehrfachen Beziehun- 
gen mit den, jedoch sehr verschiedenen, Wasser- Asseln, Asellus, oder mit Entomostracis vergleichen, 
so dass sie, ihrer kräftigen Gestaltung nach, zum Schlussstein der Classe der Magenthierchen ganz pas- 
send erscheinen. — Das polygastrische Ernährungssystem ist deutlich bei 3 Gattungen ermittelt, deren eine 
sogar durch einen Cylinder von stabartigen Zähnen und einen schön rosenfarbenen Verdauungssaft, wie Nas- 
sula, ausgezeichnet ist. — Der Fortpflanzungsorganismus ist als Dualismus bei 3 Gattungen erkannt. Eier- 
chen sind bei 2 Gattungen direct erkennbar gewesen. Männliche Drüsen bei 2 Gattungen, contractile Bla- 
sen bei 3. Selbsttheilung ist überdiess als vollkommene Queer- und Längstheilung bei 1 Gattung beobach- 
tet, Knospen sind nicht vorgekommen. Nur eine Form der Familie ist grün, alle übrigen sind weisslich, 



375 — — 

farblos. Einige Euplotae sind in den Infusionen sehr zahlreich, keine Form ist durch Massenentwickelung 
auffallend. 

Die geographische Verbreitung der Familie ist durch ganz Europa, auch im Meere, und 2 Formen 
sind im Wasser des rothen Meeres bei Tor am Sinai beobachtet. 

Uebersicht der 4 Gattungen der Familie der Nachenthierchen: 

( Mlim1 „ jmit Kopfsonderung DisCOCephalus 

Mit Wimpern ohne Griffel Mun(1 ^ Zahne . KofMwmg Himantophorus 

( Mund mit Zähnen Chlamidodon 

Mit Wimpern, Krallen und Griffeln Euplotes 



HUNDERTDREISSIGSTE GATTUNG: SCHEIBENKOPF. 

Discocephalus. IMscocephale. 

CHARACTER: Animal ex Euplotorum familia, stylis dentibusque carens, uncinosum, capitatum. 

CARACTERE: Animal de la famille des Euplotes, nayant ni styles, ni denls, mais des crochels 
et la tete distinguee du tronc. 

Die Gattung Scheibenkopf ist in der Familie der Nachenthierchen durch Mangel an Griffeln und 
Zähnen, Besitz von Haken und durch Kopfsonderung characterisirt. 

Die einzige Art der Gattung wurde von mir auf der Reise mit Dr. Hemprich in Arabien 1823 beob- 
achtet, und 1828 von mir in den Symbolis physicis abgebildet und genannt. Die Form ist nicht hinläng- 
lich vergrössert beobachtet, aber in Menge gesehen. — An Organisation sind nur wirbelnde (und?) haken- 
artige mehrfache Bewegungsorgane speciell beobachtet. 

Die geographische Verbreitung ist ausser Arabien unbekannt. 

542. Discocephatus rotatorius, wirbelnder Scheibenkopf. Tafel XLII. Fig. Vi. 

D. hyalinus, planus, capite angustiore quam corpus, utroque rotundato. 

Discocephale vibr ant, ä corps hyalin, plat, la tete plus petite f/ue le corps, f un et T autre arrnndis. 

Discocephalus rotatorius, Hemprich et Ehrenberg, Symbolae physicae. Bvertebrata I. Phytozoa. Tab. III. Fig. 8. Maris rubri. Text 

1831. Fol. c. a. 

Discocephalus rotatorius, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1829. p, 9, 16. 1831. p. 119. 

Aufenthalt: Bei Tor in Arabien im rothen Meere. 

Das Thierchen fand sich 1823 Ende Novembers im Wasser des offenen Meeres zwischen den Cor allen thieren, die ich 
in Gcfa'ssen zum Ufer trug. Ich sah es oft, beschrieb und zeichnete es sogleich, es ist aber nicht scharf genug beobachtet. Die la- 
teinische Beschreibung des Tagebuchs ist in den Symbolis physicis 1831 abgedruckt. Ich zählte damals (1823) sorgfältig 8 Haken, 
die ich für die Wimpern hielt, weil sie bei dem Wirbeln wie zahllos erschienen. Es mögen aber wohl diese 8 Haken zwischen den 
wirbelnden Wimpern gelegen haben, welche letztere ich, der zu schwachen Vergrösserung halber, nicht sali. Zwei dieser Haken wa- 
ren am Kopfe, 3 Paar am Leibe eingelenkt. Dass es ein Euplotes in der Theilung gewesen sey, liegt nahe, ist mir aber deshalb 
schwierig, weil ich nie gleichzeitig ähnliche Einzelthiere , diese (ungleiche) Doppelform aber häufig sah. Im umgekehrten Falle würde 
ich es jetzt für Euplotes zu erklären kein Bedenken tragen (vergl. Eupl. Cimecc). — Grösse V32 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. VI. 
Fig. 1. Bauchseite; Fig. 2. Seitenansicht. Vergrösserung lOOinal im Durchmesser. Zeichnung von Tor am Sinai 1823. 



HUNDERTEINUNDDREISSIGSTE GATTUNG: PEITSCHENFUSS. 

Himantophorus. Himantophore. 

CHARACTER: Animal ex Euplotorum familia, stylis dentibusque carens, capite discreto destitutum, un- 
cinis numerosis insigne. ( = Kerona loricata.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Euplotes, sans styles et sans dents, pourvu de nombreux 
crochets, n ayant pas la tete distinguee du tronc. 

Die Gattung Peitschenfuss unterscheidet sich in der Familie der Nachenthierchen durch Mangel 
an Griffeln, Zähnen und Kopfsonderung, und durch Besitz von (langen) Hakenfüssen. 



■■I 



3^6 — 

Den Namen Himantopus gab Fabrichs 1786 für eine Gruppe von Infusorien, welche Miller als 
besondere Gattung in seinen nachgelassenen Papieren bezeichnet, aber nicht genannt hatte. Die meisten je- 
ner Formen sind nur Fragmente von Thieren der vorhergehenden Familie. Eine nur ist eine selbstständige 
Form. Diese nannte ich denn 1833 mit Fabricics Himantopus Charon, allein da der Name Himantopus 
von Brisson schon 1756 für eine, jetzt allgemein aufgenommene, Gattung der Strandvögel angewendet 
und derselbe von Plinius schon für diesen Vogel, den Charadrius Himantopus Linnes, gebraucht worden 
ist, so habe ich hier eine, an den ersten Namen doch erinnernde, Abänderung vorgezogen. — Die Organi- 
sation ist nicht genügend, aber mannigfach erkannt. Lange gebogene Haken bilden fast paarweis ein brei- 
tes Band auf der Bauchseite als Bewegungsorgane, daneben ist eine, vom Munde bis weit nach hinten rei- 
chende, Wimperreihe. — Viele Magenzellen, welche sichtlich feste Stoffe aufgenommen hatten, mit deutli- 
chem Mund und After, bilden das Ernährungssystem. — Am hintern Rande befindet sich eine grosse con- 
tractile Blase, und rechts neben der Wimperreihe am Rande eine Reihe drüsiger Flecke. Eine, die Zwi- 
schenräume der Magen erfüllende, Trübung könnte dem Eierstocke angehören. Selbsttheilung ist nicht 
beobachtet. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist wohl bei Copenhagen im Seewasser und bei Berlin 
im Flusswasser beobachtet, 

543. Mimantophorus Charon, der grosse Charon. Tafel XLII. Fig. WÜ. 

H. corpore hyalino, piano, elliptico, antico fine leviter oblique truncato, ciliis parvis, uncinis gracilibus longis. 

Himantophore Charon, a corps hyalin, plat, elliptique, Ugerement troncfue et oblique au bout an- 
terieur, ayant les cils petits, les crochets greles et long». 

Himantopus Charon, Müller, Animalc. Infusor. p. 25?. Tab. XXXIV. Fig. 22. 1786. 

Kerona, Lamarck , Hist. nat. des an. sans vert. I. p. 442. 1815. 

Ploesconia Area, Bory de St. Vincent, Encyclopedie methodique, Vers. 1824. 

Himantopus Charon ß glaber, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1833. p. 296 , 325. Taf. III. Fig. 8. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen in der Ostsee und bei Berlin. 

Das grosse, einer Stylonychia Mytilus ähnliche, mehr elliptische und durchsichtigere Thierchen sah ich selten, zuerst am 
29. März 1832 in einem überwinterten Wassergefässe. Ich habe nur diese Forin bei der Gattung im Sinne, und die Anwendung von 
Müllers Namen ist untergeordnet. Müller fand sein Thierchen im Seewasser und sah eine Streifung des Panzers, wie sie bei Eu- 
plotes- Arten bekannt ist. Die Mundöffnung fängt vorn im Winkel der 3eckigen hellen Stelle an, aber die eigentliche Schlundöffnung 
scheint ganz hinten am Ende der Wimperreihe im Innern des umgebogenen Panzers zu liegen. Die hintere Dannöffnung ist nicht weit 
davon an der Basis der letzten Haken, welche zu 4 — 6 kammartig neben einander stehen und die Stelle der Griffel vertreten. Im 
Ganzen zählte ich 22 — 27 Hakenfüsse, die beim Klettern nicht alle in Anwendung zu kommen schienen. Die Reihe von drüsigen 
Knötchen rechts könnten gelblich erfüllte Gallcnbläschen gewesen seyn, wie bei Amphilept. margaritifer. Eine männliche Drüse und 
bestimmte Eikörnchen blieben unerkannt. Es schwimmt in der Rückenlage. Bort hat es nicht gesehen. Vielleicht ist das Seethier- 
chen von Müller als var. striata, die Süsswasserform vorläufig als var. glabra zu bezeichnen. — Grösse — Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. VII. 

Fig. i. Seitenansicht, kletternd. Fig. 2. Bauchfläche, * Sexualdrüse, w After. Abbildung von 1833. Eine Abbildung von 1832 ist 1833 von der 
Rückenseite initgetheilt. 300malige Linearvergrösserung. 



Nachtrag zur Gattung Himantophorus. 

Die 6 hier ausgeschlossenen von den 7 Arten der Gattung Flimaniopus in Müller's Nachlass, welche Lamarck sämmt- 
lich zur Gattung Kerona zog, und von denen Bory 5 Arten zu Kerona und eine zu Oxytricha stellte, haben, meiner jetzigen An- 
sicht nach, folgende Synonyme: 1) //. Acarus = Stylonychiae pustulatae? pars; 2) H. Corona = Stylonychiae Mytili pars?; 
3) H. Larva = Stylonych. pustulatae pars; 4) //. Ludio = ldem; 5) H. Sannio = Styl. Mytili pars? ; 6) H. Voluta- 
tor = Oxylrichae s. Styl, pustulatae pars?. Ich bemerke, dass ich in den Synonymen in der Isis 1833 und 1834 unter Ke- 
rona die Kerona pustulata, jetzt Stylonychia, verstand. 



HUNDERTZWEIUNDDREISSIGSTE GATTUNG: GEDENKTHIERCHEN. 

Chlamidodon. Chlamidodon. 

CHARACTER: Animal ex Euplotorum familia, stylis uncinisque carens, ciliis et oris dentibus gaudens. 

( = Oxytricha loricata et dentata.) 
CARA CTERE: Animal de la famille des Euplotes, sans styles et sans crochets, ayant des cils 

et des denls h la bouche. 



397 



Die Gattung der Gedenkthierchen zeichnet sich in der Familie der Nachenthierchen durch Man- 
gel an Griffeln und Haken, und durch Besitz von Wimpern und Zähnen im Munde aus. 

Die Gattung wurde 1835 zuerst in den Abhandlungen der Berliner Akad. d. Wiss. genannt und cha- 
racterisirt. Sie enthält bis jetzt nur 1 Art. Die Form war früher nicht bekannt. Ich entdeckte sie am 
26. Aug. 1834 im Wasser der Ostsee bei Wismar. — Die Organisation ist überraschend reichhaltig ermit- 
telt. Ein ovales farbloses Schildchen bedeckt den Rücken und überragt allseitig den Körper. Der Körper 
ist rings am Rande dicht an der Stirn etwas länger bewimpert. Zwischen den Wimpern sind hinterwärts 
vielleicht kurze Kletterborsten. Als Ernährungsorganismus tritt ein polygastrischer, aus vielen Bläschen ge- 
bildeter, Apparat im Körper hervor, und vorn in der Mitte liegt ein den Mund einfassender, hohler Cylin- 
der von Zahnstäbchen. — üeberdiess bezeichnen bei der einzigen Art schön rosenrothe Bläschen den farbi- 
gen Verdauungssaft. — Grüne Trübung durch sehr feine Eikörnchen (*) und eine grosse ovale helle mittlere 
Drüse sind die erkannten Theile des Fortpflanzungssystems. Selbsttheilung ist nicht beobachtet. 

Die geographische Verbreitung ist ausser Wismar nicht bekannt. 

544. Chlamidodon Mnemosyne, die Rose, Mnemosyne. Tafel XLII. Fig. VIII. 

Ch. corpore piano, elliptico aut antico fine latiore ovatoque, laete viridi aut kyalino, vesiculis roseis eleganter picto. 

Chlamidodon Mnemosyne, a corps plat, elliptique Ott elargi au botet anterieur en forme ovale, 
vert clair ou hyalin, peint de vesicules cottleur de rose brillant. 

Chlamidodon Mnemosrjne, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1835. p. 175. 

Aufenthalt: Bei Wismar in der Ostsee. 

Vom 26. August bis 6. Sept. Latte ich diess niedliche schöngrüne und rosenfarbene Körperchen mit Zostera und Scytosiphon 
zahlreich lebend in Wismar, und ich erinnerte mich dabei der bei Chilodon Cucullulus mir und der Wissenschaft gewordenen Beleh- 
rung, erkannte auch sogleich wieder die ganze Rundung des Cjlinders, welchen die Zähne wie dort bilden. Ich sah mit grünen Körn- 
chen erfüllte und auch farblose Thierchen (nach dem Eierlegen?), alle aber hatten carminrothe innere Bläschen, ähnlich den violetten 
bei Nassula ornata und elegans. Ueber den ganzen Körper sah ich sehr feine Längslinien gehen, die dem Panzerhäutchen anzuge- 
hören schienen. Der Körper allein hatte links eine leichte Ausbuchtung in der Mitte. Ich zählte 16 Zahnstäbchen. Eine contractile 
Blase und das Auswerfen der Nahrung blieben unbeobachtet. Das überragende Panzerhäutchen lässt aber die Stelle des letzteren unbe- 
zweifelt. Die rosenfarbenen Blasen waren hinter der Körpermitte. Bewegung rasch und kräftig, wie Euplotes. — Grösse ^48 — V20 Linie. 

Erklärung der .Abbildungen Taf. XLII. Fig. VITT. 

Fig. 1. und 3. Rückenansichten; Fig. 2. Bauchfläche, grüne Eierchen führend; Fig. 4. farbloses, steriles? Thierchen. Vergrösserung 300mal im 
Durchmesser. Fig. 5. Zahncy linder, 800mal vergrössert. 



HUNDERTDREI UNDDREISSIGSTE GATTUNG: NACHENTHIERCHEN. 

Euplotes. En »lote. 

CHARACTER: Animal ex Euplotorum familia, eiliis, stylis uncinisque instruetum, dentibus carens. ( = 
Stylonychia loricata.) 

CARACTERE: Animal de la famille des Euplotes, pourvu de eils, de styles et de crochets, point 
de dents. 

Die Gattung der Nachenthierchen ist in der gleichnamigen Familie durch Besitz von Wimpern, 
Griffeln und Haken, so wie durch Mangel an Zähnen des Mundes kenntlich. 

Diese Gattung wurde in der jetzigen physiologischen Begrenzung 1830 unter dem Namen Euploea 
mit 1 geprüften Art eingeführt. Obwohl aber dieser letztere Name bei den Lepidopteris , wo er von Fa- 
bricius zuerst gegeben wurde, von Latreille in Dana'is verwandelt worden ist, so scheint er doch für 
diese noch beizubehalten, ich habe daher den Namen seit 1831 Euplotes geschrieben. 1831 verzeichnete 
ich 3 Arten; hier sind 9 aufgezählt. Bory de St. Vincent hatte 1824 aus mehreren, hierher gehörigen, 
Keronis und Trichodis von Müller samint Himanlopus zwei besondere Gattungen, Ploesconia und Coc- 
eudina, errichtet, welche beide Namen aber sprachlich nicht annehmbar schienen. — Die ersten Formen der 
Gattung mögen schon von Leeuwenhoek und den ältesten Beobachtern gesehen und unklar bezeichnet seyn, 
da mehrere von ähnlichen Thierchen mit Füssen sprechen, und gerade bei diesen sehr verbreiteten Formen 
die Bewegungsorgane kräftig entwickelt und leicht sichtbar sind. Doch habe ich diese Beobachtungen bei 
Stylonychia pustulata angeführt. Eine Abbildung bei Joblot schliesst sich näher hier an, allein die ersten 
sicheren Bezeichnungen sind von Miller 1773 unter den systematischen Namen: Trichoda Charon, Ci- 
mex, Patella; derselbe hat später noch mehrere Formen, zum Theil in andern Gattungen, verzeichnet, als 

95 



31» 



Bursaria bullina, duplella, Trickoda Prisma, Navicula Bulla, Cyclidium flu it ans, und er hat auch 
1786 die ersten völlig sicheren Abbildungen gegeben. Die späteren Systematiker folgten Müller, oder ver- 
zeichneten die Formen als Trickoda und Kerona. Bory hat Müller s Arten als Ploesconia, Coccudina, 
Bursaria, Trichoda, Oxytricha und Gyges wohl in 6 Gattungen verzeichnet. — Die Organisation ist in 
vielem Detail schon erkannt. Die Bewegungsorgane sind mannigfach und kräftig als Wimpern, Haken, Bor- 
sten und Griffel vorhanden. — Die polygastrischen Ernährungsorgane sind bei 4 Arten durch Farbenahrung 
ausser Zweifel gestellt, bei allen übrigen sind sie als deutliche helle Bläschen erkannt. Die Afterstelle ist 
bei 1 Art durch Auswerfen, bei den übrigen durch das überragende Schildchen ermittelt und bezeichnet. 
Der Verdauung ssaft ist farblos. — Die Sexualorgane sind im Dualismus bei 7 Arten erkannt, vollständig 
aber nur bei 1 Art, Eier sind, sämmtlich weiss, bei 4 Arten, eiförmige oder runde einfache Drüsen bei 3 
Arten, einzelne contractile Blasen bei 5 Arten, bei einer 6ten sind 2 beobachtet. Selbsttheilung ist als 
(lucer- und Längstfieiiung bei 1 Art, als blosse Queertheilung bei 2—4 andern gesehen. Müllers Bemer- 
kung, dass sie die Eier unter dem Bauche tragen, wie Onisci, ist irrig, so wie das von ihm bemerkte 
Auge (s. E. Charon). 

Die geographische Verbreitung ist über ganz Europa, auch im Seewasser, und im rothen Meere 
beobachtet. 

545. Mmplotes Patella, sclmsselartiges Machenthierclien. Tafel XLIL Fig. IX. 

E. testula aropla suborbienlari, antico fine levitcr trnncata, margine late prominula, hyalina, dorso in gibbum elato, 
striis laevibus obsoletis paucis insigni. 

Euplote Patelle, a carapace ample, presque orbiculaire, Ugerement tronquee au bout anterieur, les 
bords hyalin« depassant de beaueoup le corps, le dos hausse en bosse, ayant quelques raies fi- 
nes et lisses. 

Trichoda Patclla, Müller, Verminm fluv. historia, p. 95. 1773. 

Kerona Patella, Müller, Animalc. Infus, p. 239. Tab. XXXIII. Fig. 14 — 18. 1786. 

Coccudina Tieronina et clausa, Bort de St. Vincent, Encycloped. meth. Vers. 1824. p. 540. Dict. class. Microscopiques. 
Euplotes Patella, Abhandl. der Akademie d, Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 118. 

Aufenthalt: Bei Copcnbagen und Berlin beobachtet. 

Der erystailhelie Panzer und die Grösse der Form zeiebnen sie vor den ähnlichen der Gattung sehr aus. Müller entdeckte 
sie 1773 im Snmpfwasser, und sah sie wieder 1776 und 1777 im Winter in Gefässen mit Lemna (Wasserlinsen) in seiner Wobnung. 
Im Octobcr 1784 sah er eine nach hinten schmälere Yarictät. Ich fand sie auch im stehenden Wasser schon im August 1828, dann 
im Januar 1831 — 35 mit Conferven, und am 15. Januar 1836 mit Lemna unterm Eise im Thiergarten. Borit scheint sie nicht 
selbst gesehen zu haben. Der Körper bildet eine leichte gelbliche Trübung in der crystallenen Panzerschaale, welche auf der convexen 
Seite 7 feine Leisten hat. Die gelbliche Trübung mag von den weissen Eierchen kommen, die ich nicht gesondert unterschied. Der 
Mund ist links und auswärts mit Wimpern eingefasst, der Schlund hinter der Körpermitte , der After hinter der Basis der Griffel. 
Meist waren etwa 30 — 32 Magenzellen zählbar, welche sich auch oft mit Farbe füllten. In der Mitte war eine grosse ovale Drüse 
und dahinter eine einfache contractile Blase. Ton Bewegungsorganen waren vorn 8 Hakenfüsse und 2 linkerseits hinten. Am hintern 
Ende waren 4 Griffel von gleicher Länge in gleicher Ebene, und daneben rechts noch 2 abgesonderte Griffel, vielleicht Borsten. 10 
Haken, 4 Griffel, 2 Borsten, 20 — 30 Wimpern. Sie schwimmen wankend, ruhen wirbelnd und laufen oft an der Oberfläche des 
Wassers verkehrt, mit dein Rücken nacli unten. — Grösse l j M — Vis Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. IX. 

Fig. 1. Bauchfläche, wirbelnd; o' Mund, co After, t Drüse, » Sexualblase. Fig. 2. Seitenansicht, kletternd auf Zygnema deeiminum. Fig. 3. 
Rückenfläche. Der vordere erste Krallenfuss links deckt den zweiten, soll doppelt seyn. 

546. Euplotes Charon, gepeiltes Maclienthierclien, der kleine Cbaron. TafelXLll.Fig.x. 

E. testula minore, ovato-elliptica, antico fine oblique subtruncata, dorsi striis granulatis. 

Euplote Charon, d carapace petite, ovale-elliptique , Ugerement tronquee au bout anterieur, ayafit 
des raies grenues au dos. 

Petite Araignee aquatique, Joblot, Observat. fait. avec le microsc. ed. II. p. 77. PI. 10. Fig. 15. 1718. 
Trichoda Charon, Müher, Verm. fluv. bist. p. 83. 1773. 

Fderge- Spilleren, Müller, Nye Saml. af Dansk. Vidensk. Saelsk. Skrift. II. p. 270. Tab. 2. Fig. XI.» 
Trichoda Charon, Müller, Anim. Infus, p. 229. Tab. XXXII. Fig. 12 — 20. 1786. 
Ploesconia Charon, Bory, Encyclop. meth. Vers. 1824. 

Euploea Charon, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1830. p. 43, 82. Taf. VI. Fig. II. 
Eivplotes Charon, Abhandl. der Akademie d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 118. 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Paris I, Copenhagen! und Berlin!. 

Diess Thierchen ist eines der srewöhnliehsten in lanae stehendem staubigen Wasser und in Infusionen. Vielleicht sind schon 
Leeüwenhoek's und Ellis, von mir zu Stylonychia pustulata gezogene, Beobachtungen mit andern dort erwähnten hierher zu be- 
ziehen. Sicher scheint Joblot's Bezeichnung erst zu seyn. Ferner mag man wohl (Schrank, Göze? und andere) diese bäufigere 
Forin oft Trichoda Cimecc genannt haben, wie sie denn deutlich Müller selbst nicht scharf unterschied, und die ähnlichen Formen 
des Seewassers ohne Unterschied Tr. Charon, die des Susswassers Tr. Cimex nannte (vergl. E. appendiculatus). Ich habe diese 
Form auch im Ostseewasser in Copenhagen selbst gesehen, und weil sie die gewöhnlichere ist, so halte ich sie für Müllers Art. 



1 



3¥9 - 

Borv sagt nicht dass er sie selbst gesehen, und was er berichtet, ist von früheren beobachtet "öder gezeichnet. Schon Joblot 
erkannte die Stmfung des Panzers nnd das Verhältnis* der Bewegungsorgane. Längstheüung hielt Müller für Begattung, und nur 
die Queertheilung für wahre Selbsttheilung. Da er von einer Vergleichung mit Entomostracis {Lynceus) und Oniscis ausging, so 
glaubte er zuweilen ein Auge zu sehen, und sah einen Eiersack unter dem Bauche hängen, den er auch abgebildet hat. Beide» ist 
nicht vorhanden, obschon der Leib zuweilen durch volle Magen dicker ist, nnd ein vorn dunkler erfüllter Magen oder ein Wimperbün- 
de] am Rande gar oft em Auge vorzustellen scheint. Ich habe schon 1830 viele Abbildungen des durch Farbestoffe entschieden be- 
zeichneten Ernalm.ngsapparats sammt der Längs- und Queertheilung gegeben, kenne jetzt aber den Organismus noch weit speciellcr, 
weshalb ker bestimmtere neue Zeichnungen gestochen sind. 6-7 gekörnte Rückenleisten (oft scheinbar 5), 8 Krallenfüsse (oft schein- 
bar 7), 5 ziemlich gleiche Griffel, etwa 30 Wimpern sind vorhanden. Ich zählte 20 und auch 40 Wimpern, fand aber ihre Zahl 
uberall am schwierigsten sicher zu bestimmen. Borsten sah ich nicht. Weisse Eierchcn, Sexualdrüse und contractile Blase sind neuer- 
lich seit 1835 direct beobachtet. — Grösse % 6 — % Linie bekannt. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. X. 

Fig. 1. Bauchflache , Eierchen « After. Fig. 2. Rückenfläche. Fig. 3. Rückenfläche, wirbelnd, o' Mund, t Drüse, , Sexualblase. Fig. 4. Sei- 
tenansicht, kletternd. * ig. 5. Längstheilung mit gegen einander gewendeten Mundstellen, obere Hälfte vom Rücken, die andere von der Bauchseite. 
ich sali es auch gleichseitig. Fig. 6. Queertheilung, Rückenseite. Fig. 7. zackiges partielles Zerfliessen sammt dem Panzer. 

541. Muplotes striatus, gestreiftes Haehenthierchen. Tafel XLII. Fig. XL 

E. testula oblongo - elliptica , antica parte oblique leviter truncata, uncinis in postica corporis parte sola positis, striis 
dorsi 4 laevibus. 

Euplote strie, a carapace oblongue - elliptique , Ugerement trom/uee au bout anterieur, ayant les cro- 
chets seulement a la partie posterieure du corps, et 4 raies du dos lisses. 
Aufenthalt: Bei Wismar in der Ostsee. 

Ich beobachtete diese Art überaus häufig im Seewasser von Wismar in Berlin am 10. Oct. 1834, nachdem es 14 Tage alt 
war, mit Paramecium Milium. Ich hatte E. Charon daneben und unterschied ihn sogleich. Am auffallendsten ist die verschiedene 
Lage des Mundes, bei Charon links, hier rechts. Vielleicht habe ich mich hier und bei der folgenden Art darin aber geirrt, doch 
stimmt es mit Himantophorus , wie Charon mit Patella. Die linke Seite des Panzers war etwas ausgeschweift, die 4 Rückenlei- 
sten glatt und auch gebogen. Vorn sah ich gar keine Haken, in der Mitte 3 — 4 und hinten 5 — 6 Griffel. Sie nahm Indigo auf, 
und ich zählte 25 — 30 Magen. Eine contractile Blase war hinten, und Eikörnchen waren überall zerstreut. War diess Müller's 
Himantopus Charon? — Grösse — V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. XI. 
Fig. 1. Bauchseite; Fig. 2. Rückenfläche ; Fig. 3. Seitenansicht, kletternd. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

548. miplotes appendiculatws, gesporntes Äaelientliierclien. Tafel XLn. Fi-. XII. 

E. testula ovato-oblonga, ntroque fine rotundato, postico angustiore, stylis obliquis, setis posticis quatuor marginalibus. 

Euplote a eperons, ovale - oblong , arrondi aucc deucc bouts, pourvu de styles obliques et de 4 soies 
au bout poslerieur plus ctroit. 

Trichoda Charon, Müiler;? Vermium fluv. hist. p. 83. 1773. nicht 1786. 

Eupjotes appendiculatus , Abliandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1835. p. 164. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen im Ostsee wasser. 

Ich fand diess Thierchen im Januar 1836 im Seewasser von Copenhagen zu Berlin. Müllers Ausdruck: „puppis rotun- 
data, fasciculo pilorum inflexo, pendulo ; prora angustior, setis duabus vel tribus porrectis instruitur, il lässt kaum zweifeln, 
dass er zuerst mit dem Charon diese Form gemeint habe. Später hat er, der Abbildung nach, aber offenbar mehrere Arten verwech- 
selt. Ich zählte 5 glatte Panzerstreifen, 20 Wimpern, 4 Griffel, 3 Haken und 4 Borsten, sah viele 3Iagen und weisse Eierchcn 
sammt einer runden mittleren Drüse. — Grösse Vau Linie. Lebensart wie Charon. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. XII. 
Fig. 1. und 3. Bauchfläche? Fig. 2. Rückenfläche? Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 

549. JEuptotes truncatus, gestutztes Nacnenthierehen. Tafel XLII. Fig. XHI. 

E. testula oblonga, striis laevibus, antico line inaequaliter truncata, denticulata, uncinis crebris, stylis rectis setisque 
insignis. 

Euplote tront/ue, a carapace oblongue, marauee de raies lisses, inegalement tronquee et denticulee 
au bout anterieicr, ayant de nombreux crochets, des styles droits et des soies. 

Aufenthalt: Im Seewasser bei Wismar. 

Die Form dieses Thierchcns ist eigenthümlich parabolisch. Ich fand es am 14. Nov. 1834 im Ostseewasser aus Wismar in 
Berlin, und wieder am 1. Mai 1835 in demselben. Es ist sehr durchsichtig und hat besonders rechts eine grosse durchsichtige 3eckige 
Stelle als Mundöffnung. Das vordere Ende ist ungleich abgestutzt und hat links einen kleinen spitzen Zahn als Vorragung der Leiste. 
Der Mund ist links. Daneben sind vorn 6 Haken und ein 7ter in der Mitte, 5 Griffel, 4 Randborsten hinten. Glatte Panzerstreifen 
sah ich 6. Ausserdem sind Eierchen, Magenhlasen und eine contractile Blase beobachtet. — Grösse V20 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLn. Fig. XIII. 
Fig. 1. Rückenfläche; Fig. 2. Seitenansicht; Fig. 3. Bauchfläche. Vergrösserung 300mal im Durchmesser. 



— 380 

550. Muplotes monostylus, geschwänztes Wachenthierchen. Tafel XLn. Fig. xiv. 

E. testula elliptica, utrinque rotundata, nec striata, uncinis nullis, stylo singulo caudatns. 

Euplote monostyle, ä carapace elliptique, arrondie auac deux bouts, sans raies, ayant un seid style 
en forme de queue, point de crochets. 

Aufenthalt: Bei Wismar in der Ostsee. 

Diese sehr ausgezeichnete Art mag wohl später als besondere Gattung abzutrennen seyn. Der Panzer ist nnten mehr geschlos- 
sen und hat daselbst vorn einen flachen Ausschnitt nnd rechts seitlich eine enge Spalte für die Wimpern, ebenso hinten, wie es schien, 
eine Oeffnung für den einzelnen Griffel. Sie hat iiberdiess 2 Sexualblasen und keine Hakenfüsse. Sonst ist sie in Bewegung und Le- 
bensweise den andern ähnlich. Ich sah auch Queertheilung, und es erfolgte leicht Farbeaufnahme in viele kleine Magen. Eierchen und 
Drüsen blieben unklar. Beobachtet am 24. August und im September 1834 im Seewasser zu Wismar. — Grösse % 0 — Va* Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. XIV. ' 

Fig. 1. Riickenseite des jüngeren Thieres; Fig. 2. Seitenansicht; Fig. 3. Bauchfläche des älteren; Fig. 4. Seitenansicht; Fig. 5. queere Selbst- 
theilung, * männliche Sexualblase. 300malige Linearvergrüsserung. 

551. Muplotes aculeatus, stachliges Hachenthierchen. Tafel XLn. Fig. XV. 

E. testula oblonga, utrinque rotundata, subquadrata, dorsi cristis duabus, altera medio aculeo brevi insigni. 

Euplote epineux, a carapace oblongue, arrondie aiicc deusc bouts, presc/ue quarree, ayant deute cre- 
tes au dos, dont Vune porte un aiguillon au milieti. 

Aufenthalt: In der Ostsee bei Kiel. 

Ich fand das Thierchen am 9. Sept. 1834 im Seewasser, welches mir Herr Dr. Michaelis mit L euch ttkierchen von 
Kiel nach Wismar sandte, in wenigen Exemplaren mit Peridiniitm acuminatum. Die Krümmung des Häkchens am Rücken sah rück- 
wärts. Es hat Wimpern, viele (6—8) auf der Bauchfläche zerstreute Haken, und schien auch 4 — 5 Griffel zu haben, doch blieben 
diese Details unklar ; auch sah ich von andern Organen nur viele Magenzellen deutlich. War diess Thierchen vielleicht Müllers Ke- 
rona Rastellum? — Grösse — */ 30 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. XV. 
Fig. 1. Seitenansicht; Fig. 2. halb von hinten; Fig. 3. ganz von hinten; Fig. 4. Rückenfläche. Vergrößerung 300mal im Durchmesser. 

553. Muplotes turritus, Chinesenmütze. Tafel XLn. Fig. XVI. 

E. testula suborbiculari, laevi, dorsi aculeo medio longissimo erecto. 

Euplote Toumelle, a carapace lisse, presque orbiculaire, ayant un aiguillon tres-long et debout 
au milieu du dos. 

Ewplotes? turritus, Abhandl. der Akad. d. Wissensch, zu Berlin, 1831. p. 118. 

Aufenthalt: Bei Berlin und Wismar im Süsswasser und Seewasser. 

Schon im August 1828 beobachtete und zeichnete ich diess auffallende Thierchen bei Berlin zwischen Conferven, allein erst, 
nachdem ich es öfter wieder gesehen, nahm ich es 1831 zweifelhaft als Art dieser Gattung auf. Seitdem habe ich es wieder und zahl- 
reich bei Wismar mit Aspidisca Lynceus auch im Seewasser gefunden, namentlich häufig am 19. Nov. 1834, und da sah ich ausser 
den Magenblasen 5 hintere Griffel, 5 vordere Haken, und neben dem leicht gekrümmten sehr spitzen Rückenstachel eine contractile 
Blase. Vorn hatte der Körper einen nasenartigen Ausschnitt, wie der Lynceus. Die grosse Schnelligkeit erlaubte nicht, in den ein- 
zelnen kurzen Momenten der Ruhe die Wimpern zu erkennen. Die frühere Berliner Form hatte einen kürzeren, abgestutzten Stachel. 
Ob zu Aspidisca zu stellen? — Grösse 1 / i0 — V 30 Linie. 

Erklärung der Abbildungen Taf. XLII. Fig. XVI. 

Fig. 1. Seitenansichten; Fig. 2. Rückenfläche; Fig. 3. halb gewendet, sämmtlich Formen der Ostsee. Fig. 4. Berliner Thierchen von 1831. Ver- 
grösserung wie vorige. 

553. Muplotes Cimeoc, glattes Wachen thierchen. Tafel XLn. Fig. XVII. 

E. testula oblonga, elliptica, laevi, eiliis, stylis uncinisque munitus. 

Euplote lisse, a carapace oblongue, elliptique, lisse, pourvu de eils, de styles et de crochets. 

Trichoda Cimex, Müller, Vegge luus- Spilleren, Vermium fluv. hist. p. 84. 1773. Nye Saml. af Dansk. Vidensk. Saelsk. Skrift. 

II. p. 270. III. p. 32. Animalc. infus, p. 231. Tab. XXXII. Fig. 21 — 24. 1786. 
Trichoda Cimex, Schrank, Fauna boica, III. 2. p. 97. 1803. 

Coccudina Cimex, Bort de St. Vincent, Encycloped. method. Vers. 1824. p. 540. Dict. class. Microscopiques. 

Coccudina Cimex, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Phytozoa I. Tab. III. Maris rubri. Fig. 7. 1828. 

Stylonychia? Cimex, Abhandl. der Akademie d. Wissensch. zu Berlin, 1829. p. 12, 17. 

Euplotes Charon, Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Text 1831. Fol. c. 2. ß. 

Aufenthalt: Bei Copenhagen, Landshut, Berlin und im Seewasser bei Tor im rothen Meere beobachtet. 

Diese Art bedarf noch einer schärferen Feststellung, da es noch keine einzige hinreichend scharfe Beobachtung dafür gieht, 
vielmehr alle bisherigen leicht aus zu flüchtiger Betrachtung des E. Charon entstanden seyn könnten. Freilich habe ich auch hei Ber- 
lin dergleichen ganz glatte Formen gesehen, wie sie Mülleu gezeichnet hat, allein ich sah auch oft, wie schon Müller selbst be- 
merkt, dass dergleichen scheinbar glatte Thierchen beim Verdunsten des Wassers ihre Streifungen erst erkennen lassen, die keines- 
wegs blosse Runzeln sind. Müller beobachtete gleiche Queertheilung, die er für Begattung hielt, und sah, dass ein Tropfen See- 



» 



381 — 

wasser sie tödtete. Er sagt dabei selbst: „Charonti nimis similis« und jenes Experiment sclieint um so weniger entscheidend, als er 
sie aucli in salzigem Mistwasser fand. Göze hat sein, 1777 für Trick. Cimecc gehaltenes, Tbierchen selbst 1778 (Neueste Mannigfal- 
tigkeiten, I. p. 710.) als Stylonych. Mytilus angesehen. Joblot's gestreiftes Thierchen war E. Charon. Was die arabische Form 
anlangt, so hat sie manches specielle Interesse. Ich habe 1828 sie zu Bort's Coccudina gestellt, 1829 aber fraglich zu Styl- 
onychia gezogen, weil ich bei diesen irrig ein Rückenschild zu sehen glaubte. Seitdem habe ich, das beobachtete Schildchen festhal- 
tend, 1831 die Form mit Euplotes Charon vereinigt. Neuerlich habe ich aber für besser gehalten, auch die nicht beobachtete Strei- 
fung hervorzuheben, und die Form lieber zu der ebenfalls zweifelhaften Trichoda Cimex ferner zuzugesellen, wie ich es anfangs für 
recht hielt. Die ausführliche lateinische Beschreibung meines Tagebuches von Tor habe ich in den Symbolis physicis abdrucken las- 
sen. Ich habe sie damals mit vieler Aufmerksamkeit, aber zu schwacher Vergrösserung, beobachtet und als durchaus verschieden 
vom Discocephalus angesehen, den ich gleichzeitig vor mir hatte. Ich zählte 1823 12 Wimpern vorn, hinten 4 längere Griffel und 
am Bauche 4 kürzere Hakenfüsse. Im Innern sah ich Zellen (Magenbläschen). Ich vermuthete sogar eine gefressene Navicula im 
Innern zu sehen. Sie fand sich auf meiner Reise mit Dr. Hemprich in Tor am Sinai Arabiens im November 1823 in 8tägigem, ab- 
sichtlich zur Infusorienbeobachtung hingestellten, bestäubten Seewasser (vergl. 1829). — Grösse der von Tor Linie. 

Erklärung der Abbildungen Tafel XLIT. Fig. XVII. 

Fig. i. ßuuchfläche; Fig. 2. Seitenansicht; Fig. 3. Rückenfläche. Vergrösserung lOOmal im Durchmesser, Zeichnung und Beobachtung aus Ara- 
bien von 1823. 



Nachtrag zur Gattung Euplotes. 

Die 2 — 3, von Bort de St. Vincent 1824 für Formen dieser Gattung gebildeten, Gattungen Ploesconia, Coccudina, 
und Tribulina haben folgende Synonyme ihrer Arten: Ploesconia 1) Area == Himantophorus Charon; 2) PI. Charon — Eu- 
plotes Charon; 3) PI. Pannus 1824 {Vanus 1824, Venus 1831) = Euplotes Patella?. Coccudina 1) C. Cicada = 
Oxytricha Cicada; 2) C. Cimea = Euplotes Cimecc; 3) C. clausa == Euplotes Patella; 4) C. keronina =s= Euplotes Pa- 
tella. Tribulina 1) Tr. Rastellum — Euplotes aculeatus? , Aspidisca? . 



Zweiter Nachtrag zur Familie der Bacillarien. 

Von Brebisson und Godet ist im Jahre 1835 eine fleissige und dankenswerthe Aufzählung der Algen von Falaise in Frank- 
reichs Normandie bekannt gemacht worden, worin, nach Agardh's und Kützing's Weise, auch die Bacillarien als Pflanzen aufgenom- 
men worden sind. Ich habe sie zu spät zur Ansicht bekommen, um an ihrem Orte diese Zusätze und Benennungen einzuschalten. Sie 
haben das Interesse der Lokalität als geographischen Verbreitungspunkt. Die Abbildungen sind nicht elegant, aber doch kenntlich, nur 
fast alle nicht hinreichend vergrössert. Auf Kützing's Synonyme ist besonders Rücksicht genommen, und auch dessen Irrthümer, so 
wie seine Zeichnungen, sind öfter ganz oder doch fast copirt. Auch sind die Salzcrystalle, welche Kützing Micrasterias cruciata 
und paradoxa nannte, aufgenommen und durch Binatella Calcitrapa vermehrt. Gonium pectorale ist als Trochiscia pectora- 
lina beschrieben. Auf die von mir seit 1830 gegebenen Namen derselben Körper ist keine Rücksicht genommen. Eine neue Gattung 
mit dem Namen Binatella umfasst 19 Arten; es sind aber Desmidien, Staurastra, Xanthidien und Salzcrystalle. Folgendes 
ist das critische Verhältniss von 134, als Pflanzen verzeichneten, Thierarten von Falaise sammt den Homonymen: 

1) Achnanthes exilis ; 

2) Binatella aculeata: Xanthidium fascic; 3) B. bacillaris? ; 4) B. calcitrapa: Cry stallt; 5) B. cruciata: 
Staurastrum er uc? ; 6) B. dejecta? ; 7) B. duplicata: Desmidium Swartzii ; 8) B. hispida: Xanthidium hirsutum et Sphaer- 
astrum hispid.? ; 9) B. ineurvata? ; 10) B. ineus?; 11) B. muricata? ; 12) B. mutica: Desmidium Swartzii; 13) B. prae- 
morsa?; 14) B. retusa? ; 15) B. rotundata? ; 16) B. tetracantha? ; 17) B. tetracera: Staurastrum parad.; 18) B. tri- 
cornis: Desmidium Swartzii ; 19) B. tricuspidata : Desmidium aculeatum? ; 20) B. tumida? ; 

21) Closterium (Acus): rostratum; 22) Cl. {baculuni): Trabecula; 23) Cl. (lamellosum) : Digitus?, Trabe- 
cula? ; 24) Cl. (Leibleini): Lunula; 25) Cl. Lumda; 26) Cl. (subreefum): acerosum? ; 27) Cl. (tenue): Dianae? ; 

28) Cymbella adnata; Eunotia IVestermanni; 29) C. appendiculata: Navicula amphisbaena? ; 30) C. avena- 
cea: Nav. gracilis ; 31) C. copulata: Cocconema Cistula; 32) C. cymbiformis : Cocconema; 33) C. fulva: Cocconema ; 
34) C. gastroides: Cocconema cymbif.; 35) C. geminata: Cocconema; 36) C. inflata: Coccon. gibbum? ; 37) C. incrassata: 
Nav. gibba? ; 38) C. maculata: Cocconema; 39) C. olivacea: Gomphonema; 40) C. operculata: Pyccidicula ; 41) C. ova- 
lis: Cocconema? , Navicula?; 42) C. picta: Eunotia turgida? ; 43) C. 5 -punctata: Nav. Librile; 44) C. Solea: Jdem; 
45) C. ventricosa: Cocconema gibbum; 

46) Desmidium aptogonum: Aptogonum Desmidium, Nov. Genus? ; 47) D. cylindricum: Arthrodesmus ; 48) 

D. ^jnucosum: Odontella Desmidium et Tessararthra filiformis; 49) D. Swartzii PI. II.; 50) D. {Swartzii PI. V.): bifi- 
dum; 51) D. vertebratum: Odontella unidentata; 

52) Diatoma elongatwm: Bacillaria el. et tabellaris ; 53) D. fenestratum: Bacillaria pectinalis? ; 54) D. floc- 
culosum: Idem; 55) D. tenue: Bacill. cuneata; 56) D. vulgare: Bac. vulg.? ; 

57) Ency otiema paradoxum: Gloeonema; 

58) Exilaria crystallina: Synedra Ulna; 59) E. curvata: Syn. lunaris; 60) E. rubiginea: Podosphenia? ; 61) 

E. truncata: Synedra fasciculata? ; 62) E. Vaucheriae: Syn. Ulna; 63) E. viridescens: Syn. Ulna?; » 

64) Fragilaria (capucina Desmazieres): rhabdosoma ; 65) F. (hiemalis) -.pectinalis; 66) F. {pectinalis) : rhabdosoma ; 

96 



383 



67) Frust ulia acuta: Acicnlae Spongillae? ; 68) F. aequalis: Synedra? , Fragilaria? ; 69) F. anceps: Navi- 
cula gracilis?; 70) F. major: Navic. viridis; 71) F. multifasciala: Nav. gracilis? ; 72) F. oblonga: Nav. gracilis? ; 73) 
F. obtusa: Nav. viridis juvJ , Synedra? ; 74) F. pellucida: Navic; 75) F. punctata: Nav. viridis? ; 76) F. splendens: 
Synedra Ulna; 77) F. subquadrata: Meridion vernale? ; 78) F. subtilis: Nav. Actis? ; 79) F. subulala: Closterium rostrJ; 
80) F. tenuissima: Fragil, r habdos.; 81) F. Ulna: Jdem; 

82) Gomphonema (Clavus): acuminatum; 83) G. (curvatum): minutissimum ; 84) G. (dichotomum) : gracile; 
85) G. (geminatum): truncatum; 86) G. (pohliaeforme) : ■mimitissimum ; 87) G. rostratum: Cocconema? ; 88) G. semi- 
ellipticum: Cocconema lanceolatum? ; 89) G. simplem: Cocc. cymhi forme? ; 90) G. (subramosum) : truncatum; 

91) Heterocarpella binalis: Euastrum verrucosum? ; 92) //. bioculata: Euastr. integerrimum? ; 93) H. po- 
lymorpha: Euastr. ansatum ; 94) //. tetrophthalma : Euastr. Botrytis; 

95) Meloseira minutula Chauvin: Gallionella ferruginea? ; 96) M. moniliformis: Gallion. aurichalcea? ; 97) 
M. oriclialcea: Jdem; 98) M. subßexilis: Gallion. varians; 99) M. varians: Idem; 

100) Meridion (circulare): vernale; 

101) Micrasterias cruciata: Zwillingserystalle eines Salzes; 102) M. denticulata (EcJänella rotata Greviixe, 
Jirit. Flora 2. p. 398): Euastrum Rota; 103) M. heliactis: Alge; 104) M. margaritifera: Euastrum; 105) M. paradoxa: 
Salzcrystalle ; 106) M. (renicarpa): heptactis; 107) M. ricciaeformis: Euastrum; 108) M. (selenaea): Boryana; 109) M. 
sinuata (Ec/tinella oblonga Greville ibid.): Euastrum Pecten; 

110) Scenedesmus bilunulatus: Arthrodesmus pectinatns ; 111) Sc dimorphus: Idem; 112) Sc. duplex: Arthr. 
acutus; 113) Sc. Leibleini: Arthr. quadric. ecaudis; 114) Sc. minor: ldem; 115) Sc. moniliformis: Tessar arthr a; 116) 
Sc. octodacrys?; 117) Sc. ovalternus?; 118) Sc pectinatus: Arthrod.; 119) Sc. quadr alter nus: Arthr. acutus; 120) Sc. 
quadricauda: Arthrod. quadricaudatus; 121) Sc. quadrirenalis: Micrasterias?, Euastrum?; 122) Sc. stomatomorphus : 
Odontella?; 123) Sc tetradacrys? ; 124) Sc tetrapenion? ; 

125) Sigmatella acuminata: Navicula Sigma; 126) S. attenuata: Nav. Hippocampus; 127) S. Nitzschii: Nav. 
sigmoidea; 128) S. vermicularis: Nav. curvula? ; 

129) Surirella biseriata: Nav. biceps; 

130) Trochiscia bijuga: Tessar arthr a; 131) T. dimidiata: Pyccidicula? ; 132) T. pectoralina: Gonium pe- 
ctorale; 133) T. quadrijuga: Sphaerastrum? , Tetraspora lubrica? ; 134) T. solitaris: Tessararthra. 

Die Gattung Aptogonum würde sich bei Odontella anreihen als ein Desmidium mit Zapfen an den Ecken ohne Mittelcanal. 
Die Gattung Rotellina von Serres (Comptes rendus de F Institut de Paris, 18. Juill. 1836) war wohl Euastrum 
oder Micrasterias. 

Sehr auffallend ist eine, von dem gelehrten Plott 1683 in den Sool wässern von Staffordshire gemachte, Beobachtung, wo- 
nach der Sandgehalt (Pfannenstein?) der englischen Soolwässcr von lebendigen prismatischen (Bacillarien-) Thierchen herkäme (A Na- 
tural history of Staffordshire, p. 96.). 

Man vergleiche auch Mohl über die Symmetrie der Pflanzen, Regensburger bot. Zeitung, Juli 1837. p. 388. Der sehr ver- 
diente Verfasser betrachtet Achnanthes, Meridion, Diatoma und Frustulia {Navicula) immer fort als Pflanzen, ohne auf die wich- 
tigen Ge£>enffründe einzugehen, und erkennt ebenfalls darin ein deutlich Rechts und Links, wie bei den Thieren. Sollten aber wohl 
Pflanzen, welche Rechts und Links, Mund, Magen und Füsse haben, fressen und kriechen, nicht geradehin desshalb eben zu den Thie- 
len zu zählen sevn? Fänden sich diese Charactere bei allen Pflanzen, würde man dann nicht alle Pflanzen mit allem Rechte zu den 
Thieren zählen? 



Kurze Uebersicht über die Entwickelung der Kenntnisse von der Paarung und Fortpflanzung 
der Magenthierclien durch Selbsttheilung, Knospen und befruchtete Eier. 

Schon Leeuwenhoek sah von 1680 an öfter die Verbindung zweier Thierchen im Pfefferwasser und hielt es für Paarung: 
ac tibi duo animalcula sibi invicem implicita nataritia aut decumbentia viderem, tunc ea coire (mihi videbatur), „und 
wo ich 2 Thierchen sich umschlingend schwimmen oder ruhen sah, hielt ich es für Paarung" (Experimenta et Contemplat. p. 22. 
Epist. ad Hookium, vergl. Chilodon Oucullulus). Derselbe sagt ebenda p. 255. 1692: videbam multa ex his animalculis in 
coitu constituta ac diu in eo statu manere — adeo ut nunc manifestius ac unquam antea horum animalculorum vide- 
rem coittim, „ich sah viele von diesen Thierchen in der Paarung und darin lange verweilen — so dass ich nun klarer als irgend 
vorher die Paarung dieser Thierchen beobachtet habe" (vergl. Stylonychia pustulata). Aehnliches sagt er Continuat. Are. natu- 
rae p. 21. 1795. und p. 36. Ebenso verglich bei Stylonych. pustulata der Anonymus von 1703 die gesehene Erscheinung zwei 
zusammenhängender Thierchen mit der Paarung der Fliegen, und Joblot, welcher es 1718 bei Stylonychia pustulata, Oxy- 
tricha Pullaster, Colpoda Cucullus und Chilodon Cucullulus sah, hielt es auch für Paarung, wie Baker 1742. Erst durch 
Tremblet's vortreffliche Beobachtungen der Glockenthierchen ( Vorticellen) 1744 wurde bekannt, dass diese letzteren sich 
zur Vermehrung, ihrer ganzen Länge nach wiederholt in 2 Theile theilen, die Trompetenthierchen (Stentor) aber eine schiefe 
Queertheilung eingehen. Seitdem sind diese Verhältnisse vielseitig gesucht und erkannt worden. Zwar hielt der Pater Beccaria in 
Turin 1765 noch ein solches Doppelthierchen der Stylonychia pustulata für in der Paarung begriffen, aber Rösel sah 1755 die 
allmälig vor sich gehende Selbsttheilung beim Proteus, Amoeba diffluens, und Saussure erkannte durch genaue Beobachtung der 
allmäligen Veränderung bei 2 Arten 1765, dass Beccaria's Beobachtung keine Begattung, sondern eine, den Infusorien wie den 
Strausspolypcn (Vorticella) eigentümliche, Vermehrungsweise, eine Trennung sey (Spallanzani , Opusc. di fisica atiim. I 
p. 148, 149.). Elilis machte dann 1769 schon mehrfache Beobachtungen von spontaner Queertheilung als Fortpfianzungsweise , bei 
Amphileptus Fasciola, Paramecium Aurelia, Chilodon Cucullulus, Leucophrys pyriformis? , Trichoda pura und einer Mo- 
nade. Vielseitig erkannte dasselbe Otto Friedr. Mülxer schon 1773 bei Monas Lens, Enchelis Seminulum, Cychdium 
Glaucoma, Paramecium Aurelia, Vorticella crateriformis und Fort, racemosa immer als Theilung, aber bei Trichoda Lyn- 



383 



cws glaubte er doch eine wirkliche Paarung zu beobachten, Spall anzani und Colombo saben ebenfalls Doppele estalten, allein sie 
erkannten dieselben mit Sicherheit, wie Saüssüre, als Folge der Selbsttheilung, welche nach Trembley's Entdeckung eine beson- 
dere Art der thienschen Fortpflanzung bildet. Shuahani sah 1776 14 Arten von Infusorien in Selbsttheilung. Er sah Längs- 
theiluug me Trembley, Queertheilung wie Saüssüre, und „och überdies« entdeckte er die Knospenbildung bei Vorticellen. Dass 
die Thcilung nicht ei» unfreiwilliges Zerstückeln durch Verletzung oder ein Platzen zum Freilassen der Brut sey, wie Elms meinte, 
hat er schon gründlich befestigt (Spallanz. c. p. 155. seq.), Corti glaubte 1774, wie Saussüre, eine Viertheilung bei 2 be- 
haarten Thieren zu sehen, allem kein späterer Beobachter hat diese auffallende Nachricht der sonst treuen und bedächtigen Beobachter 
bisher bestätigen oder erläutern können, denn jene Thierchen konnten keine Polytoma oder Chlamidomonas sevn (Osservaz. microsc. 
/>. 73.). Gleichen nannte die gesehene Verbindung 1778 wieder Paarung, aber ohne scharfe Beobachtung. Eine sehr genaue Beob- 
achtung einer solchen Queertheilung machte Köhler in Dresden 1781 wieder an Stylonychia pustulata bekannt. Eichhorn sah 
die Selbsttheilung bei Actinophrys Sol 1783. Ungeachtet aber dieser und anderer so mannigfacher sorgfältiger Beobachtungen blie- 
ben doch m Müller's Opus posthumum von 1786 auffallende Unsicherheiten und Widerspruch, wozu mit beitragen mochte, das, einige 
Beobachter, auch Leeuwenhoek und Wrisberg, „och ein Verschmelzen kleiner Infusorien zu grösseren gesehen zu haben meinten. 
Müller sagt in seinem nachgelassenen Werke bei 9 Infusorienarten, dass er ihre Paarung gesehen, ausdrücklich, und unterscheidet 
sie von der hauhgeren Selbsttheilung. Es sind Vibrio Fasciola, Paramaecium Aurelia ,^ Trieboda Cime*;, Lyneeus, Prisma, 
tgmta aurantta und Kerona Vannus; ganz umständlich spricht er sogar vom getrennten doppelten Geschlecht bei Trieboda Oha- 
ron Völlig im Widerspruche nun mit diesen Nachrichten ist dagegen, was er in der Vorrede p. XL und XII. desselben Werkes 
sagt wo er die Beobachter, welche von Paarung und Verschmelzung sprechen, scharf tadelt, weil sie die Selbsttheilung für Paarung 
gehalten. Er sagt in der Note: Juncta vidi saepissime, at observatio pertinav successivam partitiomm — copulam nullam 
docuit, „Doppeltere habe ich oft gesehen, aber eine anhaltende Beobachtung zeigte mir allmälige Trennung — „ie eine Paarung.« 
Dagegen sagt er ebenda p. VI.: quid, auod coitum paucissimorum via dubium, (addam), „ich bemerke, dass sogar die Paa- 
rung bei einigen, wenn auch sehr wenigen, kaum zweifelhaft ist.« Nun sind zwar in der neueren Zeit die Theilungserscheinun-en 
wieder beobachtet, aber, ausser von Grüithüisen 1812 in dessen Beiträgen zur Physiognosie, von Niemandem mit hinreichender Ver- 
grosserung uberzeugend revidirt worden. Gruithüisen's Abbildungen des Cbilodon, der Stylonychia u. s. w. zeugen von intensiver 
Beschäftigung mit dem Gegenstande, aber er sah keine Paarung, nur Selbsttheilung in allen Richtungen. Seit 1830 habe ich meine 
eigenen, auf den innern Organismus gelenkten, Beobachtungen auch über die Selbsttheilung bekannt zu machen angefangen, und es hat 
kein früherer Beobachter ebensoviel directe Beobachtungen angestellt. Es giebt aber hiernach durchaus keine Verschmelzung noch Paa- 
rung, wenn sich auch zufällig einzelne Thierchen an einander anklammern. Alle Individuen haben vielmehr bei den zahlreichen 
der intensiven Nachforschung bisher zugänglich gewesenen, Arten einen so überzeugenden, in den Tafeln dargestellten, Hermaphrodi- 
tismus in ihren Organen selbst erkennbar werden lassen, dass die Frage von getrenntem Geschlecht und Paarung verneinend hier als 
gelost erscheinen dürfte. Auch die bei einigen Mollusken bekannte Paarung hermaphroditischer Thiere ist mir nicht vorgekommen. 
Gerade Queertheilung und Längstheilung , die ich bald gleich, bald ungleich sah, kann man jetzt als fast allgemeinen, wenn auch noch 
nicht uberall beobachteten, Character der Magenthierchen annehmen. Schiefe Queertheilung ist, ausser bei Stentor, auch bei 
C/dorogomum und Arthrodesmus. Knospen entdeckte Sfallanzani bei Vorticellen, Gruithüisen sah sie 1812 wieder und 
ich habe sie ebenda und auch bei Dinobryon und Stylonychia pustulata erkannt. Durch die, seit 1832 von mir in den Abhandl 
d. Berl. Akad. d. Wiss. nachgewiesene, 1835 aber ebenda durch Y^ergleiehung mit grösseren Thieren wissenschaftlich festgestellte, An- 
wesenheit von männlichen Sexualdrüsen und Eiern in allen Individuen der Arten, und deren Verhalten bei der Selbsttheilung glaube ich 
eine wissenschaftlich feste Basis für diese Untersuchungen und Meinungen gewonnen zu haben, und die Existenz der Befruchtung, welche 
Schweigger noch 1820 als wichtigen Gegengrund gegen das Anerkennen von wahren Eiern ansah, findet in diesen, auch durch die merkwür- 
digen contractilen Blasen gesicherten, Verhältnissen so lange eine unläugbare starke Stütze, bis völlig nachgewiesen seyn wird, dass 
die von mir für Eier gehaltenen Körnchen entweder wirklich mouadenartige Junge ausschlüpfen lassen, oder bis eine bestimmt zu er- 
weisende andere Natur derselben festgestellt seyn wird. Meinungen ohne scharfe Beobachtungen haben freilich hierbei gar keinen Werth. 



CLASSE DER RAEDERTHIERE. 

Rotatoria. Rotatoires. 

CHARACTER: Animalia emedullaria, aspliycta, tubulata, forma definita, androgyna, rotatoria, pseudo- 

poda, processu pediformi singulo aut nullo. 

Medulla spinali carentia, vasorum pnlsa destituta, intestino simpliciter tubuloso, nec fissa nec gemmipara, sin- 
gnla sexus utriusque organis et organis rotatoriis instructa, vere articulatis pedibus orba. 

CARACTERE: Animaux sans moelle epiniere, sans pulsations des vaisseaux , ayant un canal 
alimentaire simple tubuleux, la forme definie {ni gemmes ni division spontanee), a 
double sexe reuni ', pourvus organes rotatoires et depourvus de vrais pieds articu- 
les, ayant souvent un seul faux-pied. 
Rädert liiere sind rückenmarklose und pulslose Thiere mit einfach schlauchförmigem Ernährungs- 
canal, den Insecten und Rückenmarkthieren gleich abgeschlossener Form, mit doppeltem vereinten 
Geschlecht und Räderorganen, ohne wahre Gelenk -Füsse und meist mit einem einzelnen Scheinfusse. 



Rotatoria 

sunt: 

Polygastrica tubulata, nunquam dividua; 

Acalephae tubulatae, organis rotatoriis; 

Wematoidea organis rotatoriis, et androgyna : 

Bryozoa nunquam gemmipara; 
Mollusca aspliycta (ecordia) ; 

Insecta (Entomostraca) aspliycta, pseudo- 
poda, androgyna; 

Place» emedullares, asphycti, androgyni, ro- 
tantes. 



les Rotatoires 

sont: 

Polygastriques ä canal intestinal simple, 
sans division spontanee; 

Acalephes ä canal intestinal simple, pour- 
vues d'organes rotatoires; 

urematoides ä organes rotatoires et ä dou- 
ble sexe reuni; 

Bryozoes sans gemmes; 

Moiiusques sans pulsations des vaisseaux 
(sans coeur); 

Insectes (Entomostraces) sans pulsations 
des vaisseaux, ä faux-pieds et ä double 
sexe reuni; 

Poissons sans moelle epiniere, sans coeur, 
ä double sexe reuni, ayant des organes 
rotatoires. 



Rie Rädertliiere 

sind: 

Magenthiere mit einfach schlauchartigem 
Darmcanale und ohne Selbstthcilung; 

Quallen mit einfach schlauchartigem Darm- 
canale und Räderorganen; 

Faden würmer mit Räder organen und ver- 
eintem doppelten Geschlecht; 

Moosthiere ohne Knospenbildung; 

Schnecken ohne Gefäss- Pulsationen (ohne 
Herz) ; 

Insecten (Flohkrebse) ohne Puls und ohne 
Gelenkfusse , mit vereintem doppelten Ge- 
schlecht; 

Fische ohne Rückenmark, ohne Herz, mit 
vereintem doppelten Geschlecht und Rä- 
derorganen. 



Uebersicht der 8 Familien der Classe der Räderthiere: 

panzerlose Ichthydina 

gepanzerte Oecistina 



Einfacher zusammenhängender Wimperkranz: 
M onotrocha, 
Ringräderthiere: 



ganzrandiger Wimperkranz ; 
Holotrocha, 
Einräderthiere: 



Mehrfacher oder getheilter Wimperkranz; 
Sorotroc/ia, 
Haufr äderthiere : 



ausgeschweifter Wimperkranz : 
Sc/iizotrocha, 
Kerbräderthiere: 

vieltheiliger Wimperkranz : 
Polt/trocha, 
Vielräderthiere: 

zweitheiliger Wimperkranz : 
Zygotroclia, 
Doppelrädert liiere: 



( panzerlose Megalotrochaea 

I gepanzerte Floscularia 

panzerlose 
l gepanzerte 



• • • 



Hydatinaea 
Euchlanidota 



1 panzerlose 
gepanzerte 



Philodinaea 
Brachionaea